Gottes Mutterherz?

Einleitung

In einem Artikel vom 29. Dezember 2015 plädiert Tobias Faix für eine stärkere Betonung der weiblichen Seite Gottes in der christlichen Verkündigung. Er hat dabei auf verschiedene lexikalische Beobachtungen zurückgegriffen, die erörterungswürdig sind.

Ich möchte jedoch in der nachfolgenden, rasch ausgeführten, Untersuchung lediglich danach fragen, ob die zahlreichen in Anschlag gebrachten Bibeltexte die eingeforderte Rede vom „Mutterherz Gottes“ stützen. Ich zitiere dafür die angeführten Beweistexte, die in der feministischen Literatur immer wieder auftauchen, und ergänze sie durch kurze Vermerke.

Betrachtung der Bibeltexte

1. Gott als gebärende Frau

Dtn 32,18: „An den Fels, der dich gezeugt hat, dachtest du nicht mehr, und den Gott, der dich geboren hat, hast du vergessen.“

Der Vers spricht nicht von einer Frau, sondern davon, dass Gott (der Fels) uns gemacht hat. Das hebräische ḥyl kann gebären, aber auch zeugen, hervorbringen o. schaffen bedeuten. Da die Nomen „Gott“ und „Fels“ sowie das Verb „zeugen“ grammatisch maskulin sind, ist davon eher auszugehen.

Jes 42,4: „Lange bin ich still gewesen, habe ich geschwiegen, habe ich mich zurückgehalten, wie die Gebärende werde ich nun schreien, werde so sehr schnauben, dass ich um Luft ringen muss.“

Der Vers spricht nicht über eine Frau, sondern davon, dass Gott wie eine Gebärende schreien wird. Hier wird eine Tätigkeit Gottes beschrieben. Eine Eigenschaft oder Aktivität ist nicht mit Identität zu verwechseln. Zu sagen, dass mein Auto so schnell ist wie eine Rakete, bedeutet nicht, dass mein Auto eine Rakete ist.

Num 11,12: „Habe denn ich dieses ganze Volk empfangen, oder habe ich es gezeugt, dass du zu mir sagst: Trage es an deiner Brust, wie der Wärter den Säugling trägt, in das Land, das du seinen Vorfahren zugeschworen hast?“ 

Es handelt sich um einen Spruch des Mose. Er beschwert sich bei Gott, da dieser von ihm verlangt, sich um das Volk Gottes zu sorgen, so als sei es sein Kind. Es ist möglicherweise eine rhetorische Frage, die implizit mitteilt: „Du Gott hast das Volk gezeugt und aufgezogen“. Aber selbst dann, wenn das Bild feminin ist, ist der Text kein Beleg für die Weiblichkeit Gottes.

Hiob 38,8: „Wer hat das Meer mit Schleusen verschlossen, als es hervorbrach, heraustrat [wie] aus dem Mutterschoß, …“

Die Erde wird als Mutterschoß beschrieben, aus dem das Meer hervorgekommen ist. Gott war derjenige, der das Wasser mit Toren zurückgehalten hat. Die GN übersetzt trefflich: „Wer hat das Meer mit Toren abgesperrt, als es hervorbrach aus dem Schoß der Erde?“.

Hiob 38,29: „Aus wessen Schoß ist das Eis gekommen, und wer hat den Reif des Himmels geboren?“

Der Vers erinnert tatsächlich an das Bild einer Mutter. Allerdings steht hier wie in V. 28 das Verb jld, welches, je nachdem, ob eine Frau oder ein Mann gemeint ist, mit gebären oder zeugen übersetzt wird. Da es hier maskulin ist, passt zeugen besser.

Joh 16,21: „Wenn eine Frau niederkommt, ist sie traurig, weil ihre Stunde gekommen ist. Wenn sie das Kind aber geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Bedrängnis vor Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.“

Hier wird die Verbildlichung einer gebärenden Mutter gebraucht, um die Zeit der Drangsal und Traurigkeit zu beschreiben, die auf die Jünger Jesu zukommt.

2. Gott als stillende Mutter

Num 11,11-12: „Und Mose sprach zum HERRN: Warum gehst du so übel um mit deinem Diener, und warum finde ich keine Gnade in deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst? Habe denn ich dieses ganze Volk empfangen, oder habe ich es gezeugt, dass du zu mir sagst: Trage es an deiner Brust, wie der Wärter den Säugling trägt, in das Land, das du seinen Vorfahren zugeschworen hast?“

Der Text wurde unter Num 11,11 bereits kommentiert. Hier beschwert sich Mose bei Gott. Auch dann, wenn die Fragen rhetorisch gestellt sind, ist die feminine Illustration kein Beleg für die Weiblichkeit Gottes. Gott spricht maskulin (’mr).

Ps 131,2: „Fürwahr, ich habe meine Seele besänftigt und beruhigt; wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter, wie das entwöhnte Kind ist meine Seele ruhig in mir.“

David beschreibt seine seelische Verfassung. Seine Seele ist wie ein entwöhntes Kind stille in ihm [also in David].

Jes 49,15: „Würde eine Frau ihren Säugling vergessen, ohne Erbarmen mit dem Kind ihres Leibs? Selbst wenn diese es vergessen würden, werde doch ich dich nicht vergessen!“

Ein Vergleich. Eine Mutter vergisst ihr Säugling nur ausgesprochen selten. Selbst wenn sie es vergisst, so ist Gott anders als eine Mutter. Er wird sein Volk nie vergessen.

