Ethik

Beiträge aus dem Bereich Ethik.

Sind Rechte und Pflichten immer nur Verträge?

Der Geschichtsprofessor Yuval Harari hat einmal über die Menschenrechte gesagt: 

Mit den Menschenrechten verhält es sich wie mit dem Himmel und Gott: Sie sind nur eine fiktive Geschichte, die wir erfunden haben und verbreiten. Vielleicht eine sehr schöne Geschichte, das mag sein. Eine attraktive Geschichte, die wir gerne glauben würden. Aber es handelt sich eben doch nur um eine Geschichte, nicht um die Realität. Menschenrechte sind keine biologische Realität. So wie Quallen, Spechte und Strauße keine Rechte haben, hat auch der Homo sapiens keine Rechte. Nehmen Sie einen Menschen, schneiden sie ihn auf und schauen Sie hinein: Sie finden sein Blut, das Herz, die Lunge und die Nieren, aber Sie finden dort keine Rechte. Der einzige Ort, an dem man Rechte findet, ist in den fiktiven Geschichten, die Menschen erfunden und verbreitet haben. Und das Gleiche gilt auch im politischen Bereich. Staaten und Nationen sind – genau wie die Menschenrechte und Gott und der Himmel – auch nur Geschichten. Ein Berg ist eine Realität: Sie können ihn sehen, ihn anfassen und sogar riechen. Israel oder die Vereinigten Staaten sind nur Geschichten. Sehr mächtige Geschichten. Geschichten, die wir vielleicht sehr gerne glauben würden, aber trotzdem nur Geschichten. Die Vereinigten Staaten kann man nicht wirklich sehen – man kann sie nicht anfassen, man kann sie nicht riechen.

Sind also Dinge wie Himmel, Hölle, Nationen und sogar „Menschenrechte“ nur nette Geschichten, die wir uns erzählen, um mit der Welt zurechtzukommen? Derek Rishmawy, der sich mit den Sichtweisen von Jordan Peterson, Tom Holland und Yuval Harari auseinandergesetzt hat, ist da anderer Meinung. 

Mehr hier: www.evangelium21.net.

Habeas Corpus gilt auch für die Organspende

Wilfried Härle äußerte sich am 6. Februar kritisch zur angestrebten Widerspruchslösung bei der Organspende (FAZ vom 06.02.25, Nr. 31, S. 6):

Mit der Widerspruchsregelung wird eines der frühesten anerkannten Menschenrechte – nach dem Recht der Religionsfreiheit – in subtiler Weise aufgeweicht, ja ausgehebelt: das Menschenrecht, das in der Habeas-Corpus-Akte von 1679 allen Bürgern Englands vom König verbrieft wurde und das seitdem als ein Grundpfeiler jedes Rechtsstaates gilt. Dieses Menschenrecht besagt, dass die Regierung eines Landes keinen Rechtsanspruch auf die leibliche Existenz ihrer Bürger hat, es sei denn, sie hätten dieses Recht durch einen schweren, richterlich festgestellten Verstoß gegen die gesetzliche Ordnung verwirkt. Aber unter der Bedingung der Widerspruchsregelung gehört mein Körper zunächst nicht mir, sondern meinem Staat oder meiner Gesellschaft, und wenn ich mich dem verweigern will, muss ich das ausdrücklich dokumentieren. Die Besitzverhältnisse im Blick auf den menschlichen Leib werden damit umgekehrt.

Sollte die Widerspruchsregelung im Blick auf die Organentnahme auch bei uns in einem erneuten Anlauf doch Rechtskraft erhalten, so würde ich am selben Tag meinen Spenderausweis vernichten und meinen Widerspruch gegen die Organ„spende“ erklären, weil sie dann keine Spende mehr wäre. Das glaube ich meinen Kindern und Enkeln, ja meinem Land schuldig zu sein.

Mehr: zeitung.faz.net.

