Pädagogik

Erlebnisräume in Kindertagesstätten

Nacktspiele oder Erlebnisräume in Kindertagesstätten lösen völlig berechtigt immer wieder das Entsetzen von Eltern aus. Dabei lassen die Bildungspläne der Bundesländer einen solchen „offenen“ Umgang mit Sexualität ausdrücklich zu. Sie orientieren sich an den Lehren des pädophilen Sexualforschers Helmut Kentler, wie Anna Kröning herausgearbeitet hat (siehe dazu auch hier). 

Zitat:

Eine Schlüsselrolle spielt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die 2016 zusammen mit den Ländern ein Rahmenkonzept entwickelte und seit 2011 „Standards für die Sexualaufklärung in Europa“ herausgibt. Die BZgA, eine Behörde des Bundesgesundheitsministeriums, übernahm 1992 die Hoheit über das Thema Sexualität, als ihr die Aufklärung zum Schwangerschaftskonfliktgesetz übertragen wurde. Dieses Gesetz zielte ganz klar auf Erwachsene und Jugendliche ab.

Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation WHO verschrieb sie sich dann aber einer „ganzheitlichen“ Sexualaufklärung. Diese beginnt bei Babys und erstreckt sich vom frühkindlichen über den schulischen Bereich bis zur Erwachsenenberatung. Sexualität sei „von Geburt an Teil der Persönlichkeitsentwicklung“. Von der BZgA stammt auch die Formulierung von „Lustgefühlen“ bei Säuglingen, die sich in einigen der Landesprogramme findet. In der Publikation „Über Sexualität reden“, das für Eltern bereitgestellt wird, findet sich die Formulierung der „körperliche Lusterfahrungen in Form von Lutschen und Saugen“ bei Säuglingen und dem Mund als „erste erogene Zone“.

Kinderschützerin Barbaric nennt solche Formulierungen „päderastisch anmutend“. Davon könnten sich tatgeneigte Menschen oder jene mit sexueller Präferenzstörung hinsichtlich einer Pädophilie angesprochen fühlen. Die These, Kinder seien „sexuelle Wesen von Geburt an“ sei nicht mit dem Straftatbestand vereinbar, dass sexuell motivierte Handlungen von und mit bis 14-Jährigen geahndet würden. „Wären Kinder sexuelle Wesen, gäbe es die Paragrafen 174 StGB und 176 StGB so nicht“, sagt Barbaric über die gesetzlichen Regelungen zum Missbrauch. Die Bundeszentrale verwende „nahezu identische Sätze“ zu den Äußerungen des verstorbenen Sexualpädagogen Helmut Kentler, jenes Psychologen, der Pflegekinder über 30 Jahre lang an pädophile Männer vermittelte und als Gutachter pädokriminelle Täter entlastet hatte.

Quelle: www.welt.de.

Zu viel Bildschirmzeit bei Kindern schadet

Nachfolgend zwei Zitate von  Martin Korte aus dem Artikel „Viel Bildschirmzeit schadet gerade den Gehirnen von Kindern und Jugendlichen“ (FAZ vom 15.07.24, Nr. 162, S. 18):

Man könnte also aus diesen Studien ableiten, dass die Bildschirmzeit (egal ob Smartphone, Tablet, PC oder Fernseher) für Kinder bis zum 14. Lebensjahr besonders stark reglementiert werden sollte – um jungen Gehirnen die Möglichkeit einzuräumen, in der direkten Interaktion mit Gleichaltrigen, mit Eltern und Freunden genügend Erfahrung sammeln zu können, um Gefühle und Gedanken anderer Menschen möglichst genau zu erkennen. Das Problem sind hier ausdrücklich nicht die sozialen Medien per se. Das Problem ist die fehlende Zeit der direkten Interaktion: Jugendliche können entweder auf Bildschirme schauen oder in die Gesichter anderer Mitmenschen, vor allem Peers, gleichaltrige Freunde, sind hier wichtig. Die Balance zählt und nicht ein Entweder-oder. Vielleicht gilt als Faustregel, dass die Welt umso realer sein sollte, je jünger Gehirne sind. Und vielleicht hilft es Schulen und Familien in der Durchsetzung dieser wichtigen Erziehungsaspekte, wenn es hier Warnhinweise und klar vereinbarte gesellschaftliche Regeln bis hin zu gesetzlichen Reglementierungen gibt.

