Ethik

Beiträge aus dem Bereich Ethik.

Nashville Erklärung in deutscher Sprache

Der „Rat für biblisches Mannsein und Frausein“ (engl. „Council on Biblical Manhood and Womanhood“, abgekürzt CBMW) hat im August 2017 eine Erklärung zur menschlichen Sexualität vorgelegt. Die sogenannte „Nashville Erklärung“ (engl. „Nashville Statement“) nimmt zu Fragen Stellung, die seit Jahren kontrovers diskutiert werden, darunter Homosexualität, polygame oder polyamoröse Beziehungen sowie die Geschlechterrollen.

Gottes wunderschöne Schöpfungsordnung

Ausgehend von der Beobachtung, dass die westliche Kultur im 21. Jahrhundert zunehmend post-christlich geworden ist und begonnen hat, „ganz neu zu definieren, was es heißt, ein menschliches Wesen zu sein“, ruft die Nashville Erklärung die Kirche dazu auf, Gottes wunderschöne Schöpfungsordnung, so wie sie in der Heiligen Schrift niedergelegt und in der Natur erkennbar ist, dankbar zu bejahen. „Wir gehören nicht uns selbst. Unsere wahre Identität als männliche und weibliche Personen wurde uns von Gott verliehen. Zu versuchen, etwas anderes aus uns selbst zu machen als das, wozu Gott uns geschaffen hat, ist nicht nur töricht, sondern zum Scheitern verurteilt“, heißt es in der Erklärung. Sie mahnt zur Anerkennung der Gleichwertigkeit von Mann und Frau und zugleich zur Bejahung der Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern.

Sexualität als Gabe für den Ehebund

Die Nashville Erklärung enthält 14 Artikel mit Bekräftigungen und Verwerfungen. Artikel 2 bekennt sich etwa zur Sexualität innerhalb der Ehe und verwirft, dass irgendein Begehren jemals Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe rechtfertigen dürfe. Der Artikel 8 bekräftigt, „dass Menschen, die sich vom gleichen Geschlecht sexuell angezogen fühlen, durch den Glauben an Jesus Christus ein reiches, fruchtbringendes und Gott wohlgefälliges Leben führen können, indem sie, wie es allen Christen geboten ist, in Reinheit leben“. Abgelehnt wird hingegen, dass die sexuelle Anziehung für das gleiche Geschlecht ein Bestandteil von Gottes ursprünglicher, guter Schöpfung sei.

Über 150 bekannte Erstunterzeichner

Zu den Erstunterzeichnern der Nashville Erklärung zählen mehr als 150 angesehene Theologen und Persönlichkeiten aus dem evangelikalen Lager, darunter J.I. Packer, Wayne Grudem, Albert Mohler, D.A. Carson, John Piper, Mark Dever, John MacArthur, R.C. Sproul oder Vaughan Roberts. Rosaria Butterfield, die sich einst als Literaturprofessorin zum Lesbianismus bekannte und heute Ehefrau eines Pfarrers ist, hat die Erklärung ebenfalls gezeichnet.

Protest und eine Gegenerklärung

„Christians United“, eine Organisation, die sich für die Integration von LGBTplus-Interessen in den christlichen Kirchen einsetzt, hatte am 30. August eine Gegenerklärung veröffentlicht und verneint darin, dass Gott beabsichtigt habe, die Sexualität innerhalb des Ehebundes zwischen einem Mann und einer Frau zu verorten. Zu den Unterzeichnern der Gegenerklärung gehört etwa der britische Baptistenpastor Steve Chalke, der aufgrund schwerwiegender Meinungsverschiedenheiten die Evangelische Allianz in Großbritannien verlassen musste.

