Wissenschaft

Das Ende der alten Ordnung

Professor Alexander Demandt lehrte Alte Geschichte an der Freien Universität Berlin. Er schrieb einen Aufsatz über den Untergang Roms. Die Zeitschrift DIE POLITISCHE MEINUNG lehnte eine Veröffentlichung mit der Begründung ab:

Gerade auch unter dem Eindruck der Ereignisse zu Sylvester in Köln ist mir deutlich geworden, dass Ihr sachlicher geschichtswissenschaftlicher Text, den Sie dankenswerterweise für uns vorbereitet haben, von böswilliger Seite im Kontext unserer politischen Zeitschrift missinterpretiert werden könnte. Aus meiner Perspektive besteht die Gefahr, dass isolierte Textstellen missbräuchlich herangezogen werden könnten, um allzu einfache Parallelitäten zur aktuellen Lage zu konstruieren, die wir uns nicht wünschen können.

Ein Aufsatz wird nicht publiziert, da er falsch verstanden werden könnte. So der Chefredakteur der von der Konrad-Adenauer-Stiftung herausgegebenen Zeitschrift.

DIE FAZ hat den Aufsatz nun aber freundlicherweise doch publiziert. Hier kann er gelesen werden: www.faz.net.

Meinungsfreiheit an der Uni

Schwappt die Welle von Sprechverboten von den amerikanischen und britischen Universitäten nach Deutschland über? Ist die Welle vielleicht längst angekommen? Thomas Thiel, Redakteur im Feuilleton der FAZ, hat sich eine Veranstaltung zum Thema Meinungsfreiheit an der Frankfurter Goethe-Universität angeschaut:

Fiebrige Stimmung im Hörsaal. Eine Besucherin kommentiert ironisch: „Ich habe mich gewundert, dass es keine Taschenkontrolle gab.“ Die Linke Liste hat ein Flugblatt verteilt mit dem mehrdeutigen Titel: „Die Vernunft zensiert.“ Wer vertritt die Vernunft, und übt sie selbst die Zensur aus, oder wird sie von anderen zensiert? Darüber soll das Streitgespräch über Meinungsfreiheit an den Universitäten Klarheit bringen. Die Temperatur an der Frankfurter Goethe-Universität ist gestiegen, seit der Präsident der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt im Oktober erst ein- und dann wieder ausgeladen worden ist. Ein offener Brief von sechzig Wissenschaftlern, der ihm Rassismus und rechtspopulistische Hetze vorwarf, hatte das Auftrittsverbot gefordert. Gibt es eine grassierende Toleranzschwäche im akademischen Milieu? Schwappt die Welle von Sprechverboten von den amerikanischen und britischen Universitäten nach Deutschland über?

Mehr: www.faz.net.

Smartphone statt Kind

Überall sind sie zu finden. Mütter, die sich mehr auf das Smartphone als auf ihr Kind konzentrieren. Für die Paar-Therapeutin Astrid von Friesen bleibt das nicht ohne Folgen. Mehr noch. In einem Beitrag für das DLF Kultur behauptet sie, dies sei Ausdruck einer bewussten oder unbewussten Bindungsreduzierung.

Viele Eltern blicken ständig auf ein Display. Setzen sie deswegen ihr Kind in den Kinderwagen, um nicht gestört zu werden? Handys gelten bei Analytikern bereits als Übergangsobjekte für Erwachsene, so wie Puppen und Teddys früher. Ganz leicht daran zu messen, dass sie ebenfalls enorme Verlustängste bis wirkliche Panik provozieren, wenn sie abhandenkommen.

Später wird vielleicht ein Kind handyverliebter Eltern seinem Analytiker von folgenden Defiziten erzählen: „Meine Mutter hatte ständig eine schiefe Kopfhaltung und einen nach unten gewandten Blick. Sie blickte mich nie an, nur wenn sie meckerte, ich solle Ruhe geben. Und sie erwiderte auf meine Wut: Mein Kind, ich habe immer auf mein Handy gucken müssen, das war wichtiger als du, als deine Wünsche nach Ruhe und Kontakt!“

Natürlich nicht in allen Fällen, aber in etlichen ist dieses Szenario ein Ausdruck von bewusster oder unbewusster Bindungsreduzierung, welche auf Bindungsstörungen hinauslaufen. Und bindungsgestörte Kinder haben, so die berühmte Bindungstheorie, ein hartes, oftmals unglückliches Leben vor sich. Denn ihnen fehlt Urvertrauen und Geborgenheit.

