Ethik

Beiträge aus dem Bereich Ethik.

Einer Lobby zu Diensten

Durch den Versuch, mit ihrem Bildungsplan Minderheiten politische Zugeständnisse zu machen, hat Grün-Rot im „Ländle“ genau jene Kulturkampfstimmung erzeugt, die Ministerpräsident Kretschmann immer vermeiden wollte. Die Gender-Ideologie spaltet das Land.

Rüdiger Soldt schreibt für die FAZ:

Es ist erstaunlich, wie ignorant sich gerade die Grünen, aber auch alle anderen Parteien seit Jahrzehnten gegenüber den Schattenseiten der zum Teil wissenschaftsfeindlichen Gender-Theorie verhalten. Schon der Hinweis, dass es sich um eine Zeitgeist-Theorie von begrenzter Reichweite handelt, wird als reaktionäre Aussage unter Bannfluch gestellt.

Das ist schon vor dem Hintergrund unverständlich, dass die Grünen gerade ihre frühere Toleranz gegenüber Pädosexuellen aufarbeiten müssen.

Zudem ist die Vorstellung, eine Gesellschaft könne völlig frei von Diskriminierung sein, weder realistisch noch unter jeder Bedingung erstrebenswert. In einer solchen Gesellschaft würde alles unter Diskriminierungsverdacht gestellt, das Ressentiment würde zur Tugend. Unterstellte Diskriminierung kann auch zur Denunziation genutzt und machtpolitisch missbraucht werden.

Moderne demokratische Gesellschaften müssen Diskriminierungen und Bedrohungen individueller Freiheit ständig aufs Neue subsidiär regeln. Ein Tugendwächter an jeder Straßenecke garantiert nicht zwangsläufig Fortschritt. Diejenigen Grünen, die vor vielen Jahren mal mit den Ideen des amerikanischen Kommunitarismus geliebäugelt haben, hatten jedenfalls mehr Vertrauen in gesellschaftliche Autonomie.

Mehr: www.faz.net.

Baden-Württemberg und das LSBTTIQ-Netzwerk

Die rot-grüne Landesregierung in Baden-Württemberg schafft Fakten. In dieser Woche hat die Sozialministerin des Landes eine Zielvereinbarung über die Zusammenarbeit mit der „LSBTTIQ-Community“ ausgehandelt und unterzeichnet. Hinter dem Lesbisch-Schwul-Bisexuell-Transsexuell-Transgender-Intersexuell-Queer-Netzwerk stehen ungefähr  70 Gruppen, Vereine und Organisationen, die nun auf die Förderung durch die Landesregierung zählen dürfen.

Es geht um folgende Ziele:

1. Die Landesregierung setzt den Aktionsplan „Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ einschließlich der aufgeführten Maßnahmen und einer breiten Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel um.

2. Die Kooperationspartner verfolgen die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen des Aktionsplans und entwickeln den Aktionsplan weiter.

3. Das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg erhält dafür finanzielle Unterstützung im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel.

4. Die Kooperationspartner arbeiten konstruktiv und partnerschaftlich zusammen und treffen sich mindestens einmal im Jahr, um den vertrauensvollen und nachhaltigen Dialog fortzuführen. Der Austausch wird auf Ebene des zuständigen Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren koordiniert.

5. Zur Weiterentwicklung des Aktionsplans treten die Kooperationspartner in den Dialog mit gesellschaftlich relevanten Gruppen wie beispielsweise Parteien, Trägern der Freien Wohlfahrtpflege, Kirchen, Familien-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Verbänden, Akteuren aus Sport, Kultur und Wissenschaft.

6. Die Landesregierung setzt sich mit geeigneten Initiativen für die Anerkennung und Gleichstellung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgendern, intersexuellen und queeren Menschen ein.

Die Zielvereinbarung gibt es im Wortlaut auf der Internetseite des Sozialministeriums. Den in der Charta erwähnten Aktionsplan  „Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ gibt es hier: Aktionsplan_Akzeptanz_und_gleiche_Rechte.pdf.

