Syst. Theologie

Kultur des Lebens (1): Melissa Ohden trifft ihre Mutter

Christen wird gern nachgesagt, sie seien nachtragend, unversöhnlich und verbreiteten Hass. Melissa Ohden ist ein lebender Gegenbeweis. Als sie 14 Jahre alt war, erfuhr sie, dass sie eine Abtreibung überlebt hatte. Was passierte, als sie viele Jahre später ihre Mutter traf, erzählt sie in diesem Interview. Sehr bewegend!

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Die zwei Geburten

Heinrich Bullinger (Dekade 1, Schriften III, 2006,  S. 73):

Denn durch unsere erste Geburt wird der Mensch zum Tode, durch die zweite zum Leben geboren. Diese Wiedergeburt aber geschieht durch den Geist Gottes, der durch den Glauben unsere Herzen erfüllt, nämlich durch den Glauben an Christus, der um unserer Sünden willen gestorben und um unserer Gerechtsprechung willen auferstanden ist [vgl. Röm 4,25].

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Medien machen eine Opfergruppe sexueller Gewalt unsichtbar

Die auflagenstarke US-Zeitung USA TODAY berichtet, dass die intensive Berichterstattung über MeToo die häufigsten Opfer sexueller Übergriffe übergehe: Schwule, Lesben und Bisexuelle.

Das Blog Genderdrama berichtet unter Berufung auf den USA TODAY-Artikel:

Insgesamt sind Menschen, die sich als LGBTQ identifizieren, laut des Centers for Disease Control and Prevention einem höheren Risiko sexueller Gewalt ausgesetzt: 44% der Lesben und 61% der bisexuellen Frauen erleben Vergewaltigung, körperliche Gewalt und/oder Stalking durch einen Intimpartner, verglichen mit 35% der heterosexuellen Frauen. 37% der bisexuellen Männer erleben Vergewaltigung, körperliche Gewalt und/oder Stalking durch einen Intimpartner, verglichen mit 29% der heterosexuellen Männer. 40% der schwulen Männer und 47% der bisexuellen Männer haben andere sexuelle Gewalt als Vergewaltigung erlebt, verglichen mit 21% der heterosexuellen Männer. (…) Die am meisten beachteten Geschichten folgten einer Formel: Eine prominente Überlebende und ein mächtiger männlicher Täter.

Ich empfehle den vollständigen Artikel: eu.usatoday.com.

Berliner SPD: Steuergelder für Pornos

Auf dem Landesparteitag beschließt die SPD eine Filmförderung für feministische Pornofilme. Diese hätten sowohl gesundheits- als auch gleichstellungspolitische Relevanz. DER TAGESSPIEGEL meldet:

Nicht zuletzt prägt Pornografie – vor allem verbreitet über das Internet – heute als wesentlicher Teil sexueller Aufklärung maßgeblich das Bild, das junge Menschen von Sexualität haben, noch bevor es zu individuellen Erfahrungen kommt.

Aus diesem Grund gehe es um ein Thema, das sowohl gesundheitspolitisch als auch aufgrund des vermittelten Frauenbildes gleichstellungspolitisch Relevanz habe, sagt die Berliner Juso-Landesvorsitzende Annika Klose.

Von der SPD-Nachwuchsorganisation stammte auch der Antrag auf staatliche Förderung von feministischen Pornos, der am Sonnabend auf dem SPD-Parteitag beschlossen wurde. Künftig sollen demnach solche pornografischen Inhalte auch über die Mediatheken von ARD und ZDF verfügbar sein.

Na dann.

Mehr: www.tagesspiegel.de.