Hier der hervorragende Audiobeitrag:

 

Die tödliche Versuchung

Markus Somm hat für die Basler Zeitung die lange Blutspur des Kommunismus nachgezeichnet. Das fatale Experiment hat wahrscheinlich 100 Millionen Menschen das Leben gekostet. Trotzdem hat der Kommunismus Intellektuelle angezogen und er tut es immer noch. Die Sowjetunion war der erste Staat, der Gott abschaffte und dessen Führung sich gleichzeitig für unfehlbar erklärte.

Lenins Putsch von 1917 bleibt eine der grössten Tragödien der Menschheitsgeschichte. Es war ein tollkühner, brutaler Coup, auf den das permanente Massaker folgte, das man als Kommunismus bezeichnete, und dank dem unzählige Linke, oft Söhne und Töchter aus bestem Hause wie Daniel Vischer, die alle Vorzüge des Kapitalismus kannten, sich eine gerechtere Welt erhofften. Doch selten haben Menschen anderen Menschen so viel Schlimmes, Grausames, Entsetzliches angetan, im Glauben, so das Los der Menschheit zu verbessern. Wie viele Menschen die Kommunisten in der Sowjetunion, in China, Vietnam, Kambodscha, Nordkorea, Kuba, Osteuropa oder Afrika umgebracht haben, ist Gegenstand der wissenschaftlichen Debatte nach wie vor. Unbestritten ist, dass es mindestens 65 Millionen waren, die starben, wahrscheinlich gingen gar 100 Millionen Menschen daran zugrunde. Die grössten Mörder hiessen Lenin, Stalin, Mao Zedong und Pol Pot, ihnen assistierten Abertausende kleiner Mörder.

Mehr: bazonline.ch.

Efa: Jetzt geht’s richtig los

Die so genannte „Ehe für alle“ (Efa) ist für viele Menschen in Deutschland freudiges Ereignis. Der LGBTI-Bewegung ist es gelungen, mit einer massiv angelegten Kampagne und einem eingängigen Slogan den Druck auf die Gesellschaft so zu erhöhen, dass die Politik, vor allem die CDU/CSU, endlich nachgegeben hat und in großer Eile ein parlamentarischer Beschluss herbeigeführt werden konnte, der den Weg für die gleichgeschlechtliche Ehe freimacht.

Die LGBTI-Community wird sich damit nicht zufrieden geben. Die Bewegung, die sich auf Eigenschaften wie Authentizität und Glaubwürdigkeit beruft, hat nur ein taktisches Teilziel erreicht und wird weiter hart daran arbeiten, die bürgerliche Gesellschaft in grundlegender Weise zu verändern. Uns stehen weitere manipulative Manöver bevor. Drei Bereiche möchte ich kurz benennen:

(1) Der LGBTI-Bewegung ist es gelungen, auch konservative Kreise für sich einzunehmen, indem sie den Eindruck erweckt hat, ihr gehe es im Kern um christliche Werte. So hat etwa Jan-Marco Luczak, stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Recht und Verbraucherschutz in der CDU/CSU-Fraktion, kürzlich der BERLINER MORGENPOST gesagt:

„Aus dem Blick geraten ist manchmal, worum es im Kern geht: Die Ehe ist der Liebesbeweis zweier Menschen, die füreinander einstehen wollen … Zwei Menschen sind bereit, gegenseitig Verantwortung zu übernehmen, es geht um Treue, Zuverlässigkeit, Beständigkeit. All dies sind zutiefst konservative Werte, die Anerkennung und Respekt verdienen.“

