Martyn Lloyd-Jones

Martyn Lloyd-Jones: Psychische Erkrankungen

Der Arzt und Prediger Martyn Lloyd-Jones war zu seinen Lebzeiten sehr besorgt darüber, dass einige Theologen, Pastoren und Seelsorger sich der Anti-Psychiatrie-Bewegung anschlossen. Auch gegenüber Thesen von Jay Adams, dem Vater der sogenannten „Biblischen Seelsorge“, äußerte er grundlegende Vorbehalte. In einem Vortrag, den er 1974 vor der Christliche Ärztegemeinschaft hielt, sagte er Folgendes (Healing and the Scriptures, 1988, S. 152–158):

Die dritte Kategorie, zu der Ihr Patient oder Ihr Ratsuchender gehören könnte, ist das Psychische. Ich verwende diesen allgemeinen Begriff, aber wenn Sie es vorziehen, könnte man auch von „psychischen Erkrankungen“ sprechen. Dies ist derzeit ein wichtiger Aspekt, da wir uns gerade mitten in einem der neuesten Trends oder Moden in der christlichen und sogar evangelikalen Welt befinden. Das Konzept der „psychischen Erkrankung“ steht derzeit in der Kritik, vor allem aufgrund der Schriften von Thomas Szasz. Er hat eine Reihe von Büchern verfasst, darunter Der Mythos der Geisteskrankheit, Die Fabrikation des Wahnsinns und Ideology and Insanity.

Wie lautet Szasz’ These? Er behauptet, dass diese Einstufung von Menschen als psychisch krank und deren entsprechende Behandlung lediglich die jüngste Ausprägung eines Phänomens sei, das schon seit Jahrhunderten besteht. Im Mittelalter, so behauptet er, war es die Bestrafung von Heterodoxie durch die Kirche. Ein Ketzer wurde ausgegrenzt und von der Inquisition auf verschiedene Weise bestraft. Dies geriet allmählich in Vergessenheit und wurde durch die Hexenjagd abgelöst, die in diesem Land und in Amerika bis zum Ende des 17. Jahrhunderts andauerte. Was tun sie heute? Szasz’ Antwort lautet: „Sie diagnostizieren bei Menschen psychische Erkrankungen und stecken sie in verschiedene Einrichtungen.“ Das Argument lautet, dass genau dies geschieht und dass es etwas ist, dem wir widerstehen müssen.

Dieser Mann, Szasz, und seine Schriften sind nicht nur interessant, sondern auch unterhaltsam. Er ist ein brillanter Schriftsteller und ein fähiger Mann. Wenn Sie unterhaltsame Lektüre suchen, sollten Sie einige seiner Bücher lesen, die beispielsweise in der Bibliothek der Royal Society of Medicine erhältlich sind und inzwischen möglicherweise auch in Großbritannien importiert oder gedruckt wurden. In dem, was er sagt, steckt viel Wahres. Er ist ein Anti-Freudianer und greift das an, was zu einem Kult geworden ist: „Schickt ihn zum Psychologen.“ Jeder wird abgestempelt, und alles wird unter dem Deckmantel der Psychologie abgedeckt.

Szasz erörtert die finanziellen Aspekte dieser Entwicklung – und damit muss man sich auseinandersetzen. Was ihn jedoch noch mehr beunruhigt, ist das damit verbundene Element moralischer Beurteilung. Manchmal wird ein Mann von seiner Frau, seiner Familie und dem Arzt in moralischer Hinsicht abgestempelt. Er mag völlig hilflos sein und wird einfach einer Behandlung in irgendeiner Form unterzogen. Er wird begutachtet, Urteile werden über ihn gefällt, und wenn dieser Prozess anhält und sich weiter ausbreitet, entsteht eine akute Gefahr für die individuelle Freiheit.

Die Presse gibt von Zeit zu Zeit Einblicke in das, was – in extremer Form – in Russland geschieht. Doch es besteht keinerlei Zweifel daran, dass in Amerika Ähnliches in einer höflicheren Form bereits in großem Umfang in die Wirtschaft Einzug gehalten hat. Menschen erhalten aufgrund solcher Einstufungen durch Psychologen keine Stelle oder werden entlassen.

Menschen, die in irgendeiner Weise anders sind, werden möglicherweise mit einem Etikett versehen, es wird ein Urteil über sie gefällt, und sie werden gegen ihren Willen manipuliert. Szasz legt Wert darauf, darauf hinzuweisen, wie diese Psychologen (oder manchmal sogar Psychiater) es sich anmaßen, pauschale Urteile zu fällen. Jeder lässt sich erklären – Hamlet zum Beispiel oder Darwin, wie oben bereits angedeutet. Doch dieser Trend beschränkt sich nicht einfach auf einige wenige postmortale Diagnosen. Der Autor zitiert den Fall eines Mannes, der sich zur Wahl zum Präsidenten der USA aufstellen lassen wollte und auf diese Weise begutachtet wurde. Der Bericht wurde in den Zeitungen veröffentlicht, und es gab Menschen, die bereit waren, ihm Glauben zu schenken und anzunehmen, dass diese Psychologen ein umfassendes Verständnis der menschlichen Natur sowie der Eigenschaften und Schwächen jedes einzelnen Menschen hätten.

