Sexismus-Debatte: Adornos eiskalte Augen

Elisabeth Noelle-Neumann schreibt in ihren Erinnerungen (2006, S. 195) über Theodor W. Adorno:

Es gibt wenige Menschen, die ich so verabscheue, wie ich Adorno verabscheut habe. Er hatte eiskalte Augen, wie ich sie selten gesehen habe, und er hatte die Eigenschaft, sich bei Empfangen an mich heranzudrängen. Wenn man im Gedränge nicht leicht ausweichen konnte, drückte er sich an mich heran, umarmte mich sozusagen, ohne daß das in der Menge auffallen konnte und daß ich mich dagegen hatte wehren können. Es war widerwärtig.

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Ulf
Ulf
7 Jahre zuvor

Tja. Man sollte in diesem Zusammenhang allerdings nicht unerwähnt lassen, daß Fr. N.-N. eine knallharte Antisemitin war, die (nicht nur) Adorno so manche sexuelle Perversion hinterhergeredet hat. — Was das alles mit der sog. Sexismusdebatte zu tun hat? Nüscht!

Thomas König
Thomas König
7 Jahre zuvor

Was haben die Augen bzw. das Verhalten von T. W. A. gegenüber N.-N. mit reformatorischer Theologie zu tun? Nüscht! Wenn ein jüdischer Philosoph, der in der Gottesfrage Thesen vertreten hat, die mit der einen oder anderen christlichen Tradition unvereinbar sind, hier völlig zusammenhanglos als Beispiel für Sexismus herhalten muss, dann ist die Frage nach der Intention dieses Posts schon berechtigt. Und Antisemitismus ist da zumindest mal eine der möglichen Optionen.

Ulf
Ulf
7 Jahre zuvor

Leute, ich habe nicht behauptet, der Blogger sei antisemitisch, sondern daß es N.-N. gewesen sei. Wenn Sie, Ron, schreiben, daß Horkheimer mit ihr „befreundet“ gewesen sei, dann ist das schlicht falsch. Ich wüßte sehr gerne, wie Sie das belegen wollen.
Was ich meinte, ist doch wirklich ganz einfach: Wenn eine Antisemitin über jemanden, den sie als Jude wahrnimmt, schreibt, daß der wie auch immer sexuell Übergriffig gewesen sei, dann glaube ich halt, ist man hier auf niederste Instinkte hereingefallen. Und das ist kein Sexismusproblem, sondern ein Antisemitismusproblem.
Eine weitere Frage, unabhängig von dieser Sache, wäre dann die, was daran sexistisch sein sollte, wenn sich ein Mann an eine Frau drückt, die das nicht möchte. Das ist gewiß übergriffig, und der Mann outet sich als Neandertaler: geschenkt. Mit Sexismus hat das aber auch nichts zu tun.

Ulf
Ulf
7 Jahre zuvor

Lieber Ron, danke für die Mühe des Abtippens. Mich überzeugt aber auch der Kontext nicht von der Freundschaft N.-N.s zu Horkheimer. Möglich, daß N.-N. die Begegnungen mit Horkheimer als freundschaftlich empfunden hat, dieser aber ganz sicher nicht jene. Daß Horkheimer sich ins Tessin „zurückzog“, ist teilweise richtig, das Haus kaufte er allerdings bereits zwei Jahre vorher, 1957 — und nicht gemeinsam mit Pollock, da wird die gute N.-N. etwas falsch verstanden haben: Horkheimer und Pollock hatten einmal zusammengelebt, das war allerdings noch vor dem Krieg in Frankfurt –, und er gab auch später noch philosophische Seminare in Frankfurt, übrigens auch einige gemeinsam mit Adorno. Was die Auskünfte Diedrich (nicht: Dietrich) Osmers über Adornos Intimleben betrifft, wäre ich insofern etwas zurückhaltender, als Osmer zur Zeit seiner Einstellung am Institut für Sozialforschung der Liebhaber Gretel Adornos gewesen und insofern vielleicht nicht ganz unparteiisch war. Des weiteren weiß ich halt nicht, was N.-N. für abstoßend hält, ich bin aber bereits a priori sicher,… Weiterlesen »

markus
markus
7 Jahre zuvor

Ich rate immer noch was nun wohl die reformatorische Perspektive auf die dunkle Welt eines jüdischen Intellektuellen in den Worten einer ehemaligen Meinungsforscherin und NS-Journalistin ist? 😉

