Zeitgeist

Ehe für alle – virtuell

Akihiko Kondo ist 35 und bezeichnet sich selbst als „otaku“, als kontaktscheuen Nerd, dem eine menschliche Liebesbeziehung zu kompliziert ist. Nun hat er eine nichtmenschliche Partnerin. Er hofft, dass diese seine Sehnsucht nach Liebe immer besser stillen wird. 

DER SPIEGEL stellt uns einen neuen Trend vor:

Es dürfte weltweit nur wenige Menschen geben, die derart kompromisslos eine Beziehung mit einem nichtmenschlichen Wesen führen. Der schüchterne Schulbeamte, der uns in seiner Wohnung mit Anzug und Krawatte empfängt, hat rund 14.000 Dollar für eine Hochzeit ausgegeben, die rechtlich nicht bindend ist. Er buchte sogar einen Extrasitz im Flugzeug, als er mit Miku in die Flitterwochen flog.

Kondo ist ein Extremfall, keine Frage, doch sein ungewöhnliches Eheleben verdeutlicht einen gesellschaftlichen Wandel: Roboter, Avatare und künstliche Intelligenzen werden zu einem Teil unseres Lebens. In Deutschland fremdeln viele zwar noch, wenn sie mit Servicerobotern, Chatbots oder Amazons Alexa zu tun haben. Doch wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen, dass solche Begegnungen immer öfter vorkommen, dass aus Begegnungen allmählich Beziehungen werden und dass all das irgendwann alltäglich ist. So wie bereits jetzt in Japan.

Mehr: www.spiegel.de.

UK: Richter verliert Job wegen christlicher Aussage

Richard Page wurde im Jahr 2015 als Richter entlassen, weil er öffentlich sagte, es sei für ein Kind am besten, „von einem Mann und einer Frau adoptiert zu werden“. Der Richter legte Berufung ein und verlor. LIVENET berichtet:

«Ich bin zutiefst enttäuscht, dass das Gericht entschieden hat, dass die Aussage ‚ein Kind hat es besser mit einem Vater und einer Mutter‘ Grund ist, einen Richter aus dem öffentlichen Amt zu entlassen», erklärte Page nach dem Urteil. Besonders enttäuscht zeigte der frühere Richter sich, dass die Verbindung zwischen seinem Glauben und seiner Aussage vom Berufungsrichter Choudhry nicht akzeptiert wurde. «Das zeigt, dass wir heute in einer zutiefst intoleranten Gesellschaft leben, die keinerlei Abweichung von politisch korrekten Ansichten erträgt.» Er drückte die Hoffnung aus, auch gegen diesen Gerichtsentschluss Berufung zu gewinnen und die «Redefreiheit in diesem Land wiederherzustellen».

Mehr: www.livenet.ch.

Moralischer Totalitarismus

Ich finde es erfrischend, wenn linke Denker wie Svenja Flaßpöhler feststellen, dass Betroffenheitsgesten die Diskussionskultur in der Gesellschaft und an den Hochschulen nicht nur beschädigen, sondern erdrücken. Das Ende eines Debatten-Diskurses ist ganz schnell erreicht; wenn „an die Stelle von Argumenten Gefühle treten, ist an Diskutieren nicht zu denken. Das würgt alles ab“.

Svenja Flaßpöhler:

Der zentrale Unterschied ist doch der: Der Faschismus wendet sich gegen Minderheiten, gegen Schwache. Wenn aber zum Beispiel Studierende dafür kämpfen, dass ein Eugen-Gomringer-Gedicht von der Wand ihrer Hochschule verschwindet, dann ist der Feind der weiße, erfolgreiche Mann. Dreh- und Angelpunkt ist also das Verhältnis von Privilegierten und Nichtprivilegierten. Oder auch: von Betroffenen und Nichtbetroffenen. Es gibt im Feminismus die sogenannte Standpunkttheorie, die besagt, dass jede Position an einen Standpunkt gebunden ist, aber dass die Unterdrückten einen objektiveren Zugang zur Wahrheit haben, weil sie viel mehr sehen als die privilegierte Gruppe, die gar kein Interesse an einer höheren Erkenntnis hat. Sicher ist es richtig, dass ich nicht weiß, wie es ist, eine schwarze Hautfarbe zu haben. Insofern kann mich die Sicht eines dunkelhäutigen Menschen, der tagtäglich Diskriminierung erfährt, zu neuen, wertvollen Einsichten führen. Problematisch finde ich aber, wenn Menschen, die keiner solch unterdrückten Gruppe angehören, unterstellt wird, dass sie zu bestimmten Themen nichts Wertvolles sagen können. Ich als weiße, heterosexuelle Frau in einer Führungsposition habe in bestimmten Themenkomplexen ganz schlechte Karten.

