2010

Natürliche Theologie aus reformierter Perspektive

Die reformierten Theologen James Dolezal und Scott Oliphint diskutieren über die natürliche Theologie. Mit Natürlicher Theologie (lat. theologia naturalis) wird die Lehre von Gott bezeichnet, die aus natürlichen Quellen (z.B. menschliche Vernunft, Erfahrung) schöpft. Ausgangspunkt für das Gespräch ist das Buch:

Hier:

Interview mit Sinclair Ferguson

Sinclair Ferguson ist ein schottischer Theologe, der in den reformierten Kreisen für seine Arbeiten sehr geschätzt wird. Bei Ferguson beeindruckt, dass er zuerst und vor allem Pastor ist und (nur) nebenbei Systematische Theologie lehrt.

Hier ein interessantes Interview mit Sinclair Ferguson über sein Leben, den pastoralen Dienst, die Systematische Theologie und den Puritaner John Owen, mit dem er sich sehr intensiv beschäftigt hat:

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Quervain: Heiligung (Teil 6 – Schluss)

Alfred de Quervain: Die Heiligung: Ethik, Zollinkon-Zürich: Evangelischer Verlag, 1946, S. 101–102:

Es gilt zugleich zu bedenken, dass das christliche Leben auf Erden — das Kreuzigen des Fleisches mit seinen Begierden, wörtlich: das Gekreuzigthaben des Fleisches — nicht etwa des Menschen Beitrag am Werk der Erlösung, des Menschen Antwort auf die Tat Gottes, sondern Gottes Werk ist. Es besteht im Glauben, dass wir in Christus frei geworden sind. Dieser Glaube heißt Gehorsam. Er kann niemals mit einer bestimmten kirchlichen, christlichen Haltung, mit einer bestimmten Sittlichkeit verwechselt werden. Das bedeutet nicht Entscheidungslosigkeit, die Rechtfertigung des Relativismus im Handeln des Christen. Im Blick auf unser Freigewordensein gibt es gegenseitige Ermahnung. Diese Ermahnungen sind unter Umständen sehr viel konkreter als die ins Einzelne gehenden Ausführungen einer systematischen Ethik, als die Programme einer Weltanschauungsgruppe. Der Lehrer auf diesem Wege des Gehorsams ist und bleibt der Heilige Geist, der Zeuge des Gekreuzigten und Auferstandenen. Führer auf diesem Wege ist also niemals der gute, tapfere, opferbereite, gläubige Mensch. Es sei schon hier — wir werden sehr bald ausführlich darauf zurückkommen — mit den Worten Kohlbrügges gesagt, wie konkret dieses Kreuzigen ist. »Es darf freilich wohl ein ›Kreuzigen‹ genannt werden, denn, wenn David sich von einem Simei fluchen und mit Steinen werfen ließ, da er doch die Macht hatte, ihn zu töten, und die Vorwürfe, welche Simei machte, höchst ungerecht waren, so war dieses für David wohl in Wahrheit ein Kreuzigen des Fleisches; sowie es auch ein Kreuzigen des Fleisches ist, Verzicht getan zu haben auf allerlei Frömmigkeit, Macht und Vermögen; und es ist auch ein Kreuzigen des Fleisches, zwei Meilen zu gehen mit einem, der uns zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, unsere Feinde und, die uns allerlei in den Weg legen, zu lieben, sie zu segnen und für sie zu beten; wie es auch ein Kreuzigen des Fleisches ist, auf alle Selbstbehauptung zu verzichten, wenn man das höchste Recht von der Welt hat, oder wenn einem sonst manches erlaubt sein möchte — nur auf dass der Nächste auferbaut werde, mit uns Gott zu loben und Christum zu verherrlichen in Einigkeit des Geistes, in dem Bande der Liebe. Es ist aber dieses ›Gekreuzigthaben des Fleisches‹ in keinerlei Hinsicht etwas Eigenwilliges, sondern es ist die Liebe Christi, welche die, welche Christi sind, treibt, so daß sie vollkommen sind, wie ihr Vater im Himmel vollkommen ist.« — (Schriftauslegungen, 11. Heft, S. 96.) Es würde offensichtlich dem Sinn dieser Worte widersprechen, wollte man daraus die Anweisung zu einer sittlichen Haltung heraushören. Menschen, die es ernst meinen, berufen sich gerne auf den Grundsatz: Man muss eben als Christ den untersten Weg gehen; man muss das Schwerere wählen und auf sich nehmen. Das tut auch der Mönch; das tut unter Umständen auch der heidnische Weise, wer so urteilt, ärgert sich darüber, dass Christus den Diener des Hohenpriesters fragt: »Was schlägst du mich?« (Joh 18,23), dass Paulus vor den Juden und vor den römischen Beamten sich verteidigt, gegen ein ungerechtes Urteil und gegen Misshandlungen sich zu schützen versucht, dass er in den Korintherbriefen seine angegriffene Apostel- und Predigerehre wahrt. Das Kreuzigen des Fleisches ist keine Methode, als Christ zu leben. Der Weg des Kreuzes ist nicht der Weg des Menschen, der sich selbst heiligt, der sich selbst und andern hilft, sondern der Weg, den wir als Geheiligte, im Lobpreis der göttlichen Hilfe in Christus gehen.

