Brunner über »Bildung«

Das längere Zitat von Emil Brunner zum Staat endet mit dem Satz: »Es wird die Aufgabe des nächsten Abschnittes sein, an einem einzelnen Beispiel, an dem der Bildung, diesem Gedanken konkreten Inhalt zu geben.« Darauf hin hat Johannes gefragt, ob Brunners Ausführungen zur Bildung ebenso interessant sind wie die zum Staat.

Brunner behandelt die Bildung sehr eingehend und ich kann hier nicht alles publizieren, was er dazu geschrieben hat. Nachfolgend aber der Abschnitt, der offensichlich an seine Ausführungen zu den Grenzen staatlicher Vollmacht anknüpft (Das Gebot und und die Ordnungen: Entwurf einer protestantisch-theologischen Ethik, 4. Aufl., Zürich: Zwingli Verlag: 1939, S. 498–502):

Damit haben wir uns bereits einer anderen wichtigen Frage zugewandt, der nach den Trägern der Bildung. Wer bildet wen? Auf diese Frage kann die allgemeine Antwort nur lauten: jeder bildet jeden. Das Bilden und Gebildetwerden dauert solang als das Leben selbst. Bildend ist vor allem, wie man mit Recht sagt, »das Leben«; wir könnten das das unabsichtliche Bilden nennen. Verstehen wir aber unter Bildung das absichtliche Tun, so geht die Bildung über in die Erziehung. Wir hätten keinen Anlaß, uns über das Problem der Erziehung eingehender auszusprechen, wenn nicht auch hier Vorurteile von größter Bedeutung aufzudecken wären. Erziehung ist nicht in erster Linie Sache der Schule, gar des Staates, sondern der Familie. Es gehört zur göttlichen Schöpfungsordnung, daß das Kind im Schoß und Schutz der Familie aufwächst, nicht bloß als physisches Wesen — denn das ist eine falsche Abstraktion —, sondern eben als Person. Hier lernt es — was wichtiger ist als alles, wie es später noch hinzulernen kann — in exemplarischer Weise das Grundverhältnis der Gemeinschaft kennen, das Verbundensein im aufeinander Angewiesensein, das Verbundensein im Gegenübersein, die Anerkennung des Anderen als eines Nichtgleichen, der gerade in seiner Nichtgleichheit anzuerkennen ist. Was das Kind in dieser Gemeinschaft mit Vater und Mutter lernt, ist — auch wenn es keine idealen, sondern nur leibliche Eltern sind — unendlich wichtiger als alles, was es in einer Schule lernen kann. In der Familie ist nicht ein sachliches oder geistiges Etwas, sondern die Gemeinschaft selbst das Wesentliche. Das Familienleben bringt es mit sich, daß hier die Person immer als ganze da ist und gilt. Die Familie ist keine Schule — Gott sei Dank! —, sondern viel mehr als Schule, Gemeinschaft, wenn auch dies nur in relativem und unvollkommenem Sinne. Gerade dies ist das Unvergleichliche an dem Band, das die einzelnen Glieder der Familie umschlingt. Die Verantwortlichkeit des einen für das andere, die Gebundenheit und Verbundenheit in dieser Verantwortlichkeit ist, bei aller Gebrochenheit, doch irgendwie da in einer auch nur halbwegs ordentlichen Familie, so wie es sonst nirgends da sein kann.