Charakterbildung bei Comenius

Jan Hábl schreibt über die Didaktik von Johann Amos Comenius (Thomas Schirrmacher und Ron Kubsch (Hg.), Vergangenheit als Lernfeld, Bonn: VKW, 2015, S. 116-118):

Die angemessenen Ziele moralischer Bildung in Comenius’ Didaktiken sind die so genannten „Schlüsseloder Kardinaltugenden“ der „Weisheit, Mäßigung, Stärke und Gerechtigkeit“ (prudentia, temperantia, fortitudo, iustitia), ohne welche der Aufbau der Pädagogik gänzlich ohne „Fundament“ bliebe. Comenius geht zu Beginn kurz auf die einzelnen Tugenden ein und postuliert dann die Methoden zu ihrer Aneignung; zusammen bilden sie den Kernpunkt seiner Methodologie der Charakterformung. In seiner Tschechischen Didaktik formuliert er sechs Grundsätze; in der Großen Didaktik ergänzt und erweitert er sie auf zehn.8 Um der Klarheit willen möchte ich sie im folgenden kurz zusammenfassen:

1) Die Tugend wird nicht durch Reden, sondern durch Handeln kultiviert. Denn der Mensch erhält sein Leben, um es „im Gespräch und Handeln mit seinen Mitmenschen zu leben“. Ohne tugendhafte Handlungen ist der Mensch für die Erde nicht mehr als eine sinnlose Last.

2) Die Tugend kann zum Teil im Umgang mit tugendhaften Menschen erlangt werden. Als Beispiel sei die Bildung Alexanders des Großen angeführt, die dieser von Aristoteles erhielt.

3) Rechtschaffenes Verhalten verdankt sich aktivem Durchhaltevermögen. Die angemessen behutsame und beständige Beschäftigung des Geistes und Körpers führt zum Fleiß; für einen Menschen, der sich dieser Dinge befleißigt, ist der Müßiggang untragbar.

4) Im Herzen jeder Tugend liegt der Dienst am anderen. Dem gefallenen Wesen des Menschen wohnt immense Eigenliebe ein, die dazu führt, dass „jeder am liebsten im Mittelpunkt steht.“ Es ist daher notwendig, dem Menschen das Verständnis zu vermitteln, dass „wir nicht nur für uns selbst geboren werden, sondern für Gott und unsere Mitmenschen.“

5) Die Pflege der Tugenden muss schon in frühestem Alter einsetzen, denn „schlechtes Benehmen und Laster nisten sich alsbald ein“. Wie Wachs und Gips in weichem Zustand leicht geformt, in erstarrtem Zustand dagegen unmöglich umzugestalten sind, so auch der Mensch: Der Großteil des Charakters gründet sich auf die ersten „Fertigkeiten“, die ihm in seiner frühen Kindheit vermittelt werden.

6) Die Anerkennung ersteht aus tugendhaftem Handeln. Wie der Mensch das „Gehen durch gehen, das Sprechen durch sprechen, das Lesen durch lesen“ lernt, so lernt er „Gehorsam durch Gehorsam, Nachsicht durch Verzögerungen, Aufrichtigkeit durch das Sprechen der Wahrheit“ usw.

7) Die Tugend wird an Beispielen erlernt. „Denn Kinder sind Affen nicht unähnlich: Alles, was sie sehen, sei es gut oder schlecht, möchten sie alsbald nachahmen, selbst wenn sie angehalten werden, es zu unterlassen, und noch bevor sie lernen, wie man lernt, lernen sie, nachzuahmen.“ Sie bedürfen daher als Lehrer „lebendiger Beispiele“.

