Asmussen: Die Abwehr des göttlichen Zorns

Der Lutheraner Hans Asmussen (1898–1968), einer der Hauptautoren des Altonaer Bekenntnisses, hat sich in seiner Seelsorgelehre (Seelsorge, 3. Aufl., München: Kaiser Verlag, 1935) sehr intensiv mit dem Zorn Gottes und der Begnadigung des Sünders befasst. Eindringlich beschreibt er die menschlichen Versuche, sich Gott einseitig als nur gnädigen Gott vorzustellen (also Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit aus den Augen zu verlieren). Aus seiner Perspektive sind das Bewegungen der Abwehr (heute würden wir wohl von »Abwehrmechanismen« sprechen, vgl. auch hier). Ausmussen (S. 30):

Ich wage nicht zu sagen, welcher Rettungsversuch der Gefährlichere ist: Gott umzustimmen oder sich selbst vorzumachen, dass man sich irrt, also sich selbst umzustimmen. Der letztere Versuch ist ungemein fruchtbar. Sehe ich recht, dann verdankt die menschliche Kultur diesem Versuch weithin ihre Entstehung und ihre Wandlungen. Die Exerzitien des Ignatius von Loyola sind ein besonders deutlich hervorragendes Ereignis in der Mannigfaltigkeit dieser Versuche, ähnlich wie die moderne Psychologie arbeitet, um den Menschen die Ruhe ihrer Seele wiederzugeben. Aber gerade diese beiden in die Augen springende Formen zeigen, an welche Grenze man sich hier in höchster Gefahr bewegt: Das Satanische ist nahe! Der Großinquisitor bekommt das Wort! Die Sonne Satans geht auf und beginnt zu scheinen! Fabelhaftes wird geleistet. Alle Kraft des Menschen und alle Erfindungsgabe wird aufgeboten. Die Kraft leistet etwas! Erfindungen werden gemacht, derart, das wir über uns selbst staunen – und einige Zeit bei dem Glauben uns beruhigen es sei ein Irrtum, dass Gott uns zürne.

Innerhalb der protestantischen Theologie waren es vor allem Friedrich Schleiermacher (1768–1834) und Albrecht Ritschl (1822–1889), die an Kant anknüpfend das christliche Gottesbild umformten und vom Zorn Gottes befreiten. Schleiermacher meinte: Je tiefer das Versöhnte ins Christentum hineinwächst, desto mehr werden die Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes zu einer vergangenen Randerfahrung. Seiner 9. Augustanapredigt gab er die berühmt gewordene Überschrift »Daß wir nichts vom Zorn Gottes zu lehren haben.« Für Ritschl war Gott ausschließlich Liebe. Vom Zorn Gottes könne nur noch im Blick auf das Endgericht gesprochen werden. Einen gegen die gegenwärtige Sünde gerichteten Zorn Gottes schloss Ritschl als mit Gottes Liebe unvereinbar aus. Wer an einen zornigen Gott denke, denke falsch von Gott und sündige damit.

Mit der Abwehr des göttlichen Zornes korrespondiert eine Seelsorge ohne Kreuz. Dazu noch einmal Asmussen (S. X):

Die Seelsorge ist auch nicht immer vom Zentrum der evangelischen Lehre her betrachtet worden. Aus diesem Grunde sind auch auf dem Gebiet der Seelsorge viele grundsätzliche Entscheidungen getroffen worden, welche eine Verleugnung des Kreuzes Christi darstellen.

Kommentare

  1. Johannes Strehle meint:

    Exzellent!