Matthias Lohmann: „Erklärung überfällig“

Der Vorstand des Netzwerks „Evangelium21“ hofft, dass das Dokument zur Klärung in sexualethischen Fragen beiträgt. Laut Pastor Matthias Lohmann, 1. Vorsitzender des Vereins, sei solch eine Erklärung überfällig. „Obwohl das Christsein nicht mit einer Sexualmoral verwechselt werden darf, können wir die biblische Sicht auf die Geschlechtlichkeit nicht aufgeben.“ Gott als Schöpfer des menschlichen Lebens – so Lohmann weiter – „hat uns eine sehr gute und schöne Ordnung geschenkt, um das Familienleben und die Sexualität, die den Menschen ja auch sehr verletzbar mache, zu schützten“. Ron Kubsch, Generalsekretär von Evangelium21, ergänzt: „Wir brauchen so ein Statement, aber auch Mut zur Selbstkritik hinsichtlich unseres eigenen Versagens. Wir Christen sind nicht immer ein gutes Vorbild im Umgang mit unserer Sexualität und unserer Familie.“ Kubsch fügt hinzu: „Die gesellschaftlichen Entwicklungen in diesem Bereich werden unsere Geduld und unser seelsorgerliches Handeln noch gewaltig herausfordern.“

Nashville Erklärung in deutscher Sprache erschienen

Die Nashville Erklärung wurde von Evangelium21 mit freundlicher Genehmigung übersetzt und kann hier heruntergeladen werden.

Hautfarbe, Geschlecht, Nation

Immer mehr linken Intellektuellen dämmert es, dass die neue Toleranz aggressive Formen der Intoleranz entwickelt. Am Donnerstag hat der Münchner Soziologe Armin Nassehi in der FAZ (Ausgabe vom 31.07.2017, Nr. 202, S. 13) einen bemerkenswerten Essay mit dem Titel „Hautfarbe, Geschlecht, Nation“ veröffentlicht. Zwei Dinge seien kurz herausgestellt.

Einmal bestätigt Nassehi, durchaus zufrieden, dass die so genannte „Ehe für alle“ ihren Weg in die Rechtsprechung gefunden hat, weil sie auf dem Feld der Sprache akzeptiert worden ist:

Dass eine gewisse Form der Sensibilität für verletzbare Gruppen wie etwa Homosexuelle oder Schwarze sich auch sprachlich niederschlägt, sollte selbstverständlich sein. Auch dass sich in der Sprache gesellschaftliche Erfahrungen niederschlagen, kann nicht wirklich beklagt werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die sogenannte Ehe für alle, die vom Bundestag beschlossen wurde, sich auch auf dem Feld der Sprache durchgesetzt hat. Sie wurde wohl auch deshalb so plausibel für diejenigen, für die sie lebens-weltlich kaum relevant ist, weil die „einge-tragene Lebenspartnerschaft“ und die „Verpartnerung“ schlicht sprachliche Ungetüme sind, die letztlich nur auf verdruckste Verhältnisse verweisen: Etwas, das sich de facto als fast identisch mit dem darstellt, was Ehe heißt, muss dann auch so heißen. All das kann niemanden nerven, der einigermaßen bei Trost ist.

Der zweite Punkt ist wichtiger. Nassehi verweist auf den originellen Linken Slavoj Žižek, der die „Vancouver Pride Parade“ mit einem gewissen Argwohn beobachtet hat. Denn der politisch korrekte Sprachgebrauch etablierte dort eine Norm mit neuen Ausgeschlossenen.

Die Parade hinterließ bei Žižek „(und auch vielen Lesbian-Gay-Bisexual-Transgender-Mitgliedern) einen bitteren Nachgeschmack. Hier waren mehrheitlich gut ausgebildete weiße, privilegierte Frauen und Männer unterwegs, die über hohen sozialen Status verfü-gen. Sogar die subtile Langweile und die bürokratische Sprache der TV-Kommentatoren von Vancouver mit ihrer politisch korrekten Vorhersehbarkeit (sie waren stets sorgsam darauf bedacht, den ideologischen Schirm der Parade als LGBT-Queer-Intersex-Asexual+ zu bezeichnen) erinnerten mich an den Jargon der Kommunisten, bei dem jegliche Form von Ironisierung unter Androhung von Strafe verboten war. Alle haben sich an die offizielle Sprachregelung zu halten, alle haben das angeblich subversive Potenzial alternativer, in Wahrheit jedoch privilegierter Lebensentwürfe zu loben und zu preisen. Am Ende wirkt der offizielle Sprachgebrauch selbst wie sein eigener ironischer Kommentar. Zensurierter Ernst schlägt um in unfreiwillige Komik – und geschieht nicht genau dies notwendigerweise mit der Political Correctness? Sie beansprucht mit den besten Absichten, niemanden zu verletzen, produziert aber neue Ausgeschlossene und etabliert eine neue Norm – bloß darf dies niemand mehr sagen, weil er dadurch die schöne neue Herrschaftsharmonie störte.“