Bemerkenswert sind auch die Befunde, dass die Spielzeit, die Eltern mit den Kindern verbringen, seit Jahren abnimmt, ganz im gegenläufigen Trend der Nutzung digitaler Medien, wie der „Freizeit Monitor“ der Stiftung für Zukunftsfragen schon vor einigen Jahren zeigte. Und „Spiele spielen“, gerade freies Spielen in der Interaktion mit anderen, schult Kinder und Jugendliche darin, selbst Entscheidungen zu treffen und Aspekte ihres Lebens mit zu gestalten.

Wenn elterliche Ängste die Kinder prägen

Der Psychologe Rüdiger Maas erklärt in einem FAZ-Interview, was passiert, wenn Ältere den Kindern ihre Ängste vorleben: 

Wir leben die Ängste ganz stark vor. Als ich ein Kind war, hatten wir Tschernobyl, den Jugoslawienkrieg, sauren Regen, HIV. Jedes Jahr war eine Krise. Aber wir hatten keine panischen Eltern, die jeden Tag den Kindern eingeredet haben, wie schlimm alles ist. Die Uni Zürich hat analysiert, dass etwa 90 Prozent der heutigen Eltern alle Unwägbarkeiten ihrer Kinder ergoogeln. Von denen gehen allerdings 90 Prozent davon aus, dass die Google-Treffer gar nicht stimmen. Es herrscht komplette Verunsicherung. Wir haben seit 2010 mehr Erwachsene, die keine Kinder haben, als Erwachsene mit Kindern. Dadurch habe ich in meiner Peergroup weniger Leute, auf die ich zurückgreifen kann, wenn ich mich frage, warum mein Kind schreit. Wir verunsichern uns selbst und nehmen den Jüngeren dadurch die Hoffnung.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Wie sehr Bildschirme Kindern schaden

Der Neurobiologe Martin Korte erklärt im WELT-Interview, warum Kinder unter dem 10. Lebensjahr möglichst nicht vor einem Bildschirm sitzen sollten:

Menschen lernen die Welt am besten zu interpretieren, wenn sie selber dabei aktiv sind. Interaktion ist sehr wichtig. Wenn wir die Umwelt passiv sehen, bleiben viele Signale unverstanden. Das führt dazu, dass Stressreaktionen ausgelöst werden. Und es kann gestört werden, wie sich unsere Wahrnehmung mit dem Gefühlszentrum verbindet. Eine chinesische Studie hat fünf- bis zehnjährige Kinder untersucht, die mehrere Stunden täglich mit Smartphones, Tablets und Fernseher verbracht hatten. Man hat Entwicklungsdefizite im Sprachzentrum des Gehirns nachgewiesen. Bei einem sich stark entwickelnden Gehirn muss man deutlich restriktiver mit der Bildschirmzeit umgehen als bei älteren Gehirnen.

Bewegungsreize sind starke Entwicklungsreize für das Gehirn; es werden Stoffe ausgeschüttet, die dazu führen, dass das Gehirn sich besser vernetzt. Wenn Kinder sich nicht bewegen, können Entwicklungsdefizite eintreten. Bei Kleinkindern, die angeschnallt auf dem Rücken der Eltern liegen, wie das bei einigen afrikanischen Stämmen lange der Fall war, hinkt die kognitive Entwicklung um Jahre hinterher. Man kann das beobachten: Wenn Kinder anfangen zu laufen, fängt der Spracherwerb an, die kognitive Revolution geht los. Die Kinder machen einen Entwicklungssprung und begreifen die Welt im wahrsten Sinne des Wortes besser; in der Sprache verstehen sie komplizierte Zusammenhänge und aus Ein-Wort-Äußerungen werden 2-4-Wortsätze mit beginnender Grammatik. 

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Großbritannien verbietet Aufklärung über Transidentität an Schulen

Während Deutschland die Regierung vom Selbstbestimmungsgesetz schwärmt, setzt die britische Regierung ihren strikten Anti-Transgender-Kurs fort. Neue verbindliche Richtlinien sollen das Thema Geschlechtsidentität gänzlich aus den Schulen verbannen. Mandoline Rutkowski berichtet aus London: 

Innerhalb der konservativen Partei wird die Existenz eines Geschlechts jenseits der Mann-Frau-Binarität infrage gestellt. In einer Ankündigung der Regierung heißt es, dass die überarbeiteten Richtlinien für Beziehungs-, Sexual- und Gesundheitserziehung (RSHE) sicherstellen sollen, dass die unterrichteten Inhalte „faktenbasiert“ und „angemessen“ sind.

