Politik

Genderwahn an deutschen Universitäten

Michael Ginsburg kommentiert für DIE WELT den Gender-Irrsinn, der von öffentlich finanzierten Experten an den Universitäten verzapft wird. Es ist zum Auswandern!

Fehlt etwa das Binnen-I, wie bei StudentInnen oder BürgerInnen, kann die Note bis zu zehn Prozentpunkte schlechter ausfallen. Dabei sind diese Unis genau genommen nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand der Genderforschung. Denn Bezeichnungen, wie StudentInnen und BürgerInnen diskriminieren wiederum die Trans-, und Intersexuellen. So argumentiert zumindest Profx Lann Hornscheidt, die/der früher einmal Antje Hornscheidt hieß. Besser wäre es da, wenn sie Studierx oder Bürgx schreiben würden, empfiehlt er/sie.

Auch um Fragen, wie geforscht werden sollte und wer überhaupt forschen darf, wird ein erbitterter Kampf geführt. Männer würden im Namen von „wahrem Wissen“ und „Erkenntnisfortschritt“ eigentlich einen Kampf um mehr Kontrolle und Macht führen, schreibt etwa Genderprofessorin Elisabeth List.

Solche Argumente basieren wohl auf der sogenannten feministischen Standpunkttheorie, einer in der Genderforschung hoch anerkannten Wissenschaftsmethodik. Die Theorie besagt, dass weiße, heterosexuelle Männer grundsätzlich keine objektive Forschung betreiben würden, weil sie durch ihre privilegierte Position voreingenommen sind und daran arbeiten würden ihre Hegemonie gegen alle Deklassierten aufrechtzuerhalten.

Frauen, Trans-, Homo-, Bi-, Intersexuelle, die im besten Fall nicht weiß sind und eine Behinderung haben, würden eine wesentlich objektivere Sicht auf die Welt haben und seien deshalb als Forscher viel besser geeignet.

Mehr: www.welt.de.

Das gute Recht der Eltern

Der Kommentar „Das gute Recht der Eltern„ von Heike Schmoll, der in der gestrigen Ausgabe der FAZ erschienen ist (11.11.2014, Nr. 262, S. 1), kann seit heute auch online eingesehen werden. Darin heißt es:

Wer das sogenannte Gender-Mainstreaming kritisiert, gilt in Kreisen einesfortschrittlichen Zeitgeistes als homophob und reaktionär. Das ist das Kampfvokabular, mit dem sich Skeptiker staatlich verordneter Gender-Theorien in der Kita oder im Schulunterricht konfrontiert sehen. Doch handelt es sich meist um Eltern, die auf die „Lufthoheit über den Kinderbetten“ (Olaf Scholz) und ihr Grundrecht auf Erziehung nicht verzichten wollen. Es geht ihnen nicht darum, die Gleichstellung der Geschlechter und unterschiedlichen Lebensformen in Frage zu stellen, erst recht nicht darum, einzelne Formen von Sexualität zu stigmatisieren. Sie fühlen sich nur verantwortlich für die Sexualerziehung ihrer Kinder und wollen solche Fragen mit der nötigen Sensibilität in der jeweils passenden Entwicklungsphase angesprochen wissen.

Die Ziele des sogenannten Gender-Mainstreaming sind den Eltern noch viel zu wenig bekannt. Nur die Lehrpläne aus Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen bringen in einer selten aggressiven Form zutage, was sonst in einer „hidden agenda“ begrifflicher Nebelkerzen und Anglizismen verdeckt bleibt. Das Gender-Mainstreaming als EU-Richtlinie, die weit mehr umfasst als die Gleichstellung von Männern und Frauen, ist von allen Mitgliedstaaten für verbindlich erklärt und von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt schon 1999 vom Bundeskabinett als Leitprinzip der eigenen Politik anerkannt worden. „Gender“ meint die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechterrollen und stammt aus der Sexualforschung. Zunächst sollte es das Phänomen der Transsexualität sprachlich erfassen und wurde dann von der Homosexuellenbewegung aufgegriffen.

Hier mehr: www.faz.net.

„Drachenbrut“

Der Auftritt von Wolf Biermann gestern im Bundestag hat uns vorgeführt, wie geistig arm, opportunistisch und unfrei unsere Welt unter dem Eindruck der politischen Korrektheit geworden ist. Dass sie durch die political correctness nicht klüger, friedlicher oder besser geworden ist, sehen wir überall, z.B. im Deutschen Bundestag.

