Autorenname: Ron

Die Didache und der Schwangerschaftsabbruch

Die Didache, auch „Die Lehre des Herrn durch die zwölf Apostel für die Heiden“ genannt – ist eine frühchristliche Schrift, die wahrscheinlich im 1. Jahrhundert nach Christus entstanden ist. Sie gibt Einblick in das Gemeindeleben und die Ethik der ersten Christen. Ich zitiere das 2. Kapitel: 

2.1. Das zweite Gebot der Lehre aber: 2. Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht Knaben schänden, du sollst nicht huren, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht Zauberei treiben, du sollst nicht Gift mischen, du sollst nicht ein Kind durch Abtreibung morden, und du sollst das Geborene nicht töten. 3. Du sollst nicht begehren das (Eigentum) deines Nächsten, du sollst nicht falsch schwören, du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen, du sollst nicht schmähen, du sollst Böses nicht nachtragen. 4. Du sollst nicht wankelmütig sein und nicht doppelzüngig; denn eine Schlinge des Todes ist die Doppelzüngigkeit. 5. Dein Wort soll nicht erlogen sein, nicht leer, sondern voller Tat. 6. Du sollst kein Habgieriger sein, auch kein Räuber, auch kein Heuchler, auch nicht boshaft, auch nicht hochmütig. Du sollst keinen bösen Entschluß fassen wider deinen Nächsten. 7. Du sollst keinen Menschen hassen; vielmehr sollst du die einen zurechtweisen, für die anderen sollst du beten, wieder andere sollst du lieben mehr als dein Leben.

Das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper

Der TheoBlog beschäftigt sich nur am Rande mit politischen Ideen und Parteien. Trotzdem möchte ich heute auf das neue Grundsatzprogramm von Bündnis 90 / Die Grünen verweisen und dazu anregen, dieses wenigstens zu überfliegen. Wer nach der Lektüre noch daran zweifelt, dass die Grünen (neben anderen Parteien) vorhaben, eine neue Leitkultur zu etablieren, muss meines Erachtens schon sehr kulturmarxistisch vereinnahmt sein.

Laufend springt einem die neue Moral ins Auge, die durch den Staat, also von oben, für alle Bürger verbindlich gemacht werden soll. Beispielsweise wird mehrfach betont, dass gesellschaftlich vorgegebene Rollenbilder zu Ungleichheit und persönlichem Leid führen und von daher zu überwinden sind. Schaut man genauer hin, soll ein gewachsenes Verständnis von Mann, Frau und Familie (das in der Verfassung noch klar erkennbar ist) durch die Politik umgelenkt und neu formatiert werden. Für diese Umerziehung werden Freiheit suggerierende Begriffe gewählt: Es geht um Vielfalt und vor allem um Selbstbestimmung. Freilich wird dem Selbst vorgeschrieben, wie es sich zu bestimmen hat. (Nebenbei: Hat mal jemand überprüft, wie viel Leid und Kosten die Verflüssigung und Zerstörung von persönlicher Identität, verursacht?)

Besonders betroffen macht mich der Absatz 195. Was ich in diesem Beitrag zur Kultur des Todes noch vermutet hatte, ist hier bereits programmatische Wirklichkeit: Das Bündnis 90 / Die Grünen setzt sich im Entwurf des Grundsatzprogramms für die völlige Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen ein. Zitat:

Das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das eigene Leben muss für Frauen und Mädchen uneingeschränkt gelten. Dieses Recht zu realisieren ist Teil einer guten Gesundheitsversorgung. Schwangerschaftsabbrüche haben nichts im Strafgesetzbuch verloren. Intergeschlechtliche- und transsexuelle Menschen haben ausschließlich selbst das Recht, ihr Geschlecht zu definieren.

Den ungeborenen Kindern im Mutterleib wird eine Identität und der Wille zum Leben einfach abgesprochen. Kurz: Das Kind darf vernichtet werden, es verdient keinen rechtlichen Schutz. Das ist kulturlos, außerordentlich perfide und barbarisch!

Aber wer interessiert sich heute noch für Grundsatzprogramme? Politischer Wahlkampf läuft über Bilder, Gefühle, Videoclips und Twitter-Einträge. So ist es für Parteien viel einfacher, ihre Interessen durchzusetzen.

