Neue Wege in der Liebe: Die Nashville-Erklärung

Vor zwei Tagen habe ich mir die TV-Sendung „Neue Wege in der Liebe: Moderne und traditionelle Beziehungsmodelle“ angesehen. Die Sexologin und Paartherapeutin Ann-Marlene Henning stellt dort heraus, dass die „Verhandlungsmoral“ die alte „Verbotsmoral“ längst abgelöst hat und alles möglich ist, was jemand begehrt (siehe dazu auch: Die Postmoderne, 2007, S. 53–57). Da ist etwa Sylvia, die sich als geborene Polyamore bezeichnet und jetzt, da sie gleichzeitig mehrere Menschen beiderlei Geschlechts liebt, endlich glücklich ist. Oder da sind Uli und Martin, die ihre Beziehung als offen bezeichnen und in ein Liebesnetzwerk eingebettet sind. Entscheidend ist, was ich fühle, die Lust. Letztes Tabu ist der Zwang. Das verbreitetste Modell – so Ann-Marlene Henning – sei es, in einer Hauptbeziehung zu leben und gleichzeitig mehrere Nebenbeziehungen zu haben. Dabei läuft alles transparent. Zur Offenheit gehört das Gespräch über mein Netzwerk und den letzten Höhepunkt. Die Beziehungszeiten werden übrigens immer kürzer. Das Singledasein ist – vielleicht eine logische Konsequenz – ein wachsendes Format. Bei allem gesetzgeberischen Einsatz für die Ehe, den wir in den letzten Monaten erlebt haben, finde ich – nebenbei – interessant, dass die polyamoren Netzwerke und das Singledasein so im Trend liegen.

Machen wir uns nichts vor. Die Sexualethik ist seit Jahren ein wichtiger Prüfstein für die Bekenntnisfestigkeit der christlichen Kirchen. Der Druck von außen und innen wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Vor allem die junge Generation wird über die Kultur und die Schule beflügelt, neue Beziehungsmodelle attraktiv zu finden und sie auch mal auszutesten.

Um so wichtiger ist es, dass Pastoren, Gemeindeleiter und Jugendleiter (!) Farbe bekennen. Keine Meinung zu haben, sich aus dem Prozedere einfach schick herauszuhalten, ist, seien wir ehrlich: billige Anpassung.

Mehr als 150 evangelikale Leiter aus den USA haben nun eine theologische Stellungnahme zur Sexualethik veröffentlicht, das so genannte Nashville-Statement. Zu den ersten Unterzeichnern gehören Theologen wie J.I. Packer, Wayne Grudem, Mark Dever, Heath Lambert, Vaughan Roberts, John Frame, Kevin DeYoung, Thomas Schreiner oder Michael Reeves. Auch der Philosoph J.P. Moreland oder die Literaturwissenschaftlerin Rosaria Butterfield haben die Erklärung unterschrieben (an dieser Stelle kann gezeichnet werden).

Die Nashville-Erklärung kann hier heruntergeladen werden: The-Nashville-Statement-and-Initial-Signatories-List.pdf.

Kommentare

  1. Gibt es Pläne diese Erklärung auch ins Deutsche zu übersetzen?
    (Das wäre doch was für E21 🙂 )

  2. @Johannes T.: Die Anfrage bzgl. der Übersetzungsrechte ist schon raus.

