Betreutes Denken

Die Kultur des politisch Korrekten treibt immer buntere Blüten. Jetzt wurde in den USA ein Sammelband, der die drei kritischen Werke des Philosophen Immanuel Kants enthält, mit folgendem Warnhinweis ausgestattet:

Dieses Buch ist das Produkt seiner Zeit und reflektiert nicht die gleichen Werte, die es reflektierte, würde es heute geschrieben. Eltern sollten mit ihren Kindern diskutieren, wie sich die Ansichten zu Rasse, Gender, Sexualität, Ethnizität und zwischenmenschlichen Beziehungen verändert haben, bevor sie ihnen erlauben, dieses klassische Werk zu lesen.

Ich kann nur hoffen, dass viele Studenten, Professoren und mündige Bürger diesen Freiheitsentzug und das Volkspädagogentum durchschauen und deutlich machen, dass sie bereit sind, selber zu denken und sie auch ihren Kindern dieses Vergnügen gönnen. Die Historiker werden eines Tages mit großem Unverständnis auf eine Epoche zurückschauen, in der den Menschen das eigenständige Denken abgewöhnt wurde. Eine kantische Portion Aufklärung könnte hier hilfreich sein: Habe den Mut, dich von den politisch-pädagogischen Gängelungen zu lösen und gebrauche deinen eigenen Verstand!

Hier mehr: www.nzz.ch.

VD: AW

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Joachim

Ich habe nach der Wende in der Transformationszeit in Greifswald bei Prof. Rauh studiert. Er erzählte mir, dass die KrV in der DDR im Giftschrank war und nur ideologisch gefestigten Personen zum lesen gegeben wurde…

Markus Jesgarz

Meine Meinung ist: 1. Selbstverständlich sollte der potenzielle Leser in der Lage sein den Inhalt richtig einordnen zu können. Im Beitrag: Der Verlag versieht Kants Kritik mit einem politisch korrekten Warnhinweis http://www.openculture.com/2014/03/publisher-places-a-politically-correct-warning-label-on-kants-critiques.html am 20.03.2014 von Josh Jones steht im 4. Absatz ab dem 3. Satz: Zweitens, für wen ist diese Ausgabe? Der Philosoph Brian Leiter, der uns darauf aufmerksam gemacht hat, https://leiterreports.typepad.com/blog/2014/03/kants-3-critiques.html nennt es humorvoll „Kants 3 Kritiken – bewertet mit PG-13“. Man würde hoffen, dass jeder junge Mensch, der frühreif genug ist, um Kant zu lesen, die Fähigkeit hat, den historischen Kontext zu erkennen und kritisch an Aussagen, die unethisch, bigott oder wissenschaftlich veraltet für seine modernen Ohren klingen, herangeht. Man würde hoffen, dass Eltern, die Kant für ihre Kinder kaufen, dasselbe tun könnten, ohne den Verlegern etwas vorzuwerfen. Das alles soll nicht heißen, dass es keine sachlichen Gründe gibt, die schädlichen Annahmen und Verzerrungen klassischer Philosophen zu untersuchen und zu kritisieren. 2. Die Texte von Immanuel Kant sind… Weiterlesen »

Schandor

Nun, KrV ist weder Vergnügen noch sonst was, sondern Kants katastrophalste Schrift, in grottenschlechtem Deutsch gehalten, um die Leser zu quälen und so zu tun, als verbergen sich dahinter tief(s)te Gedanken. Immerhin hat darin der Alleszermalmer einen zerstörerischen Hammer geschaffen. Der gehört aber weder in den Giftschrank, noch muss davor auf die bezeichnete Art gewarnt werden, sondern dazu gehören Kommentare, die zeigen, wie und wo Kant irrt. Das ist aber sehr schwer, weil er unverständlich geschrieben hat und die Kantexegeten so tun, als hätten sie ihn verstanden. Wer wissen will, wie es sich damit verhält, kann ja in Schopenhauers Welt und Wille als Vorstellung nachlesen, was es damit auf sich hat. Schopenhauer war kantgläubig, keine Frage. Aber der Stilist hatte erkannt, wie oft Kant die Dinge verkannt hatte. Die Hoffnung nun, genügend Professoren werden durchschauen, was die Gedankengängelung vorhat, teile ich nicht. Wes Brot ich eß, des Lied ich sing. Man erinnere sich an den Film Expelled. Dort erfährt man,… Weiterlesen »

Oliver

Sehr interessant! Mich hat Kants KrV vor Jahren in arge Glaubenszweifel gestürzt. Gibt es denn einen empfehlenswerten deutschen Text, der sich aus christlicher Sicht kritisch mit Kant auseinandersetzt?

