T. Kellers neues Buch: Center Church

61YKVVeOaEL._AA115_.jpgNächste Woche erscheint Tim Kellers neues Buch:

Ich konnte bereits reinschauen und glaube, dass wir eine instruktive und wichtige Ressource für den Gemeindebau in Großstädten in die Hand bekommen. Selbst Leute – die wie ich – Keller kritisch lesen, sollten sich seine Ausführungen genauer anschauen.

Hier schon mal das Inhaltsverzeichnis mit einer Einleitung und das Kapitel 10 zum Thema Kontextualisierung. Keller stellt in einem kurzen Video das Buch vor:

 

Kommentare

  1. Johannes G. meint:

    Hallo Ron,

    Selbst Leute – die wie ich – Keller kritisch lesen, sollten sich seine Ausführungen genauer anschauen.

    Sollte man das nicht bei allen Büchern tun? Ich würde sogar sagen gerade denen, welche die eigene Position bestätigen 😉 Davon abgesehen würde es mich interessieren, in welchen zentralen Punkten du mit Keller nicht einig bist.

    Liebe Grüße
    Jo

  2. @Johannes G.: Ganz der Heidegger: „Besinnung ist der Mut, die Wahrheit der eigenen Voraussetzungen und den Raum der eigenen Ziele zum Fragwürdigsten zu machen.“ Ist natürlich was dran. Wir lesen wahrscheinlich alle einige Bücher prüfender als andere.

    Zentrale Punkte? Ich habe einige Bedenken in den Rezensionen zu Kellerbüchern untergebracht, z.B. hier: http://www.evangelium21.net/wp-content/uploads/2011/12/Kubsch_Tim_Keller.pdf.

    Liebe Grüße, Ron

  3. Johannes G. meint:

    Lieber Ron,

    danke für den Link. Aber so weit wie Heidegger würde ich dann nicht ganz gehen 😉 Wenn ich das richtig verstehe gehört zu deiner Kritik maßgeblich die „Ursprungsfrage“ bzw. das „Schöpfungsverständnis“. Sicher ein problematischer Bereich, aber ich kann deine Einwände gut nachvollziehen. Ich persönlich habe jedoch eher bei den folgenden Aussagen Bauchschmerzen:

    Vielleicht spielen Sie ernsthaft mit dem Gedanken, an Jesus Christus zu glauben. Wie soll es nun weitergehen (S. 267)

    Ehrlich gesagt verstehe ich diesen Satz nicht. Entweder bin ich von etwas überzeugt bzw. stimme dem zu und glaube daran, oder nicht. Ich kann mich aber nicht einfach dazu „entscheiden“ etwas zu glauben oder auch jemandem einfach zu vertrauen. Bzw. etwas „technischer“ ausgedrückt: Entweder sind meine Zweifel größer, kleiner oder vielleicht sogar gleich 0,5. D.h. natürlich müssen nicht alle Zweifel beseitigt sein, was praktisch wohl auch unmöglich ist. Wenn ich meine (intellektuellen) Zweifel aber weiter ausräumen oder bekämpfen möchte, brauche ich mehr Informationen durch z.B. Bibelstudium, Predigt, apologetische Literatur oder persönliche Gespräche. Ansonsten sind wir wieder bei Kierkegaard.

    Jesus lädt Sie ein, damit anzufangen, alles in ihrem Leben auf ihn auszurichten, so wie er selber sich für sie hingegeben hat. Wenn Sie diese Einladung annehmen, werden alle ihre Beziehungen anfangen, heil zu werden. […] Doch wenn wir sehen, wie Jesus auf uns zugeht und uns mit seiner undendlichen, sich selbst gebenden Liebe umfängt, sind wir eingeladen, unser Leben auf ein ganz neues Fundament zu stellen. Wir können ihn zur neuen Mitte unseres Lebens machen und aufhören unserer eigener Herr und Erlöser sein zu wollen. Wir können seine Aufforderung, uns als Sünder zu erkennen, die seine Erlösung brauchen, als die Basis unserer Identität annehmen – und seine alles neu machende Liebe (S.261)

    Um die ausgestreckte Hand Christi zu packen, brauchen Sie nicht darauf zu warten, bis auch ihre letzten Zweifel und Ängste weg sind. (S.275)

    Das hört sich für mich nicht so recht „reformiert“ an. Ich dachte „wir können gar nichts“ und wären tot in unseren Sünden. Und ist das Evangelium tatsächlich eine „Einladung“? Bei Keller können wir hingegen mit allem möglichen anfangen oder aufhören. Ich habe ja schon des Öfteren angemerkt, dass ich kein Calvinist bin. Aber diesen Aussagen kann auch ein Thomist sicher nicht zustimmen.

