Feuilleton

Feuilleton & Kunst

Publikumsverachtung

Der öffentlichrechtliche Rundfunk in Deutschland hat sich verselbständigt. Er ist teuer, politisch einseitig und produziert immer mehr vom immer Gleichen, meint Hans-Hermann Tiedje: 

Und was ist mit Unparteilichkeit und Vielfalt, wo doch die Politiker der Linkspartei ständig auf Sendung sind? Eine Erklärung wäre: Linke behagen den Talkshow-Machern mehr als Rechte. Die Vielzahl von grünen Gästen spricht dafür. Der Meinungskorridor der Gäste wird zusehends schmaler. Liberal-konservative Intellektuelle sind kaum noch dabei.

Aber es gibt Artikel 5 des Grundgesetzes: «Eine Zensur findet nicht statt.» Wer’s glaubt, sehe bitte die ZDF-Nachrichtensendung «heute». Fast jeden Abend gelingt es der Redaktion, politische Tendenzberichte einzuschleusen. Und dann wieder die Sprache: Konsequent werden Klimakleber nicht als Straftäter (Straftatbestand Nötigung), sondern als Aktivisten oder Demonstranten verharmlost. Was hat das mit einer objektiven Nachrichtensprache zu tun? Nichts.

Ganz ernsthaft wird inzwischen die Frage gestellt, ob der öffentlichrechtliche Rundfunk, ein System ausser Kontrolle, eine Gefahr für die Meinungsfreiheit darstellt. Der Journalist Hans-Ulrich Jörges sagt: «Am Zustand der Deutschen Bahn und am Zustand des öffentlichrechtlichen Rundfunks erkennt man den Zustand der Bundesrepublik Deutschland.»

Mehr: www.nzz.ch.

Wer hält das Gendern auf?

Der Rechtschreibrat hat es nicht geschafft, die Einheitlichkeit der deutschen Sprache zu sichern. Dabei dient der Erhalt einer orthographischen Sprachnorm der leichten, zweifelsfreien und rechtssicheren Verständigung. Heiko Schmoll dämpft die Hoffnungen, die mit dem halbherzigen Beschluss des deutschen Rechtschreibrats verknüpft werden: 

Die Befolgung einer orthographischen Sprachnorm ist weder mit Bevormundung noch mit der Unterordnung unter einen autoritären Zwang zu verwechseln. Sie hat pragmatische Zwecke. Sie dient einer leichten, zweifelsfreien und rechtssicheren Verständigung. Geschriebene Sprache sollte idealerweise so formuliert sein, dass sie sich auch automatisiert übersetzen lässt.

Die Inseldiskussionen bestimmter universitärer Vertreter um die geeigneten Genderformen interessieren die Mehrheit der Bevölkerung nicht, die sich ausweislich von repräsentativen Umfragen gegen das Gendern ausspricht. Insofern kann es einen nur wundern, dass der Rechtschreibrat seiner Aufgabe, Sprachentwicklung zu beobachten, nur teilweise gerecht wird. Doch wenn es der Rat für Rechtschreibung nicht kann, wer dann? Ganz gewiss nicht der Duden, von dessen früherem Monopol nur er selbst etwas gehabt hat, nicht aber die deutsche Sprachgemeinschaft.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Seht unsern Gott

VM Seht unsern Gott Mockup

Das beliebte E21-Liederbuch Seht unsern Gott enthält 136 Lieder, darunter alte Kirchenlieder, bewährte Hymnen sowie neue Anbetungslieder, die Gemeinden, Kleingruppen und einzelne Christen dazu ermutigen sollen, ihren Gesang und ihr ganzes Leben auf Gott auszurichten. Das Buch war jetzt einige Monate vergriffen. Inzwischen kann die dritte Auflage bestellt werden. Im Vergleich zu früheren Auflagen wurden keine Änderungen an den Nummern oder den beinhalteten Liedern gemacht, sodass unterschiedliche Auflagen auch gleichzeitig genutzt werden können. 

