Neues Testament

NA 28

Da ist er:

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Die 28. Auflage des Novum Testamentum Graece bietet übrigens nur im Blick auf die auf die Katholischen Briefe (damit sind der erste und der zweite Petrusbrief, der Jakobusbrief, die drei Johannesbriefe und der Judasbrief gemeint) eine grundsätzliche Neukonzeption. In diesem Teil des Neuen Testaments liegt die Editio Critica Maior (ECM) vor und wurde bei der Bearbeitung des Textes und Apparates berücksichtigt. Die 28. Ausgabe ist also nur eine Übergangslösung.

Nestle-Aland 28. Aufl.

41XrV9l7gSL._SL500_AA300_.jpgEs ist soweit: die 28. Auflage des Nestle-Aland ist fertig und die Auslieferung an den Buchhandel steht kurz bevor. Der Text ändert sich gegenüber der 27. Auflage an insgesamt 34 Stellen, darunter sind Verse wie Jak 2,3, wo aus „ἐκεῖ ἢ κάθου“ „ἢ κάθου ἐκεῖ“ geworden ist, oder Jd 5, wo anstelle von „πάντα ὅτι [ὁ] κύριος ἅπαξ“ nun „ἅπαξ πάντα ὅτι Ἰησοῦς“ steht.

Die Herausgeber schreiben zur Neuauflage:

Die 28. Auflage des Nestle-Aland stand vor zwei unterschiedlichen Aufgaben: Einmal war eine gründliche Revision des Apparats, die diesen übersichtlicher und einfacher benutzbar machen sollte, ein dringendes Desiderat, zum anderen waren die textkritischen Erkenntnisse und Entscheidungen, die sich aus der Arbeit an der Editio Critica Maior des Griechischen Neuen Testaments ergeben haben, zu integrieren. Da diese Neuerungen bisher nur die Katholischen Briefe betreffen, ergibt sich für den Nestle-Aland zum ersten Mal in seiner Geschichte eine gewisse Zweiteilung. Wird in den Katholischen Briefen eine grundlegende Neukonzeption vorgelegt, deren Muster auf lange Sicht die gesamte Ausgabe folgen soll, so beschränkt sich die Bearbeitung der übrigen Schriften auf eine gründliche, aber die Grundstruktur der Ausgabe nicht antastende Revision des Apparats. Eine weitere wichtige Neuerung besteht darin, dass die Ausgabe von nun an nicht nur als gedrucktes Buch erscheint, sondern zugleich in digitaler Form.

Detailinfos zu den Neuerung finden Sie auf dieser Seite: www.nestle-aland.com.

Die 28. Auflage des Novum Testamentum Graece kann bereits bestellt werden. Ich empfehle die Ausgabe mit dem griechisch-deutschem Wörterbuch für Euro 35,00.

 

 

Starb Jesus für alle?: Kommentar zum Papstbrief

Papst Benedikt XVI. hat mit Zeichnung vom 14. April 2012 einen Brief an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz geschrieben. In diesem Brief geht er auf die angemessene Übersetzung des sogenannten „Kelchwortes“ im Hochgebet der Katholischen Messe ein. Es geht um die Frage, ob beim Abendmahl davon gesprochen werden soll, dass Jesus „für alle“ oder „für viele“ gestorben ist. Papst Benedikt XVI. möchte zurück zur Formulierung „für viele“, da sie in den neutestamentlichen Einsetzungsworten zu finden ist und begründet dies unter anderem mit einer Abkehr vom bisher vorausgesetzten „Semitismus“ bei der Übersetzung der griechischen Evangelienworte. Dabei weist er darauf hin, dass die Konzepte der Übersetzer oder Ausleger den Bibeltext nicht verdecken dürfen, also zwischen dem Bibeltext und seiner Interpretation zu unterscheiden ist. Ihm, der liturgische Gebete in vielen Sprachen sprechen muss, ist „im Lauf der Jahre immer mehr auch persönlich deutlich geworden, dass das Prinzip der nicht wörtlichen, sondern strukturellen Entsprechung als Übersetzungsleitlinie seine Grenzen hat“. Er schreibt:

