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Die Bibel: Einige Antworten auf moderne Herausforderungen

201206221853.jpgÜber das Buch:

  • Vern Sheridan Poythress: Inerrancy and Worldview: Answering Modern Challenges to the Bible, Crossway, 2012

schreibt John Frame:

Vern Poythress has written what I consider to be definitive books on many subjects, including biblical interpretation, language, science, and sociology. In Inerrancy and Worldview, he brings his insights from these disciplines and more together to address the relation of biblical inerrancy to worldview. He shows quite convincingly that the issue of inerrancy is not just a matter of asking whether this or that biblical passage is factual. Rather, our attitude toward the claim of biblical inerrancy depends on our general view of how God is related to the cosmos and to us as individuals and societies. And that general view, in turn, depends on our relationship to Jesus Christ. The book gets deeper into the question of inerrancy than any other book I know.

Das komplette Buch ist derzeit als PDF-Datei gratis hier zu haben: 2012BInerrancyAndWorldview.pdf.

VD: AW

Die Vernunft wehrt sich nicht gegen Wunder

Der Philosoph Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter hat an der Universität München eine Habilitationsschrift über Die kausale Struktur der Welt: eine philosophische Untersuchung über Verursachung, Naturgesetze, freie Handlungen, Möglichkeit und Gottes Wirken in der Welt geschrieben. Er ist ein der anglikanischen Kirche zugehöriger Christ und lehrt an der Internationalen Akademie für Philosophie in Santiago de Chile. Das Buch wurde mit dem Karl-Alber-Preis ausgezeichnet und ist beim Verlag Alber erschienen. Eine frühere Fassung ist frei herunterladbar. Es gibt zudem ein Forum zur Diskussion über das Buch.

TheoBlog.de hat mit dem Philosophen über seine Untersuchung gesprochen:

 

Die Vernunft wehrt sich nicht gegen Wunder

Interview mit dem Philosophen Daniel von Wachter  


Theoblog: Herr von Wachter, welche Philosophen oder welche Epoche untersuchen Sie in diesem Buch? 

W: Gar keine. Die Philosophie untersucht genauso wenig Philosophen oder Epochen wie die Physik Physiker oder die Biologie Biologen untersucht. Die Vorstellung, daß der Gegenstand der Philosophie Philosophen und deren Texte seien, hat zwei Quellen: Erstens haben die Positivisten, die behaupteten, daß nur die Naturwissenschaften Erkenntnis schaffen, gemeint, daß die einzige sinnvolle Aufgabe für Philosophen die Untersuchung alter Texte sei. Zweitens gibt es eine gewisse Angst davor, philosophische Fragen zu beantworten. Manchen fehlt einfach die Fähigkeit oder der Mut dazu, vielleicht weil sie ein großes Gewißheitsbedürfnis haben und diese Gewißheit in der Philosophie nicht finden. Es gibt noch eine dritte Quelle, eine hegelianische, aber die ist schwer zu beschreiben. In Deutschland haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg die meisten Philosophen darauf beschränkt, Philosophiegeschichtsschreibung zu betreiben, vielleicht weil sie sich möglichst wenig weit aus dem Fenster lehnen wollten. Aber mein Eindruck ist, daß es jetzt mit der Philosophie in Deutschland wieder aufwärts geht.

Theoblog: Was untersucht dann Ihr Buch? Ist das für den Laien von Bedeutung?

W: Die kausale Struktur der Welt ist eines der großen alten Themen der Philosophie. In der angelsächsischen Philosophie gibt es heute eine ausgiebige, sehr komplizierte und abgehobene Diskussion über Verursachung. Aber das Thema ist von großer Bedeutung für eines jeden Menschen Weltbild, und viele haben den Mechanizismus verinnerlicht, das ist die Vorstellung, daß die Welt wie eine Maschine ist: sie besteht von vorn bis hinten aus kausalen Vorgängen. Alles, was geschieht, ist das Ergebnis eines Vorganges. Dadurch entsteht dann das Gefühl, daß Wunder oder Willensfreiheit unmöglich seien oder der Vernunft widersprächen oder von der Naturwissenschaft ausgeschlossen würden. Ich empfehle einen Selbsttest: Stellen Sie sich die Frage: „Gibt es Wunder, wie z.B. die Wiederlebendigwerdung und Auferstehung des gekreuzigten Leibes Jesu?“ und die Frage: „Können wir durch unser freies Handeln Kausalvorgänge in Gang setzen?“. Wenn Sie in sich Warnlampen leuchten oder eine Abneigung spüren, dann haben Sie sich von der mechanistischen Propaganda beeinflussen lassen.

