Praktische Theologie

Kirchen verlieren weiter Mitglieder

Im vergangenen Jahr haben wieder hunderttausende Menschen der Kirche den Rücken gekehrt. Eine Studie der evangelischen Landeskirchen Württemberg und Westfalen gibt Aufschluss darüber, warum sie gehen. Die FAZ schreibt: 

Der wichtigste Grund für den Mitgliederverlust der großen Kirchen ist die Kirchensteuer. Andere Faktoren wie schlechte Erfahrungen mit Geistlichen oder Ärger über politische Einlassungen der Kirchen spielen hingegen kaum eine Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Untersuchung der beiden evangelischen Landeskirchen Württemberg und Westfalen, die der F.A.Z. vorliegt.

Ich wage mal, zu sagen, dass die Steuern Anlass für die Austritte sind, nicht wirklich Gründe. Wem die Kirche wichtig ist, der zahlt gern Steuern. Aber ich vermute, dass sich die Mitglieder von der Kirche entfremden und sich die Kirchen vom Evangelium entfremdet haben. Ich selbst gehöre zu denen, die nicht wegen der Steuern ausgetreten sind. Ich habe mich wegen der bibelkritischen und evangeliumsfreien Lehre aus der Ev. Kirche verabschiedet. 

Mehr: www.faz.net.

Schöner wohnen: Was aus den Kirchengebäuden wird

Überall im Land stehen Gotteshäuser leer. Die Kirchen müssen sich von tausenden Gebäuden trennen. Judith Lembke schreibt für die FAS (30.05.2021, Nr. 21, S. 56):

Gerade mal etwas mehr als die Hälfte der Deutschen ist Kirchenmitglied – Tendenz stark fallend. Forscher der Universität Freiburg sagen voraus, dass die beiden großen Kirchen im Jahr 2060 nur noch etwa 23 Millionen Mitglieder haben werden. Schon heute besuchen etwa zehn Prozent der Katholiken und nur knapp fünf Prozent der Protestanten sonntags den Gottesdienst. Neben anderen Folgen dieser Entwicklung ist eine besonders offensichtlich: Viele Kirchen werden kaum noch genutzt oder stehen ganz leer.

Diese Leere wird in Zukunft noch deutlich mehr Gebäude treffen. „Etwa ein Drittel der Kirchengebäude wird 2060 nicht mehr gebraucht“, sagt Thomas Erne. Der Theologe ist Direktor des Instituts für Kirchenbau an der Universität Marburg, und für ihn steht fest, dass sich die Kirche von vielen Gotteshäusern trennen muss. Sie ließen sich mit sinkenden Einnahmen schlicht nicht mehr finanzieren. Erne treibt daher die Frage um, wie die Kirche diese Schrumpfung möglichst klug gestaltet, ohne dabei allzu viele Menschen vor den Kopf zu stoßen.

Was aus den Kirchen wird, illustriert der Artikel ebenfalls: Kindergärten, Kletterhallen, Studentenwohnungen usw.

Mein Rat an lebendige und wachsende Freikirchen: Kauft Euch ein leerstehendes Kirchengebäude. So werden aus den Häusern keine Moscheen, Kletterhallen oder Banken.

Bullinger: Ganze Bibelbücher predigen

Heinrich Bullinger schreibt über den Wert der fortlaufenden Bibelauslegung (Schriften V, 2006, S. 186):

Aus den Schriften der alten Bischöfe geht hervor, dass es in jener alten, glückseligen und gottgefälligen Kirche Brauch war, den Gemeinden nicht nur einzelne Teile oder ausgewählte Stellen der biblischen Bücher, sondern ganze Bücher des Neuen und des Alten Testaments auszulegen. Und daraus ist für die Kirchen kein geringer Nutzen erwachsen. So machen wir auch heute noch die Erfahrung, dass die Gemeinden nicht besser unterrichtet und nicht stärker bewegt werden können als durch die Worte Gottes selbst und durch eine zuverlässige Auslegung der Bücher des Evangeliums, des Gesetzes, der Propheten und der Apostel.