    Liebe Grüße, Ron

  3. Wenn „alles geht, was begehrt wird“, dann warte ich nur drauf dass Inzest und KiPo auch noch als Tabus fallen.
    Brave New World

  4. Klippdachs meint:

    Ich verfolge seit einiger Zeit die Entwicklung im Internet bezüglich Umgang mit Homosexualität (SSA) im US-Evangelikalismus. Im Gegensatz zur deutschsprachigen evangelikalen Welt findet dort eine sehr lebhafte und vor allem breitgefächerte Diskussion statt. Die einen sehen in der Problematik in erster Linie einen Angriff auf Orthodoxie in Sachen Sexualethik, Gender etc, den es mit allen Mitteln abzuwehren gilt. Andere hingegen machen sich Gedanken über die Frage, wie kann jemand glauben und leben, wenn er homosexuell empfindet und seine entsprechenden Neigungen aus Gehorsam gegenüber Gott nicht leben möchte.
    Bitte vergesst eines nicht: es geht hier um Ethik, die von den allermeisten gar nichts und von einigen wenigen sehr viel abverlangt. Bevor ihr anfangt, Kulturkämpfe zu führen, denkt daran, wie eure Verlautbarungen, Statements und Worte auf eure homosexuell empfindenden Mitchristen wirken, die sonntagmorgens in euren Kirchen und Gemeinden neben euch sitzen, oft von den meisten unerkannt (so wie ich selbst).
    Seid so gut und nehmt die untenstehenden Links zur Kenntnis. Auch wenn man nicht mit allem einverstanden sein muss und manches (insbesondere R. Padilla) sehr subjektiv ist, diese Seiten zeigen noch eine andere Facette der Problematik : es geht um Menschen und nicht nur um Orthodoxie.
    https://psychologyandchristianity.wordpress.com/2017/08/30/on-the-nashville-statement/
    http://www.the4tsandthechurch.com/blogs/2017/8/30/to-erik-thoennes-donna-thoennes-jp-moreland-and-dave-talley-from-a-biola-alumni-who-struggles-with-homosexuality
    http://www.yourotherbrothers.com/2017/07/17/eugene-peterson-same-sex-marriage-feeling-invisible-church/
    https://spiritualfriendship.org/2017/08/30/matthew-lee-anderson-on-the-nashville-statement/

  5. @Klippdachs: Danke für Deinen Kommentar. Ein sehr starkes Argument für die Nashville-Erklärung.

    Liebe Grüße, Ron

  6. Klippdachs meint:

    @ Ron: Kannst du mir das erklären?

  7. Roderich meint:

    @Klippdachs,

    es geht um Menschen und nicht nur um Orthodoxie.

    Falscher Gegensatz. Gerade eine klare Orthodoxie ist nötig und das beste FÜR die Menschen.
    Es geht ja um das ewige Heil von homosexuell empfindenden Menschen. Wer diesen Lebensstil auslebt, kann auf lange Sicht nicht im Reich Gottes bleiben und muss die Ewigkeit getrennt von Gott bleiben.

    Würdest Du dem zustimmen?

  8. Wir brauchen dieses Papier dringend in unserer Sprache.

  9. @ali: E21 hat die Übersetzungsrechte erhalten. Wir werden daran arbeiten. Allerdings wird die ÜS unabhängig geprüft, was einige Zeit dauern wird.

    Liebe Grüße, Ron

  10. @Ron Falls Ihr Unterstützung bei der Übersetzung braucht, melde Dich gern bei mir. Viel geht nicht aber etwas sicher. Es sollte vor allem eine C.A.-nahe Terminologie verwendet werden, um die Verbindung zu den Bekenntnisdokumenten auch sprachlich zu wahren. Also z.B. „Wir verwerfen“ anstatt „ablehnen“, „verneinen“ etc.

  11. Schandor meint:

    @ali

    Ich frag einen Bekannten – gut möglich, dass er das anfertigt.

