„Ehe als gute Schöpfung Gottes“: vier Glossen

Als ich vergangene Woche gelesen habe, dass die Evangelische Allianz in Deutschland Leitgedanken zu Ehe und Homosexualität verabschiedet hat, war ich zunächst erfreut und dachte, damit würde die Debatte um die Positionen der DEA zur Sexualethik endlich ein Ende finden. Als ich später die Leitgedanken durchsah, kamen mir Zweifel. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist, in so einem heterogenen Hauptvorstand einen gemeinsamen Text zu verabschieden. Aber wenn ein Text herauskommt, der sehr unterschiedliche Deutungen zulässt, dann wird er nicht zur Klarheit beitragen, sondern ist nur Zeuge für die Meinungsvielfalt innerhalb der DEA.

Vier Dinge, die mir auf die Schnelle aufgefallen sind, möchte ich erläutern:

In der Einleitung wird davon gesprochen, dass die DEA ihre ethischen Bewertungen an Christus und seiner Verkündigung ausrichtet. Das klingt gut und ist auch gut. Dennoch: Könnte es sein, dass diese Formulierung aufgenommen wurde, weil dahinter etwas steckt, was den „Rote-Buchstaben-Christen“ wichtig ist? Der Name „Rote-Buchstaben-Christen“ bezieht sich auf Bibeln, die die von Jesus gesprochenen Worte in roter Farbe darstellen. Das, was Jesus sagt, gilt als Maßstab für die Bewertung dessen, was sonst noch in der Bibel zu finden ist. Auf diese Weise wird etwa Jesus gegen Paulus ausgespielt. Wichtiger sei das, was Jesus gesagt habe und im Zweifel müssten Paulus, Johannes, Jakobus oder AT-Texte den Worten Jesu weichen. Wie Wikipedia zutreffend schreibt,  betätigen sich „Rote-Buchstaben-Christen“ bei „der Förderung des Friedens, Unterstützung von Familien, die Abschaffung von Armut und die Gleichberechtigung von Randgruppen, da dies die gesellschaftlichen Probleme seien, die für Jesus wichtig waren.“ Andere Dinge werden hingegen zurückgestellt, da sie angeblich Jesus nicht viel bedeutet hätten. So wird dann auch behauptet: Jesus sei die Sexualethik nicht sonderlich wichtig gewesen, er habe beispielsweise selbst gar nichts zur Homosexualität gesagt. Das stimmt natürlich nicht, denn Jesus hat das, was das Alte Testament über die Ehe sagt, vorausgesetzt und bestätigt. Das, was Paulus im Römerbrief über Homosexualität schreibt, ist zudem nicht weniger bedeutsam als das, was Jesus im Matthäusevangelium sagt. Die ganze Schrift ist uns von Gott gegeben – nicht nur jene Abschnitte, in denen Jesus persönlich spricht, kommen von ihm.

Dann ist unter Absatz 2 davon die Rede, dass die in der Bibel beschriebene homosexuelle Praxis „mit dem Willen Gottes und damit dem biblischen Ethos unvereinbar (3.Mose 18,22; 20,13; Römer 1,24–27; 1.Korinther 6,9; 1.Timotheus 1,10)“ ist. Ich befürchte, dass einige es so lesen und lesen wollen: Nur die in der Bibel beschriebene Praxis der Homosexualität ist mit dem Willen Gottes nicht vereinbar. Damals sei – so eine progressive Lesart – die homosexuelle Praxis ausbeuterisch und von Gewalt gezeichnet gewesen. Heute sei die homosexuelle Praxis von Liebe und Treue geprägt; sie beruhe auf Freiwilligkeit und habe mit dem, was in der Bibel beschrieben wird, nicht mehr viel zu tun.

Schließlich wird im Absatz 3 ausgesagt, dass Jesus Christus die vorbehaltlose Annahme aller Menschen fordert. Begründet wird das mit Titus 2,11: „Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen …“ Mir erschließt sich nicht, inwieweit dieser Vers begründen soll, dass Jesus die vorbehaltlose Annahme aller Menschen fordert. Mir ist noch nicht einmal klar, was die „vorbehaltlose Annahme aller Menschen“ bedeuten soll. Interessant ist ja auch, wie der Text ab Vers 12 weitergeht: „… und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben.“ Kurz: Ich vermute, Absatz 3 wird die Grundlage dafür schaffen, dass praktizierende Homosexuelle vorbehaltlos in der Gemeinde mitarbeiten und leiten.

Schlussendlich heißt es dann: „Daraus ziehen wir die Schlussfolgerung, dass homosexuelle Partnerschaften der Ehe nicht gleichgestellt werden können.“ Da die rechtliche Gleichstellung ja bereits erfolgt ist, kann hier nur gemeint sein, dass innerhalb der Kirchen und Gemeinden die homosexuellen Partnerschaften der Ehe nicht gleichgestellt werden können. Das aber hält die Tür für Segnungen homosexueller Partnerschaften im Raum der Kirche offen.

Es wird, davon gehe ich aus, ein schwer erkämpftes Kompromisspapier sein. Die Leitgedanken sind das Ergebnis eines Prozesses, der über mehrere Jahre intensiv geführt wurde, heißt es in der Einleitung zu „Ehe als gute Stiftung Gottes“. Herausgekommen ist ein Papier, dass so viele Löcher hat wie ein Schweizer Käse. Eindeutigkeit ist nicht gewollt. Mit Unklarheit kann man nicht gut leiten. Ich kann nur hoffen, dass sich echte Klärungen anschließen. Meine Zuversicht schwindet an diesem Punkt allerdings mehr und mehr.

Kommentare

  1. Schlotti meint:

    Mit Absatz 2 ging es mir genauso, wie Ron es beschrieben hat. Auf den ersten Blick klingt es gut, wenn es da heißt die in der Bibel beschriebene, homosexuelle Praxis sei mit dem Willen Gottes nicht zu vereinbaren. Doch dann stellt sich die Frage, ob es auch eine homosexuelle Praxis gibt, die eben nicht in der Bibel beschrieben wird und folglich auch nicht dem Willen Gottes entgegensteht. Und schon ist das Problem gelöst. Denn selbstverständlich kannte Paulus nicht die lebenslange, treue, liebevolle Beziehung zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts. Aber die ist es ja, die wir heute kennen. Und wie Ron ja auch treffen die Argumentation beschreibt, hat Jesus sich angeblich sowieso nicht dazu geäußert. Also leben wir frei nach dem Motto: „Ich mach mir die Welt, äh Bibel wiedewiede wie sie mir gefällt.“

    Eigentlich ist es traurig, dass man eine Stellungnahme der DEA überhaupt so kritisch lesen muss. Es scheint aber nötig zu sein. Traurig aber wahr.

    Liebe Grüße
    Schlotti

  2. Schandor meint:

    Ich hätte gern gewusst:

    Verdanken sich die linksliberalen Konzessionen in der DEA

    1) internem Druck durch homosexuelle Entscheidungsträger?
    2) äußerem, mediengelenkten Druck?
    3) gutgemeintem, aber theologisch schwammigem Gutmenschentum?
    4) Unterwanderung durch andere Gruppen (an dieser Stelle bitte nicht den VT-Frame aufziehen)?

  3. Wolfgang Häde meint:

    Leider (in Bezug auf die Evangelische Allianz) hat Ron wohl die Erklärung sehr treffend analysiert. Da ist nicht viel hinzuzusetzen.
    Wolfgang Häde

  4. Roderich meint:

    @ Schandor,
    ich vermute, es wurde über Jahre versäumt, theologisch tendenziell liberale Christen in der Ev. Allianz aus Leitungsämtern zu entfernen. Daher ist es jetzt vermutlich zu spät, und nur eine Spaltung kann Klarheit bringen; die Spaltung ist aber wohl nicht gewollt. – Da inzwischen manche Bibelschulen auch nicht mehr ganz klar stehen, scheint die Zeit ja für die „liberale Fraktion“ zu sprechen.

  5. Da ich nicht weiß, an welch anderer Stelle ich mich für diesen Internet-Blog bedanken kann, tue ich es hier im Kommentarbereich:
    Herzlichen Dank an den/die Betreiber von TheoBlog! Ebenso herzlichen Dank an die Kommentatoren. Ich habe diesen Blog erst vor ein paar Tagen ‚entdeckt‘ und habe bereits auch viele länger zurückliegende Nachrichten mit zum Teil großen Gewinn gelesen.

    Besten Dank und alles Gute
    Wolfgang

  6. Schandor meint:

    @WoNe

    Ja, herzlich willkommen! Bleib dabei – es zahlt sich aus! Ron postet direkt am Puls der Zeit.

  7. Bernd Hehner meint:

    Was Schandor schreibt, hat mich sehr betroffen gemacht. Er will tendenziell liberal denkende Christen aus den Leitungsämtern der Ev. Allianz entfernen, wäre es nicht zu spät dazu. Wir leben nicht mehr in absolutistischen Zeiten und solche Säuberungsaktionen unter Christen sind unanständig. Ich bin stolz ein evangelischer landeskirchlicher Durchschnittschrist (kein Superchrist) zu sein, der sich erlaubt, eine eigene Meinung zu haben und zu sagen. Unter Kirchen und Christen gibt es unterschiedliche Auffassungen, wie es sie immer auch in grundlegenden Fragen unter Menschen geben kann. Jeder darf von seiner Auffassung fest überzeugt sein, wenn er auch eine andere feste Überzeugung akzeptiert. Diese Haltung spiegelt die Bereitschaft wieder, eine positive Streitkultur zu pflegen. Unter Christen wurde schon immer gestritten, aber heute wird niemand mehr verbannt, gepfählt oder eingesperrt. Auch auf den Konzilen der Christenheit wurde diskutiert, allerdings hat man Abweichler nicht so behandelt, wie Jesus es sicherlich getan hätte. Wir müssen lernen wie Brüder und Schwestern zusammen zu leben nach dem Motto: Glaube, Hoffnung und Liebe. Aber die Liebe ist die Größte unter ihnen. Der Glaube ohne Liebe ist nämlich nichts.

  8. Schandor meint:

    @Bernd

    Das ist doppelter Unfug, denn erstens will ich niemanden entfernen (da haben Sie sich schlicht verlesen) und zweitens ist der von Ihnen vertretene Meinungspluralismus in sich selbst widersprüchlich, wo es um Absoluta geht.

    Ich stimme Ihnen aber zu: Glaube, Hoffnung und Liebe. Aber Liebe nie auf Kosten der Wahrheit, denn dann trägt sie ihren Titel zu Unrecht, dann muss sie Affenliebe heißen.

    Und in noch einem Punkt stimme ich Ihnen zu: Jesus hat Abweichler tatsächlich anders behandelt als die Synoden: Während die den Abweichlern eine klare Absage erteilten, hat Jesus die Abweichler seiner Zeit als Heuchler bezeichnet.

    Indem Sie Begriffe wie „Säuberungsaktionen“ in der Feder führen und damit auf Strohmänner einschlagen, können Sie keine Intention einer positiven Streitkultur für sich in Anspruch nehmen. Unterschätzen Sie bitte nicht die Feinfühligkeit der Leser — sie spüren Ihre wohl beabsichtigte Polemik durchaus. Der Irrtum ist immer an der Wahrheit, da können „Glaube, Hoffnung und Liebe“ nichts ändern, denn Glaube, Hoffnung und Liebe sind eineiige Geschwister der Wahrheit.

  9. Wolfgang Stock meint:

    Lieber Ron, die Allianz als loser Zusammenschluss kann und will nicht leiten – insofern verstehe ich deinen Schlusssatz nicht?!?

  10. Markus meint:

    Ich muss gestehen, dass ich mich durch den Theoblog bekehrt habe, nicht nur den Theoblog, zuvorderst durch die Beiträge von Schlotti, Roderich, Schandor, auch Jutta, Armin und einigen anderen, deren Nicknames mir eben nicht einfallen. Natürlich spielten für eine Bekehrung auch lokale Menschen eine Rolle. Ohne echte Beziehungen geht es nicht. Ich habe mich bekehrt von jemanden, der nicht aus evangelikalen Hintergrund kommt, aber Evangelikale immer als lautere, von Herzen dem Wort Gottes ergeben Glaubende verteidigt hat, sie vor Fundamentalismus Vorwürfen in Schutz nahm. Nun, danke euch! Das sehe ich nach häufigem Lesens dieser Diskussionsbeiträge auch hier, nicht mehr so. Dieser – noch recht kurze Thread – ist wieder ein Beispiel dafür.
    @Schandor: Diese ‚Säuberungsaktionen‘ die sich Bernd H deiner Meinung nach ausgedacht hat, wurden von @roederich gewünscht. Aber schön, dass Du auf @bernd hoehner gleich so ausgesprochen ‚freundlich‘ reagierst. Das Diskussionsniveau auf theoblog hat mir schon des öfteren Angst gemacht, dieses mal ist es jedoch weniger das Niveau, sondern der Inhalt selbst, der Angst macht. Ich finde die Argumentation von Ron an sich schon eines Blogeintrages nicht würdig, da sie ausschliesslich konstruierte und nicht wohlmeinende einseitige Deutungen darstellen. Schandor unterstellt dem Vorstand der DEA homosexuell zu sein oder zumindest ‚ferngesteuert‘, Schlotti suhlt sich in Selbstbeweiräucherung und Roederich bedauert eine nicht erfolgte Entfernung liberaler Leute. Liberal, linksliberal, etc. alles selbstgewählte Kampfbegriffe, die hier auf einen Gegner – wie ein Gegenüber behandelt ihr die DEA nicht – angewandt werden, der nach keiner nur möglichen Definition als liberal und erst recht nicht linksliberal bezeichnet werden kann.
    Wie gesagt, ich habe mich bekehrt. Man muss nicht, aber man kann Angst vor Euch haben.

  11. @Markus: Natürlich hat eine Organisation die Pflicht, sich von Leuten zu trennen, die die Grundlagen und den Zweck der Organisation nicht mittragen. Das ist eine Binsenweisheit.

    Wir sind völlig harmlos. Du brauchst vor uns keine Angst zu haben.

    Liebe Grüße, Ron

  12. @Wolfgang Stock: Dann sollte sich die Allianz von ihrer Glaubensbasis verabschieden. Solange sie als bedeutender Repräsentant der Evangelikalen Bewegung diese Basis bejaht und von Mitgliedern und Mitarbeitern eine Identifikation mit dieser Basis einfordert, hat sie die Pflicht, zu leiten und leitet de facto.

    Liebe Grüße, Ron

  13. Schlotti meint:

    @Markus
    Es tut mir sehr leid, wenn mein Beitrag auf dich wie Selbstbeweiräucherung wirkt. Vielleicht muss ich wirklich noch mehr lernen, meine Überzeugungen so auszudrücken, dass sie nicht arrogant oder überheblich wirken. Das ist schon auch eine ehrliche Frage, die ich mir immer wieder stelle. Ich möchte nicht hart klingen. Ich möchte mich nicht darüber definieren, wogegen ich bin. Gleichzeitig habe ich aber biblische Überzeugungen. Wie kann ich also treu zu dem stehen was ich glaube, ohne eben genau damit so zu wirken, wie ich gar nicht wirken und wahrgenommen werden will? Oder ist es einfach ein Problem meiner Ausdrucksweise? Dann möchte ich gerne an mir arbeiten und arbeiten lassen.

    Wie gesagt, wo meine Ausdrucksweise verletzend war oder arrogant geklungen hat, tut es mir leid! Inhaltlich sehe ich es aber nun einmal so und habe dieselben Anfragen, wie Ron sie in seinem Beitrag herausgearbeitet hat.

    Liebe Grüße
    Schlotti

  14. Schandor meint:

    @Markus

    Verstehendes Lesen ist wichtig. Ich habe an keiner Stelle behauptet, der Vorstand der DEA sei homosexuell. Ich habe überhaupt nichts behauptet, sondern etwas gefragt, weil ich es nicht weiß. Von Fernsteuerungen weiß ich ebenfalls nichts. Kann es sein, dass Du wie Bernd mir falsche Kommentare zuschreibst? (Anmerkung: Auch das ist kein versteckter Vorwurf, sondern einfach eine Frage.)
    Meine Freundlichkeit ist angemessen, denn ich werde nicht digital versprachlichen, was an nonverbaler Kommunikation ohnehin auf der Strecke bleiben muss.

    Nun aber zum Inhalt: Die Führung der DEA hat höchste Verantwortung. Wenn sie der nicht gerecht wird, ist der Schaden umso größer. Wer so hoch oben sitzt und mit so unheimlich (!) kluger sprachpolitischer Raffinesse vorgeht, wird sich Kritik gefallenlassen müssen, so oder so.

    Lass Dich doch nicht einfangen! Siehst Du denn nicht, wie man Dinge sagen kann, indem man Argumente e silentio anführt? Darin besteht doch gerade der Trick.

  15. Stephan meint:

    Das würde ich nicht nur mit „unheimlich (!) kluger sprachpolitischer Raffinesse“ betiteln, eine Formulierung, von der Befürworter und Gegner eines Themas / Arguments meinen, es würde ihre Position reflektieren, nennt man umgangssprachlich „hinterfotzig“.
    Da liegt zwar jetzt eine Stellungnahme „Leitgedanke zu …“ vor, da wurde wie gewünscht oder gefordert ein Papier verfasst, es wurden unzählig viele Arbeitsstunden hineingesteckt, aber geklärt ist da gar nichts, geschweige denn eine verbindliche Position bezogen worden. Und daher ist das Papier mehr als flüssig, es ist überflüssig.

  16. @Schlotti: Lies Dir Deinen Kommentar noch einmal durch: Nichts von dem, was Du geschrieben hast, ist verletztend oder hochnäsig! Du schreibst, wie bisher immer, sachlich und den Menschen zugewandt.

    Liebe Grüße, Ron

  17. Wolfgang Stock meint:

    @Ron Lieber Ron, die Allianz hat keine Mitglieder…
    Zum „Einfordern“ verweise ich auf die Glaubensbasis:
    „…Es wird jedoch ausdrücklich erklärt, dass diese kurze Zusammenfassung keineswegs in irgendeinem formalen oder kirchlichen Sinn als Glaubensbekenntnis oder Konfession verstanden werden darf; ebenso wenig beinhaltet ihre Annahme, dass wir uns das Recht anmaßen, autoritativ die Grenzen christlicher Bruderschaft festzulegen.
    Es wird ferner ausdrücklich erklärt, dass in dieser Allianz kein Kompromiss in den Auffassungen irgendeines Gliedes oder Druck auf die eines anderen Gliedes in strittigen Punkten gefordert oder erwartet wird. Sondern alle sollen frei bleiben, ihre Glaubensüberzeugungen nach wie vor aufrechtzuerhalten und zu vertreten mit der nötigen Nachsicht und brüderlichen Liebe.
    Es wird nicht beabsichtigt, dass diese Allianz den Charakter einer neuen kirchlichen Organisation annimmt oder anstrebt, indem sie beansprucht, in irgendeiner Weise die Funktionen einer christlichen Kirche auszuüben. Es besteht die feste Überzeugung, dass ihr einfaches und gewichtiges Anliegen erfolgreich vertreten werden kann, ohne dass sie sich in die Ordnung irgendeines Zweiges der christlichen Kirche, zu dem ihre Glieder jeweils gehören, einmischt oder sie stört…“

  18. @Wolfgang Stock: Lieber Wolfgang,

    a) soweit ich weiß, ist die DEA als Verein organisiert und diejenigen, die dem HV angehören, sind auch Mitglieder. Von diesen Mitgliedern wird die DEA sicher erwarten, dass die der Glaubensbasis zustimmen.

    b) Zum zitierten Text: Ich verstehe völlig, dass die dünne Glaubensbasis nicht mit einem Bekenntnis verwechselt werden darf. Diesen stark relativierenden Abschnitt hätte ich jedoch gern mal interpretiert:

    Es wird ferner ausdrücklich erklärt, dass in dieser Allianz kein Kompromiss in den Auffassungen irgendeines Gliedes oder Druck auf die eines anderen Gliedes in strittigen Punkten gefordert oder erwartet wird. Sondern alle sollen frei bleiben, ihre Glaubensüberzeugungen nach wie vor aufrechtzuerhalten und zu vertreten mit der nötigen Nachsicht und brüderlichen Liebe.

    Ich verstehe das so, als ob in der Allianz jeder die Freiheit hat, zu glauben, was er möchte. Habe ich da etwas falsch verstanden? Die Glaubensbasis würde durch diese Klausel also geradezu ausgehebelt werden. Oder gilt die Klausel nur im Rahmen der Glaubensbasis?

    c) Selbst wenn die DEA nicht mit dem Anspruch auftritt, leiten zu wollen, leitet sie, da sich Werke, Gemeinden und einzelne Christen an ihren Verlautbarungen orientieren. Was, im Übrigen, sollten sonst „Leitgedanken“? Die DEA leitet also auch, wenn sie nicht leitet.

    Aber danke für die Rückfrage! Ich sollte präziser formulieren und ändere deshalb meinen Schluss in: „kann man nicht gut leiten“.

    Liebe Grüße, Ron

  19. Schlotti meint:

    @Ron
    Danke!

    Noch ein Gedanke und eine persönliche Erfahrung zu den „Rote-Buchstaben-Christen“. Vor vielen Jahren, während meiner theologischen Ausbildung, hatten wir Besuch einer Frau (ihren Namen weiß ich nicht mehr), die entweder Mitautorin oder zumindest im Entstehungsprozess des Buches „Ohne Unterschied“ beteiligt war. Darin geht es um die völlige Gleichstellung in allen Dienstbereichen der Frau in der Gemeinde. Nach ihrem Vortrag habe ich mich kurz mit ihr unterhalten. Ich habe auf die Aussagen von Paulus hingewiesen. Daraufhin antwortete sie sinngemäß: „Ich glaube an Jesus und nicht an Paulus.“

    Mal ganz abgesehen davon, ob Jesus richtig verstanden wird oder nicht, findet man jetzt beim Thema der HS die selbe Argumentation. Was wird dann aus der Einheit der Bibel? Arbeitet man an einem „evangelikalen“ Kanon im Kanon? Ich halte diese Position für sehr gefährlich, ganz abgesehen von dem jeweiligen Thema um das es geht. Gott hat uns eine Offenbarung gegeben, in der wir alles finden, was wir über den Vater, Jesus, den Heiligen Geist und ein Leben zu Gottes Ehre wissen müssen. Dieser Offenbarung sind wir verpflichtet, sie brauchen wir um echtes, geistliches Leben zu erfahren.

    Liebe Grüße
    Schlotti

  20. Roderich meint:

    @Markus,

    Ich habe mich bekehrt von jemanden, der nicht aus evangelikalen Hintergrund kommt, aber Evangelikale immer als lautere, von Herzen dem Wort Gottes ergeben Glaubende verteidigt hat, sie vor Fundamentalismus Vorwürfen in Schutz nahm. Nun, danke euch!

    Danke für diesen dramatischen Einwurf 🙂 Es klingt aber bei näherem Besehen etwas geheuchelt, denn wenn Du wirklich früher die Gottesfurcht der Evangelikalen, die dem Wort ergeben sind, verteidigt hättest, hättest Du Dich nicht daran gestört, dass Evangelikale ihre Glaubensgrundlagen auch verteidigen.

    Was sollte der Vorstand eines Kegelclubs machen, wenn eine wachsende Zahl des Vorstands nun sagt: „Kegeln ist eigentlich eine schlechte Sache“, und fordert, dass diese Sicht gleichberechtigt in die Satzung geschrieben wird?

  21. Roderich meint:

    Interessant dazu übrigens das Buch von Gary North: „Crossed Fingers. How the Liberals Captured the Presbyterian Church“.

    Ist als zeitlose Warnung auch für andere Organisationen von Interesse.

    Hier kostenlos als PDF: http://www.garynorth.com/freebooks/docs/pdf/crossed_fingers.pdf

    Hier der Werbetext des Buches:

    „IS THIS REALLY WHAT JESUS HAD IN MIND?

    Young people, regardless of their sexual orientation, need to understand the institutional power of heterosexism and the injustice that it perpetuates. As the church is called to speak a truthful word about sexuality, it does so in the name of God’s call to justice a call that invites gay and lesbian adolescents to explore the goodness of their sexuality within the community of God’s people.

    This statement appeared in a 1991 document submitted for consideration by the General Assembly of the Presbyterian Church in the U.S.A., America’s largest Presbyterian denomination. It was titled Keeping Body and Soul Together: Sexuality, Spirituality, and Social Justice. It was submitted by the General Assembly’s Special Committee on Human Sexuality. It failed to gain official approval, but its supporters had believed that it had a chance. Those who wrote it were not brought to trial for heresy. Two years later, the Presbyterian Church sent 400 women, the largest delegation, to the World Council of Churches‘ RE- imagining Conference, a feminist ecumenical assembly attended by several self-proclaimed witches. At that conference, attendees celebrated a communion meal in the name of the goddess Sophia. The Presbyterian Church contributed $66,000 to fund that affair. Yet when this gathering was retroactively challenged by Presbyterian conservatives as heretical, the 1994 General Assembly voted not to bring formal charges against the participants. The vote was 516 to four.

    Something has obviously gone radically wrong in the Presbyterian Church. To identify what went wrong, you need to understand when it went wrong, and how. This story is unknown to virtually all Presbyterians, even members of the tiny splinter denominations that came into existence as reactions to the liberals‘ takeover of the mainline Presbyterian Church: what happened, how it happened, and when it happened. It did not happen randomly. It was planned.

    This plan is repeatable. It has been used by liberals to take over every mainline American denomination in the twentieth century, including the Roman Catholic Church, which succumbed in 1966. No hierarchical denomination is immune. But because so few Christians are aware of the plan’s features, and what its telltale signs are, defenses against it are weak or nonexistent. Because of this, it keeps working. So far, only conservative Missouri Synod Lutherans have self-consciously held it in check. Only the Southern Baptist Convention has reversed it.

    Crossed Fingers is the first book to identify and discuss in detail the five points of liberalism and the rival theological positions. It is also the first published book that „follows the money“ by tracing the sources of the funding of theological liberalism in twentieth-century America. One man, more than any other, was the primary source: John D. Rockefeller, Jr.

    Crossed Fingers serves as a handbook for the diagnosis and defeat of the same liberal forces that have captured American Christianity. How did they do it? With a vision, with a plan, and with other people’s money. Crossed Fingers shows how they achieved victory in what had been the most theologically conservative large Protestant denomination on earth. It also shows what the conservative Presbyterians could have done, and still have not done, to immunize the Church.

    Inside Flap

    Catalog Description
    This book serves as a handbook for the diagnosis and defeat of the liberal forces that have captured American Christianity. How did they do it? With a vision, with a plan, and with other people’s money. Crossed Fingers shows how the liberals achieved victory in what had been the most theologically conservative large Protestant denomination on earth. It also shows what the conservative Presbyterians could have done, and still have not done, to immunize the Church.“

  22. Schandor meint:

    Und die Feministen sahen, dass sich aus der Gleichheit viel Profit schlagen lässt, und dass sie eine Lust für die Ohren der Unwissenden und ein begehrenswerter Begriff sei, weil er alle gleich macht; und sie machten die Gleichheit zum Gesetz und gaben davon auch den Ungleichen, und die mussten jetzt auch gleich werden.

    Da wurden ihnen die Augen geschlossen, und sie erkannten nicht mehr, dass sie ungleich waren; und sie entblödeten sich nicht, jede sexuelle Perversion für gleich zu erklären. Und sie hörten auf die Stimme ihres Gottes, der sich sehr freute über ihre Gleichheit; und sie taten jeglichen Gräuel, der ihnen in den Sinn kam, und zwar ganz offen im Fernsehen.

    Und wer sich ihnen nicht beugte und nicht gleich gleich werden wollte, dessen Bildnis machten sie dem Erdboden gleich und warfen es in den Feuersee ihrer Ächtung. Und wer nicht niederfiel vor dem Antlitz ihrer Gleichheit, der wurde geächtet und geschächtet vor ihren Gerichten.

    Aus: „Das Buch der Gleichheit“, NY: Hellpress, 1965, S. 43.

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