  2. Jan Korditschke SJ meint:

    Dass es in der heutigen Verkündigung (auf katholischer wie auf evangelischer Seite) eine Tendenz gibt, die Liebe Gottes hervorzuheben, ohne dabei den notwendigen Hintergrund (Sünde, Zorn Gottes über die Sünde und Rechtfertigung des Sünders aus Gnade) zur Sprache zu bringen, will ich nicht leugnen. Insoweit kann ich auch dem zitierten Theologen Hans Asmussen zustimmen. Dass jedoch in diesem Zusammenhang Ignatius von Loyola und dessen Geistliche Übungen mit der „modernen Psychologie“ in einen Topf geworfen und als Beispiel für den Versuch angeführt werden, „sich selbst vorzumachen, dass man sich irrt“, weise ich zurück. Wer Ignatius‘ Übungen der „Ersten Woche“ sowie das „Gespräch der Barmherzigkeit“ aus den Exerzitien näher in Augenschein nimmt, wird feststellen, wie ernst Ignatius sowohl die Sünde als auch den Erlösungstod Jesu Christi am Kreuz nimmt. Hier hätte ich mir erwartet, dass der Verfasser des Blogs mit dem von ihm angeführten Zitat Hans Asmussens differenzierter umgeht und sich von dessen aus der Luft gegriffenen anti-katholischen Polemik distanziert.

  3. Bin kein Theologe, daher meine vielleicht etwas unorthodoxe und unmaßgebliche Meinung hierzu.
    Ich persönlich neige ebenfalls zur der Auffassung, dass es ein Irrtum ist, dass Gott dem Menschen zürnt. Gottes Strafe oder Gottes Zorn sind menschliche Konstrukte, die auf fehlender Erkenntnis also auf Unwissenheit beruhen und insofern keine göttlichen Attribute sein können. Weiter sind Strafe und Zorn Größen, die sich in deser Welt überholen werden, da sie auf der negativen (und rein subjektiven) Bewertung menschlichen Irrtums, Fehlverhaltens und Scheiterns beruhen.
    Bezogen auf die Postulate der Bergpredigt resultiert für mich: Der Mensch selbst beschwört Gottes Zorn herauf- ja er kreiert ihn in einem künstlichen „Raum“, der nicht überleben kann und wird. Entgegen der Geisteshaltung Jesu, die alle Feindschaft und Bosheit zu integrieren vermochte, gibt der Mensch dem Vergeltungsgedanken Raum und indem er ihn nährt und aufrecht erhält, wird er mit eben mit diesem konfrontiert. Gottes Zorn ist insofern der Zorn des Menschen gegen sich selbst und Gottes Barmherzigkeit und Gnade ist jene Gnade und Barmherzigkeit, welche wir gegen unseren Mitmenschen üben:

    Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. (Mt 5,7)

    Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr meßt, wird euch zugemessen werden. Matthäus 7,1-2

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. (Mt 6,12)
    Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. (Mt 6,14)
    Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben. (Mt 6,15)

  4. @Elmar: Vielen Dank für Deinen Kommentar! Woher weißt Du denn, dass Gott so ist, wie Du beschreibst, er also dem Bösen weder zürnt es noch richtet?

    Liebe Grüße, Ron

  5. Schandor meint:

    Man beachte auch die höchst lächerlichen Versuche meines Lieblings-Literaturphilosophkabarettisten Peter Sloterdijk in „Zorn und Zeit“… 😉

  6. Schandor meint:

    Nachtrag:

    „Es ist für Kenner und Laien eine Trivialität, dass die frühen Portraits Jahwes, des Herrn Israels, von handfesten Anthropomorphismen (besser Antropopsychismen) durchzogen sind. Jeder Bibelleser ht sich davon überzeugen können, wie noch der Gott des Exodus die Züge eines theatralischen Wetterdämons mit denen eines dröhnend unbeherrschten „warlords“ vereint“ (P.SL, Zorn und Zeit, S. 121 d. Taschenbuchausgabe).

    Diese Verallgemeinerung ist das Kennzeichen abgeklärter Atheisten, die sich von den hochreligiösen Atheisten vom Schlag eines Dawkins unterscheiden…

    „Die Befremdlichkeit des Evangeliums für das Publikum von heute reicht weit über das Zugeständnis des Paulus hinaus, die Rede vom Christus sei für die Juden ein Ärgernis und für die Griechen eine Torheit. Jenseits von Torheit und Ärgernis bezeichnet Peinlichkeit die Seinsweise des Religiösen in heutiger Zeit. Seit geraumer Weile hat sich das religiöse Empfinden in die Intimzonen der Psyche zurückgezogen und wird als das eigentliche Pudendum der Modernen wahrgenommen“ (Ebd., S. 116)

    Tja, leider stimmt diese Einschätzung Sloterdijks.