  12. „Um so wichtiger ist es, dass Pastoren, Gemeindeleiter und Jugendleiter (!) Farbe bekennen.“ Stimmt, aber was ich erlebe ist, dass viele Eltern auch die sexuelle Erziehung (vielleicht aus Scham, aus Angst vor Konfrontation, was auch immer) gerade den Pastoren, Gemeindeleitern und vor allem Jugendleitern überlassen. Gerade wir Eltern sind (vielleicht) mehr denn je herausgefordert, mit unseren Kindern zu reden, Unterhaltungen aufzubauen, Tabuthemen zu enttabuisieren und vor allem sie selbst in der Heiligen Schrift zu unterweisen und im Gebet Gottes Fürsorge anzubefehlen.
    Mir fehlt sehr häufig in unseren deutschen Gemeinden der Aufruf an die Eltern, die Ermutigung und auch Anleitung für Eltern, die geistliche und auch sexuelle Erziehung nicht anderen zu überlassen. Vielleicht irre ich mich auch aber bisher bin ich persönlich überzeugt, dass dies für die kommende Generation unserer Gemeinden die wichtigste Handreichung ist!

  13. @Ben: Stimme dankbar zu: Die Eltern sind ebenfalls gefordert, mit Weisheit und Freude Farbe zu bekennen.

    Liebe Grüße, Ron

  14. @Ben: Klasse Kommentar! Aus meiner Sicht triffst du ins Zentrum. Habe deine Aussagen in meinem Post ergänzt.

  15. Klippdachs meint:

    @Roderich
    Zu deiner Frage: da hast du meine volle Zustimmung.
    Bezüglich einem eventuellen Gegensatz von Orthodoxie und Empathie: für mich ist das auch kein Gegensatz. Die Medaille hat bekanntlich aber zwei Seiten, wenn auch nicht Gegensätze. Konkret heißt das für mich: Ich habe einerseits die Überzeugung, dass die Bibelstellen zum Thema HS auch heute so auszulegen sind, wie es fast 2000 Jahr Konsens war. Andererseits gehöre ich aber auch zu den Menschen, die selbst weit überwiegend homosexuell empfinden und nicht wissen, ob sie jemals in der Lage sein werden, einen Menschen des anderen Geschlechts zu heiraten (ich hoffe zwar noch darauf). Wenn ich nun diese beiden Seiten zusammen nehme, stellt sich für mich die Frage, wie ich mein Leben „über die Bühne“ kriege, ohne in Selbsthass, Depression und Vereinsamung zu enden. SSA ist nicht einfach (nur) eine Neigung zu einer bestimmten Sünde, die die meisten Menschen nicht haben sondern sie ist eng verknüpft mit der Frage nach der eigenen Identität („wer bin ich im Verhältnis zu anderen?“). Viele Betroffene haben in Ihrer Kindheit und Jugend die Erfahrung gemacht (und machen sie sehr oft später noch), irgendwie anders zu sein und nicht richtig in ihre „peer group“ zu passen. Manchen werden gemobbt (ich bin dankbar, dass mir das erspart geblieben ist). Das instabile Identitätsgefühl, die Unsicherheit in Gegenwart anderer (Männer), die Angst, von anderen in Frage gestellt zu werden, weil man in bestimmten Dingen nicht dem entspricht, wie man vermeintlich oder tatsächlich sein sollte, für was man sich interessieren sollte und für was nicht, die Fragen: wer bin ich, wer soll ich sein, bin ich ok wie ich bin etc. Manche schaffen es, dieses Knäuel zumindest ein Stück weit zu entwirren und zu einer sichereren Identität zu finden. Und manche sagen, dass sich dadurch auch ihre sexuelle Orientierung verändert habe. Andere sehen keinen Ausweg und landen im versuchten oder vollendeten Suizid.