Das andere Geschlecht

Simone de Beauvoir schrieb 1949 (Das andere Geschlecht [#ad], 2018, S. 484–485):

Es ist nicht schwer, sich eine Welt vorzustellen, in der Männer und Frauen gleich wären, denn genau diese Welt hatte die russische Revolution versprochen: Die Frauen, in der gleichen Weise erzogen und ausgebildet wie die Männer, würden bei gleichem Lohn unter den gleichen Bedingungen arbeiten. Die erotische Freiheit wäre sittlich zugelassen, aber der Geschlechtsakt würde nicht mehr als ein „Dienst“ betrachtet, der sich auszahlt. Die Frau wäre gezwungen, sich einen anderen Broterwerb zu sichern. Die Ehe wäre ein freier Zusammenschluß, den beide Partner zu jedem beliebigen Zeitpunkt aufkündigen könnten. Auch die Mutterschaft wäre frei, daß heißt, Geburtenkontrolle und Abtreibung wären erlaubt, und umgekehrt würden allen Müttern – ob ledig oder verheiratet – und ihren Kindern unterschiedslos die gleichen Rechte zuerkannt. Der Schwangerschaftsurlaub würde von der Kollektivität bezahlt, und dieser fiele auch die Sorge für die Kinder zu, was nicht heißt, daß die Kinder den Eltern entzogen würden, sondern daß man sie ihnen nicht überließe.

Aber genügt es, die Gesetze, die Institutionen, die Sitten, die öffentliche Meinung und den ganzen gesellschaftlichen Kontext zu verändern, damit Frauen und Männer wirklich Gleiche unter Gleichen werden? „Frauen bleiben immer Frauen“, sagen die Skeptiker, und andere Hellseher prophezeien, daß es den Frauen, wenn sie ihre Weiblichkeit ablegen, nicht gelingen wird, sich in Männer zu verwandeln, und daß sie dann zu Ungeheuern werden. Das wiederum setzt die Annahme voraus, die Frau von heute sei eine Schöpfung der Natur. Es mus noch einmal wiederholt werden, dais es in der menschlichen Kollektivität nichts gibt, was natürlich wäre, und daß auch die Frau ein Produkt der Zivilisation ist. Das Eingreifen anderer in ihr Schicksal war von Anfang an da, und es würde, anders gelenkt, zu einem ganz anderen Ergebnis führen. Die Frau wird weder durch ihre Hormone noch durch geheimnisvolle Instinkte bestimmt, sondern durch die Art und Weise, wie sie ihren Körper und ihre Beziehung zur Welt über das fremde Bewußtsein der anderen wiedererfaßt. Der Abgrund, der zwischen dem jungen Mädchen und dem jungen Mann liegt, ist seit der frühesten Kindheit im allseitigen Einvernehmen gegraben worden. Später ist dann nicht mehr zu verhindern, daß die Frau das ist, wozu man sie gemacht hat. Ihr Leben lang wird sie diese Vergangenheit hinter sich her schleppen, und wenn man deren Gewicht ermißt, wird endgültig klar, daß das Schicksal der Frau nicht in Ewigkeit geschrieben stehen kann.

Gewiß, man darf nicht glauben, es reiche aus, die ökonomischen Bedingungen des Frauseins zu verändern, um eine Umwandlung der Frau herbeizuführen. Dieser Faktor war und bleibt zwar der wichtigste Motor ihrer Evolution, doch solange er nicht die ethischen, gesellschaftlichen, kulturellen und sonstigen Konsequenzen nach sich gezogen hat, auf die er verweist und die er verlangt, kann die neue Frau nicht in Erscheinung treten. Bis zum heutigen Tag sind diese Voraussetzungen nirgendwo verwirklicht, weder in der Sowjetunion noch in Frankreich, noch in den USA. Und darum ist die heutige Frau zwischen der Vergangenheit und der Zukunft hinund hergerissen. Meistens erscheint sie als eine „wahre Frau“ in Männerkleidung, und sie fühlt sich in ihrem weiblichen Fleisch ebenso unwohl wie in ihrer männlichen Aufmachung. Sie muß sich häuten und sich ihre eigenen Kleider schneidern. Dahin aber kann sie nur dank einer kollektiven Evolution gelangen. Kein einzelner Erzieher vermag heute einen „weiblichen Menschen“ zu formen, der eine genaue Entsprechung des „männlichen Menschen“ wäre.