Den Schulen ist es künftig untersagt, Sexualerziehung vor der fünften Klasse, also vor dem neunten oder zehnten Lebensjahr der Schüler, zu unterrichten. Auch die „umstrittene Theorie der Geschlechtsidentität“ darf nicht mehr behandelt werden.

Bisher heißt es in den Richtlinien für Schulen lediglich, dass Schüler in einem „angemessenen Alter“ über Geschlechtsidentität aufgeklärt werden sollen, ohne dass ein Alter konkretisiert wird. Eltern haben außerdem das Recht, die Unterrichtsmaterialien einzusehen. Die neuen Regeln werden rechtsverbindlich sein, wann sie in Kraft treten, ist noch offen. Auf Nachfrage von WELT, welche Konsequenzen bei Nichteinhaltung drohen, äußerte sich das Bildungsministerium nicht konkret.

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Ein bedrohlicher Teufelskreis für Juden unter uns

Jüdische Eltern schicken ihre Kinder wieder auf jüdische Schulen und sorgen sich um ihre Sicherheit. Die Öffentlichkeit nimmt das einfach hin, als traurige Normalität. Heike Schmoll kommentiert die Entwicklung mit besorgten und zugleich klaren Worten: 

Jüdische Eltern haben vielerorts ihre Kinder von allgemeinen Schulen genommen und sie auf jüdische Institutionen geschickt, wo die Kinder gut bewacht hinter Mauern und Zäunen mit anderen jüdischen Kindern lernen. Nicht selten werden sie von den Eltern abgeholt, weil sie nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren sollen.

Jüdische Symbole werden nicht mehr offen getragen, es werden keine jüdischen Lieder gesungen, wenn andere zuhören können, und schon gar nicht wird Hebräisch gesprochen. Wie lange will die Öffentlichkeit hinnehmen, dass Juden sich wieder verstecken und in ständiger Angst leben müssen? Der Teufelskreis der Sicherheit statt Sichtbarkeit muss jetzt durchbrochen werden, weil es um die Zukunft des Zusammenlebens geht.

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Folgen der Bildschirmzeit bei Kindern

Kleine Kinder unter drei Jahren sollten keine Zeit vor Bildschirmen und Fernsehern verbringen. Dennoch passiert es. US-Forscher haben die Auswirkungen untersucht. Die Ergebnisse sind beunruhigend – und sollten Eltern alarmieren. DIE WELT schreibt:

Bei einjährigen Kindern führte jede Bildschirmaktivität zu einer um 105 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit, „starke“ sensorische Verhaltensweisen anstelle von „typischen“ zu zeigen – verglichen mit Kindern, die nicht fernsahen. Die „starke“ Sinneswahrnehmung war bei den knapp drei Jahre alten Kindern bereits mit einer Wahrnehmungsstörung verbunden.

Bei zweijährigen Kindern führte jede zusätzliche tägliche Stunde vor dem Bildschirm zu einer 20 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit, nach 33 Monaten eine „hohe“ Sensationslust oder ausgeprägte Sinnesvermeidung zu entwickeln.

Die Liste der Beeinträchtigungen ist lang. Forscher beobachten bei Säuglingen und Kleinkindern in diesem Zusammenhang Schlafstörungen, verminderte Aufmerksamkeit und Sprachverzögerung; Probleme werden von ihnen nur verzögert gelöst. Auf die Entwicklung von ADHS und Autismus, so die Vermutung, kann sich verstärkte Bildschirmzeit ebenfalls auswirken.

Laut einer wissenschaftlichen Recherche verbrachten im Jahr 2014 Zweijährige und Jüngere in den USA täglich durchschnittlich drei Stunden und drei Minuten pro Tag vor dem Bildschirm. 1997 hatte die Zahl noch bei 79 Minuten gelegen. Die American Academy of Pediatrics (AAP) rät bei Kindern unter zwei Jahren davon ab, vor dem Bildschirm zu sitzen oder liegen. Live-Video-Chat wird von der AAP als möglich erachtet, da die stattfindende Interaktion einen eventuellen Nutzen bringt, etwa im Austausch mit Großeltern.