Udo Schnelle: Die Kirche verleugnet ihre Grundlagen

Professor Udo Schnelle (Halle) hat in der FAZ die vielen Kirchenaustritte sehr pointiert kommentiert (FAZ vom 10.07.2020, Nr. 158, S. 18). Hier ein Auszug:

[Die EKD] orientiert sich seit Jahren nur noch an Themen aus dem linken Politikspektrum, die fast ungefiltert übernommen werden: Flüchtlingsfrage, Genderpolitik, Gerechtigkeit auf allen sozialen und politischen Ebenen, Klimafrage, Globalisierung und vieles mehr.

Diese Fragen sind überaus wichtig, sie bedürfen mehr denn je einer Lösung, aber die kann nur die politische Vernunft herbei führen. Die Kirche hat auf diesen Feldern kein Spezialwissen, auch wenn sie immer wieder versucht, ihre moralische Überlegenheit zu demonstrieren (zum Beispiel in der Flüchtlingsfrage). So wird die Kirche immer mehr zu einem beliebigen Sozialverein, der einzelne Gruppeninteressen bedient, dessen Konturen unscharf sind und dessen Botschaft sich von Parteislogans nicht mehr wirklich unter scheidet. Das Diesseits ist der einzige Bezugspunkt geworden, und von hier erhofft man das Überleben.

Ein fataler Irrtum, denn im Christentum gehören Diesseits und Jenseits untrennbar zusammen, denn es ist Gottes Welt, die er in Jesus Christus erlöst hat. Der evangelischen Kirche droht ihre Identität verloren zu gehen, weil die Ethik an die Stelle der Metaphysik getreten ist; weil von der befreien den und heilenden Kraft des Glaubens nur noch in politischen und nicht mehr in geistlich-theologischen Kontexten gesprochen wird und vor allem, weil die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nicht mehr ernst genommen wird.

Kultur des Todes (12): Die Pflicht zur Abtreibung

Auf den ersten Blick ist es eine düstere, ja ungeheuerliche Botschaft: Die Landesregierung in Baden-Württemberg, eine Koalition aus Grünen und CDU, prüft, ob Neueinstellungen an Unikliniken davon abhängig gemacht werden können, dass Ärzte bereit sind, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Das Wochenmagazin Die Zeit meldet:

Man prüfe etwa, ob Neueinstellungen davon abhängig gemacht werden könnten, dass Ärzte bereit seien, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen, sagte sie. Bei jungen Ärzten setze man zudem darauf, sie über Weiterbildungen dafür zu sensibilisieren, dass Abtreibungen zur Arbeit dazugehörten. Als Landesregierung habe man eine Verantwortung bei der Versorgung in diesem Bereich, sagte die Grünenpolitikerin. „Es gibt immerhin einen im Gesetz festgeschriebenen Sicherstellungsauftrag.“

Meines Erachtens ist dieses Ansinnen moralisch verwerflich und verfassungswidrig. Ärzte sollen durch eine Regierung gezwungen werden, eine gesetzwidrige Handlung durchzuführen? Man muss kein Prophet sein, um anzukündigen, dass viele Politiker in Deutschland in den nächsten Jahren massiv an der Abschaffung des Paragraphen 218 arbeiten werden. Der Bundesfrauenrat von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN fordert schon lange, den Schwangerschaftsabbruch vollständig aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Die EU will noch weitergehen und Abtreibung als Teil eines Menschenrechts auf Gesundheitsversorgung verstehen.

Auf den zweiten Blick lässt sich aus dem Vorhaben aber doch etwas Ermutigendes herauslesen. Junge Ärzte haben gegenüber der Tötung von Kindern im Mutterleib inzwischen mehr Vorbehalte als ihre Vorgänger. Die Staatssekretärin im Landessozialministerium von Baden-Württemberg, Bärbl Mielich, sagte der taz:

Ja, wir sehen doch, dass der Generationenwechsel spürbar wird. Viele derjenigen, die heute Schwangerschaftsabbrüche durchführen, sind 60 Jahre und älter. Und es gibt nicht viele, die bereit sind, ihnen nachzufolgen.