An zweiter Stelle steht aber nicht der Staat, sondern die Gemeinde. Es gehört zu den verhängnisvollen Folgen der modernen Staatsauffassung, daß nach ihr die Gemeinde sozusagen nur eine Unterabteilung, ein Verwaltungsbezirk des Staates ist. Die Gemeinde ist unter ethischem Gesichtspunkt eine selbständige Größe, die die so wesentliche Funktion der Sippe als Mittelglied zwischen Familie und Volk seit dem Verschwinden der Sippe zu übernehmen hat. Ganz besonders ist auch heute noch die Dorfgemeinde ein bedeutender Erziehungsfaktor. Die absichtliche Erziehung der Gemeinde vollzieht sich vor allem durch das Mittel der Schule. Nicht der Staat ist der legitime Träger des Schulwesens, sondern die Schulgemeinde — das Wort nicht im rechtlichen, sondern im sozialen Sinn verstanden als Zusammenschluß von Familien. Kulturfunktionen sind nur notstandsweise, vikarierend vom Staat zu übernehmen; an sich gehören sie nicht in seine Domäne. Der Staat ist ein schlechter Schulmeister und die Selbstverständlichkeit, mit der heutzutage das ganze Schulwesen dem Staat überlassen wird, ist in schweres Übel. Daß die Schule Sache der Volksgemeinschaft ist, heißt noch lange nicht, daß sie Sache des Staates sei. Es ist ein durch nichts zu begründendes Axiom, daß der Staat die einzige Organisation der Volksgemeinschaft als solcher sei, daß also auch diejenigen Organisationen, die sich das Volk als Ganzes für Kulturzwecke schafft, damit schon staatliche Organisationen seien. Durch dieses Axiom wird die Einsicht in die grundsätzliche Verschiedenheit des Aufbaus kultureller und staatlicher Institute verdunkelt. Der Staat als Rechtsorganisation verlangt Zentralisation, Aufbau von oben herab. Die Kultur, die wesentlich von den Einzelnen ausgeht und, als Gemeinschaft, der Intimität des kleinen Kreises bedarf, verlangt Aufbau von unten her. Für den Staat ist das umfassende Ganze das Erste, und nur um seinetwillen gliedert er sich nach unten, um die Wirkung des Ganzen auf die Einzelnen zu übersehen. Die Kultur aber hat zunächst gar kein Bedürfnis nach einem großen Apparat und einer äußeren Einheit. Sie gedeiht am besten im kleinen Kreis, weil für sie das individuelle und persönliche Moment entscheidend ist. Das gilt auch für die Erziehung. An sich besteht nicht das geringste Bedürfnis dazu, die Erziehung zu einer Staatssache zu machen; die genossenschaftliche Gemeindeschule — Schulgenossenschaft — ist eint Gemeinschaftsform, die der Schule viel wesensgemäßer ist, als die Staatsschule. Es sind äußere Gründe, es ist vor allem der Schulzwang, die Finanzfrage und eine äußere Koordination der Schulen, die die Mitwirkung des Staates in Schulsachen notwendig machen. Aber diese Mitwirkung braucht noch lange nicht die Übernahme des ganzen Schulwesens durch den Staat zu bedeuten. Staatsschule darf es nur darum und solange geben, als es keine echte Volksschule gibt. Diese Unterscheidung hört auch dann nicht auf, wichtig zu sein, wenn man die — wenigsten vorläufige — Unvermeidlichkeit des Übels »Staatsschule« durchaus einsieht. Denn auch innerhalb einer Staatsschule würde die Erkenntnis, daß Schule als Kulturangelegenheit von unten nicht von oben her sich aufbauen muß, daß Dezentralisation in Kultursachen ebenso notwendig ist wie Zentralisation in Rechtssachen, den innern Aufbau des Schulwesens gewaltig verändern und zwar im Sinn einer Befreiung vom Grundübel des Uniformismus und bürokratischen Mechanismus.

Noch wichtiger als diese innere und — später auch äußere Loslösung vom Staat ist die Loslösung vom Geist der Aufklärung. Unser ganzes heutiges Schulwesen ist das Produkt der Aufklärung. Ob der einzelne Lehrer oder das einzelne Lehrmittel selbst im Geist der Aufklärungsideologie wirke, kommt kaum in Frage gegenüber dem anderen, daß die ganze Konzeption »Schule«, so wie wir sie heute kennen, nur aus de Geist der Aufklärung heraus verständlich ist. Nun leugnen wir freilich nicht, daß die Aufklärung ihre wichtige Mission hatte im Kampf gegen Orthodoxie und Klerikalismus, ja daß sie auch positiv Wertvolles leistete, und ohne sie der ganze Aufschwung der modernen Wissenschaft schwer denkbar wäre. Aber der Rationalismus der Aufklärungsideologie, der mit ihm verbundene Fortschrittoptimismus, Individualismus und Intellektualismus, der im allgemeinen unser ganzes geistiges Leben verseucht, wirkt sich nun ganz besonders in unserem Schulwesen — von der Primarschule bis zur Universität — aus. Die heutigen Bestrebungen der radikaleren Schulreform haben wohl etwas von dieser Tatsache erfaßt und sind darum mit Recht vor allem gegen den Intellektualismus unseres Schulwesens gerichtet, erfassen aber das Übel selten in der Tiefe, weil sie selbst dem Denken der Aufklärung zu nahe stehen. Es ist wahrhaft tragisch, daß von den großen Ideen Pestalozzis nur diejenigen verwirklicht und überhaupt verstanden worden sind, die er von Rousseau übernommen und weitergebildet hat, aber nicht seine ihm eigentümlichen, die er uns einem tieferen Verständnis des Menschen als Person- und Gemeinschaftswesen gewann. Der Kampf gegen die Aufklärungsideologie ist, aufs Volksganze gesehen, aussichtslos, solange er nicht zugleich zu einem Kampf gegen das in ihr wurzelnde Schulwesen der Gegenwart wird.