Hier: verbum-medien.de.

Jungprediger Workshop 2023 mit Nigel Styles in Wetzlar

Flyer JPK 2023  1  3 Extrahieren 1

Vom 26.10. bis 28.10. 2023 startet in Wetzlar ein neuer Jungprediger Workshop. Diesmal geht es um das Buch Josua. Hauptreferent ist Nigel Styles, Director des „Cornhill Training Course“ und Leiter von „Proclamation Trust“ in London (England). Larry Normen, Pastor der English Church Leipzig, hat schon an mehreren dieser Workshops teilgenommen und sagt darüber:   

Ich finde dieses Workshop immer ein jährliches Highlight. Man genießt gute Bibellehre, die einem hilft, Christus durch ein Buch der Bibel besser zu verstehen, zu lieben und zu verkünden. Man genießt erfrischende Gemeinschaft mit anderen Christen, die Gottes Wort Vollzeit, Teilzeit oder in ihrer Freizeit verkünden. Und man darf auch eine kurze Predigt in einer kleinen Gruppe halten, und wertvollen, freundlichen Feedback bekommen, woraus man lernen kann, Gottes Wort besser zu verkünden. 

Ein Flyer mit weiteren Informationen und einer Anmeldemöglichkeit kann hier heruntergeladen werden: Flyer JPK 2023.pdf.

Francis Schaeffer: Kunst als schöpferisches Werk

Francis Schaeffer schreibt über den Wert von Kunst (Kunst und die Bibel, 1981, S. 31–32):

Als Christen wissen wir, warum ein Kunstwerk Wert besitzt. Warum? Erstens, weil es ein Produkt schöpferischer Tätigkeit ist, und das ist wertvoll, weil Gott der Schöpfer ist. Der erste Satz in der Bibel erklärt, daß der Schöpfer schuf: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Gleichermaßen lauten die ersten Worte des Prologs zum Johannesevangelium: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort … Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und oh ne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist“ (Joh. 1,1.3). Der erste Grund, warum schöpferische Tätigkeit wertvoll ist, besteht also darin, daß Gott der Schöpfer ist.

Zweitens ist ein Kunstwerk als ein Schöpferwerk des halb wertvoll, weil der Mensch nach dem Bilde Gottes gemacht ist, und darum kann der Mensch nicht nur lieben, denken und Emotionen empfinden, sondern er hat eben falls die Fähigkeit, schöpferisch tätig zu werden. Weil wir nach dem Bilde Gottes geschaffen worden sind, sind wir dazu berufen, schöpferisch zu sein und zu wirken. Ein Tier wird niemals ein Kunstwerk anfertigen. Nirgendwo jedoch werden wir Menschen oder eine Kultur finden können, die keine Kunst hervorbringen. Kreativität ist eines der Unterscheidungsmerkmale zwischen Mensch und Nicht-Mensch. Alle Menschen sind in gewissem Maße schöpferisch. Kreativität ist ein Grundbestandteil unseres Menschseins.

Aber diese Aussage läßt sich nicht einfach umkehren. Nicht jede Schöpfung ist große Kunst. Auch ist nicht alles, was der Mensch macht, gut, sei es vom moralischen oder intellektuellen Standpunkt her betrachtet. Wenn Kreativität an sich selbst etwas Gutes ist, bedeutet das nicht, daß jedes Produkt der menschlichen Kreativität unbedingt gut ist. Denn obwohl der Mensch nach dem Bilde Gottes erschaffen wurde, befindet er sich jetzt in einem gefallenen Zustand. – Abgesehen davon haben verschiedene Menschen unterschiedliche Gaben und Talente, und deshalb kann auch nicht jeder alles gleich gut schaffen. Wir wollen jedoch festhalten, daß Kreativität an sich etwas Gutes ist.