Theoblog: Aber man kann doch Wunder nicht mit der Vernunft begreifen. Die Vernunft wehrt sich gegen Wunder.

W: Warum? Da wir hier auf einem Theologen-Blog sind, will ich anmerken, daß besonders Theologen das seit ca. 1800 ständig wiederholt haben, und es wird den Studenten auch heute noch eingeredet. Da wird vom „kausalen Nexus“, vom „wissenschaftlichen Weltbild“, von „historischer Methode“  geredet oder es wird einfach emphatisch gesagt, die Vernunft schließe Eingriffe Gottes in das Naturgeschehen aus. Aber nur Gründe, die man versteht, sind vernünftig – und es gibt hier weit und breit keine Gründe. David Hume hat versucht, aus unserer Kenntnis der Naturgesetze abzuleiten, daß es keine Wunder gebe. Obwohl Humes Argument von Anfang an schlagend kritisiert wurde, wurde es immer wieder hochgejubelt. Vor einigen Jahren schrieb der Philosoph John Earman ein Buch dazu mit dem treffenden Titel Hume‘s Abject Failure, was soviel heißt wie Humes jämmerliches Scheitern. Wenn es keinen Gott gibt, dann gibt es natürlich keine Wunder. Aber wenn es Gott gibt, wofür es Beweise gibt, dann ist zu erwarten, daß er manchmal Wunder wirkt. Wieso soll denn das gegen die Vernunft sein? Vernünftigsein heißt richtig denken. Als die Jünger den auferstandenen Jesus gesehen haben, haben sie verstanden, daß Gott ihn auferweckt hat und daß er Gottes Sohn und der Messias ist. Was ist denn daran unvernünftig? Sie haben genau richtig gedacht, als sie das geschlossen haben.

Theoblog: Die Auferstehung übersteigt die Vernunft, denn die Vernunft sagt, daß Tote nicht auferstehen.

W: Nur, wenn Sie „Vernunft“ so definieren. Genau das hat die sog. „Aufklärung“ getan. Diese Autoren haben ständig wiederholt, daß Glaube an Gott, Wunder und die christliche Lehre Aberglaube sei und daß die Vernunft den Determinismus lehre, also die Lehre, daß jedes Ereignis durch einen kausalen Vorgang determiniert sei. Die Aufklärung hat diese Auffassung durch häufige nachdrückliche Wiederholung und nicht durch Argumente verbreitet. Das ist natürlich nicht vernünftig, sondern Propaganda. In Wirklichkeit ist es manchmal ganz vernünftig, etwas für ein Wunder zu halten, und es ist unvernünftig, die Möglichkeit von Wundern auszuschließen. Übrigens hat die Aufklärung die Verbreitung ihres Weltbildes auch dadurch gefördert, daß sie in der Philosophiegeschichtsschreibung andersdenkende Philosophen ignoriert und als aussterbende Spezies dargestellt hat und die ihr Weltbild teilenden Philosophen als die größten und einzig ernstzunehmenden Philosophen dargestellt hat. So entstand der heute übliche Kanon der angeblich größten Philosophen: Descartes, Hobbes, Spinoza, Hume, Kant, Hegel, usw.

Theoblog: Ist das eine der Kernthesen Ihres Buches?

W: Nur ein Nebenprodukt. Das Buch will vor allem untersuchen, was Verursachung, Naturgesetze und freie Handlungen sind. Um das gründlicher tun zu können, untersuche ich davor, was Möglichkeit ist, denn welche Theorie der Möglichkeit man annimmt, stellt die Weichen für die Beantwortung vieler anderer Fragen. Doch man muß das Buch nicht von vorne bis hinten lesen; auch wenn man nur einzelne Kapitel des Buches liest, sollte man das Wichtigste verstehen können. Mithilfe der Ergebnisse der genannten Untersuchungen analysiert das Buch dann, auf welche Weisen Gott in der Welt wirken könnte, z.B. indem er ein Universum erschafft, es erhält und manchmal in den Gang der Dinge eingreift. Ob es einen Gott gibt, untersucht dieses Buch nicht, das wäre ein anderes Thema.