8) Die Tugend wird auch durch Anleitung gelernt, der das Beispiel zur Seite geht. Anleitung bedeutet, die Bedeutung einer gegebenen Regel sittlichen Verhaltens zu erläutern und anzugeben, weshalb man danach handeln sollte, was man tun sollte und warum man es auf diese Weise tun sollte. Wie „ein Tier durch einen Dorn gedrängt wird, sich zu bewegen oder zu laufen, so wird auch ein erfolgreicher Verstand nicht nur informiert, sondern auch durch freundli che Worte gedrängt, sich der Tugend zu befleißigen.“

9) Es ist vonnöten, Kinder vor schlechten Leuten und schlechtem Einfluss zu schützen. Weil der Geist eines Kindes so leicht angesteckt wird, ist es einerseits nötig, sich von „schlechter Gesellschaft“ fernzuhalten und andererseits faule Menschen zu meiden. Denn der faule Mensch „lernt, Böses zu tun, da der Geist nie untätig sein kann, und wenn er sich nicht mit Nützlichem befasst, wird er von leeren, sinnund wertlosen Dingen erfüllt.“

10) Die Tugend erfordert Disziplin. Wie das gefallene Wesen des Menschen stets „bald diesem, bald jenem zuneigt“, ist es nötig, es systematisch zu disziplinieren.9 Es ist der Erwähnung wert, dass sich Comenius des Prinzips gewahr ist: Egal, um welche Art der Bildung oder Formung es sich handeln mag – das beste Alter dafür ist die Kindheit und Jugend.

In Kap. 7, Abschn. 4 spricht er beinahe wie ein Entwicklungspsychologe: „Es liegt in der Natur jegliches Entstehenden, dass es in weichem Zustand leicht gebogen und geformt werden kann (meine Hervorhebung). … Es ist klar, dass dies auch für den Menschen selbst gilt“, fährt Comenius im nachfolgenden Abschnitt fort und folgert: „Soll die Tugend im Herzen des Menschen Wurzeln schlagen, so muss sie darin verankert werden, solange er noch jung ist; wollen wir tugendhafte Menschen, so müssen wir sie von früher Jugend auf darin erziehen (in der Tschechischen Didaktik „otestat“, „meißeln“); wollen wir, dass der Mensch große Fortschritte in der Weisheit erzielt, so müssen wir seine Fähigkeiten schon in der Kindheit darauf ausrichten …“.

Das Wechselverhältnis von Moral und Gottesfurcht ist kaum zu übersehen. Überall im Buch ist es erkennbar, doch in Kap. 23 und 24 kommt Comenius direkt darauf zu sprechen. Um diesen Punkt besonders hervorzuheben, fügt er dem Kapitel über die moralische Erziehung ein kurzes Kapitel mit dem Titel Methodus pietatis hinzu, das sich mit der Vermittlung der Frömmigkeit beschäftigt (Kap. 24). Er ist sich bewusst, dass es sich hierbei um eine besondere „Gabe Gottes“ handelt, fügt aber hinzu, dass Gott auch die „natürlichen Vermittlungen“ seiner Gnade gebraucht und daher Eltern, Lehrer und Diener im geistlichen Bereich als seine „Gehilfen“ haben will, was etwas über sein Verständnis der Lehre von der „Allgemeinen Gnade“ verrät. Dies führt zum Schluss, dass die Frömmigkeit nicht nur integraler Bestandteil der familiären Erziehung, sondern auch der schulischen Bildung sein sollte. Unter „Frömmigkeit“ versteht Comenius die Fähigkeit, „überall Gott zu suchen, … ihm überall nachzufolgen … und sich seiner stets zu erfreuen“10 und erklärt: Das erste geschieht durch die Vernunft, das zweite durch den Willen und das dritte durch die Freude, ihn zu kennen. Drei Quellen zur Frömmigkeit sind dem Menschen gegeben: Gottes Wort, die Welt und die Menschen (Scriptura, natura, providentia particularis); wir sollen lesen, beobachten und sorgfältig nachdenken, um davon zu zehren (Große Didaktik. 24. S. 3–5).

Schwesig betreibt ideologisierte Geschlechterpolitik

Mehr als ein halbes Dutzend geschlechterpolitische Plattformen und Bürgerinitiativen haben am 15. Juni 2015 in einer Protestnote Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig dazu aufgefordert, von ihrer einseitigen und ideologisierten Geschlechterpolitik abzurücken. Im Zentrum des Protestes steht die Besetzung der Sachverständigenkommission zur Erarbeitung des Zweiten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung.