Szasz betont daher die enorme Gefahr. Er will beweisen: Wenn man liest, was man in der Vergangenheit mit Menschen gemacht hat, die als „verrückt“ galten, ist man entsetzt; doch, so betont er, genau dasselbe geschehe heute auf eine höflichere Art und Weise. In seinem Buch Die Fabrikation des Wahnsinns weist er darauf hin:

„Noch 1860 musste man nicht psychisch krank sein, um in einer Anstalt für Geisteskranke eingewiesen zu werden. Es reichte aus, eine verheiratete Frau zu sein! Als die berühmte Mrs. Packard in die staatliche Irrenanstalt von Jacksonville eingewiesen wurde, weil sie mit ihrem Ehemann, einem Pfarrer, nicht einer Meinung war, sahen die Einweisungsgesetze des Staates Illinois vor, dass verheiratete Frauen auf Antrag ihres Ehemanns oder Vormunds in die Anstalt eingewiesen oder dort festgehalten werden konnten, ohne dass der üblicherweise erforderliche Nachweis einer Geisteskrankheit vorlag.“ 

Diese Frau wurde in eine Anstalt gesteckt, weil sie es gewagt hatte, mit ihrem „Ehemann, einem Pfarrer“, nicht einer Meinung zu sein!

Wie reagieren Sie auf eine solche Aussage? Ich bin mir sicher, dass die meisten von Ihnen die Tatsache beklagen würden, dass Menschen sich jemals eines solchen Verhaltens schuldig gemacht haben könnten. (Auch wenn vielleicht der eine oder andere unter den Anwesenden vor sich hin murmelt: „Das waren noch Zeiten!“) Ich bin jedoch überzeugt, dass Szasz seine These völlig übertreibt. Zwar steckt in vielem, was er sagt, ein beträchtlicher Kern Wahrheit, doch geht er zu weit, wenn er behauptet, es gäbe so etwas wie eine psychische Erkrankung gar nicht. Leider hat er mittlerweile auch eine Reihe von Anhängern, die seine Ansichten in populären Büchern niederschreiben. Einer der bekanntesten ist Jay Adams mit seinem Bestseller Befreiende Seelsorge: Theorie und Praxis einer biblischen Lebensberatung (1973) . Doch er ist lediglich ein Popularisierer von Thomas Szasz und bekräftigt ebenso wie Szasz, dass es so etwas wie eine psychische Erkrankung nicht gibt, dass die Patienten in Wirklichkeit unter Sünde leiden und ausschließlich auf biblische Weise behandelt werden müssen. Diese Autoren tadeln die Betroffenen und beraten sie mit großer Strenge.

Es ist notwendig, dass wir mit den Fachleuten auf diesem Gebiet zusammenarbeiten, die die Realität psychischer Erkrankungen nachweisen; andernfalls machen wir uns gegenüber einigen derjenigen, die zu uns in die Beratung kommen, großer Grausamkeit schuldig.

Warum sollte ich die Realität solcher Erkrankungen bejahen? Ich behaupte, dass allein das bekannte (erbliche) Element in den Fallgeschichten ausreicht, um dies zu belegen. Ein weiterer Faktor ist die für viele Fälle so charakteristische Periodizität – klare, lucide Intervalle, gefolgt von einem Rückfall. Nicht nur das, sondern es gibt viele Fälle von psychischen Erkrankungen, die überhaupt nicht auf spirituelle, biblisch orientierte Behandlungen ansprechen und durch diese sogar noch verschlimmert werden.

Ich würde wie folgt argumentieren: Es gibt verschiedene psychologische Typen. Manche Menschen sind gelassen, manche sind launisch und wieder andere haben ein ganz anderes Temperament. Bei psychischen Erkrankungen werden diese Unterschiede als Krankheitsbilder weitergeführt.

Zumindest gewinnt heute die Ansicht an Popularität, dass psychische Erkrankungen auf Störungen in der Chemie des Gehirns zurückzuführen sind, genauso wie Diabetes auf eine Störung der Chemie der Bauchspeicheldrüse zurückzuführen ist. So schwierig es auch sein mag, sie zu klassifizieren, gibt es in der Psychiatrie offensichtlich einige klare klinische Entitäten.