Fast entsteht hier der Anschein, die LGBTI-Bewegung sei dazu angetreten, die Ehe zu stärken, da ihr Treue und Verantwortung sehr auf dem Herzen lägen und genau dies konservative Anliegen ausmacht. Die Wirklichkeit sieht freilich anders aus. Sie zeigt, dass es sich hier um ein semantisches Manöver handelt. Treue wird anders definiert, als es sonst üblich ist. Barry Adam, ein schwuler Professor, sagte einmal zur Frage der Promiskuität in der Szene:

„Ich denke, dass die Jugendlichen mit einem ‚heterosexuellen Script’ im Kopf herumlaufen, wie Beziehungen funktionieren sollen, und adaptieren dies auf ihre Beziehungen zu Männern. Erst später realisieren sie, dass die schwule Community eigene Scripts hat, die offenbar besser funktionieren.“

Michael Bochow, der für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) 2003 die Treue in der schwulen Szene untersucht hat, kam zu folgendem Ergebnis: In etwa jeder zweiten schwulen Beziehung wird „fremdgegangen“. Dabei hat die Dauer der Partnerschaft einen großen Einfluss auf die Promiskuität der Männer. Je „länger Mann mit Mann zusammenlebt, umso mehr ‚Seitensprünge‘ finden statt. Bei den Beziehungen mit einer Länge von zwei bis zu vier Jahren leben bereits 48 Prozent der Partner nicht monogam, nach mindestens vier Jahren nur noch 28 Prozent. Bei einer Beziehungsdauer unter sechs Monaten gaben noch 80 Prozent der Paare an, sich körperlich treu zu sein.“

Das passt gut zu dem „Treueverständnis“, das Volker Beck einmal formuliert hat (Volker Beck: Legalisierung schwuler und lesbischer Lebensgemeinschaften, in: Demokratie und Recht, 1991, 4, S. 457):

„Wenn man hofft, die Schwulen zu treuen Ehepartnern zu machen, muss und wird die schwule Beziehungsrealität den Gesetzgeber enttäuschen … Offensichtlich ist für viele Paare, ihre Sexualität mit Dritten auszuleben, ein wichtiger Faktor in der Aufrechterhaltung der Partnerschaft.“

(2) Die LGBTI-Bewegung ist mit der Efa nicht zufrieden, sondern möchte die sexuelle Vielfalt als Leitkultur etablieren. Genau die Gruppen und Parteien, die sich gegen die Einführung einer Leitkultur gestemmt haben, nutzten die Naivität der anderen Parteien dazu aus, um eine Leitkultur einzuführen, die ihre eigenen Interessen verbindlich macht. Wer sich fragt, weshalb die Einführung der Efa auf so große Zustimmung traf, sollte sich einmal genauer damit beschäftigen, was heute in den Schulen zur sexuellen Vielfalt unterrichtet wird. Gerade jüngere Leute sind mit der Bejahung der Efa nur dem Geiste gegenüber treu geblieben, den sie in der Schule (und mit der Pop-Kultur) eingeatmet haben.

Und so wird es weitergehen. Beispielsweise schreibt Queer:

„Aber das Ende des Eheverbots für Lesben und Schwule ist eine wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz sexueller Vielfalt, weil die Gleichbehandlung nun, man verzeihe mir das Wort, zur deutschen Leitkultur gehört. Die Ehe für alle erleichtert jungen Menschen das Coming-out, rettet sogar Leben, wie Studien zeigen, und weist die Homohasser in ihre Schranken. Ob am Stammtisch, in der Kirche, in der Flüchtlingsunterkunft oder im Parlament.“

Die LGBTI-Bewegung wird sich also stärker in die Kirchenpolitik und sogar in die Außenpolitik einmischen.

(3) Eigentliches Ziel ist es allerdings, die Ehe abzuschaffen. Die TAZ schreibt ganz offen:

„Der Bundestag hat den Paragrafen 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches für homosexuelle Paare geöffnet. Endlich! Doch die Ehe erfährt dadurch eine Aufwertung, die sie nicht verdient hat. Sie benachteiligt unverheiratete Paare, egal ob hetero oder homo. Paare, die sich entscheiden, nicht zu heiraten, weil sie die Ehe überkommen finden. Politik besteht immer aus Etappenzielen. Deswegen ist die Gleichstellung von homosexuellen Paaren ein Erfolg. Solange Privilegien an die Ehe geknüpft sind, müssen auch Homopaare in ihren Genuss kommen. Aber die nächste Etappe ist auch klar: Es ist Zeit, die Eheprivilegien abzuschaffen.“