Die wichtigste Aussage lautet meines Erachtens: „Nicht nur die Zeit vor dem Bildschirm wirkt sich entscheidend auf die Wahrnehmungsfähigkeiten der Kinder aus. Sondern ebenso, dass sie dabei alleine sind, ohne Eltern und Interaktion mit der realen Welt. Die mangelnde Beschäftigung mit Bezugspersonen schadet den Kleinkindern ebenfalls. Etwas fehlt.“

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Die Väterverunsicherung

Früher war klar: Der Vater ist das Familienoberhaupt und bringt dem Sohn Disziplin und Leistung bei. Heute gilt es schon als toxisch, wenn Väter ihre Jungs zur Männlichkeit erziehen. Das führt zu einer weitreichenden Verunsicherung im Blick auf das Selbstverständnis der Väter. Susanne Grautmann schreibt dazu in der FAZ:

Die Idealbilder, Vorstellungen und Anforderungen, die die Gesellschaft für moderne Familien und Väter formuliert, will er sich auf keinen Fall zum Maßstab machen. „Wenn ich mich umblicke, sehe ich so viele Familien, die sich so unter Druck setzen, alles perfekt hinzukriegen, dass sie am Ende komplett überfordert sind.“ Diesem Anspruch, alles richtig zu machen, will er genauso wenig gerecht werden wie dem Ideal des modernen Vaters: Erfolgreich im Job soll der sein, dazu ein Top-Vater und Partner, sportlich, gesund – das könne man doch gar nicht alles gleichzeitig erfüllen.

Ahnert weiß, woher die Überforderung kommt, die viele derzeit empfinden: „Das gegenwärtige Vaterbild weist nach wie vor viele Merkmale des alten auf, die der Versorgung und dem sozialen Status der Familie gelten. Zugleich ist es aber mit neuen Ansprüchen angereichert.“ Kurz: Mann soll nicht nur Karriere machen, sondern auch wickeln, vorlesen, Elterngespräche führen und kochen. Und dabei auch noch männlich herüberkommen. Aber was heißt das überhaupt? Alexander Cherdron, der selbst ein Buch über Väter und Söhne veröffentlicht hat, glaubt, dass die Verunsicherung umso tiefer greife, als die Männlichkeit an sich gerade in der Krise stecke. „MeToo“ und andere MachtmissbrauchsSkandale hätten ihre Spuren hinterlassen: „Viele Väter fragen sich, wie männlich sie eigentlich noch sein dürfen oder ob sie selbst auch Anteile toxischer Männlichkeit in sich tragen.“ Sie seien unsicher, wie sie sich verhalten sollen, um ein gutes role model für ihre Söhne abzugeben.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Bindungstheorie und Identitätspolitik

Bindung beschreibt in der Bindungstheorie die emotionale Beziehung zwischen einem Kind und seinen primären Bezugspersonen, meist den biologischen Eltern. So bezeichnet man das Bindungsverhalten als jene Muster, die die Qualität einer Eltern-Kind-Bindung widerspiegeln. Die Bindungstheorie setzt voraus, dass Menschen ein natürliches Bedürfnis nach engen Beziehungen zu ihren Mitmenschen besitzen und Störungen dieser emotionalen Stress provozieren.

In dem Fachtext Grundlagen der Bindungstheorie von Karoline Kirschke und Kerstin Hörmann heißt es zur Bedeutsamkeit von Bindung:

In Bowlbys Buch „Bindung als sichere Basis“ verdeutlicht er „die unverzichtbare soziale Funktion der Eltern“ (Bowlby 2008, 3). Bowlby verweist dabei auf diverse Studien, die bestätigten, dass zufriedene, gesunde und selbstbewusste Jugendliche meist in stabilen Familien aufwuchsen, in denen sie viel Aufmerksamkeit und Zuwendung von den Eltern erhielten (vgl. Bowlby 2008, 3). Vor allem solche sicher gebundene Kinder seien in der Lage affektive Stressmomente zu bewältigen. Zudem seien sie im Unterschied zu unsicher gebundenen Kindern fähiger Probleme zu lösen, wenden sich aufmerksamer Aufgaben zu und besäßen ein ausgeprägteres Selbstwertgefühl. Je mehr ein Kind sich auf die Verfügbarkeit seiner Fürsorgeperson verlassen kann, desto mehr kann es sich Neugierde, Erkundungsdrang und dem Spiel hingeben. Durch die Fürsorge der Bindungsperson kann das Kind ein soziales Verhalten ausbilden, welches ihm erleichtert, positiven sowie negativen Situationen entgegenzutreten (vgl. König 2009, 101f.).

