Efa: Jetzt geht’s richtig los

Die so genannte „Ehe für alle“ (Efa) ist für viele Menschen in Deutschland freudiges Ereignis. Der LGBTI-Bewegung ist es gelungen, mit einer massiv angelegten Kampagne und einem eingängigen Slogan den Druck auf die Gesellschaft so zu erhöhen, dass die Politik, vor allem die CDU/CSU, endlich nachgegeben hat und in großer Eile ein parlamentarischer Beschluss herbeigeführt werden konnte, der den Weg für die gleichgeschlechtliche Ehe freimacht.

Die LGBTI-Community wird sich damit nicht zufrieden geben. Die Bewegung, die sich auf Eigenschaften wie Authentizität und Glaubwürdigkeit beruft, hat nur ein taktisches Teilziel erreicht und wird weiter hart daran arbeiten, die bürgerliche Gesellschaft in grundlegender Weise zu verändern. Uns stehen weitere manipulative Manöver bevor. Drei Bereiche möchte ich kurz benennen:

(1) Der LGBTI-Bewegung ist es gelungen, auch konservative Kreise für sich einzunehmen, indem sie den Eindruck erweckt hat, ihr gehe es im Kern um christliche Werte. So hat etwa Jan-Marco Luczak, stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Recht und Verbraucherschutz in der CDU/CSU-Fraktion, kürzlich der BERLINER MORGENPOST gesagt:

„Aus dem Blick geraten ist manchmal, worum es im Kern geht: Die Ehe ist der Liebesbeweis zweier Menschen, die füreinander einstehen wollen … Zwei Menschen sind bereit, gegenseitig Verantwortung zu übernehmen, es geht um Treue, Zuverlässigkeit, Beständigkeit. All dies sind zutiefst konservative Werte, die Anerkennung und Respekt verdienen.“

Fast entsteht hier der Anschein, die LGBTI-Bewegung sei dazu angetreten, die Ehe zu stärken, da ihr Treue und Verantwortung sehr auf dem Herzen lägen und genau dies konservative Anliegen ausmacht. Die Wirklichkeit sieht freilich anders aus. Sie zeigt, dass es sich hier um ein semantisches Manöver handelt. Treue wird anders definiert, als es sonst üblich ist. Barry Adam, ein schwuler Professor, sagte einmal zur Frage der Promiskuität in der Szene:

„Ich denke, dass die Jugendlichen mit einem ‚heterosexuellen Script’ im Kopf herumlaufen, wie Beziehungen funktionieren sollen, und adaptieren dies auf ihre Beziehungen zu Männern. Erst später realisieren sie, dass die schwule Community eigene Scripts hat, die offenbar besser funktionieren.“

Michael Bochow, der für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) 2003 die Treue in der schwulen Szene untersucht hat, kam zu folgendem Ergebnis: In etwa jeder zweiten schwulen Beziehung wird „fremdgegangen“. Dabei hat die Dauer der Partnerschaft einen großen Einfluss auf die Promiskuität der Männer. Je „länger Mann mit Mann zusammenlebt, umso mehr ‚Seitensprünge‘ finden statt. Bei den Beziehungen mit einer Länge von zwei bis zu vier Jahren leben bereits 48 Prozent der Partner nicht monogam, nach mindestens vier Jahren nur noch 28 Prozent. Bei einer Beziehungsdauer unter sechs Monaten gaben noch 80 Prozent der Paare an, sich körperlich treu zu sein.“

Das passt gut zu dem „Treueverständnis“, das Volker Beck einmal formuliert hat (Volker Beck: Legalisierung schwuler und lesbischer Lebensgemeinschaften, in: Demokratie und Recht, 1991, 4, S. 457):

„Wenn man hofft, die Schwulen zu treuen Ehepartnern zu machen, muss und wird die schwule Beziehungsrealität den Gesetzgeber enttäuschen … Offensichtlich ist für viele Paare, ihre Sexualität mit Dritten auszuleben, ein wichtiger Faktor in der Aufrechterhaltung der Partnerschaft.“

(2) Die LGBTI-Bewegung ist mit der Efa nicht zufrieden, sondern möchte die sexuelle Vielfalt als Leitkultur etablieren. Genau die Gruppen und Parteien, die sich gegen die Einführung einer Leitkultur gestemmt haben, nutzten die Naivität der anderen Parteien dazu aus, um eine Leitkultur einzuführen, die ihre eigenen Interessen verbindlich macht. Wer sich fragt, weshalb die Einführung der Efa auf so große Zustimmung traf, sollte sich einmal genauer damit beschäftigen, was heute in den Schulen zur sexuellen Vielfalt unterrichtet wird. Gerade jüngere Leute sind mit der Bejahung der Efa nur dem Geiste gegenüber treu geblieben, den sie in der Schule (und mit der Pop-Kultur) eingeatmet haben.