In der Geschichte gab es Fälle, die die Tatsache psychischer Erkrankungen eindeutig belegen. Ein herausragendes Beispiel ist der Dichter William Cowper. Er war ein gläubiger Christ, der die evangelische Lehre kannte und sich daran erfreute. Doch er litt unter periodischen Anfällen seiner psychischen Erkrankung. Seine Freunde versuchten, ihn zur Vernunft zu bringen, und taten alles, was uns oft als Hilfe in solchen Fällen empfohlen wird – jedoch ohne Erfolg. Es verschlimmerte seinen Zustand eher noch und verstärkte sein Leid.

Ein puritanischer Schriftsteller – Richard Baxter – offenbart vor dreihundert Jahren in höchst bemerkenswerter Weise große Einsicht in dieser Frage. Baxter liefert uns – besser als jeder andere, den ich zu diesem Thema je gelesen habe – die Differentialdiagnose zwischen einem geistlichen und einem psychischen Fall. Er sagt:

„Ich bezeichne jene nicht als melancholisch, die vernünftigerweise über die Sünde traurig sind, sich dieses Elends bewusst sind und um ihre Genesung und Erlösung besorgt sind, sei es auch mit so großer Ernsthaftigkeit, wie es ihre geistigen Fähigkeiten ertragen können. Solange sie über einen gesunden Verstand verfügen und die Vorstellungskraft, Fantasie oder Denkfähigkeit nicht verwirrt oder krank ist. Unter Melancholie [d h. psychischer Erkrankung] verstehe ich jedoch diese krankhafte Verwirrung, Störung oder Verirrung der Vorstellungskraft und folglich des Verstandes, die an diesen Anzeichen zu erkennen ist.“

Anschließend führt er fünfunddreißig Punkte zur Differentialdiagnose zwischen sogenannten „psychisch kranken“ Fällen und solchen an, die sich in „geistlicher“ Not befinden. Im Folgenden sind einige der Punkte aufgeführt, die er in Bezug auf psychisch Kranke anführt:

  • Sie sind gewöhnlich überaus ängstlich, grundlos oder über das Maß hinaus, das durch einen Grund gerechtfertigt wäre. Alles, was sie hören, verstärkt ihre Ängste, insbesondere wenn Angst die ursprüngliche Ursache war, wie es üblicherweise der Fall ist.
  • Ihre Fantasie trägt am stärksten dazu bei, ihre Sünden, Gefahren oder ihr Unglück zu verschlimmern.
  • Sie sind nach wie vor einer übermäßigen Traurigkeit verfallen; manche weinen, ohne zu wissen warum, und manche glauben, es müsse so sein; und wenn sie lächeln oder fröhlich sprechen sollten, plagt sie ihr Gewissen, denn es ist, als hätten sie etwas Falsches getan.
  • Sie legen den größten Teil ihrer Frömmigkeit in Trauer und Entbehrungen für das Fleisch.
  • Sie klagen sich ständig selbst an und machen alles, was sie hören, lesen, sehen oder denken, zum Gegenstand der Anklage gegen sich selbst.
  • Sie fürchten sich nach wie vor davor, von Gott verlassen zu sein, und neigen zur Verzweiflung.
  • Sie glauben nach wie vor, dass die Zeit der Gnade vorbei und es nun zu spät sei, Buße zu tun oder Barmherzigkeit zu finden.
  • Sie sind oft versucht, aus der Lehre von der Prädestination verzweifelte Gedanken zu schöpfen und zu denken, dass, wenn Gott sie verworfen oder nicht erwählt habe, weder alles, was sie tun können, noch alles, was die Welt tun kann, sie retten könne. 

Und so fährt er mit seiner Liste von fünfunddreißig Punkten fort. Doch er schließt wie folgt:

„Punkt 35. Doch trotz all dieser Unruhe werden nur wenige von ihnen glauben, dass sie melancholisch [oder psychisch erkrankt] sind; vielmehr verabscheuen sie es, wenn man ihnen dies sagt, und behaupten, es sei lediglich das rationale Bewusstsein ihres Unglücks und des Verlassenseins sowie des schweren Zorns Gottes. Und deshalb lassen sie sich kaum dazu überreden, irgendwelche Medikamente einzunehmen oder irgendwelche Mittel zur Heilung ihres Körpers anzuwenden; sie sagen, es gehe ihnen gut, und sind überzeugt, dass nur ihre Seelen in Not sind. Das ist der elende Zustand dieser armen Menschen, die sehr zu bemitleiden sind und von niemandem verachtet werden dürfen. Ich habe nichts anderes gesagt als das, was ich oft gesehen und erfahren habe, und niemand soll solche Menschen verachten; denn Menschen aller Art geraten in dieses Elend, Gebildete und Ungebildete, Hohe und Niedrige, Gute und Böse; ja, sogar einige, die in größter Fröhlichkeit und Sinnlichkeit gelebt haben, als Gott sie ihre Torheit spüren ließ.“

Dem kann ich nichts hinzufügen. Ich hoffe sehr, dass Menschen, die dazu neigen, Thomas Szasz und seinem Popularisierer Jay Adams zu folgen, sich all das zu Herzen nehmen werden.