Ein junges Mädchen, das wie ein Knabe aufgewachsen ist, empfindet sich als ungewöhnlich und erfährt dadurch eine neue Art der Spezifizierung. Stendhal hat dies sehr gut verstanden, als er sagte: „Man muß gleich einen ganzen Wald pflanzen.“ Wenn man aber umgekehrt eine Gesellschaft unterstellt, in der die Gleichheit der Geschlechter konkret realisiert wäre, müßte diese Gleichheit sich in jedem Individuum neu bestätigen.

Wenn man das heute liest, gewinnt man schnell den Eindruck, dass sich ihre Wünsche durchgesetzt haben. Die Ehe wird als Vertrag auf Zeit verstanden. Geburtenkontrolle und Abtreibung sind normal geworden. Den staatlich verbürgten Schwangerschaftsurlaub gibt es. Der Essentialismus, die Vorstellung also, dass Mann und Frau ein jeweils in bestimmten Bereichen unterschiedliches, inhärentes Wesen (o. Essenz) besitzten, ist eine Außenseiterposition.

Abigail Favale, deren Buch Die geleugnete Natur [#ad] ich hier vorgestellt habe, erläutert in einem Interview mit Public Discurs auf faire und interessante Weise die Anliegen von Das andere Geschlecht. So sagt sie: 

Man kann „Das andere Geschlecht“ nicht verstehen, ohne de Beauvoirs existenzialistisches Framework zu verstehen. Dieser Bezugsrahmen postuliert einen starken Kontrast zwischen Transzendenz und Immanenz. Für sie haben wir nicht wirklich eine Natur. Wir sind nicht von Natur aus Menschen. Wir müssen Menschen werden. Wir müssen uns aus unserem ursprünglichen Zustand erheben. Wir müssen unsere tierische Natur – unsere Immanenz, unsere Faktizität – transzendieren, indem wir unsere Freiheit in der Welt durch kreatives Handeln ausüben.

Für sie bedeutet das, zu transzendieren. Sie spielt hier nicht auf irgendeine Art von Gott an. Es geht nur darum, unsere Immanenz und unseren Status als Objekt zu transzendieren, um ein selbstverwirklichtes Subjekt in der Welt zu werden. In ihrem Rahmen verbindet sie Transzendenz mit dem, was wir als Männlichkeit betrachten. Sie verbindet Frauen mit Immanenz, weil sie biologische Prozesse nicht als fähig ansieht, Transzendenz zu erreichen.

Deshalb lehnt sie Mutterschaft so ab. Für sie bedeutet Mutterschaft einfach nur die Wiederholung der menschlichen Existenz. Sie zählt nicht als Transzendenz, weil die menschliche Existenz an sich nicht bedeutungsvoll ist. Sie muss bedeutungsvoll gemacht werden. Ein Baby zu bekommen, ist also nicht wirklich wichtig, denn so verwirklicht man nicht seine eigene Transzendenz. Und dieses Baby ist auch noch nicht wirklich menschlich. Er oder sie muss später im Leben die Initiative ergreifen, um menschlich zu werden. Für sie ist Fortpflanzung dieser sich wiederholende, fast vegetative Prozess.

Mehr hier: www.thepublicdiscourse.com.

Kirche und Staat in Zürich und Genf

Andreas Mühling beschreibt in Caspar Olevian die Unterschiede in der Kirchenpolitik zwischen Zürich und Genf. Während Zürich eng mit der weltichen Obrigkeit kooperierte, suchte Genf unter der Leitung von Calvin die möglichst große Unabhängigkeit von weltlichen Einflüssen.