    Um was es mir geht: als Betroffener mit „orthodoxer“ Sichtweise ist SSA in erster Linie eine Last, die man sich nicht ausgesucht hat. Mein Punkt mit dem Nashville-Statement und dem ganzen Umgang damit ist weniger das was drin steht, ich würde dem meisten zustimmen (auch wenn ich zu ein paar Dingen gewisse Anfragen habe). Das Problem ist vor allem, was nicht drin steht. B. Schwarz von der FTH Gießen wird im Pro Medienmagazin zitiert: „[es ist zu bedauern] dass im Statement kaum Hinweise zu finden sind, wie Christen mit Gläubigen aus dem LGBTQ-Hintergrund in der Gemeinde pastoral und liebevoll umgehen sollten. Das ist der Punkt. Gerade „orthodoxe“ Gemeinden stehen in der Verantwortung, diese Last des Einzelnen tragen zu helfen (Gal. 6.2). Es ist eben nicht alles damit getan, „uns“ mit Worten auf den rechten Weg weisen und zu ermutigen (z.B. Artikel 8) der Erklärung. S. Jakobus 2,15f.:
    Stehen Pastoren und Jugendleiter konsequent auf, wenn Wörter fallen wie „du schwule Sau“ etc. oder wenn sich Jungs über andere Jungs lustig machen, die sensibler, künstlerischer und ängstlicher sind?
    Sind Gemeinden bereit, auch Singles (ob SSA oder nicht) und ihre Nöte und Bedürfnisse wahrzunehmen? Oder gehen diese in der richtigen und guten Wertschätzung für Ehe und Familie (die leider in manchen Kreisen in eine Art Vergötzung umzuschlagen droht) unter?
    Sind Familien und Ehepaare in Gemeinden bereit, sich auch für (Dauer)-Singles zu öffnen und ein Stück weit Familienersatz zu bieten?
    Jesus hat die beiden Seiten der Medaille stets zusammengebracht. Gerade in Sachen Sexualethik war Jesus äußerst orthodox (s. Mt. 19). Und dennoch war er die personifizierte Menschenzugewandheit. Er wies die Zöllner und Sünder nicht nur auf den rechten Weg. Er kümmert sich um ihre Nöte, er beließ es nicht bei Worten sondern er aß mit den Menschen, heilte sie und ließ sich sogar von einer gewissen Frau die Füße salben. Die Begegnung mit Jesus führte zur Veränderung.
    Die einseitige Betonung der Empathieseite führt zur „billigen Gnade“. Nachfolge bedeutet Unterordnung und Kreuz, da ist nichts billig. Die einseitige Betonung der Orthodoxie führt zum Pharisäertum, das froh ist, selber bestimmte Kreuze nicht tragen zu müssen, aber anderen beim Tragen nicht helfen möchte. Mt. 23,23. Dies soll man tun und jenes nicht lassen. Die biblische Positionierung der Gemeinden in Sachen Sexualethik ist heute sehr wohl drängend. Aber lasst uns gegenseitig beim Tragen der Lasten helfen.
    Würdest du dem zustimmen?
    Liebe Grüße,
    Klippdachs

