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Schätze der Gnade online

51nkOLENz4LDer Verlag für Kultur und Wissenschaft hat erfreulicherweise die Druckfahnen des Buches:

im Internet bereit gestellt.

Im Vorwort des Buches heißt es:

Der Glaube an Jesus Christus wird in Europa gegenwärtig durch zwei sich überschneidende Entwicklungen herausgefordert. Wir beobachten zum einen, dass sich die Gesellschaft zunehmend vom Christentum entfremdet. Viele Menschen haben den Bezug zur Kirche verloren und hinterfragen oder bedrängen den Glauben und das christliche Leben. Klare Glaubensüberzeugungen werden zunehmend pauschal abgelehnt und bekämpft. Gleichzeitig ist festzustellen, dass das Christentum selbst seine Kraft und Ausstrahlung verliert, da es sich von Christus entfernt. Bereitwillig säkularisieren sich Gemeinden sowie einzelne Gläubige und geben biblische Positionen zugunsten gesellschaftlich akzeptablerer und zeitgemäßerer Standpunkte auf. Viele Christen verlieren angesichts dieser Entwicklungen den Mut, ihren Glauben klar zu bekennen und konsequent auch dort zu leben, wo dies auf Widerstand stoßen könnte. Einige fragen sich sogar: Wie sollen Theologie, Verkündigung, Mission und Gemeinde unter diesen Umständen fortbestehen?

Im Herbst 2009 trafen sich neunzehn Christen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in München, um sich über diese „Krisenerfahrung“ auszutauschen und darüber nachzudenken, was diesen Tendenzen entgegengesetzt werden kann. Die Gesprächsteilnehmer kamen aus unterschiedlichen Berufen und gemeindlichen Hintergründen, unter ihnen Pastoren, Lehrer, Verleger und Studenten. Einige kamen aus Landeskirchen, die meisten gehörten Freikirchen an. Was sie verband, war die Liebe zur reformatorischen Theologie sowie der Glaube an die Kraft des Evangeliums.

Auch wir waren damals dabei. Wir erinnern uns sehr gut an unsere Einigkeit in der Bewertung der gegenwärtigen Herausforderungen. Wir alle teilten die Sorge darin, dass wichtige Aspekte des biblisch-historischen Glaubens in vielen Kirchen und Gemeinden immer mehr verwässert werden. So schwindet das Vertrauen in die Heilige Schrift, das Wissen um die Verlorenheit des Sünders, die Freude über die Glaubensgerechtigkeit, die Dankbarkeit für den stellvertretenden Sühnetod von Jesus Christus oder auch die „Retterliebe“. Trotzdem machte sich in der Runde kein Pessimismus breit. Wir erkannten, dass die „Krise“ eine Chance sein kann, wenn wir gemeinsam biblische Wahrheiten und die Heiligung des Lebens wiederentdecken und auf die Kraft des Kreuzes, die heilsame Gnade Gottes wie auch die Stärke des Heiligen Geistes vertrauen.

Da wir nordamerikanische Netzwerke wie die „Gospel Coalition“ oder „Together for the Gospel“ und auch Organisationen wie „Desiring God“, „9Marks“ oder „Redeemer City to City“ gut kannten, überlegten wir, ob es nicht an der Zeit sei, auch in Deutschland eine ähnliche Vereinigung aufzubauen. Nach mehreren Gesprächen und Gebet haben wir uns entschlossen, erste Schritte in diese Richtung zu gehen. Die Gemeinschaft wurde verbindlicher, wir formulierten unsere „Theologischen Grundlagen“, gaben dem Netzwerk den Namen „Evangelium21“, hielten erste Konferenzen ab und gründeten schließlich im Jahr 2012 einen eingetragenen Verein.

