Theologie

Pornocracy

Kate Lucky hat das gerade erschienene säkulare Buch Pornocracy von Jo Bartosch und Robert Jessel gelesen. Die Autoren weisen in ihrem Buch unter anderem nach, dass durch den Pornokonsum Sexualität immer gewalttätiger wird und vor allem Frauen die Leidtragenden sind.

Zitat aus der Buchbesprechung „The Insufficient Secular Case Against Porn“:

Was Nutzer online sehen, wirkt sich auch außerhalb des Bildschirms aus. Im Jahr 2023 hat eine französische Behörde „Millionen von Videos auf den größten internationalen Pornographie-Websites überprüft und festgestellt, dass 90 % davon verbale, körperliche und sexuelle Gewalt gegen Frauen zeigten“, berichtet Pornocracy. Studien haben wiederum einen tatsächlichen Anstieg von Würgen und Schlagen unter jungen Menschen beim Sex dokumentiert. Eine weitere Analyse ergab die Beliebtheit von Stichwörtern wie „barely legal“ (gerade volljährig) oder „teen“ (Teenager).

Einige Männer, die wegen Besitzes von Material über sexuellen Missbrauch von Kindern verurteilt wurden, hatten laut Pornocracy „vor dem Konsum von Pornos kein sexuelles Interesse an Kindern“. Das „Streben nach Abwechslung“ – die Suche nach „Schulmädchen“ – führte sie schließlich in die Kriminalität.

Die meisten Pornokonsumenten sind Männer, und Bartosch und Jessel haben Verständnis für ihre Lage. „Generationen, die mit Smartphones aufgewachsen sind, haben nun Szenen von Vergewaltigung, Würgen und Inzest gesehen, bevor sie ihren ersten (echten) Kuss erlebt haben”, beklagen sie. Zu viele junge Männer haben ihre „Fähigkeit verloren, erfüllende, respektvolle Beziehungen zu genießen”, stattdessen sind sie darauf programmiert, „auf das zu reagieren, was sie auf dem Bildschirm sehen, anstatt ihre Partner zu schätzen und gegenseitiges Vergnügen mit ihnen zu finden”. Pornos lehren Jungen, dass „ein Mann zu sein bedeutet, unempfindlich gegenüber Intimität und Empathie zu sein”.

Interessant klingt auch, was der Verlag auf dem Cover schreibt:

Man sagt, dass jeder Pornos konsumiert. Das ist falsch. Die Menschen konsumieren keine Pornografie – sie werden von ihr konsumiert. Und man muss sie nicht anschauen, um zu ihren Opfern zu gehören.

In diesem zum Nachdenken anregenden und aktuellen Buch enthüllen Jo Bartosch und Robert Jessel, wie die milliardenschwere Pornographieindustrie die Menschheit in ihren Bann gezogen hat. Von der Umprogrammierung unseres Gehirns über die Normalisierung sexueller Gewalt bis hin zur Entstehung neuer Protestbewegungen hat die pornographische Revolution einen erstaunlichen und fast vollständigen Sieg errungen.

Der Triumph der Pornokraten wird noch unheimlicher durch die weit verbreitete Akzeptanz in der Gesellschaft …

Hinweis: Wer im Blick auf Pornographiekonsum und – abhängigkeit Hilfe sucht, kann hier fündig werden: unbeschwert-laufen.de.

Eine Höhlenwanderung: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, wie man ihn kennt (und fürchtet)

ARD, ZDF und Deutschlandradio nahmen im Jahr 2024 insgesamt 10,4 Milliarden Euro ein. Eine solche Summe erreicht kein anderes öffentlich-rechtliches Rundfunksystem (ÖRR) weltweit (siehe hier). Da könnte man meinen, dass der ÖRR sehr viel Wert auf Sorgfalt und journalistische Standards legt. Wer jedoch selbst einmal in einer Reportage des ÖRR aufgetreten ist, hat möglicherweise die Erfahrung gemacht, dass die Darstellungen stark interessengeleitet sind. Besonders viel Spaß scheinen einige Redakteure daran zu haben, fromme Christen als weltabgewandte und durchgeknallte Hinterwäldler darzustellen.