Die Erkenntnis über die wesentliche Bedeutung der elterlichen Fürsorge in den ersten Lebensjahren eines Kindes für dessen spätere seelische Gesundheit beschreibt Bowlby als enormen Fortschritt der Psychiatrie. Es bestünde Einigkeit darüber, dass die Basis für psychische Gesundheit und Charakterbildung bereits im frühkindlichen Alter entsteht.

Grundlage hierfür sei eine herzliche, innige und konstante Beziehung des Kleinkindes zu einer gleich bleibenden Bezugsperson – meist zur Mutter. Ein langfristiger, dauerhafter Entzug der mütterlichen Zuwendung wurde nach Bowlby als „Mutterentbehrung“ bezeichnet. Die Einschränkung des Kindes durch die Mutterentbehrung werde umso erheblicher, je weniger vertraut die stellvertretende Betreuungsperson dem Kind sei (vgl. Bowlby 2010, 11).

Nicht alle erfreut die neue Lust am bindungsorientierten Erziehen. Lisa Kreuzmann hat in der Wochenzeitschrift DIE ZEIT sogar die These aufgestellt, dass das „Attachment Parenting“, wie es im Englischen heißt, unter Rechtsradikalen und Evangelikalen besonders gut ankäme, weil es in diesen Milieus sowieso schon die Faszination für ein biologistisches Familienbild sowie Vorbehalte gegenüber einer Fremdbetreuung von Kindern gäbe.

Zitat:

Die Bindungsorientierung ist von Anfang an mehr als ein feinfühliger Erziehungsstil achtsamer Eltern gewesen. Mit ihrer Rückbesinnung auf vermeintlich natürliche Instinkte von Müttern bietet sie ein offenes Tor für mütterverherrlichende Glaubenssätze.

Der Artikel enthält viel Stoff für eine sachlich-kritische Bewertung und ich hoffe, dass sich jemand damit auseinandersetzt. Auf ein Phänomen möchte ich hier schon mal hinweisen. Gern wird identitätspolitisch argumentiert. So wird unter Berufung auf eine schwedische Forschungsarbeit der bindungsorientierten Elternszene im deutschsprachigen Raum vorgeworfen, dass zu ihr vor allem weiße Frauen aus der Mittelschicht gehörten. Ich zitiere:

Eine schwedische Forschungsarbeit University aus dem Jahr 2022 hat deutschsprachige Onlinedebatten innerhalb der bindungsorientierten Elternszene untersucht und festgestellt: Die Szene ist entgegen ihrer lautesten Stimmen mehrheitlich weder liberal noch divers. Es sind vor allem weiße Frauen aus der Mittelschicht, die dort aushandeln, was Mutterschaft bedeutet, wer Verantwortung für die Kinder trägt und was daraus folgt. Darunter nur wenige Mütter, die sich als Feministinnen oder Antirassistinnen verstehen, heißt es in der Studie. Dagegen viele Frauen, für die Mutterschaft der eigenen Selbstheilung im Sinne der esoterischen New-Age-Bewegung dient, und die laut Studie in Teilen neurechte Verschwörungserzählungen verbreiten. Und schließlich Frauen, denen es darum geht, die traditionelle Mutterrolle zu ehren. Die Rhetorik von der sicheren Bindung wird dort gezielt herangezogen, um konservative und oftmals mütterzentrierte Politik zu machen, die in Teilen von einem biologistischen Familienbild geprägt ist.

Man wundert sich, dass im deutschsprachigen Raum auf Instagram vor allem weiße Frauen angetroffen werden (die – ach du Schreck – auch noch in deutscher Sprache kommunizieren). Wen erwartet man denn da? Apropos Forschungsarbeit. Es gibt nur eine Autorin. Es handelt sich um die Masterarbeit „Attachment-Oriented Motherhood and the German New Right on Instagram“ im Fach Gender Studies. Datenbasis sind 45 Instagram-Posts und die dazugehörigen Kommentare. Kann man machen. Aber sollte so ein Projekt dafür herangezogen werden, die bindungsorientierte Erziehung zu kritisieren?

