Feuilleton

Feuilleton & Kunst

Anpasser, aufgepasst!

41U6AcBLv6L._SL160_.jpgDer Psychiater Manfred Lütz, bekannt als Atheismus- und Evangelikalenkritiker (Gott: Eine kleine Geschichte des Größten), rechnet in einem Beitrag für den Rheinischer Merkur mit den Moden- und Milieustudien ab und warnt die Kirchen davor, jedem neuen Trend hinterherzulaufen:

Aber auch weniger revolutionäre Menschen brauchen ihre unhinterfragten Normalitäten. Als die Kirchen sich jüngst überlegten, wie sie die Menschen besser da abholen könnten, wo sie sind, mietete man einige gescheite Soziologen; die stellten erwartungsgemäß genau das fest, was Soziologen immer feststellen: Dass es nämlich »die Menschen« gar nicht gibt. Es gebe, so hätten sie herausgefunden, ganz verschiedene sogenannte Sinusmilieus, in denen sich das unstillbare Normalitätsbedürfnis der Menschen heute austobt. Solche gesellschaftlichen Kuschelecken sind vor allem durch ihre unvergleichliche Ästhetik charakterisiert. Da gibt es das »traditionsverwurzelte« rustikale Milieu mit dem röhrenden Hirsch über der Wohnzimmercouch, die »etablierte« abgefahrene Wohnungsinstallation mit hypermoderner Kunst und die »postmaterielle« ökologisch durchgestylte Wohnlandschaft, von der in künftigen Jahrhunderten archäologisch nichts mehr gefunden wird, da sie dann längst vollständig kompostiert worden ist. Auch die genauso eintönigen Mainstream-Milieus, in denen Normalität normal ist, und die hedonistischen Milieus, in denen Spaß haben Bürgerpflicht ist, machen die Sache nicht besser.

Es gibt nun Kirchenvertreter, die passgenaue Botschaften in diese Milieus senden wollen. Doch damit ist die Funktion seriöser Religion verkannt. Religion ist eine wichtige Irritation, die die Menschen aus ihrer Alltäglichkeit herausreißen kann. Sie könnte im Grunde all die blödsinnig normalen, gegen anders eingerichtete sorgfältig abgeschotteten Kreise erfolgreich aufmischen. Das hätte Pep. Dagegen ist eine stromlinienförmig angepasste Soft-Religion, die so blödsinnig normal wird, wie es die blödsinnig Normalen sowieso schon sind, überflüssig wie ein Kropf. Manchmal weiß man nicht, wen man verrückter finden soll: diejenigen, die in derartigen Welten leben, oder diejenigen, die an diese Welten wirklich glauben, als seien sie nicht bloß interessante soziologische Beschreibungen, sondern handfeste urwüchsige Realitäten. Doch in Sinusmilieus ist überhaupt nichts verrückt, da ist alles exakt an seinem Platz.

Hier der vollständige Artikel: www.merkur.de.

Sein neues Buch:

  • Manfred Lütz: Irre – Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen – Eine heitere Seelenkunde, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2009, 192 S., 17,95 Euro

kann hier bestellt werden (die Seite bietet auch ein Werbevideo zum Buch an):

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Glauben und Denken heute 1/2009

GuDh003.jpgEine neue Ausgabe von Glauben und Denken heute ist erschienen. Enthalten sind folgende Beiträge:

Die vollständige Ausgabe von Glauben und Denken heute 1/2009 kann hier herunter geladen werden: www.bucer.eu.

Im Erzählen seinen Halt finden

Gestern war ein großer Tag für die deutsche Literatur. Die Schriftstellerin Herta Müller hat den Literaturnobelpreis zugesprochen bekommen.

Die FAZ hat sich mit der Preisträgerin unterhalten und mehrere Hintergrundartikel zusammengestellt: www.faz.net.

Kindle nun auch nach Deutschland

kindl_faz.jpgDer Online-Händler Amazon wird sein »Kindle«-Lesegerät für elektronische Bücher nach der Frankfurter Buchmesse auch außerhalb der Vereinigten Staaten anbieten. »Kindle kann nun auch in Deutschland und in über 100 Ländern in aller Welt gekauft werden«, sagte Amazon-Chef Jeff Bezos.

