Juni 2017

Leihmütter-Flatrate

In vielen Ländern boomt das Baby-Geschäft für Homosexuelle. Die Risiken für Frauen gehen in der Propagandaschlacht freilich unter. Der FAZ-Artikel aus dem Jahr 2015 über das perverse Geschäft mit Leihmüttern sollte viele aufrütteln. Arme Frauen in Indien werden besonders gern vezweckt:

Dort gibt es das Schnupperpaket für 15000 Dollar mit Leihmutter der Wahl und drei Zyklen künstlicher Befruchtung bis hin zum All-inclusive-Angebot für ein Vierfaches dieses Honorars. Das beinhaltet eine Flatrate für unlimitierte Leihmutterschaften, bis es klappt mit einer Geburt, plus Extraarrangement für Zwillinge oder Drillinge ohne Aufpreis. Schnäppchen, solange der Samennachschub reicht. Wohlweislich unerwähnt blieb in London die bemerkenswerte Studie von Marlene Tanderup und ihrem Team vom Zentrum für Sozialmedizin im dänischen Aarhus. Zusammen mit Forschern der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu-Delhi ist es ihnen gelungen, Vertreter von Leihmütter-Agenturen, Leihmütter selbst und Ärzte von insgesamt achtzehn Kliniken zu interviewen, wo man pro Zentrum bis zu fünfzehn Frauen pro Monat zu Leihmüttern macht.

Die Studie erschüttert das romantisch-verklärte Bild von der indischen Leihmutter, die sich und der eigenen Familie ein besseres Leben verschafft. Stattdessen wird darin ein Blick in die schäbigen Hinterhöfe des Reproduktionstourismus geworfen. Ein Tourismus, der alle ideellen und geldwerten Vorteile den Eltern, Ärzten und Agenturen zuschustert und die Gesundheitsrisiken der Leihmütter wissentlich in Kauf nimmt.

Mehr: www.faz.net.

Pascals Pensées neu aufgelegt

41PS8WIaIIL SX354 BO1 204 203 200Nachfolgend ein Buchhinweis aus Glauben und Denken heute 1/2017:

  • Blaise Pascal, Pensées – Gedanken, editiert und kommentiert von Philippe Sellier. Aus dem Französischem übersetzt und mit einer Konkordanz von Sylvia Schiewe. Darmstadt: WGB, 2016. ISBN-10: 3534232984, 434 S., 49,00 Euro.

Pascals Pensées zählen zu den bedeutenden theologisch-philosophischen Texten europäischer Tradition. Die mehr als 800 Fragmente, die nach Pascals Tod gefunden wurden, enthalten eine wirkmächtige Apologie des christlichen Glaubens, deren Stil und Scharfsinnigkeit nach wie vor fasziniert. Das Buch des berühmten Mathematikers und Philosophen prägt die philosophische und theologische Diskussion bis heute. Seine Überlegungen zum Verhältnis zwischen Mensch und Gott, zu den Erkenntnismöglichkeiten der Wissenschaft und den Hoffnungen auf ein ewiges Leben, sind ebenso wie die berühmte „Wette“ unvergessen und immer wieder Mittelpunkt religionsphilosophischer Debatten.

Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft in Darmstadt hat die maßgebliche Standardedition der Pensées von Philippe Sellier im Jahr 2016 erstmals in deutscher Sprache zugänglich gemacht. Die Ausgabe folgt der von Pascal selbst mutmaßlich beabsichtigten Anordnung und gilt als Meilenstein der Pascal-Forschung. Der lebendige und erzählerische Stil der Übersetzung erleichtert die Annäherung an den großen christlichen Denker.

Die Anmerkungen Salliers glänzen durch Klarheit und Sachlichkeit. Ergänzt wird der Text im Anhang durch ein Personen- und Stichwortregister sowie durch eine Konkordanz,die die Fragment-Nummern bedeutender Pensées-Ausgaben angibt. Der Satz, der den Text gemäß der 2. Sellier-Ausgabe vollständig wiedergibt, enthält am Rand zudem eine Marginalkonkordanz mit den Fragment-Nummern der wichtigsten Ausgaben (Sellier 2, Lafuma u. Brunschvicg). Im deutschsprachigen Raum setzt diese Ausgabe für die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Buch den Standard.

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Textkritik des Neuen Testaments II

Herzliche Einlandung zum Seminar „Textkritik des Neuen Testaments II“ mit Prof. Dr. Martin Heide in München.