Hos 11,4: „Mit menschlichen Seilen habe ich sie gezogen, mit Stricken der Liebe, und ich war für sie wie jene, die das Kleinkind an ihre Wangen heben, und ich neigte mich ihm zu, ich gab ihm zu essen.“

Das Bild bezieht sich auf Ephraim als Kuh (vgl. Hos 10,11). Gott hat das Arbeitstier schonend behandelt.

1Petr 2,2: „Verlangt jetzt wie neugeborene Kinder nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, damit ihr durch sie heranwachst zum Heil, …“

Petrus greift wie in 1Petr 1,23 das Bild vom Neugeborenen auf. Die wiedergeborenen Christen sehnen sich nach geistlicher Nahrung wie Säuglinge sich nach Muttermilch sehnen.

3. Gott, der einkleidet

Gen 3,21: „Und der HERR, Gott, machte dem Menschen und seiner Frau Röcke aus Fell und legte sie ihnen um.“

Dieser Text hat keinerlei Beweiskraft für die These des Artikels, es sei denn, es wird vorausgesetzt, dass ausschließlich Frauen in der Lage sind, Menschen einzukleiden.

Mt 6,25-34: „Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen werdet, noch um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Schaut auf die Vögel des Himmels: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen — euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht mehr wert als sie? Wer von euch vermag durch Sorgen seiner Lebenszeit auch nur eine Elle hinzuzufügen? Und was sorgt ihr euch um die Kleidung? …“

Wie bei Gen 3,21 hat auch dieser Text keine Beweiskraft. Hinzu kommt, dass in Mt 6 ausdrücklich vom „himmlischen Vater“ gesprochen wird (vgl. 6,26.32).

4. Gott erzieht

Jes 46,3-4: „Hört auf mich, Haus Jakob, und ihr, der ganze Rest des Hauses Israel, die ihr mir schon im Leib eurer Mutter aufgeladen worden seid und die ihr vom Mutterschoß an getragen worden seid: Bis in euer Alter bin ich es und bis ins hohe Alter: Ich bin es, der euch schleppt. Ich habe es getan, und ich werde tragen, und ich werde euch schleppen und euch retten.“

Gott trägt das Volk vom Zeitpunkt der Geburt an und wird es auch in Zukunft tragen und retten. Der Bezug zur These fehlt, es sei denn, es wird davon ausgegangen, dass nur eine Frau schleppen, tragen und retten kann.

Hos 11,1–4: „Als Israel jung war, habe ich es geliebt, und ich rief meinen Sohn aus Ägypten. Sooft man sie rief, haben sie sich abgewandt von ihnen; den Baalen bringen sie Schlachtopfer dar und den Götterbildern Rauchopfer! Dabei war ich es, der Efraim das Gehen beigebracht hat – er hob sie auf seine Arme –, sie aber haben nicht erkannt, dass ich sie geheilt habe. Mit menschlichen Seilen habe ich sie gezogen, mit Stricken der Liebe, und ich war für sie wie jene, die das Kleinkind an ihre Wangen heben, und ich neigte mich ihm zu, ich gab ihm zu essen.“ 

Siehe oben unter Punkt 2 (Hos 11,4).

5. Gott tröstet

Jes 66,13 „Wie einen, den seine Mutter tröstet, so werde ich euch trösten, und getröstet werdet ihr in Jerusalem.“ 

Es handelt sich um einen einfachen Vergleich, nicht um eine behauptete Identität von Gott und Mutter. Vgl. die Anmerkung zu Jes 42,14 unter Punkt 1. Der Sprecher, Jahwe (v. 12), redet in der männlichen Form (’mr).

Offb 21,4: „Und abwischen wird er jede Träne von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, und kein Leid, kein Geschrei und keine Mühsal wird mehr sein; denn was zuerst war, ist vergangen.“

Der Text hat keinerlei Beweiskraft im Blick auf die These, es sei denn, es wird verneint, dass ein Vater Trost spenden kann. Gen 5,29 spricht allerdings z.B. ausdrücklich davon, dass der Mann Noah trösten wird.

6. Gott als Geburtshelferin

Ps 22,10–11: „Du bist es, der mich aus dem Mutterschoß zog, der mich sicher barg an der Brust meiner Mutter. Auf dich bin ich geworfen vom Mutterleib an, von meiner Mutter Schoß an bist du mein Gott.“

Der Text hat keinerlei Beweiskraft, außer, es wird vorausgesetzt, dass ein Mann bei einer Geburt nie ein Helfer sein kann, so wie beispielsweise ein Gynäkologe die Geburt unterstützt.

Jes 66:

Hier gilt das Gleiche wie bei Ps 22,10-11.

7. Gott als Bärenmutter

Hos 13,8: „Ich falle über sie her wie eine Bärin, der man die Jungen genommen hat, und ich zerreiße die Brust über ihrem Herzen. Und dort fresse ich sie wie eine Löwin, die Tiere des Feldes reißen sie in Stücke.“

Hier wird Gott mit wilden Tieren verglichen, um den Ernst des göttlichen Gerichts herauszustreichen.