Und so wird es weitergehen. Beispielsweise schreibt Queer:

„Aber das Ende des Eheverbots für Lesben und Schwule ist eine wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz sexueller Vielfalt, weil die Gleichbehandlung nun, man verzeihe mir das Wort, zur deutschen Leitkultur gehört. Die Ehe für alle erleichtert jungen Menschen das Coming-out, rettet sogar Leben, wie Studien zeigen, und weist die Homohasser in ihre Schranken. Ob am Stammtisch, in der Kirche, in der Flüchtlingsunterkunft oder im Parlament.“

Die LGBTI-Bewegung wird sich also stärker in die Kirchenpolitik und sogar in die Außenpolitik einmischen.

(3) Eigentliches Ziel ist es allerdings, die Ehe abzuschaffen. Die TAZ schreibt ganz offen:

„Der Bundestag hat den Paragrafen 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches für homosexuelle Paare geöffnet. Endlich! Doch die Ehe erfährt dadurch eine Aufwertung, die sie nicht verdient hat. Sie benachteiligt unverheiratete Paare, egal ob hetero oder homo. Paare, die sich entscheiden, nicht zu heiraten, weil sie die Ehe überkommen finden. Politik besteht immer aus Etappenzielen. Deswegen ist die Gleichstellung von homosexuellen Paaren ein Erfolg. Solange Privilegien an die Ehe geknüpft sind, müssen auch Homopaare in ihren Genuss kommen. Aber die nächste Etappe ist auch klar: Es ist Zeit, die Eheprivilegien abzuschaffen.“

Wer also meint, jetzt habe die LGBTI-Bewegung ihr Ziel erreicht und der Diskurs werde sich beruhigen, dürfte noch einige Überraschungen erleben. Die Anliegen der Bewegung sollen möglichst schnell in Gesetzestexte eingegossen werden, um auf dieser Grundlage dann Kritiker der Agenda an den gesellschaftliche Rand drängen zu können. Vorhalten wird man ihnen, unverbesserlich und fundamentalistisch zu sein und in diskriminierender und widerrechtlicher Weise das friedliche Zusammenleben zu gefährden.

Kommentare

  1. Es würde zu lange dauern die klassische EHE zu verteidigen. Viele tief verankerte Gebräuche , incl. Freier Wille sind darin enthalten.

    Nun ist in Deutschland auch die gleichgeschlechtliche Ehe state of the art.

    Unabhängig ob religiös oder nicht wird sich diese herbeigesehnte Entscheidung als Pyrrhussieg herausstellen.
    Stellen sie sich vor:
    Ein Mann/Frau stellt seinen Ehepartner als:“Dies ist mein Mann/Frau“ vor.
    Es hat sich seit Jahrtausenden in uns festgelegt dass dies sehr fremd klingt. Das lässt sich nicht per Gesetz ändern.

    Und damit werden die Neuen Ehen kämpfen müssen und sehr enttäuscht sein.

    Die Natur ist frei und erlaubt also solche Gemeinschaften. Wie viele abgestorbene Zweige der Evolution gibt es.
    Es wird sich von selbst regeln. Nehmt ihnen nicht ein kurzes Glücksgefühl.

  2. Jutta meint:

    Ich möchte gerade jetzt zur allgemeinen Auferbauung beitragen und dieses hier einstellen :

    https://the-end-time.org/category/stan-dale/

    Im Text ist ein Video eingebettet, von 2010, als dieser Stamm Kimyal das Neue Testament bekommen hat.
    Egal wie man die Einzelheiten der Feierlichkeiten empfinden mag – ich heule jedes Mal mit, wenn man sieht, wie bewegt diese „primitiven“ Gläubigen sind, dass ihnen endlich das Wort Gottes in ihrer Sprache zur Verfügung steht .. erwachsene Männer weinen, weil sie jetzt das Wort Gottes haben und die jungen Menschen lehren können.

    https://the-end-time.org/category/stan-dale/
    Irgendwann werden sie kommen und uns missionieren und lehren.