Romy W. (Klarname ist mir bekannt) hat im letzten Jahr einige solcher Dokumentationen gesehen. Da es zwischen dem ÖRR und dem gewöhnlichen Gebührenzahler ein übergroßes Machtgefälle gibt, kommt man mit Richtigstellungen meist nicht sehr weit. Aber man kann auch anders an die Sache herangehen und die Eindrücke in einen bissigen und humorigen Text „hineinlegen“. Genau das hat Romy W. mit „Eine Höhlenwanderung“ gemacht.

Gern gebe ich den Beitrag nachfolgend wieder:

Eine Höhlenwanderung

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, wie man ihn kennt (und fürchtet)

Die Redakteure des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) haben wieder einmal tief und genussvoll in den verbürgten Topf der Rundfunkgebühren (früher GEZ) gegriffen. Sie haben es sich so richtig gegönnt. Das ist das Großartige an ihrem nie versiegenden Jungbrunnen: Er fließt und fließt in Strömen. Deswegen muss man sich auch nicht die Mühe machen, sorgfältige journalistische Arbeit zu leisten. Wer braucht schon Qualität, wenn die Kohle auch so stimmt?

Warum es sich also nicht gönnen? Warum, wenn die Ideen für bereichernde und kluge Berichterstattungen allmählich ausgehen, nicht am reichhaltigen Buffet eines Lieblingsthemas bedienen: Den dummen, zurückge-bliebenen und zugleich hochgefährlich digitalisierten, moralisch verdrehten, autoritären, gesellschafts- und kulturfeindlichen Christen?

Dieses Jahr haben wir bereits einige mit Herzblut recherchierte Dokumentationen über diese höchst manipulative Bewegung zu sehen bekommen. Wir durften lernen, wie bedrohlich öffentliche Glaubensbekenntnisse christlicher Profifußballer sind. Wir wurden aufgeklärt über mysteriöse Zusammenkünfte von Demokratiefeinden im „hippen“ Charismatiker-Gewand. Wir wurden „wohlgeframed“ über die ideologisch verblendeten freikirchlichen „Systeme“ informiert, die eigentlich nur dazu dienen, einer auserwählten Heiligenschar zu Reichtum zu verhelfen. Wir hörten von aus politisch-rechtem Gedankengut gespeisten, rappenden Chart-Erschleichern. Glücklicherweise ist die Gemeinde Jesu Christi nicht tot. Glücklicherweise lässt sich hinter jeder Biegung eine weitere Schreckensmeldung finden, die sich bildreich vermarkten lässt. Jüngst haben sich unsere Qualitätsjournalisten die katholisch-charismatische Bewegung, insbesondere Johannes Hartl, vorgeknöpft.

Es ist einfach viel zu reizvoll, um nicht kreativ mit diesem Rohmaterial zu arbeiten. Deswegen sei auf der Hut, Deutschland! Wir helfen dir beim Anlegen der Höhlenausrüstung. Wir schalten die Stirnlampe für dich ein. Wir nehmen deine Hand und führen dich. Bleib uns dicht auf den Fersen, denn nun steigen wir hinab in die rutschigen Tropfsteinhöhlen der Verblendung. In die verschlingende Finsternis des christlichen Glaubens. Fürchte dich nicht, denn wir erleuchten die Höhle für dich. Wir zeigen dir, dass diese Welt nur aus Schatten besteht.

Da wir eine äußerst hochwertige Ausrüstung tragen, sind wir nicht auf plausible Argumente angewiesen. Wie die gegnerische Seite bedienen wir uns einer wunderbaren postmodernen Errungenschaft: Der Postfaktizität.

