Bildung

Zoë Jenny: Weltverbesserer sind lernresistent

Lehrer mit Latzhosen, Stirnband und „Atomkraft? Nein danke“-Ansteckern sahen Kinder oft nur als Spielzeug, meint die Schriftstellerin Zoë Jenny. Sie erklärt im Rückblick auf ihre Zeit in einer reformpädagogischen Schule: „Im Zuge der sexuellen Revolution wurden die Erwachsenen vor allem von einem befreit: von ihrer Verantwortung.“

Die Vorstellung, dass man an dem Schlechten in der Welt auch selber schuld sein könnte: Es übersteigt das geistige Fassungsvermögen der Gutmenschen, dass sie vielleicht in Wahrheit gar nicht so gut sind. Die Weltverbesserer sind vor allem eines: lernresistent. Lieber zeigt man sich empört.

Wie Claudia Roth, die allen Ernstes zurückmaulte, dass man den über alles erhabenen Grünen – die sich nach wie vor als Retter der Welt verstehen – sicher nichts über Moral erklären müsse. Klar, denn das Böse und Monströse ist ja immer woanders. In der Psychologie nennt man das Projektion. Im Extremfall gipfelt es in der Metapher des Narziss, der selbstverliebt ins Wasser starrt, auf sein Spiegelbild – und dabei ertrinkt. Die Grünen sind geradezu besessen von ihrem Spiegelbild.

Mehr: www.welt.de.

EU will Sexualerziehung vorschreiben

Wenige Monate vor Ende der Legislaturperiode des Europäischen Parlaments hat der Frauen- und Gleichstellungs-Ausschuss einen alarmierenden Entschließungsantrag vorgelegt. Darin wird die Einführung einer europaweiten Sexualerziehungspflicht in Grund- und Sekundarschulen sowie ein uneingeschränktes Recht auf Abtreibung als neues Grundrecht gefordert. Diese Entschließung  soll bereits am 22. Oktober im EU-Parlament beschlossen werden.

Hintergrundinformationen und Handlungsanregungen gibt es hier: www.familien-schutz.de.

VD: TV

Norbert Bolz: Die Krise des Bildungssystems

Bereits zum dritten Mal wurde der hoch dotierte Tractatus als Preis für philosophische Essayistik vergeben. Bei der feierlichen Verleihung im Rahmen des Philosophicum Lech bedankte sich der Preisträger Norbert Bolz, Medienwissenschaftler und Kulturphilosoph, mit einer pointierten Rede, die seinem Ruf als streitbarer Zeitgenosse wie auch dem Charakter eines Tractatus mehr als gerecht wurde. In seiner gleichermaßen überaus klugen wie pointierten Rede spricht Bolz über das deutsche Bildungssystem, über ‚Political Correctness‘ und die Folgen eines mehr und mehr erstarkenden konformistischen Zeitgeistes.

Zitat:

Die Wissenschaft ist längst in den Dienst des Gruppenkultus getreten. Und an dem typischen Campusphänomen der politischen Korrektheit kann man sehen, dass nicht mehr die Wissenschaft verfolgt wird, sondern sie selbst die Verfolgung des häretischen Geistes organisiert. An den Universitäten darf man heute dumm sein, aber man darf nicht von der Parteilinie abweichen.

Hier der Audiomitschnitt dieser ausgezeichneten Rede:

VD: LR

Das imperialistische Schulregiment

Einige Eltern wollen ihre Kinder lieber zu Hause unterrichten als sie in eine Schule zu schicken. Mit diesem Vorhaben scheitern sie in Deutschland an einer Regelung, die auf das Reichsschulpflichtgesetz aus dem Jahr 1938 zurückgeht. Homeschooling ist hierzulande verboten, es gilt die allgemeine Schulpflicht. In Österreich, Frankreich, Großbritannien und vielen anderen Staaten gibt es hingegen nur eine Unterrichts- oder Bildungspflicht.

Jetzt allerdings bekommt die Homeschooling-Bewegung überraschend prominente Unterstützung:

In dieser Woche tagt nun ein internationaler Kongress der umstrittenen Homeschooling-Bewegung in Berlin – und bekommt prominente Unterstützung von CDU- und FDP-Politikern. Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) hat ein provokantes Grußwort verfasst. Darin rechnet er mit der gängigen Schulpolitik ab und lässt Sympathien für die „Freilerner“, wie sie sich selbst gern nennen, erkennen: Dass Eltern ihre Kinder verantwortungsvoll selbst beschulen, sei ein „heilsamer Stachel“ gegen das Schulregiment.

