Kirche wird wegen finanzieller Privilegien weltlicher
Martin Grichting analysiert die Lage der Katholischen Kirche in Deutschland und macht dabei feine Beobachtungen, die sich durchaus auf die Evangelische Kirche in unserem Land übertragen lassen. Es geht um die Frage: Warum ist gerade die Kirche in Deutschland so zeitgeistaffin? Grichtings Antwort: Die Kirche geht ein Bündnis mit der säkularisierten Gesellschaft ein, um von den Steuereinnahmen zu profitieren.
Hier der konservative Priester im O-Ton:
[Die zeitgenössische Kirche] bindet sich durch das Festhalten an der Kirchensteuer an die Entwicklung eines post-christlichen Staates sowie an dessen Sozialsystem. Dadurch ist sie gezwungen, sich immer weiter zu säkularisieren. Als Vehikel dazu dient derzeit der „Synodale Weg“. Dabei ist bereits jetzt erkennbar, dass die Kirche als Verbündeter des Staates immer entbehrlicher wird.
Was sie sozial leistet, ist schon heute weitgehend säkularisiert. Es kann am Tag, an dem die Kirche als (sozial-)politischer Bundesgenosse definitiv überflüssig wird, mühelos aus der Konkursmasse geschnitten und unter staatlicher Regie weitergeführt werden. Zurückbleiben wird eine nicht nur arme, sondern eine geistlich und theologisch entkernte Kirche.
Die Bischöfe, die riesigen Apparaten vorstehen und für zahlreiche Mitarbeiter Verantwortung tragen, sind nicht zu beneiden. Sie wollen verständlicherweise im Urteil der Geschichte nicht als diejenigen erscheinen, die dem System den Stecker gezogen haben. Da ist ihnen ‒ wie schon vor 200 Jahren ‒ der Status als Opfer der politischen Gewalt angenehmer.
Gleichwohl wäre es für die Kirche heilsam, wenn sie ein Wort von Kardinal Emmanuel Suhard (gestorben 1949) meditieren würden: „Die Kirche fürchtet Nero weniger als Konstantin.“ Sie fürchtet ‒ wenn sie geistlich gesund ist ‒ denjenigen weniger, welcher sie verfolgt, als denjenigen, welcher sie zur Herrschaft führt, um sie zu beherrschen. Noch ist es nicht zu spät, aus dieser Einsicht die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Gewiss ist das nur eine Ursache für die Verweltlichung der Kirche. Das sehen wir ja etwa an den Kirchen in den USA oder eben auch an den Freikirchen in Deutschland, die ähnliche Prozesse durchleben, ohne von der Kirchensteuer abhängig zu sein. Aber ja: Verführung ist für die Gemeinde Jesu verfänglicher als Verfolgung. Indem, was Kardinal Emmanuel Suhard da gesagt hat, liegt viel Weisheit.
Hier mehr (allerdings hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.
John Bunyan schreibt über „Denn wen der Herr liebhat, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt“ (Hebr 12,6):