März 2016

Calvins zweite Gebetsregel

NewImageTim Keller schreibt in Beten (Gießen: Brunnen Verlag, 2016, S. 111–113):

Calvins zweite Gebetsregel lautet: „Wir sollen bei unserem Beten stets unseren Mangel wahrhaft empfinden …“ Was Calvin hieranspricht, könnte man auch „geistliche Demut“ nennen und dazu gehören sowohl ein tiefes Bewusstsein unseres Angewiesen-Seins auf Gott im Allgemeinen als auch im Besonderen die Bereitschaft, unsere Sünden zu sehen und zu bereuen. Calvin warnte vor der üblichen mittelalterlichen (und modernen) Sicht des Gebets als einer Frömmigkeitsveranstaltung, bei der man gleichsam in seinen Sonntagskleidern vor Gott tritt, um bei ihm Eindruck zu schinden. Er verwirft ohne Wenn und Aber die Vorstellung, man könne „Gott mit Gebeten günstig stimmen“ oder die Gebete als Gewohnheitsübung ableisten. Soll unser Gebet einen Sinn haben, müssen wir mit einer Haltung vor Gott treten, die das genaue Gegenteil ist. Wir müssen uns mit rücksichtsloser Ehrlichkeit unseren Fehlern und Schwächen, unseren Zweifeln und Ängsten und unserer inneren Leere stellen. Wir müssen uns vor jeder bloßen frommen Fassade hüten und in dem Bewusstsein vor Gott treten, dass unsere einzige Hoffnung in seiner Gnade und Vergebung liegt. Der Beter muss ein Bettler sein.

Solange ich das arme Opfer mime, an dessen Problemen immer die anderen schuld sind, aber doch nicht ich selber, suche ich Gott nicht von ganzem Herzen. Echtes Beten fordert mich dazu auf und befähigt mich, aufzuhören mit allen Selbstrecht-fertigungs-, Schuldverschiebe-, Selbstmitleid- und geistlichen Hochmutspielchen.

In dem Maße, wie es mir gelingt, mich von der Scheinrealität des Kreisens um mich selbst frei zu machen, wird mein Gebetsleben reicher und tiefer werden.

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Etwas ist schief gelaufen

Vor zehn Jahren habe ich eine Buchbesprechung zu der Publikation:

  • Bernward Büchner u. Claudia Kaminski (Hg.). Lebensschutz oder kollektiver Selbstbetrug?: 10 Jahre Neuregelung des § 218 (1995–2005), Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2006. ISBN 3-938116-017-X

veröffentlicht. Da das Thema nach wie vor ein heißes Eisen ist, stelle ich den Beitrag in das Blog und bedanke mich bei der Gelegenheit bei all den emsigen Leberschützern für ihren Einsatz!

Etwas ist schief gelaufen

Die Reform des § 218 von 1995 konnte den Schutz ungeborener Kinder nicht verbessern

Die Reform des §218 von 1995 sollte den Lebensschutz ungeborener Kinder verbessern. Nach zehn Jahren zeigt sich, dass das Ziel verfehlt worden ist. Die relative Abtreibungshäufigkeit nimmt seit Jahren zu. Das gesetzliche Beratungskonzept hat zu einem Verlust des Unrechtsbewusstseins geführt. Seine Praxis offenbart deutliche Mängel. Die Frage drängt sich auf, ob nicht der Glaube an den Schutzeffekt des Konzepts sich als kollektiver Selbstbetrug erweist.

Richter Bernward Büchner, seit 2002 stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht e.V., und die Ärztin Claudia Kaminski, seit 2001 Vorsitzende des Verbandes, haben ein Buch herausgegeben, das zur längst überfälligen Auseinandersetzung mit dem deutschen Beratungskonzept und seinen Auswirkungen anregen soll. Die Publikation, die im Wesentlichen Beiträge aus einem Symposium des Verbandes wiedergibt, behandelt die Problematik auf unterschiedlichen Ebenen.

Christian Hillgruber, Professor für Öffentliches Recht an der Universität Bonn, zieht in seinem verfassungsrechtlichen Beitrag eine kritische Bilanz des letzten Jahrzehnts. Die gesetzliche Ausgestaltung der Beratungsregelung und die staatliche Finanzierung beratener Schwangerschaftsabbrüche hätten angesichts des durch die Verfassung gebotenen Schutzes ungeborenen Lebens zu einer Deformation und Erosion des Rechtsbewusstseins geführt. Der ins Gesetz eingegangenen Formulierung, dass nämlich ein Schwangerschaftsabbruch „rechtswidrig, aber nicht strafbar“ sei, liege eine juristisch zwar nachvollziehbare, aber praktisch kaum umsetzbare Unterscheidung zugrunde. Wie solle der Normalbürger verstehen, „dass eine Handlung verboten ist, und der Staat, ein Rechtsstaat, sie dessen ungeachtet einfach geschehen lässt, ja mehr noch, sie zugleich als öffentlich geschuldete Dienstleistung betrachtet“? Hillgruber plädiert dafür, das Lebensrecht der Ungeborenen entschlossen zu verteidigen. Die lebensfeindliche Rechtspraxis dürfe nicht verniedlicht, sondern müsse offen ausgesprochen werden.

Auf einer ganz anderen Ebene behandelt die Ärztin und Psychotherapeutin Angelika Pokropp-Hippen das Thema. Die Traumatherapeutin behauptet anhand von Beispielen aus ihrer eigenen Praxis, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Post-Abortion-Syndrom als Erkrankung nach Abtreibungen und dem Krankheitsbild der postraumatischen Belastungsstörung gibt. Der Begriff der posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD von Post-Traumatic-Stress-Disorder) stammt aus der therapeutischen Arbeit mit Vietnamveteranen. Im anglo-amerikanischen Raum wurden nach dem Vietnamkrieg zunehmend Fälle beschrieben, bei denen ehemalige Soldaten an unwillkürlich auftretenden Erinnerungsszenarien litten, die offensichtlich mit Traumatisierungen während der Kriegshandlungen zu tun hatten. Betroffene litten z. B. an Alpträumen, Amnesie, emotionaler Abstumpfung, Konzentrationsstörungen und Depressions- und Suizidgefahr. Heute dient PTSD auch zur Beschreibung von Fällen, die mit Folter, sexuellem Missbrauch und sozialer Diskriminierung in Verbindung stehen. Dr. Pokropp-Hippen versteht das Post-Abortion-Syndrom (PAS) als Sonderform der posttraumatischen Belastungsstörung. Jede Abtreibung sei ein Trauma. Auch wenn bisher zuverlässige Zahlen fehlten, könne davon ausgegangen werden, dass ca. 80 Prozent der Frauen nach einer Abtreibung seelisch und/oder körperlich traumatisiert sind und Symptome zeigen, für deren Beschreibung die PTSD geeignet sei. Frauen litten nach einem Schwangerschaftsabbruch oft an Depressionen, Angsterkrankungen, Beziehungsstörungen und Schuldkomplexen. Auch seien psychosomatische Erkrankungen mit Organmanifestationen beobachtbar. Dass das Post-Abortion-Syndrom in der Öffentlichkeit kaum Beachtung findet, läge an einer weitgehenden kollektiven Verdrängung in Wissenschaft und Politik. Es könne eben nicht sein, was nicht sein dürfe.

Manfred Spieker, seit 1983 Professor für Christliche Sozialwissenschaft am Institut für Katholische Theologie an der Universität Osnabrück, spricht in seinem Beitrag zur Lebensrechtsproblematik von einer Kultur des Todes. Eine Kultur des Todes möchte das Töten vom „Fluch des Verbrechens“ befreien. Seit 30 Jahren schleiche sich diese Kultur durch Deutschland, sie gebe vor, Leben zu schützen und Selbstbestimmung zu fördern, in Wirklichkeit aber sei sie angetreten, Menschenwürde zu relativieren und Ungeborene sowie Sterbende zu entsorgen. Sie bediene sich dabei – vergleichbar vielleicht mit dem Trojanischen Pferd – verschiedener Tarnkappen. Sogar die Statistik,  gern als Garant für Objektivität gefeiert, wäre oft nichts anderes als eine Tarnkappe. Die Meldepflicht bei Schwangerschaftsabbrüchen werde beispielsweise derart missachtet, dass das Statistische Bundesamt jedes Jahr vor den eigenen Zahlen warnen müsse.

Spiekers zweiter Betrag widmet sich den Spätabtreibungen. Frau Däubler-Gmelin, die ehemalige Justizministerin der rot-grünen Regierung, forderte im Jahre 1999 dazu auf, Spätabtreibungen zu unterbinden, wenn die Gesundheit der Mutter nicht gefährdet ist. Geändert hat sich an der abscheulichen Praxis jedoch nichts. Spieker vermutet sogar, dass die Spätabtreibungen seit Jahren zunehmen. Ein Rechtsstaat dürfe angesichts dieser bedrohlichen Entwicklung nicht kapitulieren, sondern müsse sich notwendigen Korrekturen stellen. Die positiven Entwicklungen in Polen, Portugal, Malta, Italien und in den USA in den vergangenen zehn Jahren zeigten, „dass die Rekonstruktion des Rechtsstaates möglich ist, wenn Gesetzgeber und Regierungen den Mut aufbringen, sich dem grauenvollen Geschehen wirklich zu stellen und den Legitimitätsbedingungen eines Rechtsstaats neue Geltung zu verschaffen“.

Martin Lohmann, lange Zeit Chefredakteur der „Rhein-Zeitung“, später Fernsehmoderator und heute freier Journalist, ist besorgt über eine schleichende  Bewusstseinsvernebelung. Die Medien förderten durch einen falschen Sprachgebrauch massenhaft falsches Bewusstsein. Man spräche z. B.  vom Abtreibungsrecht, obwohl ohne großen Rechercheaufwand zu ermitteln sei, dass es kein Recht auf Abtreibung gäbe. Medien und ihre Aufklärer hätten allen Grund, „gerade in Fragen des Lebensschutzes völlig tabufrei jede Angst vor Aufklärung mutig abzubauen – um echte Aufklärer im Sinne der Wirklichkeit des Lebens und seines Schutzes zu werden“.

Bernward Büchner, einer der Herausgeber des Bandes, verweist in seinen beiden Beiträgen mit deutlichen Worten auf den kollektiven Selbstbetrug der staatlich finanzierten Beratungspraxis hin. Für 90 Prozent aller nach Beratung erfolgten Abtreibungen trügen die Krankenkassen die Kosten. Das sei nichts anderes als staatlich subventionierte Tötung.

Veronika Blasel, freie Journalistin mit dem Schwerpunkt Bioethik, und Stefan Rehder, Redaktionsleiter der Zeitschrift „LebensForum“, weisen in ihrem gemeinsam verfassten Beitrag nach, dass Frauen immer häufiger abtreiben. Jedes vierte gezeugte Kind werde abgetrieben. Dabei wiese die gleiche Behörde, die sinkende Abtreibungszahlen melde, darauf hin, dass es tatsächlich in Deutschland immer öfter zu Schwangerschaftsabbrüchen komme. Ja, es deute vieles darauf hin, dass Abtreibungen hierzulande längst als legitimes Mittel der Familienplanung betrachtet werden.

Die beiden letzten Beiträge des Buches von Dieter Ellwanger und Julia Hoffman informieren über praktische Erfahrungen mit dem Schwangerschaftskonfliktgesetz.  Im Anhang werden schließlich das Abtreibungsurteil (inkl. Auszüge der Begründung) des Bundesverfassungsgerichts vom 28. Mai 1993 und die §§ 218 bis 219a des Strafgesetzbuches wiedergegeben, was das die gründliche Lektüre der Beiträge, in denen auf diese Texte verwiesen wird, erheblich erleichtert. Auf fünf Seiten am Ende informiert das Buch über den Bundesverband Lebensrecht und deren 11 Mitgliedsorganisationen.

In diesen Tagen spricht man nicht gern, aber notgedrungen oft, von der dramatischen demoskopischen Entwicklung in Deutschland. Während derzeit ca. drei Erwerbstätige für einen Rentner aufkommen müssen, wird sich absehbar bald das Verhältnis umkehren. Es wäre natürlich zu einfach, für diese Entwicklung allein die Abtreibungspolitik verantwortlich zu machen. Aber zweifellos ist beim Lebensschutz etwas schief gelaufen! Wer sich die Mühe macht, dieses ausgezeichnete Buch zu lesen, wird wachgerüttelt. Man kann nur hoffen, dass die Publikation oft studiert wird und die sachlich hervorragend begründeten Appelle nicht verhallen.

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Außerbiblische antike Quellen zu Jesus

Es gibt überwältigende Belege dafür, dass das Neue Testament ein genaues und vertrauenswürdiges historisches Dokument ist. Dennoch fällt vielen Menschen das Vertrauen in das Neue Testament schwer, es sei denn, das dort Berichtete wird durch unabhängige, nicht-biblische Zeugnisse bestätigt. Michael Gleghorn stellt in seinem Aufsatz „Ancient Evidence for Jesus from Non-Christian Sources“ bedeutende Quellen vor.

Let’s begin our inquiry with a passage that historian Edwin Yamauchi calls „probably the most important reference to Jesus outside the New Testament.“ Reporting on Emperor Nero’s decision to blame the Christians for the fire that had destroyed Rome in A.D. 64, the Roman historian Tacitus wrote:

„Nero fastened the guilt … on a class hated for their abominations, called Christians by the populace. Christus, from whom the name had its origin, suffered the extreme penalty during the reign of Tiberius at the hands of … Pontius Pilatus, and a most mischievous superstition, thus checked for the moment, again broke out not only in Judaea, the first source of the evil, but even in Rome …“

What can we learn from this ancient (and rather unsympathetic) reference to Jesus and the early Christians? Notice, first, that Tacitus reports Christians derived their name from a historical person called Christus (from the Latin), or Christ. He is said to have „suffered the extreme penalty,“ obviously alluding to the Roman method of execution known as crucifixion. This is said to have occurred during the reign of Tiberius and by the sentence of Pontius Pilatus. This confirms much of what the Gospels tell us about the death of Jesus.

But what are we to make of Tacitus‘ rather enigmatic statement that Christ’s death briefly checked „a most mischievous superstition,“ which subsequently arose not only in Judaea, but also in Rome? One historian suggests that Tacitus is here „bearing indirect … testimony to the conviction of the early church that the Christ who had been crucified had risen from the grave.“ While this interpretation is admittedly speculative, it does help explain the otherwise bizarre occurrence of a rapidly growing religion based on the worship of a man who had been crucified as a criminal. How else might one explain that?

Hier geht es weiter: www.bethinking.org.

Man kann nicht alles haben – Frau auch nicht

Wenn Karin Truscheit ausspricht, dass Mann und Frau nicht alles im Leben haben können, dann wirkt das mutig, obwohl es selbstverständlich ist:

Auf die Spitze getrieben ist dieser Nutzenmaximierungsanspruch in der Analyse „Wie viel Mutter braucht das Kind?“ der Konrad-Adenauer-Stiftung. Sie stellte heraus, dass die Kinder von berufstätigen Müttern in der Regel besser in der Schule sind als die Kinder von nicht arbeitenden Müttern. So interpretiert, nützt die arbeitende Mutter der Wirtschaft gleich zweimal: durch ihre Arbeitskraft und die guten Leistungen ihrer Kinder. Alles richtig gemacht! Als ob es darum ginge. Als ob gute Noten eine Antwort auf die Frage sein könnten, wie viel Mutter ein Kind im Leben braucht. Und als ob die Schule die einzige Sorge von arbeitenden Müttern wäre.

Die treibt vielmehr die Frage um, wie man beidem, Familie und Beruf, gerecht werden kann. Erfüllend ist das eine wie das andere. Beides zugleich ist oft mehr Erfüllung, als man stemmen kann. Und das ist das zweite Unerträgliche in der Debatte: das Werten und Entwerten, das Schönreden, wenn es um die Frage geht: Wie viel Karriere kann eine Mutter überhaupt machen? Man kann, als Mutter oder Vater, ganz viele Kinder haben und trotzdem eine Fernsehshow moderieren oder ein Ministerium leiten. Vorausgesetzt allerdings, die meiste Zeit kümmern sich andere um die Kinder. Karriere und Kinder finden zur gleichen Tageszeit statt.

Mehr: www.faz.net.

Gnade ist immer unverdient

Aurelius Augustinus:

Was nun mich betrifft, so bekenne ich wohl, daß ich es nur mit Verdruß ertrage, weil man sich den zahlreichen und klaren göttlichen Aussprüchen, durch die Gottes Gnade verherrlicht wird — sie wäre ja überhaupt nicht Gnade, wenn sie uns nach unseren Verdiensten verliehen würde —, nicht fügen will.

Ostern – das Ereignis

Kevin DeYoung und Greg Gilbert schreiben in ihrem Buch Was ist der Missions-Auftrag der Gemeinde Jesu? (3L  Verlag, 2015, S. 72–73) zum Osterereignis:

Wenn man die Geschichte der Bibel von Anfang bis Ende verstehen will, sollte man eigentlich in der Mitte anfangen: beim Tod und der Auferstehung Jesu. Ist Ihnen aufgefallen, dass alle Evangelisten, auch wenn sie die Geschichte von Jesu Leben und Lehren anhand unterschiedlicher Ereignisse und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen, ihren Bericht darin gipfeln lassen, dass Jesus am Kreuz hängt, stirbt und dann von den Toten aufersteht? Jemand hat einmal gesagt, alle vier Evangelien seien in Wirklichkeit Passionsgeschichten mit einer längeren Einleitung! Das ist vielleicht eine leichte Übertreibung, doch es ist eine zutreffende Beobachtung. Die Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi bilden unbestreitbar den Höhepunkt aller vier Evangelien.

Das Gleiche könnte man über die Bibel als Ganzes sagen. Die Kreuzigung und Auferstehung ist immerhin in Jesu Leben nicht einfach ein Ereignis unter vielen. Es ist das Ereignis, dem das gesamte Alte Testament entgegenblickt. Angefangen damit, dass Gott für Adam und Eva Kleidung aus Tierhäuten macht, über das Opfersystem unter dem mosaischen Gesetz, das stellvertretende Leiden von Israels König und Jesajas Prophezeiung von einem leidenden Gottesknecht, bis hin zu Sacharjas Prophezeiung eines geschlagenen Hirten sehnt sich das Alte Testament nach seiner Erfüllung in einem König, der leiden, sterben und triumphieren würde.

Doch warum? Warum konzentrieren sich die Evangelien so direkt auf Jesu Tod und seine anschließende Auferstehung? Warum deuten das Gesetz und die Propheten so unnachgiebig auf den Tod des Messias hin? Und warum sagen die Apostel solche der Logik zuwiderlaufenden und gefährlichen Dinge wie: „Denn ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu wissen als nur Jesus Christus, und zwar als Gekreuzigten“ (1.Kor 2,2)?

Die Antwort auf diese Frage, meinen wir, erschließt sich, wenn wir die eine Frage verstehen, die ganz im Kern der Gesamtgeschichte der Bibel steht: Wie können hoffnungslos rebellische, sündige Menschen in der Gegenwart eines vollkommen gerechten Gottes leben? Die Frage: „Wie können gerechte Menschen in der Gegenwart eines gerechten Gottes leben?“, oder auch: „Wie können sündige Menschen in der Gegenwart eines gleichgültigen Gottes leben?“, wäre leicht zu beantworten. Doch die Frage, wie sündige Menschen in der Gegenwart eines gerechten Gottes leben können, ist keineswegs einfach – insbesondere, wenn die Bibel selbst uns sagt: „Wer den Gottlosen gerechtspricht …, [ist] dem Herrn ein Gräuel“ (Spr 17,15; siehe auch 24,24). In der Tat sind wir der Ansicht, dass diese Frage die gesamte biblische Geschichte von Anfang bis Ende vorantreibt. Sie definiert den ursprünglichen Sinn der Schöpfung, sie beschreibt das Problem, das uns alle zu zerstören droht, sie ruft nach dem Heilmittel des Evangeliums, und sie deutet voraus auf das große Finale, wenn das Rätsel endgültig und restlos aufgelöst und Gottes Volk für immer in Gottes Gegenwart leben wird.

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Existiert Gott?

Am 26. April 2016 wird es an der Leibnitz Universität Hannover eine philosophische Podiumsdiskussion zur Frage: „Existiert Gott?“ geben. Professor Daniel von Wachter diskutiert mit Professor Ansgar Beckermann (mehr hier).

Beckermann hat erst im Dezember 2015 in München mit William Lane Craig disputiert. Die Debatte aus München kann beim cvmd nachgehört werden: cvmd.eu.

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Die kalte Seite des Feminismus

Es lohnt sich, ab und zu mal eine Stimme des linken Feminismus im O-Ton zu hören bzw. zu lesen. Die britische Journalistin, Autorin und Bloggerin Laurie Penny stellt in einem Interview mit der SZ ihr neues Buch Babys machen und andere Storys vor:

Ich liebe Babys, aber keine eigenen, denn ich will mit Kacke nichts zu tun haben. Nein, ernsthaft: Damit ich mir Kinder vorstellen könnte, müssten sich die Umstände dramatisch ändern und ich weiß nicht, ob sie das jemals tun werden. Es ist eine Schande, dass Frauen sich immer noch zwischen Mutterschaft und allem anderen entscheiden müssen. Außerdem bin ich überhaupt nicht wild auf eine Schwangerschaft. Dafür sollte es wirklich technische Alternativen geben.

SZ: Das ist ein Witz, oder?

Nein, das meine ich völlig ernst. Wir brauchen technische Alternativen zur Schwangerschaft. Warum gibt es noch keine? Die moderne Medizin kann Gliedmaßen wieder annähen und Gesichter transplantieren. Heutzutage ist so vieles möglich, was vor ein paar Jahrzehnten undenkbar war. Eizellen werden bereits in Petrischalen befruchtet. Warum sollten Babys nicht im Labor entstehen? Wieso ist eine technische Alternative zum Mutterleib so undenkbar? Schon in den Siebzigern haben Feministinnen über künstliche Gebärmütter nachgedacht.

Zumindest sollten Wissenschaftler diesen Fragen nachgehen. Es ist nicht nur eine feministische Frage: Schließlich gibt es auch Menschen, die keine Gebärmutter haben. Ich verstehe überhaupt nicht, was an dieser Idee verrückter ist als an der Idee, einen Arm, ein Herz oder ein Gesicht zu transplantieren.

Laurie Penny wird im deutschsprachigen Feuilleton übrigens verehrt. Es gibt sogar das Gerücht, sie ziehe demnächst nach Berlin. Sie gilt als Autorin, „die den Nerv für klare Worte hat und sich eine bessere Welt immerhin vorstellen kann“. DER SPIEGEL bezeichnete ihr Buch Fleischmarkt als „brillantes Plädoyer für einen neuen Feminismus“. Marie Schmidt zog für DIE ZEIT sogar folgendes Fazit: Am utopischen Horizont des Feminismus, den Laurie Penny vertritt, liege eine Gesellschaft, in der es so viele verschiedene Geschlechteridentitäten gäbe wie Menschen. Laurie Penny fordere deshalb Solidarität zwischen „all jenen, die in der heutigen Welt an Geschlechtszuschreibungen leiden“ (Quellen bei Wikipedia).

Mehr: www.sueddeutsche.de.

Seelsorge als Zeichen

Rudolf Bohren schreibt über Seelsorge im Angesicht des kommenden Gottesreiches (Dem Worte folgen, 1969, S. 100–101):

Wenn wir in der Fleischwerdung die Mitte und das Wesen göttlicher Seelsorge erblicken, so sehen wir im Reich das Ziel und die Vollendung aller Seelsorge. Jesus stellt den einzelnen vor das nahende Reich. Seine Seelsorge ist völlig bezogen auf dieses Reich. — Zwei Dinge sind hier deutlich zu machen.

Dieses Reich bedeutet einmal das Ende dieser Welt, das Ende nicht der Leiblichkeit, aber das Ende unserer fleischlichen Existenz. Dieses Reich bedeutet Weltuntergang, Weltende einerseits, Schöpfung einer neuen Erde und eines neuen Himmels andererseits. Das Ende des alten Menschen und die Vollendung des neuen Menschen. Und darum können Fleisch und Blut das Reich nicht ererben (1 Kor 15,50). Dieser welterneuemde Charakter des kommenden Reiches hat seine Konsequenz für die Seelsorge: weil die Heraufkunft des Reiches das vorläufige Ende aller Dinge bedeutet, darum ist die Seelsorge Jesu nicht Seelenpflege in dem Sinne, daß sie bloß seelische oder religiöse Bedürfnisse zu befriedigen sucht, denn die Welt der Seele gehört zu der Welt, die mit ihrer Lust und ihrem Weh vergeht. Darum finden wir bei Jesus so wenig seelsorgerischen Takt: da ist der arme Kerl, der von seinem Bruder übervorteilt wird, da ist der junge Mensch, der Kindespietät an seinen Eltern üben möchte; sie führen einen ganzen Reigen an von Fordernden und Fragenden, die abgewiesen werden. Der wahre Seelsorger kann merkwürdig »unseelsorgerlich« mit den Menschen umgehen. Der gute Hirte verhält sich vollkommen »unpastoral«. – Seelsorge Jesu ist nicht Seelenbedienung, ist vielmehr Konfrontation des Menschen mit dem Reich Gottes.

Weiterhin gilt es zu beachten: dieses Reich, dieses Ende aller Dinge, diese Neuschöpfung Himmels und der Erde, Jesus sagt es ausdrücklich, ist nahe herbeigekommen! Das steht jetzt vor der Tür. Das Kommen völliger Gerechtigkeit, völligen Friedens, völliger Freude, ist nun nicht mehr fern, nicht auf übermorgen zu erwarten, sondern schon auf morgen. Die Wiederkunft Christi ist unmittelbar zu erwarten; »denn jetzt ist uns die Rettung näher als zu der Zeit, in der wir gläubig wurden« (Röm 13,11). Weil das Reich kommt, darum gibt es Seelsorge. Seelsorge ist Zeichen der Reichsnähe.

Und damit haben wir den Ort unserer Seelsorge umschrieben: unsere Seelsorge kommt erst, nachdem die Seelsorge Gottes in der Fleischwerdung schon geschehen ist. Sie geschieht daraufhin, daß Gott bald universale Seelsorge üben und alle Tränen abwischen wird. Sie kann darum nur vorläufige Seelsorge sein, eine Unterhaltung im Vorzimmer gleichsam mit angespanntem Blick, das baldige Öffnen der Tür erwartend. Unsere Seelsorge ist dadurch bestimmt, daß die Zukunft des Himmelreiches auf uns zukommt, uns schon nahegerückt ist. Unsere Seelsorge ist eine Gestalt der Hoffnung, ein brüderlicher Gang in Gottes Zukunft hinein. Rechte Seelsorge ist darum immer »reichsunmittelbar«.

„Rituale stärken uns“

Rituale schaffen Verbundenheit und Struktur, sagt die Entwicklungspsychologin Fabienne Becker-Stoll. Das gilt in den verschiedensten Bereichen – für Kinder wie für Erwachsene.

Es gibt Alltagsrituale, die drehen sich um Pflege und Mahlzeiten. Aber es gibt ja auch die Familienrituale, die an Wochenenden stattfinden. Zum Beispiel kann man am Freitagabend gemeinsam planen, was man am Wochenende unternehmen will. Oder man kann am Sonntag gemeinsam das Frühstück machen oder abends gemeinsam kochen. Das richtet sich auch an ältere Kinder. Rituale schützen uns auch vor der Optionsgesellschaft. Es gibt Millionen Möglichkeiten, etwas zu machen, und Rituale helfen uns, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Hier mehr: www.faz.net.

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