Ich empfehle die vollständige Lektüre dieses Interviews mit der Chefredakteurin des Philosophie Magazins gern: taz.de.

Grün ist die Redaktion

Der Politologe Wolfgang Bok beobachtet und beschreibt die Schieflage im deutschen Journalismus:

Während Interviews mit liberalen oder konservativen Politikern inquisitorischen Verhören gleichen, muss das grüne Spitzenpersonal kaum fürchten, dass sein moralischer Rigorismus mit praktischen Einwänden blossgestellt wird. Schliesslich entstammt man oft genug demselben postmaterialistischen, städtischen Milieu und teilt die grünen Ängste. Sorgen der Rechten, etwa wegen «ungesteuerter Zuwanderung» oder «Ausländerkriminalität», werden hingegen als böse Phobien abgetan. Eine Redaktorin des ZDF-Hauptstadtstudios erklärt via Twitter kurzerhand alle zu Nazis, die «nicht Grün wählen» [Anm. R.K.: Die ZDF-Reporterin Nicole Diekmann twitterte am Neujahrstag 2019: «Nazis raus».  Auf die Frage «Wer ist denn für Sie ein Nazi?» antwortete sie ironisch: «Jede/r, der/die nicht die Grünen wählt.»]. Selbst in Springers «Welt», die gemeinhin als konservativ gilt, habe eine anonyme Befragung unter den Mitarbeitern eine klare rot-grüne Mehrheit ergeben, verdeutlicht deren heutiger Vorstandschef Mathias Döpfner den wachsenden Hang zum links-grün geneigten Aktivismus.

Hier der NZZ-Artikel: www.wn.de.

Über Meerjungmänner und Gebärende

Der Sprachrevisionismus engagierter Gruppen mit Partikularinteressen ist salonfähig geworden. Verwaltung, Parlament und Universitäten, aber auch private Unternehmen huldigen ihm unreflektiert, weil niemand als Bösewicht dastehen will. Wohin führt die neue Pädagogik? Claudia Wirz hat für die NZZ einen starken Beitrag verfasst. 

Hier einige Zitate:

Das Gender-Mainstreaming ist auf einem beispiellosen Erfolgskurs. Schritt für Schritt erobert der aus Amerika importierte politisch korrekte Sprach- und Denkrevisionismus eine Bastion nach der anderen.

Im Staat hat er leichtes Spiel. Hier trifft er auf keinerlei Widerstand, sondern ganz im Gegenteil auf lauter vorauseilenden Gehorsam und nicht zuletzt auf einen grosszügigen Mäzen. Eine links-grün-feministisch-queere Menschenrechts-Vorhut, die mit den Gender-Wissenschaften und den Gleichstellungsfachstellen über eine solide Hausmacht verfügt, gibt dabei die Marschrichtung vor. Und die Hochschule ist ihr beliebtestes, aber beileibe nicht ihr einziges Exerzierfeld. Seit kurzem ist diese vermeintliche Gleichstellungssaga um eine Episode reicher. Im Gleichschritt wollen Universität und ETH Zürich geschlechtsneutrale Ausweise einführen.

Die neue Dogmatik trägt religiöse Züge. Alles Ketzerische, alles Kritische, ja sogar alles abtastend Fragende wird missbilligt und als menschenfeindlich taxiert oder sonst auf eine untere sittliche Stufe gestellt. Eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit der Kritik ist nicht vorgesehen. Es gibt nur das gute und das böse Lager, so wie früher beim Indianer-und-Cowboy-Spiel, das neuerdings auch seine Unschuld verloren hat. Kinder sollen heute «kultursensibel und diskriminierungsfrei» spielen, und da sind die Indianer eben unerwünscht. 

