Juni 2012

Ingmar Bergmans Fårö

Ulrich Schacht hat einen hinreißenden Artikel über Ingmar Bergman und seine Insel Fårö geschrieben. „Seine Filme und Theaterinszenierungen haben Ingmar Bergman berühmt gemacht. Doch zu seinem Werk zählt auch das Refugium, das er sich auf Fårö schuf: das stille Reich eines ungekrönten Königs“ („Der passende Platz zwischen Wald und Meer“, FAZ, Bilder und Zeiten, 02.06.2012,, Nr. 17, S. Z3).

Schacht widmet sogar Bergmans „Glaubenskampf“ einen Abschnitt:

Der Begriff des „Musters“ ist für Bergman dabei immer mehr gewesen als nur eine abstrakte Bezeichnung, die auf das Zusammenspiel lebendiger Formen oder Strukturen zielt; er war ihm zeit seines Lebens eine Chiffre für das Ganze: für Gott. Aber er, der Sohn eines ebenso strengen wie liebevollen lutherischen Theologen, suchte ihn deshalb nicht so sehr selbstquälerisch, voller Furcht wie einst Luther, auch wenn er, wie er eingestand, durchaus „maßlosen Schrecken vor Gott“ hatte, weil der ihm ein schlechtes Gewissen bereitete und er sich davon gedemütigt fühlte. Doch machte ihn das nicht etwa unterwürfig, sondern, wie er zugab, zornig, streitbar, ja, böse.

Wie von Gleich zu Gleich kämpfte er deshalb lange mit ihm – ähnlich wie der biblische Jakob, der eines Nachts eine Furt durchqueren will, aber auf eine mächtige Gestalt trifft, die ihm den Weg versperrt. Sie beginnen zu ringen, doch keiner kann den anderen besiegen. Als die Morgenröte anbricht, will der Fremde sich zurückziehen, aber Jakob hält eisern an ihm fest und sagt dazu den herausfordernden Satz: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ So geschieht es, und Jakob begreift, dass er mit niemand anderem als Gott gerungen hat, an den Bergman, trotz allem, als eine höhere Macht glaubt, weil er ihn für notwendig hält wie den Materialismus für eine bedrohliche Gefühllosigkeit.

Verbot islamkritischer Äußerungen heißt Kapitulation

Deutsche Politiker dürften sich nicht von radikal-islamischen Salafisten in die Selbstzensur treiben lassen. Der Islamwissenschaftler Carsten Polanz warnt davor, das Zeigen von islamkritischen Karikaturen verbieten zu lassen. Andernfalls bestimmten gewaltbereite Islamisten immer stärker, wer wann und wo welche Meinung äußern darf.

Idea meldet:

Auch Medien stehen laut Polanz in der Gefahr, vor islamistischer Gewalt zu kapitulieren und sich eine islamisch definierte Selbstzensur aufzuerlegen. So habe sich der Generaldirektor der britischen Rundfunkgesellschaft BBC, Mark Thompson, 2008 dafür ausgesprochen, angesichts möglicher gewaltsamer Bedrohungen über den Islam anders zu berichten als über andere Religionen. Seine Begründung: Muslime werteten Angriffe auf ihre Religion als eine Form des Rassismus. Polanz zufolge lässt man sich damit auf die Argumentation von Islamisten ein. Sie erklärten die Unterlassung jeglicher Kritik am Islam zur Voraussetzung gesellschaftlichen Friedens. Damit entstehe die paradoxe Situation, dass ein Sender die vollkommene Friedfertigkeit einer Religion betone, sich aber zugleich vor der Gewaltbereitschaft ihrer Anhänger fürchte.

Hier die vollständige Pressemeldung: PM067.pdf.

Kratzer am Krippen-Lack

Bei Günther Jauch wurde die Frage nach der Qualität der Krippen zum unfreiwilligen Argument für die Wahlfreiheit und das Betreuungsgeld. Die FAZ schreibt in der TV-Kritik:

Unerwartete Entscheidungshilfe bei „Günther Jauch“: Wer bisher noch schwankte, ob er sein ein- oder zweijähriges Kind in eine Krippe geben oder lieber privat betreuen soll, konnte gestern abend zum Krippen-Skeptiker werden. Denn in der Jauch-Runde zum Zankapfel Betreuungsgeld ging es neben dem Austausch bekannter Argumente immer wieder auch um die Frage der Qualität unserer Krippen, gerade im Blick auf die erwartete Klagewelle, wenn es von August 2013 an den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz geben wird.