    Abgesehen von diesen „arminianischen Tendenzen“ sehe ich aber vor allem darin ein Problem, dass Keller zum Schluss zwar einerseits kurz erwähnt, dass Gott uns „findet“, aber wir andererseits für unsere Rettung dann doch noch etwas „tun müssen“ bzw. eine aktive Reaktion (s. die Zitate oben) erforderlich ist. Aus dem einfachen „Glauben“ werden bei Keller dann zwei oder drei „Schritte“, die ein Mensch zu „erledigen“ hat, wenn er Christ werden bzw. sein möchte. Ich halte Kellers Position, sofern ich ihn richtig verstehe, in dieser Hinsicht für inkonsistent bzw. seine Ausführungen dazu mindestens für problematisch.

    Liebe Grüße
    Jo

  4. @Johannes G.: Danke. Ich kann in Deine Bedenken teilweise einstimmen. Keller bemüht sich sehr um das Entgegenkommen und überzieht dabei gelegentlich. Deshalb auch seine vielen „Anknüpfungszitate“ an aktuell prominente Autoren.

    Was letzte Zweifel und Ängste anbetrifft, möchte ich K. allerdings verteidigen. Glauben hat etwas damit zu tun, sich gegen Ängste etc. zu entscheiden.

    Der reformierten Position liegt keineswegs daran, den Menschen verantwortungslos zu machen. Dies zu unterstellen, war und ist das Anliegen der Anti-Calvinisten (die ja oft Calvin nicht sorgfältig gelesen haben). Wenn Keller dafür wirbt, Gott aktiv zu suchen oder Buße zu tun, verlässt er keinesfalls den biblischen Boden. Auch Calvin spricht von der Einladung zum Glauben. Z.B. III,2,7: „Es wäre vermessene Kühnheit, wollten wir behaupten, Gott sei uns gnädig – wenn er es nicht selbst von sich bezeugte, uns mit seiner Einladung zuvorkäme, damit sein Wille nicht zweifelhaft und dunkel sei! Wir haben aber schon gesehen, daß das einzige Unterpfand der Liebe Gottes Christus ist; ohne ihn erscheinen allenthalben bloß Zeichen des Hasses und des Zorns!“ oder III,20,13: „Haben wir dies Doppelte (Gebot – Verheißung) festgestellt, so ist es zugleich sicher, daß alle, die Ausflüchte suchen, um nicht geradewegs zu Gott zu kommen, nicht nur widerspenstig und ungehorsam, sondern auch ihres Unglaubens überführt sind, weil sie ja den Verheißungen kein Vertrauen schenken! Das ist besonders zu bemerken, weil die Heuchler unter dem Deckmantel der Demut und Bescheidenheit Gottes Gebot hoffärtig verachten und zugleich seiner freundlichen Einladung den Glauben verweigern, ja, ihn damit des vornehmsten Stücks seiner Verehrung berauben.“

    Liebe Grüße, Ron

  5. Johannes G. meint:

    Hallo Ron,

    danke für die Erläuterungen 🙂 Bezüglich der Zweifel und Ängste haben wir uns ggf. missverstanden. In dieser Hinsicht liegen wir meiner Einschätzung nach auf einer Linie.

    Deine Erklärungen zum Calvinismus kann ich auch nachvollziehen. Ich hoffe zudem, dass ich in meinen bisherigen Postings hier deutlich machen konnte, dass ich einen konstruktiven Dialog suche und mir nicht daran liegt, den Calvinismus oder gar einzelne Calvinisten zu verunglimpfen. Aber ich sehe eben u.a. nach wie vor nicht, wie persönliche Verantwortung zusammen mit dem theologischen Fatalismus, wie ihn z.B. Jonathan Edwards und viele andere Calvinisten vertreten haben und noch vertreten, einen Sinn ergibt. Ich melde mich dazu in den nächsten Wochen noch mal ausführlicher per Mail mit meinen Anmerkungen zum Buch von Thaddeus J. Williams.

    Liebe Grüße
    Jo

  6. @Joahnnes: Konstruktiv? Absolut!

    Was Williams anbetrifft, können wir gern noch einige Monate warten. Erfreulicherweise habe ich von ihm und seinem Verlag die Rechte für eine Übersetzung erhalten und ein netter Freund schwitzt bei der Umsetzung. Wie Du weißt, ist der Text schwer zu übersetzen.