    Ich habe so großen Gewinn gehabt, durch die zwei Bücher von Don Richardson „Friedenskind“ und “ Herren der Erde „.. und auch „Ewigkeit in ihren Herzen“ … die ich als Anfängerin im Glauben gelesen habe … ich glaube, ich habe von diesen Büchern ausserhalb der Bibel mehr profitiert als von allen anderen, sogenannten „Lehr“büchern.

    Im übrigen schreibt Richardson irgendwo dass der Islam nicht zu fassen ist .. dass es keine Anknüpfungspunkte gibt …

    Zu obigem:; mich wundert das nicht, ich weiss von Homosexuellen selber, dass Treue ganz anders verstanden wird. Dass sie gierig sind und auch lügen, wenn es ihnen in den Kram passt. Dass die Selbstmordrate unter den älteren Homosexuellen unglaublich groß ist, weil sie keine Sexualpartner mehr finden.
    Dass Vergewaltigungen, Gewalt in der Beziehung, Drogen usw an der Tagesordnung sind.
    Leider finde ich den Auszug nicht mehr, von einem in den 70er Jahren geschriebenen Buch, von bekennenden Schwulen, die ganz klar stellen, wie verfälscht die Schwulen im Film zB dargestellt werden, mit der Sehnsucht nach … die sie sicherlich haben, aber ihre sexuelle Natur macht ihnen da einen Strich durch die Rechnnung.

    Interessant finde ich nach wie vor, dass sich inhaltlich meistens mit homosexuell empfindenden Männern beschäftigt wird, und sehr selten mit homosxuell empfindenden Frauen.

    Ich rege mich nicht mehr auf.
    Im Kern geht es darum, das biblische Christentum, respektive den biblischen Glauben abzuschaffen und das, was andere in Indien, im Irak, in muslimischen Ländern erleben, wird jetzt mittels der postchristclichen Zeit bei uns Einzug halten: die Situation wird sich – klopfenden Herzens schreibe ich das – so zuspitzen, bis wir ganz klar abgefragt und wenn wir Zeugnis geben, dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen verfolgt und diskriminiert werden.
    Ich habe in einer Predigt von Pfr Krimmer gehört, wie Hindus, die zum Glauben an Jesus Christus kommen, in Folge behandelt werden ….

  3. Schandor meint:

    Das Tier bleckt schon lange seine Zähne in Deutschland.
    Der Geifer tropft aus seinem menschenhungrigen Mund.
    Blutrünstig arbeitet es an der Redefinition der Moralvorstellungen.
    Dann beginnt das große Fressen.
    Es freut sich über die unendliche Naivität derer, die noch von Demokratie reden.
    Und die alle Warnungen in den Wind geschlagen haben.
    Frosch, es ist längst zu spät – du bist gekocht.

  4. Jutta meint:
  5. Theophil Isegrim meint:

    „Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten, durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind, die verbieten, zu heiraten, und gebieten, sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat zur Annahme mit Danksagung für die, welche glauben und die Wahrheit erkennen“ (1. Timotheus 4, 1-3)

    „die verbieten, zu heiraten“ Ich habe mich immer gefragt, wie das aussehen könnte. So langsam bekomme ich eine Ahnung davon. Erst wird die Ehe für „Alle“ geöffnet. Und dann wird man weitere Institutionen neben der Ehe zu installieren, die immer mehr Rechte bekommen und dann kann man es auch gleich ganz verbieten zu heiraten, weil es ja keinen Sinn mehr ergibt.

    Gestern war ich mal kurz im Forum auf jesus.de. Viele unterstützen die Homo-Ehe. Diese Plattform dürfte man auch eher zum Evangelikalen Kreis zählen. Das geht hier so dermaßen aus dem Ruder.

  6. Jutta meint:

    http://www.n-tv.de/politik/AfD-darf-nicht-gegen-Ehe-fuer-alle-klagen-article19917100.html

    So werden die Gesetze gebogen und Bedingungen etabliert um – ja man muss es jetzt so sagen – die NWO schnellstens zu etablieren.

  7. Günter meint:

    Holla, das klingt aber sehr verbiestert. Die ganze Heuchelei des konservativen Luthertums zeigt sich in diesem Kommentar wie unter dem Brennglas.

    Wenn ich als Katholik gegen die Efa bin, habe ich zumindest das Lehramt auf meiner Seite, das zur Ablehnung ermuntert. Katholiken, die sich aufregen, weil Staat und Gesellschaft das Lehramt ignorieren, kann ich daher bis zu einem gewissen Grad verstehen. Die meinen halt, die Kirche sei eine höhere Instanz und habe in Ehesachen das letzte Wort. Das ist zwar weltfremd, aber wenigstens konsequent.