Das E-Book-Angebot von Amazon umfasst derzeit nur englischsprachige Titel und keine deutschsprachigen elektronischen Bücher. Allerdings kann die digitale Ausgabe der FAZ für das Lesegerät erworben werden.

Bei der ZEIT hat jemand einen Selbstversuch mit dem Lesegerät gemacht:  www.zeit.de.

Apologetische Bücher zum Nulltarif

Hier hat jemand viel Zeit investiert und eine Bibliothek kostenfrei verfügbarer Apologetik-Bücher zusammengestellt. Zu den Autoren gehören beispielsweise Aurelius Augustinus, Thomas von Aquin, R.C. Sproul, G.K. Chesterton, Gary Habermas, F.F. Bruce, C.S. Lewis oder Alvin Plantinga.

Leider enthält die Bibliothek ausschließlich englischsprachige Literatur.

Hier die Zusammenstellung: truthbomb.blogspot.com.

Das Neue Testament: Überblick, Hintergrund und Erklärungen

Titelbild.jpgVor einigen Wochen ist das Buch Das Neue Testament: Überblick, Hintergrund und Erklärungen meines Kollegen Carsten Friedrich erschienen. Der Born Verlag schreibt dazu:

Die Bücher des Neuen Testaments gehören sicher zu den bekannteren Texten der Bibel. Dennoch braucht man auch hier manches Hintergrundwissen, um die Texte in ihrer jeweiligen Absicht zu verstehen.

Dieses kompakte Buch gibt dem/der Leser/in Hilfen zum Verständnis der einzelnen Bücher, einen Überblick über den Inhalt und stellt charakteristische Verse vor. So wird das Neue Testament begreifbarer und man wird ermutigt, das Gelesene durch eigene Entdeckungen zu vertiefen. Es regt zum persönlichen (Weiter)Lesen und zum Studium der biblischen Bücher an. Dazu dient auch der Bibelleseplan im Anhang des Buches, mit dem man in einem Jahr chronologisch das gesamte Neue Testament lesen kann.
Eine Einführung in die Entstehung des Neuen Testaments rundet das Buch ab.

Gedacht ist das Buch besonders für junge Leute ab 14 Jahre. Einsatzmöglichkeiten ergeben sich in Jugend- und Bibelkreisen, bei der Konfirmandenarbeit oder beim persönlichen Bibelstudium

Hier eine Leseprobe: Leseprobe.pdf.

Das Buch:

  • Carsten Friedrich: Das Neue Testament: Überblick, Hintergrund und Erklärungen, Born-Verlag, 2009, 84. S., 5,90 Euro

kann hier bestellt werden:

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Die Lehren der Gnade

Gnade.jpgBeim Betanien Verlag ist das Buch:

erschienen.

R.C. Sproul schreibt im Vorwort:

Mit diesem Buch präsentieren James Boice und Philip Ryken nicht nur eine präzise und zwingende Darstellung der Gnadenlehren, sondern auch den historischen Rahmen ihrer Entwicklung. Das Buch verfolgt die geschichtliche Wirkung dieser biblischen Wahrheiten. Zudem entblößt es den traurigen Zustand, der die Gemeinde heimsucht, wenn diese Lehren abgestritten oder vernachlässigt werden.

Titelei und Kapitel 2 können hier als PDF-Datei herunter geladen werden: www.betanien.de.

Wie das Christentum die Welt veränderte

419UFgxIGpL._SL160_.jpgHeute entsteht gelegentlich der Eindruck, das Christentum habe Finsternis über die Welt gebracht. Dass dies nicht so ist, belegt der Soziologe Alvin J. Schmidt ein seinem Buch Wie das Christentum die Welt veränderte.

