Ethik

Beiträge aus dem Bereich Ethik.

„Ehe für alle“ – Fortschritt wohin?

Reinhard Junker hat für das Blog von Markus Till einen Gastbeitrag zum Thema: „Ehe für alle“ – Fortschritt wohin? verfasst. Darin heißt es:

Beim Thema „Ehe“ fängt man aus christlicher Sicht am besten buchstäblich bei Adam und Eva an. Nach dem biblischen Schöpfungszeugnis schuf Gott den Menschen als Mann und Frau, beide zusammen zu seinem Bilde (1. Mose 1,27), unterschiedlich – nicht nur körperlich, sondern auch in ihrem Fühlen, Denken und Handeln. Das unterstreicht 1. Mose 2, wo gesagt wird, dass die Frau als „passende Entsprechung“ zu Adam geschaffen wurde. Die Frau ergänzt den Mann im Sinne einer Gleichstufigkeit und Gleichwertigkeit.[1] Auch wird die Unterschiedlichkeit von Anfang an betont, die schon vor dem Fall schöpfungsmäßig vorgegeben ist. Beide werden mit einer bipolaren Sexualität ausgestattet: „Er schuf sie männlich und weiblich.“ 1. Mose 2,18.20 bringt die Zuordnung und das Miteinander der beiden Geschlechter zum Ausdruck: Der Mann ist hilfs- und ergänzungsbedürftig; „es ist nicht gut“, dass Adam allein ist.[2] Der Mann ist unvollständig und bedarf eines passenden Gegenübers. Die wunderhafte Erschaffung Evas nicht aus Staub (wie bei Adam), sondern aus der „Seite“ (wahrscheinlich aus der Herzgegend) bringt zum Ausdruck, wie wesensverwandt beide sind. Der abschließende Jubelruf Adams in 2,23 und 2,24 bestätigt, wie großartig Gottes Idee der Ehe ist, die hier eingesetzt wird.

Die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau ist also schöpfungsmäßig gegeben, es handelt sich um eine geschöpfliche Grundtatsache, und so ist auch die Ehe zwischen Mann und Frau von Gott als Grundordnung eingesetzt worden. Jesus bestätigt dies nach dem Zeugnis der Evangelien ausdrücklich und uneingeschränkt mit Verweis auf die Heilige Schrift (Mt 19,4-5: „Habt Ihr nicht gelesen?“) und zitiert sinngemäß aus 1. Mose 1 und wörtlich aus 1. Mose 2. Es geht in Mt 19,3ff. zwar um die Frage der Ehescheidung, aber Jesus begründet die Antwort auf die ihm gestellte Frage mit Verweis auf den Anfang und bekräftigt damit, dass die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau geschöpfliche Realitäten sind und dass die Ehe von Gott selber am Anfang eingesetzt wurde. Entscheidend ist hier die Grundhaltung Jesu zur (damals gegebenen) Heiligen Schrift, die er als Autorität anerkennt.

Anschließend widerlegt Dr. Junker gängige Einwände zum biblisch-tradierten Verständnis von Ehe, wie sie heute beispielsweise von den Befürwortern der Efa gebracht werden. 

Hier: blog.aigg.de.

Säkularisierung: Ein Lob auf die Vielehe

Olaleye Akintola aus Nigeria schreibt für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und fragt sich, weshalb in Deutschland die Leute so verklemmt sind. Gibt es nicht Dinge, die wir von seiner Heimat lernen können? So etwa die Polygamie, die sich in seinem Herkunftsland durchgesetzt hat:

Ich lebe nun nicht mehr in Nigeria, doch die Erinnerung bleibt. Und ich frage mich, warum man hier in Deutschland beim Thema Liebe so wenig Abwechslung pflegt. In Nigeria haben viele Männer das Bild vor Augen, neben zwei schönen Frauen zu stehen, die zufrieden lächeln. Viele sagen dort spaßeshalber, man sei zu bequem, wenn man immer das gleiche Mahl verspeist, ohne Beilage oder Mischung. Das ist chauvinistisch, und die meisten sagen es in scherzhaftem Ton. Doch es steckt mehr Wahres darin, als viele zugeben.