Mühling schreibt (Caspar Olevian, 2008, S. 67-70): 

Durch die Ereignisse des Reichstages von 1566 – auf diesem Reichstag wurde nach heftigem politischen Ringen der Kurpfalz der Status eines Augsburger Konfessionsverwandten zugesprochen und damit der Makel des Ketzertums von ihr genommen – war die Kurpfalz tatsächlich politisch so weit stabilisiert, dass nun die Probleme im Inneren angegangen werden konnten. Es stand die kirchenpolitische Verhältnisbestimmung zwischen Zürich und Genf bevor. In der Zeit ihrer ersten Hinwendung zur reformierten Lehre hatten Anhänger Zwinglis wie Calvins in der Kurpfalz gleichermaßen Gehör gefunden. Nicht zuletzt auch durch die politische Orientierung der Kurpfalz nach Westeuropa, die Übernahme politischer Mitverantwortung für die Reformierten in Frankreich und den Niederlanden sowie durch die Aufnahme einiger um ihres Glaubens willen verfolgter Reformierter gelangte die Genfer Richtung dort nun zu immer stärkerem Einfluss. Die kirchenpolitische Verbindung der Kurpfalz mit Zürich drohte schwächer zu werden. Die Position der Zürcher schien gefährdet zu sein. Der Punkt, an dem der Streit zum Ausbruch kam, war die Frage nach der Einführung einer Kirchenzucht nach Genfer Vorbild. An diesem Problem wurden die bislang nur unterschwellig vorhandenen Konflikte offenbar. An der Beantwortung dieser Frage entschied sich die zukünftige Gestaltung der Pfälzer Kirche.

Worum ging es bei dieser Frage? In Zürich und Genf existierten unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie das Verhältnis von Kirche und Staat auf theologischer und politischer Ebene konkret ausgestaltet werden sollte. So existierten auch über die Einflussmöglichkeiten der Obrigkeit verschiedene Ansichten.

Die Zürcher Reformation zeichnete sich seit 1523 durch die enge Verbindung kirchlicher und obrigkeitlicher Ziele aus. Die Reformation der Kirche gestaltete sich hier von Anfang an als ein städtisches Ereignis. Zwinglis reformatorische Impulse wurden vom Zürcher Rat aufgenommen, geprüft, modifiziert und schließlich in konkrete Politik umgesetzt. Ehemals kirchliche Aufgabenfelder wie Diakonie und Bildung, aber auch die Verwaltung kirchlicher Liegenschaften wurden ebenso in die Verantwortung des Rates übernommen wie die der Liturgie und der Ausstattung der Kirchenräume. Die Kirchenzucht, meist vollzogen als zeitweiliger Ausschluss der Gläubigen vom Gottesdienst oder Abendmahl, wurde in gemeinsamer Verantwortung von Kirche und Obrigkeit umgesetzt. Seit 1527 legten die Zürcher Prediger zudem einen Eid auf ihre Obrigkeit ab und versprachen, ihr die Treue zu halten. Doch wenn die Zürcher Obrigkeit insbesondere nach der Katastrophe von Kappel 1531 glaubte, die Prediger zugunsten obrigkeitlicher Ziele willfährig machen zu können, so hatte sie sich in ihnen getäuscht. In der Zürcher Kirchenordnung von 1532 wurde zwar von Seiten der Kirche ausdrücklich auf politische Voten verzichtet, doch zugleich ein „Wächteramt“ der Kirche eingefordert. Die Kirche, so betonten die Zürcher Prediger unter der Führung des jungen Bullingers ausdrücklich, werde immer dann Missstände offen benennen, wenn die Obrigkeit in ihrem Handeln gegen die biblischen Schriften verstoße.

Freiheit bei gleichzeitiger enger Bindung – dies kennzeichnete das Verhältnis von Kirche und Obrigkeit in Zürich. Möglich wurde diese Konstruktion, da die konkrete Gestalt der Kirche Jesu Christi in Zürich mit der „Res Publica“ von Zürich weitgehend deckungsgleich war. Kommunale Republik und kommunale Kirche stellten zwei unabhängige Größen dar, die dennoch eng aufeinander bezogen waren. Auf diese Weise wurde die Zürcher Kirche zu einem konstitutiven Element des städtischen Gemeinwesens.

