2018

Das Erbe des Theologen Karl Barth

Er gilt als der wichtigste evangelische Theologe des 20. Jahrhunderts: der Schweizer mit dem deutschen Pass, Karl Barth. Er starb vor 50 Jahren im Dezember 1968.

In einem DLF-Beitrag wird sein Werk besprochen und dabei kommt auch sein letzter Assistent, Eberhard Busch, zu Wort. Eine kritische Auseinandersetzung fehlt freilich.

Hier:

 

Alle Dinge sind relativ

Während der Vorbereitungen für einen Vortrag zum Thema „Francis Schaeffer: Apologet zur Ehre Gottes“, bald zu halten auf der Bibelbund-Konferenz 2018 in Rehe (allerdings nicht, wie geplant, am Samstag, sondern am Sonntag oder Montag), habe ich wieder einige Texte von Schaeffer gelesen. Es ist schon erstaunlich, wie klar er Probleme auf den Punkt gebracht hat, mit denen wir noch heute zu kämpfen haben.

Ein Beispiel:

Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der alle Dinge relativ sind und in der der letztgültige Wert in dem besteht, was das Individuum oder die Gesellschaft „glücklich“ macht oder was einem gerade ein momentanes Wohlgefühl vermittelt. Nicht nur der hedonistische junge Mensch tut das, was ihm gerade gefällt, sondern die Gesellschaft als Ganzes verhält sich so. Dies hat viele Aspekte, einer davon besteht in dem Zusammenbruch jeglicher Stabilität innerhalb der Gesellschaft.

Nichts steht fest, es gibt keine letztgültigen Normen; es zählt nur, was einen „glücklich“ macht. Dies gilt sogar für das menschliche Leben. Die Titelgeschichte der Newsweek vom 11. Januar 1982 bestand aus einem sechs- oder siebenseitigen Artikel, der überzeugend darstellte, daß das menschliche Leben mit der Empfängnis beginnt. Jeder Student der Biologie hätte dies alles schon längst wissen sollen. Wenn man dann die Seiten umblättert, stößt man auf den nächsten Artikel mit der Überschrift: „Aber ist es schon eine Person?“ Die Schlußfolgerung dieser Seite lautet: „Das Problem besteht nicht darin zu entscheiden, wann wirkliches menschliches Leben beginnt, sondern darin, wann der Wert dieses Lebens andere Überlegungen verdrängt, wie z. B. die Gesundheit oder sogar das Glück der Mutter.“ Der erschreckende Satzteil besteht in „oder sogar das Glück“.

Also kann und wird selbst anerkanntes menschliches Leben um des Glücks einer anderen Person willen beendet. Ohne feste Werte ist nur mein eigenes oder das momentane Glück der Gesellschaft von Bedeutung … Es wird natürlich zunehmend akzeptiert, daß ein neugeborenes Baby immer dann, wenn es eine Familie oder die Gesellschaft vermutlich unglücklich macht, sterben darf. Sie brauchen bloß den Fernseher anzuschalten, so kommt es zunehmend wie eine Flut über Sie.

Generation der Lustlosen

Der jungen Generation in Deutschland geht es einerseits glänzend. Es gibt  attraktive Ausbildungsmöglichkeiten oder Jobperspektiven und natürlich unglaublich fasziniernde Freizeitangebote. Sie erhalten mehr Aufmerksamkeit als wahrscheinlich jemals zuvor junge Leute sie bekommen haben. Trotzdem muss man, wie Göttinger Wissenschaftler herausfanden, seit 2005 einen Anstieg von Depressionen um 76 Prozent im Segment der 18- und 25-Jährigen verzeichnen. Jeder sechste Studierende quält sich mit Gefühlen von Hoffnungs- und Lustlosigkeit, Resignation und innerer Leere.