In der Protestnote von Gerd Riedmeier vom Forum Soziale Inklusion e.V. , heißt es:

Es bestehen begründete Zweifel an der Wissenschaftlichkeit und der Objektivität der Kommission in Bezug auf die Erarbeitung geschlechterpolitisch relevanter Erhebungen, Statistiken und Auswertungen:

1) Acht der zwölf Mitglieder der eingesetzten Kommission kommen aus den Bereichen Gender Studies oder bekennen sich offen als Feministinnen. Mitglieder, die explizit die Lebenswirklichkeiten und Bedürfnisse von Jungen, Männern und Vätern vertreten, sind nicht vorgesehen. Ein ausgeglichener, unvoreingenommener und ganzheitlicher Blick auf beide Geschlechter ist somit nicht möglich.

2) In die Kommission wurden zwei Nichtwissenschaftlerinnen berufen: Frau Christina Schildmann, eine Publizistin der Friedrich-Ebert-Stiftung, sowie Anne Wizorek, die sich selbst als feministische Aktivistin bezeichnet.

3) Die Auftraggeberin exkludiert in ihrer Selbstbeschreibung als „Bundesfrauenministerin“ bereits die Hälfte der Bevölkerung der Bundesrepublik aus ihrem Fokus und damit per se auch das vorgebliche Ziel der „Gleichstellung“.

Hier mehr: kultur-und-medien-online.blogspot.de.

VD: JB

Pippi Langstrumpf und die „Homo-Ehe“

Thomas Jeising hat sich sehr persönliche Gedanken über die Homo-Ehe gemacht und geht dabei ausführlich auf die Betroffenheitsrhetorik ein:

Ich kenne Männer, die zur Pädophilie neigen und andere, die Kinder missbraucht haben, Frauen, die ihr Baby abgetrieben haben, Betrüger, die ins Gefängnis gewandert sind. Ich kenne sie nicht nur aus der Presse, sondern aus nächster Nähe. Ich empfinde Herzenswärme, wenn ich an sie denke. Das gilt auch für Leute, die ihre Ehe gebrochen, Steuern hinterzogen, sich prostituiert oder einen Raub begangen haben, genauso für andere, die an Alkohol und Drogen gebunden oder gewalttätig geworden sind. Aber es ist deutlich, dass mein Mitgefühl und sogar meine Zuneigung zu ihnen nicht dazu führen kann, dass ich ihre Taten für richtig halte oder sogar dafür plädiere, dass Raub, Betrug oder Vergewaltigung zu gesellschaftlicher Anerkennung kommen sollten. Meine Liebe zu diesen Menschen ändert nichts an meiner strikten Ablehnung ihrer Taten.

Was eine Ehe ist, ist nicht zuerst durch menschliche Definition bestimmt, sondern durch geschöpfliche Wirklichkeit. Offenbar ist das auch ohne die biblische Offenbarung erkennbar, denn jede menschliche Kultur kennt Ehe und damit auch Ehebruch. Selbst wenn offenbar noch andere Verhältnisse bekannt sind, wird das eine nicht mit dem anderen verwechselt. Das wäre mindestens verwunderlich, wenn Ehe und Familie nur eine soziale Konstruktion darstellten, die ersetzbar wäre, etwa durch die Definition „Familie ist, wo Kinder sind“ oder „Ehe ist jedes dauerhafte Verhältnis, in dem Menschen Verantwortung füreinander übernehmen“.