Ein gänzlich anderes Modell als das Zürcher Staatskirchenwesen entwickelten hingegen die Genfer Theologen um Johannes Calvin. Von ihnen wurde eine Gemeindekonzeption entworfen, die auf die belastenden Anforderungen von Flüchtlings- und Minderheitengemeinden abgestimmt wurde. Nach dieser Konzeption sollte die Gemeinde unabhängig von obrigkeitlichen Einflüssen sein, sich eigenverantwortlich die notwendigen Regeln gemeindlichen Zusammenlebens geben und, legitimiert durch Gemeindewahlen, selbst leiten. Vier Ämter – Presbyter, Diakone, Pastoren und Doktoren – sollte es in der Gemeinde geben, die also die wichtigen kirchlichen Handlungsbereiche der Gemeindeleitung, Fürsorge, Gottesdienst sowie Bildungsarbeit abzudecken hatten. Absprache und gedanklicher Austausch der Gemeinden untereinander sollten auf übergemeindlichen Synoden erfolgen. Die Geister in Genf und Zürich hingegen schieden sich insbesondere bei der Frage der Kirchenzucht. Ein obrigkeitlicher Einfluss wurde von Genf strikt abgelehnt, die Anwendung der Kirchenzucht ausschließlich durch das von der Gemeinde gewählte Leitungsgremium, das Presbyterium, verantwortet.

Calvin forcierte diese Gemeindekonzeption, weil sie die Unabhängigkeit der Gemeinden, und damit auch ihre Überlebensfähigkeit in politischen Krisenzeiten, sicherstellte. Hier zeigt sich das Bemühen des französischen Flüchtlings, der Calvin ja gewesen war, seinen reformierten Landsleuten jene kirchlichen Strukturen an die Hand zu geben, die ihnen das Überleben in Aussicht stellten. Für verfolgte reformierte Gemeinden in den von Bürgerkrieg und politischer Bedrängung geprägten Krisen war die Genfer Gemeindekonzeption gegenüber dem Zürcher Staatskirchenwesen tatsächlich weitaus attraktiver.

Antiqua et nova

Die Katholische Kirche hat sich zum Verhältnis von von künstlicher und menschlicher Intelligenz geäußert. In Antiqua et nova heißt es: 

Wir sind aufgerufen, uns unter Einsatz von alter und neuer Weisheit (vgl. Mt 13,52) mit den heutigen Herausforderungen und Möglichkeiten auseinanderzusetzen, die sich aus dem wissenschaftlichen und technologischen Wissen ergeben, insbesondere aus der jüngsten Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI). Die christliche Tradition betrachtet nun die Gabe der Intelligenz als einen wesentlichen Aspekt der Schöpfung des Menschen „als Abbild Gottes“ (Gen 1,27). Ausgehend von einer ganzheitlichen Sicht der Person und unter Beachtung der Aufforderung, die Erde zu „bebauen“ und zu „hüten“ (vgl. Gen 2,15), betont die Kirche, dass diese Gabe durch einen verantwortungsvollen Einsatz von Rationalität und technischen Fähigkeiten im Dienst an der geschaffenen Welt zum Ausdruck kommen sollte.

Eine Zusammenfassung gibt es ber der TAGESPOST:

Menschliche Intelligenz ist ein Geschenk Gottes, der den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Dieser Glaubenssatz fundiert die Untersuchung der anthropologischen Herausforderungen von KI. Die Technologie der KI zielt darauf ab, menschliche Intelligenz zu imitieren. KI wird von Menschen programmiert und vermag es, mit großer Geschwindigkeit Texte und Bilder zu erschaffen, die von menschlichen Kompositionen kaum zu unterscheiden sind. KI entwickelt sich autonom weiter und generiert Lösungen, die menschliche Programmierer nicht vorhersehen.