Wer also meint, jetzt habe die LGBTI-Bewegung ihr Ziel erreicht und der Diskurs werde sich beruhigen, dürfte noch einige Überraschungen erleben. Die Anliegen der Bewegung sollen möglichst schnell in Gesetzestexte eingegossen werden, um auf dieser Grundlage dann Kritiker der Agenda an den gesellschaftliche Rand drängen zu können. Vorhalten wird man ihnen, unverbesserlich und fundamentalistisch zu sein und in diskriminierender und widerrechtlicher Weise das friedliche Zusammenleben zu gefährden.

Wenn das Baby zum Fremdkörper wird

Die Eizellspende wird zum favorisierten Verfahren von Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch. In den Vereinigten Staaten kommen bereits 75 Prozent aller künstlich gezeugten Kinder von Frauen jenseits der 40 nur mit Hilfe eines Dritten zustande, meistens  einer Eizellspenderin. Hierzulande ist die Eizellspende zwar noch verboten. Die Forderungen nach einer Legalisierung werden aber immer lauter, nicht zuletzt von Reproduktionsmedizinern.

Doch das „Projekt“ birgt Risiken, die bisher verharmlost wurden. Das Leben von Mutter und Kind steht auf dem Spiel. Die FAZ schreibt:

Ein multidisziplinäres Forscherteam aus Dänemark, Norwegen, Finnland und Schweden hat jetzt die Daten aus 35 Studien über die Risiken einer Eizellspende zusammengefasst und unter anderem die in diesen Ländern hervorragend dokumentierten Geburtskohorten ausgewertet. Danach verdoppelt die Eizellspende im Rahmen einer künstlichen Befruchtung das Risiko für eine Präeklampsie [Anmerkung: Präeklampsie ist eine nur in der Schwangerschaft auftretende Erkrankung, die durch erhöhten Blutdruck, vermehrte Eiweißausscheidung im Urin und Wassereinlagerungen gekennzeichnet ist]. Kommt es wie häufig bei Retortenkindern zu Zwillingen oder Mehrlingen, dann verdreifacht es sich sogar, …

Hier: www.faz.net.

Fünf Jahre Neuer Realismus

Unter dem Banner eines „Neuen Realismus“ hat sich eine philosophische Bewegung formiert, die sich gegen postmodernen Konstruktivismus und gegen imperialistischen Naturalismus gleichermassen wendet (vgl. Die Rückkehr des Absoluten). Hauptgegner ist  der postmoderne Konstruktivismus, der in der heutigen Kultur- und Wissenschaftslandschaft und in der (evangelikalen) Theologie in verschiedenen Spielarten sein Unwesen treibt.

Der Erkenntnistheoretiker Markus Gabriel von der Universität Bonn gehört zu den Vätern der Bewegung. Anlässlich ihres fünfjährigen Bestehens hat er 2016 in der NZZ eine Bilanz gezogen. Darin beschreibt er die wesentlichen Stoßrichtungen:

Der Neue Realismus nimmt an, dass es objektive sowie subjektive Tatsachen gibt, die wir erkennen können. Viele dieser Tatsachen sind davon unabhängig, dass wir Überzeugungen dazu haben. Das ist Realismus. Neu ist dabei, dass nicht mehr angenommen wird, diese Tatsachen gehörten insgesamt zu genau einer Wirklichkeit, der Welt im allumfassenden Sinn dessen, was es überhaupt gibt. Vielmehr sind die Tatsachen in sich vielfältig: Es gibt soziale, mathematische, moralische, physikalische, juristische, historische Tatsachen usw. Entsprechend gibt es eine Vielzahl an Wissensformen und Wissenschaften, die jeweils ihre eigenen Tatsachenbereiche erforschen (nicht konstruieren!), die ich als «Sinnfelder» bezeichne.