Uns reicht es, wenn wir genügend versprengte Einzelstimmen aus dem letzten Jahrzehnt zusammenkratzen. Wir benötigen keinen rechtlichen Fehltritt. Keine verfassungsfeindlichen Zitate. Wir brauchen keine nachgewiesene Veruntreuung. Noch nicht einmal auf einen dramatischen Missbrauchsskandal sind wir angewiesen. Pornokritische Zitate reichen völlig aus. Wie, ihr habt Studien gelesen, in denen die neurologischen Auswirkungen und die sozialen Gefahren von Pornokonsum beleuchtet werden? Das kann nicht sein! Wir leben in einer postfaktischen Zeit. Es lässt sich leicht lösen. Wir wählen dramatische Musik. Wir entscheiden uns für einen mitleidigen Tonfall. Wir rühren kräftig um. Und wie schön: Es funktioniert. Seht ihr, wie die bunten Emotionen die Fakten übermalen?

So können wir uns gemeinsam in der Drohkulisse sonnen: Der Drohkulisse gesunder Ehen, verkörperter Sexualität anstelle von losgelöstem Digitalkonsum, und vertrauensbasierter Beziehungen. Aber bevor du angesichts dieses Schreckensszenarios in die Hosen machst: Fürchte dich nicht. Die ARD ist bei dir! Gemeinsam werden wir das Tal der Rückwärtsgewandtheit erfolgreich durchwandern. Mehr noch: Schon bald werden wir wieder in aufgeklärte Sphären aufsteigen. Dorthin, wo das freie Individuum als Mittelpunkt der Realität für Recht und Ordnung sorgt. Fürchte dich nicht! Dieser graue Kollektivismus, dieses Untergraben der radikalen Selbstverwirklichung auf Kosten aller, ist bloß ein Hirngespinst. Der aufgeklärte Mensch ist sich selbst genug. Die Eingliederung in eine Gruppe ist höchstgefährlich für die Selbstentfaltung.

(Außer natürlich in die Demokratie.)
(Und natürlich in den herrschenden Zeitgeist.)
(Und natürlich in den Cancel-Mob gegen Andersdenkende.)
(Bei Shitstorms hat man sich bitte schön dem Kollektiv unterzuordnen. Hexenjagden sind schließlich die letzten kommunalen Rituale unserer säkularen Gesellschaft.)
(Wenn wir einander schon gewohnheitsmäßig die menschliche Würde absprechen, lasst uns bitte gleich zusammen als Tierherde agieren.)

Vielleicht reden wir am Thema vorbei. Vielleicht haben wir den Kern der Sache nicht verstanden. Vielleicht geht es hier nicht um Macht, und vielleicht ist in dieser Sphäre nichts politisch. Vielleicht geht es hier um etwas ganz anderes.

Das interessiert uns wenig. Wir sind das Licht. Unsere Stirnlampe bleibt fokussiert. Wir vertrauen ihr und fordern Vertrauen ein – postfaktisch.
Wir beherrschen unser Geschäft, und der Erfolg wird uns recht geben. Wenn wir unseren Brei weich genug vorkauen, können wir Deutschland damit füttern. Denn Brei sättigt. Und wer satt ist und gut unterhalten wird, braucht nicht eigenständig denken.

Wir haben hervorragende Techniken: Aus Meinungen und Gefühlen erschaffen wir scheinbar aufklärende Dialoge. Wir schneiden an geeigneten Stellen Witzfiguren hinein. Närrische Tänzer, Händeheber oder Verliebt-in-Jesus-Leute eignen sich gut für unsere Dokumentationen. Es macht Spaß, die geistlich Armen vorzuführen.

Und jetzt, husch, husch, zurück an die Frischluft. Verweilt nicht zu lang in dem Zwielicht dieser Höhle. Sonst findet ihr noch Gefallen an ihr. Die Gefahr ist real: Uns ist zu Ohren gekommen, dass immer mehr Menschen sie ohne unsere erleuchtende Begleitung betreten. Sie bleiben dort hängen – ohne dass wir ihnen erklären können, wie verhängnisvoll das ist. Gruselige Geschichten haben wir gehört. Immer mehr Junge und Alte sollen erkannt haben, dass dieser Jesus tatsächlich vom Tode auferstanden ist und Menschen aus ihrer Verlorenheit und Zerrissenheit rettet.

Jemand hat uns sogar erzählt, diese Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Gott sei unausrottbar. Gott habe seinen Geschöpfen die Ewigkeit ins Herz gelegt. Die Leute kämen nicht davon los. Seit tausenden Jahren nicht. Ihre Bibel habe Dekonstruktion um Dekonstruktion überlebt.

Das klingt beinahe unmenschlich. Es weckt Ängste.

Denn was, wenn es vielleicht anders ist, als wir denken? Was, wenn sie im Licht tanzen und wir uns an die Dunkelheit klammern?

Romy W.

John Stott: Das Gebet

Im Jahr 2006 predigte John Stott in der Redeemer Presbyterian Church (New York) über Epheser 2,18, wo steht: „Denn durch ihn haben wir beide durch einen Geist den Zugang zum Vater.“ Das Thema der Predigt war also das Gebet.

Ich empfehle die Aufzeichnung nicht nur wegen der Predigt, sondern auch aufgrund der einleitenden Worte durch den Hauptpastor der Gemeinde. Dort bekennt sich Tim Keller zum Einfluss John Stotts auf sein eigenes Leben und das seiner Frau Kathy. Zudem erläutert er, welche Bedeutung John Stott für das evangelikale Christentum in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte.

Sollte jemand nicht wissen, wer John Stott ist, kann er sich über die Buchbesprechung zu Stott on the Christian Life einen ersten Eindruck verschaffen.

Fehlentwicklungen im „Neuen Calvinismus“

Bob The Baptist hat nicht nur einen einladenden Humor, sondern er ist hin und wieder etwas zu kritisch. Jedenfalls sehe ich das so.

Trotzdem trifft er immer wieder wunde Punkte, über die es sich nachzudenken lohnt. Und wenn er im nachfolgenden Video Schwächen oder sogar dunkle Seiten der Bewegung des „Neuen Calvinimus“ benennt, dann bin ich dankbar dafür.

Im Rückblick lässt sich gut erkennen, dass es unter den „Young, Restless, Reformed“-Leuten Fehlentwicklungen gegeben hat und gibt. Oft sind auch hier „Power“ und „Einfluss“ relevante Themen. Wer sich zum Beispiel für das Leben und Werk von Mark Driscoll oder Paul Maxwell interessiert (auch„Manosphere“ oder „Christian Nationalism“), sollte sich das Video von Bob anschauen:

John Stott: Nicht durch Macht

Im Jahr 2000 hat John Stott eine Rede über die schädliche Sucht nach Macht gehalten. Seine Aussagen sind immer noch relevant. Nicht nur in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, sondern auch in Bezug auf Entwicklungen innerhalb der Kirche. Machkonzentration ist an vielen Stellen angesagt. Und manche „Superapostel“ nehmen für ihre Expansionssucht sogar den Heiligen Geist in Anspruch.

John Stott zeigt anhand von 1 Korinterbrief 1, dass Gott das Machtprinzip aufbricht (oder sogar umkehrt) und sich durch Menschen verherrlicht, die um ihre Schwachheit wissen und aus der Abhängigkeit von Gott leben. 

Hier die Predigt:

Kein „Kuschelchristentum“ bitte

Der nachfolgende Absatz aus unserem Familienrundbrief 2003 (Dezember) gilt heute noch mehr als vor rund 20 Jahren: 

In einem juristischen Seminar der Indiana-Universität (Sagamore, USA) musste Anfang Dezember ein Weihnachtsbaum entfernt werden, da er, obwohl nicht mit religiösen Ornamenten geschmückt, sonst angeblich nicht-christliche Studenten diffamieren könnte. Es ist absehbar, dass die EU auf einen Gottesbezug in der Verfassung verzichten wird. Dies wäre dann mehr als ein rein laizistischer Akt, es wäre die symbolische Versiegelung einer rasanten gesellschaftlichen Umwälzung. Europa hat sich von der befreienden und beflügelnden Kraft des Evangeliums emanzipiert. Was wird nun kommen? Was wird an die Stelle der verbindenden christlichen Wurzeln treten? Die vielgepriesenen Ersatzgötter wie z.B. Konsum, Kapital oder Menschenliebe werden die uns angeborenen religiösen Bedürfnisse nicht sättigen. Treten wir ein in eine Epoche, die von fundamentalistischen Bewegungen gekennzeichnet sein wird? Wird einfach nur das Chaos zunehmen? Wir wissen es nicht. Aber eins ist klar: Der Wind wird für uns Christen rauer werden. Wenn wir unseren Kindern und den nachfolgenden Generationen etwas mitgeben wollen, dann müssen wir uns verabschieden vom „Kuschelchristentum“, in dem es nur um die Frage der eigenen Befindlichkeit geht, und lernen, Rechenschaft zu geben von der Hoffnung, die in uns ist (vgl. 1 Petr 3,15). Was wir brauchen, sind mutige Nachfolger Jesu, die erhobenen Hauptes Zeugnis ablegen von dem Jesus Christus, der eines Tages wiederkommen wird (vgl. Lk 21,28).

Paul Helm (1940–2025)

Der britischer Philosoph und reformierter Theologe Paul Helm ist vor einigen Tagen verstorben. Er lehrte am Regent College, wo er von 2001 bis 2005 als erster Inhaber des J.I. Packer-Lehrstuhls für Theologie tätig war. Von 2007 bis 2010 war er außerdem Professor für Theologie am Highland Theological College in Schottland.

Ich habe gern seinen Blog Paulhelmsdeep.blogspot.com verfolgt und einige seiner Bücher in guter Erinnerung. Sein Werk The Providence of God ist eine klare, eindringliche und zum Nachdenken anregende Einführung in einen wichtigen und viel diskutierten Bereich der Theologie und gilt inzwischen als Standardwerk.

Vor einigen Jahren hat Paul Helm, damals schon über 80 Jahre alt, ein Interview zur Frage der Willensfreiheit gegeben, in dem er sich mit der Sichtweise von Richard A. Muller auseinandersetzt (siehe dazu Reforming Free Will). Gern weise ich hier im Gedenken an ihn auf das Gespräch hin: 

Martin Bucer: Die Quelle ewiger Erlösung

In Römer 3,21 lesen wir: „Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.“Der Reformator Martin Bucer kommentiert den Vers mit folgenden Worten (Gwenfair Walters Adams, Timothy George u. Scott M. Manetsch (Hrsg.), Romans 1–8: New Testament, Bd. VII, Reformation Commentary on Scripture, Downers Grove, IL: IVP Academic: An Imprint of InterVarsity Press, 2019, S. 164):

Unsere Sache wird stets durch diese Verse des größten Apostels und von Christus auserwählten Werkzeugs gestützt. Kein anderer Apostel hat uns jemals die Lehre eingeprägt, dass die Gerechtigkeit allen Menschen allein durch den Glauben an Jesus Christus, der für uns gestorben ist, zuteilwird. Lasst uns unsere Gedanken noch tiefer auf genau diese Sache richten und die Angelegenheit sorgfältig und würdig prüfen. Denn niemand hat diese Frage jemals ausreichend berücksichtigt. Dies ist wahrhaftig ein Schatz des Lebens und eine Quelle ewiger Erlösung. Denn wer kann darüber nachdenken, dass Gott aus seiner unaussprechlichen Liebe zu uns um unseretwillen seinen eingeborenen Sohn seinen Feinden zum Tode übergeben hat, damit wir durch ihn ewig leben können, und dies glauben und dennoch nicht glauben, dass er selbst bereits sicher und gesegnet ist, und sich ganz Gottes Brust hingeben? Daraus lernen wir auch wahrhaftig und erkennen fest, wie verloren wir in und aus uns selbst sind, dass aus absolut nichts, was von uns oder einem anderen Geschöpf kommt, es geschehen kann, dass Gott an uns Gefallen findet, so dass es notwendig war, dass das Wort Gottes Mensch wurde und der Eingeborene Gottes einen schrecklichen Tod starb, um uns wiederherzustellen. Dieser Gedanke bewahrt die wahre Demut in uns, lässt uns in Widrigkeiten ausharren und entfacht in uns das Bestreben, böse Begierden zu korrigieren und uns ernsthaft der Aufgabe der Heiligung und Gerechtigkeit zu widmen. Paulus wollte „nichts anderes wissen als den Herrn Jesus und ihn als den Gekreuzigten“, weil er erkannt hatte, dass im Kreuz unseres Herrn die wahre Philosophie und alles rettende Wissen enthalten ist.

Wie wirklich ist Gott?

Das Christentum hat an begrifflicher Bestimmtheit verloren. Das geht sogar dem linksliberalen Philosophen Jürgen Habermas zu weit (vgl. hier). Reinhard Bingener nutzt die Debatte, um den Weg der neuzeitlichen Theologie nachzuzeichnen. Das macht er sehr gut. Antworten auf die Krise der Theologie gibt er alledings nicht. 

Hier ein Auszug: 

Das Christentum hat es nicht leicht, und Jürgen Habermas hat seinen Anteil daran. Als langjähriges Oberhaupt der Frankfurter Schule hatte der Philosoph mit dafür gesorgt, dass christliches Denken in der Bundesrepublik immer stärker ins Hintertreffen geriet. Der Diskurspapst forderte Theologen nämlich ab, dass sie ihre religiösen Symbole in die säkulare Sprache der diskursiven Vernunft übersetzen müssten, wenn sie sich an gesellschaftlichen Debatten beteiligen.

Mit zunehmendem Alter wird Habermas nun milder. Erste Hinweise dafür lieferte ein Gespräch, das der Philosoph 2004 in der Katholischen Akademie in München mit Joseph Ratzinger führte. Habermas rüstete damals sein Vernunftpostulat ab und gestand zu, dass in öffentlichen Debatten auch religiöse Sprache einen legitimen Platz habe. Vielleicht tat er das aus der Befürchtung, dass seine linksliberale Gesellschaftsidee in Bedrohung gerät, wenn sie sich die Religionen zum Gegner macht, statt sie zu integrieren.

Im Jahr 2019 legte Habermas unter dem Titel „Auch eine Geschichte der Philosophie“ ein Spätwerk vor, das sich dem Verhältnis zwischen Glauben und Wissen in der europäischen Geistesgeschichte widmet. Schon der monumentale Umfang der beiden Bände von insgesamt 1700 Seiten machte klar, dass sich das Thema Religion für Habermas mitnichten erledigt hat. In dem Werk weist Habermas dem religiösen Ritus eine Schlüsselrolle zu.

Vor einigen Wochen hat sich der mittlerweile 96 Jahre alte Philosoph noch einmal geäußert. In einem fünfseitigen „Geburtstagsgruß“ an einen früheren Schüler, den katholischen Religionsphilosophen Thomas Schmidt, lästerte Habermas, dass die christliche Theologie den „dogmatischen Kern einer monotheologischen Erlösungsreligion“ einem beständigen Downgrading ins Ungefähre unterziehe. Besonders nimmt sich Habermas den evangelischen Theologieprofessor Hartmut von Sass zur Brust, der ein Buch mit dem Titel „Atheistisch glauben“ geschrieben hat. Dessen Argument läuft laut Habermas darauf hinaus, dass sich die christliche Hoffnung, nachdem sie vom Glauben nicht mehr über ihre Gegenstände wie die Auferstehung informiert werde, nunmehr mit sich selbst begnügen solle. Also Hoffnung um der Hoffnung willen.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

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