Diese technologische Potenz von KI transformiert wesentliche Bereiche unserer Gesellschaft, darunter Ausbildung, Erwerbsarbeit, Gesundheitswesen, Kriegsführung und Kunst; damit verändert sich das Miteinander der Menschen ebenso wie die internationalen Beziehungen von Staaten. Kompetent schildert das Dokument die Geschichte der KI und erläutert deren technologische Treiber, wie maschinelles Lernen und Mustererkennung.

Unterschieden wird zwischen dem derzeitigen Entwicklungsstand von Artificial Narrow Intelligence (ANI) und einer angestrebten Artificial General Intelligence (AGI), die zukünftig für alle Anwendungsfelder auf dem Niveau menschlicher Intelligenz verfügbar sein soll, während ANI nur eng begrenzt eingesetzt werden kann. Auch werden Möglichkeiten einer Artificial Super Intelligence (ASI) erwogen, die unsere menschlichen Fähigkeiten unerreichbar übersteigen und die Zukunft der Menschheit infrage stellen würde. Die Verlautbarung betont, dass die funktionale Intelligenz einer KI nicht mit der Intelligenz des Menschen gleichgesetzt werden könne. KI vermag zwar spezifische Aufgaben effizient zu lösen, habe jedoch keine Emotionen und kenne keine ästhetischen, moralischen und religiösen Empfindungen.

Mehr: www.die-tagespost.de.

Das Recht auf Leben aus der EKD-Perspektive

Seit einigen Jahren wird bekanntlich über eine mögliche Neufassung der Regelung zum Schwangerschaftsabbruch diskutiert. Im Fokus stehen die Fristen und Voraussetzungen, die strafrechtliche Regelung und die Pflicht zur Konfliktberatung. Die neue EKD-Schrift Stellungnahme des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) fasst evangelisch-ethische Überlegungen dazu zusammen, und will einen Kompromiss formulieren. Dass das nicht gelungen ist, zeit schon dieser Abschnitt:

Im Zentrum der theologisch-ethischen Argumentation steht die Überzeugung, dass der Schwangerschaftskonflikt aus der Kollision zweier unvereinbarer Ansprüche entsteht, in denen Christinnen und Christen jeweils ein göttliches Gebot sehen können: Dem Anspruch des ungeborenen Lebens, zur Welt gebracht zu werden, stehen die Ansprüche und Verpflichtungen gegenüber, die die Lebensführung an die betroffene Frau stellt: berufliche Verpflichtungen, soziale und psychische Notlagen, familiäre Pflichten oder die Sorge, den Ansprüchen eines zukünftigen Kindes nicht gerecht werden zu können. Aus dieser Kollision entsteht für die Schwangere ein unauflösbarer Konflikt, da sie sich nicht in der Lage sieht, beiden Ansprüchen und Verpflichtungen zugleich zu folgen. Die evangelische Kirche anerkennt diesen Konflikt als unauflösbar und lehnt eine einseitige Privilegierung einer der beiden Ansprüche ab. Ausgehend von der Schöpfungslehre hebt die evangelische Kirche die besondere Rolle der Schwangeren bei der Weitergabe des Lebens hervor: Gottes Ruf ins Leben kann nur mit der Hilfe einer Frau Realität werden. Diese Mitwirkung am Schöpfungsauftrag bringt es mit sich, dass die Frau die Entscheidung für oder gegen ein Kind letztlich nur alleine in verantworteter Freiheit treffen kann und treffen muss.

