Das imperialistische Schulregiment
Einige Eltern wollen ihre Kinder lieber zu Hause unterrichten als sie in eine Schule zu schicken. Mit diesem Vorhaben scheitern sie in Deutschland an einer Regelung, die auf das Reichsschulpflichtgesetz aus dem Jahr 1938 zurückgeht. Homeschooling ist hierzulande verboten, es gilt die allgemeine Schulpflicht. In Österreich, Frankreich, Großbritannien und vielen anderen Staaten gibt es hingegen nur eine Unterrichts- oder Bildungspflicht.
Jetzt allerdings bekommt die Homeschooling-Bewegung überraschend prominente Unterstützung:
In dieser Woche tagt nun ein internationaler Kongress der umstrittenen Homeschooling-Bewegung in Berlin – und bekommt prominente Unterstützung von CDU- und FDP-Politikern. Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) hat ein provokantes Grußwort verfasst. Darin rechnet er mit der gängigen Schulpolitik ab und lässt Sympathien für die „Freilerner“, wie sie sich selbst gern nennen, erkennen: Dass Eltern ihre Kinder verantwortungsvoll selbst beschulen, sei ein „heilsamer Stachel“ gegen das Schulregiment.
Er selbst habe „mehr außerhalb als innerhalb der Schule gelernt“, schreibt Blüm weiter. Mittlerweile dagegen beobachte er „eine totale Vereinnahmung durch den Schulbetrieb“, der „imperialistische Züge“ angenommen habe. Er sei „gegen die Monopolisierung der Erziehung durch den Staat und die faktische Abschaffung von Elternschaft“. Wenn man auch noch die „letzten Überbleibsel der Familie an Wissenschaft, Wirtschaft und Staat“ übergäbe, wäre die Gesellschaft „mit einer wohltemperierten und -versorgten Legehennenbatterie“ vergleichbar, warnt Blüm.
SPIEGEL online berichtet: www.spiegel.de.
VD: MM