Seit 2011 findet jährlich eine 3-tätige Konferenz statt, die von vielen hunderten Personen besucht wird und durch die Pastoren, Prediger, Älteste und sonstige engagierte Christen im Glauben gestärkt und zugerüstet werden. Außerdem ist inzwischen mit dem Netzwerk „Josia – truth for Youth“ eine Tochterorganisation entstanden, die das Anliegen hat, die Vision von „Evangelium21“ der nächsten Generation nahezubringen.

Durch gegenseitige Vernetzung, Austausch und die Bereitstellung verschiedener Ressourcen soll den ungünstigen Trends mit der Strahlkraft des Evangeliums entgegengewirkt werden. Obwohl die Mitglieder des Netzwerks „Evangelium21“ verschiedenen Kirchen und Gemeinden angehören, verbindet sie das uneingeschränkte Vertrauen in die Heilige Schrift sowie eine reformiert ausgerichtete Theologie. Gegründet auf den von den Reformatoren wiederentdeckten Wahrheiten – Gnade allein, Glaube allein, die Schrift allein, Christus allein, und zu Gottes Ehre allein – wollen sie demütig und zugleich mutig Impulse setzen, durch die Gemeinden belebt werden.

Als uns angeboten wurde, im Jahrbuch des Martin Bucer Seminars Einblicke in unsere theologischen Wurzeln und Anliegen zu geben, haben wir dankbar zugesagt. Die Beiträge dieses Bandes stammen allesamt von Autoren, denen der evangeliumszentrierte Gemeindebau ein Anliegen ist.

Die ersten drei Beiträge sind kirchengeschichtlich ausgerichtet. Thomas Schirrmacher, Rektor des Martin Bucer Seminars, zeigt in „Johannes Calvin: Warum wir mehr über den Reformator wissen sollten“, weshalb es die Theologie des französischen Reformators in Deutschland besonders schwer hat. Calvin ist nicht nur für den reformierten Flügel der Reformation von großer Bedeutung, sondern hat die gesamte neuzeitliche Christenheit beeinflusst. Die Calvinforschung der letzten Jahrzehnte hat aufgedeckt, dass das Calvinbild durch jahrhundertelange Propaganda verzerrt wurde. Schließlich entfaltet Professor Schirrmacher, dass Calvin bereits als junger Theologe Herausragendes zu leisten vermochte. Schon in der ersten Auflage seiner Glaubenslehre aus dem Jahr 1536 sind wirkmächtige Schwerpunkte seiner Theologie angelegt. Ron Kubsch stellt in seinem Beitrag die seit einigen Jahren beachtete Bewegung des „Neuen Calvinismus“ vor. Was genau steckt hinter dem Namen? Was sind die historischen Quellen, die Inhalte und Schwerpunkte der verhältnismäßig jungen Bewegung? Der Aufsatz geht solchen Fragen nach und entwickelt einen kurzen Ausblick. Matthias Lohmann zeigt in dem Beitrag „Zurück zu alten Ufern“, dass in Deutschland zwei große freikirchliche Denominationen reformierte Wurzeln haben. Er skizziert die theologischen Prägungen von Johann Gerhard Oncken und Hermann Heinrich Grafe und betrachtet die ursprünglichen Glaubensbekenntnisse dieser Freikirchen.

Es folgen einige theologische Aufsätze.

Richard Phillips erörtert die Frage, ob es unter den Bedingungen der Postmoderne überhaupt noch möglich ist, absolute Wahrheit zu denken. Er zeigt, dass manche Einsichten postmoderner Erkenntnistheoretiker nachvollziehbar und nützlich sind, es aber alles in allem keinen Grund gibt, ihren Relativismus zu übernehmen. Mit Herman Bavinck sagt Phillips, dass zwar der endliche Mensch das Unendliche nicht erschöpfend versteht, aber es eben doch verstehen kann, insofern Gott etwas davon offenbart. Der Christ kann mit Hilfe des Heiligen Geistes so viel Wahrheit erkennen, wie nötig ist, um sich in dieser Welt zurechtzufinden und ein gottgefälliges Leben zu führen.