Markus Jesgarz

@Markus Jesgarz: Dies ist ein Kommentar zu der Aussage: Die Texte von Immanuel Kant sind kritikwürdig. Meine Meinung ist: Der Agnostizismus nach Immanuel Kant ist kontrafaktisch. Im Beitrag: Eine Antwort auf den philosophischen Postmodernismus http://normangeisler.com/a-response-to-philosophical-postmodernism/ im Jahr 2012 von Norman L. Geisler steht unter 1. „Vorläufer der Postmoderne“ am Anfang: Das moderne westliche Denken beginnt mit zwei Hauptströmungen: Empirismus und Rationalismus. David Hume vertrat die erstere und Rene Descartes die letztere. Die Empiriker betonten die Sinne und der Rationalist den Verstand. Die Empiriker begannen a posteriori mit Sinneserfahrungen, aber der Rationalist begann a priori mit angeborenen Ideen im Kopf. Immanuel Kant fasste die beiden Ströme zusammen und argumentierte, dass die Sinne den Inhalt unseres Wissens liefern, der Geist ihm jedoch Form gibt. Er behauptete, der Geist ohne die Sinne sei leer, aber die Sinne ohne den Geist seien blind. Das unglückliche Ergebnis seiner brillanten, aber tragischen Synthese war Agnostizismus. Wir können die Realität nicht als solche erkennen, sondern nur als… Weiterlesen »

Schandor

@Oliver

Da muss ich passen; habe nur immer wieder bei christlichen Autoren über ihn gelesen, nachdem ich mich selbst durchgequält hatte.

Kant war mW der erste, der sinngemäß sagte: Was, wenn das, was wir sehen, gar nicht das ist, was es ist? Dann müssen wir uns die Augen aus dem Kopf nehmen und sie selbst erst mal auf Sehtauglichkeit prüfen.
So ist der Weise zum Narren geworden.

@Markus Jesgarz

Guter Kommentar!

Roderich

@Oliver,
Adolf Schlatter: „Die Philosophische Arbeit seit Cartesius. Ihr ethischer und religiöser Ertrag“ (enthält einige grundlegende Kritikpunkte an Kant).

Wilhelm Lütgert: „Kant als Idealist und Realist“ (den Aufsatz kann Dir vermutlich Ron Kubsch schicken).

Giovanni B. Sala: Kant über die menschliche Vernunft.

Karl-Heinz Michel: Immanuel Kant und die Frage der Erkennbarkeit Gottes. Eine kritische Untersuchung der „Transzendentalen Ästhetik“ in der „Kritik der reinen Vernunft“ und ihrer theologischen Konsequenz.

Im Prinzip enthält jeder Kant-Kommentar eine Mischung aus Kritik, Rechtfertigung („Kohärent-Machung“) und Zustimmung.

„Klassiker auslegen“ enthält im Kapitel über die Antinomien z.B. einige stark kritische Töne etc.

Holm Tetens: Kants „Kritik der Reinen Vernunt“ enthält auch überall einige Kritikpunkte, etc.

Ich glaube, das Hauptproblem besteht darin, Kant erst mal zu verstehen – dann hat sich das Problem der Kritik meist schon von selbst erledigt.

Vielleicht magst Du ansonsten mal sagen, was Dich an Kant genau bewegt bzw. was Dir Zweifel bereitet hat?