Ps 123,2: „Sieh, wie die Augen der Diener auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin, so blicken unsere Augen auf den HERRN, unseren Gott, bis er uns gnädig ist.“

Ein einfacher Vergleich ohne Beweiskraft im Blick auf die These. Es wird nicht gesagt, dass Gott eine Gebieterin ist.

Lk 15,8-10: „Oder welche Frau, die zehn Drachmen besitzt und eine davon verloren hat, zündet nicht ein Licht an, kehrt das Haus und sucht eifrig, bis sie sie findet? Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir, denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte. So, sage ich euch, wird man sich freuen im Beisein der Engel Gottes über einen Sünder, der umkehrt.“

Erkenne keinen Zusammenhang mit der These.

8. Gott als Bäckerin

Mt 13,33: „Ein anderes Gleichnis nannte er ihnen: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Scheffel Mehl mischte, bis alles durchsäuert war.“ 

Ein Gleichnis. Erkenne keinen Zusammenhang mit der These.

Lk 13,20-21: „Und wiederum sprach er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist einem Sauerteig gleich, den eine Frau nahm und mit drei Scheffel Mehl vermengte, bis alles durchsäuert war.“

Ein Gleichnis. Erkenne keinen Zusammenhang mit der These.

9. Gott als Adlermutter

Ex 19,4: „Ihr habt selbst gesehen, was ich Ägypten getan und wie ich euch auf Adlersflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe.“ 

Ich bin kein Vogelkundler. Aber meines Wissens vertreibt oft die Adlermutter die Küken aus den Nestern und lässt sie fallen, damit sie fliegen lernen. Der Adlervater fängt sie dann mit seinen Flügeln auf. Aber selbst bei Arbeitsteilung spricht der Text nicht davon, dass Gott eine Adlermutter ist.

Dtn 32,11: „Wie ein Adler, der seine Brut aufstört zum Flug und über seinen Jungen schwebt, so breitete er seine Flügel aus, nahm es und trug es auf seinen Schwingen. Der HERR allein leitete es, kein fremder Gott war mit ihm.“

Ebenso wie Ex 19,4.

10. Gott als Henne

Ps 17,8: „Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges, birg mich im Schatten deiner Flügel“

Ps 57,2: „Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig, denn bei dir suche ich Zuflucht. Im Schatten deiner Flügel suche ich Zuflucht, bis das Verderben vorüber ist.“ 

Figurative Rede, wie sie oft zu finden ist. Bei Gottes Flügeln findet man Zuflucht und Schutz, vgl. z.B. Ps 36,7; 57,1; 63,7-8.

Mt 23,37: „Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder um mich sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel sammelt, und ihr habt nicht gewollt.“

Lk 13,34: „Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt.“ 

Auszug aus einer Strafrede Jesu. Das Bild von der Henne ist eindeutig figurativ zu verstehen.

Fazit

Der Artikel „Das Mutterherz Gottes“ wirft zahlreiche theologische Fragen auf. Um einige zu nennen: Ist im Hebräischen tatsächlich die Gebärmutter Ort der Gefühle und des Glaubens? Prägt die Biografie den Glauben eines Menschen prinzipiell stärker als die Theologie, determinieren also Vita und soziales Milieu die Bibelauslegung? Ist das zu Anfang geschilderte Beispiel nicht ein immens starker Hinweis darauf, dass wir unsere Erfahrungen gerade nicht auf Gott projizieren, sondern diese vielmehr von Gott her erleuchten lassen sollten? Ist das Shalom Gottes eine transformatorische Zusage Gottes für den Frieden in dieser Welt? Steht über das Wesen Gottes nur sehr wenig in der Heiligen Schrift? Warum finden wir in der Bibel keine Aufforderung, Gott als Mutter anzusprechen, die geforderte Anrede als Vater dagegen sehr wohl?

Diese kleine Untersuchung war freilich nicht den großen Fragen gewidmet. Es ging lediglich darum, ob die im Beitrag „Das Mutterherz Gottes“ aufgeführten 30 Bibeltexte die These stützen, dass die Heilige Schrift Gott mit zahlreichen weiblichen Bildern beschreibt (und „Mutterherz“ ein angemessener Begriff ist, um das Herz Jahwes zu bezeichnen). Viele der angeführten Begründungstexte haben im Blick auf die Behauptung keine Beweiskraft. Einige Texte rufen entsprechende Bilder oder Assoziationen hervor, ohne das sie ein weiblicheres Gottesbild erzwingen. Lediglich Hiob 38,29 könnte die Ansicht, Gott werde als gebärende Frau gekennzeichnet, stützen. Jedoch ist auch dieser Text nicht so evident, dass er den restlichen Befund kompensieren kann.

Ron Kubsch

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Der Text kann hier auch als PDF-Datei heruntergeladen werden: MutterherzGottes1.1.pdf.

Nachtrag vom 31.12.15, 16.20 Uhr: Tobias hat die Ausführungen zu rǽḥæm für „Mutterschoß“ und lėb für Herz inzwischen korrigiert, so dass ein Hinweis darauf nur stört. Ich habe den entsprechenden Abschnitt deshalb gestrichen.