In der Verlagsinformation heißt es dazu:

In Europa findet ein starker kultureller Wandel statt. Dies nicht nur vor dem Hintergrund einer multikulturellen Gesellschaft, sondern auch weil uns die enge Verzahnung der europäischen Kultur mit dem Christentum immer weniger bewusst ist. Gerade Errungenschaften, die als modern und aufgeklärt gepriesen werden, wurzeln meist in christlichem Gedankengut und unterscheiden aus diesem Grund die europäisch geprägten Kulturen von anderen Kulturen der Welt. Diese Erkenntnis ist deshalb wichtig, weil sich in offenen Gesellschaften Kulturen ändern, doch es ist entscheidend von welcher Basis und in welche Richtung Veränderungen erfolgen. Deshalb sind die Forschungsergebnisse des amerikanischen Soziologen Alvin J. Schmidt, der am Illinois College gelehrt hat, besonders aufschlussreich. Schmidt beschreibt den Einfluss des Christentums im Kontext mit der geschichtlichen Entwicklung und belegt, in welchen Bereichen das Christentum die abendländische Kultur geprägt hat. Gerade im Vergleich der Situation zur Zeit von Jesus und heute, z. B. bei den Menschenrechten, der Moralvorstellungen, des Ehe- und Frauenverständnisses und der sich durch das Christentum ergebenden tiefgreifenden Veränderungen, wird die revolutionäre Wirkung der Botschaft von Jesus deutlich, die an ihrer Sprengkraft nichts eingebüßt hat, sondern im Gegenteil. Entsprechend haben sich auch die Gesellschaftsordnung und das Recht geändert. Aber Schmidt geht weiter. Er zeichnet auf, wie das Weltverständnis des Christentums wissenschaftlicher Forschung breite Bahn brach, und wie Kunst, Architektur, Musik sowie Literatur durch das Christentum geprägt wurden. In seinem Einführungskapitel verdeutlicht er an Hand einiger markanter Beispiele, wie sich Menschen in ihrer Persönlichkeit durch die Annahme dieses Glaubens verändert haben. Ein solcher Gedanke ist nicht unwichtig, geht er doch auf das Eigentliche des Christentums ein und verdeutlicht, dass es Menschen und nicht anonyme Mächte sind, die mit ihrer Haltung und Gesinnung Kulturen prägen. Das betrifft nicht nur karitative oder soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser, Kindergärten und Waisenhäuser, sondern auch die Einführung der allgemeinen Schulpflicht für Jungen und Mädchen, die Bildung durch Universitäten sowie die Abschaffung der Sklaverei. Wer sich die heute drängenden Fragen stellt, wie eine Wirtschaftsordnung gestaltet sein sollte, findet gerade im Christentum die entscheidenden Fundamente: Freiheit, Verantwortung und Arbeitsethos.

Trotz der sorgfältigen Recherche und des wissenschaftlichen Anspruches liest sich dieses Buch eher wie ein spannender Roman. Dem Leser wird deutlich, auf welchem Fundament unsere Kultur steht. Das ist wichtig, wollen wir tragfähige Antworten für die Zukunft finden. Auch der Nichtchrist wird den unschätzbaren Wert des Christentums auf unser tägliches Leben erkennen, weil viele als modern und säkular gepriesenen Werte der christlichen Botschaft entstammen.

Bei einem Verkennen dieses Zusammenhanges und einer Preisgabe der christlichen Grundlage werden fatale Folgen nicht ausbleiben. Denn wenn wir nicht mehr wissen, warum manches so sein sollte, wird es aufgegeben. Schmidt bringt auch dafür zahlreiche Beispiele.

Das Buch:

Alvin J. Schmidt: Wie das Christentum die Welt veränderte: Menschen – Gesellschaft – Politik – Kunst, Gräfelfing: Resch Verlag, 2009, 494 S., 19,90 Euro

kann hier bestellt werden:

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»Bitte kein Lamento mehr, es wäre Unglauben«

Auf einem Werkstattkongress in Kassel orientieren sich die Protestanten neu. Sie wollen ihre Botschaft ungewohnt formulieren, Menschen von heute erreichen und gegen den Trend wachsen. Der Rheinische Merkur schreibt: »Die evangelische Kirche will nicht mehr hinnehmen, was die Zeit ihr bietet, Alterung, weniger Geld und Bedeutungsverlust, sondern ihre Rolle neu definieren und ihren Auftrag wieder entdecken. Das ist die Botschaft aus Kassel. »Wir sollten mit dem eigenen Glauben ernst machen, der Treue Gottes Vertrauen schenken«, stimmt der gastgebende Bischof Martin Hein im Eröffnungsgottesdienst die Teilnehmer ein. ›Bitte kein Lamento mehr, es wäre Unglauben.‹«

