Eine Horde von Zombies

Oliver Jeves, Urheber des Begriffs „Generation Maybe“, hält die Jugendlichen von heute für Zombies. 

In Wahrheit ist die junge Generation eine Horde von Zombies. Sie gieren aber nicht nach Menschenfleisch, sondern nach Anerkennung und Wertschätzung, nach Lob und Liebe.

Er übertreibt.

Hier mehr: www.welt.de.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Mag sein, er übertreibt. Nur inwiefern? Indem er generalisiert. Wo gäbe es keine Ausnahmen?

    Was erkennbar ist, ist dies: Man hat ihnen durch die Vergottung des höchsten Werts der Gesellschaft, dem Spaß auf allen Ebenen, der steten Instant-Befriedigung aller Wünsche, die Seele geraubt. Jetzt sind sie auf die Surrogate angewiesen. Das allgegenwärtige Handy als Ersatz für echte Beziehungen, Sex statt Liebe, die Guck-Guck-Welt anstelle von Büchern usf. Wer könnte ihnen einen Vorwurf machen? Die Werteethik entstammt Hollywood, das allerdings mittlerweile so grottenschlechte Machwerke produziert, dass selbst Cineasten das Fürchten überkommt …

    Klar, in die Zeit Goethes können wir nicht mehr zurück. Man stelle sich nur vor, dass sich 17jährige nachmittags um 5 treffen, nicht um sich vollaufen zu lassen und unsaubere Wortmeldungen abzusondern, sondern um die gegenwärtige Entwicklung der Gesellschaft vor dem Hintergrund der Werke Bradburys, Huxleys und Orwells zu besprechen.

    Interessanter wäre schon die Definition „Zombie“ i.S. des Mind-Philosophen David Chalmers: Hier ist der Zombie einer, der agiert, wie „normale“ Menschen agieren, aber es geht ihm das Wissen um sich selbst ab, das Selbst-Bewusstsein. Und das scheint in der Tat bei vielen Menschen der Fall zu sein; sie vergessen, dass sie sterben müssen und sich einst verantworten müssen. Sie wissen innerlich, dass es irgendwann eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt (die Karma-Lehre etwa zeigt das Wissen darum immerhin), aber sie scheinen sie in sich abzutöten.

    Thielicke sagt einmal, der Tabubruch, den man durch die Nichterwähnung des Sexuellen begangen habe, räche sich jetzt, indem man eine andere Sache tabuisiert hat: den eigenen Tod. Stimmt, darüber kann man heute in der Gesellschaft nur schwer sprechen, verhüllt sozusagen. Das bringt es mit sich, dass Sloterdijk 1983 sehr treffend schrieb: Wer an ein Leben nach dem Tod nicht mehr glaubt, muss es davor suchen.

    Was rüttelt die Jugendlichen aus ihrer Lethargie noch auf? Eine Krise? Gott schütze uns vor uns selbst!

  2. Hallo Schandor, könntest Du die Quelle zum Sloterdijkzitat angeben? Danke 🙂 und lieben Gruß

  3. rolfeicken meint:

    @Schandor

    Gratuliere! Ein echter Schandor-Kommentar. So ähnlich habe ich in einem Vortrag über unsere heutige Gesellschaft argumentiert: verblödende Spaßgesellschaft.
    LG
    Rolf

  4. @Schandor: Ja, er generalisiert zu stark. Ich kann beispielsweise nicht bestätigen, dass es den meisten Y-Leuten egal ist, was da im Nordirak oder in der Ukraine passiert. Das bewegt viele, und zwar nicht nur im Blick auf das eigene Wohl.

    Einige Beobachtungen finde ich aber originell und recht treffend. Mir gefällt besonders:

    “Du kannst tun, was du willst, kannst werden, wer du sein möchtest, du bist etwas ganz Besonderes. Du bist gut. Alles, was du machst, ist gut. Und wichtig ist nur, dass du glücklich bist.” Wer schon von Kindesbeinen an fliegen lernt, weil man ständig gesagt bekommt, wie großartig und außergewöhnlich man sei, für den wird das spätere Leben oft eine einzige Bruchlandung.