Theoblog: Laut der elften Ihrer Zwanzig Thesen zur kausalen Struktur der Welt können Handelnde Vorgänge in Gang setzen. Hat die Hirnforschung nicht herausgefunden, daß unsere Handlungen das Ergebnis von Hirnvorgängen sind? 

W: Sie spielen auf das Experiment von Benjamin Libet von 1982 an. Es ist zum Staunen, wie manchmal schlecht begründete Thesen viele überzeugen. Libet selbst hat sein Experiment so dargestellt als ob er den Versuchspersonen gesagt hätte, sie sollen ihre Hand bewegen, wann immer sie wollten. In Wirklichkeit hat er ihnen gesagt, sie sollen warten, bis ein Drang zum Bewegen der Hand aufkommt. Daß ein Drang eine vorangehende Ursache hat, ist mit der Annahme von Willensfreiheit zu vereinbaren. Diese und viele Einwände mehr gegen Libet mache ich gegen Libet in dem Buch und auch in zwei neueren Aufsätzen.

Theoblog: Was ist denn nun am Mechanizismus falsch? 

W: Wegen der Quantenmechanik geben die meisten Autoren heute zu, daß es indeterministische, probabilistische Vorgänge geben kann. Aber weitgehend unangefochten ist die Annahme, daß jedes Ereignis das Ergebnis eines Vorgangs sei. Dem halte ich zweierlei entgegen: Erstens ist jeder Vorgang aufhaltbar. Seit Hobbes hat sich die Vorstellung verbreitet, das alle Ereignisse von vorangegangenen Ereignissen erzwungen werden. Aber das ist nicht nur nicht der Fall, sondern unmöglich. Jeder Vorgang kann gestoppt oder abgelenkt werden, wenn es nur etwas gibt, was stark genug ist, ihn zu stoppen, und dieses auch tut. Zweitens können Lebewesen Vorgänge in Gang setzen. Die Mechanisten wollen uns einreden, daß es offensichtlich sei, daß jedes Ereignis das Ergebnis eines Vorgang sei. Doch haben Sie den Eindruck, daß alles um Sie her, wie ein Uhrwerk oder wie das Rollen der Kugeln auf einem Billardtisch abläuft? Wenn ich den Kolibri vor meinem Fenster oder die auf den Baum springende Katze ansehe, habe einen anderen Eindruck. Mein Buch will im Detail untersuchen, daß dieser Eindruck richtig ist.

Theoblog: Danke für das Gespräch!

– – –

Das Interview kann hier in Form einer PDF-Datei heruntergeladen werden: Wachter.pdf.

Die Gleichberechtigungsfalle

201206130815.jpgIm Mai 2011 wurde Monika Ebeling aus ihrem Amt der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Goslar abberufen, weil sie sich in ihrer Gleichstellungsarbeit auch für Männer engagiert hatte. Im Buch Die Gleichberechtigungsfalle erzählt Monika Ebeling nicht nur die Geschichte ihrer Abberufung. Bruno Köhler hat seine Rezension des Buches freundlicherweise online gestellt. Er schreibt:

Sie hat die Antworten auf ihre Fragen für sich gefunden. Eine wahre, nachhaltige Geschlechterdemokratie kann nur dort entstehen, wo sich Männer und Frauen im geschlechterpolitischen Diskurs auf gleicher Augenhöhe gegenüber stehen, wo die objektive Berücksichtigung der Anliegen beider Geschlechter eine Selbstverständlichkeit ist, wo man sich vom Geschlechterkriegsdenken mit den Stereotypen der ausschließlich männlichen Täter und ausschließlich weiblichen Opfer verabschiedet hat. Monika Ebeling will diese Erkenntnisse mit ihrem eindrucksvollen und bewegenden Buch anhand ihrer eigenen Geschichte aber auch in grundlegenden Erörterungen dem Leser nahebringen. Gerade, weil die Geschlechterpolitik in Deutschland und auch in der EU eben genau das Gegenteil von dieser Vision ist. Monika Ebeling will, dass sich das ändert.

Das Buch ist absolut empfehlenswert. Wer einen tiefen Einblick in die rücksichtslose Realität von Gleichstellungspolitik in der Praxis, fernab vom uns täglich einlullenden Euphemismus der Geschlechterpolitiker/innen, bekommen möchte, oder wer einfach wissen will, wie hegemoniale Gleichstellungspolitik funktioniert, für den ist dieses Buch ein alternativloses Muss. Eines der besten Bücher über das, was schon Katharina Rutschky als den „real existierenden Feminismus“ bezeichnete.

