Aufhebung der Familie!

MarxEine der Hauptaufgaben der sozialen Revolution ist nach Karl Marx die „Aufhebung der Familie“. Mit dem Verschwinden des Kapitals und der Privatwirtschaft würde, so Marx, sich auch die Familie der Bourgeoisie auflösen. Damit verschwinde die Ausbeutung der Kinder durch ihre Eltern, die typisch für die traditionelle Familie sei. Die Erziehung der Kinder würde endlich zu einer gesellschaftlichen Angelegenheit (vgl. auch hier). Daran sollte – bei aller Marx-Folklore dieser Tage – erinnert werden.

Im Kommunistischen Manifest heißt es entsprechend:

Aufhebung der Familie! Selbst die Radikalsten ereifern sich über diese schändliche Absicht der Kommunisten.

Worauf beruht die gegenwärtige, die bürgerliche Familie? Auf dem Kapital, auf dem Privaterwerb. Vollständig entwickelt existiert sie nur für die Bourgeoisie; aber sie findet ihre Ergänzung in der erzwungenen Familienlosigkeit der Proletarier und der Öffentlichen Prostitution. Die Familie der Bourgeois fällt natürlich weg mit dem Wegfallen dieser ihrer Ergänzung, und beide verschwinden mit dem Verschwinden des Kapitals.

Werft ihr uns vor, daß wir die Ausbeutung der Kinder durch ihre Eltern aufheben wollen? Wir gestehen dieses Verbrechen ein.

Aber, sagt ihr, wir heben die trautesten Verhältnisse auf, indem wir an die Stelle der häuslichen Erziehung die gesellschaftliche setzen.

Und ist nicht auch eure Erziehung durch die Gesellschaft bestimmt? Durch die gesellschaftlichen Verhältnisse, innerhalb derer ihr erzieht, durch die direktere oder indirektere Einmischung der Gesellschaft, vermittelst der Schule usw.? Die Kommunisten erfinden nicht die Einwirkung der Gesellschaft auf die Erziehung; sie verändern nur ihren Charakter, sie entreißen die Erziehung dem Einfluß der herrschenden Klasse.

Die bürgerlichen Redensarten über Familie und Erziehung, über das traute Verhältnis von Eltern und Kindern werden um so ekelhafter, je mehr infolge der großen Industrie alle Familienbande für die Proletarier zerrissen und die Kinder in einfache Handelsartikel und Arbeitsinstrumente verwandelt werden.

Aber ihr Kommunisten wollt die Weibergemeinschaft einführen, schreit uns die ganze Bourgeoisie im Chor entgegen.

Der Bourgeois sieht in seiner Frau ein bloßes Produktionsinstrument. Er hört, daß die Produktionsinstrumente gemeinschaftlich ausgebeutet werden sollen, und kann sich natürlich nichts anderes denken, als daß das Los der Gemeinschaftlichkeit die Weiber gleichfalls treffen wird.

Er ahnt nicht, daß es sich eben darum handelt, die Stellung der Weiber als bloßer Produktionsinstrumente aufzuheben.

Übrigens ist nichts lächerlicher als das hochmoralische Entsetzen unsrer Bourgeois über die angebliche offizielle Weibergemeinschaft der Kommunisten. Die Kommunisten brauchen die Weibergemeinschaft nicht einzuführen, sie hat fast immer existiert.

Unsre Bourgeois, nicht zufrieden damit, daß ihnen die Weiber und Tochter ihrer Proletarier zur Verfügung stehen, von der offiziellen Prostitution gar nicht zu sprechen, finden ein Hauptvergnügen darin, ihre Ehefrauen wechselseitig zu verführen.

Die bürgerliche Ehe ist in Wirklichkeit die Gemeinschaft der Ehefrauen. Man könnte höchstens den Kommunisten vorwerfen, daß sie an Stelle einer heuchlerisch versteckten eine offizielle, offenherzige Weibergemeinschaft einführen wollten. Es versteht sich übrigens von selbst, daß mit Aufhebung der jetzigen Produktionsverhältnisse auch die aus ihnen hervorgehende Weibergemeinschaft, d. h. die offizielle und nichtoffizielle Prostitution, verschwindet.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Jetzt ists aber wirklich mal wieder an der Zeit,
    dass die Leute Karl Poppers Offene Gesellschaft lesen.
    Karl Popper zeigt, wo die ollen Kamellen herkommen: aus Platons Politeia.
    Die ausgesprochene Familienfeindlichkeit von rot(z)grün ist sattsam bekannt.

  2. Rolf Eicken meint:

    @Schandor:
    das Buch habe ich mir gerade bestellt. Ich hoffe es hält, was Sie empfehlen.

    LG
    Rolf

  3. Schandor meint:

    @Rolf

    Ja, ich denke schon. Leider hat Popper viel in Endnoten gepackt, aber er zeigt schön, wie sich der Gedanke des Kollektivismus von Platon über Hegel bis zu Marx durchzieht und die offene Gesellschaft jeher bedroht (hat).
    Popper schreibt gute Wissenschaftsprosa.
    LG,
    Schandor

  4. Wie sagte doch unser schwabinger Nachbar und Althippie Rainer Langhans unlängst in einer Talkshow (Quasselsendung):“Familie ist die Keimzelle des Faschismus“.

  5. Simon meint:

    In die Reihe der Namen, die für ihre Familienfeindlichkeit bekannt sind, sollte noch Jesus von Nazareth hinzugefügt werden. Der war doch auch nicht sonderlich gut auf Familien (vor allem seine eigene) zu sprechen, oder?

  6. Schlotti meint:

    @Simon
    Manchmal weiß ich nicht, ob ein Beitrag jetzt ironisch gemeint ist oder nicht. Und ich finde es dann so peinlich für mich, auf einen solchen Beitrag einzugehen, als sei er ernst gemeint gewesen. Aber diese Gefahr gehe ich jetzt einmal ein.

