2010

Einschränkung der Kirchen auf leisen Sohlen?

Thomas Schirrmacher problematisiert die Einschränkung der Religionsfreiheit:

Gemessen an der Lage eines Großteil der Weltchristenheit in Ländern ohne wirkliche Religionsfreiheit ist es vermessen, in den westlichen Demokratien von der Gefahr der Christenverfolgung zu sprechen. Christen in China oder gar Iran können nur den Kopf schütteln, wenn bei uns vorschnell von Verfolgung gesprochen wird, da sie sehen, welche Freiheiten Christen bei uns haben, wie der Rechtsstaat funktioniert und von Christen in Anspruch genommen werden kann und welche Möglichkeiten Christen haben, sich über eigene und andere Medien breites Gehör zu verschaffen.

Das darf aber nicht dazu führen, dass man sich nicht mit drohenden Gefahren für die Religionsfreiheit auch bei uns auseinandersetzt. Dabei muss man nüchtern sehen: Wenn es innerhalb der EU oder überhaupt innerhalb der westlichen Wertegemeinschaft zu einer Bedrückung von Kirchen und Religionsgemeinschaften kommt, dann sicher nicht auf dem plumpen Weg der Gewalt, sondern auf dem sanften Weg des Gesetzes und auf dem Weg der verzerrten Darstellung in den Medien. Gegen letztere kann man sich dabei durch Aufklärungsarbeit wehren, gegen das Gewaltmonopol des Rechtsstaates ist dagegen nur wenig auszurichten, wenn nicht zuständige höchste Gerichte selbst ungerechte Gesetze eingrenzen.

Hier geht’s weiter: www.thomasschirrmacher.info.

Brief von Kümmel an Bruce

Frederick Fyvie Bruce (1910 – 1990) gehörte zu den herausragenden evangelikalen Neutestamentlern des 20. Jahrhunderts. Rod Decker hat vor einiger Zeit einen Brief veröffentlicht, den W.G. Kümmel am 17. Juni 1975 an Bruce geschrieben hatte, um sich bei ihm für seinen Beitrag zur Kümmel-Festschrift zu bedanken. Die Gesellschaft, von der Kümmel im Schreiben spricht, ist die Society for NT Studies. Die Festschrift trägt folgenden Titel:

  • Grässer, Erich (Ed.): Jesus und Paulus: Festschrift für Werner Georg Kümmel zum 70. Geburstag. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1975

Hier der Brief:

Prof. Dr. W. G. Kümel
355 Marburg/Lahn, 12 . Juni 1975
Von-Harnack-Straße 23

Sehr verehrter Herr Kollege,

Sie werden es mir sicher nicht übelnehmen, dass ich erst heute dazu komme, Ihnen für Ihre freundliche Mitarbeit an der mir zu meinem 70. Geburtstag überreichten Festschrift sehr herzlich zu danken. Aber Sie werden verstehen, dass man nur Schritt für Schritt die vielen Briefe und gar die vielen Aufsätze lesen und beantworten kann, die einen an einem solchen Jubilaum erreichen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass auch Sie sich an der Festschrift beteiligt haben, und die Gedanken, die Sie als die eigentliche Meinung des Paulus in dem von Ihnen behandelten Abschnitt des Galaterbriefs herausstellen, halte ich durchwegs für richtig. Dass Paulus letztlich nicht autobiographisch, sondern kerygmatisch-apologetisch schreibt, haben Sie richtig und überzeugend nachgewiesen.

Ich hoffe, Sie haben inzwischen den mir pünktlich überreichten Band auch erhalten und gesehen, dass er viele interessante und wertvolle Arbeiten enthält und auch ein erfreuliches Zeichen der die Grenzen überschreitenden Zusammenarbeit der Neutestamentler ist.

Ich hoffe, Sie im August als Präsident unserer Societas begrüssen zu können, und grüsse Sie bestens

Ihr ergebener

[Werner Kümmel—sig]

Soziologie studieren?

Falls jemand darüber nachdenkt, demnächst Soziologie zu studieren, empfehle ich die Seattle Pacific University (USA). Dort findet die Frau oder der Mann den optimalen Lehrkörper: www.spu.edu.

Das Internet ist Medium Nummer eins

Für die jungen Menschen in Deutschland ist das Internet mit großem Abstand das Medium Nummer eins. Nach einer Repräsentativumfrage unter mehr als 30 000 Nutzern der VZ-Netzwerke zwischen 14 und 29 Jahren surfen 93 Prozent täglich im Netz. 73 Prozent können sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen, hat die Jugendstudie ergeben. Mit diesen Werten schlägt das Internet sogar das Handy, das 86 Prozent täglich nutzen und 62 Prozent nicht mehr missen möchten.

Hier der FAZ-Beitrag: faz-community.faz.net.

Die Stadt des Menschen

In den letzten Wochen sind zwei Bücher zum Thema »Christsein und Politik« erschienen. Einmal hat Wayne Grudem das sehr umfangreiche Werk:

publiziert.