Er selbst habe „mehr außerhalb als innerhalb der Schule gelernt“, schreibt Blüm weiter. Mittlerweile dagegen beobachte er „eine totale Vereinnahmung durch den Schulbetrieb“, der „imperialistische Züge“ angenommen habe. Er sei „gegen die Monopolisierung der Erziehung durch den Staat und die faktische Abschaffung von Elternschaft“. Wenn man auch noch die „letzten Überbleibsel der Familie an Wissenschaft, Wirtschaft und Staat“ übergäbe, wäre die Gesellschaft „mit einer wohltemperierten und -versorgten Legehennenbatterie“ vergleichbar, warnt Blüm.

SPIEGEL online berichtet: www.spiegel.de.

VD: MM

Murks am Kind

Aus „schulreif“ wurde „schulfähig“. „Schulfähig“ sind früh eingeschulte Kinder jedoch oft noch nicht. Der „Pisa-Schock“ von 2006 führte zu überhasteten Reformen, besonders in Berlin. Regina Mönch vermutet, dass die Kinder der Reformexperimente von heute die Verlierer von morgen sein könnten. Sie dürfte damit richtig liegen.

Nirgendwo in Deutschland werden Kinder so früh eingeschult wie in Berlin. Sind sie fünfeinhalb Jahre alt, gilt die Schulpflicht. Früher mussten Kinder vor allem „schulreif“ sein, eine Eigenschaft, die ersetzt wurde durch den Begriff „schulfähig“, als handle es sich um etwas, was man herstellen könnte. Klappt das nicht, weil die Kleinsten eigentlich doch noch in den Kindergarten gehörten, gibt es ja noch die (Fehl-)Diagnose ADHS und Ritalin. Und sie können „verweilen“, wenn sie nicht mitkommen. Früher hieß das Sitzenbleiben. Diese Reform – eine von über zwanzig, die innerhalb sehr weniger Jahre über Berlins Schulkinder hinwegrollten – hat neue Probleme geschaffen.

Mehr: www.faz.net.

Philip Eaton: Die Zukunft der christlichen Hochschulen

Hunter Baker hat sich mit Philip Eaton über sein neues Buch Engaging the Culture, Changing the World: The Christian University in a Post-Christian World und die Zukunft der christlichen Hochschulen unterhalten.

The university must be seen as a path toward productive lives. The Christian university must master, at the highest levels of excellence, the ability to equip our graduates with skills that matter in the world, abilities that allow them to contribute to society. At the same time, we want to equip them for both productive and meaningful lives. We want to provide them with a vision of human flourishing for their lives and for the world.

Mehr: www.christianitytoday.com.

Wie Wissenschaft unbildet

Der amerikanische Soziologe Andrew Abbott hat untersucht, wie die Wissensgesellschaft den Erwerb von Wissen vernachlässigt – und dadurch die Idiotie befördert.

Klagen darüber, die Studenten wüssten nicht mehr, wer Bismarck oder was Kausalität ist, greifen zu kurz. Der Wikipedia-Taschenrechner würde ihnen das eventuell sagen, aber sie haben oft keine Kenntnis davon, wie sie ihn benutzen sollen. Die Wissenschaft, so Abbott, beteiligt sich an dieser Form der Unbildung, indem sie aufs Publizieren mehr Wert legt als aufs Nachgedachthaben, was eben nur manchmal dasselbe ist. In dem Maße, in dem sie aber Zitationszahlen oder Drittmittelaufkommen für auskunftsfähig über Qualität behandelt, befördert sie, in den Worten Abbotts, Idiotie – zum Beispiel, indem sie das Zitieren ungelesener Beiträge deren Autor gutschreibt.

Die universitäre Ausbildung müsste demnach in erster Linie keine zur Wissenschaft, sondern zum Lesen, Nachdenken und Argumentieren sein. Denn wie man das macht, ist nicht selbstverständlich. Nicht einmal für Wissenschaftler. »Wir fangen immer erst an zu denken«, lautet der letzte Satz von Abbotts Beitrag.

Hier: www.faz.net.

Homeschoolerin: »Wir mussten uns verstecken«

Viele deutsche Homeschooler werden kriminalisiert und von den Behörden drangsaliert. Einige erhielten bereits politisches Asyl in Amerika. Die FAZ stellt heute eine ganz und gar integrierte Homeschoolerin vor:

Katharina ist 22 Jahre alt. Sie arbeitet bei einem führenden Industrieunternehmen als Controllerin. Ihr Abitur machte sie mit der Note 1,8. Anschließend studierte sie Betriebswirtschaftslehre, Abschlussnote 1,9. Sie ist eine sympathische junge Frau mit schulterlangen braunen Haaren. Mit ihrem Mann, einem Landschaftsgärtner, lebt sie in einer Zweizimmerwohnung im ersten Stock seines Elternhauses, eines Fachwerkhauses in einer ländlichen Gegend. Unten wohnt neben den Eltern auch noch sein Bruder. An diesem Abend hat Katharina gekocht, Spätzle mit Gulasch, danach eine Erdbeerkaltschale. Vor dem Essen beten sie und ihr Mann. Beide sind, wie ihre Eltern, bibeltreue Christen.

Fünf von dreizehn Schuljahren hat Katharina zu Hause verbracht, das fünfte bis achte Schuljahr und die Jahrgangsstufe elf. Ihre Eltern haben sie zu Hause unterrichtet. Damit sie nicht im Nachhinein noch angezeigt werden und weil die junge Frau selbst mögliche eigene Kinder ebenfalls zu Hause unterrichten will, möchte Katharina ihren wirklichen Namen nicht nennen. Hausunterricht ist in Deutschland, anders als in Amerika, illegal. Mehrere Kinder von Homeschoolern wurden von den Jugendämtern aus ihren Familien genommen und ins Heim gesteckt. Viele Eltern mussten Geldstrafen zahlen. Einige Familien wanderten nach Amerika aus und erhielten dort politisches Asyl.

Mehr hier: www.faz.net.

Wer sich für das Thema interessiert, findet in einem Buch von Hanniel hilfreiches Material:

  • Hanniel Strebel: Home Education: Verteidigung eines alternativen Bildungskonzepts und Lebensstils unter besonderer Berücksichtigung der Schweiz, Bonn: VKW, 2010

Ideologisierung des Sexuellen

Die Grünen, lesen wir, seien mit der Baden-Württemberg-Wahl in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Partie propagiert jedoch im Namen falsch verstandener Gleichberechtigung auch Lebensstile und Weltanschauungen kleiner gesellschaftlicher Gruppen. Besonders in den Schulen wollen die Grünen in Zukunft neue Schwerpunkte setzen. Die Basisschule soll sich zu einem »Ort der gelebten Demokratie entwickeln«, in der Oberstufe soll die Individualisierung vorangetrieben werden, gemäß der sich die Schulen »den Neigungen und Leistungen der SchülerInnen« weiter anzupassen haben. Natürlich werden auch moderne (vornehmlich französische) Gendertheorien zentral platziert. Alexander Kissler hat das Wahlprogramm der Grünen in Baden-Württemberg gelesen und dabei entdeckt, dass in Zukunft in allen Unterrichtsfächern vermittelt werden soll, dass »unterschiedliche sexuelle Identitäten als etwas Selbstverständliches« anzusehen seien. Im Wahlprogramm heißt es dazu:

Ein vielfältiges und respektvolles Miteinander muss bereits in den Bildungseinrichtungen des Landes seinen Platz haben. Baden-württembergische Schulen sind angehalten, unterschiedliche sexuelle Identitäten als etwas Selbstverständliches zu vermitteln und wertneutral zu behandeln. Diese Aufgabe muss in den Bildungsstandards sowie in der Lehrerbildung verbindlich verankert werden. Dabei denken wir nicht nur an den Aufklärungsunterricht im Fach Biologie, sondern an alle Unterrichtsfächer. In diesem Zusammenhang sollten im Fach Gemeinschaftskunde z.B. soziologische Fragen thematisiert werden, in den Fächern Religion und Ethik Aspekte der Lebensgestaltung, und in Sprach- und Mathematiklehrbüchern ist der Alltag verschiedener Familienformen (also auch von Regenbogenfamilien) abzubilden.

Kissler sieht darin – zurecht – den Versuch, den Staat als pansexuellen Wächterrat zu inthronisieren. Hier sein Kommentar: www.theeuropean.de.

Bildungsnachteil: männlich – Warum Jungen das Lesen nicht lernen

Zwanzig Prozent der Schüler lesen in Deutschland nur auf Grundschulniveau, wenn sie ins Berufsleben einsteigen. Und ganz besonders auffällig ist: Gerade Jungs zählen zu den Schlecht-Lesern. Mit ihren Lesefähigkeiten fallen sie im Vergleich zu ihren weiblichen Mitschülern ein ganzes Schuljahr zurück. Nicht nur der so genannte Migrationshintergrund ist ein »Risikofaktor« in der Schule schlechte Leistungen zu zeigen, sondern auch das Geschlecht.

Hier der interessante Beitrag »Bildungsnachteil: männlich!« Mirjam Meinhardt (SWR2):

[podcast]http://mp3-download.swr.de/swr2/kontext/2011/02/08/swr2-kontext-20110208-1905-bildungsnachteil-maennlich.6444m.mp3[/podcast]

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