Soweit meine eigene Erfahrung reicht, würde ich Baxters fünfunddreißig Punkte wie folgt zusammenfassen: Ich glaube, Sie werden fast ausnahmslos feststellen, dass psychisch Kranke Ihnen nicht wirklich zuhören. Sie zitieren die Heilige Schrift, sie hören nicht zu. Sie wiederholen immer wieder dieselben Aussagen und vermitteln den Eindruck, als würden sie darauf warten, dass man fertig ist, damit sie ihr Ding noch einmal loswerden können. Das ist fast ausnahmslos so.

Man bemerkt den Unterschied im Vergleich zu denen, die in geistlicher Not sind. Letztere sind begierig darauf, Hilfe zu erhalten. Die anderen sind es nicht. Ich habe bei ihnen immer das Gefühl, dass ich eine Art Tangente an einen Kreis bin. Man dringt nie zu ihnen durch, sie sind fast ungeduldig und wiederholen immer wieder dasselbe.

Martyn Lloyd-Jones und die Puritaner

Philip Eveson schreibt in der Studie „Der Heilige Geist in der Lehre und Erfahrung von D. Martyn Lloyd-Jones“, dass Martyn Lloyd-Jones die Puritner sehr schätze und zugleich bemerkte, dass sie kritisch reflektiert werden sollten – besonders im Blick auf ihre Predigtlehre (Baptised With Heavenly Power: The Holy Spirit in the Teaching and Experience of D. Martyn Lloyd-Jones, 2025, S. 64–65):

Wie bei jedem historischen Thema, über das Lloyd-Jones sprach und Vorträge hielt, ging es ihm immer darum, es pastoral anzuwenden. Er schätzte die Puritaner wegen ihrer biblischen Herangehensweise an jede Situation und ihrem Misstrauen gegenüber dem, was Martin Luther als „die alte Hexe, Lady Vernunft” bezeichnete. Lloyd-Jones wies darauf hin, dass es bei der Kontroverse zwischen den Puritanern und der anglikanischen Kirche in hohem Maße um den Stellenwert der Vernunft ging. Weder die Vernunft noch die Tradition durften mit der Heiligen Schrift gleichgesetzt werden. Dennoch folgte Lloyd-Jones den Puritanern nicht sklavisch. Im Rahmen einer Vorlesung über Predigen am Westminster Seminary im Jahr 1967 zeigte er, wie sehr er die Puritaner bewunderte, und fügte diese persönliche Anmerkung hinzu: „In gewisser Weise bin ich vielleicht dafür verantwortlich, dass das Interesse an ihnen in Großbritannien wiederbelebt wurde.” Doch im nächsten Atemzug gab er folgende Warnung: „Die Puritaner können aus der Sicht der Predigt sehr gefährlich sein.“ Seiner Meinung nach waren sie „in erster Linie Lehrer … und keine Prediger“. Diese Aussage stand in klarem Widerspruch zu dem, was er einige Jahre später am selben Seminar sagte, wie im vorigen Absatz erwähnt, nämlich dass die Puritaner „praktische, experimentelle Prediger“ waren! Hier muss bei jeder Bewertung der Ansichten von Lloyd-Jones, insbesondere seiner kontroverseren Aussagen, der Kontext berücksichtigt werden, in dem er gesprochen hat. Was den Aufbau ihrer Predigten angeht, waren die Puritaner nicht dafür bekannt, schön abgerundete Predigten zu halten, die eine Botschaft eindringlich vermittelten, und in diesem Sinne waren sie eher Lehrer als Prediger. Dennoch hatten sie durch die Auslegung des Textes, die Hervorhebung seiner kostbaren Wahrheiten und die Bereitstellung einer durchdachten Anwendung etwas Wichtiges zu sagen, und sie sagten es mit einer Überzeugung und Autorität, die von der Kraft Gottes zeugte. Er sah in den Puritanern das „lebendige Element”, das die Verkündigung des Wortes Gottes durch die Jahrhunderte begleitet hatte, von der apostolischen Predigt in der Apostelgeschichte bis hin zu den Führern der walisischen calvinistischen Methodisten.