[asa]3935558376[/asa] 

Berufung

Berufung guinness 3a29dfbbDer Herold Verlag hat erfreulicherweise die erweiterte Auflage des Buches Berufung von Os Guinness herausgegeben. Schon diese Worte aus dem Eingangskapitel sind stark:

Gottes Ruf ist das Herzstück des Evangeliums, der besten Nachricht, die es gibt. Wenn wir aber entdecken wollen, was Gottes Ruf für uns alles beinhaltet, dann müssen wir ihn zuerst von all den Klischees und Verdrehungen befreien, die dem Begriff „Berufung“ noch immer anhaften. Vieler dieser Verdrehungen werden uns unterwegs begegnen, während wir die großen Wahrheiten von Gottes Ruf ausführlicher betrachten. Aber es lohnt sich, gleich zu Beginn auf zwei besonders weit verbreitete Verzerrungen hinsichtlich der Berufung einzugehen. Und zwar darauf, dass die Bedeutung der Berufung entweder unterschätzt oder sie ihres Inhalts beraubt wird. Unterschätzt wird unsere Vorstellung der göttlichen Berufung heutzutage häufig, indem wir sie auf das Leben des Einzelnen reduzieren. Alles dreht sich nur noch um uns – ich, mich und mein, „weil wir es wert sind“. Und ja, Gottes Berufung betrifft auf ganz persönliche und intime Art und Weise jeden Einzelnen von uns. Aber gleichzeitig ergeht Gottes Ruf an eine neue Menschheit, und zwar zu einem neuen gemeinsamen Lebensweg, dessen Endziel der neue Himmel und die neue Erde ist. Daher hat Gottes Berufung eine überwältigende schöpferische Kraft und weitreichende Auswirkungen. Es sollte uns deshalb auch nicht überraschen, dass Gottes Ruf die Geschichte nachweislich verändert und in der Welt einen Unterschied gemacht hat – sowohl was die Kultur ganzer Gesellschaften betrifft als auch in Bezug auf das Leben Einzelner. Genau diese Ehrfurcht und das Erstaunen darüber müssen wir gleich zu Beginn zurückgewinnen und erkennen, wie jeder Einzelne von uns in dieses große Bild hineinpasst, von dem wir letztendlich ein kleiner Teil sind.

Andreas Dück hat das Buch gründlich gelesen (das kann ich sagen, denn ich habe die Markierungen im Buch gesehen) und eine Rezension veröffentlicht. Trotzdem wird er das Buch noch einmal lesen, da es ihn so gepackt hat. Er schreibt: 

Spannend finde ich auch den Studienteil am Ende des Buches. Wenn ich mir die Fragen mancher christlichen Jüngerschaftskurse anschaue, bin ich oft enttäuscht vom Niveau und der Vorhersehbarkeit der Antworten. Bei Os Guinness finde ich jedoch Fragen, die auf den Inhalt des Kapitels eingehen und zu einem anregenden Austausch einladen. Das macht diese Ausgabe des Buches zu einem hervorragenden Werkzeug für Buchleseprojekte in Jugend-, Studenten-, Männer- und Frauengruppen. Eine besondere Zielgruppe sehe ich in Menschen, die sich für Kunst, Kultur, Wissenschaft, Theologie, Politik oder Wirtschaft interessieren und in einem dieser Bereiche engagieren wollen. Das Buch bietet einen brillant durchdachten und gleichzeitig inspirierenden Leitfaden für ein bewusst gelebtes Leben in der Nachfolge Jesu.

Der wertige Umschlag, der leichte Schreibstil und die ausgezeichnete Übersetzung laden zum Aufschlagen, Lesen und Nachdenken ein. Für eine stärkere Nutzung sollte das Buch aber eine Hülle bekommen, da sich das schöne Weiß des Umschlags mit zunehmendem Gebrauch verfärbt. Ich für meinen Teil setze das Buch noch einmal auf meine Leseliste.