    Da musste ich gleich an die „Du bist ein Königskind“-Rhetorik in einigen christlichen Kreise denken. Die Kinder von Königen, also Prinzen und Prinzessinnen, lassen sich kaum etwas sagen. Sie lieben es, verwöhnt zu werden und haben quasi einen Erbanspruch auf Wellness. 😉

    Liebe Grüße, Ron

  5. @Jörg

    Es steht in der „Kritik der zynischen Vernunft“, S. 10 (Suhrkamp, 1983, Sonderausgabe) und lautet genau:
    „Eine neuheidnische Kultur, die an ein Leben nach dem Tod nicht glaubt, muß es darum vor diesem suchen.“

  6. ..warum nur müssen wir Menschen immer allem ein Etikett verpassen ???.. ich bin der Typ – ich bin Choleriker ( ich habe eine Glaubensschwester, die das gerne betont, und mittlerweile glaube ich, dass das auf eine Art als Entschuldigung für ihre Verhaltensweise dienen soll – und das tut mir sehr leid für sie ) ich bin y – ich bin z – und und und ….
    Und Königskinder wachsen unter Umständen in ihre Verantwortung hinein … ich denke, grade Christen, wenn sie mal begriffen haben, worin das Königstum Jesu besteht … dann kann man gar nicht mehr leichtfertig auf Wellness pochen .. aber man wird auch nicht permanent kokettieren mit dem Sündigsein und dass man mickrig ist .. das kann sehr handlungshemmend sein…

  7. @Jutta

    Wir kategorisieren, weil das in unserer Denkstruktur liegt. Wir können nicht anders – das gehört zu unserem Menschsein (Buchtip: Die Analogie – Das Herz des Denkens). So weit zur ersten Frage.
    Königskinder sind wir nicht auf dieser Erde, sondern auf Hoffnung hin. Viele so genannte „Königskinder“ könnten nämlich auf die Idee kommen, „Königskinder“ zu sein und sich hier auf Erden dementsprechend aufzuführen: frech und unverantwortlich (mit Ausnahme einiger englischer Prinzen natürlich, die wissen, wie man sich benimmt …).
    Worin besteht das Königtum Christi?

  8. ..der wurde mir von einer Glaubensschwester zugesendet.
    Viele werden damit nicht einverstanden sein, auch ich hatte Schwierigkeiten damit.
    Nur, wenn man den HERRn im Hinterkopf hat, Seine Gebote, die Bergpredigt, und und und… dann fängt man m.E. an zu verstehen … und kann anfangen in Seiner Kraft umzusetzen, was man meint, verstanden zu haben:

    Hiermit verleihe ich Dir die KÖNIGSWÜRDE!.
    Ich habe Dich erwählt, weil Du unendlich kostbar bist in meinen Augen.
    Du bist unvergleichlich und einmalig.
    Ich setze mein Leben für Dich ein, so wichtig bist Du mir.
    Nimm Deinen Platz ein, da, wo ich Dich eingesetzt habe.

    Lass Dich nicht durch Deine Aufgaben dazu verleiten, Dich minderwertig zu fühlen.
    Keine Arbeit braucht Dir zu gering sein.
    Deine Treue ist wichtig , auch im Kleinen.
    Sei Dir Deiner Erwählung täglich gewiss.

    Wenn Dir Fehler unterlaufen, komm zu mir und erzähle es mir.
    Dann werde ich da sein und für Dich einstehen,
    wieder gut machen und die Schuld bezahlen.

