Neue Studien zum Leseverhalten im deutschsprachigen Raum veröffentlicht

In einer repräsentativen Studie wurden das Leseverhalten und die Geschmackspräferenzen bei Büchern im deutschsprachigen Raum untersucht. Der viel beklagte Niedergang des Lesens lässt sich empirisch nicht bestätigen – zumindest nicht im deutschsprachigen Raum. Am meisten Leute lesen übrigens junge Leute, wie die FAZ herausgelesen hat:

Bei unterer und mittlerer Bildung, wie die Studie sie definiert (von ganz ohne Abschluss bis zur Hochschulzugangsberechtigung, aber ohne höhere Berufsbildung oder Hochschulabschluss), unterscheidet sich die Leseintensität kaum; diese steigt aber bei den höher Gebildeten sprunghaft an: 48 Prozent von ihnen lesen mehr als drei Stunden wöchentlich in der Freizeit, bei den beiden anderen Gruppen sind es nur 35 beziehungsweise 36 Prozent. „Das Buch ist damit ein Medium der höher Gebildeten“, resümiert die Studie. Ebenso erwartbar fallen die Ergebnisse zu Unterschieden bei Frauen und Männern aus: Fast die Hälfte der Frauen sind Intensivleserinnen, nur ein Drittel der Männer greift an mehr als drei Stunden in der Woche zum Buch.

Unerwartet dürfte dagegen das Resultat bei Betrachtung der Altersgruppen sein: Am meisten lesen junge Menschen (im Alter bis 29), und sie haben gegenüber den älteren auch die größte Präferenz fürs gedruckte Buch. Das sie zudem häufiger als die anderen Gruppen in stationären Buchhandlungen erwerben und bei Internet-Buchkäufen Amazon weniger nutzen als weitere Netzanbieter.

Somit ist die stetige Klage vom Wegbrechen junger Buchkäuferschichten zu relativieren, wenn auch die Studie nichts Konkretes aussagt über den jeweiligen Umsatz, den die verschiedenen Altersgruppen generieren. Bibliotheken sind zwar für 27 Prozent der unter Dreißigjährigen ein Bezugsort für Bücher (Höchstwert, während Menschen in ihren Fünfzigern nur zu siebzehn Prozent und damit am seltensten Bibliotheken nutzen), aber die eigenen Käufe liegen bei allen Gruppen höher als die Entleihungen. Und drei Viertel der Befragten geben an, gekaufte Bücher auch oft oder sehr oft zu lesen. Das übliche Gerede von stark verkauften, aber wenig gelesenen Büchern erweist sich somit als nicht haltbar.

Ganz wichtig ist diese Beobachtung: „Wem als Kind nie vorgelesen wurde, der liest auch als Erwachsener weniger. 27 Prozent dieser Gruppe hat 2025 kein Buch zur Hand genommen; bei Befragten, denen als Kindern intensiv vorgelesen wurde, sind es nur acht Prozent.“

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net. Die Studie Das gelesene Buch: Lesen und Geschmackspräferenzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz kann hier frei heruntergeladen werden.

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