Hier die vollständige Rezension: cuncti.net.

 

 

VD: AH

Gottes Jahrhundert ist angebrochen

GodsCentury.jpegDie amerikanische Politikwissenschaftlerin Monica Toft prophezeit uns eine machtvolle Rückkehr der Religion in die Weltpolitik. DIE ZEIT hat Monica Duffy Toft gefragt:

Ihr neues Buch heißt God’s Century, Sie sagen darin, dass Gottes Jahrhundert angebrochen sei. Ich habe versucht, hier in Harvard, wo Sie unterrichten, einen Beleg dafür zu finden – im Studentengottesdienst in der Memorial Church waren 15 Leute, im Buchladen am Harvard Square steht fast ein ganzes Regal mit Büchern des Atheisten Richard Dawkins, und außerhalb der Theologischen Fakultät steht Gott kaum auf dem Lehrplan. Wo, bitte, erleben Sie hier »Gottes Jahrhundert«?

Die Antwort lautet:

Sie haben recht: Harvard tut sich schwer mit Religion. Ganz Academia ist stark säkularisiert und findet, dass Religion und Rationalität nicht zusammengehen. Viele dieser Wissenschaftler wollen nicht sehen, dass ein Mensch rational denken und trotzdem gläubig sein kann.

Hier das ganze Gespräch: Interview-Toft.pdf.

Calvin-Studienausgabe in 10 Teilbänden

Es gibt gute Nachrichten für Freunde und Feinde des Calvinismus: Die Calvin-Studienausgabe erscheint in wenigen Wochen als Gesamtausgabe in 10 Teilbänden.

Wer bis Ende Dezember 2012 bestellt, erhält die Werke für 129,00 Euro, ab 2013 kostet die Gesamtausgabe dann 149,00 Euro.

Hier die Teilbände:

Bd. 1.1: Reformatorische Anfänge 1533-1541
Bd. 1.2: Reformatorische Anfänge 1533-1541
Bd. 2: Gestalt und Ordnung der Kirche
Bd. 3: Reformatorische Kontroversen
Bd. 4: Reformatorische Klärungen
Bd. 5.1: Der Brief an die Römer
Bd. 5.2: Der Brief an die Römer
Bd. 6: Der Psalmen-Kommentar
Bd. 7: Predigten über Dtn und den 1Tim (1555-1556)
Bd. 8: Ökumenische Korrespondenz

Obwohl sich wahrscheinlich einige der Leute ärgern, die die Bände bisher einzeln erworben haben, halte ich die Entscheidung des Verlags, nun eine Gesamtausgabe auf den Markt zu bringen, für lobenswert. Die Edition, an der Eberhard Busch, Matthias Freudenberg, Alasdair Heron, Christian Link, Peter Opitz, Ernst Saxer und Hans Scholl mitgewirkt haben, kann ich sehr empfehlen.

 

 

Systematische Theologie von Grudem

Die Übersetzungsarbeiten an der Systematischen Theologie von Wayne Grudem nähern sich dem Abschluss. Die Veröffentlichung der deutschen Ausgabe ist für den Herbst 2012 geplant. Wer das Buch erwerben möchte, kann sich für einen Subskriptionspreis von 49,90 Euro qualifizieren, der m.W. 10 Euro unter dem regulären Preis liegt (das Buch zählt über 1200 Seiten und soll als Hardcover-Band erscheinen).

J.I Packer hat über das Werk gesagt:

Wenn sie ein Lehrbuch der Theologie zu finden gehofft haben, das ihre geistliche Formation genauso fördert wie ihre intellektuelle Bildung, dürfen sie sich freuen. Wayne Grudem hat genau das Buch geschrieben, was sie wollten. Und er hat dies in sehr kompetenter Weise getan.

Bestellt werden kann unter der E-Mail: grudem (at) bucer.de.