Das Lebensrecht einen Ungeborenen wird hier auf die gleich Stufe gestellt wie z.B. berufliche Verpflichtungen. Solche Vergleiche sind unfassbar zynisch. David Wengenroth kommentiert für IDEA treffend: 

Die EKD-Stellungnahme scheitert schon daran, diesen Konflikt überhaupt auch nur angemessen zu beschreiben. So heißt es in dem Text, der Schwangerschaftskonflikt entstehe aus einer „Kollision zweier unvereinbarer Ansprüche, in denen Christinnen und Christen jeweils ein göttliches Gebot sehen können: Dem Anspruch des ungeborenen Lebens, zur Welt gebracht zu werden, stehen die Ansprüche und Verpflichtungen gegenüber, die die Lebensführung an die betroffene Frau stellt: berufliche Verpflichtungen, soziale und psychische Notlagen, familiäre Pflichten oder die Sorge, den Ansprüchen eines zukünftigen Kindes nicht gerecht werden zu können.“

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Kann man also unter anderem in „beruflichen Verpflichtungen“ ein „göttliches Gebot sehen“, das die Tötung eines ungeborenen Menschen rechtfertigt? Das ist entweder erschreckend zynisch gedacht – oder erschreckend ungeschickt formuliert. In beiden Fällen verfestigt es das Bild einer Kirche, die in zentralen ethischen Fragen nicht mehr sprachfähig ist.

Die „sittliche Reife“ und das Lebensrecht

Ausgerechnet Olaf Scholz meint, in der Frage „sittlicher Reife“ Noten verteilen zu können. Wer mit größter Lockerheit den Schutz des Lebensrechtes der Ungeborenen in Frage stellt und noch kurz vor Toresschluss eine Parlamentsentscheidung durchsetzen möchte, sollte sich hüten, auf dem moralisch hohen Ross zu reiten, meint Sebastian Sasse. Sehe ich auch so: 

Scholz verfährt nach einer Taktik, die die Linke in den letzten 50 Jahren so sehr verinnerlicht hat, dass sie wahrscheinlich mittlerweile selbst für Wahrheit hält, was tatsächlich ein Kampagnentrick ist: Wir sind die Guten, denn wir sind auf der Seite des Fortschritts, haben also die Vernunft auf unserer Seite. Dieses Mantra, durch willige Medien parallel in den letzten fünf Jahrzehnten in die Öffentlichkeit posaunt, war die geistige Basis, auf der sich die linke Deutungshoheit aufgebaut hat. Die ist nun zwar mit dem Zusammenbruch der Ampel endgültig Geschichte, aber die Arroganz – siehe Scholz – bleibt. Das Gefühl, moralische Avantgarde zu sein, ist der Klebekitt, der dieses Lager von links-liberal bis links-außen zusammenhält. Man braucht nur so etwas wie eine negative Projektionsfläche. Dazu dient auch der Vorstoß in Sachen 218. Das Narrativ dazu: „Die bösen, alten, reaktionären Männer beharren auf dem Alten, aber mit uns marschiert die neue Zeit, wir bringen das Patriarchat ins Wanken.“ 

Mehr: www.die-tagespost.de.

Trump will Zugang zu Abtreibungspille und künstlicher Befruchtung aufrechterhalten

Stefan Rehder kommentiert für DIE TAGESPOST Trumps Äußerungen zu Lebensrechtsfragen folgendermaßen: 

Wer trotz kaum noch auffindbarer Milieus weiterhin in Lagern denkt und sich dabei von Gefühlen wie Sympathie und Antipathie leiten lässt, der dürfte überrascht und wohl auch enttäuscht sein. Für alle anderen bestand schon länger kein Zweifel darüber, dass die Wahl zum 47. Präsidenten der Weltmacht USA, nur eine zwischen Skylla und Charybdis sein könnte. Und wer so dachte, der wird sich durch das ausführliche Interview, das Donald Trump jetzt dem US-amerikanischen Fernsehsender „NBC“ gab, wohl bestätigt sehen dürfen.

Demnach plant Trump weder, die behördlichen Bestimmungen für die Abgabe der Abtreibungspille „Mifeprex“, mit der in den USA inzwischen mehr als 70 Prozent aller vorgeburtlichen Kindstötungen durchgeführt werden, einzuschränken, noch die Kinderwunschindustrie, die aus Kindern herstellbare Handelswaren macht, zu regulieren.

Mehr: www.die-tagespost.de.