Wer allein die Logik des Lebenspartnerschaftsgesetzes näher betrachtet, der kann sich verwundert fragen, warum die eingetragene Lebenspartnerschaft allein als Quasi-Ehe für homosexuelle Paare konstruiert wurde. Es wurden damit exklusive Wünsche einer besonderen Gruppe befriedigt. Warum wurde das Gesetz nicht so breit angelegt, dass sich in der Lebenspartnerschaft Menschen dauerhafte Partnerschaft zusagen, woraus Versorgungs- und Beistandspflichten abgeleitet werden, aber auch etwa bestimmte steuerliche Rechte? Dann hätte auch eine ehelose Tochter in einer Lebenspartnerschaft ihre Mutter pflegen können – oder sogar ihre Eltern – und dafür den Splittingtarif des Steuerrechts in Anspruch nehmen können. Warum sollte die Lebens­partnerschaft auf zwei Personen begrenzt sein? Es könnten auch mehrere Personen in einer Lebensgemeinschaft sein. Ob und welchen sexuellen Umgang diese Menschen miteinander haben, müsste den Staat gar nichts angehen. So hätten auch Mit­glieder einer christlichen Lebensgemeinschaft dauerhaft bestimmte Rechte und Pflichten füreinander übernehmen können.

Mehr: bibelbund.de.

Devolution

Jesus Christus:

Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer sie von Anfang an als Mann und Frau geschaffen hat? Und dass er gesagt hat: Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die beiden werden ein Fleisch sein.

Wolfhart Pannenberg:

Denn eine Kirche, die sich dazu drängen ließe, homosexuelle Betätigung nicht mehr als Abweichung von der biblischen Norm zu behandeln und homosexuelle Lebensgemeinschaften als eine Form persönlicher Liebesgemeinschaft neben der Ehe anzuerkennen, eine solche Kirche stünde nicht mehr auf dem Boden der Schrift, sondern im Gegensatz zu deren einmütigem Zeugnis. Eine Kirche, die einen solchen Schritt tut, hätte darum aufgehört, evangelische Kirche in der Nachfolge der lutherischen Reformation zu sein.

Heinrich Bedford-Strohm:

Für mich ergibt sich aus zentralen biblischen Geboten der Impuls zu einer Öffnung der Kirche gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.

Reizsüchtige Gesellschaft

Der Freiburger Mediziner und Psychiater Joachim Bauer spricht in der WELT über die Reizüberflutung und die Versuchung, allerlei Reizen möglichst schnell nachzugeben. Es klingt drollig, wenn er davon spricht, dass wir dem „Reptiliengehirn“, das auf die sofortige Befriedigung von Bedürfnissen ausgerichtet ist, zu oft nachgeben.

Die Bedeutung dieses Wandels ist immens. Den größten direkten Einfluss auf unseren persönlichen Lebensstil haben die neuen Kommunikationsmöglichkeiten, also die vielen Angebote des Internets, die sozialen Netzwerke, die Möglichkeit zum vernetzten Spielen, die Kommunikation per E-Mail und die Smartphones mit ihren unzähligen Apps. Viele dieser elektronischen Angebote haben Suchtpotenziale, sie sprechen im Hirn die gleichen Zentren an wie Kokain. Die entscheidende Frage ist: Wer hat die Macht über wen? Haben diese Geräte die Macht über mich, oder habe ich die Kontrolle? Steuere ich mein Verhalten oder werde ich gesteuert, lebe ich oder werde ich gelebt? Wer auf jedes Pling, das aus einem der Geräte – heute bezeichnet man sie ja gerne als „Gadgets“ – kommt, sofort reagieren muss, wird zu einer Reiz-Reaktions-Maschine und hat aufgehört, seinen Rhythmus selbst zu bestimmen. Inwieweit wollen wir es diesen Geräten also erlauben, uns vor sich herzutreiben, unseren Takt zu bestimmen und uns zu versklaven?

Hier das Interview: www.welt.de.

Tiefpunkt der Debatte

Jonathan Steinert hat für PRO online die Debatte um die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer kommentiert. Kramp-Karrenbauer hat Bedenken an der „Ehe für alle“ geäußert  und dafür viel Häme und sogar Entsetzen geerntet. Steinert schreibt:

Von „Dammbrüchen“ ist hin und wieder die Rede, wenn ethisch-moralische oder gesellschaftlich anerkannte Grenzen infrage gestellt werden. Warum sollte es in diesem Fall nicht zumindest möglich sein, dies zu denken und zu äußern? Ganz abgesehen von einem anderen Thema, das in dem Zusammenhang selten erörtert wird und das Kramp-Karrenbauer ansprach: das Kindeswohl.