Kommentare

  1. rolf eicken meint:

    Vielleicht ist in diesem Zusammenhang die Gefährtin Gottes (JHWH) Aschera interessant. Aschera ist als Gefährtin JHWHs in ugaritischen, altbabylonischen Texten und in den EBLA-Texten belegt. (wörtl.: der Schöpfergott und seine Aschera)
    Ein amurritischer König erwähnt Aschera als A-sir-ta und ebenfalls wird die ugaritische Atirat (=Aschera) als Gattin des Schöpfergottes EL genannt.
    Bei (2Kön 21,7) wird das Bildnis der Aschera als Göttin erwähnt.
    Hat die weibl. Seite Gottes mit seinem Mutterherz ev. etwas mit der Existenz oder dem Einfluss von Aschera zu tun? (naive Frage eines Laien?)

  2. Johannes meint:

    @rolf eicken: Es fällt schwer, „Aschera“ nach der Lektüre von Richter 6 und 1. und 2. Könige als Gefährtin Gottes zu sehen!

    @Ron: Vielen Dank für diese Ausarbeitung! Es bleibt mit Spannung zu erwarten, ob in evangelikalen Kreisen dann demnächst auch das „Vater unser“ umformuliert wird? Gemäß Herrn Prof. Faix ist die Vater-Anrede, wenn ich ihn recht verstehe, ja nur ein kultureller Konstrukt, um uns Gott näher zu bringen, bzw. Gott der damaligen Kultur näher zu bringen, durch die wir Gott jetzt wieder uns näher bringen müssen – natürlich ganz zeitgemäß feminin.

  3. Schandor meint:

    Vielleicht wär’s klug, noch ein wenig zu warten, bis man sagen kann, ein/e Prof/x bringt uns GoX näher. GoX, und wie e/r/s/i/e die Welt x.
    Das Dschändern ist der Profx Lust …

  4. Sam Shearn meint:

    Ich finde diese Replik auf Faix unfair. Er hat lediglich behauptet, dass auch dutzende Stellen mit weiblichen Bildern Gott beschreiben, und dass „dass rächäm neben dem Wort Herz (leb) das häufigste gebrauchte (innere) Organ im AT“ sei – nicht, wie Sie behaupten, das häufigste im AT überhaupt. Sie haben dieses Mal seinen Artikel zu flüchtig gelesen.

  5. @Sam: Das ist nicht korrekt. Tobias hat seinen Artikel wahrscheinlich korrigiert. In der mir vorliegenden Version war vom „(inneren) Organ“ keine Rede.

    Liebe Grüße, Ron

  6. Roderich meint:

    Können wir mit der konstruierten Femininisierung nicht beim Teufel und seinen Dämonen anfangen?
    Wenn wir damit fertig sind, schauen wir weiter.

  7. @Sam Shearn: Eine unfaire Replik? Wohl kaum. Schließlich behauptet Faix viel mehr, als dass wir auch die weiblichen Bilder für Gottes Wesen entdecken sollten. Gleich eingangs ist zu lesen, dass die männlichen Gottesbilder dem „patriarchalen Selbstverständnis“ der Autoren entsprungen seien, oder mit anderen Worten: Wir dürfen, ja sollen die biblische Selbstoffenbarung Gottes verbessern. Lewis hat dazu in God in the dock / Gott auf der Anklagebank genug gesagt (aber Moment, war der nicht vielleicht auch ein Frauenverächter?).
    Zu den exegetischen Fragen will ich hier nichts ausführen. Ein starkes Stück bei Faix ist aber auch der Umgang mit dem Thema Frauen in allen kirchlichen Leitungsämtern (ich gehöre selbst einer Kirche mit Frauen in diesen Ämtern an). Ich kann hier überhaupt keinen fairen Umgang mit der ihm nicht genehmen Position erkennen. Sein Gedanke ist einfach – an die Adresse der Gegner der Frauenordination usw.: Wie kann man nur so rückständig sein und an so einem hinterwälderischen Welt- und Menschenbild festhalten. Er zieht eine Linie von frauenverachtenden Äußerungen der Kirchenväter zu den heutigen ‘Konservativen’. Dann sollte er so etwas einmal Timothy Keller (ja, auch dem) oder D.A. Carson oder Jim Packer ins Gesicht sagen: Ändert bloß schnell euer Menschen- und Gottesbild, ansonsten seid ihr für mich Frauenfeinde… Oder brauchen die einfach noch ein bisserl Zeit, bis sie endlich auch zur ‘richtigen’ Erkenntnis kommen?
    Implizit gibt er auch noch zu verstehen, dass diese überkommenen männlichen Gottesbilder schuld an der Entkehrung von Menschen und diversen anderen Problemen in der Gotteswahrnehmung sind. Na wunderbar, kann ich da nur sagen. Tolle Theologie. Dass Ron hier einmal direkt und ausführlich reagiert hat, ist nur zu begrüßen.

  8. Au weia! Wir brauchen – weiss Gott – keine nachträgliche Beweisführung der (neo-)evangelikalen Realität. Frauen dominieren die Gemeinden. Als (erheiternde) Gegenreplik verweise ich auf den Teenie-Beenie-Wheenie-Style. http://hanniel.ch/2014/04/30/gastbeitrag-der-teenie-beenie-wheenie-style/

  9. Sam Shearn meint:

    Lieber Ron, wenn Faix dies verändert hat, dann nehme ich diesen Vorwurf zurück.