Wunderbar! Wenn doch da nicht die Umerziehung der Ärzte auf der Agenda stünde. Denn Mielich sagte weiter: „Das Hauptproblem ist ja, dass wir die jungen Ärztinnen und Ärzte dazu bekommen müssen, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Da setzen wir darauf, dass sie über Weiterbildungen sensibilisiert werden, dass das zu ihrer Arbeit dazugehört.“

VD: WR

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Klima der Intoleranz

Bundeskanzlerin Merkel sieht keine Bedrohungen für die Meinungsfreiheit in Deutschland. 150 Intellektuelle und Prominente sehen hingegeben Indizien für einen Verlust der Redefreiheit in der westlichen Welt, zu der – hoffe ich – Deutschland immer noch gehört. Sie schreiben in einem Offenen Brief:

Unsere Kulturinstitutionen stehen vor einem Moment der Prüfung. Mächtige Proteste für rassistische und soziale Gerechtigkeit führen zu überfälligen Forderungen nach Polizeireformen sowie zu umfassenderen Forderungen nach mehr Gleichheit und Inklusion in unserer Gesellschaft, nicht zuletzt in den Bereichen Hochschulbildung, Journalismus, Philanthropie und Kunst. Diese notwendige Abgrenzung hat aber auch eine Reihe neuer moralischer Einstellungen und politischer Verpflichtungen verstärkt, die dazu neigen, unsere Werte der offenen Debatte und der Duldung von Unterschieden zugunsten der ideologischen Konformität zu schwächen.

Die Welt schreibt dazu:

Die Unterzeichner kritisieren: „Redakteure werden entlassen, weil sie umstrittene Texte veröffentlicht haben; Bücher werden wegen angeblicher Inauthentizität zurückgezogen; Journalisten dürfen nicht über bestimmte Themen schreiben; gegen Professoren wird ermittelt, weil sie im Unterricht literarische Werke zitiert haben.“

Damit wollen sich die Verfasser gegen ein Phänomen wehren, das in den USA „cancel culture“ genannt wird. Gemeint ist, Personengruppen, mit denen eine andere Gruppe nicht einverstanden ist, zu „canceln“, also Termine mit ihnen abzusagen oder ihre Entlassung zu fordern.

Der Appell der Unterzeichner ist eine offene Kritik der neuen Toleranz, die nicht wirklich tolerant ist, sondern Andersdenkende einschüchtert und sogar kriminalisiert. Wir brauchen ehrliche und friedliche Debatten, keine politische Korrektheit!

Mehr: www.welt.de.

Frauenquoten: der Siegeszug eines Denkfehlers

Anna Schneider zeigt für die NZZ Denkfehler der Quotenpolitik auf:

Es gilt auseinanderzuhalten: Gleichberechtigung bedeutet Gleichheit vor dem Gesetz. Tatsächliche Ungleichheiten der Positionen sind hinzunehmen, da Individuen ungleich sind – das macht sie aus. Das Ideal der Gleichstellung geht hingegen davon aus, dass eine absolute Verteilung der Geschlechter, also 50:50, notwendig ist. Hier liegt der erste Denkfehler, denn weder sind alle Frauen noch alle Männer gleich. Was nicht der Tatsache widerspricht, dass Männer und Frauen grundsätzlich gleich gut und gleich geeignet sind und also gleich repräsentiert sein sollten.

Gleichberechtigung ermöglicht Freiheit, weil Ungleichheiten nicht negiert werden. Gleichstellung ist Gleichmacherei, die den Menschen nicht mehr in seiner Individualität, sondern nur als Vertreter eines Kollektivs wahrnimmt.

Mehr: www.nzz.ch.