Woran das liegt, danach fragt die Psychotherapeutin Astrid von Friesen. Einige Antworten mögen überraschen. Nicht nur die Smartphones spielen eine Rolle, sondern auch die oft instabilen Familienverhältnisse:

Liegt es am früh einsetzenden gesellschaftlichen, durch die Eltern transportierten Leistungsdruck, der viele in die Universitäten drängt, obwohl sie zur Theorie wenig befähigt sind? Liegt es an den prekären Arbeitsverhältnissen, die Ohnmachtsgefühle evozieren und zermürben? Tiefenpsychologisch lässt sich Folgendes konstatieren: Das Trauma von hässlichen Scheidungen ebenso wie das vom Vaterverlust. Wenn zudem Eltern, besonders alleinerziehende, den eigenen Entwicklungsschritt weder des emotionalen, finanziellen noch des putztechnischen Loslassens bewältigen, kann eine hermetische Abwehr aus Bequemlichkeit und Anspruchsdenken entstehen. Fällt der vor allem durch gute Väterlichkeit geprägte gesunde Ehrgeiz aus, wird die emotionale Unterversorgung durch passiv-aggressive Dauerausbeutung der Eltern als „Muttersöhnchen“ oder „Prinzessin“ sowie durch Leistungsverweigerung beantwortet.

Hier der volle DLF-Beitrag:

 

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Gab es ein einheitliches palästinensisches Judentum?

Aus: Der neue Paulus: Handreichung zur „Neuen Paulusperspektive“, S. 42–43):

Obwohl die Kritik am Zerrbild des Judentums zu begrüßen ist, hat sich inzwischen gezeigt, dass Sanders seine Quellen einseitig gewählt und über-systematisiert sowie polemisch ausgewertet hat. Während Sanders das Gemeinsame des Judentums in Palästina betont (Common Judaism), sind die religiösen und sozialen Unterschiede zwischen den jüdischen Gruppen weniger klar präsentiert worden. Martin Hengel und Roland Deines schreiben etwa, dass Sanders’ Darstellung des Judentums nur eine Außenansicht ist. „In Palästina haben die Menschen die beachtlichen Unterschiede und Spannungen“ damals viel deutlicher zur Kenntnis genommen. Der jung verstorbene Friedrich Avemarie hat nachgewiesen, dass die rabbinische Soteriologie nicht nur als Gnadenlehre verstanden werden kann, wie das Sanders behauptet. Vielmehr gab es innerhalb des palästinensischen Judentums divergierende Gnadenlehren. Sowohl Billerbeck als auch Sanders haben die Texte jeweils einem soteriologischen Prinzip untergeordnet. Nach Avemarie lassen sich jedoch Werkgerechtigkeit und Bundesnomismus in der frührabbinischen Literatur gleichrangig und nebeneinander nachweisen. Aus etlichen jüdischen Texten geht zudem hervor, dass die soteriologische Bedeutung des Gesetzes und ihrer Erfüllung höher eingeschätzt wird, als Sanders meint. Selbst wenn es stimmt, dass die Tora nicht gegeben wurde, um in den Bund hineinzugelangen, bleibt ja die Frage nach dem Heil. Es ist dem Volk nämlich nicht gelungen, das Gesetz zu halten; und so droht bei einem Gericht nach den Werken eben doch die Verurteilung. Der eben schon erwähnte John Barclay zeigt im zweiten Kapitel seines großen Paulusbuches, dass in etlichen jüdischen Texten (er untersucht fünf Überlieferungen akribisch) etwas zu finden ist, was sich „sehr deutlich von Sanders’ Bild des ‚Bundesnomismus‘ unterscheidet“. Der Neutestamentler Jörg Frey schreibt zu Sanders Sicht des Judentums:

„Methodisch führt die Abstraktion auf Grundstrukturen zu einer Einebnung der je spezifischen Differenzen, zu einem vermeintlich einheitlichen Judentum hinter den Texten, das mit der historischen Wirklichkeit nicht mehr übereinstimmt. Neuere Untersuchungen zeigen, dass das Judentum jener Zeit in seiner Zuordnung von Tora und Heil vielfältiger und weniger schematisch war, als Sanders zugesteht.“

Die Kategorien des rabbinischen Judentums sind also weitaus flüssiger, als wie sich die Vertreter der NPP es sich wünschen.