  10. Lieber Ron,
    danke für deinen Beitrag, in manchem stimme ich zu, manche sehe ich anders, werde im neuen Jahr etwas genauer darauf eingehen. In einem habe ich mich unpräzise ausgedrückt, rächäm ist das zweithäufigste genannte ‚innere Organ‘ im AT! Natürlich nicht ‚Wort‘, das würde ja keinen Sinn machen. Danke für den Hinweis, habe ich verbessert. Mein Anliegen ist es nicht zu behaupten, dass Gott eine Mutter ist, sondern ich möchte darauf hinweisen, dass es dieses Bild/Seite/Metapher/Hinweise in der Bibel gibt, der Anlass dazu ist ja die Jahreslosung, habe ich mir ja nicht ausgesucht! 😉

    @Holger Lahayne: Ich freue mich, dass Sie für die Frauenordination sind und ihre Kritik, dass die Gegner ein „hinterwälderischen Welt- und Menschenbild“ haben geht ja dann eher an Ron manch anderen Leserinnen und Lesern dieses Blog, oder?
    Und ja, der Sprung von Kirchenväterzitaten zu heute ist groß, keine Frage, das dürfen Sie auch zurecht monieren, ich wollte dadurch nur die Kraft des Weltbildes aufzeigen, in der wir alle stehen (die Kirchenväter werden sonst ja auch zurecht oft zitiert). Zuletzt noch ein Wort zu dem Hinweis auf die Dekonversionsstudie, das sind empirische Ergebnisse, denn dieses „hinterwälderischen Welt- und Menschenbild“ gibt es in mehr Gemeinden als mir und vielleicht auch Ihnen lieb ist. Und dass das für viele ein wichtiges Thema ist, zeigen auch die Reaktionen, ich kann mich nicht erinnern, dass ich in den letzten zehn Jahren wegen einem Blogpost so beleidigt und beschimpft wurde (nicht hier).

    @Hanniel: sehr witzig, kannte ich gar nicht. Danke.

  11. Klaus Neuer meint:

    Sehr geehrter Herr Faix,
    das sie beleidigt werden ist sicher nicht gut. Dennoch sollte man sich nicht über Kritik wundern, wenn man unsauber arbeitet und damit etwas darstellen will, das so nicht haltbar ist. Leider vermittelt ihr Blogbeitrag bei einigen mir bekannten Geschwistern nämlich genau das, dass Gott eine Frau bzw. Mutter ist. Ob das ihre Absicht war oder nicht, spielt dabei keine Rolle, wenn man sich ansieht, wie sie gearbeitet haben. Die Jahreslosung zwingt sie nicht dazu einen solchen Beitrag zu schreiben. Ich kann ihre Aussage „das habe ich mir nicht ausgesucht“ nur als kindische Ironie verstehen. Sollten sie ihren Beitrag wirklich sauber überarbeiten, bin ich wirklich gespannt, was davon übrig bleibt oder wie sie die Kurven kriegen.

  12. Welchen Sinn soll Artikel von T.Faix für die Gemeindearbeit oder den ganz normalen Gläubigen eigentlich haben? Für mich ist das ein Paradebeispiel, wo sich in sehr großer Deutlichkeit zeigt das sich die westliche Theologie in großen Maße nur noch um sich selbst dreht. Der westliche Teil von Europa entfernt sich immer mehr von christlichen Glauben, die Verfolgung der Christen nimmt weltweit immer mehr zu und wie wird darauf im der Theologie reagieren? Bisher nehme ich nur ein vielsagendes Schweigen wahr oder?

  13. Also, ich bin eine Frau und bin gegen die Frauenordination. Nur so viel dazu.
    Für mich ist GOTTES Wort massgeblich und nicht das , was Menschen daraus zu machen versuchen, weil Satan uns nun eben auf diese Weise hauptsächlich von dem geschriebenen Wort Gottes wegziehen will.
    Ich sehe in so manchen Gemeinden, wie Männer sich zurückziehen, wenn Frauen sich zu sehr „vordrängen“ .. ich sehe in sogenannten Teams, wie sehr Männer sich „fürchten“, sich durchzusetzen, weil Frauen greinen und nichts annehmen können wie es eben ist und manipulieren, wo es nur geht und dass es ebenso unter Frauen selbst – so gut wie – keinen Zusammenhalt gibt. Ich sehe, dass es Frauen nach Macht gelüstet.
    Und: ich bin weder studiert, noch habe ich große Ahnung vom Hebräischen, Griechischen … ab und zu treibe ich Wortstudien.
    Aber selbst ich kann erkennen, dass das, was Hr Faix versucht aus den Worten Gottes herauszulesen, die Worte Gottes nicht hergeben.
    Ich traue GOTT zu, da ER ja in Seinem Wort auch sagt, dass ER das Schwache erwählt, auch in Übersetzungen dafür zu sorgen, dass Seine Botschaft ankommt … dass auch Menschen wie ich und noch „einfachere“ … verstehen. Und manchmal ist Sein Wort so „einfach“ – nicht wertend gemeint – und verständlich, dass wir es nicht wahrhaben wollen, weil es uns unser Leben abfordert. Und unser Schubladen denken.
    Ausserdem, was macht man mit Aussagen wie: GOTT ist Geist und will im Geist und in der Wahrheit angebetet werden ?
    Und der Herr Jesus ist eindeutig ein Mann und ist ebenfalls GOTT.
    Und es geht mitnichten letztendlich um weibliche oder männliche Eigenschaften .. sondern um menschliche. Mitgefühl, Liebe, Empathie, Denken … das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun … und genau darum geht es ja.
    Dürfen wir nicht, wie in Galater steht, sagen, dass wir nicht .. noch .. sind in Jesus Christus ? Und was heisst das letztendlich ?.. dass wir alle diese Eigenschaften und Wesenzüge nur vom HERRn bekommen, um so leben zu können, wie es IHM gefällt… und dazu sind all diese Diskussionen um GOTT, den es zu feminisieren gilt, kontraproduktiv… und meines Erachtens nach, überflüssig und schädlich.
    Und entsprechen genau der Verführungstaktik, vor der uns schon das Wort Gottes selbst warnt.
    Möge der HERR Gnade schenken und denen, die meinen, dass soe GOTTES Wort und IHN selbst verbessern könnten, ja müssten, Weisheit schenken und Umkehr.
    Allen hier Segen für das Neue Jahr und Bewahrung.