Bei der Textkritik geht es um die Suche nach dem zuverlässigen Grundtext des Neuen Testaments. Grundlage der Textkritik ist der Vergleich mehrerer handschriftlicher Fassungen eines Textes. Im zweiten Teil des Seminars werden vor allem praktische Übungen anhand ausgewählter Textpassagen des NTs machen, um ein Gefühl für die Komplexität der Überlieferung und die Bedeutung der Textforschung für eine gesunde Theologie zu bekommen.

Prof. Dr. Martin Heide ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Manuskriptforschung und wird neben Weiterführungen zum ersten Seminar auch die praktischen Übungen anleiten. Es ist deshalb wichtig, eine aktuelle Ausgabe des griechisches NTs mit zum Seminar zu bringen.

Mehr Informationen hier: www.bucer.de.

Joh1 16
Textkritische Anmerkungen aus dem NA 28 zu Joh 1,16 (Logos Bibelsoftware).

„Mit uns spricht seit sechs Monaten keiner“

DAS ERSTE und ARTE zeigen nun doch den Film „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“, nachdem sie zuvor eine Ausstrahlung abgelehnt hatten. Der Film läuft an diesem Mittwoch um 22.15 Uhr im ERSTEN. Im Anschluss wird in der Sendung Maischberger von 23.45 Uhr an über den Film diskutiert. Die ARD und ARTE haben das Gespräch mit den Machern des Film leider gescheut. Die FAZ hat hingegen mit dem Regisseur Joachim Schroeder gesprochen. Ein Auszug:

FAZ: Sie verweisen darauf, dass die Mehrheit in den Gesellschaften Deutschlands und Frankreichs nicht wahrhaben will, wie sehr jüdische Mitbürger in diesen Ländern inzwischen in Bedrängnis geraten sind. Es gibt doch aber immer wieder Gelegenheiten, bei denen sich Politik und gesellschaftliche Gruppen für das Judentum, für die Erinnerung an den Holocaust und für den Staat Israel einsetzen.

Joachim Schroeder: Die deutsche Erinnerungskultur ist zu einem leeren Ritual verkommen – verbunden mit deutschem Aufarbeitungsstolz. Der Historiker Eberhard Jäckel brachte es fertig zu sagen: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“ Der Antisemitismus drückt sich heute antizionistisch aus. Der Hass gegen Juden wurde kollektiviert. Israel ist heute der Paria unter den Staaten. Dabei ist es für Antisemiten völlig egal, was der Staat Israel tut – es geht um dessen Existenz.

Mehr: www.faz.net.

Bonhoeffer: Vom Reichtum der Zusammengehörigkeit in schweren Zeiten

Dietrich Bonhoeffer schrieb am 24. Juni 1943 aus dem Gefängnis (D. Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung: Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, 1983, S. 41):

Was für ein Reichtum ist in solchen bedrängten Zeiten eine große, eng miteinander verbundene Familie, wo einer dem anderen vertraut und beisteht. Ich habe früher bei … Verhaftungen von Pfarrern manchmal gedacht, es müsse doch für die Alleinstehenden unter ihnen am leichtesten zu ertragen sein. Damals habe ich nicht gewußt, was in der kalten Luft der Gefangenschaft die Wärme, die von der Liebe einer Frau und einer Familie ausgeht, bedeutet und wie gerade in solchen Zeiten der Trennung das Gefühl der unbedingten Zusammengehörigkeit noch wächst …

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Wohlstandsnarzissmus

Der SPIEGEL beschreibt, wie der Grünen-Abgeordnete Volker Beck beim Parteitag erzwungen hat, die „Ehe für alle“ programmatisch festzuschreiben. Nicht alle Grünen sind begeistert, aber nun ist es klar: „Mit uns wird es keinen Koalitionsvertrag ohne die Ehe für alle geben“, heißt es im Programm der Grünen für die Bundestagswahl 2017. Eine geile und tolle Partei! Es wäre geradezu irre, wenn sie an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten und es somit erst gar nicht zu Koalitionsverhandlungen käme.