Ausgerechnet jene, die Toleranz gegenüber Minderheiten und deren Meinungen einfordern, lassen in der „Debatte“ über die Öffnung der Ehe, um Homosexualität und sexuelle Identität leider häufig an Toleranz vermissen. Wer nicht dafür ist, wird öffentlich diffamiert. Oder vor Gericht gezogen. Aber Meinungsfreiheit bedeutet, die Freiheit zu haben und sie anderen zuzugestehen, ungestraft anderer Meinung zu sein. Dann wäre auch eine ehrliche Debatte möglich. Wenn sie gewollt wäre.

Weshalb der Staatsrechtler Christoph Gröpl die Ministerpräsidentin verteidigt, ist in der SAARBRÜCKER ZEITUNG zu lesen:

Ich war empört – und zwar darüber, wie stark da die öffentliche Meinungsbildung durch zum Teil persönliche Angriffe auf Amtsträger beeinträchtigt wird. Das scheint in gewissen brenzligen Themenbereichen nach ähnlichen Strategien zu gehen: Wer es wagt, etwas gegen die Meinung „gutmeinender Humanisten“ zu sagen, auf den hagelt es Schimpf und Schande. Deswegen trauen sich Menschen, die in vermeintlichen Tabuthemen anderer Meinung sind, immer weniger, ihre Ansichten zu äußern. Das stellt eine ernste Gefahr für die freie Meinungsäußerung und Meinungsbildung dar, die durch das Grundgesetz garantiert ist. Es sollte eine Atmosphäre herrschen, in der jeder grundsätzlich das sagen darf, was er denkt, gerade im politischen Bereich. Wenn eine Anwältin aus Berlin die Ministerpräsidentin wegen Beleidigung und Volksverhetzung anzeigt, sind wir auf dem besten Weg in totalitäres Denken.

Mehr: www.saarbruecker-zeitung.de.

Warum ich als Christ nicht homosexuell leben kann

Das DIJG hat vor einiger Zeit das persönliche Zeugnis eines Christen veröffentlicht, der sich vom gleichen Geschlecht angezogen fühlt, jedoch dennoch sein Leben nach dem Willen Gottes gestalten möchte. Die genannten Gründe sind:

1. Ich nehme die gemeinsame Tradition der gesamten christlichen Kirche ernst.

2. Ich bin als evangelischer Christ in meinem Gewissen an die Heilige Schrift gebunden.

3. Ich glaube nicht an den Mythos, daß ein Mensch alles, was er fühlt, auch ausleben muß bzw. daß Gefühle unabänderlich sind.

4. Ich habe entdeckt, daß homosexuelle Impulse aus unreifen inneren Haltungen und ungelösten Identitätskonflikten herrühren und aufgelöst werden können.

5. Ich weiß, daß – entgegen mancher öffentlichen Darstellung – die Wirklichkeit der homosexuellen Lebensweise von Promiskuität geprägt ist.

6. Ich habe das Potential tiefer, nicht-sexueller Freundschaften zu Männern entdeckt, die nicht emotional abhängig machen, sondern aufbauen.

7. Ich habe als oberstes Ziel meines Lebens erkannt, Christus zu lieben und in sein Bild umgewandelt zu werden.

Hier: www.dijg.de.

Optimierter Anfang, kontrolliertes Ende

Dass es noch qualitativ hochwertigen Journalismus gibt, belegt die Radiosendung „Leben nach Plan – Optimierter Anfang, kontrolliertes Ende“ von Eva Schindele. Worum geht es?