Ich siniere mal: Adorno NICHT lesen, Horkheimer dagegen sehr wohl?
Oder: Noelle-Neumann Meinungen über die „eiskalten Augen Adornos“ ebenso zu unserer machen, wie ihre Meinung über die „demagogischen Fähigkeiten“ der jüdischen „Deutschlandhetze“ – oder eben beide Meinungen lieber nicht? 😉

Ulf
Ulf
7 Jahre zuvor

Ron, ich gestehe, ich bin sprachlos: Du glaubst, weil N.-N. in ihrer sagenwirmal Autobiographie, über die ja nun schon andernorts geurteilt wurde, aussagt, sie habe eine Freundschaft mit Horkheimer gepfelt, sie ergo keine Antisemitin gewesen sein könnte und also Adorno sich wirklich an die Dame rangeschmissen hätte. Sowie, daß Adorno Osmer zur Liebschaft mit seiner Frau gedrängt hätte, weil Frl. N.-N. das so schreibt — was für Dich ja offenbar ebenfalls ausschließt, daß Osmer siw Unwahrheit über Adorno an N.-N. kolportiert hätte, was jene wiederum ungern aber — die Wahrheit über den Mann mit den toten Augen muß ja ans Licht — dennoch weitergetratscht hätte, ohne daß die Wahrheit irgend einen Schaden genommen hätte.
Korrekt?
Hm. Tja. —
Deine Weltauffassung möchte ich nicht haben.

Ulf
Ulf
7 Jahre zuvor

Mit „gepfelt“ meinte ich eigentlich „gepflegt“.

Roderich
Roderich
7 Jahre zuvor

@markus, Ich rate immer noch was nun wohl die reformatorische Perspektive auf die dunkle Welt eines jüdischen Intellektuellen in den Worten einer ehemaligen Meinungsforscherin und NS-Journalistin ist? 😉 Ich siniere mal: Adorno NICHT lesen, Horkheimer dagegen sehr wohl? Die reformatorische oder allgemein christliche Perspektive ist: – Beide lesen – beide schlecht finden – aber nicht, wegen des jüdischen Hintergrunds, sondern wegen der irrationalen und anti-christlichen Inhalte. (Natürlich kann man sie auch mit „Gewinn“ und differenziert lesen – dazu muss man Philosophie aber genau verstehen. Wer sie am Ende auch noch insgesamt „gut findet“, obwohl er Christ ist, der hat gar nichts verstanden, sorry). Ich empfehle dazu Günter Rohrmoser: „Kulturrevolution in Deutschland“, im Resch-Verlag erschienen. Siehe auch „Das Elend der kritischen Theorie“ von Günter Rohrmoser. Rohrmoser setzt sich fair mit den Denkern auseinander (Rohrmosers Prinzip: immer zuerst die Stärken aufzeigen, und den Gegner stärker machen, als er eigentlich ist, und ihn dann – bei seinen stärktsten Argumenten – aufgreifen und widerlegen.… Weiterlesen »

Roderich
Roderich
7 Jahre zuvor

@Ulf,
Du erwähnst eine Geschichte aus der Biographie über Osmer, legst es Ron in den Mund, dass er diese Geschichte auch „propagiert“ (und nicht etwa sich ihr gegenüber neutral verhält), und sagst dann: „Deine Weltanschauung möchte ich nicht haben“. (Nun gut, wenn man sonst keine rationalen Gründe hat, die Weltanschauung einer Person abzulehnen, muss man eben etwas „konstruieren“).

Besser wäre es, Du würdest Nachweise für den Vorwurf des Antisemitismus der E.N.N. anführen.
Dieser Antisemitismus-Vorwurf wird bekanntlich sehr inflationär verwendet, auch zur Diskreditierung politischer Gegner. Daher darf man dies erst mal ruhig bezweifeln oder dahingestellt lassen, bis der Vorwurf näher untermauert ist.

Wäre E.N.N. antisemitisch, hätte sie die „eiskalten Augen“ doch auch dem Horkheimer zuschieben müssen.

ernst
ernst
7 Jahre zuvor

was lese ich: „Die reformatorische oder allgemein christliche Perspektive ist:
– Beide lesen
– beide schlecht finden
– aber nicht, wegen des jüdischen Hintergrunds, sondern wegen der irrationalen und anti-christlichen Inhalte.“
@ Roderich: das ist wirklich kompletter Nonsens !

@ Ron: mehr Skepsis gegenüber autobiografischen Einlassungen (methodisch/quellenkritisch) ist unerlässlich!

Roderich
Roderich
7 Jahre zuvor

@ernst,
Sondern?