An dieser Stelle will ich nebenbei daran erinnern, dass eine Auslegung der Heiligen Schrift nicht dem Verlangen entspringt, sich irgendetwas auszudenken und die Schriften hin und her zu biegen, sondern dass sie ein erfurchtsvolles Vergleichen der Heiligen Schriften und eine besondere Gabe des Heiligen Geistes ist. Denn der heilige Petrus hat gesagt (2 Petr 1,20): »Keine Weissagung der Schrift kommt durch der Propheten eigene Deutung zustande.« Deshalb hat niemand die Vollmacht, die Heiligen Schriften nach seinem eigenen Gutdünken auszulegen. Die bessere Auslegung ist auch nicht von einer Mehrheit abhängig, als ob eine bessere Auslegung die sei, der eine Mehrheit zustimmt.

Augustinus: Niemand sagt: „Herr ist Jesus“ außer im Heiligen Geist

Augustinus über den Heiligen Geist (lo. eu. tr. 74,2; CCL 36,513):

„Niemand sagt: Herr ist Jesus“ (1Kor 12,3) im Geist, im Wort, in der Tat, im Herzen, im Mund, im Werk, „niemand sagt: Herr ist Jesus außer im Heiligen Geist„ (1Kor 12,3), und niemand spricht so, außer er liebt. So sagten die Apostel schon: „Herr ist Jesus“, und wenn sie es in der Weise sagten, daß sie es nicht heuchelten, indem sie es mit dem Mund bekannten, im Herzen jedoch und in ihren Taten leugneten, wenn sie es also durchaus wahrhaftig sagten, dann liebten sie zweifelsohne. Wie also liebten sie außer im Heiligen Geist? Und doch wurden sie vorher schon geheißen, ihn zu lieben und seine Gebote zu halten, um den Heiligen Geist zu empfangen, ohne den sie in der Tat nicht lieben und die Gebote halten könnten. Es bleibt also nichts anderes übrig, als daß wir begreifen, daß der den Heiligen Geist hat, welcher liebt, und dadurch, daß er ihn hat, verdient, ihn noch mehr zu haben, und dadurch daß er ihn mehr hat, mehr liebt.

Bullinger: Dürfen Christen einen Arzt aufsuchen?

Heinrich Bullinger schreibt über die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe in seiner Unterweisung für den Umgang mit kranken und sterbenden Menschen (Schriften I, 2004, S. 115–117):

Es gibt viele Menschen, die sich so sehr dem Willen Gottes hingeben wollen, dass sie darüber alle Ärzte und Medikamente verachten und sich selbst dadurch des Öfteren vernachlässigen.

Sie sagen nämlich: »Ich habe mich nun einmal Gott hingegeben, er muss mein Arzt sein, und ich will von keinem Menschen Rat oder Medikamente annehmen.« Diese Menschen handeln zwar nicht falsch, wenn sie sich Gott vertrauensvoll ergeben. Dass sie jedoch nicht erkennen, wie Gott an allen seinen Geschöpfen durch angemessene natürliche Mittel handelt, ist ein Fehler und Missverständnis. Wir reden hier aber nicht von Wundern und Zeichen, sondern vom üblichen Lauf der Natur, wie ihn Gott eingepflanzt und erschaffen hat. Gott könnte alle Welt auf wundersame Weise speisen, wie er im Evangelium fünftausend Mann mit fünf Broten und danach viertausend mit sieben Broten speiste (vgl. Mt 14,13–21; 15,32–39). Aber er hat den Ackerbau eingesetzt, um die Welt zu ernähren. Wer nun sagen wollte: »Ich habe mich Gott hingegeben, der wird mich wohl speisen, ich muss weder säen noch ernten«, der würde nicht nur der Ordnung Gottes widersprechen und ihr zuwiderhandeln, sondern Gott versuchen. Ebenso hätte Gott das Rote Meer in einem Augenblick ohne Mitwirkung anderer Naturgewalten zerteilen können. Er ließ aber die ganze Nacht hindurch einen starken Wind wehen, um seinem Volk den Weg zu bereiten (vgl. Ex 14,21). Genauso könnte Gott auch in einem Augenblick alle Krankheiten über den Menschen ausschütten und sie in einem anderen Augenblick wieder von den Menschen fortnehmen. Gott verwendet aber passende Mittel und schickt den Menschen die Krankheiten durch schlechte und verdorbene Luft, durch Speise und Trank sowie durch Magenbeschwerden. Entsprechend nimmt er die Krankheiten durch Arzneien auch auf angemessene und natürliche Weise hinweg. Denn es kann doch niemand leugnen, dass Gott den Wurzeln und Kräutern eine besondere Kraft und Wirkung verliehen hat. Mein Lieber, warum sollte also niemand mehr als Arzt tätig sein?

Gott wollte König Hiskia von den Geschwüren der Beulenpest heilen und befahl ihm, Arznei für den Körper zu nehmen (vgl. Jes 38,21). Und der heilige König war nicht so ungefügig und widerspenstig, dass er geredet hätte: »Will Gott mich heilen, so kann er es wohl, was sollten da die Feigen auf dem Geschwür nützen?« Denn es steht im zweiten Buch der Könige, Kapitel 20, geschrieben [2Kön 20,7]: »Und Jesaja sprach: Bringt ein Feigenpflaster her. Und als sie es brachten, legten sie es auf das Geschwür, und er wurde gesund.«

Michael Reeves: Die Furcht des Herrn

Hier der zweite Vortrag von Michael Reeves zum Thema: „Die Furcht des Herrn: Das Herz der Heiligkeit (2Kor 7,1)“. Er beginnt ab Minute 72 (01:12h), da es einige technische Probleme gegeben hat.

Eine idea-Meldung zur Konferenz ist hier zu finden: www.idea.de. Meine Auslegung zu 2Petr 3,14–18 gibt es hier ab Minute 13: www.youtube.com.

Die Fischer

Das kleine Video „Die Fischer“, nicht mehr ganz neu, ist liebevoll gemacht und sehr gut eingesprochen. Vor allem hält es uns den Spiegel vor. Prädikat besonders wertvoll.

VD: IF

Anselm Grün: Gott braucht keine Sühne

Manche Leute meinen, Pater Dr. Anselm Grün würde das christliche Evangelium sanft umdeuten. Wer den Vortrag „Tod und Auferstehung Jesu als Bild christlicher Hoffnung“ gehört hat, sollte verstehen können, dass er das Evangelium nicht sanft, sondern wesentlich umdeutet. Verlorengehen heißt für ihn, sich selbst verlieren, Tod und Auferstehung ist das Geheimnis unseres Lebens, Golgatha befreit mich von den Erwartungen anderer, erlaubt, dass ich „Ich“ sein kann.  Ostern heißt, dass wir aufstehen aus dem Grab unserer Angst und Zuschauerrolle. Und so weiter. Nach Anselm Grün ist der Tod am Kreuz keine stellvertretende Sühne, sondern Veranschaulichung und Vollendung der Liebe Gottes. Leider muss man es so sagen: Was Grün verkündigt, ist ein Pseudoevangelium.

Musste Jesus sterben, um uns Rettung zu bringen? Die Schrift sieht das anders als Pater Grün.

Während wir daran gewöhnt sind, davon zu sprechen, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hat (vgl. Apg 4,10; 5,30), macht es uns gewisse Schwierigkeiten, zu akzeptieren, dass die Kreuzigung ebenso Gottes Bestimmung war. Dabei spricht die Bibel durchaus davon, dass in der Kreuzigung Gott seinen Sohn in den Tod gegeben hat und er sterben musste. Während wir auf der einen Seite daran festhalten, dass die Menschen durch ihre Sünde den unschuldigen Sohn ans Kreuz gebracht haben, halten wir Golgatha zugleich auch für ein Heilstat Gottes.

Einige Beispieltexte. Ein sehr starker Text ist Röm 8,32:

Er [Gott, vgl. V. 31], der seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

Apg 2,23 spricht davon, dass Jesus von Nazareth gemäß Gottes „unumstößlichem Ratschluss“ (griech. ὡρισμένῃ βουλῇ, ōrysmenē boulē) getötet werden musste. Jesus starb folglich, weil Gott es so geplant hat. In Apg 2,22–24 lesen wir:

Israeliten, hört diese Worte: Jesus von Nazaret, einen Mann, der sich vor euch als Gesandter Gottes ausgewiesen hat durch machtvolle Taten und Wunder und Zeichen, die Gott – wie ihr selbst wisst – mitten unter euch durch ihn getan hat, ihn, der nach Gottes unumstößlichem Ratschluss und nach seiner Voraussicht preisgegeben werden sollte, habt ihr durch die Hand gesetzloser Menschen ans Kreuz geschlagen und getötet. Ihn hat Gott auferweckt und aus den Wehen des Todes befreit, denn dass er in dessen Gewalt bleiben könnte, war ja unmöglich.

In Apg 4,28 erklärt gemäß dem lukanischen Bericht die Gemeinde in einem gemeinsamen Gebet, dass Herodes und Pontius Pilatus zusammen mit den Heiden und dem Volk Israel getan haben, was Gottes Hand und „Ratschluss zuvor bestimmt hatte, damit es geschehen sollte“.

Auch die Leidensankündigungen in den Evangelien sprechen davon, dass Jesus leiden musste. In Mk 8,31 schreibt der Evangelist über Jesus:

Und er begann sie zu lehren: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten und den Hohen Priestern und den Schriftgelehrten verworfen und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.

Markus gebraucht für das „Muss“ seines Totes das griechische δεῖ (dei), welches eine Notwendigkeit bezeichnet. Das Verbum steht für eine göttliche, unabwendbare Bestimmung (vgl. Bauer, WB6, Sp. 343 u. EWNT, Bd. 1, Sp. 668–671. Siehe auch die Untersuchung: W. J. Bennett, „The son of man must …“, in: Novum Testamentum 17 (1975), Nr. 2, S. 113–129). In den dann folgenden Leidensankündigungen gebraucht Markus das passivum divinum und drückt damit aus, dass Jesus von Gott dahingeben wurde (vgl. Mk 9,31; 10,33).

Bei Lukas ist die Rede von der Notwendigkeit des Leidens und Sterbens Jesus ebenfalls zu finden. Bevor der Menschensohn wiederkommt, „muss [griech. δεῖ, dei] er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht“ (Lk 17,25). „Der Menschensohn muss [griech. δεῖ, dei]“ – lesen wir in Lk 24,7 – „in die Hände von sündigen Menschen ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.“

Im Johannesevangelium ist ähnlich von einem „Muss“ des Erhöhtwerdens des Menschensohnes die Rede. Joh 3,13–15 sagt beispielsweise:

Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Menschensohn. Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss [griech. δεῖ, dei] der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.

Dass die Erhöhung die Kreuzigung einschließt, wird anhand von Joh 12,32–33 offensichtlich. Der Evangelist zitiert und kommentiert dort eine Rede Jesu:

Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt, jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich von der Erde weggenommen und erhöht bin, werde alle zu mir ziehen. Das aber sagte er, um anzudeuten, welchen Tod er sterben sollte.

Dieses „Muss“ des Sterbens erschließt sich uns noch tiefer, wenn wir erkennen, dass hier an die alttestamentliche Leidensapokalyptik angeknüpft wird. Jesu Tod ist schriftgemäß, da er schon im Alten Testament ankündigt ist. So spricht Mt 26,24 davon, dass der Sohn des Menschen dahingeht, „wie von ihm geschrieben wird“. Bei seiner Verhaftung begründet Jesus gegenüber den Jüngern die Gewaltlosigkeit mit der Aussage: „Doch wie würden dann die Schriften in Erfüllung gehen, nach denen es so geschehen muss?“ (Mt 26,54).

Lukas berichtet in seinem Evangelium, das schon im Gesetz, bei den Propheten und in den Psalmen darüber geschrieben ist, dass der Menschensohn sterben muss. In Lk 24,44–48 ist zu lesen (vgl. 9,22–23):

Dann sagte er zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch mit euch zusammen war: Alles muss erfüllt werden, was im Gesetz des Mose und bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht. Dann öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften und sagte zu ihnen: So steht es geschrieben: Der Gesalbte wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird allen Völkern Umkehr verkündigt werden zur Vergebung der Sünden – in Jerusalem fängt es an –, und ihr seid Zeugen dafür.

Den Jüngern von Emmaus erklärte der auferstandene Christus (Lk 24,25–27):

Da sagte er zu ihnen: Wie unverständig seid ihr doch und trägen Herzens! Dass ihr nicht glaubt nach allem, was die Propheten gesagt haben! Musste der Gesalbte nicht solches erleiden und so in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften über ihn steht.

Als Paulus und Silas auf der zweiten Missionsreise in Thessalonich ankamen, predigte der Apostel auf der Grundlage alttestamentlicher Schriften und sagte (Apg 17,2–3):

Er öffnete ihnen die Augen und legte ihnen dar, dass der Gesalbte leiden und von den Toten auferstehen musste, und er sagte: Dieser Jesus, den ich euch verkündige, ist der Gesalbte!

Auf welche alttestamentlichen Ankündigungen beruft sich Jesus hier? Der Befund ist so umfangreich, dass ich nur einige wenige Stellen nennen kann. Im Blick auf das Leiden es Menschensohnes am Kreuz ist Ps 22 sehr bedeutsam. In Psalm 22,2–3 lesen wir als Ankündigung der Gottesferne bei der Kreuzigung (vgl. Mt 27,46; Mk 15,34):

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meiner Rettung, den Worten meiner Klage? Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du antwortest nicht, bei Nacht, doch ich finde keine Ruhe.“

Schon im Gesetz, also bei Mose, sind Hinweise auf den Tod des unschuldigen Menschensohnes zu finden. In Gal 3,13 teilt Paulus uns mit, dass Christus, obwohl unschuldig, den Tod eines Verbrechers am Holz starb. Hier erfüllt sich, was wir schon in 5Mose 21,22–23 vernehmen:

„Und wenn jemand ein todeswürdiges Verbrechen begeht und er getötet wird und du ihn an einen Pfahl hängst, darf sein Leichnam nicht über Nacht am Pfahl hängen bleiben, sondern du musst ihn noch am selben Tag begraben. Denn ein Gehängter ist von Gott verflucht, …“

Jesu Tod ist also kein „Zufall, Missgeschick oder Betriebsunfall“, sondern in den Schriften angekündigte Tat Gottes. Deshalb schreibt Paulus den Korinthern in 1Kor 15,3:

Denn ich habe euch vor allen Dingen weitergegeben, was auch ich empfangen habe: dass Christus gestorben ist für unsere Sünden gemäß den Schriften, …

John Stott: Geistliche Erfahrungen sind nie Kriterium für die Wahrheit

John Stott schreibt zum Verhältnis von Gottes Wort und geistlichen Erfahrungen (Ich glaube an den Heiligen Geist, 1986, S. 6)

Den Willen Gottes können wir in der Bibel entdecken. Gottes Wille für sein Volk ist in seinem Wort verankert. Wir erfahren dort seinen Willen und nicht in erster Liene durch unsere Erfahrungen und Erlebnisse mit anderen Christen. Wir sollten uns weder nach dem ausstrecken, was Gott vielleicht anderen gegeben hat, noch sollten wir anderen aufzwingen, was er uns zugedacht hat, es sei denn, aus der Bibel geht eindeutig hervor, daß es sich um etwas handelt, was alle seine Kinder haben sollten. Was wir für uns selbst suchen, und was wir andere lehren, soll einzig und allein vom Wort Gottes bestimmt werden. Nur wenn das Wort Gottes „reichlich unter uns wohnt“, sind wir in der Lage, die Erfahrungen, die wir und andere machen, auch richtig auszuwerten und zu beurteilen. Erfahrungen dürfen nie das Kriterium für die Wahrheit sein, sondern umgekehrt: unsere Erfahrungen müssen an der Wahrheit gemessen werden und ihr standhalten.

Larry Crabb (1944–2021)

Ich war nicht immer seiner Meinung. Aber ich habe Larry Crabb als aufrichtigen Seelsorger sehr geschätzt und viel von ihm gelernt. Am 28. Februar ist der christliche Psychologe, Autor und Dozent im Alter von 76 Jahren verstorben.

Crabb lehrte auch an der Colorado Christian University (CCU) in Lakewood, Colo (USA). Die CCU veröffentlichte eine Erklärung zu Crabbs Heimgang, in der CCU-Präsident Dr. Donald W. Sweeting sagte,

Es hat uns das Herz gebrochen, vom Tod von Dr. Larry Crabb zu erfahren, einem unserer größten Fürsprecher und Freunde. Er war eine Führungspersönlichkeit, ein Pädagoge und ein geistlicher Berater für viele in der CCU-Gemeinschaft für eine Reihe von Jahren. Er hatte eine Leidenschaft für christuszentrierte, biblisch begründete Psychologie und dafür, zu sehen, wie solide christliche Seelsorge das Leben von Menschen verändert. Er wird von uns allen an der Colorado Christian University sehr vermisst werden.

Im Unterricht zitiere ich Crabb immer wieder mal. Besonders gern folgende Worte (Finding God, 1993, S. 18):

Uns besser zu fühlen ist wichtiger geworden, als Gott zu finden. Und noch schlimmer, wir sind überzeugt, dass Menschen, die Gott finden, sich immer besser fühlen.

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