Von diesen zwei Gesichtspunkten, der grundsätzlichen Unabhängigkeit vom Staat und der Unabhängigkeit von der Aufklärungsideologie aus, ist auch die Frage der »christlichen Schule« anzufassen. Die Bildung, insbesondere sofern sie Schulbildung sein kann, ist eine »autonome« Lebenssphäre; aber diese Autonomie ist eine begrenzte. Die »neutrale Schule« ist ein Hirngespinst; der »Geist« einer Schule ist — ganz abgesehen von allen stofflichen Inhalten — bedingt durch Weltanschauung und Glaube, ob man es zugibt oder nicht. In diesem Sinne ist es selbstverständlich, daß der Christ christliche Schulen wünschen muß. Aber mit der Schaffung sogenannter »christlicher Schulen« hat dieses Grundsätzliche wenig zu tun. Erstens ist das, was heute Schule heißt, aus einem dem christlichen Glauben wesensensfremden Geist heraus gedacht und gestaltet, und die »Christlichkeit« solcher Schulen vermag daran wenig zu ändern. Vor allem aber ist der christliche Geist, auf den allein es ankäme, durch die Verpflichtung auf ein besonderes christliches Glaubensbekenntnis und durch Betonung des christlichen Religionsunterrichts nicht im entferntesten gewährleistet. Wohl mag unter besonderen Umständen die Bildung solcher »christlicher« Sonderschulen notwendig sein, aber als notwendiges Übel. Dagegen würde dieser Sondercharakter mehr oder weniger wegfallen, wenn die Schule nicht die Einheitsschule des Staates, sondern die aus den besonderen Verhältnissen der Schulgenossenschaft heraus gebildete »Gemeindeschule« wäre. Die einzige Lösung der Frage kann nur darin bestehen, daß die Volksgemeinschaft, die die Schule schafft, selbst vom christlichen Geist bestimmt ist; alles andere sind Notbehelfe von relativem und schwankendem Werte. Eines aber sei zum Schluß deutlich gesagt: die Loslösung der Schule vom Rechtskörper Kirche ist eine Tat der Aufklärung, für die auch die Christen dankbar sein können. Die der Kirche unterstellte konfessionelle Schule ist etwas, das wir wohl noch weniger wünschen können als die heutige Staatsschule; diese Idee ist nur innerhalb einer römisch« katholischen Auffassung des Verhältnisses von Kirche und Kultur stilgerecht, während die kirchliche Bevormundung der Kultur dem protestantischen Glauben wesensfremd ist.

Kommentare

  1. lieber Ron,

    eine Stellvertreterdiskussion wurde bisher ausgespart, wir haben noch nicht einmal über Deutschland geschrieben.

    Wie steht es nun also um die Rolle der in Deutschland verstaatlichten Lehrer am Gesamtbild? Die Lehrer sind ja sowohl ein wichtiger Teil des Bildungssystems als auch des „Systems“ an sich. Aus vielen Gründen finden nämlich überdurchschnittlich viele dieser Beamten in die deutschen Parlamente.

    Ist das „gut“?

    Aus libertär-humanistischer Sicht ist das sicher abzulehnen, denn als Beamte – also als Teil der ausführenden Gewalt – wirken sie dort als gesetzgebende Gewalt. Einen solchen eklatanten Verstoß gegen das Prinzip der Gewaltenteilung gibt es meines Wissens nur in Deutschland. Nicht umsonst fordern Libertäre, daß Beamte ihren Beamtenstatus unwiderruflich aufgeben müssen, wenn sie in ein Parlament gewählt werden möchten. Wie es eben in anderen Ländern auch ist.