  14. @ Ron: vielen Dank für Deine Klarstellungen
    zum Ausgangstext:

    Die erste Schwierigkeit bei dem Artikel von Tobias Faix besteht darin, dass wir die
    Botschaft von damals vom Vaterherzen Gottes nicht kennen. Ich kenne selbst solche Botschaften zu diesem Thema, wo Gott zu sehr mit einem irdischen Vater gleichgesetzt wurde. Dann entstehen die beschriebenen Irritationen. Zwischen einem irdischen und dem himmlischen Vater gibt es nach der Schrift signifikante Unterschiede. Deshalb kann auch das Beispiel des irdischen Vaters für den himmlischen Vater nur ein Bild sein. So ist es dann auch kein Problem wenn ein in überwiegender Art und Weise als Vater dargestellter Gott gleichzeitig Liebe wie eine Mutter aufbringen kann. Das war für mich noch nie ein Problem oder ein Widerspruch.
    Zum Selbstverständnis der Frau in der Gemeinde: Probleme wie von Tobias Faix beschrieben entsteht erst dann, wenn die göttliche Ordnung (Gleicher Wert der Geschlechtern, aber unterschiedliche Aufgaben) nicht eingehalten wird. (Auch ist es die Frage, ob man von 7 Frauen in einer Untersuchung auf den ganzen evangelikalen Bereich schliessen kann.) Das ist ein Punkt, der in der evangelikalen Verkündigung in der Regel so gut wie keine Rolle mehr spielt. Dies gilt übrigens auch für andere Punkte, bei denen ich meinen Stand annehmen darf, wie z.B. Herkunftsfamilie, Rasse, finanzielle Möglichkeiten, Bildung etc. Es würde sehr viel Segen entstehen, wenn Tobias Faix sich in dieser Richtung engagieren würde. Aus unseren Gemeinden würde viel Frust und Unzufriedenheit verschwinden, wenn wir mehr lernen unseren Ausgangspunkt auf dieser Welt anzunehmen und dann uns durch die verändernde Kraft Seiner Liebe prägen lassen würden.

  15. Volker meint:

    Das erinnert mich an die Predigt eines afrikanischen Pastors, der uns Deutsche davor gewarnt hat, dass der Teufel uns mit Elfenbeinturm-Diskussionen von unserem Auftrag als Christen abhalten möchte. In Deutschland sind nur 2% Christen… und wir beschäftigen unsere Gedanken mit solchen Diskussionen, das finde ich bezeichnend!

  16. Roderich meint:

    @Volker,
    diese Elfenbeinturm-Diskussion zu initiieren geht in der Tat an Gottes Prioritäten vorbei. Jeder, der sich heute für eine postmodernere Theologie einsetzt, ist offenbar nicht sehr von der Kraft von Gottes Wort in der jetzigen Form überzeugt.
    Hingegen eine potentielle Lehrverirrung zu tadeln ist keine Zeitverschwendung. Der Kampf um die richtige Lehre war den Aposteln stets von großer Wichtigkeit. Auch afrikanische Pastoren müssen sich die richtige Lehre einsetzen.

  17. Christian meint:

    Volker,

    danke für Deinen Einwurf.
    Das müssen wir uns tatsächlich beständig vor Augen halten: Dass wir uns nicht in Belanglosigkeiten verlieren und das Wesentliche im Blick behalten.

    Ich sehe die Gefahr hier allerdings nicht gegeben. Das Wesen Gottes, seine Eigenschaften, sind aus meiner Sicht absolut wesentlich. Sonst laufen wir Gefahr, dass wir bei allen Evangelisationsbemühungen die Menschen zu einem Gott rufen oder in der Anbetung einen Gott anrufen, der weniger dem Gott der Bibel, sondern mehr unseren eigenen Vorstellungen entspricht.

    So ist es mein Wunsch und meine Hoffnung für 2016, dass wir in Deutschland mehr – vor allem aber auch: schriftgemäßer – evangelisieren. Leider haben viele deutschsprachige Traktate und Predigten in meinem geografischen Umfeld nur wenig mit dem Gott zu tun, der sich mir in der Bibel offenbart.