    Aber als Lutheraner? Für Luther spielt die weltliche Ehe doch sowieso keine Rolle. Gerade die Verfügung über Ehesachen hat das Luthertum der Kirche doch entziehen wollen. Kirche hat in punkto Ehe nichts zu sagen. Wie kann man sich dann darüber aufregen, was Weltleute unter einer Ehe verstehen? Eine christliche Ehe in Luthers Sinn muss man sowieso unabhängig von den weltlichen Definitionen führen, egal ob der Staat nun Homoehen zulässt oder nicht. Also was soll das Gezeter? Das ist nicht nur weltfremd, sondern auch noch inkonsequent (Ähnliches gilt wohl auch schon für Luther selber).

    Als Christen, Lutheraner wie Katholiken, sollten wir generell mehr auf die Bibel bauen und weniger auf Gesetze. Und das Evangelium ist in diesem Punkt doch ganz eindeutig: Ziel ist die Abschaffung der Ehe. Von daher finde ich, dass wir die Fernziele der LGBTI-Bewegung, die der TheoBlogger an die Wand malt (Auflösung überkommener gesellschaftlicher Institutionen zugunsten einer radikal-evangelisch-apokalytischen Liebesgesellschaft) eher unterstützen sollten, als sie wie hier so unverständig und aus rein spießigen Motiven abzulehnen. Genau das, was die Efa-Anhänger letztlich eigtl. wollen, wollen wir als bibeltreue Christen letztendlich doch auch.

  8. Schandor meint:

    @Günther

    Wo siehst Du Lutheraner?
    Die Fernziele der LGBTI-Bewegung unterstützen heißt gleichzeitig,
    das Kommen des Vicarius Filii Dei (deutsch: Anstatt-Christus, griechisch: Antichristos) vorbereiten. Dieser wird dann die „Lösung für alle“ bringen, und sie werden ihn willkommenheißen, um die Querulanten aus der Welt zu schaffen.

    Ein Katholik als bibeltreuer Christ? Du meintest sicher: Lehramt-treuer Christ. Hast Dich verschrieben, kann vorkommen. 😉

  9. @Günter: Die ganze Heuchelei zeigt sich in diesem Kommentar unter dem Brennglas?
    Wo ist denn in dem Beitrag vom Luthertum die Rede?

    Liebe Grüße, Ron

  10. Jutta meint:

    … gibt es eine katholische Kirche und eine katholische Kirche ?

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article166175614/Es-hat-guten-Sinn-dass-ein-Kind-Vater-und-Mutter-hat.html

    Wo sind die Evangelischen, die das postulieren ?

    Das verstehe ich nicht, wieso wollen Christen und die LGBTI Anhänger dasselbe ?
    Ich will, als bibeltreue Christin , dass Ehe nur zwischen Mann und Frau gültig ist und ich will endlich, dass Mütter eine eigene Rente vom Staat bekommen ( der Staat sind im übrigen wir ) denn diese verzichten auf so vieles und das gerne, und die meisten wollen auch mehr Kinder als nur eins oder zwei wenn es finanziell machbar wäre.
    Und nicht dieses schale Argument: Mütter haben nichts eingezahlt und schliesslich sind die meisten ( noch ) verheiratet.
    Aber ist ja prima, vielleicht sollten dann doch nur die Homosexuellempfindenden Männer Kinder haben ? Denn die gehen beide arbeiten und bekommen dann auch beide Rente im Alter und somit könnte man die Altersarmut der Frauen verhindern ?
    Und für mich Kinderlose gibt es dann den Rat der Giftpille, wenn ich in Rente gehen darf, mit 75 … wobei man natürlich die Altersgrenze nach oben setzt, damit man einspart denn bis 75 wird kaum jemand arbeiten können, der nicht einen entsprechenden Beruf hat – denn der äußere Mensch verfällt nun mal.

    wow. Ehrlich. Ich verstehe immer besser warum so viele junge deutsche Frauen zum Islam konvertieren.
    Ich sehe so viele junge deutsche Frauen, mit Kopftuch oder gar Hijab. Und soll ich euch noch was sagen ? Sie sehen zufrieden aus und habe alle Kinder.

