„Das Autismus-Spektrum ist gescheitert“

Die in London lehrende Deutsche Uta Frith ist eine Pionierin der Autismusforschung. Sie trug maßgeblich dazu bei, den Begriff „Spektrum“ zu etablieren. Mittlerweile glaubt sie jedoch nicht mehr daran.

In einem Interview hat sie kürzlich, wie Die WELT berichtet, erklärt:

Im Interview mit dem „TES Magazine“ (früher „Times Educational Supplement“) schlägt Frith vor, künftig besser zwischen zwei Untergruppen zu unterscheiden. Die eine seien „Menschen, die in der frühen Kindheit diagnostiziert werden – in der Regel vor dem dritten oder fünften Lebensjahr, abhängig von Dingen wie ihren intellektuellen Fähigkeiten und ihrer Sprache.“ Von dieser Gruppe zu unterscheiden sei die andere, die erst viel später diagnostiziert wird: „Diese besteht aus vielen Jugendlichen, darunter viele junge Frauen. Dabei handelt es sich um Menschen ohne intellektuelle Beeinträchtigung, die vollkommen in der Lage sind, verbal und nonverbal zu kommunizieren, die sich aber in sozialen Situationen sehr ängstlich fühlen können. Sie sind vielleicht vor allem durch eine Art Überempfindlichkeit gekennzeichnet.“

Es ist laut Frith die zweite Gruppe, die mit erschreckender Geschwindigkeit wächst, während die Wachstumsrate der ersten Gruppe nur moderat ist. Und bei autistischen Kindern mit geistiger Behinderung habe es sogar überhaupt keinen Anstieg gegeben: „Diese Gruppe scheint ziemlich stabil zu sein.“

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

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9 Minuten zuvor

Das gute ist, dass man in der jüngsten Forschung genetische Marker gefunden hat, die sowohl mit Autismus als auch mit Fehlbildungen im Verdauungssystem assoziiert sind – also klare körperlich messbare Erbgutschäden. Das wird zukünftig helfen, auch bei Erwachsenen Diagnosen objektivieren zu können und die Forscher näher an die immer noch im Dunkeln liegenden Ursachen bringen.

Die Schwierigkeit besteht ja letztlich darin, dass die Hirnforschung nach wie vor nichts auf die Kette bekommt, aber die Gastroenterologie ist da schon etwas weiter. Die haben inzwischen hochauflösende Instrumente, mit denen man auch etwas sehen kann.

Die Deutsche wäre jetzt nicht erste „Pionierin“, der nicht gefällt, wie sich sich ihr Fachbereich entwickelt hat. Wissenschaft ist eben immer nur der aktuelle Stand des Irrtums. Auch sie wird damit klarkommen müssen, dass man sich irgendwie über sie hinausentwickelt.

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