Zur Bevölkerungsentwicklung

Wer etwas über den weltweiten Bevölkerungsrückgang lernen möchte, sollte sich das (englischsprachige) Interview mit den Datenanalysten Stephen J. Shaw anhören. Er hat sieben Jahre zu dem Thema geforscht und beobachtet zum Beispiel Europa problematische Trends. 

00:00 – Einführung
00:17 – Stephens Beweggründe für die Erforschung des Bevölkerungsrückgangs
05:04 – Was ist aus der Bevölkerungsexplosion geworden?
11:06 – Die zutiefst besorgniserregende Geburtenrate der westlichen Nationen
19:18 – Wollen Frauen Kinder haben?
36:07 – Wollen Männer Kinder haben?
44:08 – Stehen die Finanzen im Weg?
56:06 – Ist es unser moralischer Imperativ, Kinder zu bekommen?
1:02:02 – Warum die Industrialisierung mit sinkenden Geburtenraten korreliert
1:09:22 – Auswirkungen sinkender Geburtenraten auf die Wirtschaft
1:17:00 – Wie Nationen die Geburtenrate verbessern können

VD: WH

Kampf gegen Männlichkeit hinterlässt Defizit

Interessant: Eva Ladipo klagt in der FAZ darüber, dass der Zeitgeist, der die Männlichkeit abschafft, Jungs in die Arme rechter Männerversteher treibt. Der allgegenwärtige Befund toxischer Männlichkeit in Bildung, Politik, TV und Film verunsichert also nicht nur, er hinterlässt auch ein spürbares Defizit – und zwar bei Männern und Frauen.

Zwei Zitate aus „Sag mir, wo die Kerle sind“:

Über die Gründe für diese Entfremdung der harten Jungs vom Mainstream wird viel gerätselt. Sie schneiden schlechter in der Schule ab als Mädchen, schaffen es seltener auf die Universität und haben sinkende Chancen auf dem Arbeitsmarkt, wo immer weniger Muskelkraft gefragt ist und immer mehr Bereitschaft zur Dienstleistung. Frauen und Minderheiten aller Art haben in diesem Jahrhundert viele Nachteile überwunden. Weiße, heterosexuelle Männer dagegen haben viele Vorteile verloren.

Was dabei leicht übersehen wird, ist ihre schwindende Präsenz in Kultur und Unterhaltung. Die Verschiebung der Machtverhältnisse spiegelt sich nämlich nicht nur im Wirtschaftsleben wider, sondern auch auf der Kinoleinwand und im Fernsehen, in den Charts, in Kunst und Literatur. Grob gesprochen sind ungeschliffene, weiße Kerle out. Der Zeitgeist hat wenig Interesse an ihnen und macht sich, wenn er sie überhaupt wahrnimmt, gern über sie lustig.

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich orientierungslose Jungs aus der Arbeiterschicht in Sylvester Stallone, Al Pacino, Arnold Schwarzenegger, Russell Crowe, Mel Gibson oder Bruce Willis wiederfinden konnten. Diese Superstars dienten auch deshalb als Identifikationsfiguren, weil sie nicht nur Underdogs darstellten, sondern es im echten Leben allen Widrigkeiten zum Trotz von unten nach ganz oben geschafft hatten. Stallone kannte die Ängste seiner Hauptfigur nur zu gut, weshalb es kein bisschen ironisch oder herablassend klang, als er seinen Oscar für den besten Film „allen Rockys dieser Welt“ widmete. 

Und: 

Natürlich hat die Diversifizierung der Unterhaltungsindustrie auch und vor allem gute Seiten. Seit weiße Männer ihr Monopol verloren haben, boomt das Angebot für, von und über Frauen und Minderheiten. Doch der Verlust an kultureller Repräsentanz und Anerkennung hat offenbar zur Folge, dass sich viele Jungs abwenden von der Leitkultur. Sie suchen nach Vorbildern jenseits des Mainstreams, um Anleitung zu finden, wie man unter schwierigen Bedingungen zum Mann wird.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

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