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Heideggers Universitätskritik

Ich habe mehrfach darüber berichtet, dass der Wissenschaftsbetrieb an den Universitäten teilweise sehr „glattgebügelt“ worden ist. Besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften wird die Suche nach Wahrheit zugunsten der „Diversität“ vernachlässigt (vgl. hier). Wir haben inzwischen eine politisch korrekte Monokultur im Forschungsbetrieb. Anstatt Wahrheitsansprüche zu prüfen, suchen Studierende Aussagen ihrer Professoren, die emotional verletzen könnten. Lehrende und Kommilitonen werden in den USA wegen sogenannter „Mikroaggressionen“ inzwischen sogar denunziert.

In diesem Zusammenhang viel mir eine Aussage auf, die Peter Trawny in seinem frischen Heidegger-Buch zur Universitätskritik des Freiburger Philosophen gemacht hat (Heidegger Fragmente, 2018, S. 51):

Heidegger und die „Forschung“? Wer kann sich ernsthaft Heideggers Vorlesungen übers „faktische Leben“ oder über „Hölderlins ‚Ister‘“ an einer aktuellen Universität vorstellen?

Daher hat Heideggers Universitätskritik einen Punkt. Was, „wenn die Universität selbst keine Möglichkeit mehr bietet, einen Raum der Gefährlichkeit des eigentlichen Denkens freizugeben“? Gefahr meint hier intellektuelles Risiko, Lust zum Experiment, zum Abwegigen, zum Randständigen, philosophische Kreativität, Abstand zu den konformistischen Techniken, die nicht nur die Studierenden, sondern die Dozierenden selbst langweilen.

Ein paar Jahre später hat sich Heideggers Betroffenheit kanalisiert. „Lange Vermutetes“ bestätige sich „immer deutlicher durch die Organisation der Wissenschaften aus der Organisation ihrer Probleme“. Die Wissenschaften seien „während der letzten hundert Jahre auf das sichere Geleise ihres technischen Wesens gekommen“. Noch einmal der Hinweis auf die Gefahr-Reduzierung und Verharmlosung, d. h. auf die Unterdrückung improvisatorischer Spontaneität zugunsten bräsiger Forschungsprojekte („sichere Geleise“), die es im Philosophieren ohnehin nicht gibt.

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Von der Gebetslosigkeit in den Gemeinden

John Onwuchekwa schreibt über das Gebet:

Ich habe in den letzten zehn Jahren in zwei Gemeinden pastoral gearbeitet. Ich war in Netzwerken, Organisationen, Seminaren, Kollektiven und anderen christlichen Gruppen tätig. Ich habe mit visionären Leitern zusammengesessen, die Gemeinden haben, die mit großartigen Strategien vorangehen. Ich habe auch mit Leitern zusammengesessen, die nicht besonders visionär sind und die Gemeinden mit schlechten Strategien betreuen. Ich habe mit begabten Menschen gearbeitet, mit Menschen mit durchschnittlichen Gaben und Menschen mit eher wenigen Gaben oder Fähigkeiten. Ich habe mit attraktiven Kirchen, Missionskirchen, Megakirchen, mittleren Kirchen und mageren Kirchen zusammengearbeitet.

Aus meiner Erfahrung heraus habe ich gelernt, dass diese Unterscheidungen nicht die wichtigsten sind, sondern unwesentlich und sekundär. Wenn ich eine Grenze ziehen müsste, um zwei Kategorien von Kirchen zu schaffen, würde sie sich nicht an diesen Unterschieden entlang ziehen. Ich habe gelernt, zwischen Kirchen die beten und solchen, die nicht beten, zu unterscheiden. Die Verpflichtung einer Gemeinde zum Gebet ist einer der wichtigsten Faktoren im Blick auf ihre Wirksamkeit im Dienst. Das Gebet ist Sauerstoff für den Christen. Es unterstützt uns. Daraus folgt, dass das Gebet eine Quelle des Lebens für jede Gemeinschaft von Christen sein muss.

