Martin Luther in seinem Kommentar zu Galater 3,13:
Wenn du diese Person Christus ansiehst, siehst du Sünde, Tod, Zorn Gottes, Hölle, Teufel und alle übel besiegt und zu Tode gebracht. Sofern also Christus durch seine Gnade in den Herzen der Gläubigen regiert, ist da keine Sünde, kein Tod, kein Fluch. Wo aber Christus nicht erkannt wird, bleiben diese furchtbaren Mächte. Darum wissen die, die nicht glauben, nichts von jener Wohltat und von dem Sieg. Johannes sagt: ,,Unser Glaube ist der Sieg“ (1.Joh. 5,4).
Victoria Parsons wird auf der E21-Regionalkonferenz in Bonn einen Workshop zum Thema „Hat Gott auch die Künstler geschaffen?“ anbieten. Ich habe im Vorfeld kurz mit ihr darüber gesprochen. Hier ein Auszug:
E21: Wie bist du selbst zum Thema Kunst gekommen?
Victoria: Bei mir gehörten Musik, Tanzen und Bücher immer zu meinem persönlichen Leben. Es sind wenige professionelle Künstler unter meinen Familienmitgliedern. Wir haben uns jedoch immer auf unterschiedlicher Art und Weise für die Kunst interessiert. Die Bühne z.B. – ob Gesang, Tanz, Laientheater oder den Ablauf hinter den Kulissen – hat irgendwie immer einen Platz in unserem Familienleben gehabt. Meine Oma steht mit 81 selbst ab und zu noch auf den Brettern! Wir haben alle auch immer viel gelesen und uns über verschiedene Geschichten, die Politik und Theologie ausgetauscht. Wir waren also, und sind immer noch, eine Familie, die sehr offen über Dinge in der Welt und der heutigen Kultur reden kann. Ob wir miteinander immer einverstanden sind, ist eine andere Frage (lacht).
Ich musste mich aber zuerst als junge Christin mit dem Thema Kunst und Christsein direkter auseinandersetzen, als ich mit 18 zur Universität ging. Mein Leben änderte sich radikal – dort prasselte eine große Welt von Meinungen und Religionen auf mich ein. Ich hatte keine andere Wahl außer zu versuchen, alles was mir entgegenkam, aus einer christlichen Perspektive zu verstehen und die Kunst gehörte dazu, weil die Literatur auch ein großer Teil meines Fremdsprachenstudiums war. Es ist mir z.B. durch das Studium viel klarer geworden, dass die Menschen (Christen auch) sehr von dem Zeitgeist, d.h. von ihrer Kultur, geprägt sind und dass Kunst eine Art Landwirt für den Ackerboden unseres Denkens und Handelns ist.
Gleichzeitig und besonders später als ich zusammen mit sehr künstlerisch begabten Menschen bei dem Studentenmissionswerk UCCF (so ähnlich wie die SMD in Deutschland) gearbeitet habe, wurde mir noch klarer, wie heikel dieses Thema für viele evangelikalen Christen ist. Meine Mitarbeiter bei UCCF haben mir oft davon erzählt, wie missverstanden sie sich in ihren Gemeinden gefühlt haben. Ob und wie ihre Begabungen mit ihrem Glauben zu versöhnen waren, wussten sie nicht. Aber UCCF hat uns ein tolles theologisches Programm angeboten, wodurch wir uns mit dem Thema mehr auseinandergesetzt haben. Wie du siehst, bin ich dann über die Jahre hinweg auf einer komplexen Art und Weise dem Thema etwas näher gekommen.
E21: Du kommst aus England, hast auch schon in Frankreich gelebt und hast zur Zeit deinen Wohnsitz in Deutschland. Denken Christen über die Kunst überall gleich oder gibt es da Unterschiede z.B. zwischen England und Deutschland?
Victoria: Ich denke, es sind tatsächlich Unterschiede aber ich bin derzeit der Meinung, dass diese vielleicht weniger mit der deutschen, französischen oder englischen Kultur, sondern vielmehr mit einer christlichen Sub-Kultur zu tun haben, oder mit Tendenzen, die wir als Christen oft aufweisen und ausleben. Es gibt sowohl in England als auch in Deutschland eine Tendenz innerhalb konservativeren evangelikalen Gemeinden, die Kunst als eine reine weltliche Sache zu betrachten, die uns mit Versuchung und Sünde bedroht. Wir (ich zähle mich auch dazu!) neigen folglich dazu, uns von der „Welt“ fernzuhalten, uns also monastisch von der heutigen Kultur abzutrennen. Oft wird der Vers „wir sind in aber nicht von der Welt“ zitiert, um diese Einstellung zu begründen. Wir spüren also einerseits die Macht der Zeitgeist unser Handeln und Denken zu beeinflussen, sind aber andererseits nicht komplett von der biblischen Wahrheit überzeugt, dass wir mit allem, was wir tun (Kunst eingeschlossen), Gott verherrlichen können und sollen.