Roderich

@Oliver,
„History of Philosphy“, Lektion 51-54, von Arthur F. Holmes bietet eine Einordnung aus christlicher Sicht, ist aber natürlich nur kursorisch.

https://www.youtube.com/watch?v=Wc9Q3TBFMFs&list=PL9GwT4_YRZdBf9nIUHs0zjrnUVl-KBNSM&index=51

Roderich

Generell wird jede Verteidigung des Realismus sich kritisch mit Kants Transzendentalem Idealismus auseinandersetzen, welcher ja das Grundgebäude ist, auf welchem ja letztlich auch Kants Kritik der Gottesbeweise ruht.

Norman Kemp Smiths „A Commentary to Kant’s Critique of Pure Reason“ (von 1918) und Jonathan Bennetts „Kant’s Dialectic“ enthalten viele Kritikpunkte an Kant, wenn auch Smiths Buch schon älter ist, und Bennett in seiner Kritik als etwas zu grobschlächtig gilt (und manches wohl falsch versteht). … (Auch Sala wird z.T. entsprechend kritisiert).
Man kann diese Werke aber dennoch lesen zur Kenntnisnahme bzw. um bestimmte Anregungen zum Weiterdenken zu erhalten.

State of the Art wäre aber z.B. „Klassiker auslegen“.

Markus Jesgarz

@Markus Jesgarz: Dies ist ein Kommentar zu der Aussage: Der Agnostizismus nach Immanuel Kant ist kontrafaktisch. Meine Meinung ist: 1. Herr Immanuel Kant kannte Indizien, die für die Existenz Gottes sprechen. 1. Im Beitrag: Kritik der praktischen Vernunft http://www.zeno.org/Philosophie/M/Kant,+Immanuel/Kritik+der+praktischen+Vernunft/Beschluß steht unter „Zweiter Teil. Methodenlehre der reinen praktischen Vernunft“ und „Beschluß“ am Anfang: Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmenden Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir. 2. In Psalm 19,2 steht: https://www.bibleserver.com/text/SLT/Psalm19%2C2 Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände. 3. Im Beitrag: Können Atheisten es rechtfertigen, ohne Gott gut zu sein? normangeisler.com/can-atheists-justify-being-good-without-god/ von Norman L. Geisler steht am Ende: Sechstens, Atheisten versäumen eine wichtige Unterscheidung zu machen. Man kann gut sein (wie viele Atheisten), ohne an Gott zu glauben. Aber ohne einen Gott kann man nicht gut sein. Das heißt, sie können an ein… Weiterlesen »

Clemens Altenberg

Wow, welch Kant-Expertise hier! Danke für die spannenden Kommentare und links, das werd ich mir bei Zeiten genauer anschauen. Ich kann da nicht mithalten, hab Kant kaum im Original gelesen, aber durch geniale Vorlesungen von Günther Pöltner hat sich mir seine Bedeutung erschlossen. Egal wie verschnörkselt sie auch geschrieben sein mag, die Quintessenz der Kritik der reinen Vernunft ist ja, dass Metaphysik als Wissenschaft nicht möglich ist. Dahinter zurückzugehen ist schwer, Respekt vor jedem, der es versucht, aber der soll einmal die berühmten Antinomien der reinen Vernunft auflösen…

Roderich

@Clemens, Kants Antinomien wurden schon vielfach kritisiert. Für sich genommen, taugen sie keineswegs, um Metaphysik zu diskreditieren. Einige wichtige Kritiker und Kritikpunkte an Kants Beweisgängen in den Antinomien listet Lothar Kreimendahl: Die Antinomie der reinen Vernunft, 1. und 2. Abschnitt (A405/B432-A461/B489), in: Mohr, Georg und Marcus Willaschek (Hrsg.): Kritik der reinen Vernunft. Berlin 1998: Akademie Verlag. (Klassiker Auslegen. Herausg. von Otfried Höffe, Band 17/18, S. 413-446.) Marcus Willascheck ist übrigens sehr anerkannter Kantianer – man wird hier also keinen schlechten Willen unterstellen dürfen. Kant verwendet öfters „Transzendentale Implantate“, um die (zu widerlegenden) Argumente der dogmatischen Metaphysik zu rekonstruieren; eine darauffolgende Widerlegung ist natürlich dem Vorwurf des Strohmann-Fehlschlusses ausgesetzt. (Ein „transzendentales Implantat“ heißt: er setzt seinen transzendentalen Idealismus schon voraus, den er ja selber erst entwickelt hat, um ein Argument der vorherigen Metaphysik darzustellen, um es dann abzuschießen… Somit hat er die Argumente falsch rekonstruiert, die er dann widerlegt). Kreimendahl schlussfolgert: Die „Mehrzahl der Interpreten betrachtet die Antinomie in unterschiedlichem Grade… Weiterlesen »