Seit Jahren wird inständig darüber diskutiert, was das Evangelium eigentlich sei. Bryan Chapell verteidigt die reformatorische Deutung: Gott hat seine Verheißung erfüllt. Er hat einen Messias gesandt, um gebrochene Menschen zu retten. Daher kann man das Evangelium auch sehr gut mit den Worten zusammenfassen: „Christus Jesus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten“ (1Tim 1,15).
Um das Jahr 1515 erkannte Martin Luther bei der Lektüre des Römerbriefes die Rechtfertigung allein aus Glauben. Die sogenannte „Rechtfertigungslehre“ wurde zum zentralen Artikel der reformatorischen Bewegung, mit dem die Kirche steht und fällt. Philip Ryken erklärt mit Hilfe gut verständlicher Bilder diesen Glaubensartikel, damit er in uns so wie einst bei Luther die Freude an Gottes Gerechtigkeit weckt. Diese „Gabe der Rechtfertigung ist für jeden da, der da glaubt und das Evangelium annimmt. Durch seine freie Gnade bietet Gott auf der Grundlage des Versöhnungswerks Jesu Christi völlige und abgeschlossene Rechtfertigung. Wer an Jesus Christus glaubt, wird im ewigen und gerechten Gericht Gottes auf ewig für gerecht erklärt.“

In seinem zweiten Beitrag plädiert Matthias Lohmann für die Auslegungspredigt als Hauptform der biblischen Verkündigung. Er belegt, dass die ganze Bibel in einem Zusammenhang mit dem Evangelium von Jesus Christus steht und deshalb die Texte in der Predigt immer von Jesu Christi her auszulegen sind. „Das Evangelium gehört in jede Predigt!“ gibt außerdem praktische Hilfestellung dafür, wie der Evangeliumsbezug eines Abschnitts erkannt und entfaltet werden kann.

Menschen, die durch Jesus Christus mit Gott versöhnt sind, haben allen Grund, sich an Gott zu freuen und ihm fröhlich zu dienen (vgl. Ps 68,4). Warum fehlt uns bei Gottesdienst, beim Studium der Heiligen Schrift oder beim Beten so oft die Freude? Christian Wegert erörtert solche Fragen anhand von Philipper 1,1–6 und zeigt, dass unser Gottesdienst von unerschütterlicher Freude und Zuversicht getragen sein kann, sogar dann, wenn wir vor scheinbar unlösbaren Aufgaben stehen. Auch wenn wir im eigenen Leben und in der Gemeinde von Jesus Christus Unvollkommenheiten entdecken, dürfen wir wissen: „Jesus Christus wird seine Kinder vollenden auf den Tag seiner Wiederkunft hin!“

Titus Vogt stellt sich in seinem Artikel „Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne!“ dem Verhältnis von Gottes Souveränität und menschlicher Verantwortung. Er weist nach, dass für den Apostel Paulus Gottes Souveränität und Gerechtigkeit sowie die Verantwortung des Menschen zusammengehören.

Welche Funktion hat das Gesetz im Leben des Christen? Wie sollen Christen die Freiheit vom Gesetz konkret verstehen? Suspendiert die Liebe vom Gebot, so wie das oft behauptet wird? Die Antworten auf solche Fragen können sehr unterschiedlich ausfallen. Ron Kubsch empfiehlt im letzten Aufsatz „Liebe und tue, was du willst“ ein Gesetzesverständnis jenseits von Gesetzlosigkeit und Gesetzlichkeit.

Im Anhang des Bandes befinden sich die „Theologische Grundlage“ des Netzwerkes „Evangelium21“. Das Dokument wurde in den Jahren 2010 und 2011 vom Trägerkreis gemeinschaftlich erarbeitet. Obwohl dabei auf den Bekenntnistext der „Gospel Coalition“ zurückgegriffen wurde, folgt es nicht in allen Punkten der Vorlage, sondern repräsentiert den Konsensus innerhalb des deutschen Netzwerkes.