In Deutschland habe ich Eheleute beobachtet, die glücklich wirkten, aber auch solche, bei denen irgendwann die Luft raus war. Auffällig ist, wie viele Ehen in diesem Land wieder geschieden werden und diese Trennungen Geld auf die Konten von Scheidungsanwälten spülen. Ein reichlich drastischer Schritt.

Warum sich nicht mal Pausen gönnen? Warum nicht mal Abwechslung? Man möge mir meine Worte verzeihen, stamme ich doch aus einer Familie, in der Vielehe ganz normal war. In Nigeria hat sich Polygamie vor langer Zeit etabliert. Es ist einseitig, ein Privileg der Männer. In Teilen des Landes bestimmt das Einkommen eines Mannes die Anzahl der Ehefrauen, die er sich leisten kann. Väter stacheln dann ihre Söhne an, sie mögen die eigene Leistung einmal überbieten.

Das säkularisierte Europa und manche evangelischen Kirchen werden solche Anregungen dankbar aufnehmen, und dem Heidentum mit fröhlichem Herzen frönen.

Mehr: www.sueddeutsche.de.

VD: WH

Ein Leben mit einer Mission

Tim Challies hat in einem Artikel die christliche Arbeitsethik skizziert. Das Blog vom HEROLD SEINES KOMMENS hat den Artikel übersetzt. Ein Auszug:

Im ersten Thessalonicherbrief geht Paulus auf einige Fragen ein, die ihm die Gläubigen der Gemeinde in Thessalonich gestellt hatten. Und eine dieser Fragen lautete vermutlich ungefähr so: „Wie können wir ein Leben führen, das Gott gefällt?“ (vgl. 1 Thess 4,1-12). Die Gläubigen hatten erfahren, dass sie in Gottes Ebenbild erschaffen waren und dass Gott dem Menschen den Auftrag gegeben hatte, über die Schöpfung zu herrschen und sie zu bewahren. Sie hatten auch von Jesu Missionsbefehl gehört, der seine Jünger damit beauftragt hatte, das Evangelium bis ans Ende der Erde zu bringen, damit Menschen aus der Finsternis ins Licht kommen, und dass sie ihnen alles beibringen sollten, was Christus sie gelehrt hatte. Die Gemeinde in Thessalonich kannte diese beiden großen Aufträge Gottes, und nun erwarteten sie von Paulus genauere Anweisungen. Wie können gewöhnliche Menschen an gewöhnlichen Orten zu gewöhnlichen Zeiten die beiden großen Befehle ihres Schöpfers und Herrn befolgen? Müssten sie sich nicht vollzeitlich in seinen Dienst stellen, um das zu bewältigen? Müssten sie eigentlich nicht bis ans Ende der Erde gehen, um gehorsam zu sein? Wie muss ein Leben aussehen, damit es Gott gefällt?

Mehr: herold-blog.com.

Vom gebotenen Gehorsam

Philipp Melanchthon, (Von Wittenberg nach Europa, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, LOGOS GOLD, Bd. 3, S. 86). 

Denn weil treue Seelsorger von öffentlichen Feinden des Evangeliums Verfolgung erleiden und dieser Dienst ohnehin voller Behinderung, Sorge und Betrübnis ist, so ist es doch einem Pastor ein spürbarer Trost, wenn er Gehorsam bei seiner Gemeinde findet. Daraus folgen Einigkeit, Hilfe und viel gute Frucht. Wenn er aber bei den Seinen Ungehorsam findet, so sind die Hindernisse allzu groß, Lehre und Zucht werden ausgelöscht, und es folgen Zerrüttung, Untugend und Ärgernis. Darum ist zur Erhaltung und Ausbreitung der Kirche Gehorsam geboten in allem, was im Evangelium den Seelsorgern befohlen worden ist, nicht in Sachen, die wider Gottes Gebot oder außerhalb des Evangeliums stehen.

„Ehe als gute Schöpfung Gottes“: vier Glossen

Als ich vergangene Woche gelesen habe, dass die Evangelische Allianz in Deutschland Leitgedanken zu Ehe und Homosexualität verabschiedet hat, war ich zunächst erfreut und dachte, damit würde die Debatte um die Positionen der DEA zur Sexualethik endlich ein Ende finden. Als ich später die Leitgedanken durchsah, kamen mir Zweifel. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist, in so einem heterogenen Hauptvorstand einen gemeinsamen Text zu verabschieden. Aber wenn ein Text herauskommt, der sehr unterschiedliche Deutungen zulässt, dann wird er nicht zur Klarheit beitragen, sondern ist nur Zeuge für die Meinungsvielfalt innerhalb der DEA.

Vier Dinge, die mir auf die Schnelle aufgefallen sind, möchte ich erläutern:

In der Einleitung wird davon gesprochen, dass die DEA ihre ethischen Bewertungen an Christus und seiner Verkündigung ausrichtet. Das klingt gut und ist auch gut. Dennoch: Könnte es sein, dass diese Formulierung aufgenommen wurde, weil dahinter etwas steckt, was den „Rote-Buchstaben-Christen“ wichtig ist? Der Name „Rote-Buchstaben-Christen“ bezieht sich auf Bibeln, die die von Jesus gesprochenen Worte in roter Farbe darstellen. Das, was Jesus sagt, gilt als Maßstab für die Bewertung dessen, was sonst noch in der Bibel zu finden ist. Auf diese Weise wird etwa Jesus gegen Paulus ausgespielt. Wichtiger sei das, was Jesus gesagt habe und im Zweifel müssten Paulus, Johannes, Jakobus oder AT-Texte den Worten Jesu weichen. Wie Wikipedia zutreffend schreibt,  betätigen sich „Rote-Buchstaben-Christen“ bei „der Förderung des Friedens, Unterstützung von Familien, die Abschaffung von Armut und die Gleichberechtigung von Randgruppen, da dies die gesellschaftlichen Probleme seien, die für Jesus wichtig waren.“ Andere Dinge werden hingegen zurückgestellt, da sie angeblich Jesus nicht viel bedeutet hätten. So wird dann auch behauptet: Jesus sei die Sexualethik nicht sonderlich wichtig gewesen, er habe beispielsweise selbst gar nichts zur Homosexualität gesagt. Das stimmt natürlich nicht, denn Jesus hat das, was das Alte Testament über die Ehe sagt, vorausgesetzt und bestätigt. Das, was Paulus im Römerbrief über Homosexualität schreibt, ist zudem nicht weniger bedeutsam als das, was Jesus im Matthäusevangelium sagt. Die ganze Schrift ist uns von Gott gegeben – nicht nur jene Abschnitte, in denen Jesus persönlich spricht, kommen von ihm.

Dann ist unter Absatz 2 davon die Rede, dass die in der Bibel beschriebene homosexuelle Praxis „mit dem Willen Gottes und damit dem biblischen Ethos unvereinbar (3.Mose 18,22; 20,13; Römer 1,24–27; 1.Korinther 6,9; 1.Timotheus 1,10)“ ist. Ich befürchte, dass einige es so lesen und lesen wollen: Nur die in der Bibel beschriebene Praxis der Homosexualität ist mit dem Willen Gottes nicht vereinbar. Damals sei – so eine progressive Lesart – die homosexuelle Praxis ausbeuterisch und von Gewalt gezeichnet gewesen. Heute sei die homosexuelle Praxis von Liebe und Treue geprägt; sie beruhe auf Freiwilligkeit und habe mit dem, was in der Bibel beschrieben wird, nicht mehr viel zu tun.

Schließlich wird im Absatz 3 ausgesagt, dass Jesus Christus die vorbehaltlose Annahme aller Menschen fordert. Begründet wird das mit Titus 2,11: „Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen …“ Mir erschließt sich nicht, inwieweit dieser Vers begründen soll, dass Jesus die vorbehaltlose Annahme aller Menschen fordert. Mir ist noch nicht einmal klar, was die „vorbehaltlose Annahme aller Menschen“ bedeuten soll. Interessant ist ja auch, wie der Text ab Vers 12 weitergeht: „… und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben.“ Kurz: Ich vermute, Absatz 3 wird die Grundlage dafür schaffen, dass praktizierende Homosexuelle vorbehaltlos in der Gemeinde mitarbeiten und leiten.

Schlussendlich heißt es dann: „Daraus ziehen wir die Schlussfolgerung, dass homosexuelle Partnerschaften der Ehe nicht gleichgestellt werden können.“ Da die rechtliche Gleichstellung ja bereits erfolgt ist, kann hier nur gemeint sein, dass innerhalb der Kirchen und Gemeinden die homosexuellen Partnerschaften der Ehe nicht gleichgestellt werden können. Das aber hält die Tür für Segnungen homosexueller Partnerschaften im Raum der Kirche offen.

Es wird, davon gehe ich aus, ein schwer erkämpftes Kompromisspapier sein. Die Leitgedanken sind das Ergebnis eines Prozesses, der über mehrere Jahre intensiv geführt wurde, heißt es in der Einleitung zu „Ehe als gute Stiftung Gottes“. Herausgekommen ist ein Papier, dass so viele Löcher hat wie ein Schweizer Käse. Eindeutigkeit ist nicht gewollt. Mit Unklarheit kann man nicht gut leiten. Ich kann nur hoffen, dass sich echte Klärungen anschließen. Meine Zuversicht schwindet an diesem Punkt allerdings mehr und mehr.

„Co-Parenting“, die neue Familienbande

Ein Vater, eine Mutter und gemeinsame Kinder – so sahen Familien lange Zeit aus. Heute werden oft bewusst andere Konstellationen ausprobiert. Im Trend liegt das „Co-Parenting“:

Neu ist ein Begriff, der ganze Internetseiten füllt: Co-Parenting. Manche nutzen ihn, wenn Mann und Frau sich zusammentun, um ein Kind zu bekommen, ohne dass sie sich lieben oder Sex miteinander haben wollen. Andere meinen damit, dass mehr Menschen für die Kinder verantwortlich sind als nur die beiden leiblichen Eltern. Es ist ein Oberbegriff für alle möglichen Arten, Kinder zu haben – jenseits der Kleinfamilie, jenseits von Vater, Mutter, Kind.

In der Wissenschaft wurde Co-Parenting in den Vereinigten Staaten schon in den späten sechziger Jahren verwendet, um die Unabhängigkeit der Elternschaft von der Ehe zu beschreiben. Wikipedia versteht darunter heute eine postmoderne Art, Kinder zu bekommen. Die Postmoderne war auch immer das Versprechen auf die Befreiung von allen Begrenzungen, gesellschaftlich und biologisch. Dass die Menschen den Begriff nun wählen für das, was sie ohnehin schon machen, und das mal Patchwork hieß, mal Regenbogenfamilie, zeigt die neue Lust auf diese Formen. Co-Parenting steht für ein neues Selbstverständnis: Die alternativen Familienmodelle gelten nicht mehr als Notlösung, sondern als selbstbestimmte, aus Überzeugung gewählte und gewünschte Lebensmodelle. Auch die Politik passt sich an: In den Niederlanden, wo sich Menschen mit Kinderwunsch seit ein paar Jahren auf Co-Parenting-Seiten im Internet treffen, sollen bald bis zu vier Menschen für ein Kind juristisch verantwortlich sein können, auch vier Männer etwa.

Mehr: www.faz.net.

Eltern mal zwei

Als erstes Land der Welt öffneten die Niederlande 2001 die Ehe für Lesben und Schwule. Da immer mehr Homosexuelle Familien gründen, diskutiert das Land nun über das modernste Familienrecht der Welt.

Ende 2016 präsentierte eine Expertenkommission ein Gesetzesprojekt, das die Legalisierung der Mehrelternschaft vorsieht. Die Begründung: Immer mehr niederländische Kinder wüchsen mit nur einem Elternteil, in Regenbogenfamilien mit homosexuellen Eltern oder in Patchworkfamilien auf, in denen sich mehrere Erwachsene um die Erziehung kümmerten. Die Mehrelternschaft soll aber nur unter Auflagen erlaubt werden: Vor der Zeugung des Kindes müssten die angehenden Eltern einem Familiengericht einen Vertrag zur Genehmigung vorlegen. Darin müssten sie im Detail darlegen, wie sie die Erziehungsaufgaben und die finanzielle Lastenteilung organisieren wollen, wo das Kind wohnen und welchen Nachnamen es tragen soll.

Mehr: www.nzz.ch.

VD: PP

Nashville Erklärung in deutscher Sprache

Der „Rat für biblisches Mannsein und Frausein“ (engl. „Council on Biblical Manhood and Womanhood“, abgekürzt CBMW) hat im August 2017 eine Erklärung zur menschlichen Sexualität vorgelegt. Die sogenannte „Nashville Erklärung“ (engl. „Nashville Statement“) nimmt zu Fragen Stellung, die seit Jahren kontrovers diskutiert werden, darunter Homosexualität, polygame oder polyamoröse Beziehungen sowie die Geschlechterrollen.

Gottes wunderschöne Schöpfungsordnung

Ausgehend von der Beobachtung, dass die westliche Kultur im 21. Jahrhundert zunehmend post-christlich geworden ist und begonnen hat, „ganz neu zu definieren, was es heißt, ein menschliches Wesen zu sein“, ruft die Nashville Erklärung die Kirche dazu auf, Gottes wunderschöne Schöpfungsordnung, so wie sie in der Heiligen Schrift niedergelegt und in der Natur erkennbar ist, dankbar zu bejahen. „Wir gehören nicht uns selbst. Unsere wahre Identität als männliche und weibliche Personen wurde uns von Gott verliehen. Zu versuchen, etwas anderes aus uns selbst zu machen als das, wozu Gott uns geschaffen hat, ist nicht nur töricht, sondern zum Scheitern verurteilt“, heißt es in der Erklärung. Sie mahnt zur Anerkennung der Gleichwertigkeit von Mann und Frau und zugleich zur Bejahung der Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern.

Sexualität als Gabe für den Ehebund

Die Nashville Erklärung enthält 14 Artikel mit Bekräftigungen und Verwerfungen. Artikel 2 bekennt sich etwa zur Sexualität innerhalb der Ehe und verwirft, dass irgendein Begehren jemals Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe rechtfertigen dürfe. Der Artikel 8 bekräftigt, „dass Menschen, die sich vom gleichen Geschlecht sexuell angezogen fühlen, durch den Glauben an Jesus Christus ein reiches, fruchtbringendes und Gott wohlgefälliges Leben führen können, indem sie, wie es allen Christen geboten ist, in Reinheit leben“. Abgelehnt wird hingegen, dass die sexuelle Anziehung für das gleiche Geschlecht ein Bestandteil von Gottes ursprünglicher, guter Schöpfung sei.

Über 150 bekannte Erstunterzeichner

Zu den Erstunterzeichnern der Nashville Erklärung zählen mehr als 150 angesehene Theologen und Persönlichkeiten aus dem evangelikalen Lager, darunter J.I. Packer, Wayne Grudem, Albert Mohler, D.A. Carson, John Piper, Mark Dever, John MacArthur, R.C. Sproul oder Vaughan Roberts. Rosaria Butterfield, die sich einst als Literaturprofessorin zum Lesbianismus bekannte und heute Ehefrau eines Pfarrers ist, hat die Erklärung ebenfalls gezeichnet.

Protest und eine Gegenerklärung

„Christians United“, eine Organisation, die sich für die Integration von LGBTplus-Interessen in den christlichen Kirchen einsetzt, hatte am 30. August eine Gegenerklärung veröffentlicht und verneint darin, dass Gott beabsichtigt habe, die Sexualität innerhalb des Ehebundes zwischen einem Mann und einer Frau zu verorten. Zu den Unterzeichnern der Gegenerklärung gehört etwa der britische Baptistenpastor Steve Chalke, der aufgrund schwerwiegender Meinungsverschiedenheiten die Evangelische Allianz in Großbritannien verlassen musste.

Matthias Lohmann: „Erklärung überfällig“

Der Vorstand des Netzwerks „Evangelium21“ hofft, dass das Dokument zur Klärung in sexualethischen Fragen beiträgt. Laut Pastor Matthias Lohmann, 1. Vorsitzender des Vereins, sei solch eine Erklärung überfällig. „Obwohl das Christsein nicht mit einer Sexualmoral verwechselt werden darf, können wir die biblische Sicht auf die Geschlechtlichkeit nicht aufgeben.“ Gott als Schöpfer des menschlichen Lebens – so Lohmann weiter – „hat uns eine sehr gute und schöne Ordnung geschenkt, um das Familienleben und die Sexualität, die den Menschen ja auch sehr verletzbar mache, zu schützten“. Ron Kubsch, Generalsekretär von Evangelium21, ergänzt: „Wir brauchen so ein Statement, aber auch Mut zur Selbstkritik hinsichtlich unseres eigenen Versagens. Wir Christen sind nicht immer ein gutes Vorbild im Umgang mit unserer Sexualität und unserer Familie.“ Kubsch fügt hinzu: „Die gesellschaftlichen Entwicklungen in diesem Bereich werden unsere Geduld und unser seelsorgerliches Handeln noch gewaltig herausfordern.“

Nashville Erklärung in deutscher Sprache erschienen

Die Nashville Erklärung wurde von Evangelium21 mit freundlicher Genehmigung übersetzt und kann hier heruntergeladen werden.

Hautfarbe, Geschlecht, Nation

Immer mehr linken Intellektuellen dämmert es, dass die neue Toleranz aggressive Formen der Intoleranz entwickelt. Am Donnerstag hat der Münchner Soziologe Armin Nassehi in der FAZ (Ausgabe vom 31.07.2017, Nr. 202, S. 13) einen bemerkenswerten Essay mit dem Titel „Hautfarbe, Geschlecht, Nation“ veröffentlicht. Zwei Dinge seien kurz herausgestellt.

Einmal bestätigt Nassehi, durchaus zufrieden, dass die so genannte „Ehe für alle“ ihren Weg in die Rechtsprechung gefunden hat, weil sie auf dem Feld der Sprache akzeptiert worden ist:

Dass eine gewisse Form der Sensibilität für verletzbare Gruppen wie etwa Homosexuelle oder Schwarze sich auch sprachlich niederschlägt, sollte selbstverständlich sein. Auch dass sich in der Sprache gesellschaftliche Erfahrungen niederschlagen, kann nicht wirklich beklagt werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die sogenannte Ehe für alle, die vom Bundestag beschlossen wurde, sich auch auf dem Feld der Sprache durchgesetzt hat. Sie wurde wohl auch deshalb so plausibel für diejenigen, für die sie lebens-weltlich kaum relevant ist, weil die „einge-tragene Lebenspartnerschaft“ und die „Verpartnerung“ schlicht sprachliche Ungetüme sind, die letztlich nur auf verdruckste Verhältnisse verweisen: Etwas, das sich de facto als fast identisch mit dem darstellt, was Ehe heißt, muss dann auch so heißen. All das kann niemanden nerven, der einigermaßen bei Trost ist.

Der zweite Punkt ist wichtiger. Nassehi verweist auf den originellen Linken Slavoj Žižek, der die „Vancouver Pride Parade“ mit einem gewissen Argwohn beobachtet hat. Denn der politisch korrekte Sprachgebrauch etablierte dort eine Norm mit neuen Ausgeschlossenen.

Die Parade hinterließ bei Žižek „(und auch vielen Lesbian-Gay-Bisexual-Transgender-Mitgliedern) einen bitteren Nachgeschmack. Hier waren mehrheitlich gut ausgebildete weiße, privilegierte Frauen und Männer unterwegs, die über hohen sozialen Status verfü-gen. Sogar die subtile Langweile und die bürokratische Sprache der TV-Kommentatoren von Vancouver mit ihrer politisch korrekten Vorhersehbarkeit (sie waren stets sorgsam darauf bedacht, den ideologischen Schirm der Parade als LGBT-Queer-Intersex-Asexual+ zu bezeichnen) erinnerten mich an den Jargon der Kommunisten, bei dem jegliche Form von Ironisierung unter Androhung von Strafe verboten war. Alle haben sich an die offizielle Sprachregelung zu halten, alle haben das angeblich subversive Potenzial alternativer, in Wahrheit jedoch privilegierter Lebensentwürfe zu loben und zu preisen. Am Ende wirkt der offizielle Sprachgebrauch selbst wie sein eigener ironischer Kommentar. Zensurierter Ernst schlägt um in unfreiwillige Komik – und geschieht nicht genau dies notwendigerweise mit der Political Correctness? Sie beansprucht mit den besten Absichten, niemanden zu verletzen, produziert aber neue Ausgeschlossene und etabliert eine neue Norm – bloß darf dies niemand mehr sagen, weil er dadurch die schöne neue Herrschaftsharmonie störte.“

Die Beobachtungen Žižeks bestätigen also, was ich hier im Blog schon mehrfach behauptet habe: Mit dem Anspruch, dass durch Sprache niemand „geächtet“ und „gekränkt“ werden darf, wird unter der Hand eine strenge Leitkultur als neue Moral etabliert. Der Verstoß gegen diese neue Moral kann kostspielig werden. Denn niemand soll den neuen Frieden (Herrschaftsharmonie) stören.

Hier der Essay von Armin Nassehi: www.faz.net.

Neue Wege in der Liebe: Die Nashville-Erklärung

Vor zwei Tagen habe ich mir die TV-Sendung „Neue Wege in der Liebe: Moderne und traditionelle Beziehungsmodelle“ angesehen. Die Sexologin und Paartherapeutin Ann-Marlene Henning stellt dort heraus, dass die „Verhandlungsmoral“ die alte „Verbotsmoral“ längst abgelöst hat und alles möglich ist, was jemand begehrt (siehe dazu auch: Die Postmoderne, 2007, S. 53–57). Da ist etwa Sylvia, die sich als geborene Polyamore bezeichnet und jetzt, da sie gleichzeitig mehrere Menschen beiderlei Geschlechts liebt, endlich glücklich ist. Oder da sind Uli und Martin, die ihre Beziehung als offen bezeichnen und in ein Liebesnetzwerk eingebettet sind. Entscheidend ist, was ich fühle, die Lust. Letztes Tabu ist der Zwang. Das verbreitetste Modell – so Ann-Marlene Henning – sei es, in einer Hauptbeziehung zu leben und gleichzeitig mehrere Nebenbeziehungen zu haben. Dabei läuft alles transparent. Zur Offenheit gehört das Gespräch über mein Netzwerk und den letzten Höhepunkt. Die Beziehungszeiten werden übrigens immer kürzer. Das Singledasein ist – vielleicht eine logische Konsequenz – ein wachsendes Format. Bei allem gesetzgeberischen Einsatz für die Ehe, den wir in den letzten Monaten erlebt haben, finde ich – nebenbei – interessant, dass die polyamoren Netzwerke und das Singledasein so im Trend liegen.

Machen wir uns nichts vor. Die Sexualethik ist seit Jahren ein wichtiger Prüfstein für die Bekenntnisfestigkeit der christlichen Kirchen. Der Druck von außen und innen wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Vor allem die junge Generation wird über die Kultur und die Schule beflügelt, neue Beziehungsmodelle attraktiv zu finden und sie auch mal auszutesten.

Um so wichtiger ist es, dass Pastoren, Gemeindeleiter und Jugendleiter (!) Farbe bekennen. Keine Meinung zu haben, sich aus dem Prozedere einfach schick herauszuhalten, ist, seien wir ehrlich: billige Anpassung.

Mehr als 150 evangelikale Leiter aus den USA haben nun eine theologische Stellungnahme zur Sexualethik veröffentlicht, das so genannte Nashville-Statement. Zu den ersten Unterzeichnern gehören Theologen wie J.I. Packer, Wayne Grudem, Mark Dever, Heath Lambert, Vaughan Roberts, John Frame, Kevin DeYoung, Thomas Schreiner oder Michael Reeves. Auch der Philosoph J.P. Moreland oder die Literaturwissenschaftlerin Rosaria Butterfield haben die Erklärung unterschrieben (an dieser Stelle kann gezeichnet werden).

Die Nashville-Erklärung kann hier heruntergeladen werden: The-Nashville-Statement-and-Initial-Signatories-List.pdf.

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