Die Beobachtungen Žižeks bestätigen also, was ich hier im Blog schon mehrfach behauptet habe: Mit dem Anspruch, dass durch Sprache niemand „geächtet“ und „gekränkt“ werden darf, wird unter der Hand eine strenge Leitkultur als neue Moral etabliert. Der Verstoß gegen diese neue Moral kann kostspielig werden. Denn niemand soll den neuen Frieden (Herrschaftsharmonie) stören.

Hier der Essay von Armin Nassehi: www.faz.net.

Neue Wege in der Liebe: Die Nashville-Erklärung

Vor zwei Tagen habe ich mir die TV-Sendung „Neue Wege in der Liebe: Moderne und traditionelle Beziehungsmodelle“ angesehen. Die Sexologin und Paartherapeutin Ann-Marlene Henning stellt dort heraus, dass die „Verhandlungsmoral“ die alte „Verbotsmoral“ längst abgelöst hat und alles möglich ist, was jemand begehrt (siehe dazu auch: Die Postmoderne, 2007, S. 53–57). Da ist etwa Sylvia, die sich als geborene Polyamore bezeichnet und jetzt, da sie gleichzeitig mehrere Menschen beiderlei Geschlechts liebt, endlich glücklich ist. Oder da sind Uli und Martin, die ihre Beziehung als offen bezeichnen und in ein Liebesnetzwerk eingebettet sind. Entscheidend ist, was ich fühle, die Lust. Letztes Tabu ist der Zwang. Das verbreitetste Modell – so Ann-Marlene Henning – sei es, in einer Hauptbeziehung zu leben und gleichzeitig mehrere Nebenbeziehungen zu haben. Dabei läuft alles transparent. Zur Offenheit gehört das Gespräch über mein Netzwerk und den letzten Höhepunkt. Die Beziehungszeiten werden übrigens immer kürzer. Das Singledasein ist – vielleicht eine logische Konsequenz – ein wachsendes Format. Bei allem gesetzgeberischen Einsatz für die Ehe, den wir in den letzten Monaten erlebt haben, finde ich – nebenbei – interessant, dass die polyamoren Netzwerke und das Singledasein so im Trend liegen.

Machen wir uns nichts vor. Die Sexualethik ist seit Jahren ein wichtiger Prüfstein für die Bekenntnisfestigkeit der christlichen Kirchen. Der Druck von außen und innen wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Vor allem die junge Generation wird über die Kultur und die Schule beflügelt, neue Beziehungsmodelle attraktiv zu finden und sie auch mal auszutesten.

Um so wichtiger ist es, dass Pastoren, Gemeindeleiter und Jugendleiter (!) Farbe bekennen. Keine Meinung zu haben, sich aus dem Prozedere einfach schick herauszuhalten, ist, seien wir ehrlich: billige Anpassung.

Mehr als 150 evangelikale Leiter aus den USA haben nun eine theologische Stellungnahme zur Sexualethik veröffentlicht, das so genannte Nashville-Statement. Zu den ersten Unterzeichnern gehören Theologen wie J.I. Packer, Wayne Grudem, Mark Dever, Heath Lambert, Vaughan Roberts, John Frame, Kevin DeYoung, Thomas Schreiner oder Michael Reeves. Auch der Philosoph J.P. Moreland oder die Literaturwissenschaftlerin Rosaria Butterfield haben die Erklärung unterschrieben (an dieser Stelle kann gezeichnet werden).

Die Nashville-Erklärung kann hier heruntergeladen werden: The-Nashville-Statement-and-Initial-Signatories-List.pdf.