Eine konstruktiver Diskurs sieht meiner Meinung nach anders aus. Ich habe den Verdacht, dass Lisa Kreuzmann ungewollt schon im ersten Absatz ihres ZEIT-Beitrags offenlegt, was sie an den Eltern, die sich gern selbst um ihre Kinder kümmern, doof findet:

Wenn Romy Richter vom „natürlichen Bindungsbedürfnis“ eines Kindes spricht, spricht sie von Gott, von Hingabe und von Gefolgschaft. „Gott hat Familie geschaffen und er hat Freude daran, wenn Eltern sich hingebungsvoll um seine Schöpfung kümmern“, sagt die selbstständige Referentin für Bindung aus Chemnitz. Mit ihrem Verein Nestbau setzt sie sich für ein Familienmodell ein, das politisch nicht mehr gewollt sei: eine Mutter, die in den ersten drei Lebensjahren bei ihrem Kind ist – und nicht im Beruf. „Kitas sind ein Konkurrenzangebot zur sicheren Mutter-Kind-Bindung, das scheint vielen nicht bewusst zu sein“, sagt die 42-Jährige. Eltern und vor allem Müttern möchte die evangelische Christin, die selbst Mutter ist, Mut machen, einen anderen Weg zu gehen. „Wenn Eltern ihre Kinder prägen wollen, wenn sie wollen, dass sie ihnen folgen, loyal sind und zu ihnen aufschauen, brauchen sie die Bindung“, sagt Romy Richter. Und dazu gehöre es mitunter, dass eine Mutter ihre Bedürfnisse zugunsten kleiner Kinder auch mal hintanstellt.

Hier der Artikel (hinter einer Bezahlschranke): www.zeit.de.

Wenn Kinder andere Wege gehen

Cover Wenn kinder andere Wege gehen

Was tun, wenn die eigenen Kinder als Jugendliche oder junge Erwachsene die christlichen Wege verlassen, die ihre Eltern ihnen gezeigt und vorgelebt haben? Angesichts der schieren Anzahl an Lebensentwürfen, die sich Kindern in einer Multioptionsgesellschaft bieten, sehen sich viele Eltern mit solchen Fragen konfrontiert, nicht selten auch von ihnen überfordert. Eine gute Navigationshilfe, wie man in solchen Lebensphasen heranwachsenden Kindern mit Klarheit und Liebe begegnet, bieten die Autorinnen Regula Lehmann und Nicola Vollkommer in ihrem Buch Wenn Kinder eigene Wege gehen.

Klaus Hickel hat es gelesen und schreibt: 

Auch wenn sich daraus nicht immer eine einfache Lektüre ergibt – dies gilt in besonderem Rahmen für Eltern, die sich in ähnlichen Situationen wiederfinden – dominiert doch durch das gesamte Buch ein positiver Grundton. Es ermutigt Eltern, die Lösung nicht in „ausweichendem Schweigen, harmoniesuchendem Rückzug oder liberal-progressivem Umschwenken“ (auf zeitgeistliche Überzeugungen, Anm. des Rezensenten) zu suchen (S. 9). Stattdessen bezeugt ein im Erwachsenenalter zurückgekehrtes Kind, wie durchaus hilfreich sich „liebevolle Strenge“ vonseiten der Eltern erwiesen hat. Nicht selten muss aus „angelerntem“ Glauben eine echte Gottesbeziehung werden, auch wenn dabei Jugendliche in einer Phase der Abkehr vom Glauben nicht selten in ein tiefes Loch fallen. Dabei hat sich in solchen Zeiten das überzeugte Festhalten der Eltern an dezidiert biblischen Werten und entsprechendem christlichen Handeln als wegweisend für die spätere Rückkehr der Kinder erwiesen: „Die Werte aufzuweichen ist in einer Zeit wie heute keine Option“, berichtet Niko, der nach einer Zeit der Glaubensabkehr wieder zur Nachfolge Christi zurückkehrte (S. 140).

Mehr: www.evangelium21.net.

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