E21: Christliche Künstler haben es nicht immer leicht. Sowohl die säkulare als auch die fromme Szene beäugen sie oft kritisch. Hast du einen Tipp, wie Gemeinden Künstler stärken können?
Victoria: Lies Francis Schaeffer und lade deine Künstler zum Mittagessen ein! OK – das sind zwei Tipps. Aber ernst: zeig Interesse an ihnen. „Kunst und die Bibel“ von Schaeffer ist freundlich, verständlich und bündig genug für jeden Einsteiger geschrieben.
Man muss aber auch kein Experte in Kunst sein, um Fragen zu stellen. Viele künstlerisch begabte Freunde von mir haben sich oft sehr isoliert und verwirrt gefühlt, weil sie einerseits ihr Glauben zusammen mit ihren Gaben nicht in Verbindung setzen konnten; sie hatten dazu keiner, der sich die Zeit mit ihnen dafür genommen hat. Andererseits haben sie sehr viel Missverständnis sowie Entmutigung von Gemeindemitgliedern erlebt. Es ist Teil der Missionsauftrag der Gemeinde, unsere Mitglieder mit der Wahrheit zu bewaffnen, damit sie in ihrem Umfeld mit Integrität für Jesus leben können – wie kann das aber passieren, wo es kein offenes Ohr oder eine Beziehung gibt? Ein cooles Gespräch zusammen mit einem leckeren Essen kann sehr viel lösen.
Einige Leute haben sich zusammengetan, um das Projekt www.jointhebibleproject.com in deutscher Sprache herauszugeben. Was genau ist das Bibel-Projekt?
Was ist „Das Bibel Projekt“? Die Bibel – das Buch der Bücher. Dieses packende und beeindruckende Buch erzählt von Gottes Rettungsplan für die ganze Welt. Es ist allerdings auch lang und kann manchmal schwer zu verstehen sein. „Das Bibel Projekt“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die biblischen Erzählungen und Themen in kurzen, kreativen Videos anschaulich zu vermitteln. Die Vision von „Das Bibel Projekt“ ist es, die englischen Videos von „The Bible Project“ auf Deutsch zugänglich zu machen. Diese animierten Videos helfen dir, den Aufbau und Inhalt eines biblischen Buches zu überblicken und besser zu verstehen. Zudem erklärt „Das Bibel Projekt“ wichtige Themen, die für das Verständnis von Gottes Geschichte wichtig sind (z.B. „Himmel und Erde“ und „Königreich Gottes“).
Wer mehr wissen möchte, sollte sich die Internetseite mal anschauen: www.dasbibelprojekt.de. Das Projekt braucht übrigens noch Unterstützer!
Zacharias Ursinus (1534–1583) war ein Theologe von ungeheurem Rang. Er lehrte 15 Jahre lang in Heidelberg und übernahm 1562 an der dortigen Universität Olevians Lehrstuhl für Dogmatik. Besonders bekannt wurde er freilich, weil er den Heidelberger Katechismus maßgeblich ausgearbeitet hat. Vorbereitet wurde er für diese große Aufgabe durch den Austausch mit namhaften Theologen, unter ihnen Melanchthon in Wittenberg, bei dem er studierte, oder auch Bullinger in Zürich und Calvin in Genf. Am gescheiterten Wormser Religionsgespräch von 1557 hat er ebenfalls teilgenommen. Wahrscheinlich hat ihm die Zerstrittenheit der Protestanten dort sehr zu schaffen gemacht.
Gott mutete ihm – wie den meisten großen Theologen – schwere Zeiten zu. Seine Mutter verstarb früh. Als er 21 Jahre alt war, starb auch sein Vater. Er konnte nicht verstehen, dass er sich, geplagt von schwerer Krankheit, wünschte, zu sterben und bei seinem Herrn zu sein. Er hielt die Einstellung seines Vaters für ungeistlich, änderte aber bald seine Meinung. In einem Brief an Johann Crato aus Breslau schrieb er 1553:
Ich wusste damals nicht, was das heißt: „Selig sind, die im Herren sterben“ (Offenb. 14,13). Wenn dies auch in diesem Leben von niemandem recht erkannt werden kann, so will uns Gott dennoch die Anfänge dieser Weisheit lehren. Ich erkenne davon jetzt vielleicht noch nicht viel, aber ich fange an, gewiss etwas davon zu sehen. Wer nämlich das Übel dieses elenden Lebens sieht, könnte er nicht vom Schmerz erdrückt werden oder sofort zu einem Nichts werden, wenn Gott in seiner unendlichen Güte in uns nicht den Trost der Versöhnung, der Gegenwart seines Sohnes in der Kirche und des ewigen Lebens weitergegeben und bekräftigt hätte? O die Armen, die kein Heilmittel haben und sich um keins bemühen, weil sie ihr Elend nicht sehen, in dem sie jetzt stecken und später noch mehr stecken werden!