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Martyn Lloyd-Jones – ein reformierter Prediger

Philip Eveson beschreibt in seiner hochinteresssanten Studie „Der Heilige Geist in der Lehre und Erfahrung von D. Martyn Lloyd-Jones“ die reformierten Glaubensüberzeugungen von Martyn Lloyd-Jones (Baptised With Heavenly Power: The Holy Spirit in the Teaching and Experience of D. Martyn Lloyd-Jones, 2025, S. 23–24):

Obwohl Lloyd-Jones kein Freund von Etiketten war, gehörte seine theologische Position eindeutig zu jener Richtung des Protestantismus, die als calvinistisch oder „reformiert” bekannt ist. Er bezeichnete sich selbst selten als Calvinisten und vermied solche Begriffe bewusst auf der Kanzel. Selbst bei Konferenzvorträgen zögerte er oft, Menschen als Calvinisten zu bezeichnen, und erklärte einmal: „Ich mag diese Etiketten nicht, aber da sie verwendet werden, muss ich sie auch verwenden.”

Für ihn waren Calvinisten „Paulinisten”. Bedeutete das, dass es ihm peinlich war, solche Begriffe zu verwenden, oder dass er ein widerwilliger Calvinist war? Keineswegs! In seiner Rede vor der Jahresversammlung der Evangelical Library im Jahr 1963 bezog er sich mehrfach auf die reformierte Theologie. Angesichts des damals wachsenden Interesses an den Gaben des Heiligen Geistes war er besorgt, dass zwar einige Pfingstler „in ihrer Unzufriedenheit in Richtung reformierte Theologie blicken“, viele in den älteren Konfessionen jedoch „auf diese pfingstlerische Lehre“ und ihre unbiblischen ökumenischen Verbindungen schauen, anstatt auf die reformierte Lehre. Er war dankbar für diejenigen, die mit der Oberflächlichkeit des Lebens ihrer Kirchen unzufrieden waren und sich „direkt der reformierten Theologie und der Lehre, für die wir stehen, zuwandten”. Nur zehn Jahre vor seinem Tod erklärte Lloyd-Jones in einer Ansprache vor einer Konferenz der International Fellowship of Evangelical Students (IFES) unmissverständlich: „Ich bin Calvinist.”

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Menschen des Evangeliums

Holger Lahayne aus Litauen hat das neue Buch Menschen des Evangeliums von Michael Reeves besprochen:

In diesem Zusammenhang setzt Michael Reeves mit Menschen des Evangeliums nun einen notwendigen Akzent. Der britische Theologe und Autor erkennt wie Trueman die gegenwärtige Krise im Selbstverständnis des Evangelikalismus. Er bedauert, dass dieser „sowohl von anderen als auch von sich selbst durch andere Dinge definiert [wird] als durch das Evangelium“ (S. 8). Der Präsident der Union School of Theology in Oxford ist überzeugt: „Um wirklich Menschen des Evangeliums zu werden, müssen wir zu unserem Ausgangspunkt zurückkehren – zu dem Glauben, ‚der ein für alle Mal den Heiligen anvertraut ist‘ (Jud 3)“ (S. 8). Eine bloß soziologische oder „beschreibende Analyse“ genügt nicht; der Evangelikalismus muss laut Reeves in erster Linie „mithilfe des Evangeliums“, also „theologisch definiert werden“ (S. 9).

Reeves hält daran fest, dass den Kern der evangelikalen Identität eben doch „irgendwelche Glaubenssätze“ (Malessa) ausmachen. Damit steht er in der Tradition der großen britischen Evangelikalen wie John Stott oder Martyn Lloyd-Jones, die in Evangelical Truth (1999) bzw. What is an Evangelical? (1992) ebenfalls eine biblisch begründete und theologisch fundierte Definition vorlegten. Reeves zitiert daher auch mehrfach aus beiden Werken.

Drei essentielle Lehren

Anknüpfend an den Beginn des Römerbriefes stellt Reeves eingangs dar, dass für den Apostel Paulus das Evangelium folgende Eigenschaften besitzt: Das Evangelium ist …

„1. trinitarisch: Es ist die Frohe Botschaft des Vaters über den Sohn, der als Sohn Gottes eingesetzt ist in Kraft nach dem Heiligen Geist (vgl. Röm 1, 4).

  1. biblisch: Es wird in der Heiligen Schrift verkündet.
  2. christuszentriert: Es geht dabei um den Sohn Gottes.
  3. Geist-gewirkt: Der Sohn wird durch den Heiligen Geist offenbart.“ (S. 11)

Das Evangelium steht also „im Einklang mit der Heiligen Schrift“, es „dreht sich um Christus und sein Erlösungswerk“ und schafft als „Botschaft des persönlichen Heils“ neues Leben (S. 14). Reeves argumentiert,

„dass der wahre Evangelikalismus eine klare Theologie hat, in deren Zentrum drei essentielle Lehren verankert sind, aus denen sich alles Weitere ergibt:

  1. Die Offenbarung durch den Vater in der Bibel.
  2. Die Erlösung durch den Sohn im Evangelium.
  3. Die Wiedergeburt durch den Geist in unseren Herzen.“ (S. 16)

