Bibelwissenschaft

Klarheit der Schrift

Markus Till hat ein paar wichtige Aspekte zur Klarheit der Schrift zusammengetragen und geht dabei auf einen Vortrag ein, den Kevin DeYoung auf einer E21-Konferenz 2016 gehalten hat:

Deshalb, ihr lieben „Laien“ und ganz gewöhnlichen Christen: Lasst Euch nicht verwirren und nicht entmutigen! Die Bibel ist Gottes Wort. Und sie ist so einfach und klar geschrieben, dass alles Wesentliche vom JEDEM verstanden werden kann, der die Bibel mit einem hörenden Herzen studiert und dabei vertraut, dass Gott durch dieses Buch zu uns spricht. Gebt Eure Erkenntnisse, die Ihr in Eurem persönlichen Bibelstudium gewinnt, mutig weiter in Euren Gruppen, Kreisen und Treffen! Tragt mit dazu bei, dass das Wort Christi reichlich unter uns wohnt (Kol. 3, 16)! Nicht immer werden unsere Auslegungen zu 100 % stimmen, aber das ist bei studierten Theologen und Wissenschaftlern auch nicht anders. Wir haben einen Vater im Himmel, der Wohlgefallen daran hat, Dinge den Weisen und Klugen zu verbergen und es den Unmündigen zu offenbaren (Lukas 10, 21). Gerade im Jahr des Reformationsjubiläums dürfen wir die zentrale reformatorische Errungenschaft der „Bibel für Alle“ neu mutig in Anspruch nehmen.

Mehr: blog.aigg.de.

Worthaus

Worthaus ist unter Evangelikalen in den letzten Jahren recht populär geworden. Gerade neugierige und aufgeweckte junge Leute fühlen sich von den Worthaus-Vorträgen angezogen, verstanden und gut informiert. Es werden viele Themen angesprochen, die in ihren Gemeinden oder Hauskreisen unterbelichtet bleiben. Markus Till hat sich viele Vorträge angehört und schreibt in seiner hilfreichen Analyse: „Die evangelikale Bewegung steht vor einer grundlegenden Entscheidung, wenn sie nicht in den Abwärtsstrudel der liberalen Kirchen mit hineingezogen werden möchte.“

Er schreibt weiter:

Worthaus ist kein einheitlicher Block mit einheitlicher Theologie. Jedoch gibt es eine klare gemeinsame Prägung (weshalb in diesem Artikel meist vereinfachend von Worthaus als Ganzem gesprochen wird). Worthaus bekennt sich klar zur historisch-kritischen universitären Theologie, will aber gleichzeitig bibeltreu sein – sogar wesentlich bibeltreuer als konservative Christen. Durch die Berücksichtigung moderner bibelwissenschaftlicher Erkenntnisse soll ein „unverstellter Blick“ auf die Bibel gewonnen werden. Biblische Textgattungen sollen sauber unterschieden werden und das historisch-kulturelle Umfeld sowie die Entstehungsgeschichte der biblischen Texte berücksichtigt werden, um viel fundierter beleuchten zu können, was die biblischen Texte ursprünglich wirklich sagen wollten (z.B. ob die Geschichten historisch gemeint waren oder nicht). Entsprechend lautet die Vision von Worthaus: „Alles auf Null“. Das will sagen: Wir stellen vorurteilsfrei noch einmal alles in Frage, um zu gut begründeten Überzeugungen zu gelangen. Das klingt auch für viele konservative Zuhörer gut, die ja zuallermeist längst nicht so wissenschaftsfeindlich sind, wie das von Worthaus oft behauptet wird.

Auf dem Blog Aufatmen in Gottes Gegenwart kann der Beitrag auch als PDF-Datei heruntergeladen werden: blog.aigg.de.

Jospeh Fitzmyer: Romans

51Sj+E3QXZL SX338 BO1 204 203 200Logos Bible Software bietet im Monat Oktober 2017 einen katholischen Bibelkommentar zum Römerbrief als Buch des Monats gratis an. Der Autor, Jospeh Fitzmyer, gilt als bedeutender Exeget neutestamentlicher Schriften.

  • Fitzmyer, Joseph A., Romans : A New Translation With Introduction and Commentary, Yale University Press, 2007.

Das Buch kann hier angefordert werden: www.logos.com.

Erweiterte Interlinearbibeln für Logos

In der Bibelsoftware Logos ermöglicht eine erweiterte Interlinearbibel den Zugriff auf den biblischen Grundtext in Hebräisch oder Griechisch innerhalb einer Übersetzung und liefert zudem eine linguistische Kurzanalyse.

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Bald wird es unter Logos neben der Luther84 zwei weitere deutschsprachige Interlinearbibeln geben, nämlich Schlachter2000 und Luther2017.

Mehr hier: deutsch.logos.com.

Mehr Informationen über deutschsprachige Logos-Ausgaben gibt es hier: de.logos.com.

Der neue Paulus

Die neutestamentliche Wissenschaft diskutiert seit vielen Jahren über die sogenannte „Neue Paulusperspektive“ (engl. „New Perspective on Paul“, abgekürzt meist als „NPP“, siehe dazu auch hier und hier). Die Bezeichnung, die auf einen Aufsatz von James D. G. Dunn aus dem Jahr 1983 zurückgeht, steht für eine theologische Strömung, die die Paulusexegese heute durchdringend prägt und der von manchen Bibelauslegern eine epochale Bedeutung zugeschrieben wird. Die „Neue Paulusperspektive“ tritt mit dem Anspruch auf: Die Paulusauslegung hat bisher versäumt, die Paulustexte innerhalb ihres historischen Kontextes zu deuten. Wenn wir die Brillen der theologischen Traditionen ablegen und zum Verstehen des Neuen Testaments das frührabbinische Judentum heranziehen, begegnen wir dem wahren Apostel Paulus. Der Apostel, den wir bisher zu kennen glaubten, ist nicht viel mehr als eine Fiktion gewesen.

Bei der neuen Sichtweise geht es nicht allein um einen akademischen Diskurs. Neben strittigen Themen wie etwa Antijudaismus, Bundestheologie, Gesetzesfunktion oder Reich Gottes werden auch Kernaspekte der Rechtfertigungslehre verhandelt. Im Raum steht nicht weniger als die große Frage: „Haben wir zentrale Gesichtspunkte des Evangeliums bisher falsch verstanden?“

So manche Entwicklungen in der Praktischen Theologie und Missionswissenschaft, denken wir nur an den missionalen Ansatz, die Transformationstheologie oder die aktuelle Faszination für die politische Theologie, haben mehr mit der NPP zu tun, als das auf den ersten Blick erkennbar ist. Die Befürworter der neuen Sicht betonen die Inklusivität des Evangeliums und das Herabkommen des Himmelreiches auf die Erde. Wir hören Sätze wie: „In der Bibel bedeutet Erlösung nicht: Gott errettet die Menschen aus der Welt heraus, sondern Erlösung ist die Errettung der Welt an sich.“

Ich habe den diesjährigen Sommerurlaub unter anderem dafür genutzt, einige Vorträge, die ich 2016 und 2017 zur „Neue Paulusperspektive“ gehalten habe, für ein kleines Buch mit rund 70 Seiten zu überarbeiten. Im ersten Teil stelle ich bedeutende Wegbereiter der „Neuen Paulusperspektive“ vor. Im anschließenden Kapitel mache ich die Leser mit zwei prominenten Verfechtern der neuen Sichtweise, die auch in bekenntnisorientierten Kreisen fleißig studiert werden und inzwischen eine entsprechende Wirkung entfaltet haben, vertraut. Im dritten Teil skizziere ich herausstechende Anliegen der neuen Paulusinterpretation. Der vierte Teil ist schließlich der kritischen Würdigung gewidmet. Ich versuche zu zeigen, dass die Strömung durchaus unser Bibelstudium stimulieren kann und uns zwingt, genauer hinzuschauen und unsere Exegese hier und da zu revidieren. Ich zeige allerdings ebenfalls, dass es allerlei gute Gründe dafür gibt, Erträge der „Neuen Paulusperspektive“ zu hinterfragen. Meine Kritik beschränkt sich dabei nicht auf die kontroverse Sichtweise der Rechtfertigungslehre. Freilich schenke ich Themen rund um das „Evangelium“ und die „Glaubensgerechtigkeit“ mehr Aufmerksamkeit als anderen. Die Arbeiten von N.T. Wright bekommen dabei besonders viel Raum. Anmerkungen und ein Literaturverzeichnis liefern zahlreiche Anstöße zum Weiterdenken.

Die Abhandlung will nicht mehr als eine Handreichung sein. Der beibehaltende Vortragsstil nötigt, sich auf die „groben Linien“ zu konzentrieren. Gleichwohl hoffe ich, dass die Ausführungen Interessenten, Theologiestudenten und lehrenden Mitarbeitern in den Gemeinden dienlich sind und zur eigenen Auseinandersetzung mit der Strömung der „Neuen Paulusperspektive“ anregen.

Bestellt werden kann die Handreichung als Paperback- und als Kindle-Buch.

Textkritik des Neuen Testaments II

Herzliche Einlandung zum Seminar „Textkritik des Neuen Testaments II“ mit Prof. Dr. Martin Heide in München.

Bei der Textkritik geht es um die Suche nach dem zuverlässigen Grundtext des Neuen Testaments. Grundlage der Textkritik ist der Vergleich mehrerer handschriftlicher Fassungen eines Textes. Im zweiten Teil des Seminars werden vor allem praktische Übungen anhand ausgewählter Textpassagen des NTs machen, um ein Gefühl für die Komplexität der Überlieferung und die Bedeutung der Textforschung für eine gesunde Theologie zu bekommen.

Prof. Dr. Martin Heide ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Manuskriptforschung und wird neben Weiterführungen zum ersten Seminar auch die praktischen Übungen anleiten. Es ist deshalb wichtig, eine aktuelle Ausgabe des griechisches NTs mit zum Seminar zu bringen.

Mehr Informationen hier: www.bucer.de.

Joh1 16
Textkritische Anmerkungen aus dem NA 28 zu Joh 1,16 (Logos Bibelsoftware).

Logos in Deutsch kostenlos testen

Logos Basic ist die kostenlose Version des marktführenden professionellen Bibelprogramms. Seit ein paar Tagen gibt es eine kostenlose deutschsprachige Einführungsversion der Software. Um Basic Deutsch herunterzuladen, ist nur eine Anmeldung  für den Newsletter erforderlich.

Mehr Informationen hier: de.logos.com.

Voreingenommen vom „Ich“

Bei der Lektüre biblischer Texte setzten wir Aussagen laufend in ein Verhältnis zu uns selbst. Wir fragen etwa oft zu schnell: „Was bedeutet das für mich?“. Randolph Richards und Brandon O’Brien zeigen in ihrem Buch Misreading Scripture with Western Eyes, dass neuzeitliche Denkvoraussetzungen uns häufig den Blick für den eigentlichen Textsinn eintrüben.

Ein Beispiel  (S. 197–198):

Wir glauben, dass die Bibel unsere Vereinnahmung mit uns selbst befürwortet. Wir schließen aus der Schrift, dass Gott uns einzigartig gemacht hat, für jeden von uns einen besonderen Plan hat und daher uns in den Seiten der Schrift etwas zu sagen hat. Gott sagte zu Jeremia: „Bevor ich dich im Mutterleib geformt habe, kannte ich dich, bevor du geboren wurdest, habe ich dich ausgesondert“ (Jer 1,5). Ebenso sprachen Jesaja und Paulus davon, beim Namen gerufen (Jes 49,1) oder im Mutterleib abgesondert (Gal 1,15) worden zu sein. Als „Westler“ finde ich mich selbst als jemand wieder, der denkt: Wenn Gott sie im Mutterleib auswählte, dann musste er mich auch so auserwählt haben. Ich kann sogar Psalm 139,13 als Beweistext heranziehen. Aber die Begründung ist zirkulär; wir gehen davon aus, dass es so zu verstehen ist, weil unsere Kultur uns sagt, dass wir etwas Besonderes sind. Der Punkt, den die Bibel macht, scheint ganz das Gegenteil zu sein: Jeremia, Jesaja und Paulus waren anscheinend eine Ausnahme. Im Gegensatz zu allen anderen wurden sie für ein besonderes Wort und eine besondere Aufgabe vom Herrn auserkoren. Aber in der Art, wie wir es lesen, ist Jeremia in der Weise „besonders“, wie jeder andere es auch ist.

Das Buch Misreading Scripture with Western Eyes gibt es im April 2017 für Anwender der Logos-Software gratis. Hier die Quelle: www.logos.com.

Die Botschaft der Bergpredigt

511bq0BbSvL SX360 BO1 204 203 200John Stotts Auslegung der Bergpredigt ist eine fantastische Hilfe zum besseren Verständnis ihrer Botschaft. Die wunderbare Frauke Bielefeld hat das Buch meisterhaft in die deutsche Sprache übersetzt, sodass die Lektüre inhaltlich und sprachlich ein Vergnügen ist.

Hier eine Kostprobe:

So wie beim Salz wird auch beim Licht eine Bedingung eingeführt: „Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten.“ So wie das Salz seinen Salzgehalt verlieren kann, so kann das Licht in uns dunkel werden, wie wir auch später in 6,23 sehen werden. Aber das Licht Christi in uns soll von uns ausstrahlen, sodass die Menschen es sehen können. Kein Dorf, das sich in eine Talmulde schmiegt, sodass seine Lichter in der Senke verschwinden, sondern wie eine „Stadt auf einem Berge“, die „nicht verborgen sein“ kann und deren Lichter meilenweit zu sehen sind. Oder wie eine brennende Lampe, „ein brennendes und scheinendes Licht“ (Joh 5,35) wie Johannes der Täufer, die an zentraler Stelle im Haus auf einen Leuchter gesetzt wird, damit sie weithin Licht gibt, anstatt unter einen Eimer oder Topf [Luther. „Scheffel“], wo sie nichts Gutes mehr tun kann.

Das bedeutet, dass wir als Jünger Jesu weder die Wahrheit, die wir kennen, noch die Wahrheit darüber, wer wir selbst sind, verbergen sollen. Geben wir nicht etwas anderes vor, als wir sind, sondern stehen sichtbar zu unserem Christsein! „Flucht in die Unsichtbarkeit ist Verleugnung des Rufes. Gemeinde Jesu, die unsichtbare Gemeinde sein will, ist keine nachfolgende Gemeinde mehr“ (Bonhoeffer).

Seien wir unser echtes christliches Selbst, leben wir nach den Seligpreisungen und schämen wir uns nicht für Christus! Dann werden andere uns und unsere Werke sehen und den Vater preisen, weil es nicht ausbleiben kann, dass sie erkennen, dass wir durch Gottes Gnade sind, was wir sind, dass unser Licht sein Licht ist und er seine Werke in und durch uns tut. So werden sie das Licht ehren, nicht die Lampe – unseren Vater im Himmel, nicht die Kinder, die er in die Welt gesetzt hat und die eine gewisse Familienähnlichkeit mit ihm aufweisen. Selbst diejenigen, die uns schlecht machen, werden ihren Teil dazu beitragen, wenn sie uns um eben dieser Gerechtigkeit willen verfolgen (V. 10-12).

Es sind nicht mehr viele Exemplare auf dem Markt. Noch ist das Buch hier günstig zu erwerben.

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Nachtrag vom 04.04.2017: Das Buch ist inzwischen ausverkauft.

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