Wir danken all denjenigen, die zum Gelingen des Bandes beigetragen haben, zuallererst den Autoren für ihre Beiträge. Ein herzliches Dankeschön geht an Ivo Carobbio für seine zügige und zuverlässige Übersetzungsarbeit sowie an Micha Heimsoth für das Lektorat. Beate Hebold hat wieder einmal mit Fleiß und Sorgfalt den Satz übernommen. Wir danken außerdem dem „Verlag Crossway“ für das Überlassen der Übersetzungsrechte an den Aufsätzen der „Gospel Coalition“ sowie dem „Verlag für Kultur und Wissenschaft“ für die Herausgabe des Jahrbuches.

„Die wahre Erkenntnis Christi besteht darin“, schreibt der Reformator Johannes Calvin (Institutio III, 2, 6), „dass wir ihn annehmen, wie ihn uns der Vater darbietet, nämlich umkleidet mit seinem Evangelium. Denn wie er dazu bestimmt ist, der Zielund Lichtpunkt unseres Glaubens zu sein, so können wir nur dann den rechten Weg zu ihm einschlagen, wenn uns das Evangelium vorangeht.“ Wo das Evangelium uns den Weg weist, „öffnen sich dann alle Schätze der Gnade“. Wir wünschen den Lesern des Buches Wegweisung durch das Evangelium.

Ron Kubsch und Matthias Lohmann

Die PDF-Datei des Buches kann hier heruntergeladen werden: JB_2013_Schaetze.pdf.

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Robert Spaemann: Meditationen eines Christen

Nachfolgend eine Kurzbesprechung des Buches (aus GuDh 1/2014, S. 64–65):

9783608948875Der Band Meditationen eines Christen enthält besinnliche Auslegungen zu den ersten 51 Psalmen. Verfasst sind sie von Robert Spaemann. Spaemann, geboren 1927 in Berlin, zählt zu den wenigen christlichen Philosophen, die es in Deutschland noch gibt. Er besuchte, gemeinsam mit Odo Marquard, Günter Rohrmoser oder auch Ernst-Wolfgang Böckenförde Anfang der 50er-Jahre Seminare bei Joachim Ritter in Münster und promovierte unter ihm. Später habilitierte er sich in den Fächern Philosophie und Pädagogik und lehrte in Stuttgart, Heidelberg und seit 1972 in München Philosophie.

Der Katholik Spaemann ist Vertreter einer aristotelisch geprägten Naturphilosophie und verteidigt die Aktualität des Naturrechts. Freilich nicht in dem Sinn, dass die Natur eindeutige Normen lehrt, sondern die Natur uns die Möglichkeit gibt, unsere Handlungslegitimationen kritisch zu prüfen.

Spaemann glaubt gegen den postmodernen Zeitgeist an die universelle Vernunft. Anders als die Moderne, stellt er die Vernünftigkeit des christlichen Glaubens samt Offenbarungsanspruch in das Zentrum seiner Philosophie (vgl. R. Spaemann, Das unsterbliche Gerücht, 2007).

Begonnen hat Spaemann mit den Aufzeichnungen zu den Psalmen schon vor Jahrzehnten. Hans Urs von Balthasar (1905–1988), der wohl beste Karl Barth-Kenner unter den katholischen Theologen, bekam einige Text zu sehen und legte dem Autor eine Veröffentlichung nahe. Da Spaemann sie erst nach Beendigung seiner Lehrtätigkeit publizieren wollte, sind sie nun erschienen.