Das Elend der Menschen

Blaise Pascal (Gedanken, Darmstadt: WBG, 2016, S. 126):

Indem ich die Blindheit und das Elend des Menschen sehe, indem ich das stumme Universum betrachte und den unerleuchteten, sich selbst überlassenen Menschen, der sich in diesem Winkel des Universums gleichsam verirrt hat, ohne zu w wissen, wer ihn dahin versetzt hat, wozu er dorthin gekommen ist, was beim Tode aus ihm den wird, und unfähig zu jeglicher Erkenntnis, gerate ich in Entsetzen wie ein Mensch, den man schlafend auf eine schauerliche einsame Insel gebracht hat und der erwacht, ohne sich auszukennen und ohne einen Ausweg zu finden. Und daraufhin bewundere ich, wie man über einen so elenden Zustand nicht in Verzweiflung gerät. Ich sehe meiner Nähe andere Personen mit ähnlicher Wesensart, ich frage sie, ob sie besser wiesen seien als ich. Sie antworten mir mit Nein. Und daraufhin haben diese elenden Verirrten, nachdem sie sich umgesehen und einige ansprechende Gegenstände erblickt haben, sich ihnen hingegeben und sich an sie gebunden.

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Die 10 Gebote der Postmoderne

Die nachfolgenden 10 Gebote der Postmoderne habe ich mit freundlicher Genehmigung des Autors übersetzt:

Die 10 Gebote der Postmoderne

I. Du sollst nur das wertschätzen, was zum Gedeihen deines Lebens beiträgt, so wie du es siehst.

II. Du sollst keine andere Person, keine Institution und auch keine Werte hochachten oder dich ihnen unterordnen – nur du zählst.

III. Du sollst dich keinen sprachlichen Konventionen unterwerfen, die dich in irgendeiner Weise beleidigen.

IV. Du sollst den Zeitplan und den Rhythmus deines Lebens allein daran ausrichten, wonach du dich gerade fühlst.

V. Du sollst dich und deine Komfortzone wichtiger nehmen als alle anderen Menschen.

VI. Du sollst jeglichen Kollateralschaden, der aus dem Projekt deines Lebens folgt, in Kauf nehmen.

VII. Du sollst niemals unfair gegenüber deinen eigenen Gefühlen und Wünschen sein.

VIII. Du sollst dir all das zunutze machen, womit du durchkommen kannst.

IX. Du sollst die Wahrheit formen, um dir selbst oder was auch immer zu dienen.

X. Du sollst nicht begehren, dir einen Wert anzueignen, der nicht deinem inneren Selbst entspringt.

(c) Ellis Potter

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Seminar: Das Evangelium für Atheisten

Das Europa des 21. Jahrhunderts ist im Kern pluralistisch und säkularisiert. Hat das Evangelium hier also keine Chance mehr? Am 8. Juli 2020 veranstaltet Daniel Vullriede vom Bibelseminar Bonn um 20.00 Uhr ein Seminar zum Thema: Das Evangelium für Atheisten. Teilnehmerbeitrag liegt bei 15,- Euro.

Hier geht es zur Anmeldung: zoom.us.

„Predigt-Sprache ist verkommen“

Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff wirft den Kirchen in Deutschland vor, „lendenlahm“ zu predigen. „Als würde die Predigt in Lenor gewaschen“, sagte Lewitscharoff im Gespräch mit dem DLF:

Die Kirchen sind ja so was von lendenlahm im Predigen. Die verstehen ja vom Tod eigentlich gar nichts mehr. Das ist ja schrecklich. Die sind ja so aufs Diesseits fixiert, die Protestanten noch schärfer als die Katholiken. Aber die Katholiken sind ganz auf diesem Wege auch. Im Grunde hat sich eine areligiöse Gesellschaft in den Kirchen breitgemacht, weil sie vom Jenseits überhaupt keine Vorstellung mehr haben.

Haben Sie mal eine Predigt gehört, die irgendwie von da oben überhaupt handelt? Also, ich wüsste nicht. Also, ich höre die im Radio immer an. Ich gehe manchmal auch in die Kirche, auch mal in katholische Kirche. Das kommt nicht vor. Es gibt die Hoffnung auf Erlösung nicht in irgendeiner Form – sei es wunschnaiv, sei es schönheitstrunken, sei es in Gedichtform irgendwie ausgekleidet. Das gibt es nicht.

Das Gottvertrauen wird beschworen. Ja. Aber worauf vertraut man denn, wenn es nicht ein wirkliches Leben und ein erfülltes Leben nach dem Tod gibt? Und was bedeutet überhaupt Erlösung? Das ist doch eine interessante Frage. Darüber kann man doch predigen.

Mehr: www.deutschlandfunk.de.

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