    Geh fröhlich Deinen Weg. Ich werde Dich keinen Moment im Stich lassen.
    Diene an Deinem Platz in Der Gewissheit Deiner Königswürde.
    Ich selbst stehe zu Dir und habe Dich unendlich lieb.
    Der KÖNIG aller KÖNIGE

    .. das gibt es auch als Plakat und ich glaube, der Text ist von Ruth Heil, ich bin aber nicht ganz sicher.
    Denn viele führen sich ja auch auf, weil sie eben kein „Selbstbewusstsein“ haben, kein Gefühl für Würde… noch nicht mal Anstand… weil sie auch genau spüren, dass sie nur reduziert sind auf ihre Schubladen ….

  9. Hiermit verleihe ich Dir die KÖNIGSWÜRDE!.
    (Ja, in Christus und NUR in Christus – und AUF HOFFNUNG HIN)
    Ich habe Dich erwählt, weil Du unendlich kostbar bist in meinen Augen.
    (Ja, in Christus und NUR in Christus – und AUF HOFFNUNG HIN)
    Du bist unvergleichlich und einmalig.
    (Ja, denn GLEICHHEIT ist eine Erfindung des Teufels)
    Ich setze mein Leben für Dich ein, so wichtig bist Du mir.
    (Er HAT sein Leben gegeben – so wichtig war ihm SEIN SOHN JESUS, nicht ich.)
    Nimm Deinen Platz ein, da, wo ich Dich eingesetzt habe.
    (Das tut ER; ER stellt mich an den Platz, an dem ich stehen soll.)

    Lass Dich nicht durch Deine Aufgaben dazu verleiten, Dich minderwertig zu fühlen.
    Keine Arbeit braucht Dir zu gering sein.
    Deine Treue ist wichtig , auch im Kleinen.
    (Stimmt – aber SEINE Treue ist es, was zählt, nicht meine.)
    Sei Dir Deiner Erwählung täglich gewiss.
    (Glaubst Du denn an Deine Erwählung, Jutta?)

    Wenn Dir Fehler unterlaufen, komm zu mir und erzähle es mir.
    Dann werde ich da sein und für Dich einstehen,
    wieder gut machen und die Schuld bezahlen.
    (Die IST bereits bezahlt.)

    Geh fröhlich Deinen Weg. Ich werde Dich keinen Moment im Stich lassen.
    (Obwohl Du in Deinem Leben oft meinen wirst, es sei das Gegenteil der Fall.)
    Diene an Deinem Platz in Der Gewissheit Deiner Königswürde.
    (Selbst Paulus hat sie nie als „Königskind“ bezeichnet, sondern als SKLAVE CHRISTI.)
    Ich selbst stehe zu Dir und habe Dich unendlich lieb.
    (Gott sei gelobt!)
    Der KÖNIG aller KÖNIGE

  10. @Schandor: ich versteh schon, was Du sagen willst und ich bin ganz gewiss nüchtern und kritisch gegenüber Mystik, Charismatik usw… aber ich erlebe auch viel Sprachlosigkeit und Hilflosigkeit in sehr bibeltreuen und nüchternen Gemeinden, grade die Jugend hat viele Fragen und Probleme … weswegen sind denn so viele Jugendliche und Neubekehrte auch angetan von den charismatischen Gemeinden ???
    Und ja ich weiss, dass ER treu ist, dass ER meine Schuld bezahlt hat, weil ich sie ohnehin gar nie bezahlen könnte… dass ER zählt und nicht ich … und dass ich in meiner „Königswürde“ mich dennoch als Seine Sklavin wissen kann…. denn grade diese – so lese ich es – macht mich fähig dazu …
    „…wer mich liebt, hält meine Gebote… “
    Manchmal bin ich die Krittelei so leid…