  7. @Ron: Dass Gott, den ich persönlich als Ursache ausnahmslos aller Erscheinungen (auch der bösen) betrachte, weder zürnen noch richten kann, folgt daraus, dass Gottes Zorn und Urteil sich dann auch gegen ihn selbst (gegen Gott) richten müsste. Desweiteren aus dem Kontext der Bergpredigt in der Jesus den Zorn Gottes ( Unbarmherzigkeit) und sein Gericht als vom Menschen heraufbeschworene Größen verdeutlicht. Siehe meine Zitate. Insofern ist jede Vorstellung von Vergeltung, selbst die von einem gerechten Gericht, etwas durch den Menschen enstandenes. „Denn der Vater richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohn übergeben…“Joh 5,22
    Nun kann man dem natürlich entgegen halten, dass in diesem Falle dann auch das vom Menschen heraufbeschworene letztlich aus Gott kommt, was auch konsequent gedacht ist. Nur ist es eben nicht von Dauer, es ist nicht zeitlos nicht ewig und kann insofern nicht in Gott selbst eingehen.

  8. @Elmar: Ich kenne Deine weltanschaulichen Denkvoraussetzungen nicht. Aber da Du schon die Bergpredigt zitierst, will ich auch Bibelstellen anführen: Gott ist gut und alles, was er erschaffen hat, ist gut (vgl. z.B. 1Tim 4,4). Das Böse ist also kein Werk Gottes, sondern Schuld der Menschen. Damit stelle ich die Prämisse, dass nämlich Gott Verursacher des Bösen ist, in Frage (auch wenn fernöstliche Religionen entsprechendes behaupten).

    Wenn das stimmt, Gott also gut und gerecht ist, kann er nicht einfach Unrecht vor Recht ergehen lassen. Er muss richtigen.

    Was machst Du denn mit Bibeltexten wie z.B. Joh 5,24–29?

    Liebe Grüße, Ron

  9. @Ron: Du schreibst: „… da Du schon die Bergpredigt zitierst, will ich auch Bibelstellen anführen: Gott ist gut und alles, was er erschaffen hat, ist gut (vgl. z.B. 1Tim 4,4).
    Dem stimme ich inhaltlich zu: Eben darum, weil alles was Gott erschaffen hat gut ist, konnte auch das bisher Böse in Christus wieder gut werden. Es wurde geistig durchdrungen, wurde überwunden, und dient nun allen, die es (Ungerechtigkeit, Leid und Tod) im Sinne Jesu begreifen und auf sich nehmen. Denn Jesus hat ja gerade das Böse integriert – hat es als von Gott gegeben begriffen und in diesem Vertrauen auf sich genommen. Die Überwindung des Bösen liegt in seiner Wieder-gut-Machung und insofern in seiner Rückführung zu Gott, den Urheber aller Dinge, die das Leben fördern.

    >>“ Das Böse ist also kein Werk Gottes, sondern Schuld der Menschen.“

    Auch dem stimme ich inhaltlich zu, daher schrieb ich: In der Bergpredigt verdeutlicht Jesus den Zorn Gottes (Unbarmherzigkeit) und sein Gericht als vom Menschen heraufbeschworene Größen.

    >>“Was machst Du denn mit Bibeltexten wie z.B. Joh 5,24–29?“

    Davor steht für mich die Frage nach der Definition des Begriffs vom Gericht. Jesus definiert in Joh. 3, 1 das sog. Gericht als ein Festhalten an Unkenntnis, Irrtum und Unwissenheit:

    Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Joh 3,19

    Unkenntnis, Irrtum und Unwissenheit können (der Botschaft Jesu nach) keinen zeitlos-ewigen Bestand haben. Wenn sie eines jüngsten Tages aufhören, wir jedoch wider besseres Wissen daran festhalten, werden wir eben dadurch gerichtet werden und zwar indem wir der Wahrheit ins Auge schauen (müssen) und dabei (vor Scham) vergehen. Mit anderen Worten, wir werden unsere (falsche) Existenz selbst nicht mehr sehen wollen.