Gottes Wort ist wahrhaftig

Heinrich Bullinger über das Wesen von Gottes Wort:

Gott ist aber seinem Wesen nach wahrhaftig, gerecht, gut, rein, unsterblich und ewig. Daraus folgt, dass auch das Wort Gottes, das aus seinem Munde hervorgeht, wahrhaftig ist, gerecht, ohne List oder Falschheit, ohne Irrtum und böse Neigung, heilig, rein, gut, unsterblich und ewig. Denn der Herr sagt im Evangelium [Joh 17,17]: „Dein Wort ist Wahrheit.“ Und der Apostel Paulus sagt [2 Tim 2,9]: „Das Wort Gottes ist nicht gefesselt.“ Die ganze Schrift wiederum bezeugt [Jes 40,8; 1 Petr 1,25]:„Des Herrn iv Wort bleibt in Ewigkeit.“ Und auch Salomo sagt [Spr 30,5F.]: „Alle Rede Gottes ist lauter. Tue nichts zu seinen Worten hinzu, dass er dich nicht rüge und du als Lügner dastehest.“ Und David sagt [Ps 12,7]: „Die Reden des Herrn sind lautere Reden, sind Silber, das im Feuer geschmolzen und siebenmal von der Schlacke geläutert wird.“

H. Bullinger, Dekade 1, Schriften III, S. 57.

Vom Ursprung göttlicher Weisheit

Heinrich Bullinger über den Ursprung gesunder kirchlicher Lehre:

Alle christlichen Glaubenssätze und alle Grundsätze einer rechten, guten und gottgefälligen Lebensweise, kurz: alle wahre und göttliche Weisheit ist seit je den Zeugnissen und Urteilssprüchen des Wortes Gottes entnommen worden. So können auch heute wirklich weise Männer und treue, von Gott berufene Diener der Kirchen ihre Lehre aus keiner anderen Quelle als dem Worte Gottes schöpfen und wahrhaft begründen. Wer also das Wesen des Wortes Gottes und dessen Beschaffenheit nicht kennt, der ist selbst im Haus des Herrn und im Kreis der Hörerschaft Christi, aber auch beim Lesen der Heiligen Schrift nichts anderes als ein blinder, gehörloser und vernunftloser Mensch. Wenn also viele respektlos und nachlässig wirken, wenn sie die heiligen Predigten hören, beruht dies einzig darauf, dass sie die Kraft und wahre Beschaffenheit des Wortes Gottes weder recht verstehen noch sorgfältig genug erwägen.

H. Bullinger, Dekade 1, Schriften III, S. 57.

Staatsräson und Moralin helfen nicht

Markus M. Haefligers Artikel über die Legalisierung der Abtreibung in Irland zeigt drei Dinge: Erstens kann die Verbindung von Staat und Kirche eine Säkularisierung höchstens bremsen, nicht aufhalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine politisch erzwungene christliche Kultur die Basis verliert, ist hoch. Zweitens schreitet die Säkularisierung im katholischen Irland inzwischen rasant voran. Zudem wird drittens deutlich, dass die Abwendung vom christlichen Glauben konkrete Konsequenzen im ethischen Bereich hat. Die Freude über eine wachsende Kultur des Todes ist spürbar. 

Die 66 Prozent Ja-Stimmen beim Abtreibungsreferendum markieren eine Zeitenwende. Irlands Kirchengeschichte war jahrhundertelang ein Zerrspiegel von dessen Verhältnis zur grossen Insel auf der gegenüberliegenden Seite der Irischen See. Als die Reformation die Britischen Inseln erfasste, bäumten sich die Gläubigen vielerorts auf. Sie erkannten in den Edikten des Königs Henry VIII. Gesinnungslumperei und in der Konfiskation der Kirchenvermögen die Raffgier des Adels. In entlegenen englischen Kirchenprovinzen wurden die Aufstände unterdrückt, aber unter der Landbevölkerung Irlands behauptete sich der Katholizismus.

Ein frommer Lebenswandel hatte im 19. Jahrhundert Popularität erlangt als Gegenentwurf zu der als verlogen empfundenen Moral der britischen Herrschaft. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit 1922 wurde Strenggläubigkeit zur Staatsideologie. Der Freistaat übernahm ein verarmtes Staatswesen und konnte sich den Ausbau staatlicher Aufgaben nicht leisten, die Kirche sprang ein. So übte sie bis in die 1960er Jahre die Aufsicht über die Zensur aus. Während anderswo die Säkularisierung um sich griff, drängte Irland die Trennung von Staat und Kirche zurück. Das ging so weit, dass die Bischofssynode die Aufnahme diplomatischer Beziehungen durch Dublin mit dem Vatikan als «überflüssig» ablehnte, da sie sich für zuständig hielt. 