Eine trinitarische Struktur

Reeves erläutert das Evangelium demnach als ein Werk des dreieinen Gottes. Der Person des Vaters ordnet er die Offenbarung zu und erläutert in Kapitel 2 „Die Vorrangstellung der Heiligen Schrift“, „Die Inspiration der Heiligen Schrift“ und „Die Vertrauenswürdigkeit der Heiligen Schrift“. „Die Erlösung durch den Sohn“ (Kapitel 3) gliedert sich auf in „Die einzigartige Identität Christi“, „Das Werk Jesu“ und „Die Rechtfertigung durch Glauben allein“. In Kapitel 4 behandelt er das Wirken des Heiligen Geistes: „Die Wiedergeburt“, „Das neue Leben“ und „Das neue Volk“.

Auf Seite 17 ist diese Struktur des Buches in einem Kreisdiagramm anschaulich dargestellt. In der Mitte steht „Die Dreieinigkeit“, also Gott selbst. Diese Betonung ist nur zu begrüßen, denn so wird eins klar: Es geht nicht in erster Linie um Menschen, die eine Bekehrung erfahren haben; um Menschen, die in Mission und Diakonie aktiv sind; oder um Menschen und ihre Mission. Vielmehr steht im Mittelpunkt des Evangelikalismus niemand anders als Gott, der durch sein Evangelium Wahrheit mitgeteilt, Erlösung geschenkt und neues Leben geschaffen hat.

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Martyn Lloyd-Jones: Wie kann Gott Gottlose rechtfertigen?

Martyn Lloyd-Jones predigte in seiner Reihe zum Römerbrief über das Kreuz (Romans 3:20-4:25, 1970):

Das Kreuz zeigt nicht nur die Liebe Gottes herrlicher als alles andere, es zeigt seine Rechtschaffenheit, seine Gerechtigkeit, seine Heiligkeit und die ganze Herrlichkeit seiner ewigen Eigenschaften. Sie alle sind dort zusammen hell leuchtend zu sehen. Wenn man sie nicht alle sieht, hat man das Kreuz nicht gesehen. Deshalb müssen wir die so genannte „Moralisches Beispiel“-Theorie des Sühneopfers, die besagt, dass alles, was das Kreuz tun muss, ist, unsere Herzen zu zerreißen und uns dazu zu bringen, die Liebe Gottes zu sehen, strikt ablehnen.

Paulus geht darüber hinaus, indem er sagt: „Er verkündigt seine Gerechtigkeit zur Vergebung der vergangenen Sünden“. Warum das, wenn es nur eine Erklärung seiner Liebe ist? Nein, sagt Paulus, es ist mehr als das. Wenn es nur seine Vergebung verkünden würde, hätten wir das Recht zu fragen, ob wir uns auf Gottes Wort verlassen können, und ob er gerecht und fair ist. Es wäre eine berechtigte Frage, denn Gott hat im Alten Testament wiederholt erklärt, dass er die Sünde hasst und dass er die Sünde bestrafen wird, und dass der Lohn der Sünde der Tod ist.

Es geht um den Charakter Gottes. Gott ist nicht wie wir Menschen. Wir denken manchmal, dass es wunderbar ist, wenn Menschen eine Sache sagen und dann etwas anderes tun. Die Eltern sagen zu ihrem Kind: „Wenn du das tust, bekommst du den Euro nicht, um deine Süßigkeiten zu kaufen. Dann tut der Junge diese Sache, aber der Vater sagt: „Nun, es ist in Ordnung“, und gibt ihm den Euro. Das, so denken wir, ist Liebe und wahre Vergebung. Aber Gott verhält sich nicht auf diese Weise. Gott, wenn ich es so ausdrücken darf, ist ewig mit sich selbst im Einklang. Es gibt niemals einen Widerspruch in ihm. Er ist „der Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist und kein Schatten der Veränderung“. All diese herrlichen Attribute sind in seinem ewigen Charakter wie Diamanten, die leuchten, zu sehen. Und sie müssen alle offenbart werden. Im Kreuz sind sie alle manifestiert.

