November 2009

Auf dem Weg zu neuen Familienformen

Der Artikel »Homoeltern, Patchwork, wilde Ehe und mehr« hinterlässt bei mir sehr zwiespältige Eindrücke. Lisa Nienhaus votiert, zumindest indirekt, für die normativität Kraft des Faktischen und eine Neudefinition von Ehe und Familie. An der Sachlage ändert das jedoch nichts:

Das Standardmodell hart arbeitender Vater, treusorgende Gattin und eine Schar von Kindern gibt es zwar immer noch. Doch heute ist viel mehr möglich und üblich. Die Familie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark gewandelt wie kaum eine andere gesellschaftliche Institution.
Es sind vor allem die besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten für Frauen, die den Wandel herbeiführen. Nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen westlichen Welt. Zum einen nimmt der dringende Wunsch zu heiraten ab. »Weil Frauen immer häufiger selbst erwerbstätig sind, ist die Ehe nicht mehr so relevant wie einst«, sagt Forscherin Kreyenfeld. »Ihre Schutzfunktion ist für viele nicht mehr notwendig.« Zum anderen sind es auch die Ehen selbst, die sich verändern – sie halten immer kürzer. Da der Mensch aber trotz allem gerne in der Gruppe lebt, probiert er andere Formen des Zusammenlebens: Mehrgenerationenhäuser, Patchwork-Familien. Das alles ist längst normal.

Hier der vollständige Artikel: www.faz.net.

Zur postmodernen Kreditkultur

Roland Baader:

Was wir im papierenen Kreditrausch in den letzten 20 Jahren vorausgefressen haben, werden wir in den nächsten 20 Jahren nachhungern müssen.

VD: MS

Bucer: Reformator, Evangelist und Seelsorger

Andrew Purves schreibt in Pastoral Theology in the Classical Tradition über den Reformator Martin Bucer:

The evangelical heart of Bucer’s theology leads him to see evangelism as a primary feature of pastoral care, an evangelism directed both to those who have not yet heard and responded to the word of Christ the Lord, as well as those who have been part of the body of Christ but who have fallen away. Not only are the lost sheep to be sought, but also the stayed sheep are to be restored. In such a way, according to Bucer, pastoral care must have as a primary responsibility a concern for salvation of the sinners lost and strayed who are still God’s elect … Bucer insists that pastoral evangelism is to be pursued with the highest diligence and unremitted effort.

Hier der Kontext zum Zitat: www.reclaimingthemind.org.

Fundamentalismus des Beleidigtseins

Vier Jahre nach dem dänischen Karikaturenstreit zieht der verantwortliche Redakteur der Zeitung Jyllands-Posten, Flemming Rose, eine Bilanz. Ein neuer »Fundamentalismus der Beleidigung« bereitet ihm Sorgen:

Ich mache mir Sorgen – nicht so sehr darüber, dass ein islamischer oder politischer oder anderer religiöser Fundamentalismus seine Ziele gewaltsam erreichen könnte. Nein, mir macht ein neuer Fundamentalismus der guten Absicht Sorge. Nennen wir ihn den Fundamentalismus der Beleidigung.

Er ist ein globales Phänomen und breitet sich jeden Tag weiter aus, von Indien nach Indiana, von Bagdad nach Berlin. Er wird im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen befördert, er wird in Europa von einflussreichen politischen Kräften unterstützt, um wichtige weltanschauliche Konflikte in einer multikulturellen Gesellschaft zu verhindern.

Die Ironie eines Fundamentalismus der Beleidigung ist, dass er die positive Seite einer multikulturellen Gesellschaft betonen will, die Vielfalt schafft, dabei aber im Namen dieser Vielfalt bereit ist, die Vielfalt der Meinungen zu opfern.

Ich finde die Formulierung »Fundamentalismus der Beleidigung« missverständlich, da sie auch so verstanden werden kann, als gehe es um eine neue Lust am Beleidigen. Gemeint ist aber etwas anderes: »Wenn du meine Tabus akzeptierst, dann akzeptiere ich auch deine. Sage nichts, was mich beleidigen könnte. Respektierst du meine Tabus nicht, dann werde ich als Beleidigter dafür sorgen, dass du meine Tabus zu achten lernst.« Ein Teufelskreis, der schnell in die Gewalt führen kann. Was Flemming Rose also meint, ist wahrscheinlich ein »Fundamentalismus des Beleidigtseins«. Und Fundamentalismus scheint hier nichts anderes zu bedeuten als »Grundhaltung«.

Hier die Bilanz: www.welt.de.

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