    Lieben Gruß
    Christian

  18. Johannes Strehle meint:

    Gut, dass Ron sofort auf den Artikel reagiert und sich die Arbeit gemacht hat, Anmerkungen zu den Bibelstellen zu schreiben, auf die sich der Artikel stützt. Er hat den Artikel damit im ersten Anlauf zerlegt. Vielleicht ist Tobias Faix das nächste Mal etwas vorsichtiger, wenn er damit rechnen muss. Seine Antwort spricht für sich. Ich schließe mich Klaus Neuer an.
    Lohnt sich die Auseinandersetzung mit Faix?
    Wir müssen wie Elia dafür kämpfen, dass möglichst viele der wenigen Christen in diesem Land Licht und Salz sind und nicht auf die Priester hereinfallen, die dem Volk Gottes die Qualitäten des Zeitgeistes andienen wollen. „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn jedoch das Salz seine Kraft verliert, womit soll man sie ihm wiedergeben? Es taugt zu nichts anderem mehr, als weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.“ „Weil du weder warm noch kalt bist, werde ich dich aus meinem Mund ausspeien.“
    Für Christen, für die die Bibel Gottes Wort ist, ist es selbstverständlich, dass auch die femininen Eigenschaften ihren Ursprung in Gottes Wesen haben. Allerdings wissen wir dank der Gender-Ideologie, dass die besondere Ausprägung der femininen Eigenschaften bei Frauen auf die Sozialisation durch ein überholtes Rollenklischee zurückzuführen ist. Und durch die Projektion dieses überholten Rollenklischees will uns Prof. Faix nun neue Einsichten über das Wesen Gottes vermitteln. Er erweist sich damit als echter Evangelikaler, der dem Zeitgeist hinterherhinkt, während die EKD an der Spitze marschiert.

    Ich habe mir den Überblick über die Inhalte des Instituts für Transformationsstudien, an dem Prof. Faix lehrt, angesehen. Mir fiel spontan ein, was Kierkegaard über die Theologieprofessoren geschrieben hat. Dieses Studienprogramm wird mindestens die Welt verändern. Ich stelle mir vor, welche Wirkung die Propheten Israels, Jesu Schüler und Paulus oder die Reformatoren, Hudson Taylor und viele andere hätten haben können, wenn sie diese Studien absolviert hätten. Mein Vorstellungsvermögen versagt jedoch bei Jesus selbst. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er zum Tod verurteilt worden wäre, wenn er die Kenntnisse der Gesellschaftstranformation beherrscht hätte. Als Beispiele nenne ich nur Modul 4: Theologie der Gesellschaftstransformation und Modul 7 Veränderungsprozesse nachhaltig gestalten.
    Ich schlage vor, nach Übungen in Berlin-Neukölln und im Duisburger Norden in Nordkorea, im Nahen Osten und Nigeria zu beginnen. Dort sind nachhaltige Gesellschaftstransformationsprozesse besonders dringend und wichtig. Ich warte gespannt auf eine neutrale Evaluation.

    Im Übrigen schließe ich mich Schandor und Roderichs erstem Beitrag an.

  19. Confessor Reformatus meint:

    Naja, ich habe ne Erklärung: Faix ist bestimmt ein Fan von (der kinderlosen, aber ihr freundliches Gesicht zeigenden) „Mutti“ und da möchte er jetzt nun -damit die „Ewiggestrigen“ es begreifen – dies als Anlass, also quasi kulturellen Anknüpfungspunkt nehmen, um uns die vermeintliche Mutterseite Gottes nahezubringen.
    Demnächst erklärt er uns bestimmt noch, dass Allah, Buddha, Krischna und Karl Marx alles Emanationen des „einen Gottes“ seien.
    Die spinnen, die Emergenten!

  20. Mario T. meint:

    @Rolf Eicken: Einen Zusammenhang zwischen Tobias Faix Ausführungen zum Mutterherz Gottes und der „YWH und seine Aschera“ Inschriften sehe ich nicht. Im alten Orient waren männliche Gottheiten in der Regel „verheiratet“. Als Gefährtin Jahwes ist die Aschera allerdings nur in Ostraka aus Kuntillet Ajrut bezeugt. In Ugarit ist sie die Gefährtin Els, des Gottes an der Spitze des ugaritischen Pantheons. Die israelitische(n) Religion(en) im 9./8. Jahrhundert war(en) alles andere als einheitlich. Das geht aus dem biblischen Befund als auch der Archäologie hervor. Kuntillet Ajrud ist weit weg von Jerusalem. Eine Adaption und Anpassung des „Jahwismus“ an die gängigen Vorstellungen ist wohl der Hintergrund dieser Inschriften.

  21. daniel meint:

    Jetzt habe ich bereits mehrere Texte und Andachten zur schönen Jahreslosung gelesen, manche illustriert mit Plüschteddys, Pflastern usw. Wenn ich jedoch im Kontext von Jesaja weiterlese, wird jedoch deutlich, dass der Trost ein anderer ist: „Denn sieh, der HERR wird im Feuer kommen (V.15),…die der HERR erschlagen hat, werden zahlreich sein (V. 17), …. die von ihnen entkommen sind, werde ich zu den Nationen senden (V.18), …und sie werden meine Herrlichkeit kundtun bei den Nationen (V.19).“ Mit anderen Worten: der Trost für sein Volk geht einher mit dem Gericht an den Nationen und der letztendlichen Aufrichtung des Friedensreiches.
    Ebenso heißt es im NT vom Heiligen Geist als Tröster/Fürsprecher, dass er die Welt überführen wird von Gericht (Joh 16,8).
    Kann es sein, dass die eigentlich unbequeme Seite der Jahreslosung nicht im Verhandeln mütterlicher und väterlicher Gottesbilder liegt, sondern im Zusammenhang des rettenden, tröstenden und richtenden Handelns Gottes zu suchen ist?

