Eine kleine Sex-Grammatik

Wann begreifen die Leute endlich, dass das grammatische Geschlecht mit dem biologischen Geschlecht nichts zu tun hat? Der Linguist Peter Eisenberg hatte schon im Februar in der FAZ eine Verstehenshilfe veröffentlicht und kommt zu dem Fazit (geschützter Bereich):

Das Ganze gipfelt in der Behauptung: „Aus dem Sprachsystem des Deutschen ergibt sich kein sachlicher Grund für die Verwendung des sogenannten ‚generischen Maskulinums‘. Letzteres stellt eine bestimmte Art des Sprachgebrauchs dar, die verändert werden kann.“ Manipulation des Sprachgebrauchs, Manipulation der Sprachnorm und Ridikülisierung der Grammatik: der Preis, der für eine Anbiederung an den Zeitgeist gezahlt wird, ist hoch. Für Wissenschaftlerinnen viel zu hoch.

Der Sprachwissenschaftler Helmut Glück meinte gestern, ebenfalls in der FAZ (geschützter Bereich): Wer behauptet, in generischen Maskulina seien „die Frauen nicht mitgemeint“, verkennt eine elementare Funktion von Sprache.

Die Forderung, alle personenbezeichnenden Maskulina zu gendern, verkennt die Tatsache, dass Maskulina in Bezug auf Sexus grundsätzlich unmarkiert sind. Genus ist ein grammatischer Mechanismus, über den niemand nach Gusto verfügen kann. Die Behauptung eines amtierenden Professors für Linguistik, das Gendern sei eine Frage der Moral und des Anstands, ist eine sozialpädagogische Anmaßung und hat keine grammatische Grundlage … Das grassierende Gendern sexualisiert die Sprache, es missbraucht die Sprache. Denn die Sprache ist weder Männchen noch Weibchen. Zum „kleinen Unterschied“ trägt sie nur so viel bei, dass man über ihn sprechen und schreiben kann. Zum Schutz von Menschenrechten taugt das Gendern nicht. Es gibt Felder, auf denen es wirklich nötig ist, für die Rechte der Frauen einzutreten.

Kommentare

  1. Clemens meint:

    Zu sagen, dass das grammatische Geschlecht NICHTS mit dem biologischen Geschlecht zu tun hat, geht wohl doch etwas weit. Richtig ist, (1) dass ALLE Nomen ein grammatisches Geschlecht haben, auch solche, die unbelebte Gegenstände bezeichnen, weshalb das grammatische Geschlecht in diesen Fällen nichts mit Biologie zu tun haben kann, und (2) dass grammatisches und biologisches Geschlecht bei einigen Personenbezeichnungen nicht übereinstimmt (z.B. der Backfisch, die Wache, das Model). Richtig ist aber auch, dass die letztgenannte Gruppe von Nomen verschwindend klein ist; in der überwältigenden Zahl der Fälle (sicher über 99 %) werden (einzelne) Männer mit maskulinen Nomen und (einzelne) Frauen mit femininen Nomen bezeichnet.

    Wenn Helmut Glück hier schreibt, „dass Maskulina in Bezug auf Sexus grundsätzlich unmarkiert sind“, so ist genau das ja das Problem, gegen das die Feministinnen anschreiben: Das Männliche ist der Normalfall, das Weibliche ist die Ausnahme, die extra markiert werden muss …

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