Roderich

Mein anderer Kommentar ist leider verschwunden.

Siehe Daniel von Wachter: „Die Kausalität der Welt“, steht online: https://epub.ub.uni-muenchen.de/1975/1/wachter_2007-ursachen.pdf, Kapitel 1.3. Metaphysik (er verteidigt die Metaphysik gegen Kant). Er zeigt darin, warum die Forderung nach apodiktischer Gewissheit in der Metaphysik bei Kant falsch ist.

Siehe William Lane Craig: The Kalam Cosmological Argument, Wipf and Stock 1979, S. 141-151 (da er das kosmologische Argument verteidigt, muss er natürlich die Antithesis der 1. Antinomie widerlegen).

Siehe z.B. Lothar Kreimendahl: Die Antinomie der reinen Vernunft, 1. und 2. Abschnitt (A405/B432-A461/B489), in: Mohr, Georg und Marcus Willaschek (Hrsg.): Kritik der reinen Vernunft. Berlin 1998: Akademie Verlag. (Klassiker Auslegen. Herausg. von Otfried Höffe, Band 17/18).
Die „Mehrzahl der Interpreten betrachtet die Antinomie in unterschiedlichem Grade kritisch“, so Kreimendahl, S. 442. (Er nennt zahlreiche Kritiker – dort kann man dann die Literaturangaben finden).
Marcus Willascheck, Herausgeber des Bandes, ist bekannter Kantianer.

Fazit: Kants Antinomien sind für sich alleine genommen noch kein guter Grund, die Metaphysik abzulehnen.

Clemens Altenberg

Mit den Antinomien und der Kritik daran muss ich mich noch genauer auseinandersetzen, ich habe gerade den Text THE PERNICIOUS INFLUENCES OF IMMANUEL KANT von Donald Ray Hargrove gelesen und vergeblich gehofft, darin etwas darüber zu finden. Leider bleibt dieses paper an der Oberfläche und genießt sich bloß in einseitiger Verteufelung: Kant’s materialistic philosophy also spawns a host of deterministic worldviews like “behaviorism, existentialism, fascism, Freudianism, hedonism, humanism, liberationism, Marxism, neo-Darwinism, nihilism, pragmatism, relativism.” An dieser Stelle habe ich mich gefragt, ob ich noch weiterlesen soll und stellte mir in Anlehnung an Kramp-Karrenbauer die Frage, warum der Autor Kant nicht auch für die 7 (oder 10, je nach Bibelstelle) Plagen in Ägypten verantwortlich macht. Kants Philosophie ist bei all ihren Schwächen immer noch einer der besten Ausgangspunkte, um gegen all die genannten Strömungen zu argumentieren. Ich kann mich z.B. noch sehr gut daran erinnern, wie Prof. Pöltner in einer Vorlesung unter Rückgriff auf Kant die „Evolutionäre Erkenntnistheorie“ auseinandergenommen hat. Hargroves… Weiterlesen »

Clemens Altenberg

Man muss Kant ja auch als Gegenreaktion auf David Hume verstehen, in dessen radikalem Empirismus überhaupt kein Platz mehr für Gott und eine nicht rein subjektive Moral bleibt. Kant wollte genau dem Skeptizismus und Relativismus, den Hargrove ihm vorwirft, Grenzen setzen.