  22. @Rolf Eicken und Mario T.

    Welcher Zusammenhang vor welchem religionsgeschichtlichen Hintergrund auch immer zwischen Jahwe und Aschera in jenen wenigen Inschriften gemeint ist, schließt die Philologie – die eigentlich weitergehende literarische und geistesgeschichtliche Interpretationen determinieren und informieren sollte, allzu oft aber zugunsten solcher schöngeistigten Konstruktivitäten vernachlässigt wird – eine Übersetzung „Jahwe und seine Aschera“ aus, da (nordwest-)semitische Pronominalsuffixe (-hu = „seine“) nicht bei (in sich schon determinierten) Eigennamen stehen können. Das „-h“ im Namen muss also anders erklärt werden, zB analog zu „-h“ in „jhwh“ (so Tropper, Vetus Testamentum 51.1 (2001), 100f)

  23. Johannes Strehle meint:

    @ Confessor Reformatus
    Ich denke, die Erklärung geht in die richtige Richtung.
    Die „Vaterlose Gesellschaft“ wird um die „Mutterlose Gesellschaft“ erweitert.
    Die Aversion führender Feministinnen gegen die Frau als Mutter
    ist in dem Teil der Gesellschaft angekommen,
    den die führenden Politiker und die meisten Journalisten
    für die Gesellschaft halten.
    Die praktische Lücke soll die linke Mama Staat, die Vater Staat abgelöst hat, füllen.
    In den vorbildlichen USA sind Leihmütter bereits normal.
    Für den mythologischen Rest sind die Kirchentage zuständig:
    Mutter Erde, Mutter Gott.
    Auf die Probleme, die Mama Staat verursacht, reagiert sie mit
    Moralpredigten,
    Buddha-Lächeln,
    dem Hinweis auf Kismet (Da kann man nichts machen, Allah hat es so gewollt)
    Mantras und
    dem 15. Nothelfer Erdogan.
    Der Rest ist nacheilender Gehorsam der deutschen Kinder.

  24. rolf eicken meint:

    @Jörg,
    herzlichen Dank für Ihre hoch interessante philologische Einordnung, zumal Tropper ein Altorientalist ersten Ranges ist, mit Schwerpunkt Ugarit und Semistik.
    Ich habe meinen Beitrag auch mehr unter dem sozialgeschichtlichen Aspekt gesehen.Es ist hier sicher auch eine Frage der ethnologischen, sowie theologisch-politischen Perspektive, da ich offensichtlich in einen Tabubereich gekommen bin, ohne dies explizit zu wollen. Offensichtlich ist jedoch, dass im Vorderen Orient im Laufe der Zeit die weibl. Göttinnen immer mehr verschwanden und dr. männl. Götter ersetzt wurden, – eine Parallele zu unseren heutigen Zeit mit vertauschten Vorzeichen.

  25. Mario T. meint:

    @Jörg: Die Undenkbarkeit suffigierter PN oder GN im Althebräischen ist durchaus bekannt. Deshalb gibt es schon seit längerem die Annahme dass „seine Aschera“ sich nicht auf die Gottheit selbst sondern das Kultobjekt bezieht (gleichzeitig gibt es Belege aus Ebla und evtl. auch aus Ugarit, die suffigierte GN bezeugen). Mir ist auch nicht ganz klar wo die Analogie zum „-h“ bei „lyhwh“ liegen soll? Ich kann da kein analoges Suffix erkennen.

    (Vgl. Heide, Martin: Die Theodoren Personennamen der Kuntillet-A’grud Inschriften. In: Die Welt des Orients 32, 2002, S.110-120)

  26. @Mario
    Ja eben – laut Tropper ist das eine -h genauso wenig ein Suffix wie das andere. Egal ob man seiner Erklärung folgen will, ist es doch eine interessante Parallele, dass in beiden Fällen die Form ohne h entweder die ursprünglichere ist (jhw(h)) oder die allgemein anerkannte und auf jeden fall auch ursprüngliche (at_rt(h)), siehe Ugarit.

    Da der Altvorderorientale meines Wissens nach nicht klar zwischen Götterbild und Gottheit unterschied – sondern sein EInkleiden, Bekochen usw. des Götterbilds als eine Handlung an der Gottheit verstand – fände ich es seltsam, wenn Jahwes Götterbild als „Aschera“ bezeichnet wird, bzw. konstruiert. GIbt es denn altvorderorientalische Parallelen für eine solche Praxis bzw. Formulierung?

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  1. […] Kontroverse ausgelöst. Ron Kubsch hat 30 Belegstellen exegetisch unter die Lupe genommen und eine Replik veröffentlicht. Ich bin überzeugt, dass es hier um mehr als um unterschiedliche "Denkstile" oder […]

  2. […] darauf antwortete Ron Kubsch auf diesen Beitrag auf seinem Blog. Er ist alle Stellen einzeln durchgegangen und hat sie daraufhin untersucht, ob diese Stellen Gott […]

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