Mehr: www.nzz.ch.

Tim Keller: Vier Fragen, die wir klären sollten?

Tim Keller rät der PCA (Presbyterian Church in America), sich in den nächsten Jahren mit vier praktisch-theologischen Fragen auseinanderzusetzen (als Forschungsthemen):

  • das fehlende Gebet im Leben von Pastoren;
  • der Umgang mit Kontroversen im Zeitalter der Sozialen Medien;
  • die biblische Unterweisung von Jugendlichen, die stark von den kulturellen Narrativen unserer Zeit geprägt sind;
  • die (Wieder)-Entwicklung einer evangelistischen Gemeindekultur angesichts einer immer kritischer werdenden Öffentlichkeit.

Ich vermute, dass diese Fragen auch in anderen Bünden und Ländern von großer Bedeutung sind.

Also reinhören:

VD: ES

Das Ende des geheimen Deutschlands

Acht Jahre sind vergangen, seitdem die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule öffentlich geworden sind. Mehr als hundert Kinder, vor allem Jungen, wurden dort zwischen 1960 und 1990 von ihren Lehrern sexuell missbraucht (siehe z.B. hier und hier).

In die Etablierung der reformpädagogischen Erziehung war ein elitäres Netzwerk eingebunden. Illustre Namen waren mit der Bewegung, für die die Odenwaldschule ein pädagogisches Vorzeigeprojekt gewesen ist, verbunden. Bekannt sind gewiss Richard von Weizsäcker, von 1984 bis 1994 der sechste Bundespräsident, oder Marion Gräfin von Dönhoff, die langjährige Chefredakteurin und Mitherausgeberin der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT. Der spätere Mitbegründer der TAZ soll sogar aktiv in den Missbrauch involviert gewesen sein (siehe hier).

Derjenige, auf den sich die Reformpädagogen der Bundesrepublik gern beriefen, war der Dichter Stefan George. Er war so etwas wie ein geistiger Übervater der Reformpädagogik (siehe hier).

Inzwischen wird immer deutlicher, dass der George-Kreis nicht nur autoritär geführt wurde, sondern geradezu sektengleich die „Schüler“ abhängig machte. Eine zentrale Rolle spielte nach dem 2. Weltkrieg das von dem Deutschen Wolfgang Frommel betriebene „Castrum Peregrini“ in Amsterdam. Um zum engeren Kreis zu gehören, brauchte es eine initiierende Weihe. Das Ritual war, so vermutet man inzwischen, stark sexuell konnotiert. Da trafen sich deutsche und holländische Jungs und Männer, die bei rituellen Festen Efeukränze auf ihren Köpfen trugen und im Kerzenlicht George-Gedichte lasen. Einige Teilnehmer verglichen die Initiation mit einer Vergewaltigung. Es deutet auch viel darauf hin, dass es zwischen dem Geist Stefan Georges und der Odenwaldschule eine direkte Verbindung gab. Erste Opfer brechen ihr Schweigen. Finstere Abgründe deuten sich an (siehe auch diesen niederländischen Artikel).

Die FAS schreibt in der Ausgaben vom 13. Mai 2018 (Nr. 19, S. 45–46):

Zum ersten Mal wird im George-Kontext offen gesprochen und die Praktiken des Kults werden explizit benannt. Es ist nicht bloß einer, der jetzt spricht, es sind mehrere; nicht nur Männer, sondern auch Frauen, und möglicherweise werden ihnen noch andere folgen. Was bleibt übrig vom „geheimen Deutschland“, wenn die Geheimnistuerei wegfällt? Kann es sein, dass wir dabei zusehen können, wie eine Elite nicht nur demontiert wird, sondern sich mit ihren Mythen selbst demontiert?