201009220859.jpgDas zweite Buch:

  • Michael Gerson u. Peter Wehner: City of Man: Religion and Politics in a New Era, Moody Press, 172 S.

ist in der neuen Reihe »A Cultural Renewal Series« bei Moody erschienen. Die Reihe wird von Tim Keller und Collin Hansen betreut.

Das Vorwort zu City of Man (Augustinus-Leser wissen mit dem Titel sicher etwas anzufangen) hat Tim Keller geschrieben. Hier ein Auszug:

In the mid-twentieth-century, H. Richard Niebuhr wrote his classic Christ and Culture, which helped mainline Christian churches think through ways to relate faith to politics. In the end, Niebuhr came down on the side of universalism, the view that ultimately God is working to improve things through all kinds of religions and political movements. The result of his work was to lead mainline Protestant churches to become uncritical supporters of a liberal political agenda (though Niebuhr himself opposed such a move).

However, the mainline churches have shrunk and aged. Today, it is the more theologically conservative evangelical and Pentecostal churches that are growing, and they now outnumber mainline Protestants. Yet at the very same time, thenumber of secular Americans—those who claim not to believe in God, or at least to have “no religious preference”—are also fast rising in number.

This creates a far more complicated situation than the one that Niebuhr faced over half a century ago. In today’s society we have both rising secularism and rising orthodoxy. We have political polarization that would have been unimaginable ageneration ago. And we have an evangelical constituency that is growing and institutionally powerful, but which is also culturally impotent. Why? It is largely because it has not done the hard work of thinking through the same issues that Niebuhr pondered decades ago. But it must do so now in a very different cultural and historical situation, and with a much greater trust in the ancient sources of orthodox theology and in the reliability of the Scriptures.

The present volume seeks to do this in one particular area, that of politics. My friends Michael Gerson and Pete Wehner are excellent guides. They write as political conservatives, but they begin with a critique of the Christian Right. A very large number of young evangelicals believe that their churches have become as captured by the Right as mainline churches were captured by the Left. Michael and Pete recognize this and largely agree. But they counsel that political withdrawal is not the correct response, nor should alienated evangelicals go down the mainline path. Instead, they urge careful theological reflection, and the rest of this short volume serves as a guidebook to the issues that will have to be addressed, rather than as a finished manifesto of what this new political theology must be.

Das vollständige Vorwort gibt es bei Justin Taylor.

Das Buch kann hier bestellt werden:

Puritaner-Bibliothek

Wer einen eReader mit Unterstützung des ePub-Formats (teilweise auch Kindle) oder einen soliden PDF-Reader besitzt, darf sich freuen: Es gibt eine sehr umfangreiche Bibliothek bedeutender puritanischer Büchern, darunter John Owen, John Bunyan oder Richard Baxter.

Als Kostprobe kann ich die The Westminster Confession of Faith empfehlen: 4154.pdf.

Hier geht es zur Bibliothek für elektronische Bücher: www.cpr-foundation.org.

Das Sein ist das Nichts

201009211617.jpg150 Jahre nach seinem Tod macht man aus Schopenhauer einen Steinbruch, der für alles und jedes etwas hergibt. Hat er uns denn gar nichts Zusammenhängendes mehr zu sagen? Edo Reents hat für uns die Schopenhauer-Literatur studiert.

Wieso ist es so schwer (geworden), mit Schopenhauer ins Gespräch zu kommen? Wie ein schwarzes Loch saugt seine Negativität alles an und verschluckt am Ende sogar die Sprache. Im berühmten Schlussakkord der »Welt als Wille und Vorstellung« sieht er ungerührten, eisigen Blickes ins Nichts: »Wir bekennen es vielmehr frei: Was nach gänzlicher Aufhebung des Willens übrig bleibt, ist für alle die, welche noch des Willens voll sind, allerdings Nichts. Aber auch umgekehrt ist denen, in welchem der Wille sich gewendet und verneint hat, diese unsere so sehr reale Welt mit allen ihren Sonnen und Milchstraßen – Nichts.«

Hier der Artikel: www.faz.net.

Piper: Think

201009220815.jpgDas neue Buch von John Piper heißt:

  • John Piper: Think: The Life of the Mind and the Love of God, Crossway, 2010, 225. S. Mit einem Vorwort von Mark Noll.

Hier eine Leseprobe zum Buch, das demnächst erscheinen wird: Think.dropbox.pdf.

Online in die Zukunft

Buchdruck, Dampfmaschine, Elektrizität: Historisch gibt es ein paar Entdeckungen, die die Welt verändert haben. Und das Internet gehört dazu. Es ist dabei, zum globalen Betriebssystem des Arbeitens und Lebens zu werden. Brauchen wir ein neues Ministerium für die Netzwelt?

Hier ein Beitrag des SWR2:

[podcast]http://mp3-download.swr.de/swr2/kontext/2010/09/21/swr2-kontext-20100921-1905.6444m.mp3[/podcast]

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