Spaemann spricht der historisch-kritischen Arbeitsweise durchaus einen Erkenntnisgewinn zu, konzentriert sich aber in diesem Buch auf die geistliche Aneignung der Texte. Der Schlüssel zum Verständnis der Psalmen ist für ihn „die Auslegung, die wir Jesus und den Aposteln verdanken. Sie setzt voraus, dass die Verfasser der Psalmen ‚vom Geist erleuchtet‘ wahren, dass es sich also um prophetische Texte handelte, die – oft ohne Wissen der Verfasser – auf eine messianische Zukunft verweisen“ (S. 9). Spaemann liefert eine „Innenansicht“. „Religion hat eine ‚fromme‘ Innenseite und eine psychologische, soziologische, kulturwissenschaftliche und phänomenologische Außenperspektive. Lebendig ist eine Religion nur kraft ihrer Innenseite. Wie es ist, verliebt zu sein, kann uns keine Psychologie oder Kultursoziologie nahebringen. Wir müssen es schon erfahren haben“ (S. 10–11).

So, wie ein evangelischer Christ wahrscheinlich die Lutherübersetzung für eine Psalmenauslegung wählt, greift Spaemann auf die Übersetzung von Joseph Franz von Allioli und die Vulgata zurück. Die Verszählung orientiert sich an der Einheitsübersetzung.

Das Buch hat mich die letzten Wochen begleitet. Als Leser spürt man, dass Spaemann die großen Menschheitsfragen durchdacht und vielleicht durchlitten hat. Obwohl seine Gedanken nicht dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit entsprechen wollen, sondern die eines anbetenden, offenbarungsgläubigen Laien sind, fehlt nirgends die Tiefgründigkeit. Die Sprache ist kraftvoll. Gelegentlich musste ich beim Lesen an Bonhoeffer denken. Ein ausführliches Beispiel. Zu: „Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rate der Bösen und auf dem Weg der Sünder nicht steht und nichts sitzt, wo die Spötter sitzen“ (Ps 1,1), schreibt Spaemann (S. 14–15):

„Gottlosigkeit ist jene Grundorientierung, in welcher der Mensch entweder Gott leugnet oder lebt, als ob Gott nicht wäre. Der Gottlose rückt sich selbst als Individuum oder als Kollektiv in den Mittelpunkt, von wo aus er urteilt, was gut und schlecht, was schön und hässlich, was zu tun und zu lassen ist. Der Psalm spricht vom ‚Rat der Gottlosen‘, in dem der Unselige aus- und eingeht. Die Menschen mit der gottlosen Perspektive bilden einen ‚Rat‘, das heißt eine Verständigungsgemeinschaft. Zwar herrscht in dieser kein wirklicher Friede, denn wo Menschen sich selbst zum Mittelpunkt machen, wo sie einen babylonischen Turm bauen, da entsteht babylonische Verwirrung. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Aber hinsichtlich der anthropozentrischen Perspektive sind sich die Gottlosen dennoch einig. Dass man keine ‚übernatürliche Hypothese‘ in die Beratung irdischer Dinge einführen dürfe, das bildet die gemeinsame Basis dieses ‚Rates‘. Wer den Weg der Seligkeit wählt, verkehrt nicht in diesem Rat, denn er kann sich mit jenen nicht verständigen, deren fundamentale Prämisse die Lüge ist.

Aus der Gottlosigkeit folgt die Sünde, das heißt das von Selbstsucht regierte Handeln, das bei aller Verschiedenheit in einem Punkt übereinstimmt: nicht mit der Ordnung Gottes übereinzustimmen. Die Sünder gehen einen ‚Weg‘. Dass der selige Mann ihn nicht geht, versteht sich von selbst. Aber so wie er im Rat der Gottlosen nicht beiläufig verkehrt, so ‚steht‘ er auch nicht am Weg der Sünder, das heißt, er hält sich gar nicht in diesem Umkreis auf, weil er nämlich gar nicht ‚steht‘, sondern selbst geht, aber einen anderen Weg.