Damit wendet sich der Neue Realismus gegen zwei grosse Weichenstellungen im gegenwärtigen Zeitgeist: die Postmoderne einerseits und das naturalistische Weltbild andererseits. Anhänger der Postmoderne halten den Realismus für naiv, und Fürsprecher des Naturalismus möchten ihn allenfalls für die Tatsachenerkenntnis der Naturwissenschaften reservieren.

Die Weichenstellungen gehen auf die Eröffnungszüge der neuzeitlichen Philosophie zurück, die unseren Zugang zur Wirklichkeit insgesamt für schwierig erachtet, da zwischen uns und der Wirklichkeit vermittelnde Instanzen stünden wie Sinneseindrücke, das Bewusstsein, die Sprache, die soziokulturellen Bedingungen der Wissensproduktion und anderes mehr. Diese Skepsis kulminiert in der Postmoderne, die uns weiszumachen versucht, dass wir die Wirklichkeit an sich nicht erkennen können bzw. dass es sie womöglich gar nicht gibt, wie die radikalen Konstruktivisten annehmen. Paradigmatisch hat bereits Nietzsche behauptet, dass wir letztlich keine Wahrheiten oder Tatsachen erkennen könnten, sondern stattdessen mit Illusionen bzw. «Lügen im aussermoralischen Sinne» leben müssten. Alles Erkennen sei perspektivisch gefiltert. Dinge an sich seien nutzlose Annahmen, Bewohner einer Hinterwelt, die mit dem Tod Gottes verschwinden solle.

Einer der Gründe dafür ist, dass die Aporien des Konstruktivismus mit dem Auftreten des Neuen Realismus öffentlich sichtbar werden; es wird nun stärker wahrgenommen, dass das konstruktivistische Vorurteil sich als Selbstverständlichkeit im Zeitgeist breitgemacht hat und damit eine soziopolitisch wirksame Macht entfaltete. Man kann auf Dauer nicht verbergen, dass es unsinnig ist, anzunehmen, dass wir das Wirkliche nicht so erkennen können, wie es an sich ist.

Hier: www.nzz.ch.

Die Geschlechterillusion

Gender-Studies haben Sukkurs an den Universitäten in Deutschland und der Schweiz. Sie vertreten die These, dass Menschen ihr Geschlecht frei wählen können. Stimmt das? Lange durften die Gender-Theoretiker ihre Behauptungen verbreiten, ohne auf Widerstand zu stoßen. Immer mehr Leute erkennen inzwischen jedoch, dass der Kaiser keine Kleider anhat.

Hier ein bissiger Kommentar von Axel Meyer, erschienen bei der NZZ:

Die Naturwissenschaften haben den Genderismus lange Zeit als evidenzfreies Gerede belächelt, doch langsam regt sich Widerstand. Dabei ist die Kritik nicht durch Phobien oder Intoleranz motiviert, wie von den Kritisierten gerne unterstellt wird. Vielmehr speist sie sich aus einer erkenntnistheoretischen Sicht, die sich mit dem konstruktivistischen Zugang der Gender-Forscherinnen und ihrer politischen Unterstützerinnen nicht deckt. Naturwissenschafter wollen die Welt primär nicht bekehren, sondern verstehen. Sie suchen nach Antworten, die sich an einer objektiven Wahrheit orientieren, nicht an subjektiven Selbstbeschreibungen oder Dekonstruktionen von diesem oder jenem.

Ein Begriff wie Wahrheit wird in jener Gedankenwelt, in der sich die Gender-Wissenschafterinnen bewegen (rund 90 Prozent aller mehr als 200 Professoren Deutschlands, die das Wort Gender im Titel haben, sind weiblichen Geschlechts), nicht akzeptiert, nicht einmal im Sinne einer regulativen Idee. Alles wird durch eine kulturelle Post-dies-, Modern-das-Brille gesehen. Evolutionsbiologische Erklärungen, abgestützt durch zahlreiche Befunde, Experimente, Studien und Erkenntnisse, werden von Gender-Forscherinnen als «Biologismus» abgetan.

Doch nein, mit Verlaub, so gut die Absicht der Leugnung auch sein mag: Biologie ist kein«-ismus». Sie ist eine objektive experimentelle Wissenschaft wie die Physik. Ihre Erkenntnisse haben auch für die kulturellste aller Arten, den Homo sapiens, Gültigkeit.