  11. Georg Walter meint:

    hier ein interessanter Artikel aus der Sicht des katholischen Journalisten J. Liminski, der darauf hinweist, dass „an 80 unzivilisierten und 8 Hochkulturen über 5000 Jahre herausgefunden [wurde], dass alle Hochkulturen streng monogam begannen und eine Generation nach dem Zerfall der Familienstrukturen untergingen.“

    Selbstmord der Zivilisation?
    Samstag 1. Juli 2017 von Jürgen Liminski

    Jürgen Liminski

    Ein Recht für Randgruppen und die Wirklichkeit der Lebensformen in Deutschland und Europa / Warum die katholische Kirche die Ehe verteidigt und was die Entkernung der Ehe bedeutet

    Vor rund sechzig Jahren, 1955, erschien der Reisebericht „Traurige Tropen“ des großen Sozialanthropologen Claude Levi Strauss. Er wurde in den 1960er Jahren zum Kultbuch. Levi Strauss ging damals und zeit seines Lebens der Frage nach, ob es ein Grundmuster der menschlichen Gesellschaft gebe und er hat um die Jahrtausendwende diese Antwort gefunden: „Zwar verwerfen alle inzwischen die veraltete Theorie, nach der vor dem ersten geschichtlichen Auftreten der Familie unter den Menschen „Urpromiskuität“ geherrscht habe. Sie sind sich sogar darin einig, daß der Familientyp, für den monogame Ehe, selbständiger Wohnsitz des jungen Paares und affektive Beziehungen zwischen Eltern und Kindern typisch sind, sowohl in unserer Gesellschaft als auch in jenen heimisch ist, die wir gern als technisch und ökonomisch unterentwickelt bezeichnen. (….)

    Betrachtet man das ungeheure Repertoire von vier- bis fünftausend Gesellschaften, über die wir seit Herodot unterschiedlich gut Bescheid wissen, kann man nur sagen, daß die konjugale Familie vorherrscht und wir es überall dort, wo die Familienverfassung von diesem Muster abweicht, mit Gesellschaften zu tun haben, die in ihrer sozialen, politischen, ökonomischen oder religiösen Entwicklung einen Sonderweg eingeschlagen haben.“

    Auf solche familialen Sonderwege fremder Kulturen in Afrika, Indien oder bei den Eskimos mit ihrem Frauentausch berufen sich gern die Gegner der Ehe und die Anhänger der Polyamorie (jeder mit jedem) als Kronzeugen der Entwicklung. Aber es sind doch nur, wie die Wissenschaft zeigt, Randerscheinungen. Der Durchschnittsmensch ist eben kein Eskimo. Jetzt hat Deutschland einen Sonderweg eingeschlagen. Wie in etwa zwanzig anderen Staaten dieser Welt soll das konjugale Prinzip entkernt und die Geschlechtlichkeit nicht mehr als wesentlich und konstitutiv für dieses Prinzip anerkannt werden. Damit wäre es nur noch eine Leerhülse, der Eskimo der Normalfall.

    Claude Levi Strauss hat sein reiches Forscherleben der Erkenntnis des konjugalen Prinzips als anthropologisches Grundmuster gewidmet. Das Christentum hat dieses Prinzip nur veredelt. Papst em. Benedikt formulierte es so: „Das Sakrament der Ehe ist keine Erfindung der Kirche, sondern es ist wirklich mit dem Menschen als solchem mitgeschaffen worden, als Frucht der Dynamik der Liebe, in der Mann und Frau einander finden und so auch den Schöpfer finden, der sie zur Liebe berufen hat“. Es ist nämlich keine Gewissensfrage im Sinn einer autonomen Entscheidung, ob man das konjugale Prinzip anerkennt oder nicht. Die Natur ist, sie existiert, man kann sich nicht von ihr emanzipieren. Das meinte schon Robert Spaemann und zur Frage des konjugalen Prinzips schrieb er:„Bei den Beziehungen zwischen den Geschlechtern und Generationen handelt es sich um ein Gefüge, das bei immer gleichen Grundstrukturen die unterschiedlichsten Ausformungen zeigt. Es sind die gleichen Grundstrukturen in einer Favela von Rio de Janeiro, wie im Kaiserpalast von Tokio“. Die Ehe zwischen Mann und Frau ist der Kern der Familie und diese Lebensform bleibe „ohne gleichwertige Alternative“.