Danke Wolf Biermann! Ich hoffe, dass viele junge Leute von dir lernen, dass man mit Mut und Sprachgewalt gegen Gewalt und für die Freiheit kämpfen kann. Eine zweite Oktoberrevolution, das will ich hinzufügen, würde freilich keine Freiheit bringen.

Wer den Aufritt verpasst hat, findet ihn hier:

Überschreitungen unter dem Deckmantel der Vielfalt

Kinder sollen ihre „Lieblingsstellung“ zeigen, Puffs planen, Massagen üben. Die sexuelle Aufklärung missachtet Grenzen. Die Politik will es so. Unter dem Einfluss der „Gesellschaft für Sexualpädagogik“ sollen drei Lebensumstände entnaturalisiert werden: „die Kernfamilie, die Heterosexualität und die Generativität, also die Altersgrenzen zwischen den Generationen“. Kinderschützer schlagen Alarm.

Antje Schmelcher schreibt für die FAZ:

Ursula Enders vom Verein „Zartbitter“ gegen sexuellen Missbrauch von Mädchen und Jungen hält das für übergriffig. In der Arbeit der Fachberatungsstellen würden täglich das große Ausmaß der sexualisierten Gewalt durch Jugendliche und die durch die starke Pornographisierung der Gesellschaft ausgelöste Verwirrung vieler jugendlicher Mädchen und Jungen deutlich, sagt Enders.

Sexualpädagogik müsse Orientierung für einen Grenzen achtenden Umgang mit Sexualität vermitteln und zugleich einen geschützten Raum zur Auseinandersetzung mit unterschiedlichen sexuellen Identitäten bieten. „Eine Sexualpädagogik der Vielfalt“, die mit sexuell grenzverletzenden Methoden arbeitet, sei ein Etikettenschwindel. „Dies ist eine neue Form sexualisierter Gewalt, die zudem sexuelle Übergriffe durch Jugendliche fördert“, sagt Enders. In den achtziger Jahren hätten Pädosexuelle sexuellen Missbrauch und die Missachtung der Grenzen zwischen den Generationen als fortschrittliche Sexualpädagogik verkauft.

Heute würden von einigen Autoren und Sexualpädagogen berechtigte Anliegen der Transgenderbewegung benutzt, um älteren Kindern und Jugendlichen eine Auseinandersetzung mit Formen der Sexualität aufzudrücken, die persönliche Grenzen verletzen, so Enders. Es entspreche keineswegs den Fragen von 14 Jahre alten Mädchen und Jungen, wenn sie zum Beispiel für eine Gruppenübung Sexartikel wie einen Dildo, Potenzmittel, Handschellen, Aktfotos und Lederkleidung erwerben sollen. Enders fragt: „Wie mag eine Jugendliche, die im Rahmen von Kinderprostitution verkauft wird, sich wohl fühlen, wenn sie im Sexualkundeunterricht einen ,neuen Puff für alle‘ planen soll?“

„Das ist brandgefährlich“, sagt auch die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Christina Hennen von der Vereinigung Deutscher Psychotherapeuten. Eine solche Sexualpädagogik sei der Versuch, die Schamgrenzen von Kindern und Jugendlichen aufzubrechen. Pädagogen, die die Abhängigkeit der Schüler ausnutzen, könnten so Gehorsam erzwingen, glaubt Hennen.

Unbedingt lesen: www.faz.net.

Wer ist Marina Silva?

Seit heute Nacht wissen wir es: Die evangelikale Kandidatin Marina Silva wird bei der Wahl um die neue Präsidentschaft Brasiliens keine Rolle mehr spielen. Amtsinhaberin Dilma Rousseff hat die Präsidentschaftswahl mit 41,5 Prozent der Stimmen gewonnen. Sie wird gegen den konservativen Kandidaten Aécio Neves in einer Stichwahl antreten, der 33,5 Prozent der Stimmen erhielt. Marina Silva bekam 21,3 Prozent der Stimmen und landete damit auf dem dritten Platz.