  16. @Klippdachs: Danke für Deinen durchaus persönlichen und offenen Hinweis auf die pastorale Herausforderung.

    Kurz (habe nicht viel Zeit):

    In so einem Statement kann nicht alles stehen. Und wenn man sich anschaut, wer da zu den Erstunterzeichnern gehört (z.B. zugleich John McArthur und Jack Deere) und auch nicht gehört (z.B. Tim Keller), dann kann man sich vorstellen, wie schwer es gewesen sein muss, dasjenige, was da steht, unter ein Dach zu bekommen. Die Erwartungen an so ein Dokument können auch zu hoch sein.

    Wenn man dann liest, was für Reaktionen innerhalb der evangelikalen Welt das Statement provoziert hat, dann kann man nur sagen: Es hätte viel eher kommen müssen, um deutlich zu machen, was geht und was nicht geht.

    Da ist z.B. das unsägliche The Denver Statement, das von Nadia Bolz-Weber gefeiert wird. Oder da ist auch diese völlig unqualifizierte Aussage von Alexander Garth: US-Evangelikale beschädigten das Christentum: „Sie vermitteln ein Bild, dass der christliche Glaube vor allem eine antischwule, politisch äußerst rechtslastige, antiemanzipatorische Bewegung sei, die sich vor allem durch Abgrenzung definiert. Wir sind aber eine liebevolle Einladung für alle Menschen zum Heil in Christus.“ Also ob die Unterzeichner der Erklärung das Christentum verbiegen würden. Das Gegenteil ist der Fall! Ein Konsens, der 2000 Jahre alt ist und der noch in weiten Teilen der Christenheit gilt, wird duch den Zeitgeist infrage gestellt und dass Nashville-Statement bekennt sich zu dieser biblisch begründeten christlichen Norm und Tradition, weil sie bedroht ist.

    Ich kenne einige der Erstunterzeichner persönlich. Manche sind selbst schwul und kennen die ganzen Kämpfe und seelsorgerischen Herausforderungen, die damit verbunden sind. Sie sind definitiv nicht antischwul, rechthaberisch oder unbarmherzig, sondern mitleidende Geschwister.

    Ein Buch, dass die Pastorale stärker betont, stammt von Ed Shaw. Es sei hiermit empfohlen. Außerdem siehe hier.

    Liebe Grüße, Ron

    The Plausibility Problem: The Church and Same-Sex Attraction von ed Shaw

    Preis: EUR 10,49

    15 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 6,90

  17. Rosaria B. hat in einem Beitrag erklärt, warum sie das Statement unterzeichnet hat.

    https://cbmw.org/the-nashville-statement/rosaria-butterfield-why-i-signed-the-nashville-statement/

    Liebe Grüße, Ron

  18. Roderich meint:

    @Klippdachs,
    danke auch von mir für Dein offenes Statement. Inhaltlich würde ich Dir in den Kernpunkten jedenfalls zustimmen – evangelikale Gemeinden müssen sicherlich aufpassen, nicht pharisäisch daherzukommen. Es muss in evangelikalen Gemeinden Raum für homosexuell empfindende Menschen sein, die damit kämpfen, aber prinzipiell den Weg der Nachfolge gehen wollen.

    Nur – wie stellst Du Dir das persönlich vor? Soll ein Pastor darüber regelmäßig predigen, dass für solche Leute zwar die Gebote Gottes gelten, aber für ihre Personen die Annahme? Soll es dazu eine Art „AG“ geben? Workshops zur Sensibilisierung?

    Meines Erachtens mag es zwar hier und da den „Richtgeist“ geben, aber ich persönlich glaube, wenn ein homosexuell Empfindender sich gegenüber einem Pastor und den Ältesten einer evangelikalen Gemeinde (oder der gesamten Gemeinde) ehrlich „outen“ würde, dass er so empfindet, gleichzeitig aber sagt, dass er einen homosexuellen Lebensstil nicht gutheißt, und die Fürbitte benötigt, würde er in den allermeisten evangelikalen Gemeinden angenommen werden / sein.

    Am schlimmsten ist meines Erachtens das unbestimmte Gefühl „was, wenn es rauskommt“, und man meint, eine subtile Ablehnung zu spüren, wagt sich aber nie, es auszusprechen. (Hast Du – ohne dass Du jetzt Namen oder Ort sagen musst – denn jemals diesen „offenen Weg des Bekenntnisses“ versucht? Wie war die Reaktion der Gemeindeleitung oder der Gemeinde?)

    Bitte nicht falsch verstehen: Ich kann sehr gut verstehen, wenn man diesen Schritt nicht gehen möchte.
    Aber dann „den Evangelikalen“ insgesamt ein „Verurteilen“ oder Pharisäertum vorzuwerfen, auch wenn man das noch nie probiert hat, ist meines Erachtens nicht ganz fair. Denn wie sollen sie das Gegenteil beweisen? (Jeder ist für seine Taten und Worte und Gefühle selber verantwortlich; ich kann andere nicht in Haftung nehmen wegen gewisser Sorgen oder Gefühle, die eine bei ihnen vermutete Haltung in mir erzeugt).