    Die Ehe zwischen Mann und Frau ist alternativlos, weshalb sie auch unter dem Schutz des Grundgesetzes steht. Das Bundesverfassungsgericht hat am 17.07.2002 unmissverständlich erklärt: „Die Ehe [kann] nur mit einem Partner des jeweils anderen Geschlechts geschlossen werden, da ihr als Wesensmerkmal die Verschiedengeschlechtlichkeit der Partner innewohnt.“ (…) „Zum Gehalt der Ehe … gehört, dass sie die Vereinigung eines Mannes mit einer Frau zu einer auf Dauer angelegten Lebensgemeinschaft ist.“ Ohne eine Änderung der Verfassung wird das Gesetz nicht in Kraft treten können. Auch eine Normenkontrollklage von einer Gruppe der Abgeordneten, die mit nein gestimmt haben, könnte das Gesetz noch ausbremsen. Die Frage ist nicht endgültig geklärt.

    Auch die Folgen sind noch nicht absehbar. Wenn die Ehe für alle Gesetz würde, gäbe es keinen Grund mehr, das Ehe-Institut nicht auch noch auf weitere Arten des Zusammenlebens auszuweiten. Mit dem vollen Adoptionsrecht würde das natürliche Recht des Kindes auf Vater und Mutter in ein ‚Recht auf ein Kind‘ verkehrt. Damit wäre der Weg frei zur Legalisierung der Leihmutterschaft, ebenso für die Kinderehe. Der Blick auf diese Folgen macht auch eine andere, ebenso staatlich zu schützende Eigenschaft der Ehe deutlich: Sie ist ein Ordnungsfaktor gegen die grenzenlose Beliebigkeit von Beziehungen, zum Beispiel gegen Inzest-Verhältnisse oder Polygamie. Und sie garantiert die Einhaltung des Generationenvertrags.

    Die große Mehrheit der Deutschen fühlt und lebt wie Levi Strauss es erforscht hat: Im konjugalen Prinzip. Drei von vier Paaren in Deutschland leben in Ehe. Dieses Datum des Mikrozensus zeigt den hohen Stellenwert, den diese naturgegebene Institution in dieser Gesellschaft hat. Man könnte angesichts der medialen Debatte um die Homo-Ehe den Eindruck gewinnen, daß riesige Massen jetzt auf dieses Gesetz warten, um die Standesämter zu stürmen. Aber die Realität sieht anders aus. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es 2015 in Deutschland 93.000 gleichgeschlechtliche Partnerschaften und davon waren 43.000 eingetragene Lebenspartnerschaften. Heute schätzt (genaue statistische Befunde liegen noch nicht vor) das Amt die Zahl der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften auf maximal 225.000, die Zahl der eingetragenen Lebenspartnerschaften dürfte bei 46.000 liegen. Bei diesen Paaren leben 7000 Kinder, die Zahl möglicher Adoptionen bewegt sich im eigentlich nicht mehr messbaren Promille-Bereich. Zu diesen Paaren gehört auch das lesbische Paar in Mecklenburg-Vorpommern, das die Kanzlerin angeblich in Zweifel gestürzt hat. Kurzum, es geht bei diesem Thema um eine winzige Minderheit, um eine gesellschaftliche Randerscheinung. Sie sind die Eskimos der Kanzlerin. Mit dem Unterschied zu den Polarmenschen, daß die allermeisten gleichgeschlechtlichen Partnerschaften gar keine Kinder wollen. Das ist bei normalen Ehen naturgemäß anders. Drei von vier Kindern in Deutschland leben heute bei ihren beiden leiblichen und verheirateten Eltern. In absoluten Zahlen: Etwa eine Million Kinder lebt in heterosexuellen nichtehelichen Lebensgemeinschaften, bei Alleinerziehenden sind es 2,2 Millionen und bei Ehepaaren etwa 10 Millionen Kinder. Diese Wirklichkeit wird medial ausgeblendet, in den Talkshows lebt der freundliche Einzelfall.

    Dieser Einzelfall soll nun zum Normalfall werden. Das ist er aber nur in rund zwanzig Ländern der Welt. 180 Länder und 90 Prozent der Weltbevölkerung stehen der Homo-Ehe indifferent bis feindlich gegenüber. Angefangen mit der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft in Europa haben die Niederländer im Jahr 2000, es folgten mit den Jahren in Europa Spanien, Portugal, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Großbritannien, Irland, Island und die skandinavischen Länder Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland. Deutschland ist das 14. Land der EU. Aus Amerika kommen Kanada, die USA, Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Mexiko und Uruguay dazu, aus dem schwarzen Kontinent ist es Südafrika, ferner Neu-Seeland. Es geht ein Riss durch Europa, die osteuropäischen Länder kennen ein solches Gesetz nicht, und haben oft auch keine Regelung für eine eingetragene Partnerschaft. In Polen, der Slowakei und der Ukraine, um nur drei Beispiele zu nennen, gibt es gar ein in der Verfassung verankertes Verbot der Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren. Das ist wegen der anti-humanen, kommunistischen Vergangenheit Osteuropas erstaunlich. Ebenso erstaunlich ist, daß in Europa gerade die „katholischen“ Länder Südeuropas die Homo-Ehe eingeführt haben, freilich unter sozialistischen Regierungen und gegen den Widerstand der katholischen Kirche.