    Aus biblischer Sicht ist die Sache nicht ganz so einfach zu beantworten. Es passt hier die biblische Wahrheit, daß man nicht zwei Herren gleichzeitig dienen kann. Wie geht man als verbeamteter Lehrer mit dem potentiellen Interessenskonflikt um, über Reformen des Schulwesens zu entscheiden? Sollte man so einen Interessenskonflikt nicht besser vermeiden? Eine interessante ethische Frage.

    Gruß aus Dallas/Texas
    Martin

  2. Johannes Strehle meint:

    @ Ron: Danke!

  3. Lieber Martin,

    m.E. brauchen die Schulen keine Beamten. Noch besser wäre es, wenn viele Schulen eine private Trägerschaft hätten. Zur Frage der Beamten im Parlament habe ich noch nicht viel nachgedacht und halte mich deshalb zurück.

    Liebe Grüße aus Berlin nach Dallas, Ron

  4. lieber Ron,

    hier gibt es ein déjà vu. In dem parallenen Thread über den Kollektivismus im Gegensatz zum freien Kapitalismus
    http://theoblog.de/die-vermeintliche-attraktivitat-des-marxismus/9053/
    waren die säkulären Positionen für einen sehr konkreten Bereich noch einfach an der biblischen Lehre zu messen, aber was sagt die Bibel zu den Rahmenbedingungen in der Ausprägung als Staatsform und zu unserer Aufgabe als Jesus-Folger in diesem Zusammenhang?

    Die sehr vereinfachende Zwei-Reiche-Lehre kommt mit Extremsituationen nicht zurecht, sowohl für den Einzelnen als auch für das Gesamte. Damit konnte beispielsweise in Deutschland einst dem sogar mit demokratischen Mitteln bewirkten Umbau der Demokratie zu einem diktatorischen Mörderregime nicht wirksam begegnet werden.

    Angewendet auf heute: es ist offensichtlich, das „System“ ist kaputt, es ist eine Frage der Zeit, bis es kollabiert. Die möglichen Folgen haben wir angedeutet, die Ursachen sind allesamt bekannt.

    Was ist zu tun? Warnt man, wie Brunner es fordert? Setzt man sich mit drastischen Worten für eine Änderung der konkreten Ausprägung der Staatsform ein, auch unter Inkaufnahme persönlicher Nachteile? Siehe
    http://theoblog.de/das-vakuum/9162/

    Oder bleibt man passiv und wandert aus, beispielsweise ins Schweigen und Abwarten? Oder gleich in ein (noch) freies Ausland?

    Wenn man die Antwort auf diese Fragen abhängig vom zu erwartenden Erfolg des Tuns machen möchte, dann wird man einbeziehen müssen, daß kollektivistische Systeme zur grundlegenden Reform unfähig sind, denn die von der Umverteilung Begünstigten und diejenigen, die ihr Einkommen aus einer Tätigkeit der Umverteilung beziehen, werden ihre Position vernünftigerweise nicht freiwillig aufgeben.

  5. Johannes Strehle meint:

    Ja, das Thema wird uns – hoffentlich – nicht in Ruhe lassen.
    Ich habe es leider bisher nicht geschafft, dazu etwas zu schreiben.

    Das beste Beispiel für Engagement von Christen,
    wo der Staat ihnen die Möglichkeit bietet, ist meines Erachtens
    der (erfolgreiche) Einsatz von Wilberforce und seinen Freunden
    für ein Verbot der Sklaverei.
    Aber auch Francis Schaeffer ist ein gutes Beispiel.

    In Deutschland ist die Situation so:

    Hier fehlt zweifellos eine (wert-)konservative Partei.
    Keine der bundesweit etablierten politischen Parteien
    vertritt überzeugend die Interessen der (Wert-)Konservativen.
    Nachdem Frau Steinbach kürzlich eben dies der CDU vorgehalten hatte,
    sprach sie öffentlich aus, was jeder weiß:
    Für eine (wert-)konservative Partei der wirklichen Mitte,
    die von anderen Parteien nur behauptet wird,
    wäre es kein Problem, die 5-Prozent-Hürde zu überwinden.
    Aber die (Wert-)Konservativen sind nicht mutig, nicht entschlossen
    und überlassen das Feld den anderen. So auch die Evangelikalen
    (genauso wie sie eine theologische Bastion nach der anderen geräumt haben). Vorkämpfer und prominente Zugpferde sind gefragt,
    populäre Vorzeige-Evangelikale wie zum Beispiel Bestseller-Autor Peter Hahne,
    der allerdings riskieren würde, dass er seine Kolumne
    in Deutschlands mit Sex garniertem Schlagzeilen-Tageblatt
    nicht mehr schreiben dürfte. Was sagen und schreiben
    die ausgewogenen (lauwarmen) evangelikalen Medien- und Meinungsmacher?