Und es entstand ein Szenario von Personalmangel, frühpädagogisch unqualifizierten Aushilfskräften, Tohuwabohu-Beschäftigungstherapie. Eine im Publikum sitzende Berliner Kita-Leiterin unterstrich die dramatische Lage und wurde ihrerseits durch hunderte von Mails bestätigt, die während der Sendung von überforderten Kita-Mitarbeitern eingingen – Günther Jauch sagte, so viele Mails habe er noch nie während seiner Sendung erhalten.

Treiben wir also auf eine Situation zu, in der es auf der einen Seite den einklagbaren Krippenplatz für alle geben wird, auf der anderen Seite wegen dessen unzureichender Ausstattung eine „Kindeswohlgefährdung“droht, wie Stefan Sell meinte, Professor für Volkswirtschaft und eigentlich ein Krippen-Verfechter?

Quelle: www.faz.net.

VD: JS

Systematische Theologie von Grudem

Die Übersetzungsarbeiten an der Systematischen Theologie von Wayne Grudem nähern sich dem Abschluss. Die Veröffentlichung der deutschen Ausgabe ist für den Herbst 2012 geplant. Wer das Buch erwerben möchte, kann sich für einen Subskriptionspreis von 49,90 Euro qualifizieren, der m.W. 10 Euro unter dem regulären Preis liegt (das Buch zählt über 1200 Seiten und soll als Hardcover-Band erscheinen).

J.I Packer hat über das Werk gesagt:

Wenn sie ein Lehrbuch der Theologie zu finden gehofft haben, das ihre geistliche Formation genauso fördert wie ihre intellektuelle Bildung, dürfen sie sich freuen. Wayne Grudem hat genau das Buch geschrieben, was sie wollten. Und er hat dies in sehr kompetenter Weise getan.

Bestellt werden kann unter der E-Mail: grudem (at) bucer.de.

 

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Die Eltern wollen nur noch überleben

Oft sind es Kinder, die heute den Mittelpunkt der Familie bilden. Aber Prinzen und Prinzessinnen brauchen Aufmerksamkeit, lassen sich wenig sagen und kosten viel Energie. Die Anzeichen mehren sich, dass ein Wunderland mit Königskindern und beruflich eingespannten Eltern besonders in den Städten mehr Kraft einfordert, als Eltern aufbringen können. Erschöpft, verzweifelt: Magazine für Eltern sprechen immer offener von dem Kraftakt, Kinder zu haben.

Es lohnt sich, den FAZ-Artikel über neue Trends in den Familienmagazinen zu lesen (Hervorgehbung von mir).

Radikaler als „Brigitte Mom“ aber greift niemand diese Stimmung auf. Reisereportagen heißen hier „Einer heult immer“ und die Redaktionsleiterin beschreibt den für sie perfekten Urlaub so: Sie bringt die Kinder in die Kita, lässt sie vom Vater abholen und taucht drei Tage lang in der eigenen Stadt ab, wo sie sich ein Hotelzimmer nimmt, in den „alten Lieblingscafés“ sitzt und mal richtig ausschläft. „Brigitte Mom“, wie „Balance“ und „Woman“ ein Ableger der Frauenzeitschrift „Brigitte“, war im vergangenen Herbst zunächst als „one-shot“ einmalig erschienen. Nachdem innerhalb weniger Wochen 70000 Exemplare verkauft waren, entschied man bei Gruner+Jahr, das Magazin solle regelmäßig erscheinen; Anfang Mai kam die zweite Ausgabe heraus. In der Titelgeschichte geht es um „die geheimen Muttergefühle“ – das sind dem Artikel zufolge „Langeweile, Hass, Erschöpfung, Verzweiflung, Aggression, Widerwillen, Hysterie, Neid, Überdruss“. Ein ganzes Magazin lässt sich offenbar mit dem Trend bestreiten, Stress und Überforderung offen zu thematisieren. Erziehungstipps oder Reportagen über Einzelschicksale – etwa ein Leben mit behindertem Kind – fehlen. In einer Pressemitteilung des Verlags heißt es, man wolle in „Brigitte Mom“ auch künftig auf solche „problemorientierten Ratgeber“ vollständig verzichten. Statt individuelle Schwierigkeiten von Kindern – Schulversagen, Ängste, Krankheiten – in den Blick zu nehmen, wie es Elternmagazine traditionell taten, ist jetzt das bloße Vorhandensein von Familie das Problem.

Hier der vollständige Artikel: www.faz.net.

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