    Die christliche Ehe war in diesen Ländern ein Ordnungsfaktor. Sie stand nicht nur für die gleiche Würde von Mann und Frau, wie es im Katechismus (Punkt 2022) heißt, sondern auch für das Lebensprinzip einer solidarischen Gesellschaft, die Freundschaft. Bei der Ehe geht es in diesem Sinn um die Freundschaft des Lebens. Die Ehe ist, wie Paul VI. schrieb, die „innigste und um­fassendste Form personaler Freundschaft“. Schon vor ihm bezeichnete Papst Leo XIII. die Ehe als „die höchste Gemeinschaft und Freundschaft“. Es war in der Tat das Christentum, das die Gleichwertigkeit der Ehepartner postulierte und im Imperium Romanum einführte. Es kam und kommt im Konsensprinzip sowie in der Unauflöslichkeit der Ehe zum Ausdruck. Immer wieder ist das konjugale Prinzip die Grundlage der Familie. Kinder sind nur eine Frucht dieses Prinzips. Sein innerster Kern ist die Liebe. Sie ist lebensspendend in einem Sinn, der weit über die biologische Funktionalität hinausreicht. Die Liebesheirat als ein „personal freier Akt, in dem sich die Eheleute gegenseitig schenken und an­nehmen“, wie es im Konzilsdokument Gaudium et Spes (GS, 48,1) heißt, ist relativ jungen Datums. Zur Zeit Luthers oder des Tridentinischen Konzils war die Ehe ein Mittel sozialer Kontrolle und ihr Zustandekommen meist von ökonomischen Erwä­gungen geleitet. Die Liebesheirat begann Platz zu greifen in den letzten zwei Jahrhunderten mit der Auf­lösung des Ständestaates, mit dem sozio-ökonomischen Wandel, ferner mit dem Aufkommen individualistisch geprägter Lebensformen und emanzipatorischer Be­wegungen. Zur Zeit eines Adam Smith etwa war es jungen Frauen verboten, an den Universitäten zu studieren, seit dem Wintersemester 1996/97 immatrikulieren sich in Deutschland mehr Frauen als Männer. Universitäten und Fachhochschulen sind heute die Heiratsmärkte par excellence. Die persönliche und private Beziehung, die emo­tionale und sexuelle Wünsche erfüllen soll, wurde zum Hauptmotiv der Ehe, der In­dividualismus löste die vorwiegend wirtschaft­lich-soziale Motivation, die Zweckgemeinschaft ab. Heute ist die Liebesheirat in unserer Zeit der Auflösung klassischer sozialer Milieus die Norm. Die Ehe gilt als letzte Zuflucht der Innerlichkeit.

    Aber das betrifft eben nur eine Seite der Ehe-Medaille. Der Codex des ka­nonischen Rechts führt zwar als eine der zwei Hauptaufgaben der Ehe „das Wohl der Ehegat­ten“ an. Die zweite Aufgabe, Nachkommenschaft, ist aber untrennbar mit der ersten verbunden. Das ist das Summum des konjugalen Prinzips und des Konsensprinzips, das gemeinsame Wohl in der Liebe, das in Kindern Gestalt gewinnt. „Kinder sind sichtbar gewordene Liebe,“ sagt der deutsche Romantiker Novalis. In der gültig geschlossenen Ehe ist der Ehepartner sozu­sagen das Gestalt gewordene Sakrament. Man könnte auch sagen: Die Berufung zur Ehe ist im Ehepartner Fleisch geworden. Profaner gesagt: Nur die Ehe zwischen Mann und Frau kann Kinder zeugen. Deshalb ist sie alternativlos.

    Die Herrschaft des positivistischen Rechts soll nun das Naturrecht eliminieren. Es ist aber nicht das Recht, das Gleichgeschlechtlichen eigene Kinder versagt, sondern die Natur. Es ändert nichts am Wesen der Ehe, wenn die Masse oder die öffentliche Meinung den Begriff mit anderen Inhalten füllt oder ihn aushöhlt. Der Vater der Massenpsychologie, Gustave le Bon, und der Erfinder des Begriffs öffentliche Meinung, Michel de Montaigne, haben schon vor Jahrhunderten auf die Wankelmütigkeit und Manipulierbarkeit der Menge hingewiesen. Die Natur bleibt, es ändert sich aber das Ordnungsgefüge der Gesellschaft.