    Denn das können andere evtl. gar nicht ändern; ich kann nur andere für ihre Taten und Worte kritisieren, wenn sie konkret vorliegen, aber nicht für die Gefühle, die sie in mir hervorrufen.

    Eine 100%-ige „Akzeptanz“ erscheint mir leider auch unrealistisch. Homosexualität ist nun mal nicht im Sinne der Schöpfungsordnung Gottes; ich finde es gut, wenn Menschen gegen so eine Neigung (nicht gegen die Menschen) zumindest in abstracto eine gewisse Abneigung verspüren, denn das zeigt, dass ihr moralisches Empfinden
    noch in Ordnung ist. Dass nicht alle zu 100% in der Lage sind, Person und Prinzip zu trennen, ist leider diesseits des Himmels Realität, auch in Gemeinden.

    Ein homosexuelles Empfinden ist m.E. auch schon sündhaft. So wie die Neigung zu anderen Sünden (die übrigens jeder Mensch hat). Damit will ich nicht sagen, dass man es in der Macht hat, diese dann noch zu ändern; das macht es aber nicht weniger sündhaft.

    Ich kann auch nicht erwarten, dass keiner mehr einen Witz über Bankräuberei macht, wenn ich zur Kleptomanie neige (und meine, das gehört zu meiner Identität).
    Ich kann natürlich zurecht wünschen, dass nicht nur über eine sündhafte Neigung, sondern über alle sündhaften Neigungen gleichviele Witze gemacht werden etc. Und dass man zwar einen Witz machen darf, aber nicht die Personen meint.

    Meines Erachtens wird in den Medien im Moment aber soooo viel Propaganda zur Akzeptanz und sogar Wertschätzung homosexueller Lebensweise gemacht, dass ich mir auf Dauer darüber weniger Sorgen mache.

    Das viel größere Problem ist ein wildgewordener Genderismus (mit der Unterkategorie „Befürwortung der Homosexualität“), der mit Millionen von der EU gefördert wird, und der totalitäre Züge entwickelt.

    Da finde ich so ein Nashville-Statement zugleich nötig und mutig. Ich kann Deinen Wunsch um Hinzufügung eines Passus verstehen (könnte man vermutlich in wenigen Worten tun), aber würde andererseits darum bitten, zu versuchen zu differenzieren zwischem der im Rahmen eines allgemeinen Kulturkampfes (der derzeit sehr stark tobt) geäußerten Klarstellung ethischer Maßstäbe, die sehr hilfreich ist, und den seelsorgerlichen Fragen, die damit zusammenhängen.

  19. Warum bezeichnet das Nashville-Statement das, was sie verwirft, an keiner einzigen Stelle als Sünde?
    Ist dies bedenklich oder nicht?

  20. Schandor meint:

    1. Die Schöpfungsordnung wird allmählich so oder so zur historischen Eskapade.
    1.1 Mann und Frau – das war einmal.
    1.2 Wer nur genug Worte findet, kann alles umdeuten.
    1.2.1 Und deutet es auch um.
    2. Er weiß, dass er sich im Unrecht befindet.
    2.1 Deshalb muss er die, die ihm sein Unrecht sagen, zum Schweigen bringen.
    2.2 Die, die dazu schweigen, sind auf seiner Seite.
    2.2.1 Sie dürfen zwar leben bleiben, werden im Jüngsten Gericht aber verdammt, weil sie verleugnet haben.
    3. So hat jeder seine Last zu tragen.

    7. Wer Böses tut, der tue weiterhin Böses, und wer unrein ist, der sei weiterhin unrein; aber wer gerecht ist, der übe weiterhin Gerechtigkeit, und wer heilig ist, der sei weiterhin heilig.

