Doku: The Nomi Song

Vor 15 Jahren erwähnte ich hier im Blog den deutschen Künstler Klaus Nomi, der Pop-Sänger wie Madonna, Lady Gaga, Bjork oder David Bowie beeinflusste. Anlass war die Dokumentation The Nomi Song von Andrew Hornüber über sein Leben, die die Tragik seiner „Karriere“ herausstreicht. Damals schrieb ich:

Nomi zog 1973 nach New York und bewegte sich dort in den Künstlerkreisen des East Village, wo sich unter anderem durch Andy Warhol inzwischen eine lebendige Musik- und Kulturszene entwickelt hatte. Als homosexueller Künstler fand Nomi hier Gleichgesinnte und etablierte sich in der New Wave Underground-Szene. Sogar David Bowie wurde auf ihn aufmerksam und engagierte ihn für einen Auftritt bei „Saturday Night Live“. Nomi trat auf wie ein Außerirdischer und sang wie eine Diva (Countertenor). Der androgyne Nomi ist so etwas wie eine Ikone für die Verschränkung von Kunst und Pop, in der Kunstszene auch „crossover“ genannt. Selbst seine Plattenfirma wusste nicht, ob sie seine Alben unter Klassik oder Pop einsortieren sollte.

Anfang der 80er Jahre schaffte Nomi mit zwei Alben und zahlreichen Auftritten in Europa (besonders in Frankreich) seinen internationalen Durchbruch. Gleichzeitig brach bei ihm eine merkwürdige Krankheit aus, die damals noch Schwulenkrebs („gay cancer“) genannt wurde.

Klaus lag als einer der ersten prominenten AIDS-Patienten im Krankenhaus. Seine schwulen Freunde haben ihn – wie die Dokumentation The Nomi Song von Andrew Horn eindrücklich zeigt –, in seinen schwersten Stunden ausgegrenzt und im Stich gelassen. Sie wollten das Leid nicht mit ansehen. Einige, darunter engste Weggefährten, haben sich noch nicht einmal von ihm verabschiedet. Nomi, keine 40 Jahre alt, starb sehr einsam.

Die Dokumentatoni ist inzwischen in voller Länge bei YouTube abrufbar.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

3 Kommentare
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
David
2 Monate zuvor

Sehr bedrückend.

David
2 Monate zuvor

noch ein paar Anmerkungen:

  • normalerweise erschrickt meine Frau nicht, wenn ich sage: „Guck mal, was Ron gepostet hat.“ diesmal war ihre Antwort bei dem Video: „Oh, lass die Kinder das nicht sehen.“
  • der Gesang ist unglaublich gut. Erinnert mich an Matt Bellami (Muse) und alte Sachen von Porcupine Tree (vielleicht sollte es eher umgekehrt sein, aber ich hatte vorher noch nie von Nomi gehört).
  • Ich bin sehr betrübt über diese Geschichte (ich weiß nur wenig über die AIDS Krise). Musste an den Text „My Gay Tragedy”, der neulich bei First Things erschien, denken…
  • immer wieder interessant zu sehen, dass kein Künstler Gott und Glaube ganz links liegen lassen kann (siege das Lied mit dem Titel „After the Fall“)
  • @Ron: was waren denn Deine Erkenntnisse damals (und was denkst Du 15 Jahre später)?

LG
David

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner