März 2016

Die Freundlichkeit Luthers

Am 20. November 1539 beschrieb Calvin in einem Brief an seinen Freund Farel, wie wertschätzend Luther sich in einem Schreiben an Martin Bucer zu ihm geäußert hatte. Da sage doch mal einer, die Reformatoren seien kaltherzig gewesen!

… Krafft, einer unserer Buchdrucker, kam neulich von Wittenberg zurück und brachte einen Brief Luthers an Butzer mit, in dem stand: „Grüße mir Sturm und Calvin ehrerbietig; ich habe ihre Büchlein mit großem Vergnügen gelesen.“ Nun erinnere dich an das, was ich dort vom Abendmahl sage und bedenke Luthers Aufrichtigkeit. Leicht ists jetzt zu sehen, wie wenig Grund die haben, die sich so hartnäckig von ihm fernhalten. Philippus aber schrieb: „Luther und Pommer lassen Calvin und Sturm grüßen. Calvin ist sehr in Gunst gekommen.“ Ferner ließ Philippus durch den Boten erzählen, man habe, um Luther aufzuhetzen, ihm gezeigt, wie scharf er samt den Seinen von mir getadelt werde. Er habe also die Stelle näher angesehen und gemerkt, dass sie ohne Zweifel auf ihn gehe. Schließlich habe er gesagt: „Ich hoffe, er wird einmal besser von uns denken; es ist nur billig, dass wir von einem so tüchtigen Geist einmal etwas hinnehmen.“ Wenn uns nun solche Mäßigung nicht überwände, wir müssten wahrlich von Stein sein. Ich bin überwunden. So habe ich etwas geschrieben, das ihm Genugtuung leistet; das soll ins Vorwort zum Römerbrief eingerückt werden. Wenn du noch nicht gelesen hast, was Philippus über die Autorität der Kirche schreibt, so lies es, bitte. Du wirst ihn da viel mutiger sehen, als er in seinen andern Schriften schien. Capito, Butzer, Sturm, Hedio, Bedrot und Andere grüßen freundlich. Grüße auch alle Brüder, bitte, gar sehr.

Leb wohl, bester Bruder.

Straßburg, 20. November.
Dein Calvin.

[Die Anführungsstriche habe ich eingefügt, um den Brief lesbarer zu machen. Für ihre Korrektheit kann ich nicht garantieren.]

Gefunden habe ich den Brief auf der wunderbaren Seite von Andreas: www.glaubensstimme.de. Danke für diesen wertvollen Dienst, es lohnt sich!

Spurgeon-Konferenz 2016

Spurgeon 2016web 2In der Zeit vom 18. bis 21. Mai 2016 wird es in München wieder eine Spurgeon-Konferenz geben. Die Konferenz, benannt nach Charles Haddon Spurgeon, „the Prince of Preachers“, möchte Christen aufzeigen, wie sie Gottes Wort besser verstehen, auslegen und verkündigen können. Die Unterrichtseinheiten und Vorträge ermutigen, Gott beim Wort zu nehmen und es für die Zuhörer verständlich zu kommunizieren. In Gruppenarbeiten wird das Erlernte weiter vertieft und praktisch angewandt.

Wir freuen uns, dass in diesem Jahr Andrew Page das Johannesevangelium auslegen wird. Andrew Page ist Engländer. Er hat 20 Jahre in Österreich sowohl unter Studenten sowie als Pastor einer Baptistengemeinde in Innsbruck gearbeitet. 2007 kehrte er nach England zurück. Seine Arbeit hat jetzt zwei Schwerpunkte: Er setzt sich weltweit für das sogenannte Markus-Experiment (engl. „mark drama“) ein, bei dem 15 Christen aus einer Gemeinde oder einer Studentengruppe jede Begebenheit im Markusevangelium als Rundtheater aufführen. Außerdem ist ihm die Förderung der Auslegungspredigt ein großes Anliegen.

Die Konferenzsprache ist Deutsch. Die Teilnahmegebühr beträgt 60,- Euro.

Hier gibt es einen Flyer: spurgeon_2016we.pdf. Eine Möglichkeit zur Anmeldung gibt es auch: www.bucer.de.

Frauen im Dienst

Eowyn Stoddard, selbst seit vielen Jahren Missionarin in Berlin, hat für Evangelium21 mit einigen Frauen über ihren Alltag im geistlichen Dienst gesprochen.Es geht um Fragen wie: Wie geht eine ledige Missionarin mit Einsamkeit um? Welche besonderen Glückseligkeiten und Sorgen zeigen sich im Leben einer Pastorenfrau?  Was tun Mütter, wenn sie die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht haben, aber dennoch in Familie und Gemeinde gefordert sind?

Eowyn, die bei der diesjährigen Konferenz zu einem Mittagessen für „Frauen im Dienst“ geladen hat, schreibt:

Nach der letzen E21-Konferenz 2015 merkte ich, wie viel Gesprächsbedarf und Ermutigung die Frauen in der Runde brauchten. Viele von diesen Frauen waren hungrig nach Gottes Wort und hatten Ehrgeiz zu lernen und in ihren Gemeinden aktiv zu dienen. Einige waren Pastorenfrauen, die sich oft einsam fühlten, oder Frauen, die bestimmte Verantwortungen in ihren Gemeinden trugen. Als Ermutigung, dachte ich, wäre es interessant von Frauen zu hören, die ein Leben im geistlichen Dienst führen, wie sie ihr Leben im Reich Gottes empfinden und ausleben. Ich habe 10 Frauen interviewt. Sie sind Pastorenfrauen, Gemeindegründerfrauen, Seelsorgerinnen oder Teil eines wichtigen Dienstes in einer Gemeinde oder Gemeindegründung. Ich wurde von ihren Zeugnissen und Geschichten sehr ermutigt und möchte ihre Antworten mit Euch teilen.

Hier Teil 1: www.evangelium21.net.

„Die Masse waren Rassisten und Evangelikale“

Die Tageszeitung JUNGE WELT hat sich mit der „Demo für alle“ in Stuttgart beschäftigt und sieht in dem familienfreundlichen Bündnis eine Gefahr für die Demokratie. Nun darf man von einer linken Zeitschrift keine objektive Berichterstattung erwarten. Aber wenn Luigi Partisan die Behauptung aufstellt, die Polizisten hätten die linken Gegendemonstranten brutal verprügelt und die:

„große Masse der Anwesenden waren aber Rassisten, Neonazis und evangelikale Christen“;

so würde mich doch interessieren, wie das Teilnehmer der Demonstration wahrgenommen haben. Ich wäre alles andere als überrascht, wenn sich die Aussage als Ente entpuppte. Dass die Linken nicht zimperlich sind, wenn es um Stimmungsmache geht, ist auch daran abzulesen, dass die Fraktion der Grünen in Baden-Württemberg mit einer primitiven Bildmanipulation versucht hat, Angst vor den friedlichen Demonstranten zu schüren. Der Stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Winfried Mack, sagte dazu:

Der Grünen-Fraktion im Landtag ist anscheinend jedes Mittel Recht, die Stimmung im Land zu vergiften. Es ist undemokratisch, Menschen, die friedlich für oder gegen was auch immer demonstrieren, zu diffamieren. Die Grünen-Fraktion in Baden Württemberg hat nicht davor zurückgeschreckt, Bilder zu manipulieren, um die Demonstranten in Stuttgart zu verunglimpfen. Hinzu kommt, dass diese Tat von Beamten oder Abgeordneten der steuerfinanzierten Grünen-Fraktion im Landtag begangen wurde. Solange die Grünen nicht in der Lage sind, demokratische Grundregeln zu akzeptieren, können Sie mit ihrem holen Gerede von einer Politik des Gehörtwerdens nicht überzeugen. Das Grünen-Fraktionsmitglied Winfried Kretschmann muss sich für dieses Fehlverhalten seiner Fraktion entschuldigen. Wenn er es nicht tut muss davon ausgegangen werden, dass er solche unlauteren Mittel im Wahlkampf gutheißt.

Also: Waren Rassisten und Neonazis unter den Demonstranten auszumachen?

Brecht, der Frauenversteher

Bertold Brecht schreib in seinem Tagebuch am 5. September 1920:

Neun Leute in Ottos Wohnung füllen sich nachmittags langsam mit Tee und Alkohol. Dann werden Witze gemacht, nicht mit dem Maul, sondern mit den Händen. Es sind vier Mädchen da, ich singe, aber dann schmeiße ich die Klampfe weg und reiße Otto ein Mädchen heraus (Hansi Haase), trage sie in das dadaistische Kabinett. Otto zerrt an mir herum, ich muß kämpfen wie ein Neger, dabei schlägt ihr Kopf an einen Stuhl, wummert an einen Schrank, haut an eine Holzwand, auf die Ottomane, wo ich die Flecken küsse, es ist dunkel, sie ist weich, warm, hübsch, wir balgen, aber sie mag nicht, es gehen Leute durch, ein Mädchen sagt: „Sie haben ein Gesicht wie ein Orang-Utan.“ Ich singe wieder, ein klein wenig betrunken, im Zylinder, sehe gemein aus, es ist eine Lästerhöhle, gefilmt wurde schon, wir stehen herum, ich fange an, unter den Salven des Klaviers, einen Monolog Malis auf ein Zeitungspapier zu schmieren, da verpatzt mir Das die letzten Möglichkeiten, indem er, mit Vergröberung, meine Leistung nachahmt, das Mädchen orang-utanhaft umschlingt, sie biegt, daß alles kracht, an die Wand schmeißt, ihr die Knochen entzweibricht, kurz: sie erzieht. Er hat keinen Erfolg, er pfuscht nur, sieht lakaienhaft aus, trüb, gefaltet, urninghaft, stammelt künstlich, mimt Naivität, mimt Brutalität, knirscht mit den Zähnen, hörbar in fünf Meter Umkreis, mahlt mit den Backenknochen, dampft von Vitalität, ist aber nicht beir Sache. Otto liegt, halbvoll, hinter dem Schreibtisch mit einer Maid und arbeitet hart. Er hat gut gefilmt, gut gesoffen, er sieht gut aus. Die Frauen sind dumm, ohne Rasse zumeist, ein dicker, schleimiger Jude sitzt da, die Müllegger im Arm, die ich brachte, die ich nie anrede, sie soll sehen, wie sie auf die Rechnung kommt, ich bin keine Kinderfrau, hinterher tut sie mir leid. Aber ich kann nichts machen gegen meine Abneigungen. Ottos Wohnung gleicht einem Trödelladen.

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