Der Konservatismus des Heribert Prantl

Mit dem sympathischen Slogan „Ehe für alle“ wurde in Deutschland der Weg für die gleichgeschlechtliche Ehe freigemacht (zum Erfolgsbegriff siehe hier). Für Heribert Prantl ist das neue Ehe-für-alle-Gesetz jedoch immer noch diskriminierend, da es die Zuordnung eines männlichen oder weiblichen Geschlechts verlangt, also – so Prantl – ein Mensch mit uneindeutigen geschlechtlichen Merkmalen nicht heiraten darf.

Die Ehe wird, heißt es im Ehe-für-alle-Gesetz, „von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts“ geschlossen. Mit dieser Formulierung wird also die Zugehörigkeit der Menschen, die heiraten wollen, zu einem bestimmten Geschlecht verlangt und festgeschrieben. Das heißt: Menschen, die weder dem männlichen, noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden, sind von der Ehe ausgeschlossen. Darf die eindeutige Geschlechtlichkeit in dieser Weise hervorgehoben und betont werden?

Deshalb fordert Prantl die Öffnung für folgende Konstellationen: Mann-Frau, Mann-Mann, Frau-Frau, Mann-Inter, Frau-Inter und Inter-Inter (siehe diese Videokolumne).

Als die „Ehe für alle“ eingeführt wurde, war abzusehen, dass mit einer weiteren Öffnung der Konstellationen gerechnet werden darf (vgl. meinen Kommentar hier). Kurioserweise vertritt Heribert Prantl in seinem „Plädoyer für Konsequenz“ auf dem Hintergrund aktueller Entwicklungen eine nahezu konservative Position. Warum? Nun, einmal wirkt die Festlegung auf die Geschlechter Frau-Mann-Inter geradezu altmodisch. Facebook kennt inzwischen 60 Geschlechtsidentitäten, darunter die Unentschiedenen, also jene, die eine Festlegung gänzlich meiden oder das Geschlecht je nach Begehren wechseln. Eine Festlegung auf Intersexualität ist im Ozean der Geschlechter also nach wie vor ausschließend. Zum anderen erscheint die Begrenzung auf zwei Personen wie eine willkürliche Setzung. Warum nicht eine Ehe zwischen drei oder fünf Menschen?

Diese Debatten werden kommen, über semantische Streitigkeiten hinausgehen und dann dazu anstiften, den Sinn von Ehe und Familie gänzlich infrage zu stellen. Der vermeintliche Kampf für die Aufwertung der Ehe zwingt sie in die Bedeutungslosigkeit.

„Politisch korrekte Monokultur“

Der Google-Entwickler James Damore hat die Dominanz der Männer in der Tech-Branche mit biologischen Unterschieden erklärt. Das hat ihn nun seinen Job gekostet. Der entlassene Google-Mitarbeiter überlegt allerdings, juristisch gegen seinen Rauswurf vorzugehen. Das ist gut so! Die FAZ berichtet:

Der Mann, bei dem es sich mehreren Berichten zufolge um einen Softwareentwickler handeln soll, hatte ein Dokument verfasst, in dem er unter anderem die Meinung vertrat, Frauen seien biologisch weniger für den Erfolg in der Technologieindustrie geeignet als Männer. Er schrieb außerdem, Frauen seien im Schnitt neurotischer als Männer und mehr „auf Gefühle und Ästhetik als Ideen ausgerichtet“. Er nannte Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen einen „Mythos“.

Zudem beklagte er eine „politisch korrekte Monokultur“ in seinem Unternehmen. Konservative Meinungen würden nicht toleriert und unterdrückt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, der Mann habe erzählt, das Manifest sei in Teilen auf einem 12-Stunden-Flug während einer Dienstreise nach China entstanden. Der Softwareentwickler habe sich über die Inhalte eines gerade absolvierten Diversity-Trainings geärgert. Die Fortbildung, die eigentlich für mehr Vielfalt und Toleranz unter Mitarbeitern sorgen sollte sei bei dem Programmierer voll nach hinten losgegangen. Er habe gesagt: „Es gab dort so viele Zurechtweisungen im Stile von ’nein, das kannst du nicht sagen, das ist sexistisch‘. Da war einfach so viel Scheinheiligkeit in vielen der Dinge, die sie dort propagierten.“

Ich empfehle dazu auch die Stellungnahme „No, the Google manifesto isn’t sexist or anti-diversity. It’s science“ von Debra Soh.