    Liebe Grüße, Ron

  7. @Johannes: Ich muss bei Deinem Begriff „theologischer Fatalismus“ jetzt doch etwas schmunzeln und lege nochmals nach: Du glaubst doch bestimmt auch daran, dass Gott Gebete erhört, er also z.B. Herzen erleuchten (Eph 1,18) oder Augen öffnen (2Kön 6,17) kann. Wir beten ja, weil wir (hoffentlich) davon überzeugt sind, dass Gott handelt. Meiner Meinung nach ist damit gezeigt, dass (a) ein Christ kein Fatalist ist und (b) ein erhörtes Gebet (z.B. dafür, dass X Gott findet), die Person X nicht nötigt. Zugleich wird es schwer sein, ein erhörtes Gebet mit dem freien Willen von X zu erklären. X findet Gott (aktiv), da Gott ihn zieht (Joh 6,44).

    Liebe Grüße, Ron

  8. Johannes G. meint:

    Lieber Ron,

    wenn es dich zum „Schmunzeln“ bringt, kann ich damit leben – das ist allemal besser, als wenn es dich „erzürnt“ 😉 Mein Problem ist ja gerade, dass das philosophische Grundgerüst des Calvinismus sich mit diversen „praktischen“ Lehren und biblischen Aussagen nicht verträgt. Ich bin nach meinen bisherigen Studien der Ansicht, dass der – um es etwas „schwächer“ zu formulieren – theologische Kompatibilismus eine zu starke bzw. unnötig enge Annahme ist, die zu biblischen und philosophischen Problemen führt. Ich meine wir sind uns doch zumindest darüber einig, dass die Mehrheit der christlichen Philosophen wie Swinburne, Craig, Moreland, Plantinga, Van Inwagen, Flint etc. nicht grundlos oder aufgrund rein persönlicher Präferenzen den (theologischen) Kompatibilismus ablehnen. Gegen den Kompatibilismus lassen sich einige sehr starke Argumente anführen, die Williams leider gar nicht diskutiert.

    Das Konzept der libertären Willensfreiheit, wie es z.B. von Craig, Moreland, Flint und Plantinga vertreten wird, halte ich hingegen ebenfalls für zu stark und zu vereinfacht. Unter anderem aus den Gründen, die Williams in seinem Buch aufführt. Das Hauptproblem an Williams Buch sehe ich aber darin, dass er Willensfreiheit zu eng fasst, bzw. es so darstellt, als könnte sich der Leser nur zwischen PAP oder dem Kompatibilismus entscheiden. Williams attackiert jedoch nicht das grundlegende Konzept der Willensfreiheit sondern PAP. Um es ganz kurz vorwegzunehmen: Ich gehöre mit z.B. Eleonore Stump, David P. Hunt aber auch Wachter und einigen klassischen Philosophen wie Aquinas oder Anselm zu der ggf. etwas kleineren Gruppe von Libertarianern, die PAP als substantielle bzw. notwendige Eigenschaft von Willensfreiheit ablehnt. Das macht mich aber, wie Williams fälschlicherweise annimmt, keinesfalls automatisch zu einem Kompatibilisten. Aber dazu dann demnächst mehr 🙂

    Liebe Grüße
    Jo

  9. Johannes G. meint:

    PS: Dass dein Freund bei der Übersetzung „schwitzt“ kann ich gut nachvollziehen. Ich sitze zwar an der Quelle (habe zwei sehr gute Übersetzer in meinem näheren Freundes- und Bekanntenkreis – einer hat übrigens Tim Kellers Buch, aus welchem ich oben zitiert habe, übersetzt 😉 ), aber ich habe die Zitate von Williams bei meinerAbhandlung im Original belassen. Ich hoffe das ist OK 😉

  10. @Johannes: Ich verstehe. Jetzt tauchen wir ein in die wirklich tiefen Ozeane. Na, dann können wir ja bei Übersetzungsproblemen bei Dir Hilfe holen. 😉

    Liebe Grüße, Ron

  11. Johannes G. meint:

    @Ron: Falls ich euch irgendwie unterstützen kann, mache ich das gerne. Vielleicht werde ich mit meinem Text auch früher fertig. Leider endet mein Urlaub heute… 😉

    Ich kann auf Wunsch bzw. bei Bedarf auch gerne einen Kontakt zu Herrn Lux herstellen. Der ist zwar kein Philosoph, hat aber zumindest auch schon Werke wie „The Reason for God“ von Keller übersetzt 🙂

    Liebe Grüße
    Jo

  12. @Johannes G.: Danke, vielleicht kommen wir darauf zurück! Dir einen guten Wiedereinstieg in den Alltag.

    Liebe Grüße, Ron

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