Lassen Sie mich zunächst kurz ein Wort über die Entstehung des Problems sagen. In den 60er Jahren, als das Römische Missale unter der Verantwortung der Bischöfe in die deutsche Sprache zu übertragen war, bestand ein exegetischer Konsens darüber, dass das Wort „die vielen“, „viele“ in Jes 53,1l f. eine hebräische Ausdrucksform sei, um die Gesamtheit, „alle“ zu benennen. Das Wort „viele“ in den Einsetzungsberichten von Matthäus und Markus sei demgemäß ein Semitismus und müsse mit „alle“ übersetzt werden. Dies bezog man auch auf den unmittelbar zu übersetzenden lateinischen Text, dessen „pro multis“ über die Evangelienberichte auf Jes 53 zurückverweise und daher mit „für alle“ zu übersetzen sei. Dieser exegetische Konsens ist inzwischen zerbröckelt; er besteht nicht mehr. In der deutschen Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift steht im Abendmahlsbericht: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird“ (Mk 14, 24; vgl. Mt 26, 28). Damit wird etwas sehr Wichtiges sichtbar: Die Wiedergabe von „pro multis“ mit „für alle“ war keine reine Übersetzung, sondern eine Interpretation, die sehr wohl begründet war und bleibt, aber doch schon Auslegung und mehr als Übersetzung ist.

Diese Verschmelzung von Übersetzung und Auslegung gehört in gewisser Hinsicht zu den Prinzipien, die unmittelbar nach dem Konzil die Übersetzung der liturgischen Bücher in die modernen Sprachen leitete. Man war sich bewusst, wie weit die Bibel und die liturgischen Texte von der Sprach- und Denkwelt der heutigen Menschen entfernt sind, so dass sie auch übersetzt weithin den Teilnehmern des Gottesdienstes unverständlich bleiben mussten. Es war ein neues Unternehmen, dass die heiligen Texte in Übersetzungen offen vor den Teilnehmern am Gottesdienst dastanden und dabei doch in einer großen Entfernung von ihrer Welt bleiben würden, ja, jetzt erst recht in ihrer Entfernung sichtbar würden. So fühlte man sich nicht nur berechtigt, sondern geradezu verpflichtet, in die Übersetzung schon Interpretation einzuschmelzen und damit den Weg zu den Menschen abzukürzen, deren Herz und Verstand ja von diesen Worten erreicht werden sollten.

Thomas Söding, Neutestamentler in Bochum, hat für den DLF die Debatte kurz kommentiert. Ich teile seine Position nicht, gebe aber hier gern die Stellungnahme wieder:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2012/04/27/dlf_20120427_0936_4583b569.mp3[/podcast]

Biblical and Ancient Greek (BAGL)

Freunde des Altgriechisch dürfen sich freuen: es gibt ein neues Online Journal für Koinē und Altgriechisch. Biblical and Ancient Greek Linguistics (BAGL), das frei zugänglich ist, beschreibt sich so:

Biblical and Ancient Greek Linguistics (BAGL), in conjunction with the Centre for Biblical Linguistics, Translation, and Exegesis at McMaster Divinity College and the OpenText.org project (www.opentext.org) is a fully refereed on-line and print journal specializing in widely disseminating the latest advances in linguistic study of ancient and biblical Greek. Under the senior editorship of Professor Dr. Stanley E. Porter and Dr. Matthew Brook O’Donnell, along with its assistant editors and editorial board, BAGL looks to publish significant work that advances knowledge of ancient Greek through the utilization of modern linguistic methods. Accepted pieces are in the first instance posted on-line in page-consistent pdf format, and then (except for reviews) are published in print form each volume year. This format ensures timely posting of the most recent work in Greek linguistics with consistently referencable articles then available in permanent print form.

Hier das Inhaltsverzeichnis der ersten Ausgabe: bagl.org/volume1.

Fragen an E.P. Sanders

Der Neutestamentler Andrie du Toit wurde während seiner Promotionszeit in Basel von Karl Barth und Oscar Cullmann geprägt, bevor er sich in Südafrika als Experte für neutestamentliche und jüdische Exegese etablierte.

Eher zufällig fand ich in einem Vortrag, den er bereits 1985 in Trondheim gehalten hatte und der 1988 erstmalig veröffentlicht wurde, kritische Anfragen von du Toit an E.P. Sanders. Obwohl wahrscheinlich nur diejenigen etwas mit dem Zitat anfangen können, die sich mit der so genannten „Neuen Pauluspektive“ befassen, gebe ich den Auszug nachfolgend unkommentiert wieder (Andrie du Toit, Focusing on Paul, hrsg. von Cilliers Breytenbach u. David S. du Toit, Walter de Gruyter, 2007, S. 316):

Die Fragen mehren sich: Hat Sanders den Kontext und die Eigenart seiner Dokumente genügend beachtet? Wieviel sonstiges Zeugnis für eine Soteriologie des Verdienstes ist seiner eklektischen Methode zum Opfer gefallen? Wird ein Spezialist wie Billerbeck, der 16 Jahre an diesem Material gearbeitet hat, sich wirklich völlig geirrt haben? War Sanders Methode ausreichend, um die Grundstimmung (bzw. Grundstimmungen) des palästinensischen Judentums gründlich aufzufangen? Haben auch die Synoptiker, beziehungsweise ihre Quellen, diese Grundstimmung so völlig mißverstanden? Wie ist die jüdische καύχησις mit einem echt durchlebten Gnadenbewußtsein zu reimen? Oder müssen wir annehmen, sie sei eine Illusion des Paulus gewesen? Konnten nicht auch Erwähltsein aus Gnade und Zugehörigkeit zum Bunde zu Formeln erstarren oder sogar, wie aus der Kirchengeschichte zu belegen ist, eventuell zu einem Status vor Gott werden? Hätte man den damaligen Inhalt dieser Begriffe nicht gründlicher analysieren sollen? Ist die Art des jüdischen Sündenbewußtseins im ersten Jahrhundert genügend untersucht? Sündenbewußtsein bestimmt ja weitgehend, wie man die Gnade versteht und erlebt.

Methodologisch gibt es aber noch eine andere ernste Frage: Die „soteriologischen“ Aussagen in den jüdischen Dokumenten sind, wie die christlichen, alle eschatologisch bestimmt, das heißt sie haben mit dem Zugang zum endzeitlichen Heil zu tun. Dann aber liegt der kritische Vergleichspunkt nicht zwischen den jüdischen Auffassungen über den Zugang zum Bund und dem paulinischen Erlösungskerygma, sondern zwischen den jüdischen und den christlichen Aussagen über den Zugang zum endzeitlichen Heil. Sobald das jedoch geschieht, kommen die ἔργα jedoch wieder ganz neu ins Spiel! (Die paulinische Rechtfertigung ist ja eine Vorwegnahme des eschatologischen Urteils des himmlischen Richters.) Selbstverständlich gab es im jüdischen Denken eine starke Korrelation zwischen dem Zugang zum Bund und zum endzeitlichen Heil. Prinzipiell waren sie aber keineswegs identisch. Paulus wäre mit der Behauptung, daß Israel aus Gnade zum Bunde erwählt wurde, völlig einverstanden (vgl. Rom 11:28f.; 9:4). Seine Kritik liegt anderswo.

Interview mit Greg Beale

Mark Dever hat kürzlich mit Greg Beale über Biblische Theologie gesprochen. Das Interview startet ziemlich amerikanisch (und bleibt es stellenweise), entwickelt sich allerdings mitunter auch substanziell. Es ist interessant, was Beale über seine theologische Entwicklung, die Eschatologie (!) und andere Autoren sagt.

[podcast]http://media.9marks.org/audio/interview20120401-Beale.mp3[/podcast]

Eckhard Schnabel geht zum Gordon-Conwell Seminar

Eckhard J. Schnabel, vielen noch bekannt als FTA-Dozent, ist zum Professor für Neues Testament an das Gordon-Conwell Theological Seminary berufen worden. Professor Schnabel wird im Herbst mit seiner Vorlesungstätigkeit beginnen.

“Dr. Schnabel is a scholar of remarkable diversity,” remarks Provost, Dr. Frank James. “He is not only a noted New Testament scholar who has written the definitive work on Christian Mission in the New Testament, but he also brings a global perspective having served on academic faculties in his native Germany, the Philippines, Latin American, Hong Kong, as well as the U.S. Dr. Schnabel’s international experience no doubt will serve our students well in our globalized world.”

Since 1998, Dr. Schabel has served on the faculty of Trinity Evangelical Divinity School, Deerfield, IL, currently as Professor of New Testament. He has also served as chair of the New Testament department at Freie Theologische Akademie, Giessen, Germany; as Program Director, Th.M. in Biblical Studies, at Asia Graduate School of Theology, Manila, Philippines; and as a professor at Wiedenest Bible College, Bergneustadt, Germany, and Asian Theological Seminary, Manila. He has also been a Visiting Lecturer or Visiting Professor at theological schools in Poland, Belgium, Philippines, Germany, Canada, Sri Lanka and Hong Kong, China.

Hier: www.gordonconwell.edu.

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