  21. Klippdachs meint:

    @ Roderich

    ein Nachtrag, das ist mir noch wichtig: meine prinzipielle Zustimmung zu den drei letzten Absätzen deines Beitrages. Meine gewissen Bedenken zu dem speziellen Statement habe ich geäußert aber ja, grundsätzlich ist eine Positionierung wichtig und richtig. Danke auch für die Bitte um Differenzierung im letzten Absatz. Ich muss da für mich nochmal nachdenken. Bin vielleicht etwas übers Ziel hinausgeschossen.

  22. @Klippdachs: Meintest Du wirklich Transgender oder Intersexualität?

    Liebe Grüße, Ron

  23. @Kenna: So genau weiß ich nicht, was Sie erwarten. Vermutlich decken aber Artikel 9 und 10 diese Erwartungen ab.

    Liebe Grüße, Ron

  24. Die „christliche Linke“ hat eine weitere Gegenerklärung zum Nashville-Statement mit 1000 Unterzeichnern auf den Weg gebracht. Zu den Zeichnern und Förderern gehört etwa der Evangelikale Steve Chalke, der – Gott sei Dank – die Ev. Alliance in UK vor einigen Jahren verlassen musste. Seine Bücher werden nach wie vor in dt. christlichen Verlagen vertrieben, darunter Titel wie: Ungeschriebene Gesetze … und was Jesus wirklich gesagt hat (Brockhaus), Was ihre Kinder über Sex wissen sollten – Ein praktischer Ratgeber für Eltern und Erzieher (Brendow), Mehr als du sehen kannst: Einstieg ins Christsein (Stephanus).

    Rachel Held Evans ist natürlich auch dabei.

    Wer mal wissen möchte, was für ein Geist hinter dieser Strömung steckt, sollte die Erklärung gründlich studieren. Da heißt es zum Beispiel:

    WE DENY that God intended human romantic relationships to be limited to one man and one woman and declare that any attempts to limit the sacred or civil rights of humans to covenant and commit to love and serve one another is an affront to God’s created design.

    Unter Berufung auf Jesus Christus und den Heiligen Geist wird genau das Gegenteil von dem gesagt, was Jesus uns gelehrt hat. In Mt 19,4–6 spricht er:

    Habt ihr nicht gelesen: Der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau und sprach: »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein«? So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.

    In Artikel 8 wird dann auch gleich erklärt, dass ein Mensch, der nicht den offenen Dialog mit der LGBT+ Community sucht, kein treuer Nachfolger Jesu sein kann.

    Ich kann da nur mahnen: Wer Ohren hat, zu hören, der höre!

    Hier das vollständige Statement:

    http://www.christiansunitedstatement.org

    Liebe Grüße, Ron

  25. Roderich meint:

    Weil wir schon über mögliche Zusätze diskutiert haben, nur kurz das Statement eines Unterzeichners, der zwar auch eine Ergänzung gut fände, aber es doch gerne unterzeichnet hat:

    Robert J. Gagnon (Unterzeichner):

    „In the interests of getting more to sign the Nashville Statement, it might be advisable for the framers of the Nashville Statement to add a sentence, possibly an Article, that confesses Christian complicity (in the aggregate) in failing to keep God’s standards for sexual ethics (premarital sex, pornography, divorce-and-remarriage; some would also add contraception), thereby leading to the present predicament. I don’t think that there is anyone among the initial signatories who thinks otherwise. Possibly this is something that the initial signatories could vote on. This, however, could not be an invitation to an unending series of (or even a few) additional amendments. My signature remains regardless because it is a good statement as is. Article 10 is a great step in the right direction.“

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  1. […] besorgt worden; ich hoffe auf eine deutschsprachige Unterzeichnerliste. Johannes Traichel und Ron Kubsch haben bereits Bezug auf die Erklärung genommen. Auch das Pro-Medienmagazin und idea.de […]

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  3. […] eine geben, werde ich sie gerne durch den offiziellen Text austauschen (das konservative Netzwerk E21 versucht sich gerade an einer offiziellen Übersetzung). Ich habe mich bemüht, fair und korrekt zu […]

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