  11. Schandor meint:

    @Jutta

    Keine „Krittelei“.
    Die Jugendlichen sind so „angetan“ von charismatischen Gemeinden, weil dort der Schwarmgeist herrscht, der für den Heiligen Geist gehalten wird. Es ist dort eine Erlebnistheologie am Wirken, die einem buchstäblich den Atem rauben kann. Der Jugendliche von heute (ich möchte fast sagen: der moderne Christ) will nicht glauben, sondern erleben. Der Glaube dagegen glaubt gegen die Wirklichkeit an. Nicht dass nicht auch er erleben will, aber er hält sich in erster Linie an das, was geschrieben steht – und prüft die Dinge nicht im Licht seiner Erfahrung, sondern am Wort Gottes. Mag sein, das klingt „fromm“, ist es aber nicht gemeint. Das „Erleben“ kann auch ganz anders sein, und dann kommen Christen, die sich am „Erleben“ orientieren, in ordentliche Anfechtung. Sie meinen: Mir entgeht was, was andere haben. Das kann einen in eine Lebenskrise stürzen. Wenn man nun nicht „charismatisch“ ist? Wenn man sich vom Schwarm nicht anstecken lässt, weil man die Seele nicht dazu besitzt? Dann wird einem in solchen Kreisen bedeutet, man habe den Heiligen Geist nicht, habe nicht jene „Salbung“ usw. Lauter unbiblisches Zeug.
    Die „Krittelei“, wie du sie nennst, ist mE also ganz angebracht.

  12. Warum entschuldigt sich jeder, dass wenn etwas fromm klingt, das aber nicht so wäre ?
    Was ist schlimm daran fromm zu sein ? Nur weil wir dann gleich Bilder von Frömmeleien ( was etwas anderes ist ) oder Bigotterien im Kopf haben ?
    Das liegt aber nicht an dem Begriff fromm, sondern findet in unserem Kopf statt.
    Manchmal frage ich mich, ob es zu dieser ausufernden Entwicklungen auch deshalb gekommen ist, weil echtes biblisches Christentum so selten gelebt wurde … die Kirchengeschichte, die Konflikte untereinander, die vielen Denominationen, Auslegungen und und und… auch in Gemeinden allgemein gibt es Missbrauch, sowohl geistlich als auch körperlich, Konflikte, Abhängigkeiten von Pornographie, Süchte, Kommunikationsstörungen und und und .. es gibt jedes Jahr mindestens genau so viel christliche Lebensratgeber, auch von aufrichtigen biblisch orientierten Autoren, die jegliche moderne weltliche Psychologie ablehnen ( ich im übrigen auch ) wie im weltlichen Bereich … warum ?
    Ausserdem: ein echter König dient seinem Volk, und auch Politiker sollten dem Volk dienen.
    Und unser HERR hat uns ja gedient, mit Seinem Leben.
    Also, wenn ich mich nun auf Seine Königswürde berufe.. was bedeutet das, wenn ich das ernsthaft untersuche ? Zu dienen. So wie es in Seinem Wort geschrieben steht.
    Und ja, ich glaube an meine Erwählung.
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    http://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/detailansicht/aktuell/hillsong-ist-das-alles-voellig-harmlos-89571/
    … wenn die wirklich biblisch fundamental leben… wobei der Leserbrief genau auch meine Bedenken aufgreift …
    … was ist Gnade ? … wie erlebt der einzelne Gläubige Gnade… ich weiss, wie ich das für mich erfahre/erlebe/ wissen darf… aber ich kann mich ja nicht zum Massstab machen …. und wer einen „KZtauglichen Glauben “ hat, wie es einmal jemand ausgedrückt hat … Theo Lehmann, glaube ich, im Vorwort zu: Spürst Du Gott schon oder liest Du noch die Bibel ? , von Thorsten Brenscheidt, ein absolut empfehlenswertes Buch, wage ich ehrlich gesagt nicht zu beurteilen.
    Und meine persönliche Ansicht: wie die Jungen manchmal Gott feiern mögen, in den Gottesdienst gehört keine christliche moderne Rockmusik – kein Schlagzeug und nichts was „swingt“ … die Gemeinde kommt zur Anbetung zusammen, in Ehrfurcht .. und Stille… aber wenn sie nebenher ihre eigenen „Events“ haben .. nun, wenn sie konsequent leben … wer bin ich, dass ich das verurteilen darf ????

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