    Die evangelischen Landeskirchen sind inzwischen Vorkämpfer
    für Feminismus, Abtreibung und Homosexualität.
    Die katholische Kirche ist mit der CDU verheiratet
    (und bekanntlich gegen Scheidung),
    obwohl viele kompetente Katholiken äußerst unzufrieden sind
    mit ihrem geschwundenen Einfluss in der CDU.

    Den wenigen Evangelikalen, die sich politisch engagieren,
    geht es wie der katholischen Kirche.
    Im Übrigen ist parteipolitisches Engagement unter Evangelikalen anrüchig.
    Was tun die bekannten Evangelikalen, die besondere Verantwortung tragen?
    Sie legen die Stirn würdig in sorgenvolle Falten,
    blicken missbilligend auf Entgleisungen in den USA
    und pflegen den Heiligenschein parteipolitischer Neutralität.
    Die Evangelikalen sind noch nicht einmal
    zu Unterstützungs-Unterschriften zu bewegen,
    damit eine Partei zur Wahl antreten kann,
    die bisher nicht im Parlament vertreten ist.
    (Die Unterschriften verpflichten zu nichts.)
    Eine Ausnahme sind die Pfingstgemeinden,
    die die nicht ernstzunehmende PBC unterstützen.)

    Nachhaltiger und gewichtiger politischer Einfluss ist nur parlamentarisch,
    d.h. über eine politische Partei möglich.
    Auch relativ kleine Parteien können erheblichen Einfluss auf die Politik nehmen,
    wenn sie im Parlament sind.
    Meine Frau und ich haben uns versuchsweise
    5 Jahre in der Familien-Partei engagiert
    und dabei sehr interessante Erfahrungen gemacht
    (Vom Unterschriften-Sammeln über Plakatkleben
    und Vorstandsaufgaben bis zu Spenden-Skandalen)
    und interessante Leute, auch aus anderen Parteien, kennengelernt.
    Unser jüngster Sohn war bei der letzten Landtagswahl
    landesweit der jüngste Kandidat.
    Die Familien-Partei hätte trotz Ignoranz der Medien
    bei halbwegs professionellem Vorgehen realistische Chancen,
    die 5-Prozent-Hürde zu überwinden.
    Zum Beispiel erreichte sie in Sachsen-Anhalt ohne jede Werbung 2,7 Prozent.
    Wir mussten jedoch feststellen,
    dass der Anteil an Gutmenschen, Vereinsmeiern, Besserwissern, Aktionisten, Kurzsichtigen, verkrachten Existenzen, Chaoten und Psychopathen zu hoch ist,
    um erfolgreich arbeiten zu können.
    Wir wären bereit, in einer (wert)konservativen Partei mitzuarbeiten.

  6. Die Chance, das “System” heute mit Bordmitteln erfolgreich wieder geradezurücken ist etwa so groß wie diejenige eines Versuch im Jahr 1975, die Berliner Mauer erfolgreich einzureißen.

    Aus eigener Kraft versucht muß jedes politisches Abenteuer menschliches Stückwerk bleiben. Eine Mitarbeit in einer Partei ist derzeit so wirkungslos, daß diese Option nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden kann, solange nicht ein konkreter Anstoß durch den lebendigen Gott erfolgt.

    Eine weitere Option könnte darin bestehen, daß man sich konkret auf die Zeit nach einem möglichen wirtschaftlichen Zusammenbruch vorbereitet, indem man aktuelle Falschentwicklungen und deren vorraussichtliche Auswirkungen sowie die treibenden Köpfe dahinter dokumentiert bzw. solche Dokumente sammelt und veröffentlicht, solange das (noch) geht.

    Es besteht die Hoffnung, daß sich in der Zeit danach vernünftige Menschen zusammenfinden, die bereit sind, die aus den dokumentierten Erfahrungen gewonnenen Lehren beim Aufbau einer neuen – und hoffentlich demokratischen – Staatsform zu berücksichtigen, wobei die Verursacher des Zusammenbruchs bei der konkreten Umsetzung außen vor bleiben.

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