Ich habe meinen Freund Cristiano aus Brasilien vor einigen Tagen zu Marina Silva befragt (vgl. a. hier). Cristiano hat wiederum Gutierres Fernandes Siqueira um einen kurzen Kommentar gebeten. Gutierres Fernandes Siqueira ist ein bekannter christlicher Blogger in Brasilien. Er bloggt unter Teologia Pentecostal insbesondere über Entwicklungen in den pfingstlerischen Kirchen. Ivo C. hat freundlicherweise den Kommentar schnell übersetzt. Ich danke  Cris, Gutierres Fernandes und Ivo für ihre Unterstützung!

Wer ist Marina Silva?

Wer ist Marina Silva? Es ist keine leichte Aufgabe, die evangelikale Umweltschützerin zu verstehen, die bald die nächste Präsidentin Brasiliens sein könnte. In einer bitterarmen Familie Amazoniens aufgewachsen, eine der ärmsten Regionen des Landes, lernte sie erst mit sechzehn Jahren lesen. In jungen Jahren war sie stark dem römischen Katholizismus zugewandt und dachte sogar daran, Nonne zu werden, doch kaum erwachsen, wollte sie ihren Traum verwirklichen und Lehrerin werden. Ihre politische Karriere setzte mit ihrem Beitritt zur wichtigsten Linkspartei Brasiliens ein, der Partido dos Trabalhadores („Arbeiterpartei“). Später fand sie durch das Pfingstlertum zum Protestantismus. Erfolgreich vertrat sie die Interessen Acres, eines kleinen brasilianischen Bundesstaates – zunächst als Kongressabgeordnete, später als Senatorin. Unter der Ära Lula wurde sie zur Umweltministerin ernannt. Aufgrund des tödlichen Unfalls ihres politischen Partners Eduardo Campos ist sie nun zum zweiten Mal Kandidatin fürs Präsidentenamt. Das erste Mal war sie für die „Grünen“ (Partito Verde) an den Start gegangen, jetzt steht sie für die „Sozialistische Partei PSB“ (Partido Socialista Brasileiro) im Rennen.

Weshalb fällt ein Verständnis Marina Silva so schwer? Sie gehört dem „Dritten Weg“ der brasilianischen Politik an: Sie zählt sich weder zu den Konservativen noch zu den Fortschrittlichen. Sie ist gegen die Schwulenehe, ist aber Mitglied einer sozialistischen Partei, die die Schwulenehe verteidigt. Sie setzt sich für Nachhaltigkeit als Musterbeispiel der öffentlichen Verwaltung ein, schätzt aber auch die Vorzüge der freien Marktwirtschaft. Sie befürwortet die vollständige Autonomie der Central Bank of Brazil und sieht sie auch durchaus aus „orthodox-wirtschaftlichem“ Blickwinkel, gleichzeitig verspricht sie aber, den Wohlfahrtsstaat voranzubringen. Mit anderen Worten: Der Vorschlag ihres Regierungsplans könnte deutschen Christdemokraten und französischen Sozialisten, Republikanern und Demokraten der Vereinigten Staaten, Mitgliedern der englischen Arbeiterpartei und der Konservativen gleichermaßen gefallen. Marina Silvas Diskurs versucht den Dualismus zwischen links und rechts, zwischen Progressiven und Konservativen zu überwinden; im Endeffekt führt er zu einer Art weltanschaulicher Ratlosigkeit.

In Bezug auf den christlichen Glauben versucht Marina Silva, Leute verschiedener theologischer Sichtweisen um sich zu vereinen. Sie ist Mitglied und ordinierte „Missionarin“ der „Igreja Evangélica Assembleia de Deus“ („Evangelikale Versammlung Gottes“), der größten protestantischen Kirche Brasiliens. Die pfingstlerische Lehre dieser Kirche hindert Marina nicht daran, gute Beziehungen zu anderen Kirchen zu unterhalten. Zu ihren Freunden zählen Baptisten, Presbyterianer, Lutheraner und Anhänger kleinerer neopfingstlerischer bzw. charismatischer Gemeinden. Als Katholikin stand sie der Befreiungstheologie nahe, der lateinamerikanischen Version des Social Gospel, nach ihrem Übertritt zum Pfingstlertum trat sie in eine pietistisch-fundamentalistische Kirche ein („pietistisch“ resp. „fundamentalistisch“ im historischen Sinn gefasst).