Mehr: www.nzz.ch.

Wo bleibt der Mut?

Heike Schmoll beschreibt den schwindenden Meinungsmut an Deutschlands Universitäten (FAZ vom 01.03.2017, Nr. 78, S. 1):

Der „Professor“ kam zu seinem Namen, weil man von ihm erwarten konnte, dass er sich nicht nur auf sein Fach versteht, sondern es auch in völliger Unbefangenheit in der Öffentlichkeit vertritt. Inzwischen wird man fragen müssen, was aus der lateinischen „professio“, dem Bekenntnis und der öffentlichen Äußerung, geworden ist. Denn nichts wird dem Berufsstand des verbeamteten und deshalb freien Hochschullehrers derzeit weniger zugetraut als der mutige Gebrauch der freimütigen Rede. Immer seltener macht er – Ausnahmen bestätigen die Regel – von diesem Vorrecht Gebrauch.

Rücksichtnahmen nach allen Seiten sind üblich geworden: ängstliches Schielen auf Kollegen, Mitarbeiter, Studenten, auf die Hochschulleitung oder jene Instanzen, die an Hochschulen für „Genderterror“ und Sprachzwänge verantwortlich zeichnen. Dabei könnte kaum jemand, von seiner Rede- und Denkfreiheit großzügiger Gebrauch machen als Wissenschaftler an Universitäten und deren Leitungen. Ihre Arbeit ist geschützt durch das Recht auf Wissenschaftsfreiheit, das nicht nur Lehrende und Leitende, sondern auch Forscher im Mittelbau umschließt. Die Wissenschaftsfreiheit bewahrt sie vor jeder Form von Konformitätszwängen durch Hochschulleitungen. Rektoren und Präsidenten haben die Pflicht, auch unbequemen Wissenschaftlern Freiräume zu sichern und sich als Dienstherren schützend vor sie zu stellen, wenn sie innerhalb und außerhalb der Universität verleumdend und zu Unrecht angegriffen werden.

Kein Aprilscherz!

Hier der Artikel: www.faz.net.

Die Gender-Lobby kämpft am Stehpult

Birgit Schmid setzt sich in der NZZ mit der Macht der Gender Studies auseinander:

Das Geschlecht sei politisch, sagte die Gender-Forschung weiter und erhob diesen Satz zum Programm. Und gerade deshalb wird ihr wissenschaftlicher Anspruch heute immer öfter infrage gestellt. Man wirft ihr vor, die Wissenschaft zur Kampfzone zu machen und die Vorlesung zur Predigt. Darf sich etwas Wissenschaft nennen, dessen Vertreterinnen eher eine Gesinnung eint, statt dass sie für ihre Theorie Beweise liefern? Zumal sich die Theorie – die Unterschiede zwischen den Geschlechtern hätten nichts mit Biologie zu tun – aus der Verneinung naturwissenschaftlicher Standardtheorien ergibt. So sagt der deutsche Biologe Hans Peter Klein, die Vorstellungen der Gender-Studies beruhten auf einer rein sozialwissenschaftlichen Deutung, was sie «in den Zustand einer Ideologie» erhebe. In der «NZZ am Sonntag» schrieb er: Eine Lehre, die selbst hinter der Biologie patriarchalisches Denken vermute, müsse damit rechnen, dass sie von führenden Evolutionsbiologen als «universitäre Pseudowissenschaft» bezeichnet werde oder diese sie «mit dem Kreationismus, der biblischen Schöpfungslehre, vergleichen, der ebenfalls aus weltanschaulichen Gründen biologische Tatsachen leugnet».

Was er mit dem Glauben meint, wird klar, wenn man Aussagen von Judith Butler liest, deren Name in jeder Gender-Vorlesung fällt. Aussagen wie: «Anatomie ist ein soziales Konstrukt.» Butler findet es willkürlich, dass Frauen und Männer nach Brüsten oder Penis sortiert werden. Statt mit Geschlechtsmerkmalen könne man das geradeso gut mit der Haarfarbe tun oder der Grösse. Für sie ist alles dasselbe.

Mehr: www.nzz.ch.

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