Theologieprofessor Ralf Frisch provoziert gerne mit steilen Thesen und spitzer Zunge und erntet dafür hin und wieder scharfe Kritik. Sogar seine eigene Hochschule hat sich kürzlich von ihm distanziert. Schade. Denn wir brauchen dringend mehr Leute, die ihre Kirche darauf hinweisen, worauf es eigentlich ankommt (vgl. a. hier).
Nachfolgend zwei Auszüge aus einem aktuellem Interview mit Ralf Frisch (siehe a. Mehr Opium fürs Volk , #ad, Claudius, 2026):
Sobald man dieses Kombimodell fährt – der gute Mensch und der gute Gott -, oxidiert der „gute Gott“ an der Luft der Aufklärung sofort zu einer Metapher für Zwischenmenschlichkeit. Übrig bleibt meist nur der gute Mensch. Als Lutheraner ist mir diese Form der Zuversicht auf das harmonische Zusammenspiel von Gott und Mensch nicht gegeben. Die Grundfrage ist: Glauben wir an eine rettende Transzendenz, an ein Geheimnis, das die Welt im Innersten und Äußersten zusammenhält, oder glauben wir nur noch daran, dass der gute Mensch die Antwort auf alles ist?
Ihre Kritik richtet sich oft gegen die Kirchenleitung. Aber die Kirche ist doch viel breiter, von ultrakonservativ bis superliberal. Warum sehen Sie immer nur den „Wellness-Einheitsbrei“, der Sie so triggert?
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Es ist auch ein medialer Kulturkampf. In den Verlautbarungen des Protestantismus habe ich oft das Gefühl, ich lese Texte vom Deutschen Gewerkschaftsbund DGB, der SPD oder den Grünen. Mir geht es nicht darum, dass ich mir etwas politisch Konservativeres wünsche. Mir geht es darum, dass das Narrativ primär nicht ein politisches Narrativ, egal welcher Couleur, sondern ein religiöses sein sollte. Wenn wir als Kirche nur noch moralische Kommunikation betreiben, weil wir glauben, die Sprache der Ethik werde immer verstanden, dann verlieren wir unseren ureigensten Kern.
Das begann massiv mit der Aufklärung. Für aufgeklärte Christen schien nach der alles zermalmenden Metaphysikkritik Immanuel Kants nur noch das übrigzubleiben, was durch den Filter des kategorischen Imperativs gelaufen war. Dogmatik galt als „Fantasy“. Faktisch wurden die reformatorischen Bekenntnisse dem Bekenntnis an ethisch vorbildliche Menschen geopfert. Die Kirche dachte, es sei Erfolg versprechender, in dieser Währung zu kommunizieren. Heute managen wir eine humanistische Kirche eigentlich mit drei Bibelstellen: mit der Goldenen Regel, dem Gebot der Nächstenliebe und dem Satz „Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“ Dafür braucht man keine Bibel mehr, die dicker ist als eine Postkarte.
Mehr: www.sonntagsblatt.de.
Dieser Ralf Frisch schreibt in einer „frischen“ Sprache und benennt das Hauptproblem der Volkskirchen, das da wäre, die Entkernung des Evangeliums. Übrig bleibt die „Bewahrung der Schöpfung“ und der „Kampf gegen Rechts“. selbst wenn wir edle Motive unterstellen, das ist einfach zu wenig und ignoriert das „unruhige Herz, welches nur in Gott zur Ruhe kommt“.Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Freikirchen ihrer Verantwortung nachkommen und dem verlorenen Menschen den Weg zum Heil zeigen !