Quervain: Heiligung (Teil 5)

Alfred de Quervain: Die Heiligung: Ethik, Zollinkon-Zürich: Evangelischer Verlag, 1946, S. 99–101:

Und nun der Leib des Geheiligten, zu Christus Gehörigen? »Es soll die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, seinen Begierden zu gehorchen«, oder, wie Kohlbrügge treffend übersetzt: »Es sei also die Sünde nicht König in eurem sterblichen Leib«. Die Begierden lehren uns, den Leib nehmen als eine Macht, die sich austoben muss, die eigenen Gesetzen folgt. Sie fordern uns aber auch auf, den Kampf mit diesem Leibe aufzunehmen und ihn durch allerlei Übungen, durch unsere Zucht zu meistern, ihn den höheren Zwecken, dem »Geiste« dienstbar zu machen. Es ist nicht Antinomismus, Gesetzesfeindschaft, Ablehnung jeglicher Zucht, wenn Luther vor der Überschätzung dieser Übungen warnt, wenn er der mönchischen Askese vorwirft, dass sie die Macht des Bösen nur stärke, so wie ein falsch behandeltes Geschwür sich nach innen kehrt und den ganzen Leib verdirbt. Auch dem Leibe gegenüber gilt um Christi Gehorsam willen: »Siehe, es war sehr gut«. An dieses göttliche Urteil sollen wir uns halten. Das bedeutet keine Verherrlichung oder gar Vergottung des Leibes. Diesen Leib des Christen nennt Paulus einen sterblichen Leib. Luther spricht etwa vom Madensack. Der Christ erkennt, dass die Sünde — des Menschen eigenwilliges Urteilen, Verbieten und Erlauben — keine Regierungsgewalt mehr über den Leib hat. Der, der im Glauben an Christi Tod, im wissen um sein Mitgestorbensein seinen Leib aus der Hand Gottes, als eine Gabe Gottes nimmt, der weiß um das Sterben dieses Leibes. Sehr eindrücklich hat Luther von dem Leben des Christen in der Erkenntnis dieses Sterbens, von dem Umgang des Christen mit diesem kläglichen Leib geredet. Seine Hoheit liegt nicht in ihm selbst, nicht in eigenen Zielsetzungen; Gott hat ihn zu einem Tempel des Heiligen Geistes bestimmt. Er stirbt dahin, um in der Auferstehung der Toten zu seinem Ziel zu gelangen.

Auch in den Kirchen der Reformation ist die Botschaft von Römer 6 nicht immer in ihrer ganzen Kraft vernommen worden. Es ist mehr vom Sterben als vom Gestorbensein, mehr vom Töten der Glieder als von ihrem Gekreuzigtsein die Rede. Die aktive Form liegt gerade den Schülern Calvins näher als die passive, sobald die Heiligung in Frage steht. Wir haben dies zu bedenken, auf dass wir nicht den und die Klarheit der Schrift abschwächen.

Ursmus legt die Fragen 88—90 mit besonderer Ausführlichkeit aus. Neben Römer 6,4—6 werden angeführt Eph 4,12—24; Kol. 3,5–30; Gal 5,24. Diese Stellen kennzeichnen das Sterben des alten Menschen. In der Kolosserstelle aber ist besonders deutlich der Zusammenhang zwischen dem, was in Jesus Christus für uns, an uns ein für allemal geschehen ist und dem, was an dem Christen in dieser Zeit sich ereignet, zwischen der Gabe Gottes und unserer Glaubensentscheidung, unserem Gehorsam. Nun wird es deutlich, dass die Rede vom Gestorbensein nicht im Sinne der quietistischen Mystik, sondern als Begründung für das gehorsame Tun des Christen auf Erden, für sein Freisein von der Herrschaft der Sünde verstanden werden muss. Kohlbrügge, im Gegensatz zu so manchen seiner Schüler, warnt auch vor dem feinsten und verborgensten Betrug durch mystische Gedanken. Er lässt einen solchen Christen im Blick auf Gal 5,24 »Welche aber Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden« sagen: »Allerdings, das versteht sich; aber das muss man so nehmen, dass solches in Christo wahr ist; doch soll man das so in der Wirklichkeit nicht nachsuchen wollen, denn dann würde ja kein Mensch selig«. Und dann die Antwort Kohlbrügges: »Meine Geliebten! was geschrieben steht, steht geschrieben, und an dem Worte Gottes lässt sich nicht künsteln oder mäkeln« (Schriftauslegung, 11. Heft, S. 86).

Leben zur Ehre Gottes

201009171241.jpgDas von Christian Herrmann herausgegebene Themenbuch zur christlichen Ethik:

  • Leben zur Ehre Gottes, Bd 1: Ort und Begründungen, TVG, Witten: R. Brockhaus, 2010, 473 S., nur 16,95 Euro

enthält Aufsätze von Armin Wenz, Thomas Jeising, Rainer Mayer, Berthold Schwarz, Thomas Schirrmacher, Edith Düsing und vielen anderen.

Der Titel des Buchprojektes deutet die theozentrische Fokussierung der Ethik an. Dieses Anliegen eint bei aller unterschiedlichen Nuancierung die Autoren. Sie tragen bei zu dem Versuch bei, eine evangelikale Ethik als Sammelwerk vorzulegen. Im ersten Band geht es dabei mehr um die so genannte formale Ethik, während sich der zweite Band den materialen Konkretionen widmen wird. Behandelt werden im ersten Band Themen wie: Situationsethik, Gottebenbildlichkeit, Rechtfertigungslehre und Heiligung oder Gewissen.

Mein Beitrag zum Buch trägt den Titel: »›Du hast noch nicht erwogen, von welcher Schwere die Sünde ist‹ – Die ethische Bedeutung des Bösen« und ist nicht ganz einfach verdaulich.

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