Der Konservatismus des Heribert Prantl
Mit dem sympathischen Slogan „Ehe für alle“ wurde in Deutschland der Weg für die gleichgeschlechtliche Ehe freigemacht (zum Erfolgsbegriff siehe hier). Für Heribert Prantl ist das neue Ehe-für-alle-Gesetz jedoch immer noch diskriminierend, da es die Zuordnung eines männlichen oder weiblichen Geschlechts verlangt, also – so Prantl – ein Mensch mit uneindeutigen geschlechtlichen Merkmalen nicht heiraten darf.
Die Ehe wird, heißt es im Ehe-für-alle-Gesetz, „von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts“ geschlossen. Mit dieser Formulierung wird also die Zugehörigkeit der Menschen, die heiraten wollen, zu einem bestimmten Geschlecht verlangt und festgeschrieben. Das heißt: Menschen, die weder dem männlichen, noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden, sind von der Ehe ausgeschlossen. Darf die eindeutige Geschlechtlichkeit in dieser Weise hervorgehoben und betont werden?
Deshalb fordert Prantl die Öffnung für folgende Konstellationen: Mann-Frau, Mann-Mann, Frau-Frau, Mann-Inter, Frau-Inter und Inter-Inter (siehe diese Videokolumne).
Als die „Ehe für alle“ eingeführt wurde, war abzusehen, dass mit einer weiteren Öffnung der Konstellationen gerechnet werden darf (vgl. meinen Kommentar hier). Kurioserweise vertritt Heribert Prantl in seinem „Plädoyer für Konsequenz“ auf dem Hintergrund aktueller Entwicklungen eine nahezu konservative Position. Warum? Nun, einmal wirkt die Festlegung auf die Geschlechter Frau-Mann-Inter geradezu altmodisch. Facebook kennt inzwischen 60 Geschlechtsidentitäten, darunter die Unentschiedenen, also jene, die eine Festlegung gänzlich meiden oder das Geschlecht je nach Begehren wechseln. Eine Festlegung auf Intersexualität ist im Ozean der Geschlechter also nach wie vor ausschließend. Zum anderen erscheint die Begrenzung auf zwei Personen wie eine willkürliche Setzung. Warum nicht eine Ehe zwischen drei oder fünf Menschen?
Diese Debatten werden kommen, über semantische Streitigkeiten hinausgehen und dann dazu anstiften, den Sinn von Ehe und Familie gänzlich infrage zu stellen. Der vermeintliche Kampf für die Aufwertung der Ehe zwingt sie in die Bedeutungslosigkeit.