 

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Das Evangelium für die nächste Generation

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In der neuen „Edition Evangelium21“ ist beim 3L-Verlag eine Broschüre mit dem Titel:

  • Ron Kubsch: Das Evangelium für die nächste Generation, 3L-Verlag, 28 S., 2,50 Euro

erschienen. Darum geht es:

Säkularisationsbewegungen innerhalb und außerhalb der Kirche haben die Christenheit Europas tief verunsichert. Viele achtsam lebende Christen fragen sich, wie es angesichts des „geistlichen Notstands“ weitergehen kann. Die Antwort auf die Frage nach der Zukunft der Gemeinde ist vor allem eine Herausforderung für Menschen mit pastoraler Verantwortung. Die Heilige Schrift lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass Leiter eine besondere Fürsorgepflicht tragen. Sie sind von Gott berufen, über die Seelen zu wachen und werden eines Tages dafür vor Gott Rechenschaft ablegen müssen (vgl. Hebr 13,17).

Die Schrift kann neben vielen guten Büchern beim 3L-Verlag bestellt werden.

John Owen: Die gesammelten Werk

Der britische Puritaner John Owen (1616–1683) ist in Deutschland leider kaum bekannt. Der Theologe und Prediger, der nach der Wiederherstellung der Monarchie unter Karl II. aus der Staatskirche ausgeschlossen wurde, gilt nach wie vor als eine wertvolle Quelle für geistliche Inspirationen.

Hier Verweise auf seine Werkausgabe in 16. Bänden, hrsg. von William H. Gold, die inzwischen legal um Netz angeboten wird:

The Works of John Owen

VD: theessentialowen.com.

– – –

Der 3L-Verlag hat übrigens ein Buch von John Owen in deutscher Sprache herausgegeben: Die Herrlichkeit Chrisi.

Zur Amnesie der eigenen theologischen Wurzeln

201205061523.jpgWo er recht hat, hat Jens Zimmermann recht (Theologische Hermeneutik: Ein trinitarisch-christologischer Entwurf, Herder Verlag, 2008, S. 23):

Obwohl mittlerweile an Büchern über die Geschichte der Hermeneutik kein Mangel herrscht, erhalten wir von der so genannten vorkritischen Tradition, wie Hans Frei die Interpretationspraktiken vom Kirchenbeginn bis hin zur Aufklärung zusammenfasste, weder ein klares noch ein verständiges Bild. Weder Theologen noch Philosophen haben bisher diese Tradition mit dem verdienten Verständnis und Respekt in die Entwicklung der Hermeneutik eingeordnet. Die Philosophie betrachtet theologische Interpretationsmodelle immer noch mit einer Art elitären Hochmuts, der auf eine explizit religiöse Weltanschauung mit der Arroganz des Aufklärungswissenschaftlers hinabschaut. Selbst wenn an der Religion doch etwas dran sein sollte, so darf sich dieses etwas keineswegs zu positiv gestalten, denn in dieser Richtung lauert, Gott bewahre uns, das Schreckgespenst des Dogmatismus, ja des Fundamentalismus, und damit der religiös motivierten Gewalt; dann schon lieber ein postmoderner Pluralismus, bei dem sich alles in Interpretation auflöst.

Auf Seiten der Theologie sieht es nicht wesentlich besser aus, vor allem nicht im populären Bereich. Besonders im nordamerikanischen evangelischen Christentum herrscht eine generelle Amnesie der eigenen theologischen Wurzeln, eine fast vollkommene Unkenntnis der Reformationshermeneutik, obwohl in einigen Kreisen die Slogans sola gratia, sola fide, und sola scriptura noch wie Markenzeichen kursieren und ungefähr den gleichen Tiefgang aufweisen. Dieser Erinnerungsverlust der eigenen Tradition erklärt jedoch zumindest, warum die so genannten evangelicals (um diese Gruppe nicht mit dem deutschen Begriff evangelisch zu verwechseln), von wenigen Ausnahmen abgesehen, postmodernes Gedankengut entweder ohne kritische Auseinandersetzung aufnehmen oder also dämonisch zurückweisen. Beiden Reaktionen liegt die Unkenntnis der Reformationstheologie und deren Auslegungspraktiken zugrunde.

Als Rezension zur englischen Ausgabe dieses interessanten Buches sei empfohlen: Moon, Joshua. „Recovering Theological Hermeneutics: An Incarnational-Trinitarian Theory of Interpretation¡, Presbyterion Presbyterion 32, Nr. 2 (2006): S. 115–18. Moon weist auf einige Schwächen hin, wenn er schreibt (S. 117):

Zimmermann shows no critical reflection on why it is that we should follow the history of hermeneutics through its secularization and have to work into our beliefs about the world the conclusions of that history. He goes to pains to emphasize that we cannot simply return to a „pre-modern“ mindset and convictions but must follow the philosophical insights that separate us from them. The question that arises is: why we must do so? In particular, it is the work of Kant that is the dividing line in Zimmermann’s story. Why must we embrace Kanfs arguments and conclusions that divide us not only from the world and one another, but from God as well? This is particularly poignant when Zimmermann makes such absolute claims for his branch of philosophical study, such as „Philosophical hermeneutics is by far the best account of human knowledge“ (185), or „theology must fully adopt Gadamer’s insistence on the linguisticality of interpretation“ (182).