Schließlich die Spötter. Sie sitzen. Sie sind Zuschauer – Zuschauer, die ihr Vergnügen daran haben, wenn das Gute ‚entlarvt‘ wird. Sie Hegen immer auf der Lauer, das Gute zu entlarven, weil sie seine Echtheit nämlich gar nicht wahrnehmen können. Sie lachen über die Tanzenden, weil sie die Musik nicht hören. Sie freuen sich, wenn der Gute der Dumme ist, denn für sie ist ein Leben aus göttlicher Perspektive ohnehin Dummheit.“

Das Buch wurde aufwendig gesetzt und gestaltet. Randglossen, wie die Psalmtexte farblich abgesetzt, bezeichnen die besprochenen Verse. Den stabilen Gewebeeinband schützt ein transparenter Schutzumschlag aus Kunststoff. Die aufwendige Gestaltung macht freilich das Buch auch teuer.

Der Leser, der sich an den hier und da zu findenden katholischen Bezügen nicht stört, wird das Buch genießen und durch die zahlreichen Gedankenanstöße und Querverweise bereichert, ermutigt und oft auch getröstet. Für mich war die Lektüre ein Gewinn.

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Soziobiologie des Gewissens

41vTLYeCGMLEckart Volant und Renate Volant haben ein Buch über die Entstehung des menschlichen Gewissens geschrieben. Ihre naturalistisch-freudianische Deutung der Gewissensgenese geht ungefähr so:

Der Homo sapiens schlug den evolutionären Sonderweg der kooperativen Fortpflanzungsgemeinschaften ein. Will heißen: Man kümmert sich gemeinsam um den Nachwuchs. Kinder verursachen Stress und mindern die Fitness. Damit sie zur lohnenden Anschaffung werden, müssen sie zur Mithilfe verpflichtet werden, wovon sie selbst wenig Nutzen haben. Hier hat das Gewissen seinen Auftritt: Es ist die Keule, mit der die Eltern ihre Kinder in moralischer Haft und in der für sie unvorteilhaften Helferrolle halten. Eltern, die nur an der Weitergabe ihres eigenen Erbmaterials, vulgo ihrer Fitness, interessiert sind, ziehen es früh als internalisierten Zwang heran. Der Arm der Familie reicht weit. Wie Studien nahe legen, entsteht das Gewissen sehr früh in der Eltern-Kind-Beziehung, und es quält die Nachkommen ein Leben lang.

Zum Familienbild der Autoren lässt sich sagen: Hier möchte man nicht geboren sein. Wer sich Familie als geschützten Raum vorstellt, an dem man im Durchschnitt etwas rücksichtsvoller miteinander umgeht, wird unsanft geweckt. Das Zusammenleben ist hier eine nackte Kosten-Nutzen-Rechnung, die unter dem Primat erfolgreichen Gentransfers steht.

Wer die Rezension von Thomas Thiel liest, wird „spüren“, dass die naturalistische Sicht auf den Menschen das Geheimnis der Personalität nicht zu lüften vermag. Ich bezweifle, dass sich daran etwas ändert, wenn man das gesamte Buch Evolution des Gewissens studiert.

Wer hat Angst vor dem Relativismus?

51bF5+sgfZLJames K.A. Smith vom Calvin College in Grand Rapids (Michigan, USA) ist bekannt für seine Sympathien mit dem postmodernen Denken (siehe meine Kritik hier). In seinem neuen Buch Who’s Afraid of Relativism? empfiehlt er den philosophischen Relativismus bzw. Pragmatismus.

James Anderson hat das Buch gelesen und einige Schwächen benannt:

James K. A. Smith’s latest book continues his longstanding project of sympathetic Christian engagement with postmodernist philosophy. On this occasion Smith, professor of philosophy at Calvin College in Grand Rapids, Michigan, seeks to play the role of defense attorney for “relativism”; more precisely, the philosophy of pragmatism as propounded by the controversial American philosopher Richard Rorty. His central thesis is repeated in different forms throughout the book: pragmatism is a philosophy centered on the recognition of our dependence, finitude, and contingency; thus Christians, who acknowledge the dependence, finitude, and contingency of the creation, should be sympathetic rather than hostile toward pragmatism. But embracing pragmatism also means repenting of representationalist realism: the idea that truth consists in a correspondence or match between the “inside” world of our thoughts and the “outside” world of objects existing independently of our thoughts.