    LG
    Elmar

  10. @Elmar: In der Tat sind Gottes Zorn und das Gericht von Menschen heraufbeschworen. Gott ist zornig, weil die Menschen sich gegen ihn auflehnen und Gott nicht Gott sein lassen. Bezüglich Gericht gibt es ja eine Reihe von Texten. Nicht Wissen schützt vor dem Gericht, sondern der Glaube an Jesus Christus. Aufschlussreich diesbezüglich z.B. auch der Text in Lk 13,22ff.

    Liebe Grüße, Ron

  11. @Ron: Dem kann ich mich nicht anschließen. Gott ist nicht zornig. Gott auch nur im Entferntesten mit einer negativen oder destruktiven Emotion in Verbindungen zu bringen hieße, ihn vermenschlichen.
    Der Begriff >Zorn Gottes kann m. E. nur als Metapher verstanden werden. Zugegeben, Unrecht, Krankheit, Strafe, Leid und Tod mit einem zürnenden Gott in Verbindung zu bringen entspricht einer weit verbreitete Auffassung. Doch im christlichen Sinn ist dieses Denken überholt. Tatsächlich existiert kein Bereich, in dem Gott nicht gegenwärtig ist. Ein urchristlicher Gedanke den schon der Apostel Paulus im Römerbrief thematisiert hat:

    >Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen<

    Jesus Christus durchbricht gewissermaßen in seiner bewusst auf sich genommenen Passion (Scheitern, Unrecht, Leid und Tod) das alte Denkmuster von Gottes Strafe und Zorn und zwar entgegen aller menschlichen Vernunft. Allein der Vertrauenslose bleibt nun noch der Benachteiligte und Bestrafte. Wer aber vertraut, der nimmt auch das Böse auf sich und überwindet. Ob Gott gnädig ist oder ob er zürnt, ob wir das Schicksalhafte als Privileg oder als Strafe verstehen, das ist insofern eine Frage der persönlichen Überzeugung:

    Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber HIELTEN ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Jesaja 53,4

    LG
    Elmar

  12. Schandor meint:

    @Elmar Vogel

    Was, wenn „Zorn“ hier keine Gemütsaffektion ist wie der Hass in Maleachi 1? Was, wenn Zorn hier die Absicht Gottes bedeutet, als Dreieiniger Gott zu strafen, was bestraft werden muss? (Wie könnte er sonst gerecht sein?)
    Was, wenn Gott keine Gott der Allversöhnung ist?

    „Edom aber habe ich gehasst“ — hat Gott wirklich „gehasst?“ Nein, das ist kein Anthropopsychismus, sondern Gott bedient sich der Sprache des Menschen. Jakob habe ich geliebt, das bedeutet: ihn habe ich mir erwählt (Röm 9). Edom habe ich gehasst, das bedeutet: ihn habe ich verworfen.

    So könnte es auch mit dem Zorn Gottes bestellt sein.

    Aber:

    Wenn man die Nachrichten ansieht oder Römer Kapitel 1 liest, dann merkt man was vom Zorn Gottes, oder nicht?

    Liebe Grüße
    Schandor

  13. @Schandor/ Ich persönlich bin der Auffassung, dass Begriffe wie >Zorn Gottes, Strafe, Gericht< ausschließlich im Spiegel der Botschaft Jesu gedeutet werden können bzw. Sinn machen. Versuche das Alte Testament (oder auch die Epistel) isoliert vom christlichen Grundgedanken verstehen zu wollen führen zurück zu einem magisches Denken.
    Meine Prämisse bei jeder Deutung: Wie geht das mit den Aussagen Jesu zusammen? Wie hätte Jesus geantwortet? Wie würde Jesus handeln?
    Liebe Grüße
    Elmar