Clemens Altenberg

Bei Francis Schaeffer, dem ich sonst nicht alles was er über Philosophiegeschichte schreibt eins zu eins abnehme, liegt Kant ja auch zu Recht oberhalb der line of despair. Ein kurzer Gedanke zu den Gottesbeweisen, denen Kant die Wissenschaftlichkeit absprach: Der durchaus bewundernswerte William Lane Craig sieht die Existenz Gottes also wieder als bewiesen, Wikipedia stellt es so dar (ich hoffe richtig): 1. Whatever begins to exist has a cause; 2. The universe began to exist; Therefore: 3. The universe has a cause. 1. The universe has a cause; 2. If the universe has a cause, then an uncaused, personal Creator of the universe exists who sans (without) the universe is beginningless, changeless, immaterial, timeless, spaceless and enormously powerful; Therefore, 3. An uncaused, personal Creator of the universe exists, who sans the universe is beginningless, changeless, immaterial, timeless, spaceless and infinitely powerful. Der auf Kausalität beruhende Gottesbeweis ist aber nur dann gültig, wenn man sich an Hume vorbeischummelt, der die Kausalität… Weiterlesen »

Roderich

@Clemens Altenberg, Es überzeugt mich nicht, dass man etwas wie Kausalität erst „beweisen“ muss. Es ist auch kein Gottes-„beweis“ nötig, sondern Craig nennt es ein „Argument für die Existenz Gottes“. Ein Argument ist gut, wenn es logisch gültig ist und beide Prämissen (zusammen) plausibler als ihre Verneinung sind. (Sowie wenn es sprachlich klar definiert ist, keine Zirkelschlüsse hat etc.) Ein Argument, dessen Konklusion (vereinfacht gesagt) „gefühlt zu 90% gewiss“ ist, ist sicherlich ein gutes Argument. Müsste man alle Prinzipien, von denen man ausgeht, beweisen (auch alle common-sense-Annahmen, z.B. „Die Welt ist älter als 5 min, und wir wurden nicht mitsamt Gedächtnis vor 5 min geschaffen“; „wir sind nicht ein Gehirn in einem Tank“; „Sprache funktioniert, Sätze ergeben Sinn“; „ich habe Zugang zu Gesetzen der Logik“; „ich habe hermeneutische Fertigkeiten“; „es gibt noch andere Menschen außer mir (die anderen sind nicht Roboter)“; und unzählige weitere), dann würde gar kein Argument funktionieren. Dass es etwas wie Kausalität gibt, merken wir täglich, z.B.… Weiterlesen »

Roderich

Hier drei Artikel von Craig gegen Humeaner (zumindest Mackie und Sobel sind Hume-Anhänger) und gegen deren Kritik am Kalam-Argument: 1.) https://www.reasonablefaith.org/writings/scholarly-writings/the-existence-of-god/professor-mackie-and-the-kalam-cosmological-argument/ 2.) https://www.reasonablefaith.org/writings/scholarly-writings/the-existence-of-god/j.-howard-sobel-on-the-kalam-cosmological-argument/ 3.) https://www.reasonablefaith.org/writings/scholarly-writings/the-existence-of-god/graham-oppy-on-the-kalam-cosmological-argument/ Von Craigs Antwort auf Oppy: „Whatever Begins to Exist Has a Cause Oppy’s lack of differentiation between logical and ontological modality resurfaces in his discussion of the kalam cosmological argument’s intuitively plausible and empirically verified first premiss, that whatever begins to exist has a cause. He states, „Essentially, Mackie’s view is that, given the standard test for judgments of possibility (i.e. conceivability in which there is no appearance of logical consistency), we have good reason to suppose that it is possible for something to begin to exist uncaused.“ [10] But we have already seen that mere freedom from logical inconsistency is no indication of metaphysical possibility. Indeed, since Kripke, it is widely acknowledged that there are even synthetic, metaphysically necessary, a posteriori truths, whose contradictories are quite conceivable in Oppy’s sense. [11] I cannot think… Weiterlesen »