    Wenn man das biblische Menschenbild entsorgt, damit gleichsam die Natur über Bord wirft und durch Beliebigkeit ersetzt, rutschen die Fundamente weg. Der französische Philosoph und Theologe Bertrand Vergely hat in einem Manifest, das vom Familienbund der Katholiken in Augsburg veröffentlicht wurde, auf die Folgen dieser Beliebigkeit hingewiesen: „Es gibt Grenzen menschlichen Tuns. Diese Grenzen sind auch schützende Grenzen. Die Einsicht, dass nicht alles gesetzlich beschlossen werden kann, bewahrt uns vor einer Diktatur des Rechts, und der Gedanke, dass nicht alles hergestellt werden kann, vor einer Diktatur der Wissenschaft. Mit der Homo-Ehe und dem Recht homosexueller Paare auf Adoption und künstliche Befruchtung würde sich das ändern. Der Schutz vor einer Diktatur des Rechts würde fallen. Zugleich würden die Dämme brechen, die uns vor einer Diktatur der Wissenschaft bewahren. Alles würde »machbar« werden. Bislang sind wir der Natur gefolgt, die, wie Montaigne sagte, eine »sanfte Führerin« ist. Von nun an würden wir dem Recht und der Wissenschaft folgen. Die Natur hat es vermieden, den Menschen der Willkür des Menschen zu unterwerfen. In eben jenem anything goes sah Dostojewski im 19. Jahrhundert ebenso wie Leo Strauss im 20. Jahrhundert die Essenz des Nihilismus. Wie Nietzsche erkannten sie im Nihilismus die verhängnisvolle Heimsuchung Europas. Mit der Homo-Ehe und dem Recht Homosexueller auf Adoption und künstliche Befruchtung würde das anything goes Wirklichkeit werden. Damit würde der Nihilismus siegen – ein Triumph des entgrenzten Menschen“.

    Das klingt prophetisch. Nicht alle Prophezeiungen müssen Wirklichkeit werden. Ein anderer Anthropologe und Ethnologe, der Professor in Cambridge Joseph D. Unwin (1895 – 1936), hat allerdings in einer umfangreichen Untersuchung über „Sex and Culture“ an 80 unzivilisierten und 8 Hochkulturen über 5000 Jahre herausgefunden, dass alle Hochkulturen streng monogam begannen und eine Generation nach dem Zerfall der Familienstrukturen untergingen. Die „Ehe für alle“ könnte diesen Prozess beschleunigen und dem großen Kulturhistoriker Arnold Toynbee recht geben, der sagte: „Zivilisationen gehen nicht zugrunde, sie begehen Selbstmord“. Aber die Zahlen zeigen: Noch sind die gelebten Strukturen von Ehe und Familie weitgehend vorhanden. Das Recht ist es, das zerfällt und das ist eine Frage der Gewalten. Die könnten den Prozess stoppen und der Natur wieder zur Geltung verhelfen.

    IDAF Aufsatz des Monats 7/2017
    http://www.i-daf.org

  12. gandalf meint:

    @R. Drabek:Sorry, aber das kurze Glück ist häufig weder glücklich und manchmal endet es sogar tödlich. Hier geht es um Menschen, daher kann ich nicht einfach abstrakt über „abgestorbene Zweige der Evolution“ sinnieren.

  13. gandalf meint:

    Etwas Hörenswertes zum Thema (in englischer Sprache):
    https://www.youtube.com/watch?v=mCLms7J84JY

  14. Theophil Isegrim meint:

    @ Georg Walter:

    Falls Du an einen etwas tiefergehenden Artikel zu Unwin interessiert bist, kann ich Dir ein Link empfehlen.

    http://www.dijg.de/sexualitaet/joseph-unwin-sex-culture/

    Es geht steil bergab mit unserer Gesellschaft, wenn nicht noch ein Umschwung kommt.

  15. Rolf Eicken meint:

    @Theophil Isegrim – herzlichen Dank für den Link zu J. Unwin. Ausgezeichnet.
    BG
    Rolf

  16. Theophil Isegrim meint:

    Ja! Die vom OJC haben da wirklich klasse Material auf ihren Seiten.

  17. Schandor meint:

    @Georg Walter

    Prädikat: Gut gebrüllt, Löwe!

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