  14. Schandor meint:

    @Elmar
    Ja, das klingt interessant. Ich muss darüber nachdenken…

  15. Schandor meint:

    @Elmar

    Ich muss noch nachfragen (nicht um zu spionieren, um dann kräftig draufloszuhauen 🙂 ): Es heißt doch in den Glaubensbekenntnissen von frühester Zeit an, Jesus werde wiederkommen, um „zu richten die Lebenden und die Toten“. Er ist es doch, wer auf dem Thron im Jüngsten Gericht sitzt, oder nicht? (Gott richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohn übergeben)
    Wer ihn nun abgelehnt hat, was geschieht im Jüngsten Gericht mit einem solchen? Ergießt sich nicht der volle Zorn Gottes über so jemanden, der ein so unverdientes, großes und gnädiges Angebot (die Vergebung der Gefallenheit [Erbsünde ist ein falsches Wort dafür] und der persönlichen Schuld) ausgeschlagen hat? (Von denen, die die Botschaft des Evangeliums nicht gehört haben, spricht m. W. Röm 2,14ff.)
    Wenn das nicht Zorn ist, was dann? (Ich frage in fragendem Tonfall, nicht in besserwisserischem, aber das muss man immer dazusagen, weil das Medium Internet den Tonfall nicht mitliefert und der Leser dann nicht wissen kann, in welchem Ton gefragt worden ist).
    Das würde mich schon interessieren, muss ich sagen.

    Mir ist eines klar: Sämtliche Bibelstellen, die von einem Gericht sprechen, können nicht abseits vom Kontext gelesen werden, und wenn Herr Paulus einmal sagt, wir müssten alle vor den Richterstuhl Christi treten oder Jesus Christus selbst einmal gesagt hat, man müsse Rechenschaft ablegen für jedes unnütze Wort, dann kann das nicht mit der Aussage kollidieren, derzufolge unsere Sünden ins äußerste Meer geworfen, mithin: vergeben sind, so dass ihrer nicht mehr gedacht wird.
    Das sind furchtbare Widersprüche einerseits, die zu beseitigen sämtliche theologische Sophistik nicht ausreicht. Ich frage mich manchmal, was man da glauben soll?

    lg
    Schandor

  16. @Schandor/ Hoffe dass dich mein Kommentar jetzt nicht erschlägt:

    Du schreibst: Wer ihn (Jesus) nun abgelehnt hat, was geschieht im Jüngsten Gericht mit einem solchen?

    Auch hier stellt sich für mich zuerst die Frage nach dem, was man unter einer Ablehnung Jesu überhaupt verstehen soll. Manche Gruppierungen vertreten ja die Ansicht, dass der Nichtglaube an Jesu Gottessohnschaft, an sein Erlösungswerk am Kreuz einer Ablehnung Jesu gleichkommt, die unweigerlich die Verdammnis dieses Menschen nach sich ziehen wird.
    Manche Gemeinschaften wissen schon heute genau, wer in den Himmel kommt und wer nicht – haben Gott quasi schon ein ganzes Stück Arbeit abgenommen. Damit macht man es sich m. E. zu leicht, denn wer beispielsweise das Nachsprechen von Glaubensformeln ablehnt, weil er sie guten Gewissens gedanklich nicht nachvollziehen kann ist Jesus keineswegs fern. Meiner Meinung nach ist unter einer Ablehnung Jesu vielmehr die Ablehnung der Inhalte seiner Botschaft und der Prinzipien, die er lehrte zu verstehen. Unter einer Ablehnung Jesu verstehen ich also weniger das Zweifeln am Inhalt überlieferter Glaubensformeln als vielmehr die Vernachlässigung, Bagatellisierung sämtlicher Inhalte, die er lehrte und die er selbst verkörperte. Hier nur einige Beispiele:

    Feindesliebe:
    Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Matthäus 5,44-46

    Gewaltlosigkeit und die Bereitschaft Leid auf sich zu nehmen:
    Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Matthäus 5,39

    Vorbehaltlose Nächstenliebe:
    Amen, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Matthäus 25,40
    Amen, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Matthäus 25,45

    Unumschränkt vergeben und Verzeihen:
    Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal. Matthäus 18,21-22

    Angesichts eigener Mangelhaftigkeit, frei werden von Verurteilungen:
    Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden. Matthäus 7,1-2

    Mit etwas innerer Aufrichtigkeit, werden auch Christen zugeben müssen, dass sie diese Ideale oft nicht einmal ansatzweise umsetzen. Manche Christen vertreten dann die Auffassung, dass die Forderungen Jesu realitätsfremd sind und Jesus es SO nicht gemeint haben kann.