Mehr: credomag.com.

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Fake News in den Wissenschaften

James Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose haben sich den Spass erlaubt, bei angesehenen Wissenschaftsjournalen Aufsätze mit völlig unsinnigen Thesen einzureichen. So behaupten die Autoren etwa in einem Forschungsprojekt, dass es in Hundeparks besonders oft zu sexuellen Übergriffen zwischen Hunden komme. Der eigene anthropozentrische Erkenntnishorizont habe es zunächst erschwert, diese Übergriffe zu identifizieren. Letztlich sei es aber gelungen, zu zeigen, dass diese Parks eine Vergewaltigungskultur fördern. Etliche der eingereichten Projekte wurden akzeptiert und in den Fachzeitschriften veröffentlicht.

Die drei eher linkslastigen Akademiker wollten mit dem Experiment zeigen, dass die Wissenschaften rund um Feminismus, Rassismus, Sexualität, Gender oder die Kulturwissenschaften besonders leicht korrumpiert werden können. Es reiche dafür aus, gewisse (postmoderne) Erwartungshaltungen zu bedienen. Setzten sich Autoren beispielsweise für Frauen- oder Minderheitenrechte ein, stiegen die Chancen auf Veröffentlichung. Ergebnisse, die hingegen diesen Erwartungen nicht entsprechen, würden herausgefiltert. Mit Wissenschaft habe das wenig zu tun. Doch so ein korrupter Forschungsbetrieb, der von den Medien auch noch dankbar aufgenommen und popularisiert würde, entwickle eine starke politische und kulturelle Prägekraft.

Die publizierten Aufsätze gibt es mit weiteren Hintergrundinformation hier. WJS hat über das Experiment berichtet. Siehe zum Thema auch den Beitrag „Evidenzparadogma“.

Und nun unbedingt dieses lustige Video genießen:

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Auch Politiker können sich irren

Recep Tayyip Erdogan hat die Eröffnung der großen Moschee in Köln-Ehrenfeld als Bühne für sich benutzt. Politiker zeigten sich überrascht und enttäuscht. Allen voran der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der sich vor rund 10 Jahren vehement für den Bau der Moschee ins Zeug gelegt hatte.

Musste er wirklich überrascht sein? Als der jüdische Schriftsteller Ralph Giordano vor 10 Jahren auf das Problempotential der Ditib aufmerksam machte und – wie wir im Nachhinein festellen können – in vielen Punkten schlicht und einfach richtig lag, fiel dem damaligen Integrationsminister Armin Laschet nichts anderes ein, als den Juden Giordano in die rechte Ecke zu stellen.

Laschet hätte lieber auf die Argumente Giordanos hören sollen. Die Kölnerin Hildegard Stausberg, die beim Einkaufen hin und wieder mit Giordano klönen konnte, erinnerte im Februar 2017 in DER WELT an den 2014 verstorbenen Schriftsteller:

Auch zeigt sich immer klarer, dass enge strukturelle Verflechtungen zwischen Ditib und den türkischen Generalkonsulaten einen direkten Zugriff Ankaras hier in Deutschland ermöglichen. Was für ein Horrorszenario: Moscheen in Deutschland als servile Unterstützungszentren für die Machtfantasien eines Recep Tayyip Erdogan. Musste das alles so kommen? Mussten wir so blauäugig sein?

Giordano hat das Problempotenzial mit schonungsloser Weitsicht prognostiziert. Schon Mitte 2006 sagte er in Richtung Ditib, es gebe in den islamischen Verbänden in Deutschland Funktionäre, „die den liberalen Rahmen und die Toleranz der freiheitlichen Verfassung nutzen, um totalitäre Ansichten von Staat und Religion in ihren Enklaven durchzusetzen“.

Hier mehr: www.welt.de.

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