Am 12. Juli hat der Dichter Stefan George 150. Geburtstag. Die Frage ist: Was gibt es zu feiern? Was gilt es zu benennen? Mit dem Jahrestag steht, so, wie es aussieht, vor allem der mit einer Kultur des Verschweigens verschränkte George-Kult ums Geheimnis zur Diskussion. Denn es ist ja nicht so, dass das Geraune und die Geheimnistuerei in der George-Forschung aufgehört haben. Es geht ja immer so weiter. Ulrich Raulff bestätigt am Telefon, dass in der George-Forschung, „soweit sie den Namen verdient“, der konservative, apologetische Flügel wieder Oberwasser erlangt habe. „Die Georgeaner, mittlerweile in der vierten Generation, vermeiden bis heute, Klartext zu reden, gerade was das Sexuelle angeht. Ich denke mittlerweile, dass das historisch eine enorme Vernebelung und moralisch ein entsetzlicher Schmus ist.“

„Das Ende des geheimen Deutschlands“ ist ein mutiger und empfehlenswerter Artikel, der hoffentlich dazu beiträgt, mehr Licht in das Dunkel des „pädagogischen Eros“ hineinzubringen. Leider ist er noch nicht öffentlich einsehbar. Er kann aber über ein Probeabo oder einen Tagespass gelesen werden: www.faz.net.

Marx hat den Kapitalismus nicht verstanden

Der katholische Moraltheologe Martin Rhonheimer hat sich – wie ich übrigens auch – über die Verteidigung eines sanften und menschenfreundlichen Marxismus aufgeregt, die derzeit fast allerorts wahrnehmbar ist. Von katholischer Seite bemüht Kardinal Marx gern die Marxsche Kritik des Kapitalismus, so wie etwa in der Talkshow mit Anne Will am 6. Mai 2018 oder in einem Interview mit der FAS am 29. April (Nr, 17, S. 28–29):

Marx ist gewiss nicht der Auslöser der Sozialen Marktwirtschaft, aber seine Analyse und Kritik des Kapitalismus hat viele inspiriert und angeregt, eine bessere Antwort auf einen ungezügelten Kapitalismus zu finden, darunter übrigens auch die katholische Soziallehre. Es gehe in der Geschichte immer dialektisch zu, schreibt der Philosoph Hegel. An dieser Dialektik der Geschichte hat auch das Marxsche Denken seinen Anteil.

Martin Rhonheimer hat sich eine Woche später, ebenfalls in der FAS, dazu geäußert (06.05.2018, NR 18, S. 27):

Die notorische Wirtschaftsferne der katholischen Soziallehre erklärt auch ihre Anfälligkeit für Marxsche Denkmuster. Jüngstes Beispiel: Namensvetter Kardinal Marx im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) am vergangenen Sonntag. Einmal mehr zeigt sich: Der katholischen Sozialethik fehlt Verständnis für den im Kontext freier Märkte und des Wettbewerbs agierenden Unternehmer und deshalb dafür, wie Wertschöpfung und damit Wohlstand entsteht – wohlverstanden: Massenwohlstand. Sie meint, wir verdanken ihn der Sozialpolitik und den Gewerkschaften. Doch das ist sowohl ökonomisch wie auch historisch falsch.

Heute wissen wir, dass der Kapitalismus innerhalb weniger Jahrzehnte einstigen Luxuskonsum zum Massenkonsum gemacht hat. Hinsichtlich für die Lebensqualität grundlegender Aspekte wie Haushaltsgeräten, die das Leben, vor allem dasjenige der Frauen, tiefgreifend verändert haben, Ernährung, sanitären Einrichtungen, Kommunikations- und Verkehrsmitteln, Zugang zu Information und Bildung unterscheidet sich heute das Leben der Superreichen und des einfachsten Arbeiters im Vergleich zu früheren Zeiten nur unwesentlich. Der Prozess läuft weiter, auf globaler Ebene. Der Abstand zwischen reichen und armen Ländern verringert sich konstant.

Die Kirche ist berechtigterweise Anwalt der Schwachen und Notleidenden. Heute sind einige ihrer Exponenten aber mit ihrem auf – angeblich ungerechte soziale Ungleichheit zentrierten Diskurs zum Anwalt einer wohlstandsgesättigten Anspruchs- und Neidgesellschaft geworden. Damit bedienen sie Kräfte, die mit der Heilsbotschaft der Kirche und ihrem Ethos im tiefsten Widerspruch stehen. Zum Ärgernis vieler Christen – auch derer, denen wir unseren Wohlstand verdanken.

Siehe auch die Rezension von Christentum und säkularer Staat hier.

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