Die Rezension kann hier nachgelesen werden: www.evangelium21.net. Das Buch selbst kann am Besten hier bestellt werden: herold-mission.com.

Moltmann: Glauben und Wissen

Wie manche wissen, bin ich kein Freund der moltmannschen Theologie. Ich halte wenig von seiner Politisierung des Evangeliums, kritisiere seine Kreuzestheologie oder auch die Trinitätslehre sowie seine Gotteslehre insgesamt. Trotzdem lese ich Moltmann gern. Er ist ein wirklich gelehrter Theologe, von denen es heute nicht mehr so viele gibt. Ihm kann – im Blick auf die Theologiegeschichte – so schnell niemand etwas vormachen. Er schafft es, Fragestellungen ohne große Umschweife auf den Punkt zu bringen und oft auch auch zu beantworten.

Mein Lieblingstext von Jürgen Moltmann stammt interessanterweise nicht aus seiner Werkausgabe (die ich schätze), sondern aus einer unscheinbaren Aufsatzsammlung (Rudolf Bohren (Hrsg.), Einführung in das Studium der evangelischen Theologie, München  Chr. Kaiser Verlag , 1964). Dort schreibt er in seinem Beitrag zur Dogmatik etwas über den Zusammenhang von Glauben und Wissen, was man besser meines Erachtens nicht sagen kann (S. 103–105):

Mit zwei Fragen kommt jeder Theologiestudent in sein Studium hinein: es sind die Fragen nach dem Glauben und nach dem Wissen. Solange sich einer um „Theologie“ bemüht, ringt er darum, glaubend zu wissen und wissend zu glauben. Er möchte erkennen, verstehen und begreifen, was er glaubt und was er als Evangelium zu hören bekommt. Wie sollte einer Glauben fassen und im Glauben bestehen können, der sich nicht aufmacht, dem nachzudenken mit allen Fragen seines Verstandes, was ihn zum Glauben, zum Hoffen und zum Lieben ruft und nötigt! Er muß danach fragen, worauf er sich im Glauben denn eigentlich einläßt. Er muß kritisch Zusehen, ob das wahr ist, was ihm als Gottes Wahrheit verkündet wird, ob es Gott selbst ist, den er hört, oder nur ein Abgott und ein Götze menschlicher Einbildungskraft, ob es wahrer Glaube oder nur ein Aberglaube ist, den er in seinem Herzen bewegt. Kritisches Fragen nach der Wahrheit und Selbstkritik gehören schlechterdings zum christlichen Glauben. Denn dieser Glaube ist nicht blind, wie das Schicksal, auf das man setzt, ohne zu wissen, ob man gewinnt. Der Gott, der der Vater Jesu Christi genannt wird, ist kein dunkler Gott, den man im Gedankenflug der Spekulation oder in den dunklen Ahnungen des eigenen Herzens finden könnte. Er ist ein offenbarer Gott, ein offenkundiger Gott, den man in der Geschichte Israels und in der Geschichte Jesu Christi sehen und erkennen, hören und vernehmen kann. Darum sind die Glaubenden keineswegs besonders religiös veranlagte Menschen, sondern sie sind Menschen, wie andere auch. Aber sie sehen, was eigentlich jedermann sehen müßte. Sie hören, was eigentlich jeder hören müßte. Sie fassen jene Freude und Zuversicht, die eigentlich jeder fassen müßte. Ihr Glaube ist nicht „blind“ und ist auch kein „Wagnis“ und kein „Sprung in den Abgrund“. Im Neuen Testament bekennen die Menschen vielmehr: „Wir haben geglaubt und erkannt, daß Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Joh. 6, 68). Sie sprechen von dem „Wort des Lebens“, das sie „gehört haben, mit ihren Augen gesehen und mit ihren Händen betastet haben“ (1. Joh. 1,1). Wie sollte darum der Glaube die Augen und die Fragen des Verstandes verschließen können, und nicht vielmehr die Geschichte sehen und zu erkennen trachten, die ihm verkündigt wird!