Ursinus starb nach einem erfüllten Leben und reich gesegnetem Dienst mit 49 Jahren.
Sie stehen in blauen Uniformen und mit Blasmusikkapelle auf der Straße und missionieren – getreu ihrem Motto „Seife, Suppe, Seelenheil“. Die Heilsarmee, eine evangelische Freikirche, finanziert sich aus Spenden. In ihrem militärischen Auftreten kommt sie altmodisch daher. Doch immer wieder wollen junge Menschen Offiziere werden bei der Heilsarmee.
Michael Hirz hat in der Phoenix-Sendung „Im Dialog“ am 27. Mai 2016 mit der Islamkritikerin Sabatina James gesprochen. Wir dürfen dankbar sein, dass es Sendungen gibt, in denen unbequeme Fragen in sachlicher Weise besprochen werden können. Es gibt ja nicht so viele Formate, die es den Gästen ermöglichen, ihre Gedanken auszuformulieren.
Mit „ecce homo“ benennt nach dem Johannesevangelium der römische Statthalter Pontius Pilatus den gefolterten und mit einer Dornenkrone gekrönten Jesus, weil er keinen Grund für dessen Verurteilung sieht (vgl. Joh 19,5, wo „ecce homo“ in Luther 1984 mit „Sehet, welch ein Mensch“ übersetzt wird).
Christian Geyer weist uns als Beobachter des Katholischen Kirchentages darauf hin, dass das „ecco homo“ gern schon mal „zweckentfremdet“ wird. Gemeint ist dann eben nicht mehr der Mensch „Jesus Christus“ im Kontext der Passionsgeschichte, sondern die Lebenswirklichkeit des Menschen in der Gesellschaft. Ein hermeneutischer Schachzug, von dem nicht nur Kardinal Marx beim Leipziger Abschlussgottesdienst Gebrauch gemacht hat. Er ist geradezu symptomatisch für Kirchen, die nicht mehr von Gott her denken, sondern vom Menschen aus und auf den Menschen hin.
Geyer:
Von alldem unberührt legt Reinhard Kardinal Marx beim Leipziger Abschlussgottesdienst das Motto des Katholikentags „Seht, da ist der Mensch!“ in der angesagten inklusiven Lesart aus, nämlich eben gerade nicht im Kontext der Passionsgeschichte als Wort des Pilatus über Jesus Christus (das klassische „Ecce homo!“, wie es in die christliche Tradition und Kunstgeschichte einging), sondern im Sinne der normativen Kraft menschlicher „Lebenswirklichkeit“. Gibt sie nun dem „Ecce homo“ das Maß vor statt umgekehrt? Alles von dieser Lebenswirklichkeit müsse zu seinem Recht kommen, wenn es in die christliche Perspektive gerückt werde (Marx sagt wirklich „Perspektive“, wenn es um die Erlösung geht; Blickwinkel sind allemal inklusionstauglicher als die Bekehrungsaufrufe der alten Schule). Er weiß sich da mit seinem Papst einig, welcher unterstreiche, dass die „Suchbewegung“ Gottes „im Grunde inklusiv“ sei, was bedeute, „möglichst alle in die Perspektive der Hoffnung mitzunehmen“.
Kurzum gehe es darum, und hier schlägt der Kardinal einen nachgerade begehrlichen Ton an, „dass wir als Kirche in Deutschland unseren Weg so gehen, dass wir die Wirklichkeit des Menschen nicht aus dem Blick verlieren“. Statt um „kirchliche Identität“ solle man sich um „den Menschen“, um „die Erde“ sorgen. Aber tun das nicht auch Greenpeace et al.? Der Markenkern der Kirche wird unscharf, wenn sie ihre Marketingstrategen „Ecce homo“ mit „ja zur gesamten Wirklichkeit des Menschen“ übersetzen lässt.
Wie kommt, nebenbei gefragt, die Kirche darauf, dass sie umso attraktiver sei, je mehr „Nähe“ sie nicht nur zum Sünder, sondern neuerdings auch zu seiner Sünde demonstriert? So inklusiv, so schamlos paternalistisch möchte man sich um Himmels willen doch gar nicht verstanden wissen.