Clemens Altenberg

Ach so, danke, dann ist William Lane Craig was die Beweisbarkeit der Gottesbeweise angeht ja eh Kantianer und auf dem Boden der modernen Philosophie geblieben. Gute Argumente für die Existenz Gottes gibt ja auch Kant. Craig weiß also, dass er nichts beweist, sondern nur eine sehr plausible These aufstellt. (Dass 99% Glaubwürdigkeit für manche nicht reicht sieht man ja an den Leugnern des anthropogenen Klimawandels, denen reicht das eine Prozent Skepsis um mit ruhigem Gewissen weiter den Planeten zu zerstören.) Trotzdem ist ein Dogma etwas anderes als eine 99 prozentige Wahrscheinlichkeit. Der letzte Schritt zum dogmatischen Denken bleibt immer ein Sprung ins Vertrauen, mit einem gewissen Grad an Restblindheit – für manche ein kleiner Hüpfer, für andere ein großer Sprung. Zu Hume: Natürlich hat er selbst praktisch nicht an der Kausalität gezweifelt. Er wusste schon, dass radikale philosophische Zweifel an allem nicht alltagstauglich sind. Aber im Moment des Philosophierens gilt immer sein Wort: „Wenn wir Philosophen sind, sollten wir es… Weiterlesen »

Roderich

Kants Skepsis an der Metaphysik lag ja u.a. an zwei Gründen: 1.) An seiner Forderung apodiktischer Gewissheit (da war Kant noch ganz der Rationalist, wie Spinoza, Descartes, Leibniz, Wolff – also noch kein „moderner Philosoph“). Zu dem Thema darf ich noch mal auf Daniel von Wachters kostenlos einsehbare Habilitation „Die Kausalität der Welt“ verweisen, Abschnitt 1.3 „Metaphysik“, (S. 14-22). Er kritisiert dort die Forderung der „apodiktischen Gewissheit“ als wenig rational. https://epub.ub.uni-muenchen.de/1975/1/wachter_2007-ursachen.pdf Die Ablehnung der apodiktischen Gewissheit ist übrigens keineswegs „modern“. Siehe Dominik Perler: „Zweifel und Gewissheit. Skeptische Debatten im Mittelalter“ (Frankfurt 2006: Vittorio Klostermann). So war es im christlichen Mittelalter gar nicht gang und gäbe, immer apodiktische Gewissheit zu fordern. Zitat aus Perlers Buch: „Im Gegensatz zu Descartes, der ein fundamentalistisches Projekt entwickelt und jede Erkenntnis auf eine absolut unbezweifelbare Grundlage stellen will, verfolgen die bislang diskutierten Autoren eher ein Projekt, das man in moderner Terminologie „reliabilistisch“ nennen könnte. Das heißt, sie versuchen zu zeigen, wie mithilfe zuverlässiger kognitiver Prozesse,… Weiterlesen »

Clemens Altenberg

Danke für die profunde Antwort und die wertvollen Verweise! Ich hätte nicht erwartet, dass in diesem Theoblog die Begriffe „apodiktisch“ und „fundamentalistisch“ so negativ konnotiert werden (Decartes´“fundamentalistisches Projekt“). Ich finde es auch problematisch, dass Descartes die exakte Methode der Mathematik auf die Philosophie zu übertragen versuchte. (Er wird deshalb immer wieder als Begründer der modernen Philosophie bezeichnet, auch wenn er noch in der Neuzeit lebte – wenn Kant ihm dabei folgt ist er daher für mich auch ein moderner Philosoph). Daniel von Wachters Habilitationsschrift liest sich sehr gut: „Nichts kann eine These, sei es eine These der Metaphysik oder eine These der Naturwissenschaft, im strengsten Sinne unbezweifelbar machen.“ „Daß wir in der Metaphysik und auch sonstwo keine apodiktische Gewißheit erlangen können…“ Das hätte Hume nicht besser sagen können! Von Wachter schreibt weiters: „Meine These wäre, daß vor Descartes (der in seinen Meditationen über die Erste Philosophie (1661) nach einer unbezweifelbaren Grundlage alles Wissens suchte) selten oder nie apodiktische Gewißheit für… Weiterlesen »