    Was ich damit sagen will ist folgendes: Wir sollten m. E. nicht so viele Gedanken und Spekulationen daran verschwenden, welcher Mensch am Jüngsten Tag gerettet wird und welcher nicht. Im Sinne Jesu sollten wir uns vielmehr täglich aufs Neue bemühen, die Inhalte seiner Botschaft zu leben. Gelingt uns das nicht, so sollen wir angesichts unseres Unvermögens barmherzig mit den Schwächen und Fehlern unserer Mitmenschen umgehen. Das verstehe persönlich ich unter dem täglichen Ringen um den Eintritt durch die enge Pforte, von der Jesus spricht. Das bedeutet m. E. Jesus in sein Leben an- und ihn aufzunehmen, heißt, sich zu ihm zu bekennen. Diese Prinzipien auch nur einen Moment lang gedanklich zu vernachlässigen, bedeutet Jesus abzulehnen. So leben auch Christen täglich zwischen Ablehnung und Nachfolge. Und um zurückzukehren um Ausgangspunkt muss ich am Ende feststellen: Im selbstgerechten Blick auf das Fehlverhalten unseres Mitmenschen liegt das größere Unheil, als in dessen Irrtum.

    Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen?, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge. Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach sieh zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst. Matthäus 7,3-5

    Herzlichst
    Elmar

  17. Schandor meint:

    @Elmar

    Ja, Du hast sicher recht. Ich habe diese Prinzipien heute leider den ganzen Tag vernachlässigt, weil ich buchstäblich den Kopf nicht frei gehabt habe dafür. Somit habe ich Jesus abgelehnt.
    Ich preise meinen Heiland aber, dass Er mich nicht abgelehnt hat. Mit deinem Barmherzigkeitskonzept gehe ich eindeutig konform. Deine theologischen Überlegungen verstehe ich nicht. Aber das macht wahrscheinlich auch nichts…

    Liebe Grüße
    Schandor

  18. @Schandor
    Auf meiner Website stehen Leseproben aus meinem Buch >ESSENZEN, Die Botschaft Jesu< zu freien Download. Dort fndest du meine Gedanken zu diesem Thema ausführlich erläutert. Einfach auf meinen Namen (Link) hier klicken, dann gelangst du direkt dorthin.
    Herzlichst
    Elmar

  19. Lieber Moderator,

    Leider ist nun die verkehrte Version gelöscht worden. In der obigen fehlen einige Passagen. Wäre es möglich, meine obige Nachricht nochmals zu löschen, damit ich die vollständige einfügen kann? Tut mir leid, Ihnen so viele Umstände zu machen.

    Danke und vielen Dank für Ihr Verständnis,
    ED.

  20. Hallo Schandor und Elmar,

    habe mal in eure interessante Korrespondenz hineingeschaut. Die Thematik ist mir sehr nahe.

    Schandor, du schreibst: > Er ist es doch, der auf dem Thron im Jüngsten Gericht sitzt, oder nicht? (Gott richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohn übergeben) Wer ihn nun abgelehnt hat, was geschieht im Jüngsten Gericht mit einem solchen? Ich habe diese Prinzipien heute leider den ganzen Tag vernachlässigt, weil ich buchstäblich den Kopf nicht frei gehabt habe dafür. Somit habe ich Jesus abgelehnt. Ich preise meinen Heiland aber, dass Er mich nicht abgelehnt hat. Meine Prämisse bei jeder Deutung: Wie geht das mit den Aussagen Jesu zusammen? Wie hätte Jesus geantwortet? Wie würde Jesus handeln? <

    Ich vermute, er würde zu einem, der sich selbst nicht verzeihen kann, sagen: "Liebe deinen Nächsten – – wie dich selbst." Ich brauche das zukünftige Gericht nicht zu befürchten, wenn ich JETZT innerlich betroffen bin und mich dem inneren Gericht stelle, mich der Korrektur nicht entziehe. Barmherzigkeit gilt für den Mitmenschen UND für mich?!

    Herzliche Grüße, ED.

  21. @ Moderation

    Bitte nochmals meinen Beitrag löschen. Ich habe ihn nun Zeile für Zeile richtig eingegeben, und doch erscheint er nur als zerrissenes Fragment. Ich bin ratlos, woran das liegt. Bitte löschen! Danke, ED.

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