The opening chapter sets up the problem Smith seeks to solve—or rather to subvert. Christians fear “the specter of relativism” because they think Christianity requires a commitment to “absolute truth,” which relativism repudiates. Relativism and its defenders are therefore enemies of the Christian faith. The term “relativism” is often poorly defined and has been used to label various views, some more vulnerable to refutation than others. Rather than deal with sophomoric types of relativism (“true for you, not true for me”) Smith proposes to engage with a serious and sophisticated form of relativism, namely, contemporary pragmatism.

Hier mehr: thegospelcoalition.org.

 

Thy Word Is Still Truth

NewImageIch habe das Buch Thy Word Is Still Truth: Essential Writings on the Doctrine of Scripture from the Reformation to Today bereits im Oktober 2013 vorgestellt  Ich möchte es hier nochmals als wichtige Quelle für die Lehre von der Schrift erwähnen. Thomas Schirrmacher schreibt in seiner Buchempfehlung:

“Even though the Reformation started with Luther’s return to the Bible as the highest authority in the Church, and even though the doctrine of the infallibility of Scripture has been taught in all evangelical confessions and denominations and its development has been influenced by people from many confessions, it was the Reformed doctrine of Scripture, spreading from Switzerland, that became central to the evangelical positions through the centuries, both by means of terminology and manner of defense. For example Calvin’s application of the inner witness of the Holy Spirit to the doctrine of Scripture, declaring that the final evidence for Scripture as the Word of God comes from the author, the Holy Spirit, directly to the believers heart, has been central in the Evangelical movement and balanced any impersonal approach to hermeneutics. No wonder then, that Reformed seminaries have been at the forefront of formulating, developing, and defending the doctrine of Scripture. I am glad that Westminster Theological Seminary – Philadelphia takes the lead again by gathering 500 hundred years of good tradition, proving how the old truth has been applied to ever new ages again and again.”

J. Lennox: Sieben Tage, das Universum und Gott

Reinhard Junker hat das Buch:

besprochen.

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Drei Jahre nach Veröffentlichung des englischen Originals erschien nun auch in deutscher Übersetzung ein Buch des renommierten Wissenschaftlers, Apologeten und Christen, des Oxforder Mathematikprofessors John Lennox, in dem er sich mit der Auslegung der ersten Kapitel der Bibel beschäftigt. Das ist erfreulich, da sich viele Christen nicht daran wagen, diese Kapitel näher in Augenschein zu nehmen, scheinen doch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Ursprungsforschung ganz andere Abläufe und Zeiten nahezulegen, als diese Kapitel mindestens beim ersten Lesen schildern. Daher ist es erfreulich, wenn von verschiedener Seite eben nicht bibelkritisch im Sinne von „das ist veraltet“ oder „das ist mythologisch“ an Genesis 1-11 herangegangen wird, sondern in einem immer wieder neuen Ringen um das Verständnis aktueller Wissenschaft im Lichte der Offenbarung Gottes in seinem Wort.

In der Einleitung merkt der Autor an, es gebe Uneinigkeit im christlichen Lager, wenn es um die Interpretation der Schöpfungstage geht (S. 6). Das stimmt leider. Wie gehen wir damit um? John Lennox hat die Unterschiede nicht unter den Teppich gekehrt, zeigt aber seinen Respekt denen gegenüber, die seine Sicht nicht teilen. In diesem Sinne sollen die wichtigsten Grundgedanken seines Buches vorgestellt, aber auch einige kritische Anmerkungen gemacht werden.

Hier die vollständige Rezension: d14-2.pdf.

Schätze der Gnade

NewImageDas Blog des lesenswerten Timotheus Magazins hat das Buch Schätze der Gnade besprochen:

Alte Wahrheiten werden wieder neu entdeckt, belebt und für die Kirche Jesu fruchtbar gemacht. In den USA hat die reformatorische Theologie bereits feste Formen erhalten, durch namhafte Führungspersönlichkeiten, Ausbildungsstätten, Gemeindeverbände, Missionswerke, Publikationen sowie Konferenzen. So sehr man auch gerne am Segen der Amerikaner teilhat, so wünscht man sich doch eine (dauerhafte) Erweckung für das eigene Land. Das Buch Schätze der Gnade – Reformatorische Theologie im 21. Jahrhundert kann dabei richtungsweisend sein und wertvolle Impulse liefern.

Hier mehr: timotheusmagazin.de.

W. Edgar über Francis Schaeffer

Hanniel hat das Buch:

besprochen.

41gtzX1KQHL SL110Als Schlüsselbegriff Schaeffers nennt Edgar die „Wirklichkeit“ (reality). Es besteht eine objektive Wahrheit der Welt und ihres Schöpfers. Ebenso ist die Existenz des Bösen Wirklichkeit. Immer wieder greift Schaeffer auf den Vergleich mit den beiden Stühlen zurück. Für den Nichtchristen gibt es nur die sichtbare Wirklichkeit (der eine Stuhl), für den Christen ist jedoch die unsichtbare Wirklichkeit (der zweite Stuhl) ebenso real. Leider verhalten sich manche Christen so, als ob es nur einen Stuhl gäbe. Die Freiheit des Christen ist Ausdruck der Realität, die sich zuerst in seinem Innern abbildet. Sie lässt sich, wie Schaeffer am Anfang von „True Spirituality“ aufzeigt, auf zweifache Art überprüfen: Ob wir eine tiefe Befriedigung in Gott finden und ob wir unsere Nachbarn lieben. Der Tod und die Auferstehung Christi bilden die Basis der Wirklichkeit des christlichen Lebens. Im zweiten Teil des Buches „True Spirituality“ wendet Schaeffer diese Realität auf die durch die Sünde entstellten Beziehung des Menschen zu sich selbst und anderen (Ehe, Kirche) an. Die Realität von Christi Wirken triumphiert über die Sünde. Dies zeigt sich etwa bei körperlichen oder psychischen Problemen nicht in einer vollständigen, sondern einer substanziellen Heilung.

Hier mehr: www.hanniel.ch.

Warum gibt es im Abendland keine Ehrenmorde?

JussenAnders als in Asien war das Töten weiblicher Familienmitglieder im Abendland schon früh verpönt. Historiker finden die Gründe dafür im Christentum und im Wirtschaftssystem.

Berthold Seewald stellt für DIE WELT das neue Buch von Bernhard Jussen vor.

Seewald schreibt:

Die einzige große Kultur, in der es dieses Verwandtschaftssystem nicht gegeben hat, war die des – lateinischen – Europa. Hier wichen innerhalb weniger Generationen patriarchalische Verwandtschaftsstrukturen „einem bilateralen Verwandtschaftssystem, das gleichermaßen mütterliche wie väterliche Verwandte berücksichtigte“, schreibt Jussen. Als Triebfeder macht er das Christentum und die daraus abgeleitete Moral aus: Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen, Mann und Frau sollen sein „ein Fleisch“.

Das aber bedeutete auch, dass Verwandten von Mann und Frau als Blutsverwandte begriffen wurden, zu denen als „geistige“ Angehörige noch die Paten von Täuflingen traten. Entsprechend massiv weitete die Kirche die Verbote von Ehen zwischen Verwandten zunehmend aus, was wiederum die Konzentrierung der Ehegatten aufeinander stärkte. Denn Heiraten zur Stabilisierung von Clan-Allianzen waren ja nicht mehr möglich.

Mehr: www.welt.de.

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