Es ist der christliche Glaube selber, der nach Erkenntnis und Verstand drängt. Gewöhnlich hört und liest man es zwar umgekehrt, daß der Verstand mit seinem Fragen und Zweifeln den Glauben bedrängt. Doch hat der mittelalterliche Theologe Anselm von Canterbury recht, wenn er die Theologie aus dem Grundsatz entwickelt: fides quaerens intellectum (Der Glaube fragt nach Verstand). Der Glaube hat sich vor den Zweifeln des Verstandes nicht in die Gläubigkeit des Herzens zurückzuziehen, die ihm „keiner nehmen kann“ – die er aber auch keinem mitteilen kann. Er hat seinerseits dem Verstande Fragen zu stellen. Der Glaube fragt den Verstand, und er fragt nach Verstand. Er bringt mit seinem Fragen einen unstillbaren Hunger nach Erkenntnis in den Verstand und wird so zur Unruhe, zum treibenden Motor und zum ständigen „Querulanten“ im Denken des Menschen. Das hält den Verstand des Menschen offen und in Atem. Das läßt ihn keine Ruhe finden bei sich selbst, sondern macht es, daß der menschliche Verstand sich öffnet für die Zukunft und sich selbst und der erfahrbaren Wirklichkeit voraneilt. Wahrer Glaube ist darum nie ohne eine „gewisse Erkenntnis“. Es gehört zu ihm Gewißheit, so daß er sagen kann: Ich weiß, woran ich glaube. Ich weiß, was fest besteht. Daß diese Gewißheit auch in das Wissen komme, darum studiert man Theologie, darum forscht, sucht, diskutiert und hört man. „Erkennen“, so hat der große Theologe der Alten Kirche Augustin einmal gesagt, ist „ein Liebhaben mit dem Verstande“. So ist die theologische Erkenntnis, nach der der Glaube hungert, ein Liebhaben Gottes und Christi mit dem Verstande. Dieses ist das eine: Glaubend zu wissen.

Ein anderes ist es, wissend zu glauben. Auch das bleibt keinem erspart, der mit wachen Sinnen in seiner Zeit lebt. Er muß darum kämpfen, wissend, und zwar wissend mit aller ihm zugänglichen und möglichen Wissenschaft von der Welt, von den Menschen, von der Geschichte und der Gesellschaft, zu glauben. Lessing hat zu Beginn der wissenschaftlichen Aufklärung der Neuzeit einmal von sich bekannt, er sei mit dem Kopf ein Heide, mit dem Herzen aber ein lutherischer Christ. Seither ist diese Bewußtseinsspaltung von modernem Wissen und christlichem Glauben, von Sonntag und Alltag, von Theologie und Wissenschaft, unsere Erbschaft geworden. Sie ist uns so geläufig, daß kaum noch jemand einen Schmerz darüber empfindet. Wer etwas wissen will, darf nichts glauben, sagen die einen. Wer Theologie studiert, verliert seinen Glauben, sagen die anderen. Von Gott kann man nichts wissen, sagen beide; nur ziehen die einen daraus den Schluß: es gibt keinen Gott, Gott ist tot, und die anderen: man muß glauben, ohne zu wissen. Für die Atheisten ist die Unerkennbarkeit Gottes der Grund für die Gottlosigkeit. Für die Frommen ist die Unbeweisbarkeit Gottes der Grund für die Unanfechtbarkeit ihres Herzensglaubens. Beide haben Glauben und Wissen so voneinander geschieden, daß sie sich nichts mehr zu sagen haben. Darum wird die Wissenschaft gottlos und der Glaube blind. Je mehr aber der christliche Glaube sich in seine eigene Innerlichkeit zurückzieht, um Gott drinnen zu suchen, den er draußen nicht mehr finden kann, um so mehr liefert er die Wirklichkeit draußen und die Wissenschaft und Technik, die mit dieser Welt draußen umgehen, der Gottlosigkeit, Sinnlosigkeit und Dunkelheit aus. Erst dieser Rückzug des Glaubens aus der Wirklichkeit und den Wissenschaften hat jene Situation geschaffen, in der der Atheismus bewußt oder unbewußt zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Auf diesem Rückzuge wird der Glaube unbeweisbar und unanfechtbar, aber er hat dieser Welt auch nichts mehr zu sagen und wird ganz überflüssig, wird zum Hobby, das manche sich noch leisten.