Trennt Euch!

Der Schweizer Autor Thomas Meyer meint, vier von fünf Beziehungen passen nicht und müssten sofort beendet werden. Alles andere sei unzumutbar. In seinem Buch Trennt Euch! widmet er sich in Form des literarischen Essays genau diesen inkompatiblen Beziehungen und ist – wie kann es anders sein – ein beliebter Gesprächspartner für die Medienwelt. So hat auch der DLF mit dem Trennungsexperten gesprochen.

Hier einige steile Aussagen aus dem Interview:

[Es macht mich betroffen], dass so viele Menschen so sehr leiden in ihren Beziehungen. Und diesem Leiden immer wieder entschuldigend und rechtfertigend gegenübertreten. Und statt es zu beenden, es auch immer wieder relativeren und sich dabei – in meinem Empfinden – immer weiter von sich selbst wegbewegen. Das ist etwas, was mich betroffen macht. [Anmerkung: Was für ein emphatischer Mensch!]

[Das] Vorhaben, aus dem Partner jemanden zu machen, mit dem man besser auskommt, ist – ich würde mich sogar dazu versteigen, das als kriminell zu bezeichnen. [Anmerkung: Einen Menschen verbiegen, hilft wirklich nicht weiter. Aber wie wäre es denn mit gemeinsamer Beziehungsarbeit?]

Denn ich bin wirklich überzeugt, der Mensch, so wie er zur Welt kommt, so ist er nun mal.

„Liebe? Ja, schön und gut. Aber das ist nicht alles!“ Die andere Hälfte des Erfolgs einer schönen Partnerschaft besteht in der Frage der Kompatibilität und des Wohlbefindens, nämlich: „Tut mir das gut mit diesem Menschen nahe zu sein?“ Ist das gut für mich? Bringt es mich weiter? Lässt es mich Ich selbst sein? Ist das produktiv und konstruktiv für mich, hier in dieser Nähe dieses Menschen mich aufzuhalten? [Hervorhebungen von mir.]

Ich finde, es gibt eine gesunde Form von Egoismus, die man konstruktiv auch als Selbstliebe bezeichnen könnte. Denn es geht ja genau darum: Die Qualität einer Beziehung misst sich tatsächlich daran, wie ich mich in dieser Beziehung fühle. Und ich denke nicht, dass das egoistisch ist. Im Gegenteil. Ich finde, man nimmt sich sehr ernst dabei, wenn man sich fragt: Ist das, was ich da habe, ist das zu meinem Wohlbefinden? Und ich meine nicht „Wohlbefinden“:

[Sinngemäß:] Bei dem Trennungsgespräch soll man kurz sagen: „Ich will die Trennung, weil unsere Beziehung mir nicht guttut.“

In Wahrheit findet man nur selbst die Trennung schrecklich, das hat mit den Kindern gar nichts zu tun! Im Gegenteil.

Sind seine Zahlen eigentlich stimmig? Passen vier von fünf Paaren nicht zusammen? Seine Antwort:

Das ist nicht wissenschaftlich, es ist noch nicht mal wirklich verifiziert. Sondern: Es bringt einfach in Zahlen zum Ausdruck, was ich subjektiv empfinde. Ich empfinde, dass die meisten Paare – vier von fünf habe ich gesagt – nicht zusammenpassen. Darum geht’s ja, um dieses „Passen“, um dieses Sich-Verstehen.