Roderich

@Clemens, nur ganz kurz zur Klärung der Begriffe: – „Fundamentalistisch“ in der Verwendung von Perler bezieht sich auf die Struktur der Rechtfertigung, und ist ein erkenntnistheoretischer Begriff. Er ist zu unterscheiden vom „Fundamentalismus“ als theologischer Begriff. Über die Struktur der Rechtfertigung gibt es – auch unter Christen – verschiedene Meinungen. Man kann übrigens erkenntnistheoretisch ein „Fundationalist“ (oder wie manche sagen „Fundamentalist“) sein, ohne anzunehmen, dass man dieses Fundament mit apodiktischer Gewissheit weiß. Der theologische Begriff „Fundamentalist“ sagt ja zunächst nur, dass die Bibel für den Christen ein wesentliches Fundament ist. (Er wäre auch damit vereinbar, dass man rational an die Bibel herangeht, also mit reformatorischen Prinzipien der Hermeneutik etc.) Diskursive Argumente der Philosophie bieten nie 100% Sicherheit, aber Gott hat Mittel und Wege, uns durch das „innere Zeugnis des Heiligen Geistes“ die „Plerophoria“ (volle Gewissheit) zu geben (1. Thess. 1,5). Am besten ist es daher, man geht als Christ auf zwei Beinen: – Auf dem Bein der Vernunft und natürlichen… Weiterlesen »

Roderich

Wie Craig es definiert: Glauben heißt: Vertrauen auf Dinge, bei denen wir gute Gründe haben, sie für wahr zu halten.

Markus Jesgarz

Meine Meinung ist: Der Agnostizismus nach Immanuel Kant ist selbstzerstörerisch. Im Beitrag: WHY I AM A CHRISTIAN – Norman Geisler & Paul Hoffman https://www.academia.edu/35420898/WHY_I_AM_A_CHRISTIAN_-_Norman_Geisler_and_Paul_Hoffman steht in dem Artikel von NORMAN L.GEISLER unter „PART 1 WHY I BELIEVE IN TRUTH“, „WHY I BELIEVE TRUTH IS REAL AND KNOWABLE“, „TWO HURDLES TO KNOWABLE TRUTH“, „AGNOSTICISM“ und „AN EVALUATION OF AGNOSTIC ARGUMENTS“ am Ende: Antwort auf Kants Agnostizismus. Kants Argument, dass die Kategorien des Denkens (so wie Einheit und Kausalität) nicht auf die Realität zutreffen, ist erfolglos, denn wenn die Kategorien der Realität nicht denen des Verstandes entsprechen, können keine Aussagen über die Realität getroffen werden, einschließlich der Aussage, die Kant gemacht hat.15 Das heißt, wenn die reale Welt nicht verständlich wäre, würde keine Aussage darüber zutreffen. Eine Vorbildung des Geistes zur Realität ist notwendig, ob man etwas Positives darüber oder etwas Negatives sagen will. Wir können nicht einmal denken, dass die Realität undenkbar ist. Wenn nun jemand das Argument vorbringt, dass der… Weiterlesen »

Clemens Altenberg

Vielleicht war Kant bloß von der Bibel inspiriert 😉

„Jetzt sehen wir im Spiegel nur dunkle Umrisse, dereinst aber geht es von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dereinst werde ich erkennen so ganz, wie ich erkannt bin.“

Roderich hat die schöne Definition von Craig zitiert: Glauben heißt: Vertrauen auf Dinge, bei denen wir gute Gründe haben, sie für wahr zu halten. Zu diesem Ergebnis kam auch Kant mit seinen Postulaten der praktischen Vernunft. Selbstzerstörung abgewendet. Kein Grund also, denn Mann nur zu verdammen, ohne ihn wäre der Weg zur postmodernen Beliebigkeit schneller und direkter gewesen, er hat uns noch eine gewisse Verschnaufpause gegönnt.