Im Blick auf die „Ehe für alle“ würde das allerdings nicht viel bringen, denn hinter solchen programmatischen Slogans und dem Genderismus steckt eine implantierte Ideologie, die längst auch die anderen Parteien erfasst hat. Der Philosoph und Wissenschaftsjournalist Alexander Grau hat sich an eine Deutung solcher spätmodernen „Entgrenzungsbestrebungen“ gewagt und bringt sie mit dem Wohlstandsnarzissmus in Verbindung. „Ganz nach dem Lied aus Pippi Langstrumpf: ‚Ich mach’ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt.‘“

Hier ein Auszug:

Denn das auf Selbstverwirklichung gepolte Individuum der Spätmoderne möchte keine Grenzen kennen. Am allerwenigsten so kontingente wie das Geschlecht. Denn Grenzen sind der maximale Skandal einer auf Selbstentfaltung und Selbstinszenierung fixierten Gesellschaft. Nach der weitgehenden Beseitigung aller sozialen Zwänge steht nun folgerichtig die Aufhebung natürlicher Determinationen auf der Tagesordnung. Zu diesem Zweck gibt es zwei Strategien: Entweder, man stellt die Existenz biologischer Geschlechter generell infrage und versucht sie als soziales Konstrukt zu entlarven. Oder man marginalisiert sie, indem man das gefühlte Geschlecht über das biologische Geschlecht stellt.

Letztere Strategie ist dabei eindeutig Erfolg versprechender. Denn zum einen muss man sich nicht auf die unsinnige Behauptung einlassen, es gäbe gar keine biologischen Geschlechter. Vor allem aber befriedigt die Vorstellung, dass die reale Welt zweitrangig ist, sondern allein meine inneren Vorstellungen, Wünsche und Idiosynkrasien der Maßstab dessen sind, was als Wirklichkeit zu gelten hat, die naiv-narzisstischen Grundbedürfnisse des nach Sinn suchenden Wohlstandsbürgers. Ganz nach dem Lied aus Pippi Langstrumpf: „Ich mach’ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt.“ Und wenn ich mich eben als nicht-binär, pangender, transweiblich, cross-gender oder inter* fühle, dann hat das so zu sein. Befindlichkeiten werden zum Maßstab wissenschaftlicher Taxonomie. Und zur Not muss halt ein Uterus transplantiert werden.

Dass diese eigenwillige Form von Wohlstandsnarzissmus überhaupt seine intellektuellen Reservate an einschlägigen Universitätsinstituten verlassen hat, ist dabei das eigentliche Ärgernis. Denn unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaftlichkeit werden tausende Studenten mit kruden Theorien vollgestopft und schließlich in die Welt entlassen. Da sie aber kaum eine Qualifikation haben und lediglich bizarre Theoriefragmente im Kopf, finden sie nur dort Unterschlupf, wo man im Zweifelsfall auch so ganz gut durchkommt: im Kunst-, Kultur- und Medienbereich. Dort sitzen sie an den Hebeln der Meinungsbildung und beginnen, den eigenen Jargon und die ihm implantierte Ideologie durchzusetzen. Wer sich diesem Druck widersetzt, wird als intolerant oder diskriminierend denunziert.

Da niemand in den etablierten Parteien als gestrig gelten will, wird so über die Jahre aus der ehemaligen Ideologie politischer Splittergrüppchen offizielle Regierungsprogrammatik. Selbst in der CDU findet sich niemand, der Rückgrat genug hat, dem ganzen Irrsinn Einhalt zu gebieten.

Mehr bei CICERO: cicero.de.

Os Guinness im Interview

Collin Hansen hat kürzlich mit dem Soziologen Os Guinness gesprochen. Das Ergebnis ist sehr hörenswert. Guinness erörtert die geistliche Krise des amerikanischen Evangelikalismus, äußert sich zur Wahl von Präsident Trump, zur Flüchtlingskrise und zur Apologetik von Francis Schaeffer (Schaeffer, so Os Guinness, hat zu wenig Bücher gelesen, war allerdings ein herausragender Apologet im persönlichen Gespräch).

Skizziert: Die Kirche im Westen hat vor den kritischen Anfragen der Moderne kapituliert. Die Naivität der Evangelikalen hat viel mit dem fehlenden Blick für die große Perspektive zu tun. Sie verstehen die geistesgeschichtlichen Zusammenhänge nicht (etwa bei dem Versuch, die sexuelle Revolution zu deuten). Der Mensch meint, ein „Homo Deus“ zu sein. Die große Herausforderung für die Christen heute ist die beharrliche Treue gegenüber Gott.

Hier das Gespräch:

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Nachtrag vom 20.06.2017: Hanniel hat die wichtigsten Aussagen des Interviews verschriftlicht.

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