Wenn Thomas Meyer schon die totale Ehrlichkeit fordert: Das ist ziemlich großer Blödsinn, den er da verbreitet, Ausdruck einer schon krankhaft narzisstischen Beziehungsunfähigkeit, die leider in unserer Kultur ziemlich verbreitet ist und auch noch (unter anderem durch solche Bücher) gefördert wird. Kurz: Abbruch, wenn mir etwas nicht gut tut! Also Abbruch auch dann, wenn die Kompatibilität meines Kindes nicht genügt? Der „gesunde Egomane“, der ja angeblich die Welt retten möchte, meidet Schwierigkeiten und Konflikte aus Bequemlichkeit, anstatt sie auszutragen und in ihnen zu wachsen. Das bereichert nicht, sondern führt in die seelische Verkümmerung.

Wer ein hilfreiches Buch zum Thema „Beziehungsabbruch“ lesen möchte, sollte sich Tatort Trennung: Ein Psychogramm besorgen (siehe hier).

12 widerständige Brocken

Pfarrer i. R. Burkard Hotz hat „12 widerständige Brocken zur „Ehe für alle“ verfasst. Zwei Zitate daraus:

Wenn der Ratsvorsitzende der EKD jetzt zu den Evangelikalen gewandt sagt, dass die Homosexualität keine Bekenntnisfrage sei, dann ist das insofern belustigend, weil er völlig unterschlägt, dass es immer mehr die Kirchenleitungen und die sie stützenden Synodenmehrheiten selber sind, die die „Ehe für alle“ zur alles entscheidenden evangelischen Bekenntnisfrage machen!

Daher besteht die wesentliche Frage darin, ob es Gemeinden innerhalb der unbiblischen landeskirchlichen Ideologie und ihrer häretischen Leitungsorgane gibt, die bereit sind, auf diesen Bußruf des Evangeliums zu hören und ihm zu folgen? Die es aber tun, die sich Jesus, dem Weg, der Wahrheit und dem Leben zuwenden, die erkennen, wie sehr sie selbst in dieses lebensmüde System der gesellschaftlichen Anpassung verstrickt sind, und die bekennen ihre Schuld. In der Erfahrung der Vergebung wächst die Erkenntnis der eigenen Schuldverstrickung und zugleich und noch viel mehr die hoffnungsvolle Kraft, diese zerstörerische Abhängigkeit zu überwinden und ihre Positionen zu verlassen. Dabei wird der Kampf um Ehe und Familie in ihrer biblischen Sicht von zentraler Bedeutung sein.

Hier alle 12 Brocken mit freundlicher Genehmigung: 12widerständigeBrocken.pdf.

Wer bestimmt, was Kinder lernen?

Erziehungsrecht der Eltern und Erziehungsauftrag des Staates stehen gleichberechtigt nebeneinander. Aber was passiert, wenn die Schule etwas lehrt, das den Eltern missfällt – vor allem, wenn es um Sexualität und Religion geht? Volker Kitz, Jurist und Autor von Ratgeberbüchern, hat in der FAZ dazu Stellung bezogen und zunächst einmal sachlich festgestellt:

Die Schule darf die Kinder nicht indoktrinieren, nicht ein bestimmtes Verhalten befürworten oder ablehnen. Der Unterricht muss offen sein für unterschiedliche Wertungen. Zum anderen muss die Schule den Eltern die Möglichkeit geben, auf das zu reagieren, was ihre Kinder dort lernen. Die Eltern sollen die Sexualerziehung begleiten können, auch kritisch. Deshalb haben sie einen Anspruch darauf, dass die Schule sie rechtzeitig und umfassend informiert, über Inhalt und didaktischen Weg. Auch wenn Eltern und Schule sich gegenseitig nichts vorschreiben können, sollen sie sich abstimmen, auf Kritik und Probleme hören, Erfahrungen und Fragen in Elternversammlungen diskutieren. Das entschied das Bundesverfassungsgericht 1977 im Fall der Fünftklässlerin, und diese Grundsätze gelten bis heute.

Dann aber kommt ein Satz, der es wirklich in sich hat:

Was passiert, wenn eintritt, was das Bundesverfassungsgericht für die religiöse Betätigung als Ausnahmeerscheinung sah? Dass unterschiedliche Wertvorstellungen zu Schlägereien führen? Dass der Schulfriede an der Frage zerbricht, wie „natürlich“ Homosexualität oder Transsexualität ist? Muss die Schule dann, um des Schulfriedens willen, die Finger vom Thema lassen? Das legt das Bundesverfassungsgericht in der Entscheidung zum Schulgebet nahe.