Markus Jesgarz

Meine Meinung ist:
Ein betreutes Denken durch eine Christliche Apologetische Erziehung (CAE) ist wichtig.
Im Beitrag:
Christliche Apologetische Erziehung: Eine Perspektive https://www.academia.edu/7292898/CHRISTIAN_APOLOGETICS_EDUCATION_A_PERSPECTIVE
von Douglas E. Potter steht auf der Seite 1 von 4 unter „Eine Begründung“ am Anfang:
Nach Ansicht des großen Princeton-Theologen B. B. Warfield ist Apologetik „die Wissenschaft, die die Wahrheit des Christentums als absolute Religion begründet“. Ein CAE-Programm (Christliche Apologetische Erziehung) sollte aus zwei Hauptzielen bestehen. Erstens sollte es sich um eine intellektuelle Verteidigung des christlichen Glaubens handeln. Dies soll nicht nur zeigen, dass das Christentum wahr ist, sondern auch zeigen, dass alles, was dagegen ist, falsch ist. Zweitens sollte das Studium der Apologetik das nichtchristliche Denken herausfordern.

Schandor

Meine Meinung ist:
1.
Ja, aber eine solch komplexe und komplizierte Apologetik ist etwas für Leute, die auf das hören (können), was Leute aus dem Elfenbeinturm sagen.
2.
Für das Fußvolk braucht es andere Mittel. Da wäre man besser geraten, auf ihr Moralempfinden zu appellieren. Das funktioniert meiner Erfahrung nach wesentlich besser. Denn unter dem Fußvolk ist es so, da hört dir niemand zu, wenn du von Dingen wie vom Kalam-Argument und dergleichen redest. Das trifft nicht. Es muss was kommen, was einen Zuhörer ins Herz trifft. Aber auf akademischen Niveau ist der Satz mit Sicherheit zu begrüßen: Das Studium der Apologetik soll das nichtchristliche Denken herausfordern.

Markus Jesgarz

Dies ist ein Kommentar zu der Aussage am Ende: Habe den Mut, dich von den politisch-pädagogischen Gängelungen zu lösen und gebrauche deinen eigenen Verstand! Meine Meinung ist: 1. Glücklicherweise gebrauchen einige Theologen aus dem englischsprachigen Raum ihren eigenen Verstand. In dem Kommentar von „MARKUSJESGARZ“ zu dem Artikel in „ZEIT Campus“: Kann man beweisen, dass Gott existiert? https://www.zeit.de/campus/2018-01/gottesbeweis-glaube-wissen-naturwissenschaft-religion/komplettansicht am 30. Januar 2018 von Jakob Simmank http://www.zeit.de/campus/2018-01/gottesbeweis-glaube-wissen-naturwissenschaft-religion?cid=17937340#cid-17937340 steht am Anfang: Dies ist eine Bestätigung der Aussage von Herrn Dirk Evers unter „Dann kam Immanuel Kant“: Denen (Theologen aus dem englischsprachigen Raum) leuchtet Kants Position nicht ein. 2. Glücklicherweise ist die Frage nach Gott ein wichtiges Thema in dem „LEHRPLAN EVANGELISCHE RELIGION“ in Hessen. Im Beitrag: LEHRPLAN EVANGELISCHE RELIGION Gymnasialer Bildungsgang Gymnasiale Oberstufe https://kultusministerium.hessen.de/sites/default/files/media/go-evangelische_religion.pdf im Jahr 2010 vom Hessischen Kultusministerium steht 1. auf der Seite 36 und der Seite 12 von 33 in der Anzeige unter „Verbindlicher Inhalt“ 1. zu „E1 Religion erfahren“: Religion zwischen Säkularisierung und neuen Formen von Religiosität 2. zu… Weiterlesen »

Clemens Altenberg

Zur Betreuung im Denken gehört für mich dazu, dass man den Betreuten Kants „sapere aude“ mitgibt.

Oder Nietzsche: „Nicht ungedacht lassen, was gegen deinen Gedanken gedacht werden kann.“

John Stuart Mill formuliert es so:

„Unsere gesichertsten Überzeugungen haben keine verlässlichere Schutzwache als eine ständige Einladung an die ganze Welt, sie als unbegründet zu erweisen.“

Oder einfach Paulus: Prüfet alles, und das Gute behaltet!

Auch im theoblog weht dieser Geist, weiter so!