Marina Silva ist ein Rollenvorbild unter evangelikalen Politikern. Geschichtlich betrachtet haben evangelikale Kandidaten den Glauben stets mit politischem Bekehrungseifer in eins gesetzt; bis jetzt jedoch macht sich Marina sehr gut, denn sie nützt die kirchlichen Strukturen nicht zu eigenem Vorteil aus. Ihr evangelikaler Glaube wird stets hervorgehoben, ihre Haltung zeugt jedoch keineswegs von „theonomischer Bedrohung“.

Zieht man all dies ins Kalkül, könnte man Marina Silva am besten als typisch „postmodern“ bezeichnen.

Gutierres Fernandes Siqueira

Kalifornien: Christliche Studentenarbeit zieht sich zurück

Antidiskriminierungsgesetze und die Forderung nach konsequenter Gleichbehandlung können zu bizarren Ergebnissen führen. Vor vier Jahren hat in den Vereinigten Staaten von Amerika das höchste Gericht entschieden, dass Universitäten in Kalifornien christliche Studentengruppen zwingen können, nicht-christliche Leiter einzuführen. „InterVarsity Christian Fellowship“, vergleichbar mit dem SMD in Deutschland, gab nun bekannt, dass sie sich aus den Campus der staatlichen Universitäten in Kalifornien zurückziehen. Aufgeben werden sie allerdings nicht.

The California campuses are not the first from which InterVarsity has had to withdraw in an official capacity. In 2011, Vanderbilt University in Nashville, Tenn., also adopted an all-comers policy. Rather than sign an agreement pledging to consider non-Christians for leadership positions, InterVarsity’s Graduate Christian Fellowship and about a dozen other Christian groups moved off campus. Other private colleges have followed Vanderbilt’s lead, though not at the pace some campus Christian ministries feared. In May, InterVarsity leaders at Bowdoin College in Brunswick, Maine, had to step down because they would not sign a similar policy requiring them to allow lesbian, gay, and other non-heterosexual students to be leaders.

And while Vanderbilt’s policy made ministry more difficult, Christian groups there haven’t disappeared. In a message to InterVarsity donors, Jao said the end of acceptance for Christians on college campuses creates an opportunity.

“Our position will cost us,” he said. “But I think the campus-access challenge gives students an opportunity to say, some might be afraid to pay the price, but not this generation of world changers. … Throughout the country, we’ve found that our staff and student leaders respond to derecognition with greater creativity, boldness, and risk-taking. And, perhaps more importantly, they’ve deepened their convictions as disciples, evangelists, and leaders.”

Mehr: www.worldmag.com.

Gewalt und theologische Tradition im Islam

Martin Rhonheimer, Autor des Buches Christentum und säkularer Staat: Geschichte – Gegenwart – Zukunft (Herder, Freiburg i. Br. 2012, siehe meine Rezension hier), hat in der NZZ die Frage der Gewalt im Namen Allahs erörtert:

Zu Beginn waren die Muslime im muslimischen Herrschaftsgebiet meistens eine Minderheit. Ihre Herrschaft gründete auf der grossen Zahl der «dhimmis», der «Schutzbefohlenen». Juden, Christen und andere «Schriftbesitzer» galten nicht als «Ungläubige»: Sie konnten als «dhimmis» ihr Leben behalten, auch wenn sie keine Muslime wurden. Die heute vom IS gejagten Jesiden gelten nicht als «Schriftbesitzer», für sie gibt es daher nur die Alternative: Konversion zum Islam oder Tod. Die islamische Theologie besitzt keine argumentativen Ressourcen, um das Vorgehen des IS als «unislamisch» zu verurteilen. Es gibt im Islam nämlich kein generelles Tötungsverbot. Es gibt hingegen eine generelle Tötungslizenz: «Ungläubige», die sich der Konversion zum Islam widersetzen, sollen getötet werden. So heisst es in Sure 9, 5: «. . . tötet die Heiden, wo immer ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf! Wenn sie sich aber bekehren, das Gebet verrichten und die Almosensteuer geben, lasst sie ihres Weges ziehen! Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben.»