Weiter heißt es:

Wolfgang Huber hat in Kassel einen seiner letzten öffentlichen Auftritte als Ratsvorsitzender. Ist das sein Vermächtnis? Wie gewohnt setzt er die Gesten sparsam, aber die Stimme schlägt Schneisen. Jedes Argument sitzt, jede Beobachtung trifft. Er ist eine Spur ungeduldiger geworden, fordert eine Theologie, »die sich der Orientierungssuche unserer Zeit stellt und auf sie aus der Kraft der biblischen Texte und aus der Weite der kirchlichen Überlieferungen antwortet«. Die Theologie, sagt er, müsse im religiösen Pluralismus ihr Verhältnis zur Kirche neu klären. Und wirbt für eine Befreiung der Kirche aus einer Milieugefangenschaft: »Unsere Berührungsängste halten uns von vielen kulturell Kreativen genauso fern wie von wirtschaftlich Erfolgreichen.« Er spürt »eine Angst, für fromm gehalten zu werden. Manchmal hält sie uns davon ab, unsere Glaubensgewissheit zur Sprache zu bringen.« Bei solchen Sätzen klatschen die Teilnehmer im blau ausgeleuchteten Saal. Auch, als er eine »verbreitete Abneigung gegen die Vorstellung von wachsenden Gemeinden in der Kirche« kritisiert: »Wir dürfen das Wachstum als Ziel nicht aus den Augen verlieren.«

Den Artikel »Der Zukunft zugewandt« gibt es hier: www.merkur.de.

Der Westen dominiert die Welt längst nicht mehr

41bbquqc28L._SL160_.jpgWas kennzeichnet den Westen? Gewaltenteilung, Herrschaft des Rechts und universelle Menschenrechte sind Kernbestandteile unserer Werteordnung. Nach der Epochenwende von 1989 fragen sich viele, für was der Begriff »Westen« künftig stehen sollte. Ein neues Buch erzählt, wie der Westen wurde,was er ist.

Das Ergebnis dürfte einige Leute überraschen:

Die Frage, wie es dazu kam, dass nicht ganz Europa dem Westen zuzurechnen ist, führt zurück in die Zeit, die der historischen Spaltung in eine West- und eine Ostkirche vorausging. Diese Frage ist nicht bloß von historischem Interesse. Denn sie zielt auf kulturelle Prägungen, die Europa einmal verbunden haben und von denen noch vieles nachwirkt. Die stärkste dieser gemeinsamen Prägungen ist religiöser Natur: die christliche. Im Zuge der fortschreitenden Entkirchlichung und Entchristlichung Europas ist eine solche Feststellung alles andere als selbstverständlich. Laizisten könnte sie sogar als ein Versuch erscheinen, der Säkularisierung Einhalt zu gebieten. In Wirklichkeit ist es gerade der spezifische, ja weltgeschichtlich einzigartige Charakter des westlichen Säkularisierungsprozesses, der uns veranlassen sollte, religiösen Bedingungen dieser Entwicklung nachzugehen.

…

Von Jesu’ Unterscheidung zwischen den Sphären von Gott und (römischem) Kaiser bis zur ansatzweisen Trennung von geistlicher und weltlicher Gewalt im Investiturstreit des späten 11. und frühen 12. Jahrhunderts verging über ein Jahrtausend. Die Unterscheidung zwischen geistlicher und weltlicher Gewalt erscheint im historischen Rückblick als Keimzelle der Gewaltenteilung überhaupt, als Freisetzung von Kräften, die sich erst durch diese Trennung voll entfalten und weiter ausdifferenzieren konnten.

Hier ein Auszug aus dem Buch des Historikers Heinrich August Winkler: www.welt.de. Der erste Band des Werkes:

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