Smartphones und die Kids

Studien belegen, dass die exzessive Nutzung von Smartphones Kinder nervös und unglücklich macht – und die Entwicklung ihres Gehirns beeinträchtigen kann. „Zwischen drei und sieben Stunden kleben die Kinder am Handy. Schon jetzt gibt es spezielle Suchtkliniken, in denen Kinder behandelt werden, die bis zu 17 Stunden am digitalen Tropf hängen. Der Erfinder des Like-Daumens, Justin Rosenstock, erklärte schon 2018, dass die sozialen Netzwerke wie Heroin wirkten, die Kids zu Junkies machen.“

Christine Brink schreibt weiter für DIE WELT:

Regel Nummer eins für diese Eltern ist: „keine Bildschirme im Schlafzimmer, niemals“. Denn inzwischen ist das Smartphone für viele Kinder das Letzte, was sie vor dem Einschlafen sehen. Und beim Aufwachen greifen sie als Erstes danach. Oft liegt das Ding sogar unter dem Kopfkissen, und wenn die Kinder nachts aufwachen, schauen sie darauf. Das Symptom heißt FOMO, „Fear Of Missing Out“, die Angst, etwas zu verpassen.

Die Vorsicht der amerikanischen Techies lässt sich längst durch umfassende Studien begründen. Mittlerweile sind die Geräte noch cleverer geworden und die Nutzer immer jünger. Die Eltern sind ahnungslos, die Folgen erschreckend.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Neo Rauch: Die Documenta huldigte dem Kollektivismus

Der deutsche Maler Neo Rauch hat der NZZ ein feines Interview gegeben und fordert darin mehr Rückbesinnung auf Vernunft: „Die pseudoreligiöse Anmutung vieler Protestbewegungen im Augenblick treibt mich sehr um. Das schreit nach einer aufklärerischen Einflussnahme. Aber das Lager der Aufklärer ist dünn geworden.“ Bemerkenswert und vollkommen zutreffend finde ich seine Sichtweise auf die Kunstaustellung Documenta 2022 in Kassel, die übrigens indirekt auch als Seitenhieb auf Joseph Beuys gelesen werden darf („Jeder Mensch ist ein Künstler.“): 

Das zentrale Skandalon drückte sich in antisemitischen Vulgaritäten aus. Daneben fand aber auch eine tiefergreifende Attacke auf den Künstler als solchen statt. Ich halte viel von dem Prinzip, dass der Künstler in seiner Daseinsform ein Sonderling ist, ein von gesellschaftlichen Grundmassstäben in bestimmter Weise abweichender Könner. Kassel huldigte hingegen dem Kollektivismus. Und dieser erinnert natürlich an grauenvolle Zustände, die wir hinter uns gebracht wähnten. Die Documenta war eine Attacke auf den nicht normierbaren Sonderling, der etwas kann, was andere nicht können, und der Anlass gibt zum ehrfürchtigen Staunen. Wenn dieser verschwindet, dann verschwindet mehr, als sich manch einer zu erträumen wagt.

Mehr: www.nzz.ch.