Aber vielleicht ist der Gedanke nicht zu Ende gedacht. Vielleicht muss der Staat notfalls aufrüsten und mit Gewalt die Toleranz und Vielfalt verteidigen, die er vermitteln will. 

Falls ich das richtig verstehe, will der Autor damit sagen: Notfalls muss eben der Staat die „Akzeptanz der sexuellen Vielfalt“ mit Gewalt durchsetzen. Anders formuliert: Die Bürger sollen gezwungen werden, das Konzept der sexuellen Vielfalt zu bejahen.

Hier der vollständige Artikel: www.faz.net.

Eugene Petersons „Wenden“

Einen Tag, nachdem Eugene Peterson gegenüber dem Religion News Service geäußert hatte, die gleichgeschlechtliche Ehe zu begrüßen, ist der Bestsellerautor wieder zurückgerudert und sagte: „Um es klar zu machen, ich bejahe eine biblische Sichtweise auf die Ehe: ein Mann mit einer Frau. Ich bejahe eine biblische Sicht auf alles “ (Einzelheiten bei CT).

Denny Burk hat dieses Hin und Her klug kommentiert: 

As I tweeted earlier, I am grateful to see Peterson retract what he said in his interview with Merritt. He confesses that he succumbed to the pressure of the moment when being interviewed and that what he said to Merritt does not reflect his actual views. That he was willing to say so and to do a complete about-face is rare and remarkable. Peterson says, “I affirm a biblical view of marriage: one man to one woman.” That is a faithful affirmation.

Having said that, I do believe that Peterson has left some pretty fundamental questions unanswered. How does he square this “biblical view of marriage” with admitting practicing gay people into church membership? How is his view of marriage consistent with bringing openly gay persons onto his ministerial staff? These are the pastoral practices of one who affirms homosexual relationships, not of one who opposes them. Peterson raised more questions in his interview yesterday than he answered in his retraction today.

Hier mehr: www.dennyburk.com.

Politische Geschlechtsumwandlung

Wir haben hier schon mehrfach über die Bedeutung von „Gender Mainstreaming“ diskutiert (z.B. hier). Ich empfehle an dieser Stelle ein Büchlein, das Volker Zastrow vor 11 Jahren herausgebracht hat. Die These des FAS-Redakteurs:

Die Gender-Theorie ist eine sozialrevolutionäre Ideologie, die darauf zielt, die Geschlechterrollen zu zerstören – weil sie diese Rollen für künstlich, also beliebig formbar hält. Und das „Mainstreaming“-Konzept ist eine politische Technik, die das durchsetzen soll. Die EU hat sie sich zu eigen gemacht, die Bundesrepublik Deutschland inzwischen auch. Was heute die Politik bestimmt, begann vor vierzig Jahren in Baltimore mit einem unverantwortlichen Menschenversuch …

Ein längeres Zitat (Gender: Politische Geschlechtsumwandlung, 4. Aufl., 2016, 60 S., S. 14–17):

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Auf der Internetseite des Familienministeriums wird das zuvor noch zurückhaltend dargebotene Gender Mainstreaming inzwischen prominenter präsentiert. Bei flüchtiger Lektüre gewinnt man den Eindruck, es gehe darum, Frauen wie Männern gleichermaßen zur Durchsetzung ihrer Wünsche zu verhelfen; bunte Bildchen wie aus Immobilienprospekten zeigen junge Fotomodelle mit glücklichen Zähnen. Forscht man ein wenig weiter, wird man damit vertraut gemacht, daß der Begriff „Gender“ sowohl „gesellschaftlich als auch sozial und kulturell geprägte Geschlechtsrollen“ bezeichne, die als „veränderbar“ charakterisiert werden.