I grant that Zimmermann has every right to make the case at these points, but especially regarding the first he does not make a case at all. He completely ignores both the philosophical tradition that parts company with his judgment (not a single reference anywhere to those who could be considered analytic philosophers), and the Christian philosophers of the present day who disagree. The latter is most disappointing given the fascinating discussion of John Owen (esp. 90-91), which paints a picture with unmistakeable connections both to Blaise Pascal and, even more, Thomas Reid. Such a picture would naturally lead one to discuss the theological/philosophical tradition of Owen and the Reformed scholastics and perhaps trace the line up to the Reformed Dogmatics of Herman Bavinck (who also disputes Cartesian thought on the one hand and transcendental idealism on the other) and his contemporary Abraham Kuyper, then on into the present. Even without that line, the move from Thomas Reid to the contemporary work of Nicholas Wolterstorff and especially Alvin Plantinga—in that same broad line of understandings of epistemology one sees in Owen—is a small one. Yet we are given nothing of the sort. Instead we are told, without apology, that we must accept the Kantian dilemma and the irreducible linguisticality of existence, all in order to emerge by clinging to the incarnation. And even within this Zimmermann makes no mention of the numerous Christian thinkers already involved in interacting with these issues, such as Anthony Thiselton, Kevin Vanhoozer, Dan Stiver (who embraces Paul Ricoeur, another figure whose absence looms large), Craig Bartholomew, or others.

 

Eine christuszentrierte Biblische Theologie

3969.jpegDas neue Buch von Graeme Goldsworthy (Moore Theological College in Sydney) hat das Zeug, wieder ein Klassiker zu werden. Hier das Inhaltsverzeichnis von:

  • Graeme Goldsworthy: Christ-Centered Biblical Theology: Hermeneutical Foundations and Principles, IVP Academic, 2012, 240 S.

Preface
Abbreviations

1. Biblical theology: lame duck or eagles‘ wings?
Confessions of a biblical theology addict
The big questions about the big picture
The Robinson-Hebert schema
The role of Genesis 1–11
The question of reductionism
Why is biblical theology so neglected?

2. Evangelical definitions and presuppositions
Tentative steps towards a definition of biblical theology
Evangelical theological presuppositions in biblical theology
Evangelical hermeneutical presuppositions in biblical theology

3. Salvation and history
The idea of salvation history
The biblical history as salvation history
Salvation history within Scripture: Old Testament
Salvation history within Scripture: New Testament
Conclusions

4. Evangelical practice
The lack of consensus among evangelicals
The shaping of a biblical theologian: my debt to Donald Robinson
Some leading evangelical biblical theologians
Conclusions

5. Multiplex biblical theology
The problem of unity and diversity in method
Proponents of the multiplex approach
Conclusions

6. Letting the Old Testament speak I: biblical history
What kind of epoch?
The main foci in Old Testament history
Conclusions

7. Letting the Old Testament speak II: prophetic eschatology
The pattern of prophetic eschatology
The canonical shape
The main foci in prophetic eschatology
Conclusions

8. Letting the New Testament speak
Is the New Testament normative in the interpretation of the Old Testament?
Does the New Testament exhibit a structure of revelation?
The Abraham-David/Solomon axis and the fulfilment of prophecy
A comparison of approaches

9. Typology
Robinson’s typology
Approaches to typology
Some issues in the debate
Macro-typology

10. The Robinson legacy
Robinson’s typology and method in biblical theology
Israel and the church
Eschatology
Baptism
Assessment

11. How to do biblical theology
Is there a future for biblical theology?
Possibilities for biblical theology
Epilogue

Indexes

Kevin J. Vanhoozer schreibt zum Buch:

„For many years I have admired the good things coming out of Moore Theological College. It’s high time that the biblical theology being done down under be put front and center in North America. In an age of increasing specialization and fragmentation where even biblical things come apart, Goldsworthy’s approach to the unity of Scripture is an important countercultural blast.“

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