An dieser Stelle der vollständige Beitrag: www.nzz.ch.

Betreutes Denken

Die Kultur des politisch Korrekten treibt immer buntere Blüten. Jetzt wurde in den USA ein Sammelband, der die drei kritischen Werke des Philosophen Immanuel Kants enthält, mit folgendem Warnhinweis ausgestattet:

Dieses Buch ist das Produkt seiner Zeit und reflektiert nicht die gleichen Werte, die es reflektierte, würde es heute geschrieben. Eltern sollten mit ihren Kindern diskutieren, wie sich die Ansichten zu Rasse, Gender, Sexualität, Ethnizität und zwischenmenschlichen Beziehungen verändert haben, bevor sie ihnen erlauben, dieses klassische Werk zu lesen.

Ich kann nur hoffen, dass viele Studenten, Professoren und mündige Bürger diesen Freiheitsentzug und das Volkspädagogentum durchschauen und deutlich machen, dass sie bereit sind, selber zu denken und sie auch ihren Kindern dieses Vergnügen gönnen. Die Historiker werden eines Tages mit großem Unverständnis auf eine Epoche zurückschauen, in der den Menschen das eigenständige Denken abgewöhnt wurde. Eine kantische Portion Aufklärung könnte hier hilfreich sein: Habe den Mut, dich von den politisch-pädagogischen Gängelungen zu lösen und gebrauche deinen eigenen Verstand!

Hier mehr: www.nzz.ch.

VD: AW

Francis Schaeffer: Den Lauf der Geschichte ändern

Hier eine Rede von Francis Schaeffer, die er an Studenten der Liberty University am 23. Januar 1981 gerichtet hat. Er erläutert hier viele Grundeinsichten seiner Apologetik. Vor allem warnt er davor, sich von „Geist der Welt“ leiten zu lassen.

Schwächt Achtsamkeit die moralische Urteilskraft?

Während die aus dem Schmalspur-Buddismus importierte Kultur der Achtsamkeit weiter in christliche Kreise einzieht (hier ein aktuelles Beispiel), mehren sich außerhalb der Wellness-Zirkel kritische Stimmen. Mark Siemons verweist heute in der FAZ Online auf eine aktuelle Studie, die die Annahme prüft, dass Meditation und Achtsamkeit eine individualistische und elitäre Kultur fördern. Die These, dass Achtsamkeitsübungen eine abschwächende Wirkung auf moralische Urteilskraft und Handlungen haben, lässt sich – so viel kann man sagen – nicht einfach von der Hand weisen. Siemons fragt sogar: „Hilft die Achtsamkeit womöglich auch dem Bösen dabei, seine dunklen Geschäfte stressfreier, gelassener und von Gewissensbissen unangefochtener zu betreiben?“

Im „European Journal of Social Psychology“ erschien kürzlich ein Aufsatz, der einem überraschenden Verdacht nachging: Schwächt die „Achtsamkeit“, diese auch über Wellnesszirkel hinaus in westlichen Gesellschaften so weit verbreitete Meditationsübung, deren wohlklingender Name Sensibilität, Umweltbewusstsein und Empathie auf unbestimmte Weise zu einer Art Super-Ethik zusammenfasst, schwächt eben diese Achtsamkeit in Wirklichkeit das moralische Empfinden? Die Hypothese von Simon Schindler, Marc-André Reinhard (beide Kassel) und Stefan Pfattheicher (Aarhus) fußt darauf, dass es bei der aus dem Buddhismus abgeleiteten Meditationsform um eine „nicht urteilende“ Konzentration auf die Erfahrung jedes einzelnen Augenblicks geht. Hat diese Art Entleerung nun nicht nur die in vielen Studien belegte Wirkung, von Stress und anderen destruktiven Emotionen zu befreien, sondern auch von Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen, selbst wenn diese durchaus angebracht wären?

Hier der Beitrag (allerdings hinter der Bezahlschranke): www.faz.net.

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