Daß sie verändert werden sollen, schwingt mit, wird aber zunächst nicht gesagt. Der Sinn bleibt dunkel, denn die Reihung der Adjektive ist abstrus: „gesellschaftlich“ und „sozial“ bedeutet dasselbe, während „kulturell“ und „sozial“ nicht gegeneinander abgegrenzt werden kann. In einschlägigen Gender-Texten wird hier das Adjektiv „traditionell“ benutzt: gemeint sind also offenbar herkömmliche oder überkommene Vorstellungen vom Geschlecht.

Sodann erfährt man, daß vom Familienministerium aus das „Gender Mainstreaming“ als sogenannte „geschlechtersensible Sichtweise“ ressortübergreifend in die Arbeit der Bundesregierung „implementiert“, eingespeist, worden ist. Dabei ist das schon erwähnte „GenderKompetenzZentrum“ behilflich. Doch auch dessen öffentliche Selbstdarstellung macht es nicht einfach, einen Begriff davon zu bekommen, was „Gender Mainstreaming“ eigentlich bedeuten soll, wie man es übersetzen könnte, wer diesen Begriff oder seine Theorie eigentlich erdacht hat. Erst wenn man tiefer hinabtaucht, stößt man auf Material zur feministischen Theorie und „aktuelle Erkenntnisse der Geschlechterforschung zum Beispiel zu Männlichkeit, Weiblichkeit und Intersexualität“.

Die bedeutendsten intellektuellen Leitfiguren dieser Forschung sind der 1984 an Aids-Folgen verstorbene französische Philosoph Michel Foucault (geboren 1926) sowie die in Berkeley lehrende Amerikanerin Judith Butler (1959). Foucaults Aneignung durch den Feminismus ist verschiedenthch bemerkt worden, in erster Linie handelt es sich dabei aber um die Übernahme der Körper- und Identitätstheorien eines homosexuellen Mannes durch homosexuelle Frauen. Judith Butler ist auch dabei maßgeblich, spätestens seit Beginn der neunziger Jahre hat sie sich als eine Meisterdenkerin des Gender-Begriffs und seiner Fortentwicklung in der „Queer-Theorie“ etabliert. Diese wird treffend als „inclusive umbrella label for all gendernauts and sexual outlaws, a cover-all term for lesbians, bisexuals, gays and transgendered people“ beschrieben: als ein gemeinsamer Schirm für alle „Gendernauten“ und sexuell Gesetzlosen, ein Dach für Lesben, Bisexuelle, Schwule und „Hinübergeschlechtliche“, wie „transgendered people“ in der Szene scherzhaft übersetzt wird — die Ausdrücke „Transvestit“ und „Transsexueller“ sind dort verpönt.

Und damit endlich ist man beim theoretischen Kern des „Gender“-Begriffs. Er meint nämlich keineswegs die Existenz sozialer Geschlechterrollen und deren Merkmale: also eine Banalität, an die feministische Klassikerinnen wie Betty Friedan noch anknüpften. Vielmehr behauptet „Gender“ in letzter Konsequenz, daß es biologisches Geschlecht nicht gebe. Die Einteilung der Neugeborenen in Jungen und Mädchen sei Willkür, ebensowohl könnte man sie auch nach ganz anderen Gesichtspunkten unterscheiden, etwa in Große und Kleine. Daher hege bereits in der Annahme der Existenz von Geschlecht eine letztlich gewalthafte Zuweisung von Identität: die „heterosexuelle Matrix“.

Als einführendes Traktat kann ich Gender: Politische Geschlechtsumwandlung sehr empfehlen! Es ist bedrückend, zu lesen, wie sich die von John Money behauptete strenge Unterscheidung zwischen „gender identity“ und „gender role“ durchgesetzt hat, obwohl seine Forschungen kläglich und tragisch gescheitert sind und eine Begründung bis heute fehlt. In Deutschland haben u.a. Feministinnen wie Alice Schwarzer,  Barbara Herlfferich oder Ursula von der Leyen mit ihrer nachhaltigen Lobbyarbeit der sozialrevolutionären Ideologie zum Durchbruch verholfen. Die derzeit so gefeierte „Ehe für alle“ ist da nur ein Meilenstein, dem weitere folgen werden.

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