Der Islam ist seinem Wesen nach mehr als eine Religion. Er ist ein kultisches, politisches und soziales Regelwerk, will religiöse und politisch-soziale Ordnung in einem sein. Und er war von Anfang an kriegerisch. Der Islam will das «Haus des Islam» auf der ganzen Welt verbreiten. Es geht ihm dabei nicht so sehr um religiöse Bekehrung der Nichtmuslime als um ihre Unterwerfung unter die Scharia. In Sure 2, 256 heisst es: «In der Religion gibt es keinen Zwang.» Glaube lässt sich eben nicht erzwingen, Unterwerfung unter das islamische Recht aber sehr wohl. Sich diesem Zwang zu widersetzen, kann tödlich sein. Historisch war die islamische Einheit von Politik und Religion zwar meist nur Programm und selten Realität. Andere politische Machtzentren entstanden, die sich nicht unter der geistlichen Führung eines Kalifen befanden. Und gemäss islamischer Lehre konnte der Kampf (Jihad) gegen die Nichtmuslime genau dann unterbrochen und mit den Ungläubigen ein Waffenstillstand geschlossen werden, wenn für weitere Expansion keine Aussicht auf Erfolg bestand. Das führte zu langen und oft friedlichen Perioden der Koexistenz. Zudem sind muslimische Minderheiten in nichtmuslimischen Ländern verpflichtet, sich an die lokale Rechtsordnung zu halten.

Mehr: www.nzz.ch.

Schwesig will noch mehr teure Sozialromantik

Uli Dönch hat für den FOCUS ein aktuelles Interview mit Familienministerin Manuela Schwesig treffend kommentiert. Frau Schwesig will zwar auch in Zukunft die traditionelle Familie akzeptieren, warnt aber Frauen vor den „handfesten Nachteilen“, Kinder großzuziehen. Wir haben eine Familienministerin, die den verfassungsmäßigen Schutz der Familie sehr ernst nimmt.

Das beste hebt sich Manuela Schwesig aber für den Schluss des FOCUS-Interviews auf. Die Frage, ob sie neben der Mutter in „Familienarbeitszeit“ auch für die Mutter als „Hausfrau“ werben wolle, beantwortet sie spürbar zähneknirschend: „Auch dieses Lebensmodell akzeptiere ich natürlich.“

Aber schon im nächsten Satz warnt sie alle Frauen vor den „handfesten Nachteilen“, wenn sie ihre Kinder zu Hause großziehen – Unterhaltsansprüche, Rente etcetera.

Und die Vorteile? Die gibt’s offenbar nicht. So etwas wie eine enge, vertrauensvolle, stärkende Mutter-Kind (oder auch: Vater-Kind)-Beziehung kommt in Manuela Schwesigs Weltbild offensichtlich nicht vor. Man wundert sich, warum die Chefs Angela Merkel und Sigmar Gabriel ihre aus der Spur geratene Familienministerin nicht abbremsen.

Hier: www.focus.de.

Friedrich Engels Abkehr vom Pietismus

Friedrich Engels stammt aus einer pietistischen Familie. Er wurde am 28. November 1820 in Barmen, heute ein Stadtteil Wuppertals, als Sohn eines erfolgreichen Fabrikanten geboren. Noch vor dem Abitur verließ er auf Wunsch des Vaters das Gymnasium und begann eine kaufmännische Ausbildung. 1850 begab er sich auf Dauer nach Manchester. Er arbeitete in einer Fabrik, die zur Hälfte seinem Vater gehörte. Auf dem Wege der Erbfolge wurde er später Miteigentümer und lebte in London.

Der folgende DLF-Beitrag schildert eindrücklich Friedrich Engels Abkehr vom Pietismus.

Zwei kurze Anmerkungen dazu:

(1) Bildungsfeindliche Frömmigkeit. Zur Zeit Engels predigte der große Friedrich Wilhelm Krummacher, der damals Pfarrer in Barmen-Gemarke und Elberfeld war. Unter Krummacher kam es zu aufrichtigen Erweckungen. Leider wurde unter seinem Einfluss aber auch eine unkritische Kulturfeindlichkeit gefördert, unter der insbesondere junge, neugierige Kirchgänger zu leiden hatten. Nicht jede Vergnügung ist Weltliebe und damit verwerflich. Nicht die Verteuflung weltlichen Lebens, sondern die christliche Durchdringung sollte das Anliegen der Prediger sein.

(2) Gespaltene Frömmigkeit. Engels erkannte früh, dass die pietistischen Unternehmer ihre Angestellten, zu denen damals auch Kinder gehörten, schlechter behandelten als umfromme Fabrikanten. Überspitzt: Die frömmsten Fabrikanten waren herzlose und ausbeuterische Arbeitgeber. Ähnliche Eindrücke bekam Engels später in England.

Obwohl ich bezweifle, dass das so pauschal ausgesagt werden kann, hatte ich schon manchmal, wenn ich dazu etwas bei Marx oder Engels las (siehe z.B. Das Kapital), das Empfinden, beide trieb dieses Problem wirklich um und vertiefte verständlicherweise ihre Solidarität mit dem „Proletariat“. Obwohl ein Fabrikant naturgemäß unternehmerisch denken und handelt muss, gilt: die Abspaltung des frommen Lebens vom Alltagsgeschäft ist dem Zeugnis des Glaubens nie förderlich. Jesus Christus möchte Herr im gesamten Leben sein. Kritischer Prüfstein ist nicht der Kirchgang, sondern der Alltag.

Hier der Beitrag:

Eine unglaubliche Gleichmacherei

Warum werden Wesensmerkmale wie Behinderung, Begabung oder sexuelle Identität oft einfach wegdiskutiert? Christian Geyer mischt sich in eine verlogene Debatte um die angeblich erlösende Gleichheit ein.

Nicht jeder kann alles. Und nicht jeder kann das, was er kann, genauso gut wie jemand anderer, der es besser kann. Die Pointe der Inklusionssemantik liegt aber darin, jeden Unterschied als Ungleichheit zu deuten und jede Ungleichheit als Ungerechtigkeit. So wird unter der regulativen Idee der „Vielfalt“ (Schule der Vielfalt, „diversity management“ in Unternehmen) ein egalitäres Anspruchsdenken installiert, das so weit geht, Unterschiede als solche möglichst gar nicht mehr namhaft zu machen. Geschlecht, Behinderung, Alter oder Intelligenz gehören dann gar nicht erwähnt, sie erscheinen als bloße Zuschreibungen im Auge des Betrachters.

Die Analyse kategorialer Unterschiede wird als Essentialismus geschmäht, dem ein naiver Wesensbegriff zugrunde liege. Die propagierte Dekategorisierung („alles ist Zuschreibung“) vollzieht sich aber zunehmend auf dem Rücken der Betroffenen. Frau Allmendinger beispielsweise macht unfreiwillig die diskriminierenden Folgen für die Behinderten sichtbar, ja, befördert sie selbst. So kritisiert die Arbeitsmarktforscherin, „dass viele Bundesländer Inklusion fördern wollen, ihr Förderschulsystem aber unangetastet lassen“. Sie fordert, „Förderschulen konsequent zu schließen“ – und lässt damit die Katze aus dem Sack.

…

Das tut der Erlösungsstrategie der Inklusion aber keinen Abbruch. In ihrem Zentrum steht die Verabsolutierung des Prinzips der sozialen Partizipation. Es stellt alle anderen Bedürfnisse der Betroffenen in den Schatten. Gemeinschaft ist Trumpf: Alle sollen sich überall zugehörig fühlen können.

Das ist die Gegenthese zur ausdifferenzierten Gesellschaft, ein sozialer Radikalismus, vor dem schon der Anthropologe Helmuth Plessner in seiner Schrift „Grenzen der Gemeinschaft“ gewarnt hat. Natürlich soll niemand wegen seiner geschlechtlichen Identität diskriminiert werden dürfen. Doch das begründet umgekehrt noch keine Verpflichtung, alle möglichen sexuellen Gemeinschaftsmodelle am Ehebegriff partizipieren zu lassen.

Die Illusion der Vielfalt liegt ja darin, alle Ungleichheiten für unwirksam und unwichtig zu halten, haben sie sich erst einmal zur Vielfalt gerundet. Aber auch sexuelle Inklusion hat zwischen Deskription und Normativität von Vielfalt zu unterscheiden, sollen nicht legitime Fragen wie solche nach der Sicherung des Kindeswohls als unerheblich abgetan werden. Daher auch die Gefährlichkeit von Frau Allmendingers Appell zur Schließung der Sonderschulen. Um einer Gemeinschaftsideologie willen wird die besondere Förderung von besonders zu Fördernden fahrlässig aufs Spiel gesetzt.

Mehr: www.faz.net.

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