Matthew Barrett: Die Reformation als Erneuerung

123393EBGestern ist das Buch The Reformation as Renewal: Retrieving the One, Holy, Catholic, and Apostolic Church (Grand Rapids, MI: Zondervan Academic, 2023) erschienen. Der Verlag schreibt über das Werk:

Das Buch ist eine frische, ganzheitliche und augenöffnende Einführung in einen der bedeutendsten Wendepunkte in der Geschichte der christlichen Kirche. Unter Berücksichtigung sowohl der historischen als auch der intellektuellen Ursprünge der Reformation im 16. Jahrhundert zeigt Matthew Barrett, dass die Reformation in ihrem Kern eine Erneuerung der evangelischen Katholizität war. Rom warf den Reformatoren Neuheit vor, als seien sie Ketzer, die von der katholischen (universalen) Kirche abwichen. Doch die Reformatoren glaubten, sie seien katholischer als Rom. In Abgrenzung zu den Radikalen waren die Reformatoren überzeugt, dass sie den Glauben ihrer patristischen und mittelalterlichen Väter wiederherstellen würden. Anstatt mit der Kirche zu brechen, sahen sich die Reformatoren als treue Verwalter der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche, die in der Geschichte bewahrt wurde. Während Rom sich auf Innovationen stützte, die ihren Ursprung im späten Mittelalter hatten, verbanden sich die Reformatoren mit der Kirche aller Epochen, der patristischen wie der mittelalterlichen, um den wahren Gottesdienst und die Erneuerung des Evangeliums in ihrer eigenen Zeit wiederherzustellen.

Ich habe schon mal reingeschaut und gelesen, was Barrett zur Debatte um die Sühnetheologie geschrieben hat.

Die Reformatoren des 16. Jahrhunderts waren in ihrer Polemik mit dem Papsttum unnachgiebige Verteidiger des solus Christus. Die Rechtfertigung hing von einem Sühneopfer ab, mit dem Christus alles bezahlte. Christus setzte sich an die Stelle der Sünder und befriedigte den Zorn Gottes, den die Sünder verdient hatten. Allein durch den Glauben an Christus wird den Gottlosen nicht nur ein Teil, sondern das Ganze vergeben. Außerdem wird ihnen durch den Glauben auch die Gerechtigkeit Christi zugerechnet. Denn Christus hat nicht nur an der Stelle der Sünder gelitten, sondern auch für sie gelebt und das Gesetz bis zur Vollkommenheit befolgt, was die Sünder nicht geschafft haben. Sein makelloser Gehorsam wird den Gläubigen angerechnet und gibt allen, die an Christus glauben, die Gewissheit des ewigen Lebens.

Die mittelalterlichen Scholastiker stimmten nicht genau mit den Reformatoren überein, wenn es um die angewandte Erlösung geht, was deutlich wird, wenn man die mittelalterliche Behauptung der übertragenen Gerechtigkeit der reformatorischen Lehre von der angerechneten Gerechtigkeit gegenüberstellt. In Bezug auf die vollbrachte Erlösung – das objektive, geschichtliche Werk Christi als Mittler am Kreuz – stimmten die Reformatoren jedoch in einigen wichtigen Punkten mit namhaften Scholastikern überein. Diese Übereinstimmung mag nicht exakt gewesen sein (wie wir noch sehen werden), aber sie war bemerkenswert. Die Reformatoren standen auf einem Fundament, das nicht nur von den Kirchenvätern, sondern auch von den mittelalterlichen Scholastikern geebnet worden war. Dieses Fundament erklärt, warum die Reformatoren die Transsubstantiation anfechten konnten (siehe Kapitel 8), die ihrer Meinung nach die Hinlänglichkeit des Opfers Christi (solus Christus) verletzte. Die Reformatoren stellten jedoch die grundlegende und wesentliche Bestätigung des Kreuzes als Sühne, ja sogar als Genugtuung für die Sünde durch Rom nicht in Frage.

Die Ausgabe für die Bibelsoftware Logos gibt es hier: www.logos.com.

[asa]B0B5DDZ8B2[/asa]

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner