Syst. Theologie

Evangelikale sind nicht verfassungsfeindlich!

q-rage.jpgWie gestern in einem Beitrag berichtet, wurde in der Schülerzeitschrift Q-rage die evangelikale Bewegung in Deutschland als politisch fundamentalistisch und tendenziell verfassungsfeindlich dargestellt. Der Zeitschriftenartikel löste zahlreiche Proteste aus, über die verschiedenen Medien berichtet haben.

Inzwischen hat sich der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) für den Vorfall entschuldigt.

In einer Mitteilung schreibt Thomas Krüger:

Erst nach Veröffentlichung der gedruckten Ausgabe wurde der Artikel von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb zur Kenntnis genommen. Die bpb hält diesen Beitrag in seiner Einseitigkeit und Undifferenziertheit für gänzlich unakzeptabel.

In dem Artikel werden Evangelikale pauschal mit christlichen Fundamentalisten gleichgesetzt. Eine Gleichsetzung der evangelikalen Bewegung mit dem christlichen Fundamentalismus halte ich für unangemessen und nicht zutreffend. Differenzierungsversuche bleiben in dem Artikel bruchstückhaft. So kann in der Tat ein falscher und diskriminierender Eindruck entstehen.

Der Präsident der bpb habe sich zudem in einem Schreiben an sämtliche Schulen, die das Magazin erhalten haben, für seine Veröffentlichung entschuldigt:

Sollte durch mein Empfehlungsschreiben der Eindruck entstanden sein, die in dem Artikel dargelegte Position werde von mir oder der Bundeszentrale für politische Bildung geteilt, so bedauere ich das sehr und entschuldige mich ausdrücklich. Dies ist nicht der Fall. Als Bundeszentrale für politische Bildung ist es uns wichtig, differenziert über politische und religiöse Phänomene zu berichten und keine Pauschalurteile zu fällen.

Umfassendere Informationen gibt es beim Pro-Medienmagazin: www.pro-medienmagazin.de.

Avery Dulles (1918–2008)

Dulles.jpgDer katholische Theologe Kardinal Avery Dulles verstarb am Morgen des 12. Dezembers 2008 in New York. Dulles, der mehr als 700 Artikel und 22 Bücher verfasste, wird von Theologen verschiedenster Konfessionen wegen seiner Aufrichtigkeit, Gelehrsamkeit und intellektuellen Redlichkeit sehr geschätzt.

Dulles betonte gern, dass es ihm nie um die Entwicklung einer neuen Theologie ging, sondern er immer darum bemüht war, seine Fähigkeiten in den Dienst des Glaubens zu stellen.

51K0E0R6D3L._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA240_SH20_OU01_.jpgBesonders empfehlen kann ich seine Geschichte der christlichen Apologetik. Dulles, als Sohn des protestantischen U.S.-amerikanischen Außenministers (1953–1959) John Foster Dulles geboren und als Harvard-Student zum Katholizismus konvertiert, stellt darin auch evangelische Apologeten bis hin ins 20. Jahrhundert fair dar. Leider ist das Buch bisher nicht auf Deutsch erschienen.

Im Jahre 2004 schrieb Dulles in einem Aufsatz über die Wiedergeburt der christlichen Apologetik unter anderem:

Der Glaube ist also keine einfache Leistung der Vernunft. Er ist Tat einer Vernunft, die sich dem Wort Gottes unterordnet, welches auf dem Weg der Offenbarung zu uns kommt … Gott, als die unendliche Quelle dessen was ist oder sein kann, liegt unermesslich weit jenseits all dessen, was wir von der geschaffenen Ordnung ableiten können … Um unseret Willen hat er [Gott] etwas von sich selbst und seinen Erlösungsplan offenbart, so dass wir ihn lieben und ihm besser dienen können. Gottes großartige und unüberteffliche Offenbarung seiner selbst ist sein Sohn, sein ewiges Wort, welches in Jesus Christus Fleisch geworden ist.

Christopher Hitchens versus Douglas Wilson

K. Scott Oliphint (Professor für Apologetik am WTS) organisierte am 30. Oktober 2008 eine Debatte über die Existenz Gottes zwischen dem begabten Journalisten und ›aggressiven Atheisten‹ Christopher Hitchens (»Christen planen die Zerstörung des Menschen«) und dem Theologen Douglas Wilson.

Die Vorträge eignen sich gut, um die ›voraussetzungsbewusste Apologetik‹ kennen zu lernen. Als ›Van Til’ianer‹ argumentiert Wilson im Sinne des großen Westminster Lehrers Cornelius Van Til.

Die Debatte von knapp zwei Stunden wurde auf Video aufgezeichnet und kann hier (leider ohne Übersetzung) abgerufen werden: www.wts.eu. K. Scott Oliphint hat ebenfalls einige Gedanken zur Debatte publiziert: www.wts.edu.

VD: TT.

Kind stört Lebensplanung, also …

Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Neugeborenen wurde die Mutter am Montag vom Kasseler Landgericht zu acht Monaten Haft verurteilt.

Die 32-Jährige hatte ihr Baby im Oktober 2007 unter falschem Namen in einem Krankenhaus zur Welt gebracht. Wenige Stunden später war sie mit ihrem Sohn davongeschlichen. Die Mutter wurde vier Tage später in der Wohnung ihrer Eltern gefunden, das Baby lag tot in einem Müllsack im Kofferraum ihres Autos. Laut Gericht hatte die Frau den Säugling erstickt. Zum Hintergrund der Tat gab sie an, sie habe sich durch die bevorstehende Mutterschaft in ihrer Lebensplanung gestört gefühlt.

Aus Sicht der Anklage hatte der Säugling die Frau bei ihren Hobbys gestört und wurde deshalb bewusst erstickt. Nach Einschätzung des Gerichts waren die Indizien dafür jedoch nicht zwingend.

Bei DER ZEIT gibt es weitere Informationen: www.zeit.de.

Homosexualität: Tony Jones bezieht Stellung

Tony Jones, langjähriger Koordinator (bis 2008) von Emergent Village (U.S.A.) und Mitherausgeber des Emergent Manifesto of Hope, teilte am 20. November 2008 in einem Blogbeitrag mit:

Auf jeden Fall bin ich jetzt der Meinung, dass GLBTQ’s [gemeint sind Homosexuelle (G = gay), Lesben (L = lesbian), Bisexuelle (B = bisexual), Transgender-Leute bzw. Transsexuelle (T = transgender/transsexual) sowie Queer-Leute (Q = queer)] im Einklang mit dem biblischen Christentum leben können (mindestens genauso gut wie jeder von uns das kann!) und dass ihre Monogamie von Kirche und Staat geduldet und gesegnet werden sollte.

Hier geht es zur ganzen Geschichte: blog.beliefnet.com.

Francis Schaeffers apologetische Arbeitsweise (Teil 5: Schluss)

Für Schaeffer ist es wichtig, dass sich Christen in Frage stellen lassen. Es gibt auch Gründe dafür, kein Christ zu sein. Schaeffer schreibt (Gott ist keine Illusion, S. 143):

Bei allem Bemühen, unser Anliegen überzeugend vorzutragen, müssen wir jedoch auch bereit sein, uns den Angriffen des anderen auszusetzen. Je stärker er vom zwanzigsten Jahrhundert geprägt ist, desto wichtiger ist es, uns seinen unbequemen Fragen um Christi und um der Wahrheit willen zu stellen, wenn uns wirklich daran gelegen ist, daß er Christ wird.

Diesen Fragen sind wir nur gewachsen, wenn wir unsere Kultur kennen und selbst gründlich mit den Grundlagen des Glaubens vertraut sind. So sagt er (Gott ist keine Illusion, S. 143):

Je mehr wir die moderne Welt, in der wir leben, und – ganz besonders – die Bibel studieren, desto besser werden wir in der Lage sein, Rede und Antwort zu stehen. Bevor wir mit anderen sprechen, müssen wir uns erst einmal selbst über die Frage klar geworden sein: ›Verkündet das Christentum die Wahrheit?‹ Wir müssen in der Bibel zu Hause sein und wissen, welchen Inhalt das biblische System hat. Täglich sollten wir die Heilige Schrift studieren, denn nur so können wir sicher sein, daß wir wirklich den christlichen Standpunkt vertreten, und zwar in der bestmöglichen Weise.

Wir sollten vor den Fragen keine Angst haben. Im Gegenteil (Und er schweigt nicht, S. 25):

Die Wahrheit des Christentums besteht darin, daß sie dem entspricht, was wirklich da ist. Wir können bis zum Ende der Welt ziehen und brauchen keine Angst zu haben (wie die Menschen der Antike), daß wir am Ende hinunterfallen könnten und von den Drachen gefressen würden. Wir können unsere intellektuellen Diskussionen bis zur letzten Konsequenz führen. weil das Christentum nicht nur den Dogmen treu ist, nicht nur dem treu, was Gott in der Bibel gesagt hat, sondern weil es auch dem entspricht, was da ist.

Hier ist der fünfte und letzte Podcast aus der kleinen Serie (ca. 8 Minuten, ca. 5 MB): theoblogpodcast006.mp3.

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Francis Schaeffers apologetische Arbeitsweise (Teil 4: Einführung in die Methode)

Schaeffer_Nd.jpg
Schaeffer hält es für sehr wichtig, gerade prominente Zeitgeistkonzepte mit der biblischen Grundlage zu vergleichen. Er hat oft erleben müssen, dass Menschen christliche Begriffe mit unbiblischen Konzepten verknüpft haben.

Wir müssen mit den Menschen besonders über Wahrheit, Schuld und Geschichte sprechen. Wahrheit wurde von vielen Suchenden mit Wahrhaftigkeit verwechselt (vgl. Sören Kierkegaard u. Rudolf Bultmann). Sündenvergebung ist etwas anderes als eine Befreiung von Schuldgefühlen (vgl. Carl Rogers). Eine Aufspaltung von Geschichte und Heilsgeschichte, wie sie vom theologischen Liberalismus eingeführt und auch von der Neo-Orthodoxie aufrecht erhalten wurde, ist der Bibel selbst unbekannt (vgl. Rudolf Bultmann u. Karl Barth).

Hier ist der vierte Podcast (ca. 34 Minuten, ca. 15 MB): theoblogpodcast005.mp3.

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Francis Schaeffers apologetische Arbeitsweise (Teil 3: Durchbruch & Isolation)

Schaeffer_Nc.jpgAm 2. Februar 1950 erschien ein Artikel von Francis in der Zeitung The Christian Beacon, in dem er bereits thematisiert, was sich später durch die ganze Arbeit ziehen sollte: Heiligkeit und Liebe. Edith Schaeffer sagt dazu in ihrem Buch The Tapestry:

Francis‘ erste Schrift über »Die Ausgewogenheit der gleichzeitigen Darstellung von Gottes Heiligkeit und Liebe« erschien im The Christian Beacon in einem Artikel mit Datum vom 2. Februar 1950. Darin sprach er von der »Gefahr im Inneren und der Gefahr von außen«, erwähnte dabei natürlich auch die »Separatisten«. Die Gefahr von außen ist die, dass wir entmutigt werden und Kompromisse schließen oder uns vom Kampf zurückziehen würden. Die Gefahr von innen, so sagte er, ist genauso groß. Er verbrachte aber mehr Zeit für diesen zweiten Aspekt. Unter anderem sagte er:

»Wir müssen mit David Brainerd sagen und es auch meinen: ›Oh, dass doch meine Seele niemals Gott einen toten, kalten Dienst biete!‹ … Seelen zu gewinnen, sollte Selbstverleugnung und opferbereite Arbeit bedeuten … Die Arbeit, Seelen aufzubauen, sollte das Aushändigen von lehrreichem Material sowie genauso von andächtigen Material bedeuten … Die zweite Gefahr von innen … ist die Gefahr, die Liebe zu verlieren, von der Gott will, dass wir sie füreinander haben … Es liegt eine Gefahr darin, in unserem Zeitalter des unerlässlichen Wettkampfes, immer gewinnen zu wollen, anstatt es richtig zu machen … Unser tägliches Gebet sollte es sein, dass unser liebender Herr seine Arme so über uns halte, dass wir niemals wanken in dem Kampf noch dem Teufel erlauben, uns von innen zu zerstören.«

Nachdem die Arbeit von L’Abri so richtig in Schwung gekommen war, reiste Schaeffer 1965 nach Nordamerika und hielt Vorlesungen in Boston. Dann fuhr er zum Wheaton College und hielt Vorlesungen, die später die Grundlage für sein Buch The God Who is There (dt.: Gott ist keine Illusion) wurden. Damals schätzten ihn die Studenten ungeheuer, die akademische Welt war jedoch zurückhaltender. Am Wheaton College sprach er zum Beispiel über Themen, von denen die meisten Menschen in evangelikalen Kreisen niemals gehört hatten oder über die sie nicht diskutieren durften, wie etwa die Filme von Ingmar Bergman und Fedrico Fellini oder die Schriften von Albert Camus, Jean-Paul Sartre und Martin Heidegger. Damals waren die Studenten dankbar, wenn sie Filme wie Bambi anschauen durften.

Hier ist der dritte Podcast (ca. 35 Minuten, ca. 16 MB): theoblogpodcast004.mp3.

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Francis Schaeffers apologetische Arbeitsweise (Teil 2: Die Krise)

Schaeffer_Nb.jpg1949 zogen die Schaeffers in das Bergdorf Champéry in der Schweiz. Dort geriet Schaeffer 1951 aus mindestens zwei Gründen in eine tiefe geistliche Lebenskrise. Erstens sah er im Leben derer, die für das historische Christentum kämpften, nicht die Kraft des Evangeliums. Die vielen Streitigkeiten zwischen den konservativen Christen, die er selbst mit durchlitten hatte, spielten dabei eine große Rolle. Zweitens erkannte er, dass die Erfahrung des Herrn in seinem eigenen Leben nicht so pulsierend war wie früher. Tatsächlich war er kein fröhlicher Christ, sondern wurde von belasteten Depressionen geplagt.

Er schrieb selbst rückblickend über diese Zeit:

In den Jahren 1951 und 1952 mußte ich eine geistliche Krise in meinem Leben durchstehen. Viele Jahre zuvor war ich vom Agnostiker zum Christen geworden. Danach war ich zehn Jahre lang Pfarrer in Amerika, und dann nahm ich mit meiner Frau Edith zusammen eine Tätigkeit in Europa auf. In dieser Zeit war ich sehr beflissen, für ein auf geschichtlicher Offenbarung beruhendes Christentum und für die Reinheit der sichtbaren Kirche einzutreten. Allmählich aber stieß ich dabei auf ein bestimmtes Problem: das Problem der Wirklichkeit. Es hatte zwei Seiten. Erstens schien mir, daß man unter den Anhängern der rechtgläubigen Position wenig von den praktischen Folgen sehen konnte, die nach Aussage der Bibel den Christen kennzeichnen. Zweitens gewann ich immer mehr den Eindruck, daß meine eigene christliche Wirklichkeit seit den ersten Tagen meines Christseins merklich verblaßt war. Ich erkannte, daß ich aufrichtig sein und noch einmal an den Anfang zurückgehen und meine ganze Position durchdenken mußte.

Hier ist der zweite Podcast (ca. 21 Minuten, ca. 12 MB): theoblogpodcast003.mp3.

[podcast]http://theoblog.de/wp-content/uploads/2008/11/TheoblogPodcast003.mp3[/podcast]

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