Wie kann Gott gerecht sein und zugleich die Gottlosen rechtfertigen? Die Antwort ist, dass er es kann, weil er die Sünden der gottlosen Sünder in seinem eigenen Sohn bestraft hat. Er hat seinen Zorn über ihn ausgegossen. „Er trug unsere Strafe. Durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Gott hat getan, was er angekündigt hat: Er hat die Sünde bestraft. Er hat dies durch das Alte Testament überall verkündet; und er hat getan, was er sagte, dass er es tun würde. Er hat gezeigt, dass er rechtschaffen ist. Er hat eine öffentliche Erklärung darüber abgelegt. Er ist gerecht und kann rechtfertigen, denn nachdem er einen anderen an unserer Stelle bestraft hat, kann er uns frei vergeben. Und das tut er auch. Das ist die Botschaft von Vers 24: „Und werden ohne Verdienst gerechtfertigt (als gerecht angesehen, erklärt, für gerecht erklärt) aus seiner Gnade durch die Erlösung (das Lösegeld), die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für den Glauben hingestellt zur Sühne in seinem Blut.“

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Mark Dever im Gespräch mit J.I. Packer

Im Jahr 1999 sprach Mark Dever in der Hill Baptist Church, in Washington D. C. (USA), mit dem kürzlich verstorbenen Theologen J.I. Packer. Das etwa einstündige Gespräch wurde aufgezeichnet und kann hier nachgehört werden, freilich nur englischer Sprache.

Es ist wirklich ein hilfreiches Gespräch und enthält zudem sehr lustige Momente. Besonders gefallen hat mir der Kurzbericht über einen kleinen „Zusammenstoß“, den er vor vielen Jahren mit Martyn Lloyd-Jones auf einer gemeinsam organisierten Puritaner-Konferenz hatte. Informativ allerdings auch der Teil, in dem kontrovers über die Initiative Evangelicals and Catholics Together (ECT) gesprochen wurde.

Interview mit Martyn Lloyd-Jones

Kurz nachdem Martyn Lloyd-Jones 1968 vom Predigerdienst der Westminster Chapel zurücktrat, führte er eine Reihe von Fernsehinterviews. Zwei davon haben überlebt. In diesem Interview wird er von dem berühmten walisischen Schriftsteller Aneirin Talfan Davies befragt.

VD: KV

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Zeugnis als Erweisung des Geistes

Martyn Lloyd-Jones 1970 (Vollmacht, 1984, S. 96–97):

Ich bin überzeugt, daß [1. Korinther 2] für die evangelikale Christenheit unserer Tage in vieler Hinsicht das wichtigste Kapitel der ganzen Bibel ist. Schauen wir uns doch den Apostel Paulus an. Diese überragende Persönlichkeit, ein geistiger Riese. Er war einer der größten Geister, die die Erde je gekannt hat. Und doch sagt uns dieser Paulus, daß er nach Korinth in „Schwachheit, Furcht und großem Zittern“ gegangen ist. Er ist nicht leichtfüßig ans Rednerpult getreten, Selbstsicherheit und Überlegenheit ausstrahlend. Er fing nicht mit einigen guten Witzen an, um erst mal Atmosphäre zu schaffen. Er war nicht der gekonnte Beherrscher einer Versammlung, mit der er machen konnte, was er wollte: „Schwachheit, Furcht und großes Zittern!“ Warum? Paulus kannte seine eigenen Grenzen. Er wußte, was er nicht tun konnte. Er war von der Aussicht umgetrieben, mit seiner Persönlichkeit zwischen die Menschen mit der ungewöhnlichen Botschaft zu treten, die er zu verkündigen hatte. Er hat nichts aufgetragen, von dem er wußte, daß es die Menschen beeindrucken könnte. Er machte genau das Gegenteil. Er hatte sich entschlossen, „daß ich nichts wüßte unter euch, als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten“. Weiter sagt er: „Mein Wort und meine Predigt geschah nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, auf daß euer Glaube bestehe nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.“ Paulus nahm keine Rücksicht auf den öffentlichen Geschmack, sowohl was den Inhalt seiner Rede betraf, als auch die Art und Weise, wie er die Botschaft weitergab. Daher sagten manche von ihm, seine Rede sei verachtenswert. Dennoch war Kraft dahinter, so daß Männer und Frauen innerlich überführt und bekehrt und Glieder der christlichen Gemeinde wurden. Was war das Geheimnis? Es war diese Erweisung des Geistes und der Kraft. Es war die Vollmacht des Heiligen Geistes. In 1. Thessalonicher 1, 5 sagt Paulus: „Denn unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewißheit.“ Ich bin gewiß, diese Gewißheit war nicht nur bei dem Apostel Paulus, sondern auch bei denen, die gläubig wurden. Es waren eben nicht nur Worte eines Menschen. Seine Hörer setzten sich nicht menschlicher Auslegungskunst aus. Paulus machte sie nicht mit einer seltsamen Philosophie bekannt. Es war das Wort Gottes, das „in Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewißheit“ zu ihnen kam.

Der Apostel Petrus sagt es ähnlich. Im 1. Petrusbrief 1,12 schreibt er von „dem, was euch verkündigt ist durch die, so euch das Evangelium verkündigt haben durch den Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt ist — was auch die Engel gelüstet zu schauen.“ Es geschieht durch den Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt ist, wenn das Evangelium überführend und überzeugend gesagt werden kann.