    Stimmt, Jesus war der familienfeindlichste Mensch, den man sich vorstellen kann. Deshalb hat er auch gesagt, Männer könnten anderen Frauen gerne nachschauen und nachlaufen, wie es ihnen gefällt. Denn die Ehe ist ja sowieso nur ein menschliches Konstrukt (Mt 5,27,32). Deshalb hat er auch praktisch jeden Grund zugelassen, warum Menschen sich seiden lassen sollten. Ehe war für ihn halt nur eine beiläufige Angelegenheit. Er hatte überhaupt kein Problem mit Lebensabschnittsgefährten (Mt 19,1-11). Und Kinder? Oh man, die hat er sowas von verabscheut, dass er so weit wie möglich nichts mit ihnen zu tun haben wollte (Mt 19,13-15). Seine Mutter hat er auch Zeit seines Lebens abschätzig behandelt. Darum war es ihm auch egal, was mit ihr passiert, als er am Kreuz hing (Joh 19,25-27). Er war übrigens ein tyrannischer, älterer Bruder, weshalb seine Brüder auch nach Kreuzigung, Tod und Auferstehung froh waren, ihn endlich los zu sein (1. Kor 15,7; Jud 1).

    Liebe Grüße
    Schlotti

  7. Schandor meint:

    LK14,26.

    Hat er vermutlich gemeint.

  8. Simon meint:

    @Schlotti, danke für deine Entgegnung. Ironisch war mein Beitrag nicht gemeint. Höchstens zugespitzt.
    Aber ich frage mich schon woher die fast grenzenlose Sakralisierung der bürgerlichen Kleinfamilie in vielen evangelikalen Kreisen herkommt. Als hätte Jesus zu Lebzeiten über nichts anderes gesprochen, ganz davon abgesehen, dass er selbst nie eine Familie gegründet hat.
    Dass Jesus dann in den wenigen Stellen, in denen er auf das Ehe/Familien Thema zu sprechen kommt, weitestgehend das Sittengesetz der Tora bestätigt finde ich weitaus weniger erstaunlich als seine ziemlich familienunfreundlichen Aussagen (Lk 14,26; Joh 2,4; Mk 3,31), die den Wert von Ehe und Familie doch stark relativieren. Die Fallen aber gerne in der christlichen Rhetorik vom kleinbürgerlichen Familienidyll untern Tisch.

  9. Schlotti meint:

    @Simon
    Ich würde sagen in deinem Kommentar ist eine Wertung vorhanden, die so nicht zutrifft. Du schreibst von wenigen Stellen, in denen Jesus auf das Thema zu sprechen kommt. Ich würde sagen, dass er sich ziemlich ausführlich darüber äußert. Zumindest machen seine Ausführungen meiner Meinung nach das komplette Gegenteil dessen deutlich, was du „ziemlich familienunfreundliche Aussagen“ nennst, die „den Wert von Ehe und Familie doch stark relativieren.“ Ich wüsste nicht, wie Jesus noch deutlicher den Wert von Ehe und Treue hervorheben sollte.

    Die Stellen, die du anführst, müssen natürlich in ihrer Intention verstanden werden. Jesus geht es z. B. in Lk 14,26 um Prioritäten. Es ist tatsächlich eine krasse Aussage. Aber in erster Linie nicht wegen dem, was Jesus über Familie sagt, sondern über Nachfolge. Ja, nichts ist wichtiger, als Jesus. Nicht einmal Vater, Mutter, Frau oder Kind. Das war schon immer eine anstößige Aussage und sie ist es natürlich vor allem in unserer Zeit und Kultur, in der Gott uns gut tuen muss, unsere gutes Befinden steigern soll und unser Ego streicheln soll. Wer ein solches Bild des Glaubens hat, wird natürlich nichts als ein Ärgernis in Jesus und dem christlichen Glauben sehen. Aber Jesus ist ehrlich und sagt im Kontext deshalb, man solle die Kosten der Nachfolge überschlagen. Man könnte sogar sagen, dass diese Stelle den Wert von Familie, Ehe und Kinder sogar hervorhebt. Denn Jesus wählt, um die überragende Bedeutung des Glaubens an ihn zu betonen, die Beziehungen, die bei uns Menschen geradezu den Inbegriff von Nähe und Verbundenheit sind, nämlich die Familie. Aus dieser Stelle zu schließen Jesus habe eine familienunfreundliche Haltung gehabt, geht an seiner Intention vorbei.

    Johannes 2,4 dient dazu nun wirklich auch nicht. Nur weil Jesus seine Mutter zurechtweist, relativiert er den Wert von Familie? Tut mir leid, aber wenn nur derjenige Familie schätzt, der niemals auch nur den Hauch eines Konfliktes hatte – ja, wer schätzt denn dann bitte überhaupt Familie?

    Und auch Mk 3,31 sehe ich nicht als Problem. Denn Jesus trifft hier doch gar keine negative Aussage über seine Mutter und Brüder, sondern eine positive über all diejenigen, die den Willen Gottes tun. Für mich ist es ein falscher Schluss aus letzterer zu folgern Jesus sei seine menschliche Familie egal gewesen.

    Ich glaube diese Erklärungen lassen sich gut mit den positiven Aussagen und Handlungen Jesu vereinbaren, wie der Tatsache, dass er sich noch am Kreuz um seine Mutter kümmert oder nach seiner Auferstehung Jakobus, seinem Bruder begegnet usw. Für mich gibt es niemanden, der den Wert von Ehe und Familie höher schätzte, als es Jesus tat.

    Liebe Grüße
    Schlotti

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