Anfang und Ende des Lebens sind existenzielle Übergänge, bei denen immer häufiger die Medizin Regie führt. Die meisten Menschen begrüßen das und hoffen dadurch, das eigene Leben besser kontrollieren zu können. Aber der naturwissenschaftliche Blick prägt die Wahrnehmung von Zeugung, Schwangerschaft und Geburt: Mit der Herstellung von Embryonen im Labor stellt sich die Frage: Wann beginnt das Leben? Die vorgeburtliche Diagnostik sucht gezielt nach Normabweichungen beim Ungeborenen; gleichzeitig werden immer kleinere Frühgeborene gerettet und Schädigungen dabei billigend in Kauf genommen. Auch der Tod wird zum Projekt von Planung und Kontrolle. Dabei haben Ärzte und Ärztinnen bis heute Probleme, am Lebensende ihre Rolle zwischen Aktionismus, Schmerzlinderung und Sterbehilfe zu finden.

Einige wichtige Sätze aus der Sendung:

Die Sprecherin:

Ethische Vorstellungen sind nicht in Stein gemeißelt. Sie werden im gesellschaftlichen Diskurs immer wieder neu ausgehandelt, spiegeln den Zeitgeist wider und legitimieren oft im Nachhinein das technisch Machbare. Dabei prägen oft diejenigen die Debatte, die ein Interesse an einer Liberalisierung haben: Das sind vor allem einerseits die Anbieter reproduktionsmedizinischer oder pränataldiagnostischer Frage: Es ist ja viel Potenz hier, sozusagen „Leben“ zu generieren?

Die Lübecker Medizinethikerin Christina Schües sagt:

Materialprüfung ist üblicherweise nicht das, was am Anfang liegt, wenn man eine Beziehung eingeht mit einem Menschen. Ich hab mich schon oft gefragt, was es heißt eigentlich für ein Kind unter Bedingungen geboren zu werden. Ich hab in meinem Buch die Geburt verstanden als Gabe, und zwar in dem Sinne, dass Kinder bedingungslos geboren werden. Also im Sinne einer Gabe. Wenn es aber so ist, dass die Embryonen, also Kinder kontrolliert werden, und nicht zu ihren eigenen Bedingungen geboren werden, sondern zu Bedingungen von anderen, bestimmter Kriterien, bestimmter Qualitätsmerkmalen, dann würde ich sagen, ist ein Embryo reduziert auf einen Warencharakter. Und dann fragt man sich ja auch, ob dann vielleicht Regressansprüche gemacht werden können und ob man es auch wie eine Ware zurückgeben kann.

Die Sprecherin:

Von freudiger Erwartung ist in heutigen Schwangerschaften oft nur noch wenig zu spüren. Schon von Anfang an wird die Frau auf ein ärztliches Schwangerschaftsregime eingeschworen, das vor allem die Pathologie und das Risiko in den Mittelpunkt stellt. Kaum ein Kind kommt heute noch „ungeprüft“ auf die Welt. Unter dem Versprechen der „Sicherheit“ konnte sich so in den letzten 25 Jahren ein riesiger Markt für vorgeburtliche Untersuchungen und Tests etablieren. Gute Geschäfte für Frauenärzte, aber auch für Hersteller von Ultraschallgeräten, Software oder Testkits wie dem sogenannten Praenatest, der ab der 9. Schwangerschaftswoche im mütterlichen Blut nach Hinweisen für Down-Syndrom beim Ungeborenen sucht.

Margaretha Kurmann vom „Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik“:

Es wird gesucht, um zu verhindern, dass ein Kind mit dieser Behinderung oder Beeinträchtigung, nach der gesucht wird, geboren wird. Die Therapie ist der Schwangerschaftsabbruch. Es gibt seltene Fälle, wo man die Geburt sozusagen danach ausrichten kann und man kann auch manchmal das in der Schwangerschaft machen und das ist ja auch nicht strittig, aber in der Regel sind es Untersuchungen, die wir im Netzwerk als selektiv bezeichnen, die also darauf ausgerichtet sind, Geburt von Kindern mit bestimmten Merkmalen zu verhindern. In dem Sinne gibt es nichts zu entscheiden über das So-Sein des Kindes, sondern es gibt nur darüber etwas zu entscheiden: Soll dieses Kind auf die Welt kommen oder nicht?

Hier das Manuskript und der Link auf die mp3-Datei der empfehlenswerten Sendung zum Download: swr2wissen-20150606-leben-nach-plan-ra06.12844s.mp3.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner