Humor

Wo sind die „Betrügerinnen“?

Der Kirchengeschichtler Reinhart Staats hat in einem Leserbrief (FAZ vom 09.01.2013, Nr. 7, S. 30) darauf hingewiesen, dass nicht das grammatikalische Geschlecht für unnötige sprachliche Diskriminierungen verantwortlich gemacht werden kann. „Zum Beispiel ist ‚der Mensch‘ ein Maskulinum, und zum Glück hat sich die politische Sprache noch nicht in ‚die Menschin‘ verguckt. Im Schwedischen ist dasselbe Wort (människa) weiblichen Geschlechts, ohne dass daraus in Schweden politisches Kapital geschlagen wird.“ Der Satzzusammenhang muss in den Blick genommen werden.

Ein Satz von Prof. Staats ist so köstlich, dass ich ihn hier gleich bewerben möchte:

Die allgemeine Konsequenzmacherei im Sprachlichen hört aber bezeichnenderweise meist dort auf, wo in einem feministisch korrekt gemeinten Text zum Beispiel nur „Betrüger“, aber keine „Betrügerinnen“ oder „Verbrecherinnen“ und schon gar keine „Sünderinnen“ auftreten.

Wie sollen die Esel Gott nennen?

Jürgen Moltmann:

Wenn Männer Gott „Vater“ nennen, um sich identifizieren zu können, und nun Frauen Gott „Mutter“ nennen, um religiös sich selbst zu finden, wie sollen dann die Esel Gott nennen?

Eine historische Urwahl

Wieder einmal liegt ein „historisches Ereignis“ hinter uns. Die Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke bezeichnete das Urwahlverfahren für die Spitzenkandidaten ihrer Partei als „historisch“ und „lebendige Demokratie“.

Da lohnt sich doch ein genauer Blick auf das Wahlverfahren:

Bei dieser Urwahl kann jedes stimmberechtigte Mitglied bis zu zwei Stimmen vergeben. Dabei dürfen nicht zwei Stimmen auf zwei männliche Bewerber entfallen und nicht beide Stimmen auf eine Person vereint werden. Alternativ kann insgesamt mit NEIN oder ENTHALTUNG gestimmt werden (nach §24 (7) der Satzung und nach §9 (4) Urabstimmungsordnung).

Das heißt konkret:

1. Ich kann eine Stimme vergeben.

2. Ich kann zwei Stimmen vergeben.

• Ich kann dabei eine Stimme für eine weibliche Bewerberin und eine Stimme für einen männlichen Bewerber vergeben.

• Ich kann dabei auch beide Stimmen zwei weiblichen Bewerberinnen geben.

• Ich kann dabei nicht beide Stimmen einer weiblichen Bewerberin geben – dann wird der Stimmzettel ungültig!

• Ich kann dabei nicht beide Stimmen für zwei mänliche [sic!] Bewerber vergeben – sonst wird der Stimmzettel ungültig

• Ich kann dabei nicht beide Stimmen einem/einer BewerberIn geben – dann wird der Stimmzettel ungültig!

VD: OS

Das Evangelium des Joel Osteen

Joel Osteen und Rick Waren haben das Fernsehstudio von Oprah Winfrey besucht. Joel Osteen, Pastor der „Lakewood Church“-Gemeinde in Houston (USA,Texas), hat dabei sein Evangelium ganz gut auf den Punkt gebracht:

Am vergangenen Sonntag, den 28. Oktober, strahlte OWN den ersten Teil des Treffens in der Sendung „Oprah’s Lifeclass“ aus. Joel Osteen sprach in seiner Predigt über die Bedeutung der Aussage „Ich bin“ (I am). „Alles, was man selbst über sich sagt, wird irgendwann wahr“, lautete der Kernsatz des Vortrags. Wer sage „Ich bin tollpatschig“, der ziehe die Tollpatschigkeit förmlich an, so Osteen. Im positiven Sinn gehe das aber auch: „Wer von sich sagt: ‚Ich bin gesegnet‘, der wird auch gesegnet. Benutzt eure Worte, um eure Zukunft zu segnen, nicht um sie zu verfluchen.“ Gott habe jeden Menschen so geschaffen, wie er es gewollt habe, predigte Osteen. Im Epheserbrief stehe, dass Gott zu jedem Menschen sage: „Du bist mein Meisterstück“.

Na, dann sage ich es ruhig mal: „Ich bin ein Esel.“

Hier mehr: www.pro-medienmagazin.de

Lost Generation: Was ist mit den Jungs los?

In gewohnter Qualität spürt Harald Martenstein einem verbreiteten Phänomen nach: Die Jungs sind auffallend antriebsarm:

Eine lost generation. Ich sagte, dass mein Sohn sich eine neue Badehose kaufen möchte. Das Projekt, sich eine Badehose zu kaufen, verfolgt er seit nunmehr acht Wochen. Er hat keine Zeit. Nein, er hat keine Energie. Es ist, als ob jemand den Stecker herausgezogen hätte aus dieser Generation von Jungs. Das wird sich alles auswachsen, sagte ich, das kann ja nicht ewig so weitergehen. Eines Tages wird er sich eine Badehose kaufen. Er wird morgens um neun vor mir stehen, frisch geduscht, und er wird sagen, dass er jetzt zu Karstadt geht und sich die Badehose kauft. Jeden Morgen warte ich darauf. Dann gehe ich ins Büro, er schläft noch, und wenn ich vom Büro heimkomme, ist er gerade aufgestanden, die Cornflakes-Schüssel steht herum, und er macht sich fertig fürs Joggen. Eine Jogginghose hat er ja. Der Kollege sagte: „Es ist überall das Gleiche. Das tröstet dann doch irgendwie.“

Wir haben durchgecheckt, woran es liegen könnte. Ich glaube nicht, dass es an der Erfindung des Computers liegt. Die Mädchen besitzen ebenfalls Computer. Ich glaube auch nicht, dass der Feminismus schuld ist. Gewiss, diese Generation von Jungs wird sich vermutlich extrem schwer damit tun, Spitzenpositionen zu erobern, solche Jobs werden in den nächsten Jahrtausenden hauptsächlich mit Frauen besetzt sein. Aber das kümmert die Jungs nicht, nein, es ist ihnen sogar recht. Unsere Jungs sind begeisterte Feministen. Wenn jemand unseren Jungs die Position eines Bundeskanzlers oder Bankchefs anbieten würde, dann würden unsere Jungs langsam aufstehen, ihre Chipstüte nehmen und in ihr Zimmer schlurfen, um dort in Ruhe Musik zu hören. Waren unsere Erziehungsmethoden zu lasch? Waren wir schlechte Vorbilder? Ist die Schule schuld, zu viel Gruppenarbeit, zu wenig Leistungsdenken, alle Lehrer immer krank?

Die Analyse ist gut. Wer kennt die Gründe?

Mehr: www.zeit.de.

Die Schule der Zukunft

Es lohnt sich, die Anliegen pädagogischer Strömungen konsequent zu Ende zu denken. Ein schwedischer Kommunalpolitiker hat sich die Mühe gemacht, den Gedanken der Reformpädagogik zu radikalisieren. Wie so oft denken die Schweden europäische Bildungspolitik voraus. Das Ergebnis: Die Schulen können nun auch auf „Lernbegleiter“ verzichten.

Es geht natürlich wieder um „Entgrenzung“, um die ganz persönliche Reise eines jeden Kindes. Ob der Traum der Schülers in Erfüllung geht? SPIEGEL ONLINE schreibt:

„Eine Schule, die die Zukunft ist, hat keine Klassen, keinen Unterricht, keine Stufen, keine Schüler oder Lehrer. Stattdessen ist es ein unerhört komplexes Umfeld, in der Menschen sich mit sich selbst beschäftigen, ihren Ansichten und ihren Ressourcen, um den Tag reicher zu beenden, als man ihn begonnen hat.“

Zudem solle die Schule der Zukunft subjektiv sein: Schüler sollten sich selbst überlegen, welches Ziel und welche Bedeutung ihre ganz persönliche Reise habe.

Die Bedingungen, so der Vorschlag, könnten auf zweierlei Arten gelöst werden: „Zunächst sollten Schulgebäude die letzte Alternative sein, wenn es um Umgebungen fürs Lernen geht, nicht die erste.“ Zum anderen müssten Gebäude zukünftig wesentlich effektiver genutzt werden als heute. Warum soll man die Schule nicht für andere Akteure öffnen? Für Mama und Papa beispielsweise: „Der einfachste Weg nach vorn wäre es, dass die Schule wenigstens für die Eltern der Schüler ein attraktives Umfeld ist, wenn sie in ihrem Alltag nach einem alternativen Arbeitsplatz suchen.“ Das würde die Kosten senken und die Grenze zwischen Schule und dem Rest der Welt aufweichen.

Ich schlage ganz progressiv vor, noch weiter zu denken. Schafft die Schulen wieder ab und traut den Eltern zu, dass sie die Kinder bilden können. Also: Anstatt Mama und Papa jetzt auch noch in die Schulen zu schicken, damit die Gebäude effektiver genutzt werden, lasst doch einfach die Kids bei den Eltern. Das senkt nicht nur die Kosten, sondern macht den Kindern noch mehr Spass.

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