Gott verherrlicht sich durch den „Rest“

Martyn Lloyd-Jones 1970 (Vollmacht, 1984, S. 78–80):

Die Frage wird immer wieder gestellt: „Warum kommen wir nicht an die Massen heran, die außerhalb der Kirche leben? Wie können wir mit ihnen in Verbindung kommen? Wie können wir sie dazu bringen, auf uns zu hören? Was können wir tun, damit die Aussagen und Lehren der Kirche vollmächtig werden?“ Achten wir mal darauf, auf welche Art und Weise diese Fragen angegangen werden! „Das Hauptproblem ist“, so wird gesagt, „die Kirche hat nicht mit der Entwicklung Schritt gehalten. Sie verkauft sich nicht so, wie sie es eigentlich sollte. Große Firmen sind erfolgreich, weil sie gute Reklame betreiben.“ Deshalb haben die großen Kirchen damit angefangen, Abteilungen für die Öffentlichkeitsarbeit einzurichten. Diese Büros sorgen dafür, daß die entsprechenden Anzeigen regelmäßig in der Tagespresse erscheinen. „Bringt das unters Volk, und das Volk wird darauf hören!“, so heißt das Schlagwort. Sie klammern sich an die große Reklame, an die laute Stimme.

Andere sagen: „Nein, das ist nicht der Weg. Was wir brauchen, ist soziales Engagement. Die Menschen sind zuallererst an materiellen Dingen, an sozialen Problemen interessiert. Die Kirche muß daher deutlich zeigen, daß sie sich auch dafür interessiert. Sie muß somit häufiger Stellung zu sozialen und politischen Fragen nehmen. Dann werden die Menschen auch darauf hören, was in der Kirche gepredigt wird. Andere sind wiederum der Ansicht, der einzige Weg, den Einfluß zurückzugewinnen, gehe über Rundfunk und Fernsehen. »Das sind die Instrumente mächtiger Beeinflussung“, so sagen sie.

„Die Kirche muß diese Möglichkeiten auskaufen. Laßt uns dort das Geld hineinstecken. Laßt uns diese großen Medien für Reklame und Propagierung gebrauchen!“ Andere setzen ihr ganzes Vertrauen auf Schriften und Bücher.

Dem allen liegt selbstverständlich der hohe Stellenwert von Bildung und Wissen zugrunde. Folgende Überzeugung trifft man häufig an: Wenn wir nur den Eindruck hinterlassen könnten, daß der moderne Christ sich gut in der Wissenschaft auskennt, daß er kein Dummkopf ist und kein Träumer, daß er vernünftig und intellektuell ist, dann wird seine Umgebung bereit sein, auf ihn zu hören. Das sind auch so die gängigen Überlegungen, die hinter den vielen Büchern stecken, die Glauben und Wissenschaft harmonisieren wollen. Das sind die Hauptargumente. Aber die allerwichtigste Frage, so sagt man uns, ist die Frage nach der Einheit und einer einheitlich organisierten Weltkirche. Das eigentliche Problem ist, so sagt man, daß die Christenheit so gespalten ist. Die Welt ist eine Einheit, dagegen ist die Kirche in viele Fragmente gespalten. Darum ist es unmöglich, von Vollmacht zu reden, wenn solche unsicheren Fundamente da sind. Es gibt nur einen Weg, so sagt man uns: „Wir brauchen eine große Weltkirche. Wenn wir nur eine wären und so der Welt gegenübertreten könnten, dann müßte sie auf uns hören. Das ist das Geheimnis der Vollmacht.“

Mit dem Gesagten beschreibe ich nicht nur die Teile der Kirche, die nicht bibelgläubig sind. Leider rede ich auch vom evangelikalen Flügel. Es erscheint mir so, als ob wir in den gleichen Fehler verfallen sind. Wir zitieren zwar sehr oft: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr.“

In der praktischen Druchführung vertrauen wir dann doch dem „allmächtigen Dollar“, der Macht der Presse und der Reklame. Wir scheinen überzeugt zu sein: unser Einfluß hinge von der Technik ab, von den Programmen, die wir produzieren, von den großen Zahlen und den Massen. Wir haben vergessen, daß Gott in der Geschichte der Kirche seine Taten meistens durch den „Rest“ getan hat. Es sieht so aus, als ob wir die große Geschichte um Gideon vergessen haben. Wie Gott dort darauf bestanden hat, die Zahl der Krieger von 32000 auf 300 zu reduzieren, bevor er das Heer gebrauchen konnte. Wir sind fasziniert von der Idee der Größe, und wir sind überzeugt, wenn wir nur etwas Großes »aufziehen« (ja, das ist der richtige Ausdruck) könnten vor der Welt, dann würden wir sie erschüttern und eine große Erweckung wäre die Folge. Das ist das heutige Konzept für Vollmacht und Autorität.

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